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Amtliches Verkündigungsblati des Kreises Matburg.

Tageszeitung für (bas früher kurhessische) Oberhessen

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Montag, 20. SeptSr.

(Schridiug.)

DieOberbesflsche Zeltun«" erscheint sechsmal wschentlich. S«»ugspteie «»»atlich 0>a <11(1 4 «?., durL die Post 4.20 Mk. Für ausfaüenLe Nummern infolge EtE, oder TH. ZI» elementarer Lrelgntss« kein Ersatz. - Brrlaa »on T.v'tzeroth. Druck der *" Univ.-Buchdruckerei von I«tz. Bug. «och Markt 21'23. Fernsprecher 55.

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Ser Krieg im Sto.

Die russisch-poluifchen Friedeusverhandlungeu.

Riga, 20. Sept. Ant 18. September hat die rifis Zusammenkunft zwischen den beiden Vor- fitzendcn der Frietwnsdelegationen Dombski und Foffe stattgefunden, wobei die Beglaubigungs­schreiben ausgctauscht wurde». Die erste Sitzung 'hatte ausschließlich allgemeinen informatorischen Charakter. Außerdem wurde die erste Plenar­sitzung der Friedenskonferenz endgiltig auf Diens­tag den 2i. September festgesetzt.

wb. Warschau, 19. Sept. Das BlattCzas" Veröffentlicht eine Mitteilung, wonach die polni­schen Friedensbedingungen u. a. verlangen: 1. Im Augenblick des Abschlusses des Waffenstillstandes bleiben die beiden Strntcen in ihren Stellungen, die ste augenblicklich besetzt haben. 2. Die Grund­linie für die Grenzen ist die Grenze zwischen der Teilung (1793). Die Gebiete westlich dieser Linie fallen Polen oder Litauen zu.

Wrangel meldet neue Erfolge.

wb. Paris, 18. Sept. Havas meldet aus ^Konstaniinopel: Offizielle Berichte vom 14. und

15. Sroiember der Armee Wrangel besagen: In der Richtung Mariupol und Pologui gingen un­sere Truppen zur Offensive über und besetzten meh­rere Ortschaften, nahmen zwei Geschütze und Ma- schiueng wehre und machten viele Eefngene. Am 11. 9. haben wir an der gleichen Front drei Regi­menter nebst Kanonen und Material gefangen ge- nonrmen. Am 15. 9. setzten wir die Offensive fort, eroberten mehrere Ortschaften bei der Verfolgung des Feindes und machten viele Gefangene, wobei wichtiges Material erbeutet wurde.

Keine Unruhe» i« Petersburg.

wb M oskau, IG. Sept. (Funkspruch.) Fran­zösische Fiu'.kenstalionen verbreiten wiederum lächerliche Liigennachrichten über Rußland. Das letzte Erzeugnis ihrer Phantasie ist ein angeblicher Bericht von Kopenhagen, der besagt, daß in Po- tereburg letztens eine Revolution ans geb rochen fei, bei der mehrere Volkskommissare getötet und

<ir. die Newa geworfen worden seien. Selbstver­ständlich hat sich nichts derartiges ereignet. We­der dort noch in irgendwelchen anderen Teilen Rußlands sind Unruhen ausgebrochen. Alle Volks- kvmmiifare find auf ihren Posten. Gegen die eisern Dlkiatur der bolschewistischen Bürokratie können ;e Beherrschten wenig ausrichten.

109 russische Matrose» erschossen.

tob. Lo penhagen, 18. Sept.National Tidende" meldet aus Helsingfors: Der Chef der russisch.'n Ostseeflotte, Admiral Raskolnikow, ließ kürzlich an 100 Matrosen den Mobilmachungs­befehl ergehen. Diese weigerten sich ihm zu ge­horchen und leiteten eine Bewegung gegen Raskol­nikow ei», den ste eilten Würger nannten. Ras­kolnikow hat die 100 Matrosen erschließe» las­sen und so die Ordnung wieder hergestellt.

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Ein französisch-polnisches Wirtschaftsabkommen.

Warf([)au, 20. Sept. Wirtschaftsminister Sliwinfk: begab sich füru einige Tage nach Paris em die Verhandlungen über ein französisch-pol­nisches Wirtschaftsabkommen abzuschlietzen.

Lettisch« Forderungen an Deutschland.

wb. L i b a u , 16. Sept. (Funkspruch.) Die Kommission jur Kriegsschäden stellt die durch die öeuifchen Arnteen in Lettland angerichteten Schä­den auf 90 Millionen Goldrubel fest. Mit dem durch Bermondt ungerichteten Schaden beläuft sich di« Summe auf 119 Millionen. Die deutschen Ge­genforderungen für Bauten in Lettland und zu- rückgelaffenes Kriegsmaterial werden sich nicht auf ein Drittel der lettischen Verluste belaufen.

Die polnisch-litauischen Verhand­lungen.

«>b. Kcmno, 18. Sepi. Gestern fand in Kal- varia die erste Sitzung der polnischen und litaui­schen Delegationen statt. Die polnischen Delegier­te» erklärten, der Durchzug bewaffneter bolsche­wistischer Truppen durch litauisches Gebiet bedeute eine Verletzung der litauischen Neutralität. Sie warfen den Litauern vor, daß ste mit den Bolsche­wisten unmittelbar zusammenarbeiteten. Die Po­len verlangten, daß die Litauer der polnischen De­legation eine formelle Garantie für die litauische Neutralität geben sollten und daß vor Eintritt in die Verhandlungen dir litauische Armee sich hinter di, am 18. 7. 1919 festgesetzte Foch-Elemencrau- ßin'e zurückziehen sollte, da das von den litauischen

Truppen besetzte Land Polen zuerkannt sei. Die itauifche Delegation dagegen erklärte, daß die Be- chuldigung der Verletzung der litauischen Neu­tralität unwahr sei und daß besondere Garantie :iit die litauische Neutralität überflüssig sei. Die litauische Regierung habe von der Festsetzung der Foch-Clemenceau-Linie niemals offizielle Kennt­nis erhalten und auch keine Gelegenheit gehabt, an cher Festsetzung dieser Linie teilzunehmen. Zu­dem tue diese Linie dem ethnographischen Litauen Abbruch, indem sie große Teile Litauens Polen zuteile. Litauen lehne diese Linie glatt ab.

Die Litauische Telegraphen-Agentur teilt noch mit, daß die polnischen Delegierten als Voraus­setzung für die Verhandlungen mit den Litauern die'sofortige Räumung der Städte Seimy und Punsst verlangten. Die litauische Delegation lehnte diese Bedingung ab und war bereit, in Verhand­lungen über die Festlegung der Demarkations­linie unter der Voraussetzung einzutreten, daß die litauischen und polnischen Truppen in ihren gegen­wärtigen Stellungen verbleiben.

mb. Warschau, *18. Sept. Wie derKurjer Poranny" meldet, beschloß die Regierung, die jüdisch- 'ozialistifche Partei a u f z u l ö s e n, da sie im Einver­nehmen mit Rußland feindselig gegen Polen ausge­treten sei.

Die Lm li NnWOi. Neue Bluttaten.

Oppeln, 20. Sept. In dem Dorfe Zirkowitz m Kreise Oppeln fand am Samstag abend eine Lehrer Jubiläumsfeier statt, wobei auch getanzt wurde. Plötzlich fielen aus nächster Nähe durch die Fenster sieben Schüße, wodurch eine Frau und zwei Lehrer schwer verletzt wurden. Alle Nach­forschungen nach dem Täter durch die Abstim­mungspolizei blieben vergeblich. Es handelt sich vermutlich um einen Racheakt der polnischen Be­wohner.

B e r l i n, 18. Sept. Der Lokomotivführer Latus- seck aus Jdawiiche, der von polnischen Banditen nach dem Gieschewald entführt wurde, ist, nach einer Mel­dung derBoss. Zeitg." dort tot aufgestinden worden. Von dem aus Schoppinitz verschleppten Oberwacht- «ceistcr Wittrin ist noch keine Spur aufzustitden.

wb. Rhbnik, 18. Sept. Wie derDberschesische Wanderer" meldet, wuttre heute früh der Postbote auf dem Wege nach Kriewald in der Nähe der Pulver­fabrik Lhgnose von vier bewaffneten Banditen über­fallen. Die Räuber stürzten den Postkarren um und raubten außer den Wertsendungen 20 000 Mark in bar. Sie entkamen in einem wartenden feldgbrueu. Automobil.

wb. N e u st a d t (Oberschles.), 19. Sept. Die Neustädter Zeitung" berichtet von dem Auftreten von Banden im Kreise Neustadt, die es offenbar auf die Bahnstrecke Neustadt-Kandrzin abgesehen hätten. Ein Wärterposten sei überfallen und dec Etreckenfernsprecher sowie di« telephonische Ver­bindung Deutsch-NasfelwitzOber-Elogau zerstört worden.

Verhaftung der Mörder von Iofefstal.

wb. Beuthen, Ist. Sept. Die Mörder von Zosefstal find auf Anordnung des Kreiskontrol­leurs durch Mannschaften der Abstimmungspolizei verhaftet worden. Der Rädelsführer, «in gewisser Baron aus Birkenhain ist entwichen. Er hält fich offenbar jenseits der Grenze auf. Sechs am Mord Beteiligte, sämtlich aus Birkenhain, die im Alter von 18 bis 25 Jahren stehen, sind ins Gefängnis eingeliefrt worden.

Wo die Waffe« Herkommen.

Berlin, 18. Sept. DieOberschlesische Volks­stimme" veröffentlicht einen Aufruf aus derGlos Pracy" vom 22. August, einem im polnischen Jn- dustriebezirk erscheinenden Arbeiterblatt, in dem zur Sammlung von Geld und Liebesgabe» sür die Brüder in Oberschlesien, die Waffen, Munition und Verpflegung brauchen, aufgefordert wird. Die Gaben will di« Redaktion an die Kommandantur in Schoppinitz, mit der sie engste Fühlung habe, übermitteln. Der Aufruf wirst ein bezeichnendes Licht auf die Wegebaus denen die polnischen Auf­rührer in Oberschlesien ihre Waffen erhalten. Be­sonders bemerkenswert erscheint aber, daß unter den Augen der interalliierten Kommission ein« polnische Kommandantur in dem deutschen Orte Schoppinitz bestehl.

Polnische Oberschlefier gegen Korfnnty.

wb. B r c s l a u , 19. Sept. Di« oberschlsfifch«n Angestellten des polnischen Abstimmungskommis­sariats schlosie» fich zu einem Bunde zusammen und und erließen einen ösfentlichen Aufruf in Benthe», worin sie gegen die kläglichen Gehälter

protestieren, während die aus Polen kommenden Agitatoren Korfantys in Saus und-Braus leben. Korfanty verlangte die Auflösung de« Bundes und entließ den Vorsitzenden. Der Aufruf wünscht, daß Korfanty und seine Agitatoren im Interesse des Allgemeinwohls Oberschlefien verlassen, widrigenfalls man ihm denHeiligen Krieg" er­klären würde. Ferner wurde ein nur in polnischer Sprache gedruckter, vom oberschlestschen Abstim­mungskomitee unterzeichneter Aufruf an die große Menge verteilt, der sich gleichfalls sehr scharf g e. gen Korfanty ausspricht und dessen Beseitigung aus Oberschlesien fordert.

Abberufung de» deutschen Abstimmungskommissars.

Oppeln, 20. Sept. Wie die Telegraphen- Unton aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist ckit der Abberufung des deutschen Abstimmungskommisiars Fürsten Hatzfeld, für die nächsten Tage zu rechnen.

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Zur Verhinderung der Genfer Konferenz.

«Eine englische Stimme gegen die imperialistischen Pläne Frankreichs. '

wb. Amsterdam, 18. Sept.Daily New»" chreibt in einem Leitaussatz, matt müsse begreifen, > innerhalb der nächsten zwei Monate Entscheidun­gen getroffen werden müßten, von denen die gesamte Zukunst der europäischen Politik abhäuge. Da» Blatt weist darauf hin, daß von beit bevorstehenden Völker- bundsversammlungen in Brüssel und Genf, vor allem der letzteren, die Zukunft des Bundes und daher auch »er Weltpolitik in großem Maße abhängen wird. Die Eröffnung direkter Verhandlungen mit den Deutschen in Spaa habe einen beträchtlichen Fortschritt bedeu-- tet. Die wichtigste Frage, die in Spaa erörtert wer- 5en sollte, fei jedoch bis zum nächsten in Genf statt- ittbetiben Zusammentreffen verschoben. Jetzt aber tue eine der hauptsächlichsten verbündeien Mächte ihr Mög­lichstes, damit die Genfer Verhandlungen nicht statt- $nben; trotz der Bestimmung des Völkerbundes, wo­nach alle international« Abmachungen dem Sekre­tariat des Völkerbundes mitgeteilt und , von diesem veröffentlicht werden müssen, hätten z'.vei Unterzeich­net« des BSlkerbnt'.dsvertrageZ ein internationales Ab- komnten geschlossen und frei heraus erklärt, daß sie nicht die Absicht haben, dieses Abkommen dem Sekre- iariat deZ BSlkerbundes mitzuteilen. Zugleich bildeten in Europa keine Staaten eine sogenannte Keine En­tente.Daily News" kommt zu dem Schluß, daß die Bölkerbirndsversammlung im November in Genf zur wichtigsten internationalen Versammlung gemacht werden könne, die dir Welt je gesehen habe, wenn die Staatsmänner sie dazu machen wollten. Das Blatt tritt dafür ein, daß Großbritannien seine einfluß­reichste Abordnung nach Gens entsende, die eS zu­sammenstellen kann, ba bann jeder Staat dem Bei« sviel Englands folgen werde und empfiehlt die Teil- riahme Lloyd Georges, Balfours, Robert Cecils, GreyS bezw. ClhneS. > ..... i

Italien für den Eintritt Deutschlands und Oester, reich» in den Völkerbund.

Zürich, 19. Sept. Telegramme de»Secolo" und desCorriere della Sera" aus Rom bestäti- aen nunmehr, daß Italien offiziell den Antrag m den Völkerbund gestellt habe, die Bedingungen für den Beitritt Deutschlands und Oesterreichs in den Völkerbund festzusetzen und den beiden Staaten bekanntzugeben.

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Das Vorrücken der Serben in Albanien.

Diplomatischer Schritt Italien« in Belgrad.

wb. Paris, 18. Sep!. Nach einer Meldung desEcho de Paris" aus Rom hat die italienische Regierung gestern einen diplomarischen Schritt in Belgrad unternommen, um die Aufmerksamkeit der südslawischen Regierung aus das ständige Vor­rücken der südslawischen Truppen in Albanien hin­zulenken und sie aus die Einhaltung der Bestim­mungen des Friedensvertrags hinznweifen. D'.e Tribuna" hofft, daß fich auch die englische Regie­rung und die französische Regierung diesem Schritt anschließen werden.

Nach einer Radiomeldung aus Rom ist der montenegrinische General Martinowitsch im Be­griff, Skutari mit 3000 Mann anzugreifen.

8 Torpedoboot« attegeliefett. Am 18. d. Mw. find aus Wilhelmshaven in Ausführung der Friedensoer- tragsbeftimmimgen weiter« acht Torpedoboote zur Auolirferuy- «ß England abgegangen.

M kMmbilt SiMtilut.

Die NücktrittsaHichteu des Reichsfinanzminister».

Die Verhältnisse unsere« Finanzwesen« spitze« ich allmählich auf eine Entwickelung zu, die nach einer Lösung bet bergehoch aufgetürmten Auf« gaben und Kchwierigkeiten drängt. Wie gemeldet Ireabsichtigt der Reichsfinanzminister Dr. Wirt« zurückzutreten. Eine halbamtliche Beruhigung«« Meldung bekannter Art spricht zwar nur von ®e« rlichten, gibt aber zu, daß sich zwischen dem Reich*« postminister und dem Reichsfinanzminister in der Besoldungsfrage Differenzen ergeben haben. Dies» würden das Reichskabinett in. den nächsten Tagen beschäftigen. Bei diesen Verhandlungen werd« di« Vesoldungsfrage aber nur eine untergeordnete Roll« in den großen Entscheidungen spie- en, die in der Finanzwirtschaft des Ruches uni der Staaten getroffen werden.

Die augenblickliche Lage ist dadurch erwachsen, daß der Reichsfinanzminister trotz aller Bemüh« ungen keine Möglichkeiten steht, die Einnahmen des Reiches in ein dem Maß« und Umfange der Ausgaben entsprechendes Verhältnis zu bringen. Die Hoffnungen, die an den Ertrag mancher Steuerarten geknüpft worden waren, haben sich üis jetzt nicht erfüllt, auch nicht erfüllen können, weil für einen großen Teil dieser Steuern noch nicht einmal die Veranlagung durchgeführt ist. geschweige denn, daß diese auf große» Zufluß br« rechneten Steuerguellen zum Nutzen des Reiche« lösten. Die Hemmniffe, die überall stch auftürmen, cheinen unüberwindlich. Die einzige Steuer, die >is jetzt auf Grund des neuen Systems durchzufüh- ren versucht wurde, der 10 %>ige Lohnabzug, be­gegnet« In den beteiligten Kreisen einem Wider» taub, der nicht nur zu den schwersten sozialen Er» chütterungen, sondern auch zu den empfindlichsten polttischen Mtßhelligkeiten führte.

Dazu kommt nun weiter: In den Reichsbetrie» ben, insbesondere in den Reichsverkehrsanstalten, der Post und der Eisenbahn, wurden über den Rah» men der Besoldungsordnung hinaus Ansprüche erhoben, die unter bestimmtem Druck anscheinend in den beteiligten Ministerien einer Förderung begegneten, die mit der materiellen Lage des Rei­ches nicht in Einklang gebracht werden konnte. Der Reichsfinanzminister hat jedenfalls geltend ge» niacht, daß er nicht in der Lage fein werde, bit daraus sich ergebenden Mehrlasten für das Reich zuzugestehen. Wenn auch di« Hoffnung besteht, daß die Differenzen eine gütliche Beilegung erfah­ren werd«», so darf man fich doch nicht darüber Hinwegtäuschen, daß die Rückt rittsabsicht de* Reichsfinanzministers nicht erst feit gestern besteht, andern lange zurückreicht und ihren Grund in der ganzen katastrophalen Entwickelung bet ft» nanziellen Verhältnisse de» Reiches hat. Alle Be­mühungen zu einer grundlegenden Aenderung haben sich bisher als vergeblich erwiesen. Die latente Krise, die nun erwachsen ist, wird jedoch erst nach Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin ihre Lösung finden können. Die politische Bedeu» tuug bet ganzen Angelegenheit geht aber weit über ben Krei« de» Reichsfinanzminifteriums hin­aus und berllhtt unsere gesamt« politische und wirtschaftliche Lage.

Da, Wolffbüro teilt mitt Im Ausland« scheine« Gerüchte verbreitet zu werden, daß da» Deutsche Reich die Abstempelung seine» Papiergelde» vornehme« werde. Demgegenüber ist festzustellen, daß diese Ge­rüchte jeglicher Begründung entbehren.

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Die Nachfolge Deschanels.

wb. Pari», 18. Sept. DerSlatin berichtet, daß Millerand und der Kammerpräsident Perret im Laufe de» gestrigen Tage» bei dein Staatspräsidenten Leon Bourgeois Schritte unter,wmmen haben, u« ihn zur Annahme der Präsidentschaftskandidatin zu veranlassen. Läon Bourgeois hat aba endgültig ab« gelehnt. Nachmittag» vereinbarten Perret und Jon« nart, daß, falls sie beide zur Ausstellung ihrer Kan« bib«ut veranlaßt würden, derjenige sich unmittelbar zu Gunsten seine- Gegenkandidaten «ntschcideu soll, der die wenigsten Stimm« in der Vollversammlung erhält.

Man hofft immer noifc Miller m», für bei ant Dienstag im Parlament eine besondere Huldigung vorbereitet wird, zur Annahme bet Kandidatur zu bewegen, sür die auch Jonnart unb Perret eintrete«,

Auch in ben Wandelgäng« der Kammer hält maX es für wünschenswert, daß bk Kandidatur Kille* ranbS ausgestellt werde, b« diese bk einzige p» sein scheine, die fast vollständige Einstimmigkeit bet Stim­men auf sich vereinigen könne.

wb. Pari», 18. Sept. 18. Sept (HaoaS.) Doj DtziyM SnsaNmentttttS der französisch« Still«