Amtliches DerNndigungsblaü des Kreises Marbmg.
Rr. 210
Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen ____________ •__
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Marbuvq Donnerstag, 9. Septbr. (Scheidimg.)
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Itt AWm dtt MsGMkii M!kH- Földkklllig.
: i Sine deutsche Note an die Friedenskonfetenz.
wb. Berlin, 8. Sept. Die deutsche Friedens- tzckzatiou in Paris hat der Friedenskonferenz folgende Me überreicht:
r Unter rücksichtslosen Eingriffen in die Versorgung fct deutschen Kohlenderbranchrr hat die deutsche Regierung alles daran gesetzt, um die in Spaa übernommenen Kohlenlieferungsverpsiichtungen zu erfüllen. Ihre Bemühungen waren bisher von Erfolg gekrönt. Tie täglichen Lieferungszahlen des Monats August lassen erhoffen, daß das Licferungssoll in diesem Mo- „at erreicht wird. Die deutsche Negierung hält sich jedoch für verpflichtet, die Aufmerksamkeit der verbündeten Regicrnngeu mit allem Nachdruck daraus zu lenken, daß ihr die Erfüllung der von ihr cin- tzkgangrnen Verpflichtungen unmöglich gemacht tr-ix>, wen» die Kohlenproduktimr, die ihr zur Zeit der stzrrhrndkilirgeu von Spaa zur Verfügung stand, eine kitischränkung erfährt. Diese Voraussetzung ist durch die immer ernster werdende Lage in O b e r s ch l e s i e it eingetrcten. Während die mit den Vertretern der Berg- «rbeitcrorganisationen vor kurzem in Oberschlesien geführte.: Verhandlungen volles Verständnis der Berg- arbeiter für die überaus schwierige Lage Deutschlands und ihre Bereitwilligkeit erkennen ließen, durch Mehrarbeit die oöerschlesische Kohle-chörderung zu steigern, haben die angenblickticheu Vorgänge in Ober- .fchles icu bewirkt, daß int Gegenteil die Kohlcupro'oukiion klschreckcnd gesunken ist, und daß von dem Deutsch- -kaud belassenen Anteil an der overschlesischeu Kohlen- fördernng nur noch verschwindende Mengen nach Dee?schlauö gelangen. Eilt Ersatz dieser Fehlmengen durch eine wettere Kürzung der Jnlandversorgung ist wicht möglich. Der deutschen Regierung ist durch die Bestimmungen des Friedensvertrages jede Möglich keit gciwmm.cn, ihrerf.its für die Beseitigung der diründc des Rückganges der oberschlesischen S'.cru- kchtenfirderuitg Sorge zu tragen. Sie beehrt sich daher, au die verbündeten Regierungen nochmals die dringende Bitte zu richten, unverzüglich die in bett brutsche« Noten vom 21. und 25. 8. geforderten Maßnahmen zu ergreifen. Nach den gestern eingegangeueu lchgravhischen Meldungen soll die iitteralliierte Kom NifsisL die Kohlensendnngcn ans Oberschlejie» überhaupt gesperrt haben. Wie die deutsche Dele-- ßstion in Spaa dargelegt ttnb die dortige Konferenz durch den öhtttb des Uinisterprusidenten Lloyd George und des Präsidenten der Konferenz Delacroix ausdrücklich anerkannt hat, ist die Ausführung des Kohien- «bkommcns vom IG. Juni 1920 abhängig von einer ausreichenden Belieferung Deutschlands mit ober schlesischer Kohle. , , >
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■ ’'! Frankreich mit Kohlen reichlich versorgt.
wb. Paris. 8. Sept. Wie der „Pettt Parisien" toin Arbeits-Minister Le Trocquer erfuhr, hat Frankreich im August außer den deutsche» Kohlrnlieferunge» 166 090 Tonnen aus England, 280 000 aus Amerika Md SO 000 aus Belgien eingesiihrt und außerdem 1 000 Tonnen selbst gefördert. Der Resorvevormt
der französischen Eisenbahnen, der int Januar nur ito 00(i Tonnen betrug, beziffert sich jetzt auf 800 000 Tonnen. Das ist der normale Dnrchschnitisstaud, »et dem Kriege. Der Refervevorrat der Pariser Gas- «tstalten, der 1919 nie höher als 25 000 Topnen war, übersteigt heute 900000 Tonnen. >, ... u
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Tie polnische Abstimmnngspolizei.
£ a 11 o tu i b, 7- Sept. Die Lage ist im alfgemeinen »«verändert. In de» Landkreisen dauern die AuLschrei- Mngcn der Polen gegen die deutsch« Bevölkerung weiter au. Teiltveise hat sich die Lage so verschärft, daß zahlreiche fmtsche 'Familien, die bis jetzt trotz aller Verfolgungen « ihrer Heimat ausgeharrt hatten, dir Flucht ergreifen. WuS Bittkow bei Michalkowitz find in den letzten Tagen Klein 25 deutsche Familien geflohen, da sie bei den ioct- «setzteu Drohungen der Polen für ihr Leben fürchten Küßten. Tie .Flüchllingc, die in ihre Heimat zurück- »ekehrt waren, wurden von den poln.ischnr Banditen sürch- lkrlich mißhandelt. In vielen Gegenden ruht der kchulbetrieb vollständig, da die Kinder der Polen sich tetgetn, sich in deutscher Sprache unterrichten ju lassen. 5tt den Orken, wo nach n.nterrichtet wird, geschieht dies? burch Lehrerinnen. Tas männliche Personal ist zumeist »stohen. Ihre Wohnungen wurden von den Polen ge° dlündert und demoliert, Tie neu gebildete Ab- ^Ammnngspolizei versucht jetzt allmählich ihren Dienst «rfzunehmen. Daß sie dabei bei der polnischen Bevölke- vrng auf großen Widerstand stößt, haben die Vorgänge Ä Mhslowitz gezeigt. Jetzt wich aus Lipine gemeldet, Mtf$ dort die Polen von den einrückenden polnischen »vlizer beamten verlangten, als Bekenntnis ihrer Ge- Mtnung polnische Lieder zu singen. Die Polizisten «men dieser Aussocherung nach und wurden darauf unter *ot Jubel der Polen mit Musik zu ihrem Quartier gc- «stet. Das erste, was die polnischen Beamten am folgen-
Tage taten, war, daß sie Versammlungen einveciefen, « denen fit selbst als Agitatoren für einen Anschluß «Herschlesiens an Polen austraten. In Kattowitz ver
weigerten die Polen in der AbstimmungSpolizei den deut» stben Offizieren den Gehorsam und verlangten die sofortige Einsetzung polnischer Vorgesetzter. Es bchurfte erst der Vermittlung des französischen Polizeikommandanten, Kapitän Natiöi», um sie zu beruhigen und von dieser Forderung abzubringen.
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Mette Qssensivabfichten der Bolschewiki.
Basel, 8. Sept. Ein Pariser Havastelcgramm meldet, daß die Bolschewiki erneut Trnppenmassen zu« sammenziehen, um eine Gegenoffensive zu unternehmen. In Wolhynien sind in wenigen Tagen 10 frische bolschewistische Divisionen ausgetreten. Im Bug-Abschnitt haben die Bolschewiki mit starken Kräften angegriffen und außerordrntlickw Erfolge gehabt.
Wb. Königsberg, 8. Sept. Dem heutigen Lagebericht zufolge dehtttcn östlich von Lemberg die Polen ihre Aagrissssront weiter nördlich aus und überschrittc» zwischen Kamiouka und Busk den Bug. Gegenangriffe der Bolschewisten bei 83uff und Krasne wurden abgeschlagen. Dagegen mußte die polnische Front zwischen Ehodorow und Rohatyu z u r ü ck g e - n o >nine n werden.
Wb. Paris, 8. Sept. Nach einer Nadiomeldnng aus London ist in den letzten Kämpfen bei Pultrtsk der Sohn Trotzkis gefalle».
kg. Rotterdam, 8. Sept. Die „Times" meldet aus Riga: Die polnische Delegation hat den Russen eine Frist bis Sonnabend zur Gegenerklärung gc- gcbeu. ,
Wb. Bern, 8. Sept. Das lettische Jnfarmatioirs- büro bezeichnet die Moskauer Meloung, daß zwischen Rußland und Lettland Feindseligkeiten begonnen hätten als nicht zutrrsfend. Lettische Soldaten überschritten eigenmächtig die Demarkationslinie. Der Jwifchensall wurde ans diplomatischem Weste beigelezt. " * ~
TPct polnisch-litauische Streitfall.
1u6. Paris, 8. Sept. Der „Matin" meldet aus London: Dec Bölkerbund wird sich mit dem polnifch- litauischen Streitfall beschäftigen. Der Fall wird jedoch dadurch schwierig, daß Litauen nicht Mitglied des Völkerbundes ist. Es ist zweifelhaft, ob in diesem Falle der Wirtschaftsboykott gegen Silanen angewendet werden tau», 1021111 die Angelegenheit nicht gütlich bei- getegt werden kann. '
wb. ff u tu it o, 8. Sept. Wie das litauische Pressebüro mittetlt, wir» die litauische 3iegienutfl ihren Sttz in den nächsten Tagen nach Wilna, der Hauptstadt Litauens, verlegen. „ < ,
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Die Sowjet betriebe unter dem Schutze der roten Frauengarde.
tob. Paris, 7. Sept. Ein Kopenhagener Havas- telegramnt besagt, daß der Redakteur des „Sozialdemokrat" in Christiania, Cheflu, ein Linkssozialist, aus Moskau zurückgekehrt sei, wo er am Kongreß der 3. Internationale teilnahm. Er erzählt, daß gegenwärtig dis Sowjetbetriebe von Truppen der tote» Frauengarde besetzt sind. Die rote Fraucngarde trägt Uniform und Gewehre.
Die Bolschewisten in Armenien.
wb. Amsterdam, 8. Sept. Einer Havas-Neuter- Meldung aus Tiflis zufolge haben die Bolschewisten trotz der mit den Armeniern abgeschlossenen Friedenspräliminarien beit Vormarsch fortgesetzt und mehrere Ortschaften itt mehreren Bezirken besetzt. Die arme- nischeDelegation erhob energischen Einspruch. Hierauf gaben die Bolschewisten den Befehl, den Bormarsch einzustellen. Sie führten zu ihrer Verteidigung aus, daß das Fehlen jeder Verbindung zwischen den bolschewistischen Truppen und der Näteregierung an diesem Vormarsch schuld sei. Der Präsident der armenische» Delegation verlangte trotzdem dir Bestrafung der Schuldigen und Schadenersatz.
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Um General Wränget.
Eine Rnsregc an Lloyd George.
tob. M oskau, 8. Sept. (Durch Fnnkspruch.) Kamenew hat sich an Lloyd George gewandt mit der Frage, wie die englische- Regierung sich nach der Anerkennung Wrangels durch die französische Regierung zu dem ersteren verhalte, ob England vielleicht für die Wtgriffe Wrangcls verantwortlich' sei, und ob England sich viAleicht verpflichtet fühle, in Anbetracht seiner früheren Schritte zugurtsten Wrangels neue Maßnahme» zu seiner Unterstützung zu ergreifen. Lloyd George erividerte, daß die englische Regierung die Absicht hicke, die Kampfhandlungen in Osteuropa zu beenden und nur die persönliche Sicherheit der in der Krim befindlichen Truppen und Flüchtlinge garantieren wollte. England habe nie btt Absicht gehabt, die Krim von Sowretrußland zu trennen oder Wränge! die Herrschaft über di« Krim vorzubehalten.
wb. Amsterdam, 8. Sept Die „Times" meldet aus Konstantinopel, daß General Wrangel die Halbinsel Taman geräumt hat. — Auf dem von den Bolschewisten veranstaltete« Kovgteß der OsüAlker tn
Baku sollen Vorträge gehalten werden über das Thema: „Indien muß von der britischen Tyrannei be- kreit werden."
wb. P a r i s, 8. Sept. Eine Moskauer Radiomeldnng tneldet den Tod des Generals S e m e n o w. — Er war bet Führer btt antibolschewistischen Bewegung in Ostsibirien.
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Die Lage in Italien.
Die Ausstandsbewegung.
wb. Paris, 8. Sept. Nach einer Havasmeldung aus Rom wird die Lage dort wieder ernster beurteilt, da der Arbeitgeberverband beschlossen hat, nicht mit den Arbeitern zu verhandeln, wenn es sich nicht um reine wirtschaftliche Forderungen handelt und wenn die Arbeiter nicht die von ihnen besetzten Fabriken räumen.
. wb. M a i l a n d, 8. Sept. Nach einem Telegramm des „Eorrlcre della Sera" ist der Generalstreik in Triest beigelegt worden. Die Zeitungen sind wieder erschienen.
wb. Rom, 8. Sept. (Stesant.) „Giorirale d'Jtalia" vernimmt, daß die gewerkschaftliche» Organisationen Englands den italienischen Allgemeinen Ar-' beiterbund um Auskunft gefragt haben über die Bedeutung der Italienischen Metallarbriterbcwegung, indem sie erkläRen, daß sie die Absicht hätten, die italienischen Arbeiter zu unterstützen, damit diese den Sieg erringen könnten.
Die Erkenntnis.
wb. Rom, 8. Sept. (Stefuni.) Die Zeitungen berichten, daß der Widerstand des technischen Personals und der Angestellten gegen die Metallarbeiter int Wachsen begriffen ist. Die Ausführung der Arbeit verursacht den Arbeitern große Schwierigkeiten, da sie die nötige technische Leitung nicht haben. Es ist zur Tatsache geworden, daß die Fabrikationskosten der Fabrikate höher zu stehen kommen, als zuvor, was den Arbeitern große Bedenken einflößt. Sie fragen sich jetzt auch, ob die Ausbeutung ihrer Fabrikation wirtschaftlich überhaupt möglich sei, wenn die Ingenieure und Betriebsleiter ihre Mithilfe nicht geben. Auf bas Spezialistenpersonal wird auch ein bedeutender Druck ausgeübt, um cs dazu zu bringen, daß es mit den Arbeiter» gemeinsame Cache macht. Die Zeitungen find in bei Lage zu berichten, daß bet Verband bet Jirgemure den Arbeitern eine negative Antwort erteilt hat.
Die Eruährungskonserenz in Strcsa.
wb. Stiesa, 8. Sept. (Stefan!.) Die Sachvee- Ränbigen beschäftigten sich gestern zunächst mit gegenseitigen Mitteilungen über die Methoden und die Märkte für den Ankauf von Waren für den allgemeinen Verbrauch. Es wurde im allgemeinen sestgestellt, daß kein ernster Konflikt bet Interessen In diesem Punkte votliege. Fetner befaßte man sich mit bet genauen Feststellung bes deutschen Bedarfes und mit bet Frage, was Italien für Rechnung bes von ihm zu (eiftenben Vorschusses gegebenenfalls liefern könne, indem cs gleichzeitig die Durchführung bet Vereinbarungen von Spaa sichere und den berechtigten Interessen Italiens Rechnung trage. Unter bem Vorsitz bes Ministers Soleii und in Anwesenheit bet Delegierten Euglanbs unb Frankreis würbe eine Vollsitzung abgehalten, in bet sestgestellt wurde, baß Italien bereit ist, bie in Spaa übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Hierauf wurde die Konferenz geschloffen.
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England.
I» Erwartung des Bergarbeiterausstandes.
tob. London, 8. Sept. Der Präsident des HandelS- amtes. Horne, ließ dem Vorsitzenden des Bergarbeiter» »erbandes telegraphisch eine Einladung zugehen, zusammen mit dem Vollzugsausschuß der Bergarbeiter an einer am Donnerstag stattfindenden Konferenz mit der Regierung tcilzunehmen und die augenblickliche Lage mit Bezug auf den drohenden Streik in den Kohlenbergwerken zu erörtern.
Der Getverkschaftskongreß in Portsmouth nahm einstimmig eine Entschließung an, in der erklärt wird, daß dir Forderungen bet Bergarbeiter angemessen nnd gerecht feien und daß ihnen sofort stattgegeben werden müßte.
Das Personal bet Londoner Straßenbahnen und llutetgrundeisenbahne» hat sich mit den von der Aussperrung bedrohten Eleftrizitätsarbeiteru solidarisch erklärt. Sie wollen gegebenenfalls $u ihrer Unterstützung in den Ausstand treten.
wb. Amsterdam, 8.Sept. DaS „Allgemeine Handelsblatt messet aus Loudon zu dem drohenden Streik der Bergarbeiter: Die englische Regirrung bereitet Maßnahmen vor für die Organisation der Lebevsmittelvertei- lung. für den Fall, daß es zum Streik kommen soll, wobei eine tätoeife Stillegung des Eisenbahnverkehrs ins Ange gefaßt wird. Unter den Frauen aller Stände ist eine Bewegung im Gange, um gegen den Bergarbeiterstreik Emsptnch zu erheben.
Irland.
wb. London, 8. Sept Bewaffnete Sinnfeiner hielten einen Eisenbahnzug vor Waterford an und bemächtigten sich der Postsendungen.
Reuter erfährt, daß Lloyd George keineswegs angeboten hat, den Bürgermeister von Cork fteizu- lassen, wen« die Mordtaten der Sinnfeiner in Irland aufhören. Lloyd George habe feine Haltung mit Bezug auf den Bürgermeister nicht geändert, ,:.x;£
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Eine Stimme für Unterstützung Deutschland».
wb. Haag, 8.Sept Laut „Nieutoe Courant" wild drahtlos aus Newhork berichtet daß der Universitäts« Professor Cravach,der in Finanzkreisen großen Einfllrß besitzt und auch auf der Konferenz von Spaa zugezc« ivar, eine Rede hielt, in der er für die wirtschaftlich« itrtb politische Unterstützung der augenblicklichen gemäßigten deutschen Regierung eintrat. Er sagte, das sei die einzige Art, um Europa wieder hochzubriuze», den Verbündeten ihre Entschädigung zu verschaffen und den Bolschewismus abzuwehren. Er sei der Ansicht, daß alle Berichte über die Unzuverlässigkeit der deutschen Regierung unrichtig seien. Die Eniwafsnung gehe allmählich vor sich. Die Behauptung über geheime Munitionsvor- rätc sei vollständig aus der Luft gegriffen. DaS deutsch« Volk leide jedoch sehr viel, und daher bomme es, daß die Kohlenlieferungen noch nicht auf der Höhe seien. Zum Schluß erklärte sich Cravach gegen die Auflösung bes Deutschen Reiches, da eine solche zn einem Chaos führe« Ivürdr. , j
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Wb. Varis, 8.Sept. Lloyd George ist gestern abend in London eingetroffen. 6t hak ans der Rückceis« Paris nicht berührt.
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Amerika.
«ob. Amsterdams. Sept Nach einer Meldung des „Trlegraas" aus London veröffentlichte, laut Berichte» a»S Washington, das Hauptyuartier bei republikanischen Kandidaten, Senators Harbins, eine ErNärung, hvorin auseinaudergesetzt wird, daß er den Völkerbund nicht vollständig und endgültig verwerfe, sondern anerkenne, daß der Bölkerbnud vielleicht $0 eng mit dem Frieden in Europa verbunden sei, daß die gute Arbeit be» Bundes und seine Bestinimungen, gegen die kein Einwand erhoben «verden könnte, ausrecht erhalten bletben müßten, um den Frieden in Europa zu festigen. Harbins vertraue darauft daß man zu der Annahme des Bundes gelangen werde, der - jedoch so zu ändern sei, daß alle Sorgen, der Binch * küKntc einen ungünstigen Einfluß aus die amerikinischen Rechte nnb Interessen ausüben, beseitigt werden.
wb. Haag, 8. Sept Nach einer Meldung be? „Teleginas" aus Washington, hat der japanische Bolschaster gefordert, baß die amerikanische Regiernug die in Kalifornien geltende Bestimmung, wonach dort Japaner keinen Grundbesitz rnverbcn tonnen, ausgeh »ben wird,
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Deutsch-Oesterreich.
Die Stotweudigkeit de» Anschlüsse» an Deutschland. ' wb. Sal$bu rg, 8. Sept. Al» Abschluß des groß- deutscheu Reichsparteitages fand gestem Abend im Kurhaus eine Massenversammlung zur Erörterung der Anschlußfrag« statt. Eine Reihe von Rednern behandelte die Notwendigkeit be» ^rschluffes vom sozialen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Standpunkte. Der Präsident Dinghofer wie» darauf hin, daß Deutsch-Oesterreich lebensfähig werden könne. Es sei ein Verbrechen, dem Volke weiszumachen, Deutsch- Oesterreich fei für sich allein lebensfähig. Uebcr vas Reden müsse man hinauskommen: es müsse zur Tat geschritten werden. Der Wille de» Volke» solle gelegentlich bet Nationalratswahlen durch eine mit dieser zu verbindenden Volksabstimmung ermittelt werden. Von reichsdeutschen Rednern sprachen Kemnitz-Frankfurt a. O. (Deutsche Bolkspattel), Dr. Falkenberg-München (Dentschnationale Bolkspartei), Dr. Da der-Berlin (Deutsche Volkspartel). Eine im Sinne bet Aussiihrutzgen bet Redner gehaltene Ent- schließung, die den eiumüttgen Anschlußwillen der Versammlung ausdriickte, wurde einstimmig angenommen.
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„Freie Bahn den Tüchtigen"!
\ Der geschaftsführenbe Vocstarck der demokratischen Fraktion bet Berliner Stadtverordnetenversammlung Landtagsabgeorbneter Otto hat an den Vorsitzenden der mehrheitssozialbemokratische» AbgeoÄnetenftaktion Redakteur Wermuth ein Schreiben gerichtet, in dem es laut „Beel. Tagcbl." heißt:
Die Verhandlungen in dem Wahlausschuß bet Berliner Stadtverordnetenversammlung haben einen Gang genommen, welcher die Vermutung nicht von der Hand weisen läßt, daß bezüglich der Besetzung der Stellen im neuen Magistrat die Fraktion bet S. P. D. ein bindendes Abkommen mit bet Fraktion der U. S. P unter Ausschluß aller anbeten Parteien getrosten bat. Es ist selbstverständlich, daß wir uns eine derartige Ausschaltung unserer Partei aus bet Verwaltung von Berlin nicht gefallen lassen werden. Wit werden vielmehr genötigt sein, gegen diesen Beschluß den allerschärssten Widerspruch zu erheben. Wir werden nnS gezwungen sehen, mit allen übrigen nicht sozialdemokratischen Parteien und Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung Berlins austz engste znsammenzuarbeiten. Eine derartige Konstellation wird bann zu Zusammenstößen führen, die auch für bie allgemeine Politik des Landes unter Umständen erheblich« Folgen haben «Derben. (
Redakteur Wermuth hat zu gegeben, daß ein bindende; Mfommen zwischen den beiden sozialdemofratische« Gruppen bet Stadtverordnetenversammlung besteht.
Die schweizerische Kirchenkonserenz beschloß den endgültigen Zusammenschluß bet schweizerischen Kirchctz zum Schpietzerischen «vangelischcn Kirchenbund,