Amtliches Verkünd igungsblatt des Kreises Marburg.
Tageszeitung für sdas früher kurhessische) Oberhessen
«Q* QAQ 4 Mk.. durch die Poft }||e <ivv elementarer Ereignisse
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Mittwoch, 8. Septbr sScheidi«,.)
Die „Oberheffische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich ‘ ‘ “ t 4.20 Mk. — Für ausfallende Nummern infolge Streik, oder
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Sie Lm in SierWrsir«.
wb. Beuthen, 7. Sept. Die heute vorliegenden Polnischen Berichte toerfen interessante Streiflichter auf die polnische Aufstandsbewegung in Oberschlesien.
Gazetta A-irszawski^ führt aus: Die polnische Politik in Oberschlcsien hat eine Aufgabe vor sich, die Bor- M imb Ncberleguug verlangt. Man muß sich I Rechenschaft darüber geben, daß sich die Entente rückhaltslos auf den Versailler Frickensvertrag stellen )M Jche Zuspitzung der Beziehungen mit bett] Vertretern der Westmächte wäre ein unverzeihlicher Fehler. „Sztandar Polski" in Gleiwitz erklärt: Das polnisch- Volk hat einen großen Sieg erfochten. 'Diri polnische Bevölkerung hat rin Recht, mehr zu der- langen, aber vorläufig müssen wir uns damit begnügen, was sich schon ausführen läßt. Die Deutschen gaben den Plan auf, die französischen Truppen zu vertreiben und sich Lberschlcsieu zu bemächtigen, aber sie werden jetzt durch ständige Unnihestistuug zu beweise,! suchen, dich die Volksabstimmung, welche sie verschieben muß» ttu, undurchführbar ist. Sie hoffen, daß das Uriqt. der Entente dank der Unterstützung verschiedener geheimer Faktoren für sie günstig ausfallcn wird.
Wb. Beuthen, 7. Sept. Das außerordentliche ■ micralliierte Gericht verhandelte heute in Rybnik gegen 8 Personen wegen Teilnahme an den Tumulten der lchtcn Wochen. Zur Verhandlung stand ein räuberischer Neberfall gelegentlich einer Haussuchung bei i einem BergwerkSbcsitzer und die Verletzung der HauS- ?d«me durch einen Schulterschuß. Das Gericht ver- \ urteilte wegen Hausfriedensbruchs einen Angeklagten .zu 8 Monaten und einen zweiten zu 4 Monaten Gc- ifiinguis bei sofortiger Verhaftung.
ivb. K a t t o w i tz, 7. Sept. Die 3 im Verlage . von Silvi nun erscheinenden Zeitungen „Obcrschlcsischc fMorgenzeituug'ch Kattowiher Zeitung" und „Königs- Hütter Tageblatt" sind neuerdings auf unbestimmte Zeit verboten worden.,
wb. £ p p ■:ln, 7. S-.pt. Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung über die direkten Steuern in Oberschlcsien hat die interalliierte Koinmisfion die Reichsgesetzc über diese anerkannt, jedoch mit zwei Aus- Rahmen. Das Gesetz über das Rcichsnotopfer und das Gesetz über die Abzüge vom Arö.'itrcinko.nmeu sind von der Gültigkeit ausgeschlossen. Alle übrigen sind in Kraft. Ihre tatsächliche Durchführung mittels der .tzksetzsichen Druckmittel wird bewilligt Außerdem 'wird daran erinnert, daß alle in Oberschlesien auf 'gebrachten öffentlichen Einnahmen ausschließlich für di: vsfc 'tlichc- Einnahmen »des Abstimmungsgebiets dstimmt bleiben. '• .|
f; Steue Putsche der Pole«?
Breslau, <». Skpi. Es ist bereits mitgetcilt toor- den, daß die Polen einen neuen Kutsch beabsichtigen. Sie »vollst:! sich durch einen Gewaltstreich in den Besitz der oberschkcsifchen Städte setzen. Neue polnische Putsche sollen in der Zeit vom 7.—IG. September oasbrecheu «ich prompt räumen die französische» Truppen die Städte, mn iie den Polen nuszuLickern. Die Polen werden dann leichtere Arbeit haben, denn den bewaffneten polnischen Trutchen kann das Deuischtum nichts entgegensetzen.
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Neichshilfe für die bedrängten Oberschlesier.
Wb. Berlin, 7. Sept. Der Reichskanzler Hai! ckn den »eutsihen Bevollmächtigten für den Abstimmungsbezirk Lbcrschlesien, Fürsten Hatz selb t, das uachstehcndc Schreiben gerichtet:
Euer Durchlaucht beehre ich mich zu benachrichtigeu, baß gestern das Reichskabinett und das preußische Kabinen zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen- ßetreten find, um über die VLitcl und Wege zur Abwehr der Obcrschlesien drohenden Gefahren zu beratcu. Mit tiefer Bewegung haben die Kabinette die ergreifenden Berichte entgegengenommen, die über die Leiden und Kämpfe unserer treuen Oberschlejier erstarret worden sind. Nur zu viele wackere Männer haben ihr« feste Anhäugtirhkeit an das Deutsche Reich Mit Wunden und Tod bezahlt, und nur zu viele sind bei der Verteidigung aller Rechte und des heimatlichen Herdes in ihrer wirtschaftlichen Existenz schwer geschädigt und bedroht worden. Die Regierungen aber Missen sich mit der oberschlesischen Bevölkerung eines Sinnes darin, daß keine Gewalttat die Liebe zu Deutfchlans ans ihrem Herzen zu reißen vermag. Wie Regierungen haben die Zuversicht, daß dir ober- schlesische Bevölkerung die Prüfungen dieser schweren Feit standhaft ertragen wird. Mit Entschlossenheit Verden jie alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel «mwenden, um der Bevölkerung Oberschlesiens bei ihrem gute» und gerechten Kampfe zu helfen. Um der iiifkr.R Bedrängnis zu wehren, die durch den Tod Mitt Ernährer und durch' zahllose GelvallUüe» über ^schuldige Familien herringebrochen ist, habe« die Regierungen einen Betrag von zunächst 10 Millionen «Urct zur Verfügung gestellt. SSa um des deutschen
Namens willen Schweres erduldet wird, darf und soll die Hilfe der Volksgemeinschaft nicht ausbleibrn. Euer Durchlaucht bitte ich, bei der oberschlesischen Bevölkerung der Dolmetsch der Gesinnungen zu sein, die in den Beratungen der beiden Kabinette zum Ausdruck gekommen sind. Oberschlesien bei Deutschland zu erhalten, ist unser Wunsch und fester Wille. Dazu ioollen wir alles tun, lvas in unserer Macht steht.
Der Reichskanzler (gez.) Fehrenbach.
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Ser rsM-MMe Stieg.
Neugruppierung der russischen Streitkräfte im Norden.
wb. Parts, G. Sbpt. Havas meldet aus Warschau: Aus Nachrichten aus Warschau geht hervor, daß die Bolschewisten dabei sind, ihre Streitkräfte im Norden wieder zu ordnen. Die Angriffe, die die Russen im Süden vorgenommen haben, hatten lediglich den Zweck, die Aufmerksamkeit der polnischen Heeresleitung von der russischen Neugruppierung im Norden abzu- lWken.
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tob. K 5 ui gsbcrg, 7. Sept. Nach erfolgreichen Streifen in den Ccenzgebirtrn hat sich die Zahl der internierten Russen um etwa 3000 Mann erhöht.
Vergewaltigung der Deutschen im.Soldauer Gebiet?
wb. Al lenst ein. 7. Sept. Nach einer Meldung ai-S Solöan sollen di- Polen von der dortigen Bevölkerung die sofortige Option für Deutschland oder Polen verlangen, widrigenfalls die gesamte deutsche Bevölkerung ausge- wiesen joecdeu soll.
Die „Miensteiner Zeitung" schreibt zu der Messung: Nach den Bestimmungen des Friedensvcrtrages haben die Eintoohner des an Polen abgetretene» Gebietes zwei I a hr c Zeit, ehr sie sich für Deutschland oder Polen erklären. Unter den setzt im Soldau^biet obtvaltendcn. Umständen tvürde die Option augenblicklich eine brutale Becg-waltigmig der deutschen Bevölkerung bedeuten. Die Oplierung wücoe Enleigunngeu und andere Neberzriffe i-cr Polen unmiitelbar im Gefolge haben.
Polen und Litauer.
wb. Paris, 7. Sept. (Havas.) Au« Warschau ist folgende Depesche der polnischen Regierung an den Völkerbundssekrctär eingetrosfen: Im Augenblick des polnischen Rückzuges ermächtigte die litauische Regierung die Bolschewisten, auf litauisches Gebiet über,Antreten, nm sich eine militärische Operationsbasis za bilden, und verletzte dadurch die Neutralität, die sie beobachten wollte. Rach dem Rückzug der polnischen Truppen besetzten die Litauer die Polen am 19. Dezember 1919 durch den Hohen Rat zugesprochene Demarkationslinie und ließ der polnischen Regierung zu verstehe» geben, daß sie die früher festgesetzte Grenze nicht anerkennen werden, und daß sie »erlangen werden, daß di« Polen sich jenseits Gcafew» zurückziehen.
wl>. London, 7. Sept. Der „Times" zufolge besagen Telegramme aus Süarfchau, daß Pole» bereit fei, seine ursprüngliche Absicht, die Räumung des Gebietes von Snwalti durch die litauischen Truppen binnen 10 Tagen zu fordern, aufzugeben. Die polnische Regierung habe fid) mit den Verbündeten beraten und inzwischen eine maßvolle Haltung gezeigt.
wb. K o w n o. 7. Sept. Rach dem litauischen Heeresbericht vom 7.9. fanden gestern nördlich von Suwalki den ganzen Ta» Kämpfe statt. Südöstlich Augustowo be-- fetzten die Polen Rigalowka. Dadurch wurden unser« Truppen gezwungen, Livsk auszug-eben und sich auf dir Linie von .Holinka zi-cückzuziehen. Die polnisch: Funk Meldung, daß unsere Truppen gemeinsam mit bett Bolschewisten operiere», und daß sich im Rücken nuferer Truv- pen Teile der bolschewistischen Armee anfammeln, ist 'rfuiweu.
Meuterei bolschewistischer Gefangener an Burd eines deutschen Schiffe«.
Danzig, 7.Setzt. Ter deutsche Dampfer „Odin." mit 200 bolschttvistrschen Gefangenen, von Ostpreußen nach dem westlichen Deutschland unterlvrgs, mußte am Monwg wegen Sturmes die Danziger Bucht auffuchen und Ivars vor Zoppot Anter. Der Kapitän unb der Transport- sichrer begaben sich, wie die „Danz. Reuest. Nachr." incldrn. ftit Land, um in Zoppot Proviant zu beschaffen. Während ihrer Abwesenheit von Bord hatten sich l>ol- schewistische Elemente von Zoppot auf das Schiff begeben und dir Gefangenen mit Spirituosen so reichlich traktiert, daß bei der Rückkebr des Trausportführers und des Kapitäns eine Meuterei an Bord ansbrach. Die Russen verlangten. von den: deutsche» Schijfskoch aufgewiegelt, sofort sreigelafsen zu werden und schickten sich an, als ihrer Forderung nicht Folge gegeben wurde, die Brücke zu stürnien. Al8 die Haltrnfe des Postens unbeachtet blieben, streckte dieser den aufrührerischen Koch durch eine Äugel durch den Kopf nieder. Darauf trat Ernüchterung unter den Bolschewisten ein. Der Dampfer lief Renfahr- ioasser an und wurde unter Bewachung der SichecheitS- polizci gestellt. Die Untersuchung über den Vorfall soll auf deutschem Boden erfolgen.
General Wränget.
wb. Paris, 7. Sept. Wie die „Lhicago Tribüne" aus Warschau meldet, hat Polen den Vorschlag de« General« Wrangel, eine gemeinsame Offensive gegen die Vclschewisten zu unternehmen, abgelehnt. Die Ablehnung hänge damit zusammen, daß die Verhand- lunzcu in Riga vor ihrer Wiederaufnahme standen, und fei auch durch die von den Verbündetes gegeben« Roifchiäge zur MWgimg hervorgerufen.
Die Sswjetabordnung in London.
wL. Pari«, 7. Sept. Rach einer „Temps"-Mel- dung aus London ist man dabei, Maßnahmen zu treffen, um der wirtschaftlichen Mission Sowjetrußlands in London ein Ende zu machen. Die englische Regierung sei entschloßen, die Mission auszuweisen. Sobald Lloyd George zurück sei, werde der Beschluß bekannt gegeben werden. Aber es scheine immer noch möglich, daß Kamenew und Krasfin freiwillig vorher abreisten.
wb. Moskau, 6.Sept. (Durch Funkspruch,) In Buchara gehen revolutionäre Umtriebe vor sich. Die russischen Truppen besetzten die wichtigsten Punkte.
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Der angehaltene Munittonszug.
Berlin, 7.Sept. Die ReichSrrgierung hat der Eutente-UeberwachungSkommission amtliche Mitteilung gegeben von den getroffenen Strafmaßnahmen gegen die Urheber des Angriffs auf den Munitionszug für Ober- schlesien in Erfurt. Nach Erklärungen deS Generals Rollet hat Deutschland noch für die zerstörte Ndunition Schadenersatz zu leisten, vorbehaltlich der befon- deren Schritte der Verbündeten gegen eine Wiederholung der Vorfälle.
Die Eiseubahnerbcwegung verschärft sich. In Erfurt hat eine Versammlung der Betriebsräte gegen die Entlassung der Arbeiter, die aus einem Oberschlesien-Zug der Entente Munition raubten und vernichteten, Stellung genommen. ES wurde die sofortige Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter, worunter auch mehrere Betriebsräte sind, gefordert. Morgen sollen zu diesen Forderungen der Betriebsräte Abstimmungen in den Erfurter Eisenbahnbetrieben und Werkstätten vorgenommen tverden.
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England.
Lloyd Georg- fordert Garantien für die Freilassung des Bürgermeister» von Cork.
wb. London, 7. Sept. Nach einer Meldung' sics Schweizer Korrespondenten der „Daily News" erklärte Lloyd George, in den ihm übermittelten Gesuchen beireffend die Freilassung des Bürgermei^ecS von Cork habe er nicht eine einzige Andeutung eines Versprechens gefunden, daß die Mordansälle aus Polizisten eiugcftellt würden. Sollte eine solche Sicherheit geboten werden, so würde er jedenfalls bereit sein, tricht nur den Bürgecmcister, sondern auch die 11 anderen Hnnzerstreiker freiz »lassen. Die Telegramme irischer Regierungsstellen hätten ihn davon überzeugt, daß eine Freilassung ohne diese Garantien die Regierung in Arland unmöglich machen würde,
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wb. Paris, 7. Sept. Nach einer „Matin"-Mcl- bnitg aus Loudon, hat der Kongreß der Trabe Union tzine Tagesordnung angenommen, in der es heißt: Der Kongreß, in dem eine halbe Million organisierter Arbeiter vertreten sind, sieht mit Verachtung, daß die Regierung beschlossen hat, den Bürgermeister von Cork sterben zu lassen. Im Namen aller organisierter Arbeiter werden wir die Regierung für den Tick des Bürgermeisters von Cork verantwortlich machen, ünd wir erinnern die Regierung daran, daß ihre blinde Unsinnigkeit die Versöhnung Englands und Irlands unmöglich machte.
lob. London, 7. Sept. Reuter berichtet: Dec Präsident der sogenannten irischen Republik, Griffith, erbat in einem Telegramm an Wilson dessen Eingreifen zu Gunsten des Bürgermeisters von Cork,
Grwerkjchastskongreß.
wb. Amsterdam, 7. Sept. In Portsmouth wurde i-.tt- der Griverkschaftskougreß eröffnet. Zugegen waren 950 Delegierte, die 6V» Millionen Mitglieder vertraten. DaS Mitglied des Unterhauses Thomas hielt eine An- fprache als Präsident. Er sagte: Der europäische Fricke kann Mür zustande kommen, wenn alle Länder, die an dein Kriege teilgenommen haben, bereit find, den Vertrag in einem anderen Geiste anszulegen, als in dem- ienigen, in dem er ausgestellt worden ist. Unsere Gegurr wissen, daß es unser ganzes Ziel war, den Krieg mit Rußland zu verhindern. Bisher ist uns daS geglückt, doch ist die Gefahr imitier noch nicht vorüber. Sie kann nicht vorüber sein, solange teilt vollkommener Friede mit der russischen Regierung abgeschlossen worden ist. Thomas hob dann hervor, daß das Vorgehen der Arbeiter bezüglich Rußlands keine Billigung des RäteshstemS bedeute und betonte, daß das englische Volk daS Recht habe, feine eigene Regierungsform zu wählen. Wenn bas russische Volk daS RLtesystem gewählt habe, so fei daS seine Sache. ThomaS stellte weiter die Forderung auf, daß Polens Unabhängigkeit gewahrt bleiben müsse. Zum Schluß sprach Thomas über die sinanzielle und industrielle Lage. Der kommende Winter werde wahrscheinlich der s ch w i e ri g st e sein, den man seit Jahren erlebte. Tausende feien bereits arbeitslos unb es sei klar, daß Jndustrieleben einer Krisis entgegengehe. Man werde bereit fein, nicht in Gruppen, sondern als Masse, jede Herausforderung an- ;unehmen, die gegen die industrielle Freiheit und wirtschaftliche Emanzipation gerichtet sei. : ;
> .• Die Lage am Euphrat. >.
vch. Lonbön, 7. Sept. Nach einer Meldung des Krieg-avfteS hat sich «n wtferen Euphrat die Garnison
des Bahnhofs Samara am 2. 9. in die Stadt zurück« gezogen. Ter Panzerzug, der den Rückzug decken sollte- verunglückte und tourbe von einer Streitmacht voq 4000 Aufständischen überfallen. Die Besatzung in Stärke von 40 Mann wurde schließlich überwältigt und ist als vermißt gemeldet worden. Am mittleres Euphrat erreichte die 83. Brigade Musaiyib. «tfl oberen Eufchrat ig alles ruhig, ■ j
wb. Paris, 7.Sept. Wie der „Statin" aus London meldet, wird Lord Derby Einen Pariser Botschafter- Posten im November atifgeben und durch Lord Har« hinge, den früheren Vizekönig von Indien, der jetzt ständiger Unterstaatssekretär im Ministerium deS Aeubereu ist, ersetzt werden.
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3BM0 M MSMM?
Der Demobtlmachungsausschuß Groß-Berlin hat am 28. August eine Vewrdnuiig erlassen, nach der für Arbeit« geber die Verpflichtung besteht, diefenigen Angestellten yi entlassen, die einen besonderen Erwerb nicht nötig haben und an ihre Stelle Arbeitslose und Bedürftige treten Ku lasftn. Diese Verordnung erscheint auf den ersten Blick zwar außerordentlich menschenfreundllch, führt aber zu unhaltbaren Kousegueuzen. Sie wird deshalb nahezu von der gesamten Presse abgelehnt. Ausgesprochener- maßen richtet sich diese Verordnung gegen diejenigen Personen aus dem Mittelstand, die anderweitige Einkorn« menqucllen haben, die aber bei der heutigen Teuerung gezwungen sind, sich nebenbei noch einiges zu erarbeiten, um auf anständige und ehrliche Weise sich durchs Lebest zu schlagen. Es wird weiter in der Presse darauf ausmerk« fam gemacht, daß selbständige Geschäftsleute gerade ist dieser Zeit eS vorziehen, Angehörige ihrer Familien in ihrem Geschäft anzustetten, da sie in diesem Fall» nicht Gefahr laufen, durch Streiks wirtschaftlich geschädigt zu werden. Und jetzt bestimmten Leuten sozun sagen amtlich zu bescheinigen, daß sie kein Recht auf bv- rufSnteifrige Arbeit haben, heiße Müßiggang groß« züchten und damft den Klassenhaß neu beleben, indem man künstlich einen Gegensatz Mischen Arbeitern nti Nichtarbeitern zu schaffen suche.
Im übrigen fragt eS sich überhaupt, ob der Demsbil» machungsausschuß »um Erlaß der ettvähnten Verordnung die rechtliche Befugnis hat. Der „Tag" vcröffend- licht zu dieser Frage eine Zuschrift von „unterrichteter" Seite, die die Rechtmäßigkeit der Verordnung verneint, da durch Regierungserlaß vom 1. September den Demo« bilmachungSansschüssen untersagt ist, Verordnungen von so cinschneideuder Bedeutung -wie im vorliegenden Fall aus eigener Machtvollkommenheit zu erlassen nutz in die Praxis umzusetzen. Ta die vom Demobilmachungsausschuß erlassene Verordnung am 28. August herausgegeben worden, der Erlaß deS Reichsministeriums bei Inner» aber vom 1. September datiert ist, fei die Annahme nicht von der Hand zu weisen, daß der Demobilmachungsausschuß Groß-Berlin den Versuch «nternom« men habe, noch in letzter Stunde über den Kopf der vorgesetzten Behörde hinweg eine Verordnung durchzudrücken, an deren Umsetzung in die Praxis der Berliner Demobil- mftchuugSstelle anscheinend sehr gelegen sei. Dieses „Gesetz" stelle freilich nicht einen Erlaß del RetchSkabiuettS har, sondern sei nur eine temporäre Maßnahme einer Amtsstelle, die über eine Frage von so großer Tragweite gar nicht zu entscheiden, viel weniger ihren Verordnungen die Form der Rechtsgültigkeit zu verleihen habe. CSne BeteiHgung irgendeiner RcichSjklke an der Verordnung der Berliner Lokalbehörde, die dem Oberpräsidium der Provinz Brandenburg unterstellt ist, liege nicht vor. — ES ist also höchst wünschenswert, daß sich die matzgebende» Behörden zu diesem Fall baldigst äußern. 'j
Bemerkenswerter Weise tritt der „Vorwärts" für die Verordnung deS DemobilmachtmgSausschusseS ein. Ja er geht sogar soweit, die Ausdehnung dieser Verordnung auch auf die freien Beruft, insbesondere also die Rechtsanwälte und Aerzte. zu befürworten, so »war, daß ein weniger günstig gestellter Rechtsanwalt ober Arzt verlangen könnte, an die Stelle eines anderen, wirtschaftlich sich besserstehenden Kollege» gesetzt »u wecken, diesen allo auS feinem Wirkungskreis zu verdrängen. Das ist eine eigenartige Illustration des „Rechtes auf Arbeit, von dem die Sozialisten in bet Theorie am meisten schwärmen unb nicht minder eine eigenartige Illustration zu dem $?CTt: „Freie Buhn dem Tüchtigenl"
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Amerika.
tob. Amsterdam, 7. Sept. Nach' einer Re» Yorker Meldung sagte Cox in einer Adresse zu« Arbeitertag, die Vercinigten Staaten müßten den Frim den unverzüglich ratifizieren. ! >'
Nach einer Meldung aul Springfield (Illinois wurden 20 Männer verhaftet- die einen Anschlag auf einen Sonderzug planten. Fünf Vvchaftete legten ein Geständnis ab, aus brat hervorgeht, daß der Zutz zerstört, die Reisenden ermordet und He Wagen aul« geraubt wecken sollten. . .: : !
Enteignung de« deutichrn Befigr« in Reu-G«tu«a. Die Ren-Guinea-Kompagnie erhielt von ihrer Riede» lassung in Rabaul dir telegraphifche MUtetlunch, bei die australische Regierung offiziell den Beschluß M Enteignung sowohl der Reu-Euinea-KompagMo als auch bet arideren deutsches Firmes *8 bekaWtgegeben hat, -______