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AmMches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Tageszeitung für (das früher kurheffifchej Overheffen
Die »Oberhessisch« Zettunq" «rlcheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 4 Mk., durch die Post 4.20 Mk. — Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder »lementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ.-Buchdruckeret »en Joh. Aüg. Koch Markt 21/28. — Fernsprecher 55.
Marburg
Montag, 6. Septbr. (Sch-id-ng.)
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W teMe Rite Ibn Sbnilblesieo.
Eine neutrale Unterfuchungskommifsion oorgcschlage«.
tuB.JSerlin, 6.Sept. Die Reichsregierung W dem DrSsideltken der Friedenskonferenz am 21. August eine Note über Oberschlesien zugehen lassen, in der die Verbündeten Negierungen auf den Ernst der Lage im Abstimmungsgebiet, sowie darauf hingewiesen wurden, das, die ; Bildung bewaffneter Banden aus der ortseingesessenen i Bevölkerung sich mit den Bestimmungen des Fricdeus- ! Vertrages ebensowenig vereinbaren läßt, wie die Anwesenheit ortsfremder bewaffneter Elemente. In einer weiteren Note, die am 25. August überreicht worden ist, sind die verbündeten Regierungen erneut auf die bedrohliche Entwicklung der Tinge in. Oberschlesien aufmerksam gemacht Worden und daran erinnert worden, daß die interalliictte Kommission nach den Bestimmungen des Friedensver- fragcs von Versailles die Pflicht ha!, das Land zu schützen, tzic Ordnung aufrecht zu erhalten und die Bewohner vor Schaden eit Leben und Eigentum zu oeivahren. Run- wehr ist eine Anzahl einwandfrei sesigestclltcr, besonders empörender Gewalttaten gegen Deutsche in Oberschlesien zur Kenntnis dcS Präsidenten der Friedenskonferenz gebracht und ihm hierbei nachstehende Rote überreicht soordcu:
,Die Nachrichten über Gewalttaten gegen Deutsche ju Oberschlesien mehren sich. Ter deutschen Bevölkerung jm Abstimmungsgebiet wie im übrigen Reiche hat sich infolgedessen eine steigende Erregung bemächtigt. Die deutsche Regierung ist es dem deutschen Bolte schuldig, Klarheit über den tatsächlichen Sachverhalt herbcizusühren Änb das Ihrige zu tun, damit Abhilfe ciulritt. Rach den Abmachungen von Paris ist sie nicht in der'Lage, durch ihre eigene» Organe in dem von der interalliierten Koinmiision verwalteten Gebiete Feststellungen vornehnren ftu lassen. Durch private Beauftragte kann dies nicht geschehen. Würden ober die Erhebungen der interalliierten 'Kommission überlassen bleiben, so wäre mit Sicherheit an- tzunehmen, daß das Ergebnis von dec erregten Bevölkerung nicht als unparteiisch anerkannt tvürdc. Der ei; strebte Zweck wird nur zu erreichen sein, wenn eine an den Vorgängen in Oberschlesien »ubrreiligtr Stelle die Ausgabe 'fibcimiiimt Die deuische Regierung beehrt sich daher vorzuschlagen, eine von Deutschland, Polen und den Verbündeten Hauptmächten zu wählende Kommission ans Angehörigen solcher Staaten, die nicht zu den Signatar- w Uhlen des Vertrages von Versailles gehören, mit der Feststellung des Sachverhaltes zu betrauen. Sie hofft, daß die Tätigkeit einer solchen Kommission auch dazu bei tragen wird, in Oberschlesien die BorauSsehnugen zu schaffen, unter denen allein eine dem Sinne und dem Wortlaute des Vertrages entsprechende Abstimmung erfolgen kann."
Die Regierungen in Paris, London, Rom und Süar- schau, setvle der päpstliche Stuhl wurden von dem Inhalt der Rote in Kenntnis gesetzt.
Drei deutsche Weißbücher,
ivb. Berlin, 5. Sept. (Amtlich.) Der ans- • »artige Ausschuß dis Reichstages hat -die Reichs- Regierung ersucht, ihm eine Zusammenstellung der ein lvandfrei feststellbaren Tatsachen über Oberschlesien zu übermillelii. In Erledigung dieses Ersuchens werden drei Weißbücher znjainmerrgestellt. Das erste . wird eine authentische Schilderung aller von den Aus- i ständigen verübten Gewalttaten und Morde enthalten. Das zweite wird Beweise dafür erbringen, daß ein Teil der in Oberschlesien verlvandteu interalliierten Truppen es nicht nur unterlassen hat gegen dir Aufständischen einzuschreiten, sondern daß sogar au einigen Stellen von der Truppe offen für die polnischen Kalben Partei genommen worden ist. Das dritte Weißbuch wird fug mit den Borbereitungeu beschäftigen, die poluischerseits für die Organisation des Aufstandes getroffen wurden. Das Weißbuch wird sich im wesentlichen aus polnisches Material stützen, das durch die Wachsamkeit unerschrockener deutscher Zollbeamter einem widerrechtlich die Grenze über« reitenden Kurier KorfanthS abgenommen worden ist.
Die Hinrichtung von Deutsche«.
wb. 3i rtrtentoerbet, 4.Sept. Die „Reuen west- preußischen Mitteilungen" berichten zu der bereits gemeldeten Hinrichtung des Studenten Fritz Bäcker: Der Student Fritz Bäcker begab sich vor einiger Zeit zum Besuche seiner Eitern nach Graudenz. Bor seiner Abreise übergab ihm einer seiner Freunde einen geschlossenen Brief Nnit der Bitte, ihn der deutschen Postverwaltung zur .Weiterbeförderung zu übergeben. Bäcker nahm den Brief en sich, ohne sich von dessen Inhalt überzeugt zu haben. Beim lkeberschreitcn der Grenze wurde Bäcker von den polnischen Kontrollbeamten einer eingehenden Untersnch- «ng unterzogen, wobei man den Bries fand. Die Ste« Muten erklärten Bäcker für verhaftet. Bäcker wurde bann nach Grrudcnz zu rückgebracht und dem Grandcnzer Militärgericht wegen Spionage zugefüßrt. An den Grau- »enzer Anschlagsfäulen sieht man Anschläge in polnischer Sprache, worauf die Namen von 39 Deutschen, bk wegen angeblichen Verrats militärischer Geheimnisse Mngerichter wurden, verzeichnet sind. Der Führer der «utschen Arbeitsgemeinschaft Rechtsanwalt Partikel *R wieder mit verschiedenen anderen Deutschen in strenger Haft. Als Grund wird angegeben, Partikel habe mit **« Bolschewisten in Verbindung gestanden und danach vestrrbt falls die Russen Graudenz besetzen sollten, Bürgermeister dieser Stadt zu werden.
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Wie wir am Sonnabend milteilten, ist zwischen der deutschen und der französischen Regierung eine Einigung über die Sühnefcrderungen für die Vorgänge in Brcslau zustande gekommen, wonach sich Frankreich damit einverstanden erklärt, daß nicht der Reichskanzler, sondern der Reichsminister des Auswärtigen und der preußisch« Minister des Innern den grsorderien Entschuldiguugsbrfuch bei dem fran'ösischen Botschafter abstatten. Dieser Besuch ist gestern erfolgt:
wb. Berlin, 5. Sept. Ter Reichsminister des Auswärtigen Dr. SimonS und .der preußische Minister des Innern Sebering suchten Kcltte Mittag den sranzösischen Botschafter aus. Dr. Simons erklärte.Herrn Laurent folgendes:
In der Note vom 30. August haben Eure Exzellenz der deutschen Regierung die Bedingungen mitgeteilt, unter denen die Regierung dcd-französische» Republik die Beilegung Zwischenfalles bcrbeiführeil will, der sich auf dem französischen Konsulat in Breslau am 26. August d. I. zugelragen hat. Zugleich haben Sie auf eine Reihe von Kundgebungen und Angriffen gegen zivile und militärische Vertreter Frankreichs in Deutschland hingewiesen. Dabei haben Eure Exzellenz betont, daß die- Zlegierung der französischen Republik mit der deutschen Re n-rung in einer Atmosphäre der Beruhigung und der Acb'it friedliche Beziehungen zu- unterhalten wünsche. Derselbe Wunsch erfüllt die deutsche Regierung. Sie mißbilligt auf das ent» schiedeuste diese Vorkommnisse, die, Ivie die Vorgänge in Breslau durch gewisse Umstände und Ereignisse erklärt, aber 'nicht gerechtfertigt werden können. Die deutsche Regierung b cd a ne r t alle Zißiscljcirsälle, deren Opfer französische Vertreter oder. Staatsangc- börige geworden sind, und wird die in der Rote vom 30. August geforderten Genugtuungen gewähren.
Dec französische Botschafter erwiderte: „Im Ramcu bei Regierung der Republik nehme ich Kenntnis von der Erklärung Euerer Exzellenz und der Zusage bei Reichsregiennrg, daß sie die ihr mitgckiüeit Wiedcr- gutmachunasforderilngen erfüllen lvird. Lassen Sie mich, 5z>err Minister, der Hossirung Ausdruck gebe», daß sich ähnliche Zwischenfälle nicht wiederholen und daß die Beziehungen Deutschlands und Frankreichs ........... ............■■i|" ■ui—* in ml ■■
Rücktritt englischer Kreiskontroll«ure.
wb. Berlin, 4. Sept. AuS Oberschlesien wird tzemetdet. daß die drei englischen Kreiskontrolleure in Tariiowitz. Groß-Strehlitz und Beuthen ihre Ent- lassnug einreichten mit Rückjicht aus die in ihren Bezirken von französischer Seite geübte Partei- lftchkeit. Den Kceiskontrolleurcn in Tariiowitz und Groß-Strehlitz wurde die Entlassung bereits bewilligt.
Ein« Mahnung des Fürstbischofs Bertram.
wb. Beuthen, 4. Sept Fürstbischof Bertram erläßt ein mahnendes Mort an die Katholiken Ober- fchlcsicns. Nicht politische Gründe bewegen mich, sage der Fürstbischof, zur Mahnung an die Oberfchlester. Es ist nicht die Art des Obcrschlesiers, haßerfüllt und gewalttätig zu fein. Andere Elemente find verhetzend Ins Volk cingedrungen. Diese abzuwehren, ist Sache vcr politischen Behörden. Gönnet jedem die Pflicht seiner Eigenart in Sprache und Volksstttek Meidet alles, was verhetzend wirken kann. Achtet di« Freiheit der Abstimmung! Wohl darf jeder seiner politischen Meinung folgt» und feiner ehrlichen Ueberzeugung Ausdruck ge- 'en, aber es geschehe mit Maßhaltung, Wahrheitsliebe und edler Rückfichtnahme auf Andersdenkende. Nie soll die Kirche der Schauplatz politischer Reden und Demonstrationen werden. Nie soll sich ein Priester an solchen politischen Demonstrationen beteiligen.
Di« Pole» gegen de» Oberbürgermeister von Danzig.
Berlin, 4. Sept. Nach Meldungen der Abendblätter aus Warschau tragen fich polnisch« Kreise mit der Absicht, die Warschauer Regierung aufzufordern, die Absetzung des Danziger Oberbürgermeisters Saym zu betreiben, weil seine Politik angeblich zu der jetzigen Verschärfung der polnisch-Danziger Beziehungen führte.
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Posener und Kongreß-Polen.
D a n z i g, 5. Sept. Wie der „Danziger Zeitung" aus Graudenz berichtet wird, tvurden gestern morgen gegen 7 Uhr der Bahnhof und sämtliche öffentliche Gebäude der Stadt Graudenz von pomerellischen Truppen besetzt. Tie Kongreßpolen toutbeit gewaltsam entfernt, cöegen 10 Uhr wurden die noch sehr schwachen Besatzungen von einer kongreßpolnischen Schwadron überrumpelt und entwarnet. Etwa 300 bis 400 Mann der pomerellischen Truppen wurden von den Kongreßpolen verhaftet. Wie gerüchtweise, verlautet, werden aus Posen 800 Mann Truppen erwartet, uyr Graudenz und sämtliche ehemals preußischen Gebiete von den Kongreßpolen zu jäu&ern.,
Dazu bemerkt die „Voss. Ztg.": Die in Posen maß- Lebende natioualdemokratische Richtung wirft der Regierung PrlftrdskiS vor, daß fit die Verschärfung bet
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sich von nult an int Geiste friedlicher Zusammenarbeit gestalten werden, der für die wirtschaftliche Wiederausrichiung und das Gedeihen beider Teile so notig ist."
Dann machte der Reichsminister von den durch die Reichsregierung, der preußische Minister des Innern von den durch die preußische Regierung in Erledigung der französischen Forderung getroffenen oder eingeleiteten Maßnahmen Mitteilung.
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Weun wir auch über das Zustandekommen der Einigung in dieser höchst peinlichen Frage an sich Genugtuung empfinden, so bleibt doch immerhin noch der Stachel gegen das Schwere und Drückende der französischen Forderungen in ihrer ursprünglichen Gestalt. Es ist zu wünschen, daß die Franzosen sich von den deutschen Darstellungen auch nach der Richtung hin überzeugen lassen, daß sie auch ihrerseits mit dazu beitragen durch Mäßigung und Zurückhaltung diejenige „Atmosphäre der Beruhigung" zu schaffen, die erforderlich ist, wenn die Vezichungeit zwischen den beiden Völkern nicht dauernd gespannt sein sollen.
Die militärische Ehrenbezeugung.
wb. Berlin, 5. Sept. Zu den Forderungen, die wegen der Vorfälle in Breslau von der französichen Re- aierung gestellt worden sind, gehören auch militärische Ehrenbezeugungen durch eine Kompagnie der Reichswehr bei der Wiederöffnuug des französischen Konsulates. Aus den Verhandlungen des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten ist bekannt geworden, das; sich die Vertreter aller Parteien in voller Würdigung der Schwere dieser einem Teil der Wehrmacht aufer- legten Ausgabe dahin ausgesprochen haben, daß die Forderung nicht abgelehnt werden könne. Die Regierung verläßt fich auf den Gehorsam und auf das Pflichtbewußtsein der Truppe, die berufen sein wtrd, ihrem Eide gemäß, die Weisung der Regierung auszu- sühren. Sie rechnet bei allen Angehörigen der Wehrmacht auf Verständnis für die schwierige Lage, in der wir uns befinden. Pflicht der Bevölkerung wird es fein, der Truppe die Erfüllung einer Aufgabe, die sie mit Selbstverleugnung auf sich nimmt, nach Kräften zu erleichtern. "
Beziehungen zu dem Deutschen Reiche zu vermeiden wünsche. Die Autonornicbestrebllugcn der Posener Polen bedeuten also unter keinen Umständen eine Erleichterung des schweren Druckes, den die Tonischen im abgetretenen Gebiet zu crlriben haben.
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Ser rilfilHoWe Stieg.
Suwalki von den Litauern besetzt.
wb. Köntsberg, 5. Sept. Am 3. September wurde polnische Kavallerie von litauischer Kavallerie und Infanterie zurückgeworfen. S u w a l k t wurde von den Li lauem besetzt. Die Litauer setzen den Bormarsch fort. Ocstlich Brest-Litowsk finden örttlche Kämpfe statt. Die Armee Budjennys zieht sich nach einem vergeblichen Entlastungsstoß weiter zurück. Ocstlich Lemberg finden örtliche bolschewistische Gegenangriffe statt.
Die bevorstehenden Verhandlungen in Riga.
Wb. Paris, 4. Sept. Nach einem Radiotelc- igramm mts Warschau hat bet polnische Minister des Aeußerm crklqxt, daß er mit dem Abschluß eines Waffenstillstandes bis Anfang nächster Woche rechne. Die polnische Delegation ivirb am 7. September nach Riga abgehen. :
General Wrangel.
wb. London, 4. Sept. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Truppe» des Generals Wrangel Haven Meltpotor geräumt Gleichzeitig wird gemeldet, nutz die Nachricht, wonach die toten Truppen übet die Truppen des Generals lllagail im Kubangeblei einen großen Sieg errungen hätten, übertrieben fei.
wb. Paris, 5. Sept. Nach einer Meldung des „Matin" aus Warschau hat General Wrangel durch eine Abordnung der polnischen Negierung eine Note überreichen lasftu, worin fr sie bittet, ihn nicht im Stiche zu lassen.
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Bolschewistische Kriegsgerichtsurteile.
wb. Moskau, 4. Sept. Durch Funtfpruch wird jetzt erst mitgeteilt, daß in der Stadt Wjaswab am 7. August in der dortigen Artilleriefabrit ein Feuer infolge Nachlässigkeit der diensthabende» Personen entstanden ist. Diese sind verdächtigt, daß sic im Solde der Verbündeten stehen. Die sofortige Untersuchung stellte bei 136 Personen die Mitschuld fest, darunter bei einer großen Anzahl Truppeiisuhrcr. Das revolutionäre Kriegsgericht verurteilte 12 Personen, darunter den Führer einer besonderen Abteilung, Kompagnie- führet und die Wachhabenden zum Tode durch Er
schießen. 14 Personen, darunter ein Bataillonskom-. mandeur und der Befehlshaber der Eamifon, wurde» zu ISjähriger Zwangsarbeit und die andere» Schuldigen zu kurzfristiger Zwangsarbeit verurteilt, 48 Personen wurden freigesprochen.
In der Umgebung von Petersburg sind große Wald- und Torfbrände ausgebrochen. Zur Löschung sind alle Bauern der Umgebung und die örtlichen Feuerwehren herangezogen worden. j
Volkskommissariat für de« auswärtige« Handel. ,
wb. Moskau, 4. Sept (Durch Funkspruch.) Hier wurde ein Volkskommissariat für den auswärtige« Handel gebildet. Es will nach einer amtlichen Kundgebung bei Erfüllung seiner Aufgaben das Alte mit dem Neuen, das kommunistische mit dem kapitalistischen System ausgleichen und ist Aufsichtsorgan für die Ein- und Ausfuhr. Das neue Volkskommissariat ist auch da» einzige verteilende Organ. Alle aus dem Ausland ein« treffenden Waren werden von ihm an das zuständig« Wirtfchaftszentrum weitergeleitet. Es kauft die verschiedenen Waren auf und verkauft sie weiter. Alißer- dem tritt es mit Handelsgesellschaften In Verbindung, welche ausschließlich kapitalistische Ziele verfolgen und knüpft mit ihnen Beziehungen an. z
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Der Abtransport der Internierten. ’
wb. Berlin, 4. Sept. Betreffs her Frage der \ russischen Kriegsgefangenen in Ostpreußen wird mitgetcilt: Für die Unterbringung der internierten Russen und Polen mußte aus die Kriegsgefangenenlager im Wellen zurück« gcgrifscn werben, da die internierten Tnrppcn möglichst weit vom Kriegsschauplatz entfernt uutcrzvbringen sind. In Betracht kamen die Lager in Soldau, Hameln, Bay- ec ath, Falkcnbergcr, Moor und Springhcrsch. Aus bet»! Siebenen Ortschaften wurden Einsprüche gegen die Unter- ' briagung der Russen laut. Die Unterbringung der Russe» auf dm großen Truppenübungsplätzen ist unmöglich, da bi? Bewachungsmannschaften nicht ausreichcn. Uobri« ger.5 kann daran' hingewiesen tverdcn. daß bisher noch bei keinem einzigen Russen eine Jusurbordination gemeldet > wurde. Von Moskau erging der Befehl an die Truppe», b;e Gefangennahme durch die Pole» zu vermeiden und ' lieber auf deutsches Gebiet überzutreten und fich dort ent« wassncn zu lassen. Weiler wurde ihnen cingeschärftz. i nichts zu 'unternehmen, toas geeignet wäre, die korrekte» j Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland zu stören. ' Die Zah! bei; gefangenen Polen beträgt 2800, die bet Russen 44 871. ;
Der erste Transportdampfer mit den nach Ostpreußen übcrgetrctenen roten Truppen ist Heute, tote bei „Lokal- anz." meldet, in Swinernünde eingetroffen. Er brachte 800 Bolschewisten, die in das Internierungslager Soldau in der Provinz Hannover transportiert wurden.
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wb. Hannover, 4.Sept. Zu den Drohungen des KommunistcnführerS M « r g e s, daß mit Hilfe der tm Gefangenenlager Hameln internierten Russen leicht etwa» unternommen werden könne, verlautet, daß von den Behörden alle Vorkehrungen getroffen tvorben sind, um solche Unternehmungen zu verhindern. Ein Anlaß zur Unruhe besteht nicht. " —
Die Regierungsparteien
habe;: sich' zu einer Art intersraktionellet Vereinigung zusammengeschlossen, ähnlich dem interfraktio« tiellen Ansschuß, !aie er kurz vor dec Revolution inner« halb des Reichstages gebildet wurde. Der Vorsitzende der Dclltschen VottSpartci, Abg. Dr. Stresemann, berief demgemäß eine Konferenz der FraktionSvot« sitzende» der Zentrums-, demoktatischen und Deutschen Volkspartei, in bet bestimmte taktische Fragen erörtert tourben, die allen drei Regierungsparteien für die nächste Zukunft gemeinsam sein werden. Man hat sich darüber ausgesprochen, in welcher W'"- die drei Parteien die politischen Geschäfte in der *?u Zeit und namentlich Beim Wiederzusammentritt des Reichstags zu führen gewillt sind. Namentlich ivurbe auch! das Verhältnis der Regierungsparteien zur mchrheitS- sozialdemokratifchen Partei besprochen. Hierbei spielte die neuerdings in steigendem Maße beobachtete Taktik, der Mehrheitssozialdemokratie eine Rolle, die sich in heftigen Angriffen gegenüber einzelne» Reichsministern, so insbesondere gegen de» Reichswehrminister Dr. Geßler und dem Reichsvetkehrsminister Gtoener äußert. Dir Beratungen sind bisher vertraulich geführt worden. ES ist beabsichtigt, derartige Konferenzen in Zukunft noch mehrfach zu berufen. —
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Frankreich.
wb. Paris, 5. Sept Ministerpräsident Dlillc- rand wohnte heute in Lsiaux der Feier bei, die anliltzlich des Jahrestages der Marncschlacht dort veranstaltet wocden war uub Kgah sich dann in Begleitung de» Marschalls Foch im Soubcrzugc nach Metz. \
Aus London wird gemeldet, daß der franMsch« Dampfer „Camrauh" mit 700 Soldaten und 6000 Tonnen Ladung an Bord auf bet Höhe de» Leuchtturmc» von Horsburg gescheitert ist. Man ist jetzt daher bl# Soldaten und die Ladung auf den.französisches fer „General EallieAi^chinübtt zu