Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marbürg.
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Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen
Di« „Oberhes fisch« Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugrprei« monatlich ei* qnß 4 Mk., durch die Post 4.20 Mk. - Für ausfallende Nummern infolge Streik, »der Xt« LVv elementarer Ereignisse kein Ersatz. - Verlaa von Dr L. Hitzeroth. - Druck der ' Univ.-«uchdruckeret »en 2»h. Auz. Koch Markt 21/23. — Fernsprecher SS.
Marburg
Sonnabend, 4. Septbr. (Schewing.)
Der Snzeigrnprei, betrügt fit di« Saesp. Zelle 76 Pf«, und 10 •/„ Aufschl««. «mtliche | und auswärtige 1— Mk., Reklamezetl« 8.00 Mk. Zeder Rabatt gilt et, verrabatt.. Bet Auskunft durch die Eeschaft,stelle und Lermtttlung der Angebote 25 Pfg. Son-1 dergebühr. — Bei Beträgen unter 20 Mk. müssen wir da, Port» für die Rechnung I berechnen. — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt e. Main. |
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Erstes Blatt
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Times" meldet aus
tob. London, 8. Sept.
tob. besagt:
tob. Ncwyork, 3. Sept. (Havas.) Mehr als 15 000 Maler nick"30 000 Kutscher haben die Arbeit niedcraelegt itnd fordern Hehaltserböhungen und Herabsetzung der Arbeitszeit.
ein Aufschub notwendig werden.
Die Zusammenkunft von Aix-les-Bams.
Baris, 3. Sept. Eine Radiomeldung ans Rout
Rach einer amtlichen Mitteilung ist die Zu-
Amerika
Ausstände.
NelvNork: Mit Rücksicht auf den vor einigen Tagen aus- gebrochenen Streik in Brocklyn sind Tausende von Arbeitern Hestern nach Brocklyn gebracht worden, um zu versuchen. den Trambahnverkehr wieder hcrznstellen. Schn>er« Zusammenstöße fanden zwischen Polizei und Ausständigen und Streikbrechern statt.
tob. Rotterdam. 3. Sept. Aus Wilkeshare in Pcunshlvanien toyb -gemeldet, daß gestern gegen den Löillen der Gctoerkschaftslciter ein großer Streik in den Anihrazitbergwerken ansgcbrochen sei. Neber 100000 Bergleute sind ausständig.
Das Befinden Wilsons.
tob Paris, 3. "Sept. Rach einer Meldung des „Bon Soir" Klus Washington hat Dr. Ärahson, der Leibarzt des Präsidenten Wilson, erklärt, der Präsident
Die deutschen Kohlenlieferung««. v
wb. Paris, 8. Sept. Im Senat teilte der Ar- beiisminister mit, daß die deutsche Kohlenlieferung vom £—28. August 1 537 004 Tonnen betrüge. Mit Berechnung der Lieferungen der letzten Tage des August beziffern sich die Augustlicferungen auf 1,6 Millionen Tonnen. Das Frankreich unter Zugrundelegung des Abkommens von Spaa zugebilligte Kontingent beträgt 1550 000 Tonnen.
Nach einem Bericht des preußische» Gewerbeamtes in Effen beginnt das Abkommen von Spaa über die Kshlenlieferungen bereits ertrfte Folgen hinsichtlich der Einschränkungen in der Industrie zu zeitigen.
Di« Genfer Konferenz.
tob. London, 3. Sept. Reuter erfährt von zu- stLidiger Seile: Der 21. September ist als vorläufiges Datum für die Zusammenkunft der Wiedergutmach- Angskonfereuz in Gens festgesetzt worden. Die deutsche Legierung hat ihre Bereitwilligkeit kundgegeben, Vertreter zu entsenden. Es ist überdies möglich, daß sich durch das Zusammenfällen mit der Brüsseler Finanz iknserenz Schwierigkeiten ergeben. In diesem Falle
Sie tzeMe Mlmrl in Fmlkklh.
Ersuchen um Fristverlängerung und Verhandlungen».
Berlin, 3. Sept. Der Stand des Koriflikts mit Frankreich ist unverändert. Ans den. deutschen Bor- schlag, in einen Meinungsaustausch über die strittigen Fragen einzutreten, ist bisher keine Antwort aus Paris Angegangen. Auch der Botschafter Laurent ist ohne Atuere Instruktionen seiner Regierung. Die deutsche Lntwortnotc nach Paris ist in der heutigen Sitzung des Rrichslabinetts noch nicht fertiggestellt worden, sie zcht aber noch vor Montag nach Paris ab. Sie erklärt die Unmöglichkeit Deutschlands, innerhalb acht Taz'n die Forderungen nach Ermittelung und Bestrafung der Schuldigen an den Breslauer Vorgängen zu er- Men und die Unmöglichkeit, innerhalb dieser Zeit hie verlangt,' Sühne zu geben. Deutschland ersucht jtm angemessene Verlängerung der Frist und M das Zugeständnis von Verhandlungen, ssteber den Inhalt der deutschen Note gab Reichsministcr Mr. Simons gestern einer Anzahl parlamentarischer Führer ausführlichere Mitteilungen, in denen der Reichsminifter weiter betonte, daß von irgend welchen Militärischen Repressalien Fcanstceichs bei Nichteinhaltung der achttägigen Frist in den Gespräche» mit dem franzöjtscheu Botschafter bisher keine Rede gc- wescu sei.
Der Polizeipräsident von Breslau in den Einstweilige« Ruhestand versetzt.
Berlin 3. Sept. Der Polizeipräsident von Breslau Ernst, (früher in Berlin), ist durch Beschluß der preußischen Ctaatsregierung in de» einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Damit ist einer der franzö- fischen Sühneforderungen für Breslau entsprochen ewrtvn.
30. September gegen seine» Willen in Rußland zu- rückgehalten wird, so wird die französische Re- giermig Veranlassung nehmen, der französischen Flotte Befehl zu geben, in Südrußland die Schritte tun, die für erforderlich erachtet werden.
Französicbes Ultimatum an Rußland.
tob. S t o ck h v l m, 3. Sept. Aus Helsingfor" wird telegraphiert: Tie französische Regierung hat an Tschitscherin folgendes von Milleraub unterzeichnetes Ultimatum gerichtet:
Die französische Mariuebchörd« hat Vorbereitungen für die Heimsendung des letzten russischen Transports ans Frankreich am 15. September und aus Algier am 26. desselben Monats getroffen. Alle Franzosen, die sich in Rußlanb befinden, sind deshalb entweder nach der finnischen Grenze oder nach Odessa zu befördern. Wenn ein einziger Franzose nach dem
Stt Mch-tzMA SrifO.
Die mißglückte russische Cegeuoffensiv«.
wb. Königsberg l. Pr., 3. Sept. (Lagebericht.) Die Lage int Suwalkigebiet und an der polnischen Nordfront ist unverändert. Die Armee Budjennys befindet sich im weiteren Rückzüge. Oestlich von Lemberg an der Guilaja-Lipa und am Dnjestr finden örtliche Kampfhandlungen statt.
kg. Wien, 3. Sept. Die „Allgemeine Zeitung" meldet aus Lemberg: Hier ntelden Extrablätter die Räumung Brodys dttrch die Russen. Die zurückgchen- den Russen zerstören die Eisenbahn nach Dubno. In Tarnopol ist polnische Kavallerie eingezogen, die Stadt hat schwer unter der Russenbesetzung gelitten.
kg. Genf, 3. Sept. Der „Malin" nieldet aus Wirschan: Der Zusammenbruch der neuen Russen- offensive zeigt sich in alle» Anordnungen des polnische» Generalstabs.^ Brest-Litowsk ist außer Gefahr., In Cholin sind wieder die Polen einmarfchiert.
Der „Temps" melbet von der polnischen Nordfront: Die Russen weichen von Loinza auf Ostrowiee. Die viertägige Schlacht bei Loinza hat mit dem 81 ü ckzng der Russen geendet: > r? :
Litauischer Bor marsch. • '
tob. K own o, 3. Sept. (Litauischer Heeresbericht.) Nach Erfolg im Kampfe mit den. Polen begannen litauische Truppcnabteilungen den Vormarsch zwecks Wiederherstellung der früheren Lage. Auf der ganzen Frontlinie von Grodno bis Suwalki gelang es, die Polen 25 bis 50 Werft zurückzudrängen, wobei ein litauisches Infanterieregiment 15 Werst kämpfend vorging. Gestern wurden Lipfki, Giby, Sein«, Krasnopol, Kvlelminki und Tscherwonka 7 Kilometer uördlich von Suwalki zttrückgewonne». Wir machten Kriegsb.ule und Gefangene. Litauische Flugzmge nahmen an den Kämpfen durch ErknnduugStätigkeit teil. Der Vormarsch wird fortgesetzt.
Wie verlautet, tnird die litauische Rcgiening in kurzer Zeit ihren Sitz nach Wilna verlegen.
Senerol Wrangel.
tob. London, 3. Srpt. Einer Depesche aus Warschau an die „Times" zufolge ist der Geiieralsiabschcf der Armee Wrangels, General Liftowfki, in Warschau eingetroffen. i
Dem „Daily Telegraph" wirb ans Kopenhagen gemeldet: Tie russische Delegation in Kopenhagen hat vom Gen-ral Wrangel ein Telegramm erhalten, das die Besetzung der Halbinsel Taman nördlich des Toncz bekanntgibt. In der Gegend von Jekaterinodar haben die Struppen des Generals Wrangel den Roten die Verbindungslinien gestört. Sie sind dabei die Besitzung von Odessa vorzubereiten.
Di« französisch« Hilf« für Pol««.
kg. Basel, 3. Sept. Die „Baseler Nationalztg." meldet ans Siraßbnrg, das; aus den technischen Truppen der im Elsaß garnifonierenden Truppenteile Freiwilligenabteilungen für die polnische Front zufammen- gestellt werden.
und Einfluß der Regierung?- und Stadtoberhäupter (Oberpräsidenten. Regierungspräsidenten, Oberbürgermeister ufto.v Welche sind uns feindlich gesinnt.? Welche würden uns bei einem eventuellen Einmarsch freundlich gesinnt sein? Adresse ihrer Bureaus? Besteht noch die Technische Nothilfe, der Heimatdienst oder irgendeine andere Organisation derselben Art? Wenn ia, geben Sie uns Name und Adresse des leitenden B^ktoaltunas- Personals an. Besteben nock Lebensmittellager? Bezeichnen Sie diese. Geben Sie uns genaue und voll- üändige Adressen der Räume und tote die Waren unter- nbrachi sind. Bestehende Kohlenlager (Adressen der Lager). Eisenerzlager. Laaepläne der bedeutendsten Firmen. In dieser Form geht es auf diesem Fragebogen mehrere Seiten lang. Dadurch ist fesigesielft, daß die Franzosen das Ruhrgebiet bis ins kleinste ausspionieren lassen, auf das sie schon lange ein Auge geworfen habe».
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ssmmenkünft zwischen Giolitli und Millerand in Aii les Brtms auf den 12. September festgesetzt toorben.
|i Wie difr „Motin" aus London messet, hat die „Times" aus Luzern ein Telegramm erhalten, daß Lloyd George Mitte nächster Woche nach London zurück- khren wird. Der Zusammenkunft in Aix-les-BainS wird Lloyd George nicht beiwohnen. -
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; SreoiöMe Silnoit im Miimetol.
r* Berliner Blätter melden auS Essen: i
In Mülheim a.d. Ruhr tontbe ein Kaufmann Willy Kühl aus Brüssel verhaftet, der dadurch Verdacht cr- «gte, daß er sich verschieben!.'ich an ReichStorhrsoldaten. heranmachte. Man fand bei ihm einen in französischer Sprache abgesagten Fragebogen, ans dessen Fassung deutlich heroorgeht, daß Frankreich das ganze Ruhrgebiet mit einem großzügig angelegten Spionagesystem über« logen hat. Unter der Ueberschrist „Allgemeine Fragen" ,kerben auf dem Fragebogen folgende Jnsvrmotionen ver- fcsgt: Bahnhofspläne des Ruhrreviers, Lagepläne kr Eisenbahndirektionsgebäude, genauesie Erkundignn- >a über die Reichs-, Sicherheit- und EiMvohnerwehren. ÄT heißt dann ferner: „Politische Erkundigungen": Hal- Kmg der Arbeiterbevölkerung. Auf die Haltung der «ommunisten, der unabhängigen Sozialdemokraten und wt Mitglieder der 'Sozialdemokratischen Partei ist das besondere Augenmerk zu richten. Was denken diese über fftr Reichswehr, die Sicherheitswehr und die Einwobner- tochrrn? Sind !>e ihnen feindlich gesinnt? Insbesondere: tote würden die Arbeiter lind Führer, d. h. die Ingenieure, die Direktoren ufto. die Besetzung des Ruhrreviers durch | M* Entente hinnehmen? Würden sie annehmen? Würden fit Widerstand leisten und auf welche Art und Weife? Wind schon Vorbereitungen für einen Widerstand der Arbeiter getroffen? Dann heißt es weiter: Name, Stand
Danzig, 8. Sept. Vor der Danziger Reede liegen seit Montag 13 Kriegsschiff« der englisch-französischen Flotte. Auf der Bahn Danzig—Thron—Warschau werden täglich 16 Waggons mit Munition für Polen verfrachtet. Gestern find auf zwei französischen Schiffen Tanks für die polnische Front in Danzig ausgeladen worden.
Die Unterbrechung de« Verhandlung««.
tob. Warschau, 3. Sept. (Polnisches Pressebüro.) Die polnischen Bevollmächtigten in Minsk haben heute Minsk verlassen. Vor ihrer Abreis« wurde ein Protokoll der abgehaltencn Sitzungen unterzeichnet mid offiziell festgestellt, daß die Verhandlungen mir vorübergehend wegen ihrer Verlegung unterbrochen werden.
wb. Paris, 2. Sept. Ein Warschauer Havas- telegramm befugt: Tschitscherin habe in «'nem Fnuk- spruch an den polnischen Minister des Aeußern der Verlegung der Verhandlungen von Mnsk nach Riga z u g « st i m m t und mitgeteilt, daß er eine mit entsprechenden Vollmachten versehene Abordnung zum Abschluß eines Friedens und eines gerechte» Waffenstillstandes CHtfenben wolle.
Nach finec „Temps"-Meldung aus Warschau ist Joffe zum Vorsitzende» bei, neuen Svwjetaborduung, die mit beit Polen verhandeln soll, ernannt worden.
wb. London/3. Sept. Aus Warschau wird der „Times" gemeldet, daß Tschitscherin sich wegen des Tagesbefehles des russischen Befehlshabers, worin die polnische Delegierten als Spione bezeichnet werden, entschuldigte. Tie Entschuldigung fei an allen össenl- lichen Gebäuden Minsk angeschlagen.
Abtransport der internierte« Außen.
kg. Königsberg, 3. Sept. Bis Donnerstag mittag waren aus Ostpreußen 6200 internierte Russen in das Innere Deutschlands abtransportiert. Die Zählung der tibergetretenen Russen und Polen ist jetzt abgeschlossen, ihre Zahl beträgt 41,682.
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Sie Lage in MrWehen-
Allgemein« Unsicherheit.
tob. Kattotoitz, 3. Sept. In Kattowitz setzen die Franzosen die. Haussuchungen nach Waffen mit Griiud- lichkeit fort. Die verstärkte Kontrolle ans dem Bahnhof dauert an. Im Landkreis Kattowitz herrscht nach wie vor die größte Unsicherheit. Besonders unsicher sind die Verhältnisse in Bogntschütz, Eichenau, Rofvkin und Schoppinitz. Der in Miczeikowitz tätige Lehrer Schrvbek tourt» beute morgen in der Nähe von Przclaika in der Sri« nitza als Leiche aufgefuiiben. Auch im H^ise Pleß äst die Lage nach wie vor unsicher,' Tie Komnumo» zur Durchführung der Wassenabgabe arbeitet mit verhältnismäßig entculiche» Erfolgen, jedoch scheint cs, als ob die ygeu-- (uütilge Wache des Kreises Plrß unzulänglich fei. In Orzesch bei Tarnewitz wurde i:i der vergangenen Nacht rin Wirtsehepaar erschlage» und daS dem Ehepaar gehörende Kvlouialumrengeschäft auSgeplündert.
tut'. Benthe«. 3. Sept. Korfanty erläßt erneut inen Aufruf an die Bevölkerung Obcrschlesieus, worin er die in den letzten Tagen vorgekommenen verbammenS- f ;;rieu Verbrechen als Untaten gewöhnlicher Banditen h'ichellt. Er fordert die gesamte ordnungsliebende Bevölkerung zum Kampf gegen das Banbitentiim und zur Al'liefening der noch zurückgebalteneu Waffen auf. Wer befürchte, sich strafbar gemacht zu haben, weil er die Waffen noch nicht ablieferte, möge sie heimlich den örtliche« Plebifzjtksninnssioue« übergeben, die dir Waffen .bann ohne NamenSneimnug au die. interalliierten Be- HSrdci! tveitergeben. Tie „Greuzzeitung", das Organ Korfautys, bringt eine« Aufsatz „Mehr Ruhe und Besonnenheit". lvorin unter Hinweis darauf, daß die Polen- fübrer ihr Möglichstes getan haben, nm jede« Terror und Druck auszuschalten, behauptet wirb, daß cs scheine, als ob auf deutscher Seite die gegebenen Versprechen nicht gel'ältci! würde«. Die Polenführer würden in gewohnter Weife verleumdet. Dem Demiuzianteulum werde von. drutscher Seite nicht entgegengetrekn. — Die Tatsachen sprech.'« für das Gegenteil.
könne jetzt wieder als vollständig hergestellt betrachtet werden. Dagegen erklären verschiedene Personen ander Umgebung deS Präsidenten, daß die Krankheit auf ihm einen Greis gemacht habe und daß er wie rill Siebzigjähriger aussehe.
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Sie Womit.
50 Jahre' waren es in diesen Tage» her, daß General Wimpffen die Kapitulationsakte von Sedan imterschriebcn hat und daß mit diesem Siege über das kaiserliche-Frankreich die Grundlage gelegt wurde zu der Einheit Deutschlands, die dann 1871 in Versailles offiziell begründet worden ist. Die französische Revolution nach dem Fall von Sedan führte Frankreich zu einem hartnäckigen Volkskampf starker nationaler Begeisterung; die deutsche Revolution, lange vorbereitet, zermürbte unsere Widerstandsfähigkeit und' unseren Sicgeswillen und rächte die Vertrauensseligkeit der führend gewordenen Leute in die Lockungen unserer Feinde in einer für das gesamte-Volk niederschmetternden Weise. Wir stehen am Grab von Deutschlands Vergangenheit, an der tiefen Gruft unserer Hoffnungen. Das Versailles von 1919 gegenüber dem Versailles von 1871 ist die grauenhafteste Lehre, der Deutschland je unterzogen wurde. Aber e8 war und ist nicht deutsche Art, nutzlos zu klagen, sondern das Schwere ohne Beschönigung und Selbstbetrug erkennen zu lernen und aus dieser Erkenntnis neuen Willen und neue Kraft zu schöpfen. Dazu dient uns die Erinnerung an Sedan, und dieses Tages wollet wir immer gedenke» alle kommenden Jahre.
Es wird den Frauzose« eine willkommene Genüge luung gewesen sein, daß gerade in diesen Sedan- Erinnernngstagen der dentschen Regienmg und dem deutschen Volle die Note über die Sühneforderungen wegen der Vorfälle in Breslan vorgelegt worden ist. Daß für die Vorfälle in Breslau Frankreich eine Gcnuglnung zu teil werden mußte, verstand sich von selbst. Es ist gewiß bedauerlich, daß es immer toiebqf zu solchen Vorgängen kommt. Aber diese Erscheinung: ge« sind eben Folgewirkungen der Härte der FriedenS- bidingnngcil und der seelische» Rückwirkungen, die sich im Volke aus Schmerz über die Niederlage und ihre Folgen und aus Auflehnung gegenüber der Diktatur de, „Sieger" ergeben. Sie ftnb andererseits ein Zeichen, dafür, toie unruhvoll unsere inneren Verhältnisse noch sind und wie schwer eö ist, die leidenschaftliche Auflehnung des Bolles gegenüber dem Geiste idnb dem Werke von Versailles zu dämpfen. Tieft Erregung kann nicht geringer werden, solange nicht von der Gegenseite daranf verzichtet wich, die Politik der Schikanen, der Quälereien, der fortdEernden Droh" nilgen und Erpressungen aufzugebcn. Die Forderungen die Frankreich jetzt an die deutsch« Regierung stellt, sind erneute Dodtmente einer nationalistischen Utter« spannltng, die in der Art und Form, in der sie sich geltend macht, die Wogen der Erregnng nicht zu glätten, sondern vielmehr geeignet ist, neue» Haßt und neue Bitternis zu erzeugen. -
Die französische Note spricht selbst davon, dast die Regierung der französischen Republik wünsche, mit der deutschen Regierung in einer „Atmosphäre der Beruhigung" zu leben. Die Focherungen abell sind solchem angeblichen Streben gewiß nicht dienlich. So ist die Frist von acht Tagen, die der deutschen Regierung gestellt wird, so kurz, daß man sich des Eindrucks nicht verwehren kann, es soll hier ein Kon- fliktsstoff geschaffen werde». Tie Härte der Sühne- bedingungen liegt aber vor allem in den demütigenden Forderungen der neuen militärischen Ehren Erweisung vor dem wieder instand gesetzten Konsulat und bei aufgezogenen Trikolore, der Verabschiedung des Hauptmanns v. Arnim, der die Reichswehrkompagnic führte, die vor der französischen Botschaft in Berlin die Ehren-Ertveisung vor der Trikolore durchzuführen hatte und beim Abmarsch „Deutschland, Deutschland über alles" sang, und eines besonderen Entschuldi-, gungsbcsnch des Reichskanzlers selber bei der fran«, zösischen Botschaft. Daß mit derlei Forderungen, zu« mal sie ganz einseitig die Schuldfrage behandeln und' nicht auf die Herausforderungen von der Gegenseite , eingehen, eine „Atmosphäre der Beruhigung" Inn deutschen Volke geschaffen wird, wird niemand be- haupten können. Man kann in ihnen nur einen erneuten Beweis erblicken, wie weite Wege eß noch mit der „Bölkerversöhnung" hat.
Entsprechend den im Ausschuß für Auswärtiges zur Geltung gekommenen Ansichten hält die Reichs« regierung das Verlangen nach persönlicher Entschuldigung durch den Reichskanzler sowie nach Bestrafung des Hauptmanns v. Arnim für ungerechtfertigt. E» wird zunächst für die Regierung darauf ankommen, tzemäß dem Ausschußantrag Mittel und Wege z« finden, trotzdem ihr hierfür infolge Fehlens der Hoheitsrechte die Hände gebunden sind, um daS un« neutrale Verhalten der Franzosen angesichts der pol« nischen Akbergrifje in Oberfchleliey tetzjutzellen. liebet
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