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Amtliches VerMMgungsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Overhessen

Ur. 205

DieOixrhtiMchr Btüung erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 4 Mk durch di« Psft 4.20 Mk. Fiir ausfallende «umnicrn infolge Streik, »der elementarer Ereignisse kein Ersatz. - Berla« von Dr L Hitzerotv. - Druck der Unio.-Buchdruckerei von J-h. «ug. Koch, Marit 21'20. Fernsprecher Sa.

Mavburg

Freitag, 3. Septbr.

(Scheidins.)

Der Lnzeigenpret, beträgt fit die Sgesp. Zeile 75 Pfg. und llef0 Aufschlag, amtlich« und auswärtige 1. Mk., Reklamezeil« 1.00 Mk. Jeder Skadatt gilt al» Barrabatt. Bei Auskunft durch dir Eeschäftsfteü« und Vermittlung der Augebst« » Vfg. S»a> dergebühr. Bei Betragen unter 20 Mk. müssen wir da» B»rt» fit dl« Aechaung berechne«. Postscheckkonto: Ar. 5015 Amt Frankfurt «. Statu.

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kg. Berlin. 2. Sept. In einer zweiten Unterredung des französischen Botschafters mit hem deutschen auswärtigen Amt stellte der fran­zösische Botschafter keine Verlängerung der Deutschland gestellten Frist zur Annahme der fran­zösischen Sühneforderungen in Aussicht. Die Deutschland gestellte Frist läuft am 8. September mittags 12 Uhr ab.

r kg. Genf, 2. Sept. DerTemps" erfährt, daß 'Sie den Verbündeten zugegangene Mitteilung «Frankreichs über die Cühneforderungen an ^Deutschland auch die offizielle Anzeige enthalten Ihabe, dasi bei Nichtannahme der Forderungen ^iunerhal bder gestellten Frist die französische Regie- rung sich die Freiheit ihrer Entschließungen diplo­matischer und militärischer Art vorbrhalte.

Wie derMali,:" meldet, erläuterte Millerand in der Pressebesprechung die Forderungen cm Deutschland dahin, daß mit dar französischen Note der frühere deutsche Antrag, die Berliner Fahnen- Angelegenhcit dem Völkerbund zur Entscheidung zu übertragen, ab gelehnt sei. Die Entlassung des Hauptmanns v. Arnim sei eine der Haup(- fordernngen Frankreichs, um dem französischen Botschafter in Berlin persönlich Genugtuung zu geben.

, Sitzung des Reichskabinrt-s.

Berlin, 2. Sept. Nach einer Meldung des Verl. Lok.-Anz." ist das Reichskabinett heute vormiitag zu einer Sitzung zufamw.engetreten, um sich nochmals mit den Ergebnissen der Verhand­lungen des Ausschusses für auswärtige Angelegen­heiten, insbesondere auch mit der Note Laurents über die Breslauer Vorfälle zu beschäftigen.

Wie verlautet, stoßen die bestimmt sormuliec- ten ersten fünf Forderungen bei der deuischen Reichsregierung auf keinerlei Widerstände. Da­gegen hat sich Reichsnrinisicr Dr. Simons in persönlichen Verhandlungen mit denr französischen Botschafter Laureut bemüht, das Verlangen nach einer persönlichen Entschuldigung des Reichskanz­lers durch einen Schritt des Reichsministers des Auswärtigen zu ersetzen, und weiter ist in diesen mündlichen Verhandlungen von Dr. Simons da­rauf hingewiesen worden, daß die Behauptung, Hauptmann v. Arnim habe dem Reichswehr- koinmando nach seiner Ehrenbezeigung vor der französischen Botschaft das von französischer Seite beanstandete Absinge» des LiedesDeutschland, Deutschland über alles" befohlen, den Tatsachen nicht entspricht.

Der Ausschuß für Auswärtiges.

Berlin, 2. Sept. Der Reichstagsausschuß für auswärtige Angelegenheiten hat folgende Entschließung angenommen:Der Ausschuß für auswärtige Angc- legenheiten ersucht die Reichsregierung angesichts der Forderungen'!» Oberschlesien nm Mitteilung einer Zu- sammeustellung der in betreff der polnische» Uebergriffc und der Duldung durch di« französischen Stellen au­thentisch feststellbaren Tatsachen, durch welche eine 6c» preisliche Erregung der deutschen Bevölkerung in Ober- schleficn hervorgerufen wurde." Der Antrag ist als Ergebnis einer fünfstündigen Aussprache von allen l Ausschussmitgliedern gegen die Stimmen der llnab härigigeu angenommen worden. Außerdem wurde das Uebereinke-miuen getroffen, die oberschlefischen Ereignisse und besonders die Frage der Gewährung einer Auio- snomic für die Provinz in einer besonderen Sitzung des Ausschusses, die in nächster Zeit stattsinden soll, zu behmidelu.

Allgemein wurde über das Berfagen der Be­hörden in Oberschlesien scharfe Beschwerde geführt und darüber geklagt, daß teilweise auch deutsche Beamte die deutschen Interessen nicht genügend energisch wahr- zzcneinmen hätten Die Schuld an dem Ausbruch der tlnrühe-r in Breslau sei, das wurde von mehreren Seiten hervorgehoben, unzweifelhaft auf Provokationen zurückzusühre». Abg. Herschel wandte sich b-son- ders dagegen, Studenten, Komnlnniste», Aittis liien oder Tentfchnalionale für die Breslauer Ausschrei­tungen verantwortlich zu machen. Die Erregung habe sich gegen die Franzosen und Polen gewendet, icei( der Anblick der Flüchtlinge aus Oberfchlesien und die . Schilderungen ihrer Leiden geradezu herzzerreißend ge­wesen seien. Die in Aussicht stehende Abstimmung . in Oberschlesien könne nach den nunmehr einaetrotenen Berhältnissen nicht in Freiheit vor sich gehen, und die Abstimmung dürfe überhaupt nur erfolge», wenn von . der Entente der deutschen Negierung Garantien dafür, gegeben würden, daß der Bolkswille dec Oberschlefier unbeeinflußt zur Geltung kommen werde. Bon mehre­ren Seilen ist das Abkommen zwischen den Bertrctern der deutschen Parteien und dem polnischen Plebiszit- : kommisfar Karfanty besonders ans dem Grunde leb­haft getadelt worden, weil Korfanty nicht als verhayd-

lungsberechtigt hätte gelten dürfen. Abg. Strese- maun lenkte die Aufmerksamkeit auf die Beeinträch­tigung der Kohlen förderung von Oberschlesien durch die dortigen Ereignisse und deren Rückwirkung auf die Erfüllung des Kohlenabkommens von Spaa. In bemerkenswerter Weise wandte sich Abg. Scheide- m c ii ii gegen die Unzuträglichsten, die sich aus der Internierung bolschewistischer Truppen in Ostpreußen für uns ergeben. Er führte das Wort eines amt­lichen Vertreters der Moskauer Negierung gegenüber einem ReichStagSabgeordueten an, das dem Sinne nach lautete: Zuerst bolschewifieren wir Polen, dann euch in Deutschland. Scheidemann verlangte daher, daß so bald als möglich die internierten russische» Kriegs­gefangenen wieder nach Rußland abgeschoben werde», zumal da wir ohnedies noch 150 000 russische Kriegsgefangene im Lande hätten und schon im Hinblick auf unsere Ernährungsverhältnisse danach trachten müßten, diese so rasch wie möglich heimzuschassen.

Tie französischen Sühneforderuugcn, die in den Punkten 1 bis 5 der französischen Note ent­halten sind, wurden als äußerst drückend bezeichnet, -ber von allen Seiten, auch von deutsch-nationaler Seite würde erklärt, daß man diese Bedingungen e r s ü l l e n müsse. Dagegen wurde die Forderung nach Bestra- sirng des Hauptmanns v. A r uim von deuischnatio- nalcr Seile scharf znrückgewiesen, da die Untersuchung durch die übereinstimmenden Aussagen der Soldaten ergeben habe, daß dieser - Offizier nicht den Befehl zum Anstimmen des LiedesDeutschland, Deutsch­land über alles" nach der Fahnenhissung auf der französischen Botschaft gegeben habe,

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Steigende Unsicherheit. Weitere Mordtaien.

wb. K a t t o w i tz , 2. Sep. Die Entwaffnungs­aktion schreitet ungleichmäßig fort. Dir Polen haben den größten Teil der' Massen über die Grenze in Sicherheit gebracht. Die Tätigkeit der Mehrheit der Zoll- und Postämter ist in den Grenzbezirken fast vollkommen lahmgelegt. Die allgemeine Unsicherheit steigt von Tag zu Tag. Nachrichten über schwere Mißhandlungen, Plün­derungen, Ueberfälle und Mordtaten taufe« täg­lich ein. In Przelaika, hart an der Grenze, wur­den jetzt die Leichen van 8 Personen ausgegraben, die am 20. August erschossen, in die Btinitza ge­worfen und dann auf dem Eholerafriedhof boi- gesetzt worden waren. Zn Baingow ist jetzt ein Grab mit 6 Lerchen festgestelkt morden, dir anschei­nend wie die Opfer von Zosefstal ermordet wor­den sind. Unter den Opfern von Zosefstal befin­den sich ein Elsässer und vier Tschechoslowaken.

Ivb. Benthen, 2. Sept. Tic Bildung von Bür gerwehren ans paritätischer Grundlage schreitet un;ee tzroßen Schwierigkeiten langsam fort, einmal, weil Meldungen zu den Bürgerwchren spärlich cinlauseu, hauptsächlich aber, weil die polnischen Ortswehreu, dir sich die Polizeigewalt anmaßcn, besonders in dem ösi-, lichen Ansstanbsgeoiet die Bildung von Bürgerwehrcn hätten verhindern können. In Bcnthen dürfte di: Bilduitg der Wehr deshalb unterbleiben, weil die En- lentckommijsion abgelehnl hat, bk Kosten auf den all­gemeinen Landeshaushalt zu übernehme».

tob. Oppeln, 2. Sept. Ter deutsche Kommissar für das oberfchlesischc Abstimmungsgebiet Fürst Hatz­feld ist nach mehrwöchigem Aufenthalt in Gaskin, wo er sich zinn Kurgebrauch anfhielt, hierher zurück gckchrt.

Großpolnifche Soldaten in der »bersihlesijchen Abstimmungspolizei?

Berliner Blatter melden: Nachdem die Polen eines ihrer wichtigste» Ziele, die Entfernungs der Sicher­heitspolizei. mit Hilfe der Franzosen glücklich erreicht haben, wenden sie jetzt alle ihre Kraft der Polonisierimg der neugebildeten paritätisch zusammengesetztenPolizei Oberfchlesien", der Abstiniinungspolizei (Apo) zu. Zn welcher Weife der französische Kommandant dieser Truppe ihre Rekrutierung vornimmt, ist ein geradezu klassisches Beispiel für das Hand-in-Hand-Arbeiten der Franzosen und Pole». Die Bewerber um die Beamten- steile,i der Apo werde» im Polizeipräsidium Kattowitz von einem Franzosen empfangen, der sofort einerein­liche Scheidung" vornimmt. Wer bei dieser Vorstellung deutsch spricht, wird ohne weiteres a b g e w i e f e n, die polnisch Sprechenden dagegen sofort e i n g e st e l l t. Zumeist gehören dte angenommenen Polen den Sokol- Vereine» an. Heute soll dte Organisation der Apo beendet jein und die Truppe ihren Dienst aiifnebmen.

Neue deutsche Note über Oberschlesien.

Genf, 2. Sept. WieEcho de Paris" meldet, har der deutsche Dotfchafter Dr. Mayer eine neue Note seiner Regierung über Oberschlesien der Friedenskonferenz überreicht. Der neuen deutschen Note sind die Bekundungen von 78 Augen-

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zeugen der Vorgänge in Oberschlesien als An­lage beigefügt.

Ei» neuer polnischer Aufstand? '

Berlin, 2. Sept. Wie derKreuzztg." aus Oberschlesien geschrieben wird, erklärt das deutsche Oberschlesien mit dem schärfsten Nachdruck vor aller aller Welt, daß es die Franzosen nicht für fähig und willens hält, eine unparteiische Abstimmung herbeizuführen. Es tauchten im übrigen von neuem Gerüchte auf, daß in 68 Wochen ein aber­maliger polnischer Aufstand ausbrechen werde.

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Rückzug der Russen.

wb. Warschau, 2. Srpk. (Havas.) Polnischer Generalstabsbericht vom 1. September: Tie Armee Budjonny, die den Befehl erhielt, die polnische Front in der Richtung Za-nocz zu durchbrechen und mit der 12. roten Armee auf Lublin zu marschieren und die in der Richtung auf Cholm zum Angriff vorging, wurde vollständig vernichtet. Tie Offensive der 12. Armee längs des Bug wurde vereitelt. Die Gruppe Haller, die der Nachhut Biidjennys stack zusetzte, führte am 31. August eine» Angriff in der Richtung auf Zamoez au?. Budjcmiy wurde umzingelt und begann den Rückzug, wobei er überall auf energischen Wider­stand stieß. Er machte trotz der enormen Verluste mehrere Kavallcrieaagriffc, um sich den Durchgang zu bahnen. Im Laufe dieser Kämpfe wurde die Armee Budjenny vernichtet, mit Ausnahme einiger Abtei- lulrtfltii, denen es gelang, sich den Durchgang zu bahnen. Sie zogen sich vollständig in Unordnung zurück. Die Verfolgung dauert an. Es wurde große Beute gemacht, darunter 11 Kanonen und eine große Anzahl Maschinengewehre und Munition. Unter den gelöteten Bolschewisten befinden sich zwei Brigadc- kommaiideiire, mehrere Regimentskommandeure und zwölf Kommissare. Oesilich von Lemberg wurden die Bolschewisten hinter dem Bng zurückgeworscn und ver­loren drei Kanonen.

wb. Königsberg i. Pr., 2. Sept. Die neue Offensive auf dem Znnenflügel der 12. Armee und der Armee Vudjennys begegnet erfolgreicher pol­nischer Abwehr. Die Armee Budjenny» selbst ist durch F l a n k e n u m f a s s u n g aus der Richtung Erabowiec in bedrängter Lage. Der Rückzug ist eingcleitet. , :i

Die Gefahr für Lemberg beendet. '

wb. Wien, 2. Sept. DieRene Freie Presse" meldet aus Warschau, daß die Bolschewisten im Kampfe um Lemberg vollständig geschlagen wurde». Große Massen von Gefangenen fielen in polnische .Hände. Die tote Armee sei auf Stobt) zuriickgewotfen. Jede Gefahr für Lemberg sei behobel.

wb. Moskau, 2. Sept. (Fimkspruch.) Russischer Heeresbericht vom 1. September: Im Abschnitt Grodno nördlich von Sokolka sind örtliche Kämpfe im Gange. Abschnitt Cholm: Unsere Abteilungen warfen den Gegner, der das rechte Ufer des Bug erreicht hatte, auf das linke Ufer deck Flusses zurück. Im Abschnitt Wladimir-Wolynsk entwickelte» unsere Truppen dc» Vormarsch. Nach der Einnahme von Grnbeschow be­setzten wir eine Reihe Ortschaften 10 Werst nördlich dieser Stadt. Im Abschnitt Sokal für uns erfolgreiche Kämpfe. Abschnitt Lemberg: Unter dem Druck des Gegners gingen unsere Abteilungen etwas nach Osten zurück. An der Krimfront kämpfe» unsere Truppen mit dem Gegner, btt hartnäckigen Widerstand leistet.

Riga Ort der weiteren Verhandlungen.

wb. Paris, 2. Sept. Nach einem Radiotele- gramm aus Warschau hat der polnische Minister des Aeußeten erklärt, daß Riga endgültig als Ort der weiteren Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Polen und Rußland bestimmt worden sei.

Litauische Note an Pole».

wb. K o w n o, 2: Sept. Eine Note des Mini­steriums des Auswärtigen weist auf die zwischen Litauen und Polen geführten Verhandlungen zur Festlegung einer Demarkationslinie hin und hebt hervor, daß die Pole«, ohne diese Verhandlungen zu Ende zu führen, litauische Abteilungen an­gegriffen hätte«. Angesichts dieser Tatsache bleibe Litauen nur übrig, sich mit allen Mitteln zu ver­teidigen und einen neuen polnischen Vormarsch zu verhindern. Ein Blutvergießen könne nur in dem Fall verhindert werden, wenn die Polen sich zu­rückziehen und die Festlegung einet provisorischen Damatkationslinie abwatien, die im Vernehmen mit der litauischen Regierung bestimmt werde.

* Die polnische Antwort an Amerika.

wb. Washington, 2. -Sept, lHavas.) Man

glaubt, m wissen, die polnische Antwort auf tote drin­

gende Note Colby» besage, daß die von den Polen ein­genommene Haltung durch die strategtsche Lage bedingt sei. Die Note stimm« mit dem amerikanijchen Wunsche überein, daß Polen da, russische Gebiet achte. Die pol­nisch« Note weise aber auf dte schwierige Lag« Polen» hin, die sich au» der Aufgabe der erfolgretch«n Gegen­offensive ergibt, ohne daß gleichzeitig bestimmte Garan­tien von der Sowjetlegierung gewährt werden. Schließ, lich wende sich die Note der Tatsache zu, daß die polni­schen Grenzen durch die Bolschewisten verletzt worbest seien, entgegen dem Verlangen der englischen Re­gierung, daß die Sowjetregietung ihre Offensive an der ethnographischen Grenz« Polens rinstellen sollte.

Staatssekretär Colby hat die Erklärung abgegeben, daß die Regierung der Vereinigten Staaten die Ant­wortnote der polnischen Regierung als vollkommen b£_ friedigend betrachte.

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Russisch« Beschwerden in Berlin. ...

Berlin, 2. Sept. Der Vertretet bet Sowjet- 4 tegierung in Berlin, Wigdot Kopp, hat dem Aus­wärtigen Amt zwei Noten überreicht. In der ersten beschwert sich die russische Regierung darüher.Mch sich dieMterallEack« Kommission bet der E,mssffsii,ns^ber i«tsriiierdeM-russischen Trup­pen auf deutschem Boden beteilig«. Das sei ledig-, lich Sache Pes Deutschen Reiches. Wenn sich di« interalliierte Kommission baran beteilige, so stell« das eine vollkommen unzulässige Einmischung und einen Bruch der Neutralität dar. Die ruMch« Regierung wolle durchaus finanziell für die über« getretenen Truppe« sorgen, es müsse aber bi« Sicherheit gegeben sein, baß biese Truppe» und - ihr Heeresgrit in ben Händen eines neutrale» Staates blieben unb nicht Eegenstanb bet Ver­fügung britter Mächte würben, bie gegen bie Sowjetregietung Krieg führen. Die zweite Note wendet sich dagegen, baß bei einigen llebertritten russischer Truppen über die deutsche Grenze bi« polnischen Truppen ihnen auf das beutsche Gebiet; gefolgt seien, sie dort entwaffneten und sich bau» ? zurückgezogen hätte», ohne von ben beutsche« Be« Hörde» daran gehindert zu werden. Die russisch»? Regierung fragt an, welche Maßnahmen Deutsch« $ land ergreift, um von der polnischen Regterun>j für diesen Neutralitätsraub Genugtuung zu er­halten. v

kg. Berlin, 2. Sept. Gegen eine Duldung unb Erleichterung bet Ententettansporte für Polen durch Deutschland hat die Sowjetregietung durch ihren Berliner Vertreter, Herrn Kopp, einen neuen Einspruch bei bet Reichstegietung an- gekünbigt. Der Sowjetregietung sinb Mitteilun­gen zngegangen, wonach die Ablisiungsttansport« für dir Abstimmungsgebiete mehrfach Kriegs» material mitgeführt haben, bas für Polen be­stimmt gewesen wäre. Die Sowjetregierung wird deutsche Gegenmaßnahmen verlangen.

wb. Königsberg, 2. Sept. Die Nachricht, daß in dem Lager von Arys eine Diphtherie-Epidemie aus­gebrochen sei. ist, wie von dem Oberpräsidenten milge­teilt wird, falsch. Zur Kontrolle bet sanitären Maß­nahmen unb um rasche sanitäre Hilfe auf Grund eigener , Kenntnisse anordnen zu können, trafen hier Geheimrat Dr. Ose vom preußischen Institut für Infektionskrank­heiten, Geh. Rat Prof. Haettdel vom Reichsgesundheits- amt unb Major v. Mileck vom Heeresabwicklungsamt ein. Der Oberpräfident Siehr begab sich mit ihnen zu­sammen nach dem Lager von Arys.

wb. Danzig, 2. Sept. Nachdem vorgestern be* amerikanische PanzerkreuzerPittsburg" hier eing«. troffen war, liefen heute ein amerikanischer Zerstörer und der amerikanische HilfskreuzerMars" in den hie-' fige» Hafen ein. --

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Polens innere Loge.

wb. Paris, 2. Sept. Ter Warschauer Bcricht-i erstatter derInformation" hatte mit dem polnijche»' Finanzmiiiister Grabski vor seiner Abreise nach Paris, eine Unterredung, in der Grabski erklärte, im letzte», Monat hätten die polnischen Kriegsausgaben vier. Milliorvi. M-rrk betragen. Ter Notenumlauf betrage zur Zeit fast 30 Milliarden Mark. Zur Besfcruiig der finanziellen Lage werde eine Zwangsanleihe von 15 Milliarden Mark bntchgesührt werden, wenn bi« Verhältnisse etwas günstiger geworden seien. Daneben aber seien unbebingt noch ausländische Kredite not« wendig. Die Rüben- unb Kartoffelernte sei gut, und man iverbe ungefähr ein Drittel der Zuckerernte auS- führen können. Auf der anderen Seite fei aber bie Getreideernte mäßig.

wb. Paris, 2. Sept. Wie da»Echo de Paris" aus Warschau meldet, haben in Warschau und zwanzig anderen Städten Polens auf Veranlassung des natio­nalen Hauptbundes Versammlungen stattgesunden, i» denen die Trennung der Zivilgewalt von der Mili­tärgewalt verlangt tvird« Die Bewegung gewinnt «st Boden, und zwar wegen der Einmischung dest Marschalls Piljstdjki in bk äußere und innew Politik Polens.