Amtliches Verkündigungsblaü des Kreises Marburg. ■
Tageszeitung für (das früher kurhessische) OLerheffen
Jtt.203
Die „Oberhesfische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 4 Mk., durch die Post 4.2t) Mk. — Für ausfallende Nummern infolge Streik» »der elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Beklag von Dt. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von J«h. Aug. Koch, Markt 21'23. — Fernsprecher 55.
Marburg
Mittwoch, 1. Septbr. lSchewr«,.,
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Rotterdam, 31. Ang. Die Londoner „Morning Post" bereitet in einem Warschauer Telegramm auf die Räumung von Brest-Litowsk vor.
tob. Moskau, 31. Aug. Die polnischen Gegenvorschläge zu den einzelnen Punkten der Friedens- hchingungcn besagen u. a. zu Punkt 1: Die Sowjet- rrgierung muß die Unabhängigkeit, Sclbst- siändigkeit und Souveränität der polnischen Republik anerkennen. Es iS selbstverständlich, daß Polen sein knnerpolitisches Leben ganz selbstständig ohne Ein- mischnng anderer Staate» organisieren kann.
Zu Punkt 2 macht Polen folgenden Vorschlag: Keiner der Staaten braucht die Kriegskosten zu «setzen. Die polnische Delegation betont, baß oas polnische Element weit über die vorgeschlagene Grenze töid über die Ostgrcnze Polen reicht. „Die Kraft dieses Elements muß unbedingt in Betracht gezogen' Herden. Gleichzeitig halten wir es für unsere Pflicht dem Volke, das das Gebiet zivischen den beiden Staaten bewohnt, in seinen politischen Angelegenheiten freie Sand zn lassen.''
Zu Punkt 3: Die Absicht, Polen die Berpslich- tuNg einer .HeeresVerminderung aufzuerlegen, wird als Entwürdigung des polnischen Volkes Täte-, gsristh zurückgewiescn. Rußland folge äugen« Peinlich mit vollem Bewußtsein dem Beispiele der Politik Peters des Großen und Katharina II., einer Politik, welche dieselben Fächerungen stellte und zu dem Verbrechen der Teilung führte. „Es setzt uns Dnsrmehr in, Erstaunen, weil cs doch bckannl ist, baß das Sowjetregime den Militarismus auf die höchste .Entwicklungsstufe brachte und nicht im geriilgsten die Bbsicht zeigt, ihre eigene Wehrmacht zu beschränken."
Pilsudski erklärte eine defensive Haltung für unmöglich.
mb. Parts» 31. Aug. Der Berichterstatter der „Jnforination" in Warschau hatte eine Unteredung mit Marschall Pilsudski wobei dieser erklärte, das angesichts der ausgedehnten Front und der numerischen Stärke des polnischen Heeres er es für unmöglich halte, daß das polnische Heer eine rein defensive Haltung ein» nehme, wie dies von den Verbündeten gewünscht werde. Menn Polen auf der sogenannten Entenielinie Halt mache, so hieße dies, daß Polens Ansprüche mit dieser Grenze erfüllt seien.
i)ie Lebensmittel-Versorgung.
Konferenz der deutschen Ernährungsminister.
Berlin, 31. Aug. Wie die „B. Z." erfährt, werden morgen unter dem Vorsitz des Reichsernöhrungs- ministers Dr. Hermes die Ernährungsminister der Einzelstaaten zu der angekllndigten Konferenz über Ernährungsfragen zusammentreten. Die gesamte Ernäh. rungslage wird besprochen werden, namentlich die Frage des Ueberg-mges aus der Zwangswirtschaft in die freie Wirtschaft bei Kartoffeln und ev. auch bei Fleisch. Die Frage der Ergreifung von Maßnahmen zur Verhinderung von Preistreibereien im Falle der Aufhebung der Zwangswirtschaft für Fleisch soll ebenfalls erörtert werden. Die Ergebnisse der Konferenz werden als Grundlage für die Beschlüsse des Ministeriums dienen.
Warnungen Dr. Heims.
M ft n ch e n, 31. Aug. Bei Eröffnung der zweiten Sitzu'ng der bayerischen Landes-Bauernkammer gab
Zu Punkt 10: Polen behält sich das Recht vor, al lei u anderGrcnzeein Heer von 200000 Mann zu hallen. Für Polen wird eS dann erst möglich fein, an die Demobilisation zu denken, wenn diese sich in ganz Europa verwirklicht hat, was Polen als «bi demokratisches Reich schon lange heiß ersehnte. Die Vorschläge bezüglich der Ergänzung des Heeres durch A r b eiter milizen würden einen völligen Umsturz der Basis der Souveränität und der Nicht- Ünmischnng in die inneren Angelegenheiten Polens herbciführen und als solche überhaupt nicht in Betracht tzezogeu werden können.
Entsprechend den vorhergehenden Ergebnissen kann dir polnische Regierung unter keinen Umständen zu einer einseitigen Verpflichtung der Demobilisation ihre Einwilligung geben. Das einzig richtige wäre, daß beide Seiten gleichzeitig demobilisieren, und zwar ssesoii nach Friedensschluß.
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Riga oder Reval?
‘ !rb. Paris, 31. Aug. Nach einer Meldung des „Pari : Midi" berichtet „Chicago Tribüne" aus Warschau, daß die polnischen und russischen Delegierten Milte September in Riga die Verhandlungen fort* fttzcu werden.
' ivb. Paris, 31. Aug. Nach einet Meldung aus Warschau hat Tschitscherin mitteiletl lassen, daß er mit der Verlegung der Friedensverhandlungen aus sneutraleS Gebiet einverstanden sei und hat Reval dorgeschlagen, während die Polen Riga in Vorschlag bringen. - Es wird betont, daß die Verlegung kein Hindernis für die Verhandlungen sein werde.
Nach einer „Tcmps"-Meldung aus Warschau ist- der polnische Minister des Aeußern und ein Teil der Minsker Delegation heute nach Warschau zurück- iirkchrl. Finanzminister .Grabski hat sich nach Paris begebe». ■ '
Von der Front.
tob. Königsberg t. Pr., 31. Aug. Die Polen b^ctzteu am 30. August angeblich nach Kampf Sulualki. Dvlnischc Erkitüdnngsabteilungen rückten in Sokolka Md Narrw ein. Der Bormarsch der Arm« Bud- jenny dauert trotz des zähen Widerstandes der Polen ;*i Schlich von Lemberg fanden für die Bolsche* i Kisten erfolgreiche Kämpfe statt.
- tob., Kowno, 31. Aug. Litauischer Generalstabs- bericht vom 30. August: Im Süden Zusammenstöße ber Litauer mit den Polen, diese besetzten Augusiowo. Arodn o ist noch in russischer Hand.
kg. K o - e n h ag en, 31. Aug. „Nationaltrdende" Btibet aus Warschau, daß bei Lomza uild Ostrolenka
Sonntag Nacht gekämpft wird. Die russische Ka- • balleric habe Bialystok umgangen utid stehe wieder vor , 8om$n, !vo die Polen mit ihrer Artillerie den russischen Vormarsch mit Erfolg aufhalten. „Nationaltidende" : b^eichnct die Lage für die Polen als nicht kritisch, l ba die Polen artilleristisch jedem russischen Ansturm tisivschsen seien und immer neues Ententematerial pr die Polen über Danzig anrollc.
Vreft-Litvwfk von den Polen wieder aufgegeben?
Wien, 31. Aug. „Extrablatt" meldet aus War- treffen unausgesetzt Eisenbahnzüge mit pol= Artillerie und anderem Kriegsmaterial aus ^rest-Litowsk ein. Regierungsseitig wird die Räumung *kest-Liil>wsks noch nicht zugegeben.
bet. Vorsitzende Dr. Herrn einen Rückblick über die Lage und führte u. a. ausr-Wir stehen vor dem Abbau der Kriegswirtschaft. Die Ernte ist zwar nicht glänzend, aber befrickigend ausgefallen. Die Hoffnungen der Konsumenten sind in mehrfacher Hinsicht unerfüllbar. Mit dem Worte „Preisabbau" wird Schindludrr getrieben. Preisabbau ist unmöglich, solange die Produktionskosten täglich steigen. Größte Sparsamkeit an Brotgetreide ist notwendig. Tie Umgehung der öffentlichen Brotgetrcidebewirischaftung zeitigt immer bedauerlichere Formen. Infolge des UebergangS unserer Staatsbahn an chas Reich läßt sich die Abwanderung von Vieh nach Norddeutschland nicht unterbinden. Der Norden wird Preise bezahlen, die wir nicht zu zahlen in der Lage sind. Die Teuerung wird dann eine solche werden, daß in Bayern sich die Zahl der Fleischesser bedeutend vermindert. Ganz bedenklich wird die Abwanderung von Arbeitstiere» sein, namentlich werden wir keine Arbeitstiere im Frühjahr haben. Wit gehen dann entweder einer Anarchie entgegen oder wir kommen zurück zur allgemeinen Zwangswirtschaft. Am allertrübsten sind die Aussichten für die Milchversorgung; hier ist die Landwirtschaft nicht in der Lage, etwas zum Ausgleich zu tun. ,
Keine Einfuhr von Auslandsmehl.
Berlin, 1. Sept. Zwischen den deutschen Vückerei- genoffenschaften und dem Ernährungsminister wird jetzt ein Kampf um die Einfuhr amerikanischen Weizenmehls geführt. Heute findet die letzte Entscheidung in dieser Sache.statt. Es handelt sich um die Lieferung von 800 Waggons feinsten amerikanischen Weizenmehls, für das der Rewyorker Staatsverband der nordamerikanischen Bäckermeister ben deutschen Bäckern zwei Monate Kredit gewahren will. Vom Reichsernährungs- minister wurde mitgeteilt, daß vorderhand nicht beabsichtigt fei, die Einfuhr von Auslandsmehl zn bewilligen.
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Ungarn.
Wb. Budapest, 31. Aug. Anläßlich bet Einweihung bet wiederher gestellten Theißbrücke bei Szentes betonte bet Reichsverweser, daß nach den Berwüstungen der vergangenen Periode die ganze Nation den Weg refon* siruktiver Arbeit betrete» mükse, worin bereits merkliche Fortschritte zu verzeichnen seien. DaS kommunistische Experiment habe nichts von dem gegeben, was es versprach, weder Freiheit, »och Güter, noch Brot, nicht einmal den Frieden. Das Land müsse daraus die Lehre ziehen. Die Bodenreform werde in kürzester Zeit durchgcsührt. Mit Heldenbeiitzen sollen zuerst diejenigen bedacht werden, die körperlich und seelisch geeignet seien, um den Kern für eine neue und gesunde Generation zu bilden. Die Bodenreform soll auch die wirksamste Bekämpfung des Einkindersystems biete» und im Arbeiter die Liebe zur Scholle und die Vaterlandsliebe großziehen. Dcr Augenblick erfordere, daß ein absolut diszipliniertes Volk hinter seinem Führer stehe.
Das Disziplinarverfahren gegen Bürgermeister De. Maretzky (Lichtenberg) wegen angeblicher Beteiligung am Kapp-Putsch ist auf Grund des Ergebnisses der Voruntersuchung. gemäß dem Anträge des Regierungspräsidenten, durch Beschluß des Bezirksausschusses in Potsdam eingestellt worden. Der Bezirksausschuß stellt fest, daß „durch die Zeugenaussagen bewiesen worden ist, daß Dr. Maretzky nicht nur den Kapp-Putsch gr- mißbilligt hat, sondern seinerseits bestrebt war, ihy zu verhindern". । -. ?iV.
Die französischen Sühneforderungen.
WMiSM, Mrolm der WM FlawMW unter MMer Streu* tezeWW, WWWWÄeW t» AMmIm.
Str BortW der Sitte.
tob. Berlin, 31. Aug. Der französische Botschafter überreichte heute dein Reichsministcr de§ Auswärtigen eine Note wegen der Breslauer Vorgänge. Tic Note hat folgenden Wortlaut:
Herr Minister! " 1
Im Anschluß an meine Note vorn 27. ds. Mts. beehre ich mich, Ew. Exzellenz die Bedingungen der Negierung der Republik für die Beilegung des ernsten Zwischenfalles bekannt zu geben, der sich auf dem französischen Konsulat in Breslau am 26. 8. d. I. zugetragen hat:
1. Das Konsulat wirb von bet deutschen Regierung ans ihre Kosten wieder in Stand gesetzt. -
2. Die deutsche Regierung zahlt 100000 Franken zur Entschädigung der Konsnlatsbeamten für die durch die Plünderungen erlittenen Verluste, für den Schaden, der ihnen etwa durch Vernichtung ihrer auf dem Konsulat hinterlegten Wertpapiere und Urkunden entstanden sein könnte, und für die besonderen Aufwendungen, zu denen dcr Vorfall sie genötigt hat.
3. Alle ait dem Uebersalt Beteiligte» werden ermittelt und bestraft. Tas Ergebnis der Ermittelungen wird der Botschaft binnen 8 Tagen mit» geteilt.
4. Gegen die Ortsbc Hörden, durch deren Einverständnis, Fahrlässigkeit ober Gleichgültigkeit die Ausführung des Uebersalls möglich geworden ist, werden d i S z i p l i n a r i f ch c M a ß n a h m e n getrofjcn, von denen die Botschaft innerhalb dcr gleichen Frist Mitteilung erhält.
6. Nach vollständiger Erfüllung dieser Bedingungen wird das Konsulat in Gegenwart des Oberprüsid euren der Provinz Schlesien und des französischen Botschaster- rates wieder eröffnet. Tie Flagge wird gleichzeitig gehißt und toeljt bis 7 Uhr abends. Eine Kom - p a g n i e R e i ch s w e h r mit Musik erweist die Ehrenbezeugung und defiliert vor dem Konsulat. Tas Programm des Hergangs wird im Einverständnis mit der Botschaft festgesetzt.
Da die Regierung der französischen Republik dcr Ansicht ist, daß die Gewalttat gegen das französische Konsulat in Breslau auf die nämlichen Ursachen wie die Beleidigung der französischen Botschaft vom 16. 7. zurückzuführen ist, verlangt sie außechem sofortige disziplinarische Maßregeln gegen Hauptmann v. Arnim. Tic Regierung der Republik wünscht mit der deutsche» Regierung in einer Atmosphäre der Beruhigung und Arbeit friedliche Beziehungen zu unterhalten. Aber sie muß ftststelten, daß eine lange Reihe feindseliger Kundgebungen und Augrisse gegen ihre zivilen und militärischen Vertreter in Deutschland zeigt, daß cs gewisse Elemente auf Herausforderungen abgesehen haben, zu denen das regelmäßige Ausbleiben einer Bestrafung geradezu ermutigt Sie ist überzeugt, daß dieser unerträgliche Zustand sich von Tag zu Tag verschlimmern wird, wenn die deutsche Regierung nicht durch dcntlichc Mißbilligung und nachdrückliche Strafen zeigt, daß sic dem ein Ende feg?» will. In diesem Sinne beehre ich mich, im Auftrage meinet Regierung die Forderung zu stelle», daß die deutsche Regierung für alle Zwischenfälle deren Opfer französische Vertreter ober Staatsangehörige gewesen sind, mir in der Botschaft binnen kürzester Zeit durch Sc. Exzellenz den Reichskanzler ihr Bedauern aus spricht und zugleich die Zusage erteilt, daß die in der vorliegenden Note geforderten Genugtuungen, in vollem Umfang gewährt werden. Im übrige» behalten sich die verbündeten Regierungen selbstverständlich vor, die Sühne und Wicdergutmachutig zu verlangen, die die Uebergriffe gegen die interalliierte Kontroll- kommissione» und ihre Mitglieder zu erfordern scheinen.
Genehmigen Sie, Herr Minister, die Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung
" , । gcz. Charles Laurent.
Wb. Paris, 31. Aug. Ter neuernamtie deutsche Botschafter Tr. Mayer begab sich gestern zum Generalsekretär des Ministeriums des Aeußern, um ihm ofsi- ziell die Ucbcrnahme der Leitung dcr deutschen Botschaft mitzuteilen. Die Besprechung wandle sich auch den Vorgängen im französischen Konsulat in Brcslan zu, und es wurden dem deutschen Botschafter die Sühnc- maßnahmen und Genugtuungen mitgeteilt, die der französische Botschafter in Berlin zu verlangen beauftragt ist. Mit Nachdruck wurde darauf hingewiesen, daß eine rasche und vollständige Erledigung der Angelegenheit notwendig sei.
Die Haltung der deutschen Regierung.
Berlin, 31. Aug. Wie Reichsminister Tr. Simons zu Parlamentariern äußerte, wird die Reichsregierung versuchen, über die Note Frankreichs und über die dapin enthaltenen schweren Sühneforderun* gen in einen Notenwechsel mit der französischen Regierung zu treten. Eine bedingungslose Annahme der 9tote sei in der Sitzung des Reichskabinetis nicht' ausgesprochen worben. Die Mitglieder deS ReichS- tagsausschujjes für auswärtige Angelegenheiten sind seit Dienstag fast vollzählig in Betlin eingetroffen. Abends um 7 Uhr fanden Besprechungen mehrerer Parteiführer der Mehrheitsparteien über die Lage statt. In der Ausschußsitzung am Mittwoch toirb außer Dr. SimonS auch bet Reichskanzler sprechen. Die französische Note unb bie BrcSlauer Vorfälle dürften in dieser Sitzung nut allgemein besprochen werden. Die deutsche Regierung soll beabsichtigen, die französische- Note spätestens am Donnerstag zu beantworten.
kvb. Breslau. 31. Aug. Den hiesigen Blättern zufolge setzte der Regierungspräsident für die Ermittlung von Personen, die als Rädelsführer, Teilnehmer oder Plünderer bei den jüngsten Vorgängen im polni« schen und französischen Konsulat in Betracht kommen, eine Belohnung von 3000 M aus.
Die rinbegründrtcn Angriffe auf die Breslauer Studenten.
Wie aus BrcSlau berichtet wird, sprachen gestern, bie Vertreter des Allgemeinen Studentenausschusses bet. Universität beim Obervräsidenten vor. Tiefer zeigte sich den Wünschen der Studentenschaft, eine Klärung der Mißverständnisse herbciznführen. eiitgegenTommciib unb ermächtigte bie bei ihm Erschienenen, ber Studentenschaft bekannt zn geben, baß bie Angriffe in der Presse aus keiner • tatsächlichen Grundlage beruhen, fernerhin, daß er persönlich bie Ueberzcngung gewonnen habe, daß die Stuben* icnschaft nicht für die Vorgänge verantwortlich gemacht werden könne. Dann ermächtigte er die Erschienenen, der Studentenschaft bekannt zu geben, daß seiner Ueberzeugung nach polnische Agitatoren, darunter eine große Anzahl polnischer Studenten, an ber Herbeiführung ber1 Tsiksichreitungen schuld gewesen sei, zumal diese Herren, als mau sie am nächsten Jage in Schutzhaft nehmen wollte, verschwunden gewesen feien. - .
Sie zoliiWs Untatffl.
Der Massenmord von Iojephsthal.
Kattowitz, 31. Aug. Weber den Massenmord von Josephstal bei Deutsch-Pickar, wo schon 10 Leichen grausam getöteter deutscher Arbeiter gesunden worden sind.. treffen neue Meldungen mit entsetzlichen Einzelheiten ein. > Von privater Seite wird darüber berichtet: 1
Der Schauplatz der Leichenfunde ist ein kleiner Nadelwald dicht an der Grenze. Alle zehn Opfer stamme»? aus dem Schlafbans Maczeikowitz. bas von ben Polen am : 20.8. erstürmt wurde. Der Mord ist jedensallS am ,23.8. erfolgt. Erkannt ist bisher nur eine von den Leichen und zivar als die deS Schlashausmeisters Loos. Als einer ber Täter wirb ein gewisser Njdek genannt, bet mit mehreren Brüdern die ganze Gegend dort aufgewiegelt'i haben soll. Er ist seit ber Untat flüchtig. Die Leiche», • bie aus beit beide» Massengräber» zutage gefördert tour* j den, boten ein grauenerregendes Bild. Nach dem Aussehen' der Wunde» unb ber zerstörenden Wirkung ber Kopf- j schliffe waren bie Schüsse alle aus nächster Nähe abgc- i geben worden. Aber gerade deshalb zwingt eine Anzahl, Schüsse z» der Vermutung, daß bie Mörder ihre Opfer; durchs schlechtes Zielen absichtlich grausam gemartert, haben. Außerdem waren bie Leichen der ganzen Ober- i kleibung, Schuhzeuge usw. beraubt unb wie Piehkadaver j burchcinander geworfen. In den deutschen Kreisen ist die; Entrüstung ungeheuer. Man ist überzeugt, baß diese viehische Mordtat nicht die einzige ihrer Art ist, und daß bie meiste» von betten, bie von ben polnischen Truppen tveggeschleppt wurden, eia ähnliches Schicksal erlitten haben.
tob. Beuthen, 31. Aug. Von ben Leichen der von ben Polen ermordeten deutschen Arbeiter ist bisher außer dem Schlafhausmeister Loos ber Grubenarbeiter Brand aus Moerchingen indentisiziert worben. _ Die übrige» sollen Rheinländer sein, lieber bie Vorgänge selbst liegt »och kein abschließenbes Bild vor. Es steht fest, baß am 23.8. früh zweimal nacheinander je 5 Opfer, die au« dem am 20.8. überfallenen Schlafbaus verschleppt sind, über die Grenze zurückgebracht Würben. Anscheinend schoß eine sünfköpfige Mäwerbande bie Opfer hinterrücks aus nächster Nähe nieder.
Berlin, 31. Aug. Tie Rschsregierung hat infolge des in Josephstal ausgedeckten Mordes an mehreren Deutschen energische Vqrstellusge» bet d« polnischen Regierung erhoben, - ■ -