Rückzug General Wrrngcls.
sch. London, 30. Aug. (Hanas.) Zn einem Kunkfvrnch an Kamenew fügt Tschitscherin: Unser Vormarsch gegen General Wrangel dauert fort. Im ganzen Gouvernement Taurien zieht sich General Wrangel Gegen das Innere der Krim zurück. Leine Lage wird kritisch.
Die Zustände in Näterutzland.
' wb. London. 30. Aug. Die englische Arbeiterabordnung, die kürzlich aus Rußland zurückgekehrt ist, veröffentlichte den Echlußteil ihres Berichtes über die russischen Zustände. In dem Bericht heißt es, daß die individuelle Freiheit, die Freiheit der Rede und der Propaganda streng eingeschränkt find, wo fir eine Gefahr für das Eowjetregime bilden. Die Arbeit ist auf Grund sehr strenger Disziplin organifiert. Den russischen Bauern hat man aber für den Sozialismus nicht gewonnen.
Die Gerüchte betreffend häufiges Vorkommen von «erbrechen. Unordnung, Verhungern, Verwendung chinesischer Truppen und Nationalisierung der Frau werden als unwahr bezeichnet. Obwohl eine vollkommene gesellschaftliche Gleichstellung bei weitem nickt erzielt morden sei, bestanden die schreiendsten Gegensätze bei der Bermögensverteikung nicht mehr. Di« Kommission hebt die systematischen Bemühungen hervor die unternommen werden, um die wirtschaftlichen und sozialen Zustände zu bessern. Wegen Mangel» an Transportmitteln infolge der Blockade und der Krieg« herrsche »iel Hunger, auch unter den Kindern, für die in erster Linie gesorgt werde. Die Kinder empfingen aber mr zwei Drittel der nötigen Nahrung. An Arzneimittel« herrsch« Mang«!. Di« Delegat iou spricht zum Schluß di« Ansicht aus, daß die Angriffe auf Rußland von Westen her zur Ausbreitung des Bolschewismus in Persien und Ostafien führen nrihflwn.
Meuterei der roten Kriegsflotte?
’ kg. Kopenhagen, 30. Aug. „BerlingSke Ti- benbc” meldet auS Riga: Ti« rote Kriegsflotte vor Kronstadt hat gemeutert. Tie Meuterer haben sich in den Besitz der Krönst Sdter Funkenstation gesetzt
verbreiten von dort Ausrufe an alle mit der Aufforderung, die Waffen niederzulegen.
Italien.
Die Sozialisten **b Sowjetrußland.
tob. Mailand, 30. Aug. Am Sonntag fanden aus Veranlassung der soziairMchen Partei in zahlreichen Städten Italiens Versammlungen statt, mit dem Zwecke, die vfsiz-.elle Anerkennung der Lotofetregrerung zu verlangen. In verschiedenen Städte» verliefen dir mir schwach besuchten Versammlungen in geätzter Ruhe, einzig 6i Florenz, wo die Manifestanten in einem Zug die Stadt durchzogen, kam «S zn einem Zwischenfall mit der Sssent- kichen Gewalt, der ein blutiges Ende »ahm. Ei« Polizist wurde von den Manifestanten getötet, woraus die Polizisten dar Feuer erwiderten. ES gab dabei 2 Tote nnd 7 Verwundete. Infolge dieser Zwischenlälle wurde in b» der ganze» Stadt der allgemeine Proteststreik erllärt. Sn Mailaich wurde ebenfalls nach einer solchen Versamm- kstng ein Zug veranstaltet, wobei e» zwischen den Teib- nebmern und Ritglichern der patriotischen Bereinigung »Aseio" unb Heimkehrern zn Zusammenstößen kam. Diese arteten die Prügeleien aus. wobei mehrere Personen perletzt worden sind.
Wb. P a r i S, 30. Aug. AuS Rom Wick gemeldet, daß 6t Triest «in sozialistisch«» Freiwilligen. korpS gebildet worden ist, da» nach Rußland gehen will. Trotzki soll sich an die Sozialisten in ganz Italien gewandt haben, mit der Bitte, Rußland mit sozialistischen Legionen zur Hilfe zu kommen.
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England.
Der drohende Bergarbetterausftaud.
wh Amsterdam,«). Aug. „Allgemeen Handels- Müb“ zufolge wurden nach den letzten Berichten bei Abstimmung der englischen Dergarbetter 465 999 Stirn» wen für, 132 262 gegen den Ausstand abgegeben.
Der Bürgermeister,o« Cork.
t wb. Paris, 30. Aug. Rach einem Radiotele- gramm aus London hat der Bürgermeister von Cork gestern Abend das Bewußtsein verloren. Die Aerzte erklären seinen Zustand als verzweifelt.
Reue Zusammenstöße.
wb. London, 30. Aug. Reuter meldet: In Belfast kam es heute zu neuen Zusammenstößen. Es wurde mit Steinen geworfen und mit Revolvern geschosien. Viele Kaufläden wurden zerstd'tt. Das Militär schritt ein, trennte die feindlichen Parteien und stellte die Ordnung wieder her. Im ganzen wurden drei Personen erschosien und 85 verwundet.
Eine neue Znsammenknnst in Aix-les-Bains.
wb. Paris, 30. Aug. Der „Marin" berichtet, daß »ach einer Meldung des Korrespondenten des „Corriere della Sera“ Millerand Lloyd Georg« eingeladen habe, der Zusammenkunft mit Eiolitti in Aix-les-Bains beizuwohnen.
Rücktritt des spanischen Kabinetts.
wb. Madrid, 30. Aug. Nach einem heute ab- gehaltenen Ministerrat hat daS gesamte Kubinttt seinen Rücktritt beschlossen. Ministerpräsident Tato begab sich zum König, am ihm den Rücktritt de» Ministeriums «itznteilcn.
Aus dem besetzten Gebiet.
Berlin, 31. Aug. Rach dem wuicken dl den letzten Tagen in Wiesbaden 2 Mordtaten bedangen» die eine an einem jungen Mann, die andere an einem jungen Mädchen. Es lag der Verdacht nahe, baß marokkanische Soldaten die Mörder sind. Tie sranzösische Behörde hat 2 Marokkaner verhaften lassen. Außerdem läßt sie jetzt nächtliche Streifen veranstalten gegen den Umgang von Mädchen mit Marokkanern.
me. Wiesbaden, 30. Aug. Die Besatzungsbehörde macht darauf aufmerksam, daß sie alle Personen, die sich nach abends um 9 Uhr an den Kasernen der französischen Truppen Herumtreiben, verhaften läßt. Gegen diese wird ein Verfahren wegen versuchter Unsittlichkeit eingeleitet.
D o n n e r s t a g, de» 2. September. 8 Uhr: OckerShausen, Ufarrer Kokken,
Verhandlungen int Stuttgarter Steuerausstand.
Drr Steuerabzug von der Arbeiterschaft anerkannt.
wb. Stuttgart, "0. Aug. Aus die vorn Aktions- mrsschuß der Streikenden der Regierung mitgeteilten Voraussetzungen zu Verhandlungen hat die Regierung folgende Antwort erteilt: Die Forderung bedingungsloser Anerkennunq des Steuerabzuges am Lohn wird von ter Regierung ausrechterhalten. Rach Sicherstellung des Steuerabzuges und deS ungestötte» Betriebes der geschlossenen Werke wird die Regierung die Polizeiwehr zurückrieben. Die Aenchcrung des Einkommens-en ergesetzes ist Sache des Reiches und deS Reich «tags. Die tLütttembergisch« Regierung ist bereit, Aenderungs- vorschläge der Reichsregiernng zu übermitteln. Das Steuirgesetz muß restlos durchgesührt werden. Unter Anrufung bet beteiligten Parteien wird die Regierung bei der Wiedereiltstellung der entlassenen oder streikenden Ar- beitcr Mitwirken. An der Ablehnung der Forderung deS Lohnersatzes für di« Streiftoge muß die Regierung feil. hallen.
Eine Betriebsversammlung der Nrbeitersch,ift Groß« Stuttgarts hat anerkannt, daß der Kamvs nicht um den Steuerabzug gehe, »ich daß die Arbeiterschaft de» Steuerabzug anerkenne. Daraufhin hat die Regierung geantwortet, daß sie auf dieser Grundlage zu Verhandlungen bereit ist, die morgen vormittag mit einer Kommission des StreikausschuffeS stattfinden sollen.
Ein bürgerliches Mittagsblatt der gesamten Stutt- gatter Presse wird heute abend ausgegeben.
Tie technische Not Hilfe hat unter dem Schutze der Einwohnerwehr daS Elektrizitätswerk beseht und die Strom,iefemna wieder ausgenommen. Im Heilbronner Krankenhaus ist eine Frau gestorben, weil sie nicht operiert werden konnte, denn das Krankenhaus hatte infolge des Generalstreiks keiueu Strom ßelkfrrt bekommen.
Die Lebensmittel-Versorgung.
Ter baperische Städtetag ist gestern in München zu einer Beratung der Ernährungslage zusammengetreten. Zur Frage der Aushebung der Zwangswirt s ch a f t in der Vieh- und Fleischversorgung wurden folgende Richtlinien angenommen: Die durch die Aushebung der Zwangswirtschaft in der Vieh- und Fleischbewirtschaftung zu erwartende PreiserhShung kann nur vermiede» werden durch Einfuhr ausländischer Fleischware», die in genügender Menge eingesührt werden müssen, damit fit zn angemessene» Preisen bereit gestellt werde» können; bk E'n^uhr hochwertiger Futtermittel ist zu fördern. Zur Sicherung der zukünftigen Fleisch- und Milchversorgung ist es unbLingt erforderlich, die Selbstbewirtschastung der einzeln.» Gliedstaaten schon für die Uebergangszeit zu erricht-», durch die möglichst die Einfuhr von Vieh :tub Fleisch zu regulieren ist. Ter Biehhandel soll der Zguzessious- pslicht unterworfen werden.
Die Laudwirle-Vereinigung im Kreise Goslar schloß mit den Magistraten und Nachbarorten eine» Vertrag ab, nach dem Kartoffel» für 15Mark der Zentner abgegeben werden.
Im Straßenhandel kosten in Berlin das Pfund Birne» Mk. 0,80 bis 1,50, «epsel 0,80 bis 1,40, Pflaumen 0,90 bis 1,20, Tomaten 1,—>
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Deutsches Reich.
— Neue Spaltung unter den Baut beamte«. De» Blätter» zufolge kam es auf d«m vierten Verbandstas» des allgemeinen Verbandes deutscher Bankbeamten zu einer neuen Spaltung innerhalb des Verbandes. Es habe fich «ine starke Strömung gegen die Geschüsts- leiluug, vor allem gegen di« Geschäftsführer Harke und Emont«, geltend gemacht und es fei gefordert worden, daß der allgemein« Verband deutscher Bankbeamten unter Ausschaltung jeglicher politischer Znieresien die Interessen seiner Mitglieder auf rein frei gewerkschaftlicher Bast» zu wahren habe. Nachdem Emonts erklärt habe, daß et keinesfalls zurücktrelen könne, verließen die Bettreter von Bayern. Württemberg, Baden und Rheinland-Westfalen den Berbandstag unter Protest.
— Der Verband der Baukleituugen hat sich unter Zurückstellung schwerwiegender Bedenken entschlossen, den Schiedsspruch vom 24. 7. über die Grundlagen eine» Reichstarifs im Bankgewerbe anzunehmen.
— Der Norddeutsche Lloyd nimmt vom 25. 9. an den regelmäßigen Dienst nach Brasilien wieder aus. In die neue Linie werde» zunächst die Dampfer „Degc- facf" und „Bremerhaven", die auf der Werft Bremer Vulkan in Vegesack ihrer Vollendung entgegensehen, eingestellt. Der Dienst wird am 25. 9. durch den Dampfer „Vegesack" eröffnet, der über Bremen, Hamburg nach Rio de Janeiro und Santos, bei genügendem Ladunas- angebot auch nach anderen Höfe» Brasiliens geht. Dampfer „Bremen" fährt am 23. 10.
— Weltumsegelung mit einem Zeppelin-Luftschiff. Nach einer Meldung des „Ercelfior" aus London erklärte Major Clidden, daß die Zeppelingesellschaft die Absicht habe, im nächsten Jahre eine Weltumsegelung mit einem Ihrer Luftschiffe zu unternehmen.
Das 100000 Mann-Heer
wird au? 7 Divisionen (in jedem Wehrkreis eine) und 3 Kavallerie-Divisionen bestehen. Jede Division besteht ,cu8 3 Infanterie-Regimenter» zu je 3 Batailoue», 1 M inentverserkompagnie und 1 Ergänzungsbataillon: ferner 1 Pionierbataillon zu 3 Kompagnie», 1 Reitereskadron, 1 Artillerieregiment zu 3 Abteilungen (barunter 1 Start' Wagenbatterie), 1 Nachrichtenabteilung zu 2 Kompagnien, 1 Fahrabteilung zu 4 Kompagnien, 1 Kraftsahrabteilung zu 3 Kompagnien und 1 Sanitätsabteilung. Infanterie, Pionieren, Kavallerie und Arttllerie sind Maschinengewehre briflegeben. In jedem Wehrkreis wird ein Bataillon als Jägerbataillon aufgestellt und mit Gr- bitgsausrüstung versehen, und zwar in Rastenburg (später voraussichtlich in Attenstein), Solberg, Hirschberg-Glatz, Dresden, Eisenach-Sondershausen, GoSlar und Kempten- Lindau. (Da Marburg in dieser dem Heeresverorduungs- blatt entnommenen Aufzählung nicht genannt ist, muß angenommen werden, daß es als Jäger-Garnison nicht mehr in Betracht kommt.) Bon den für das 100000» Mann - Heer vorbandene» planmäßigen Unter offi zierstellen können bis 50 v.H. mit Nichtkapitulanten besetzt werden. Die zu übernehmende» Unteroffiziere dürfe» im allgemeinen nicht über 35 Jahre alt fein, nachdem sie ihre zwölfjähn'ge Dienstzeit vollendet (laben. Die Besetzung der OssizierSstelle» regelt das Personalamt deS ReichswehrministeriumS, die Vetteilung bet Offiziere auf die Standorte ist Sache der RegimentS- ufto. Kommandeure, die Zeug-, Feuerwerks- und Fest- ungsbauofsiziere »erteilt daS Wafsenamt des Reichswehrministeriums, die Verteilung der Sanitätsoffiziers regelt der SanitStsinspektcur, die der Veterinärofstziere der Vetermättnspekteur. ........
Marburg und Umgegend.
Marburg, 31. August (Cutting).
• * Aus dem Amtsblatt. Ernannt: der Landgerichtssekretär i. R. Knoche in Vöhl zum Amtsanwalt bei "dem Amtsgericht daselbst, lieber» tragen: dem Hegemeister Groß zu Marjoß, Försterei Rohrbacherhof, Obetförsterei Marjoß, zum 1. Oktober 1920 die Försterstelle Oberrodenbach zu Forsthaus Lochself, Oberförsterei Wolfgang: dem Hegemeister Krause zu Niederhülsa, Försterei Hülse, Oberförsterei Wallenstein, vom 1. Oktober 1920 ab die Förstereistell« Harleshausen, Oberförsterei Kirchditmold: dem Hegemeister Seibel zu Adelshausen, Oberförsterei Morschen, zum 1. Okt. 1920 die Försterstelle Frielendorf, gl. Oberförsterei: dem Hegemeister Ulrich, bisher in Kochankenburg, Oberförsterei Pelplin, Regierungsbezirk Danzig, vorläufig eine Försterstelle o. R. in Dammersbach, Oberförsterei Mackenzell: dem Förster Braßel zu Forsthaus Mehlkaut«, Försterei Licherode, Oberförsterei Rotenburg-West, zum L Oktober 1920 dis Forsterstelle Wenders- Haufen, Oberförsterei Avendorf: dem Förster Druschel zu Eittersdorf, Försterei Untergeis, Ober- försterei Hersfeld, zum 1. Okt. 1920 die Förster- stelke Dammberg, Oberförsterei Wetter-Ost: dem Förster Mengel zu Forsthaus HLuferdick, Ober- förfterei Salmünster, zum 1. Okt. 1920 die Försterstelle Netra, Oberförsterei Reichensachsen: dem Förster Seckt, z. Z. auf einer Unterkunftsstelle in Rheinsberg (Mark), dessen bisherige Dienststelle Beelitz, Oberförsterei Bromberg war, zum 1. Okt. 1920 die Försterstelle Rohrbacherbof, Oberförsterei Marjoß. Versetzt: der vom 1. Mai 1920 ab zum Förster a. P. ernannte bisherige Hilssförster Schneider in Wetter, Oberförsterei Wetter-Ost, vom 15. August 1920 ab nach Nentershausen, gl. Oberförsterei. Erteilt: dem Regierungs- »nd Schulrat. Geh. Regierungsrat Dr. Quehl die nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste. Entlasse» auf Antrag: der Zupizwachtmeister Lorenzen in Vöhl.
8t. Stöbt. Eommertheater Das Lustspiel „Adam. Eva und dieSchlauge", das uns in einer recht guten Auffassung vermittelt wurde, liegt unserem Zeitgeist etwas weltfern. T^-ch beben es einige Zöge und Merkmale aus dem gewöhnlich, all'äglichen einer Theaterabendunter- haltung herauf und lassen sogar auf künstlerischen Ehrgeiz schließen. Es dreht fich um eine brüchige Ehe, die von einem gu'en und klugen Freunde wieder gekittet wirb. Dieser, ein indischer Prinz, ist nach außen europäisiert, inne» aber von milder Weisheit des Orients. Von Seele spricht er uiu immer, sie ist sein drittes Wort. Er, der dem Freunde sehr zugetan, liebt die Baronin zart, keusch, selbstlos und entsagungsbereit. Sein heißester Wunsch besteht nur darin, jene wiederum mit dem flatterhaften Gatten, der auf Liebesabenteuer zu der prickrlnden Frau von Dillon ausgeht, zusammenzubringen. Aber alle ungewöhnlich langen salonphilosoxhifch verklärten Gespräche über das Wesen von Ehe, Liebe, Treue und Seele bringen de» Inder nicht zum Ziel. Doch schließlich »er« iigt ei ja noch über okkulte Künstel Zn einem suggerierten Traumbilde sieb" der eingefchläserte Baron sein» Frau, entgegenkommend, dekolletiert, in den Armen des Jude"» — und mit dec Eifersucht ist auch die Liebe wieder da. — Die phan- tastereiche und bunte Spielleitung (Direktor Hen - ni n g) suchte Leeren und Längen wie Trivialitäten zu verdecken und mit dem Schleier romantischen Träumens in einem Salonspuk: Duddabüste», venizianischer Al»endftimmung, Glockentönen, mystischer Musik, magischem Licht (auch einem Pistolenschuß!) zu wirken Die Darstellung war aufs beste abgestimmt. Rudolf Kerbs als Inder spielte mit großer Meisterschaft, hypnotischem Auge, suggestivem Singsang, weich und schmiegsam, klug und dozierend, gemütvoll-schmachtend. Erich Weiher gab mit gutem Humor und Witz den Baron, den nervösen Junker — ganz prachtvoll besonders in der freudigen Eiligkeit nach der Versöhnung, die Gattin den heimatlichen Penaten zu- führend. Margarete C a b i f i u s und Elsri de Kerbs-Eimts unternahmen es im Spiele, kosend und spöttelnd sich hingebend und verweigernd die europäische Liebe und Ehe der Dame von eleganter Welt und Erziehung zu veranschaulich.», von der der Dichter das Paradiesgeheimnis lüftet, daß die Schlange und die Eva ein und dasselbe seien. Margen« e Cabisius als Baronin gaukelte uns mit Inbrunst gewandt und kapriziös die Identität von Weib und Schlange vor, während Elfriede Kerbs den Anforderungen, die man an die Verkörperung einer Frau von Dillon stellt nicht gewachsen schien. Das Publikum ehrte die Darsteller durch reichen Beifall und Hervorrufe.
"EineBürgermeister-Versammlnng. Wie schon kurz mitgeteilt, wurde gestern im Soebodeschen Saal eine der ab und zu stattfindenden Bürgenneisterverfamn'- lungen abgehalten. Diese tragen bekanntlich gewöhnlich nur einen für die Teilnehmer bestimmten informatorischen und teilte» öffentliche» Charakter. Da jedoch diesmal auch weitere Kreise, z.B. Vertreter der Reichsgetreidestelle in Cassel, des Kommunalverbandes, sowie Mitglieder deS Erzeugerverbandes und der Berbraucher-Orga- nisatton hinzugezogen waren, sei hier ohne aus die Einzelheiten einzuaehen, in großen Umriffen der Verlauf der Verhandlungen geschildert. Der Voriitzend«, Landrat v. Loewenstein, machte bei Beginn einige Mitteilungen über die Lebeusmittelbewirtschaftung. die Kartoffelauf- bringung usw. und fügte hinzu, daß die Anmeldungen zur Kariofsekbelieferung unregelmäßig eingingen, auch die Viehaufbringnng mache in der letzten Zeit große Schwierigkrittn, trotzdem die Einteilung nach de» München des Bauernvereins eingerichtet worden sei. Ebenso machte er auch einige Mitteilungen über daS Gesetz betreffend die Waffenabgabe, die von der Entente genau kontrolliert werde. Zu der Hauptsache, der Getreide- bewirischaftnug kommend, gab er Kenntnis von den Wünschen der VersorgungSberechtigten bezügüch der Getreide- bezw. Mehlverteilung, die allerdings der ReichS- getreibtorbnung widersprächen. Nichtsdestoweniger aber habe er sich bereit erklärt, mit der Regierung in Eassel in Gemeinschaft mit den Vertreter» der Verbraucher »» verhandeln. Dies sei auch geschehen, aber auch die Regierung habe sich außer Stande erllärt, Abhllfe zu chasseu, weil dies einzig und aßet» Sache der Reichs-
getrcidcstell? kn Bersin sei. Der Kreisausschuß darauf, wie ja auch sckon in unserer Zeitung mitg°tM ist, den Beschluß gefaßt, den Gemeinden die Saget»»»: des Getreides zu überlassen und den Verbrauchern seither das Mehl zu geben. Hiermit sind nun die braucher nicht einverstanden, sie haben deshalb be»' Beschluß des Kreisausschusses abgelehnt mit dem Wunsch- daß ihnen das ihnen zustehende Getreide für das Jahr gegeben würde. Dies verstößt, tote bereits aas.; geführt wurde, gegen die Reichsgetreideordnung, KreisanSschuß will nun in einer neuen Sitzung sich mit der Frage beschäftigen und weitere Vorschläge mache.. Ans der Reihe der Redner sei Bürgermeister Freuds stein erwähnt, der scharfe Angriffe gegen die Reich;, getreidestelle richtete. In Marbach ist daS Getreide reits an die Bkrsorgungsberechtigten, so wurde gefegt verteilt. Der Leiter der hiesigen Getreide bewirtschaft«»» Herr zur Capellen, trat dem Vorredner entgegen mg fügte hinzu, daß z. B. hier in Marburg daS Brot im billiger sei, wie in anderen Kreisen, wo der Kommun^ verband mit llnterbilanz gearbeitet hätte. Bei der feg anschließenden sehr umfangreichen Aussprache, en de, sich eine. ganze Reihe BSrgermeistrr beteiligten, winde, schwere Bedenky, gegen dir birefte Behändigung des treides laut. Es mürbe bann vielleicht der Fall eintrete», baß der eine oder andere bald nichts mehr hätte. $$ Name» der Verbraucher gab Herr Waldschmidt ans Ca^Ä dem Wunsche Ausdruck, daß nun endlich nach sechsjähriger Pein die Gctreidebewirtschastung anderweitig geregelt wer. den müsse. Der Erzeugerverband werde in Qkmefa, schäft mit dem Lerbrancherverdand schon Ordn»«, y schaffen wissen. Tic Bewegung, welche der schlechter wirtschaftlichen Lage der BersorgungSberechttgten aus de, Lande in hiesiger Gegend entsprungen sei, getvinne hnsie weitere Ausdehnung, auf gesetzlichem Wege würde» sich auch Erfolge erreichen lasten. Herr Poersch Ivies nach, daß mit der Bewirtschaftung der Lebensmittel durch bit Behörden sich die Versorgung der Bevölkerung habe besser nnb billiger bewerkstelligen lasse, was von attbettt Seite bestritte» tpnrde. Bei der Margarine treffe die» j. B. gar nicht zn. Es wurde schließlich vorgeschlager. doch dem Vorschlag des Kreisausschusses zuzuftimmer, denn die tibuticfie fei doch viel bester wen» die Ge- rnrinbe als solche das Getreide mahlen lasse. Mit dreie« Vorschlag war inan einverstanden. Bemerkt sei, daß bei einer Umfrage bei den Gemeinden die Meinunge« hierüber sehr auseinandergingen. Teils war man fit de» seitherigen Modus, teils für die Vorschläge orj Kreisausschusses und teils für diejenige» der Verbrauchr- berechtigteu. Zum Schluß wurde angeregt nnd beschloss«, in de» einzelnen Dörfern Eniährungskommissione» eh, zuschen, die sich au? Erzeugern und Verbrauchern z«, sammensetzen. Es soll besonderes Augenmerk auf die Schieber und Wucherer gerichtet werden. Sau »rat v. Lar- weustein empfahl, daß tiefe Komuiiffionen. sich auch besonders der Kartosselversormmg anuehmen möchte» uit schloß dann nach «twa dreistündiger Dauer hie Sitzung,
* Wuchergericht. Im lveiterrn Verfolg bä gestrigen Sitzung wurde ein Einwohner aus eine» Nachbarort Wege» Schleichhandels mit Fleisch, Weizen iriib Grieß zu 14 Tage» Gefängnis nnd 500 Mf, Geldstrafe verurteilt. - Ein Mann aus der Frteleiu dorfer Gegend, der mit 63 Pfund Schleichhaichels' steisch erwischt wurde, muß 600 Mk. bezahle» tnf 3 Tage ins Gefängnis. — Sine Frau aus RemsckeL, die Schleichhandel mit Butter unb Mehl getrieben hatte, wurde zu 3 Tagen Gefängnis unb 300 Mk. Geäst rase verurteilt. Eine weitere Sache wurde de« Lchöst Mgericht überwiese».
* Polizeiliches. Das 13jährige Mädchen, daß gestern als vermißt gemeldet wnrde, hat sich ividw eingesuudeu. tiB hatte ohne Wissen feiner Eltern Bev wandte besucht.
* Die Wohnungsnot. Seit einigen Tage» lehnt an dem Bäumchen ans dem Plätzchen an der Schlvstweptz« oberhalb des Marftes ein Schrank nebst Bett.
Theater, Äonaert«, Versammlungen nfw. ;
* Städt. Sommerlheater (Dir. Otto Henning). Heute „Minna 6on Barn Helm", Lustspiel vo» G. E. Lessing. Gewöhnliche Preise. — Schüler Ermäßigung. — Mittwoch auf vielseitigen Wunsch: .Lugend", ein Liebesdrama von Max Halbe. Halde setzt einem Liebesdrama als Motto die bekannte Balksweise: „Lang' Lang' ist's her?" voran. Freitag (vorletzte B«- iellung) letzte literarische Neuheit: „Gewitter", Schaue Viel in 3 Akten vo» Alexander Zinn. An diesem Abend tritt Tirektor Henning znm letzten Male in einer ai:f>er* ordentlich iulerejsanten Rolle vor das Marburger Publikum. (Eine Art „Baumeister Solneß-Figur".) „Gewitter" hat an allen namhaften Bühnen Dentschkands große Erfolge erzielt.
* Das Zentral-Theater bringt Dienstag und Mittwoch wieder ein erstklafsiges Programm, bestehend aus zwei Monopol-Schlagern. Der erstere, eine Lrazödi«. in 5 Attcu mit der beliebten Künstlerin Eva May in „Irrlicht" dürfte durch feine Handlung und Spiel be- onders gefalle». „Eines Mamres Wort", ein Schauspick in 4 Akten mit Bruno Kastner in der Hauptrolle, erzielte ebenfalls bisher einen außerordentlichen Erfolg. Wegen der Länge des Programms wird um pünktlicher Erscheinen gebeten.
* Kammerlichtfpiele, Kaffee Quentin, Stein* weg 4. Einen stürmischen Ersolg hatte gestern abend daß. reizende Filmspiel „Kohlbieiels Töchter" mit Henny Porten und Eniil Janr.ings in der Hauptrolle. Die Vor-, Teilungen finden nur noch heute und morgen statt. Qri- ainalmusikbealeitung des Salonorchesters F. Beerutan» l;:er.
(—) Ebsdorf. 29. Aug. Daß das echte deurscht Turnen auch im Ebsdorser Grund einen festen Boden gefaßt Hai, zeigte das heute hier abgehaltene 10. Stiftung*' est des hiesigen Turnvereins, das sich eines überaus z.ihl-
Die Wohvangsrrot hat rm Ende wenn Wohnhäuser i» AMBI-T?affl6 errichtet »erben, wie dies in immer steigendem Umfange im ganz« Reich geschieht. Allem in Essen werden, nachdem die Vorzüge der altbewährten ^blLI-Massiv-Bauvrise gegenüber dem Ziegelbau unb den sogenannte» .Ersatz*- Bauweisen festgestellt worden sind, etwa 40Häuser bei Allgemeinen Bauverein» ausschließlich in AMBI-Ttafltti errichtet. AllBI-61eine(T.S.$. und Weltpatente). können von jedermann in einfachster Weise auch unmittelbar an der Baustelle an» überall vorhandenen Rohstoffen (9te8- Sand,Kok»-Scklacke,Aschensw.)durchStampfen in benAM BI-Formen hergestellt werden. AM BI- Forrnen werben verliehen. Große Ersparnisiel Erbit. SieLie Druckschriften M b. Firma AMBI- Wake, Äm. 11/ J. 26 Berlin-JohanNirchal