Polen M optieren. Arn 21. 8. wurderr diejenigen, die für Deutschland optierten, in grausamster Weise durch Messerstiche und Stockschläge mißhandelt. Ein Thorner Kaufmann wurde durch 4 Messerstiche in den Kops schwerverletzt. Hierauf wurde ihm der Unterkiefer durch Stockhiebe abgeschlagen. Tie Mißhandlungen spielten sich von morgens 9 Uhr bist 1 Uhr mittags unter den Augen von Offizieren und Mannschaften ab, die dazu lachten. Verhaftungen und Erschießungen von Deutschen gehören zur Tagesordnung. In Schön- fee wurden die Leichen dort erschossener Deutschen in der Nähe des Kirchhofs hingeworfrn, von polnischen Weibern und Kindern bespien und geschändet. Der Pfarrer Müller besorgte die Särge unb beerdigte dir Leichen. Müller wurde mit noch 35 Deutschen verhaftet und nach dem MilikärgerichtsgefängniS in Thorn tzebracht. >iDie Gefangenen wurden in empörender Weise mißhandelt.
Bromberg, Ltz. Ang. Die Zahl der van den Polen erschossenen Deutschen ist bereit- aus 32 gestiegen.
Berlin, 27. Aug. Der Hauptausschuß der deutschen Oflmarkenverein- faßte.zu den Ereignissen in Oberschlesie» ein« Entschließung, in der es heißt: Um mit den Schwierigkeiten in Obrrschlesien zu Ende zu kommen, muß die BvMabstimmung baldmöglichst strtt- finden.
wb. Berlin, 26. Aug. Die Meldung der „Dos. Ztg." au« Oberfchlefien, daß von der deutschen Regierung in den nächsten Tagen Einladungen zu einer Konferenz über di« Gewährung der Autonomie für Oberschlesten erfolgen würden, wird von zuständiger Stelle als nicht zutreffend bezeichnet.
greainltiWe Äimiotiwi li Sreilii.
Ausschreitungen gegen da» polaisch« und franMsch« ' Konsulat.
Wb. BreSlan, 27. Aug. In Breslau, wo gestern auf dem Schloßplatz eine Temonstrationsversammlung stattfand, in der Flüchtlinge aus Oberschlesien sprachen, kam eS am Schluß der Versammlung zu erregten Vorgängen. Aus Oppeln war daS Gerücht eingetroffen, daß dort bewaffnete swlnische Hallersoldaten in Zivil angelangt und seit den Mittagsstunden mit der deut- schen Bevölkerung in Kämpfe verwickelt seien. Diese Nachricht versetzte die Menge in höchste Erregung, Wrd es traten nach Schluß der eigentlichen Versammlung noch wilde Redner auf. Beim Seit offen des Platzes machte sich die Erregung in drohenden Rufen gegen die Polen und Franzosen Luft. Plötzlich ertönte aus der Menge der Ruf „Wo ist das polnische Konsulat?". Es wird behauptet, daß der Ruf von einem polnischen Spitzel stammte. Bor dem Monopolhotel am Ausgang des Platzes nahm die Menge eine drohende Haltung an, da sie französische Offiziere im Hotel vermutete. Da die Vermutung nicht zutraf, wovon sich die Menge überzeugen ließ, begaben sich mehrere Trupps halbwüchsiger Burschen zum polnischen Konsulat, drangen dort ein und zerstörten die Einrichtungen. Die zum 'Schutze deS Konsulate- dort dauernd stationierten Beamten der Sicherheitspolizei waren dem plötzlichen Andrang der Menge nicht gr- wachsen. Diese zog dann zu verschiedenen anderen Hotel-, in denen sie fremde Offiziere vermutete. Im Hotel Fürstenho^ wo die inter<ckliierte Kommission jßjrcrt Sitz hat, flüchtete das Büro personal ht den Garten. Infolge des schnellen Eingreifens der in- zwischen herbeigeeilten Gcherheit-polizei ist e- jedoch hier zu Gewalttätigkeiten nicht gekommen. Der bel- gische Adjutant der FriedenSkommission hat im Lause des Abends dem Polizeipräsidenten gegenüber seine Befriedigung darüber mrSg-sprochen, daß der Schutz so schnell wirksam gewesen sei, daß sich in beit Räumen der Kommission keine Übergriffe ereignet habe«. Leider war jedoch inzwischen derselbe Haufen zum französischen Konsulat gelangt, wo sich die ebenfalls dauernd hier aufgestellte Sicherheitswache dem plötzlichen Ansturm gegenüber als zu schwach erwiesen. Die Räume wurden zerstört und die Akten auf die Straße geworfen. Der parken, zum Schutze des französischen Konsulats, sofort entsandten Truppe gelang es jedoch, den Eeheimschrank des französischen Konsuls vor der Zerstörung zu bewahren. Der weitere Schutz des Konsulats ist hin- reichend sichergestellt. Im Anschluß an diese Lor- ginge haben sich dann in den Abendstunden weitere
Störungen ereignet, dis zum Teil einen: ausgesprochen antisemitischen Charakter annahmen. Unkontrollierbare Clemente haben in der Antonistraße das Blatt- sche Hotel bedroht, in dem vorwiegend Ostjuden zu verkehren pflegen, doch ist es zu wirklichen Störungen dort nicht gekommen, wohl aber in der Bohrauer- Straße 47, wo das Warenhaus von Herzfeld geplündert wurde. Auch die französische Autozentrale in der Hubenstraße ist im Lause des Abends erbrochen worden. Es sind Maßnahmen getroffen, die Ruhe und Ordnung in der Stadt wieoerherzusttllen und zu sichern.
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Der ötmMis.
Scharfe Maßnahmen der württembergischen Skgiertmg.
Wb. Stuttgart, 86 .Aug. Die immer stärker werdende Oppasitiou der radikalen Arbeiterschaft gegen den Steuerabzug hat daS württembergische Staatsmim- sterium veranlaßt, in der vergangenen Woche zu erklären, daß der Steuerabzug unter allen Umständen durchgeführt werden muß und daß Maßnahmen, wenn nötig auch die s ch ä r s st e n. zur Durchführung des Gesetzes ergriffen würden. Die Regierung hat in der Folge mit der württembergischen Großindustrie und den Betriebsräten der drei größten industriellen Betriebe Württembergs verhandelt, nämlich mit den Vertretern der Arbeiterschaft der Wrma Bosch (Stuttgart und Feuerbach), Daimler Motoren-Gesellschast (Untertürkheim) und Ma- schinenfabrik Eßlingen (Werk Mettingen). Die Verhandlungen mit den Betriebsräten haben zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt. Der Arbeiterrat in Mettingen hat sogar erklärt, daß er jeden Steuerabzug mit Gewalt verhindern werde. Darauf hat sich die Regierung zum ersten Vorgehen entschlossen, und in der Rächt zum Donnerstag wurden die drei angeführten Betriebe von der Polizeiwehr besetzt. Die Betriebe stich für die Angestellten und Arbeiter gesperrt, was durch Anschläge der Arbeiterschaft bekannt gegeben worden ist und außerdem durch entsprechende Anzeigen in den Tageszeitungen. Dar Staatsministerium seinerseits erläßt, ebenfalls durch Anschlag, folgende Bekanntmachung:
„Die Arbeitnehmer der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Nntertürkheim, der Boschwerke in Stuttgart und Feuerbach und der Maschinenfabrik Eßlingen, Werk Met- fingen, haben die Durchführung der gesetzlichen Vorschriften, den Steuerbetrag vom Lohn abznziehen, bisher mit Gewalt verhindert und haben erklärt, den Steuerabzug auch fernerhin mit Gewalt verhindern zu wollen. Die WerNeitungen können von der Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften, den Stenerbetrag am Lohn abzuziehen, nicht befreit werden. Bei Aufrechterhaltung der Betriebe kann andererseits ein wirksamer Schuh gegen Gewalttätigkeiten gegen die Werkleitung und gegen bk Angestellten, die mit dem Steuerabzug zu tun haben, nicht gewährleistet wecken. Die Werkleitungen haben daher im CinverständniS mit der Regierung mit Mcku.ia von Donnerstag früh ihre Betriebe solange geichlosien, als die Durchführung deS Steuerabzuges mit Gefahr für die damit beschäftigten Personen verbunden ist. Den Schutz der Betriebe hat die Polizeiwehr übernommen und Versuche, die Werke zu betreten, werden mit Gewalt abgewiesen wecken."
Wie das Wolsfbüro hierzu erfährt, soll die für Donnerstag fällige Wochenlohnzahlung durch die Post erfolgen und gleichzeitig «in zehnprorentiger Steuerabzug vorgenommen werden.
Stuttgart, 26. Aug. Durch die Schließimg der drei größten Industriebetriebe wucken 15—16000 Arbeiter auSgesperrt. Die Betriebsräte beschlossen, mft der Regierung so lange nicht zu verhandeln, bis die Polizeiwehr auS den durch Stachewrabt gesicherten Betrieben entfernt ist. In Eßlingen wurde der General- tteik erklärt. Zu Unruhen ist es bisher nicht gekommen.
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Berlin, 26. Aug. Die Abeiwblätter melden aus Essen, daß gestern dort di« gesamte Belegschaft der Zeche Diergack wegen deS Steuerabzuges in den Ausstand getreten ist. Kommunisten und Unabhängige sockerten in einer Massenversammlung in Essen die so- ortige Durchführung der Amnestie a u ch für Mord tmb Plünderung sowie Erpressungen bei den Banken, sofern diese Verbrechen im Zusammenhang mit den Märzkämpfen stehen, und drohen, die Freilassung der Gefangenen durch einen Massenstreik zu erzwingen.
kg. Berlin, 27. Aug. Die Berliner Betriebsräte haben in 18 Fabriken beschlossen, sich einem abermaligen lOprozentigen Lohnabzug mit Gewalt zu wider eben. Sollten Gegenmaßnahmen wie in Württemberg erfolgen, würde die Arbeiterschaft zum General- kreik aufgerufen. — In der Sitzung be-3 Roten Dollzugsrates berichteten die Vertreter der Eisenbahner, das; die Eisenbahner bereits entschlossen seien, zur Aufhebung deS lOprozentigen Steuerabzuges sich mit den Jndnstrie- arbeftern solümrisch zu erklären. ES wurde aber zur
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Durchführung des Generalstreiks ein Beschluß der Gewerkschaften zur Voraussetzung gemacht.
Schwere Ausschreitungen.
Berlin, 26. Aug. Der „Berl. Lok.-Auz." meldet aus Köln: Zu schweren Ausschreitungen kam es au: der Siegcrländer Charlottcnhütte, wobei die Belegschaft die Direktion zwingen wollte, mehrere versäumte Stunden zu bezahlen. Der Betriebsdirektor wurde schwer verletzt, sodaß er blutüberstroömt zusammenbrach. Der Vorstand des Werkes beschloß, den Betrieb zu schließen und sämtliche Arbeiter zu entlassen.
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Der Selbstschutz.
Gegen die Verfügung der preußischen Regierung, alle Selbfischutzorganisationen aufzulösen, hat Graf Kalck- reuth namens der Vertrauensausschüsse der landwirtschaftlichen Orgnisationen Brandenburgs an den Oberpräfidenteu «im Eingabe gerichtet, in der es u.a. heißt: „Unser Selbstschutz ist die natürliche Folge der bestehenden Sit- ! äude. Raub. Mock, bandenweise- Plündern, ständig zunehmecke Unsicherheit in den Städten. Ortschaften, aus den Feldern. Straßen beweisen die Hilf- und Machtlosigkeit der StaatSregiernng diesen Zuständen gegenüber. Sollw die Staatsregierung trotzdem der Ansicht sein, die Staatsautorität zu besitzen, so würden die Ereignisse der letzten l1/« Jahre ein Zeichen bösen Willens sein, einem großen Teile der Bevölkerung nicht den notwendigen Schich gewähren zu wollen. Tas wäre so ungeheuerlich, daß wir nicht geneigt finb, es zn glauben." Es wick dann auf die Notwendigkeit und das verfassungsmäßige Recht der Bildung von Selbstschutz- organisatiouen hingewiescn und »um Schluß dem Ober- präsidenten vorgeschlsgen: „Dem Herrn Minister des Innern dringend vorzustellen, daß die Auflösung des Selbstschutzes in der Provinz Brandenburg und der Ostmark nicht dem Zwecke der Erhaltung von Ruhe und Ocknung dienen wöcke. Nm unliebsame Zwischenfälle zu vermeiden, scheint es nnS angezeigt, schnellstens die Herren Regierungspräsidenten und Landräte anzuweisen, den Selbstschutz unbehelligt zu lassen. Wir sind entschlossen. uns mit eiserner Energie und mit allen uns zu Gebote flehenden Mitteln im Interesse unserer Heimat und der Zukunft unseres Volkes gegen eine Aullösung zu wehren . Im übrigen sind wir gern bereit, uns der Regierung jederzeit, entsprechend unserer Aufgabe im Interesse der Gesamtheit unseres Volkes, des Staates unb der Heimat, zur Verfügung zu stellen."
Eine ähnliche Eingabe hat die Selbstschutzorganisation des Kreises Westhadellgnd an den Landrat gerichtet, und ein gleicher Schritt der Provinzorganisationen von Brandenburg .fleht bevor.
Aus dem besetzten Gebiet.
wb. Wiesbaden, 26. Ang. Heute morgen wurde hier vor der französischen Artilleriekaserne die Leiche eines etwa 16 jährigen Mädchens mft einer Stichwunde in den Schläfen gefunden. Die Leiche war in zwei ftanzösische Zeltbahnen eingeschlagen und, als sie gefunden wurde, «och warm. Die Identität des Mädchens konnte noch nicht festgestellt werden.
wb. M a i n z, 26. Aug. Tas von dem Militärpoli^i- gericht in Wiesbaden gegen den Stadtverordneten Dr. Fresennius, der als Leiter einer deutschnationakcn Versammlung den gegen die Besatzungstruppen und die ftanMsche Regierurig sprechenden Schriftsteller Semmcl- Sembach ans Berlin nicht unterbrochen hatte, ausgespro ebene Urteil von b Monaten Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe, wurde von dem Kriminalapprllationsgericht in Mainz aufgehoben unb der Stadtverordnete zu 20 Tagen Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe verurteilt.
wb. L-andau, 26. Aug. Wie der „Landauer An- jeiger" meldet, hielt Reichsschatzminister v.Raumer gestern im Gebäude der Reichsdermögensverwaltung eine Besprechung mit verschiedenen pfälzischen Bürgermeistern ab. Die Beratungen waren vertraulicher Natur und betrafen im wesentlichen die Aufgaben der Reichsvermögens- venoaktung im besetzten Gebiet, den Bau und die Unterhaltung der für die Unterkunft der Besatzungstruppen notwendigen Kasernen und die für die Offiziere der Alliierten ersockerlichen Wohnungen und deren Ausstattung.
München, 27. Aug. Die Franzosen halten in der Westpfalz Herbstmanöber ab. In Dorf und Stckt sind Einquartierungen an der Tagesordnung.
— Heimreise aus Deutschostafrik«. Das Wolsfbüro erfährt aus privater Quelle über Rotterdam, daß Mitte August aus Dar-es-Salam etwa 246 Erwachsene und 141 Kinder (Deutsch-Ostafrikaner) abreisen sollen.
Die Lage in Mesopotamien.
wb. L o ndo n, 26. Aug. Wie das Kriegsamt bekannt, gibt, herrscht im Gebiet nordöstlich von Bagdad andauernd Ruhe. Auch bei Mossul ist die Lage normal. Lom mifUeren Euphrat werden keine weiteren Kämpfe gemeldet. Die Strafexvedition der 65. Brigade nimmt in befriedigender Weise ihren Fortgang. An der Eisenbahnlinie Bagdad—Kut-el-Amara wurde mit dem Bau »on’ Blockhäusern begonnen.
Mit Rücksicht auf die Lage in Mesopotamien, ent.- fanbte die Regierung Sir Percy Cox. den »bersten englischen Vertreter in Teheran, nach Mesopotamien. In seiner Begleitung wick sich Mr. Philby, einer der hervorragendsten Sachverständigen in arabischen Ange- kegenheiten, befinden. Beiden Vertretern wird vollstän- big freie Hand gegeben.
Rach einer Havasmeldung aus London glaubt der „Daily Expreß" zu wissen, die englische Regierung habe sich «ntschickeu, eine andere Politik in Mefovo- tantien zu betreiben. Der Gedanke, große militärische Streitfräftr zu verwenden, sei verlassen worden. Man tueröe den Arabern eine örtfiche autonome Regierung unter dem Beistand britischer Sachverständiger gewähren.
Deutsches Reich.
— Dr. Simons in München. Di» Korrespondenz Hoffmann mefbet: Reichsmtntster Simons hatte nach seiner Rückreise aus der Schweiz ein« Begegnung mit dem Ministerpräsidenten v. Kahr. Ts fand eine eingehende Besprechung der äußeren und inneren polin- schen Lage statt. Ts ergab fich In allen grundlegenden Fragen volle Uebereinstimmung.
— Einheitlich« Polizeistunde. Im preußischen Mi. nisterinm des Znnern »erben zur Zeit Verhandlung«!, geführt, die den Zweck verfolgen, eine einheitliche Polizeistunde für ganz Preuße« festznsetze».
— Eine neue Partei? Rach der „Germania" wick in einigen Kreisen der Gedanke einer neuen christlich- demokratischen Bolkspartei lebhaft erörtert, als deren Grundstock die christlichen Gewerkschaften zu gelten hätten.
— Die Groß-Berliner Etadtoerocknetenoeefamm» lung beschloß unter Ablehnung aller bürgerlichen An- träge, den neuen Magistrat aus 36 besoldeten Mitgliedern zusammenzusetzen und die Stellen nicht «ns. zuschrriben.
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Kurze Auslandsnachrichten.
Di« Unruhe« in Arland. In Belfast sind neue Unruhen ausgebrochen. An verschiedenen Stellen der Stadt wurde die Polizei angegriffen. Man meldet auch mehrere Brandstiftungsversuche. Zn der Grafschaft Cork wurden mehrere Polizeiagenten angegriffen «nd getötet.
Benizelos verließ Paris, um sich nach Griechenland zurückzubegeben. Er Idjeint vollkommen von feiner Verwundung geheilt zu fein.
Die Lage in Westperfieu. Einer Reutermeldung zufolge verttieben die persischen Kosaken die Bosichewisten aus Nescht. Die bolschewistischen Ctreitkräste, die mrr geringen Widerstand geleistet hätten, feien in der Richtung auf Enseli geflohen.
Ein Waffenstillstand und vorläufiges Ueterrin« kommen zwischen Armenien und Sowjetrußland fff ab» geschlossen worden. ' H
Hochschulnachrichten.
X Sechs neue Ordinarien in Frankfurt. Wie wir hören, find an der Frankfurter Universität zu ordentlichen Professoren ernannt worden bie (Erfraorbinertett in der naturwissenschaftlichen Fakultät Dr. Karl Mannich (Pldarmazeut. Chemie). Dr. Ernst Kellinger (Reine und angew. Mathematik), Dr. Franz Linke (Geophysik und Meteorologie), Dr. Erich 6 b - ler (Anorgan, und analol. Chemie) und Dr. Will;elm Brandt (Botanik und Pharmakogn.), und in der wirtschafts- und sszialwisseuschaftlichen Fakultät Dr. Christian I. Klumbev (Armenwesen und soziale Fürsorge). Prof. Kellinger (geb. 1883 zu Striegau. Schlesiens, lehrte früher in Marburg. Dr. Linke leitete 1904 -07 das (gephpsikalische) Samoa-Observatorium in Apia.
X Berufung. Wie die „Hochschulkorr." erfährt, Hal der bisherige o. Professor an der ehemaligen Universität Straßburg Dr. Franz Schultz einen Ruf auf den Lehrstuhl für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Köln erhalten. Dr. Schultz gehörte seit Ostern 1920 dem Lehrkörper der Universität Freiburg als ord. Honorarprofessor an.
Nachdruck »erboten.
3m Schatten der Schuld.
Orginal-Romau von Hanna FgrZer.
68) Fortsetzung.
Auch Renat« hatte sich erhob«. Danftrsüllt sah sie ihre Freundin an.
„Wie gut dn bist, Anneliese", flüsterte sie leise.
„Aber Kinding", erwiderte die Baronesse ein wenig vorwurfsvoll, „was ich hier tue, ist doch so wenig tob so selbstverständlich. Ich vertrete Frau »töller tob acht« darauf, daß du nicht auch krank wirst in deinem übertrieben aufopfernden Pflichtgefühl. Du hättest unbedingt eine Krankenpflegerin nehmen müssen, das wäre das Richtig« gewesen."
Renate antwortete nichts. Wick hätte sie auch lagen sollen? Weshalb sie keine Krankenpflegerin genommen, obwohl auch der Arzt dringend dazu ge- llaten, das durste sie niemand sagen, auch der Freundin sntcht. Sie hatte -bisher die ganzen Rächte selbst am Bett der Kranken gewacht, weil sie fürchtet«, diese wücke bei einem Fieberanfall Wicker von dem Testament sprechen, würde Wicker von ihrer großen Schuld reden -— und das durfte ja niemand hören — niemand. ( Am Tage war di« Gefahr nicht so groß und dann — auf die alte Wirtschafterin war Verlaß, sie war treu wie Gold.--
' Kurz vor vier Uhr kaut die Baronesse Wicker in DaS Wohnzimmer, wo si« Renale noch im tiefen Schlaf kt Erschöpfung fand. Gleich hinter ihr war Lina tu- Zimmer getreten mit dem Teebrett. Leist stellte fle die Tassen auf das Tischchen im Erker. Kaum hatte das Mädchen da- ß immer verlassen, da fuhr Renate f-rjchreckt hoch.
i „Anneliese", rief sie, „ist ti schott spät? Der Arzt Nitb wohl gleich hier fein?”
k -Nein, e- jtz gerade vier, wir Äwm noch «st
eine Taffe Tee trinken, den ich eben bereitet habe. Ick war vorhin auch von der Garderobe au$ im Kran- frnjimmet — Fran von Mehring liegt noch immer in dem gleichen dämmerähnlichen Zustand ba.ä
Renale trank eine Tasse von dem frischen Tee, offen konnte sie beim besten Willen nichts, obwohl ihr Anneliese sehr znrckete. Sie begab fich dann mit der Freun- otn zusammen in das Schlafzimmer, wo die alte Frau Möller am Bett der Kranken saß. Auch sic hatte heute ein fellsames Gefühl, ihr war es zumute, als ob Fran von Nchring nicht mehr lange leben würde. So bestand sie darauf, duzubleiben, bis Dr. Hermer kant.
Sie setzte sich etwas abseits, w äh reich Renate ihren Platz neben dem Bette Frau von Nchrings crnuahnr Anneliese schob sachte eine« Stuhl heran unb ließ ich darauf nicker. Ihrer jungen lebensfrohen Natur toi es merkwürdig vor, daß si« hier an diesem schönen wundervollen Sommettag in einttn Krankenzimmer aß und noch' dazu, wo es sich um die ihr so un- ympathische alte Dam« handelte. Doch Anne.ics« ge- fiött« zu jenen Frauen, dir für eine Freundin zu ebem Opfer bereit sind.
ES bauert« nicht mehr allzulange, da hörten sic rfe Hupe deS Autos, das jcken Tag Dr. Henner in D. abholte, und ein wenig später stand b:r Arzt vor dem Bett bet Kranken. Angstvoll forschte Renate tt feinen Zügen, während er Frau von NehringS Gesicht betrachtete und ihren PnlS fühlte. Dann beugte er sich nieder unb verharrte so eine ganze Weile, den Herzschlag der alten Dame belauschend.
Als er sich Endlich aufrichtete, sprach ein tiefer ist aus seiner Miene. Mit leiser Stimme sagte er. „Die Kranke ist sehr schwach, das Herz funktioniert nur noch matt und unregelmäßig. Das Ende kann chon in den nächsten Stunden eintreten.0
Tief ergriffen blickte Senate auf das fohle und o schreckhaft veränderte Anllitz der Großmutter. Sie
fühlte in diesem Angenblick nur ein beiße-; Mitleid mit dieser Frau, die zeit ihres Lebens durch' eigene Schuld herzenseinsam und unm'ricken gcweien, und der all ihr Stolz und der durch eine schwere Sünde errungene Reichtum nicht hatte über diese innere Einsamkeit hinweghelfen können.
Sie war so in ihre Gckanken verticst, daß sic gar nicht merkte, wie ihre Fnnndin mit dem Arzt hinausging, und tote bann, als diese zurückkam, die alte Wirtschafterin da? Gemach verließ. Erst nach einer ganzen Weile, als Anneliese sie leise und liebe- voll bei chrem Namen nannte, kuhr sie auf. Ihre chönen Augen standen voller Tränen.
Tie Baronesse sprach ihr beruhigend und tröstend zn. Und bann saßen die beiden Freuno:nncn schweigend vor dem Bett, unb sahen auf das verfallene Antlitz, das immer blasser würfle. Mehrere Stunben hatten sie wohl so gesessen. Da veränderte sich mit einem Mal das Gesicht Frau von Reh rings. Ein Zucken ging darüber hin, di« Hände fuhren krampfhaft über die Decke, die Augen öffneten sich groß und weit.
Anneliese trat zurück, unb so fiel der Blick der Sterl'enden auf ihre Stiesenkelin, die ihre jungen warmen Hände auf die welken Hände legte und voll heißen Mitleides die Staute ansah. Und jetzt wollte Frau von Nehring sprechen, gewaltsam zwang sie mit dem letzten Rest ihrer Willenskraft ihren Körper zum Gehorsam — sie richtete sich ein wenig auf, sie öffnete die Lippen, doch nur schwache Saute entrangen sich ihnen. Da trat mit einem Mal ein solcher Ausdruck von angstvoller Frage in ihre Augen, daß Renate tief erschüttert war. Si« wußte, waS die Sterbende ängstigte. Rasch beugte sie fich nicker und wie ein Hauch vernahm sie doch di« Worte: „Dein Testament — niemand, versprich es noch einmal--”
Leise, aber mit fester Stimme sagte Renate dicht
flht dem Ohr der Sterbenden: „Mein Versprechen halte ity* — und diese Worte Rangen tote ein Gelöbnis.
Mit einem tiefen Seufzer der Befriedigung schloß Frau von Nehring wieder die Augen. Immer schwächer wucken bi« Atemzüge. Renate hatte noch ihre Hände Mif denen bet Großnmtiec liegen. Plötzlich schrak sie hesttg zusammen, die Hände fühlten sich mit einem Mal so seltsam starr und steif an.
Da schrie Senate aus: „Anneliese, Großnmtter stirbt." Die Baroneffe stand neben der Freundin und umfaßte sie lickevoll. Gleich baranf trat Fran Möller «r.s Rett. Die atie Frau beugte sich nicker unb sagte bann mit zitternder Stimmt: „Frau von Rehring ist tot, fassen Sie sich, Fräulein {Renate.”
Ta sank das junge Mädchen in die Knie. Jyie Hände falteten fich, und ihre Seele sandte ein stummes Gebet zu Gott, daß er der Toten ihre Schuld verzeihen möge.
Anneliese führt« die Freundin aus dem Sterbezimmer, dessen Fenster Frau Möller schon geöffnet hatte. Die bdben jungen Mädchen begaben sich in Renates Gemächer, und die Baronesse llingelt« nach- Litt», damit sie so lange bei ihrer jungen Herrin blieb, bis sie nach Lowitz telephoniett hatte. Es war ja selbstverständlich^ daß sie diese Nacht auf Holl- nxtogen bei Renate blick, denn jetzt konnte sie di« Freundin unmöglich allein lassen. — — — —
Eine Woche war feit dem Tode Fran von Sieh rinz- verflossen, für Senate Tage der Aufregung und einer großen Trauer. Jetzt erst zeigte eS sich, daß si« ihrct Gesundheit durch di« aufregende Pflege zu tiid zugemutet hatte — sie war nicht imstande, irgend etwas anzuocknenen, so müde und elend fühlte sie sich. Es war ein wahres Glück, daß die Bawnesse von Lowitz in ihrer resoluten Art alles in die Hand nahm. Auch üjre Eltern waren dagewesen, hatten dem jungen Mädchen ihr Beileid ausgesprochen und nach dem Siechte« gesehen. (Fortsetzung folgt.