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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

DieObrrkefstsche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. B«zuqspr«i» monatlich ' W« 4 AI 4 Mk., durch di« Poft 4.20 Mk. Für ausfallende Nummern infola« Streik» »der | Jlte ivl elementarer Lreignisse kein krsatz. Verlag von Dr. T. Hitzerottz. Druck der i Univ.-Buchdruckerei een Joh. Lug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher SS.

Marburg

Mittwoch, 25. August (Ernting.)

Der Anzelaenprei« betragt für die Sgesp. Zeil« 75 Pf«, und 10*/o Aufschlag, amtlich« und auswärtige 1. Mk., Neklamezeile 3.00 Mk. Zeder Rabatt gilt ali varrstatt. Lei Au»k,nft durch die Peschäftsstefte und Vermittlung der Lngebet« 25 Pfg. Lea­dergebühr. Bei Beträgen unter 20 Mk. müssen wir da» Port» für die Rechnung berechnen. Postscheckkonta: Nr. 5015 Amt Frankfurt «. Main.

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WWW LWSemr; i« delisißslhn Frage?

>r Die Politik Lloyd Georges, die aus eine Vorst än- higuNg mit Sowjei-Nußlaud hiuzielre, und die sich h,folge der «inseitigen Polenfreuudschaft der Fran­zosen im krassen Widerspruch zu dec sranzösischen Megierungspolitik befand, scheint nun doch durch die Diktalnr-Politik der Machthaber in, Sowjet-Rußland «inen völligen Umschwung erleiden zu sollen.

Ter englischen Diplomatie gelang es noch­mals, den Riß in der Entente Cvrd-al zu verkleben. An England hat die Friedens-Politik immer mehr 8» Boden gewonnen, bas englische Volk in seiner Gesamtheit ist kriegsmüde. Die Stimmung trug Lloyd George Rechnung. Er suchte ntii Rußland selbst aus Friedeussuß zu gelangen. Dieses- sein Bestreben fand $n Ftösicn Unterstützung.Weder England noch Italien", so sagteCorriere della Sera'', Fvollen da' errropaische Festland beherrschendste wünschen viel­mehr die Vorherrschaft eines einzelnen Staates zu rerhludcrn." Das- ist ein? dcntliche Sprache 'an Polen, noch mehr aber au Frankreich.

Die Welt kann solange keinen Frieden haben, so lange /nicht vor allem der Friede zwischen Rußland und der übrigen Welt zustande g'lnnn'.en ist. Das war der Grund, weshalb England sowohl wie Italien Tchritle unternahmen, um di? Verbindung mit Rust- kckud wieder herzu stellen. Allerdings konnte diescs- nur möglich sein, wenn man auch in Rußland lang­sam Verständnis auuahm, und ertdlich davon abtieß, aridere Länder durch russische Agitatoren zu übcr- fchwemme» und zu versuchen mit.List und Gewalt die Räteregierung in anderen Staaten cinzusühren. Dies schien nach den tviedcrholteu Versicherungen der Sow- jttregieruug endlich erreicht. Auch in den Friedens- bedingnugets, die der russische "Vertreter iu England, Kamenew, Lloyd George iiuterLrii-ete, schien die Soiv- jetrcgiernng endlich von ihrem Plaue Abstand zu nehmen, iu dir inneren Verhältnisse Polens, auf das «S ja jcht in erster Linie ankam, eiuzugr-.ifeu. Run- mehr stellte cs sich aber nachträglich heraus, daß die Sowjetregierung auch hier wieder mit 'verschlagene» Minckn gearbeitet Hot, daß Kamenew die Friedens- bedingungeu Lloyd George nicht so übermittelt hat, wie sic in Wirklichkeit ausfalleu sollte».' Eine der Forderungen der russischen Bedingungen Ivar die Ab- rLstnna Polens, oder, besser gesagt, die Zulassung einer Nhftnmäßig bestimmten Zivilarmec in Polen. Nun 'stellte sich nachträglich heran?, daß 'diese Zivil- armcc nach Artikel 1 der Sowjctbcdingnngcu nur von einer einzigen Klasse der Bevölkerung gebildet werden soll, als kurz gesagt, eine Armee werden soll, die _dazu bestimmt ist, den Bolschewismus in Polen mit Gewalt durchzuführen. Neberrascht durch diese Be­dingung, die ihm von Kamenew verschwiegen war, hat Lloyd George seine ganze Siellnuguahmc zu dem russischen P'.r-biem völlig geändert, und jedes Lveitcre Verhandeln mit der Sowjetregieruug nicht nur auf politischem,' sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet als uitmöglich ablehnen. Diese neue Stellungnahme Lloyd Georges bildet einen völligen Umschwung in der Richtung seiner Orientierung nach der französischen Rrgiernngspolitik.

Die französische Ostpolitik zielt lchlen Endes aus eine Unterstützung des politischen Imperialismus und «in großes weites -Polenreich hin, und wird so stänoig mit der russischen Politik, sei es nun der Sowjet- rrgicrung, sei es der jetzt von Frankreich wieder ein- zuführenden rcakrionären russischen Regierung, im krassesten Widerspruch stehen. Keine russische Regie­rung wirb völlig ans die Randstaaten uild den russischen Einfluß ans birst Staaten-Gebiele verzichten wollen. Und hier liegt bas große Fragezeichen der künfu^n Entwicklung im Osten, einer Entwicklung, die noch lange nicht zur Ruhe kommt, und der die Unabhängig­keit Polens immer tDtebcr neue Gär- und Nähr­stoffe geben wird.

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3er Lm i« SsnsAtsite-

" Wb. Berlin, 24. Ang Der preußisch^ Minister des Innern Sevrring und der Staatssekretär im Reichs Ministerium des Innern Dr. Leioald haben sich heute aus Bekiinlassung des Reich-skabinerts in Begkciinnq des Legationssekretärs Dr. Mever nach Breslau begeben, nm sich mit den Vertretern Oberschlesiens über die dortige Lage zu besprechen. t

wb. Kattowitz, 24. Ang . Die Lage in Oberschlesien hat sich gegen gestern wenig verändert, wenn auch die polnischen Vorstöße in den letzten 12 Stunden offenbar seltener geworden sind. Der-Verband der Bergarbeiter Deutschlands protestiert ritt allem Nachdruck gegen die Vergewaltigung der oberfchlesischcn Bevölkerung durch zum Teil landfremde poluiscke bewaffnete Banden und er­sucht die interalliierte Kommisfion, die deutsche Regierung und die oberschleslschen Behörden, ungesäumt für aus­reichenden Schutz zu sorgen. Angesichts der polnischen ' Aufstandsbewcgung sei das vereinbarte Ueberschichtaükcm- men zurzeit nicht durchzusührea. Eine Konferenz der

Äcrgarbeiter-BertranenSlente beauftragte die Bezirkslei­tung, nach Wiederherstellung der Ruhe erneut zur Nebee- schicktensrage Stellung zu nehmen, und forderte die unge­säumte Durchführung der Entwaffnung der volnischen Aufrührer, andernfalls zur Selbsthilfe gegriffen werden müsse.

Wb. K a t t o w i tz, 25. Aug. Auf der Elsenbabn- ktrecke Kuttoivitz Myslolvitz kehrt allmählich die JDrb» innig wieder. Die Bahnhöse sind von sranzösischen Trup- i-cn besetzt. Die Reisenden werden nach Waffen nnter- iucht. Auf dem Bahnhof von Myslowitz sind Vekannt- machungcn der Eiscnbahndircktion Kattowitz, die von dem Ententevertretcr bei der Eisenbahndircktion gegenge- -.eichuet sind, angeschlagen, in denen rede Einmischung 'inbesugier in den Eisenbahnbetrieb oder jeder Terror legen Eisenbahnbedienstcte verboten wird. Trotzdem grelle "ote Plakate die Zivilisten zur Waffcnabgabe bis Sonntag Aachmitiag 4 Uhr aussordern, sieht man noch überall Bewassnete. Im Kreise Gleiwitz ist eine Zunahme des Zandeiinnwcscn? seftzustollen. Die Stadt Ryonik wurde lestcr» besetzt. Die Ausschreitungen in den Landkreisen -chmen einen immer größeren Umfang an.

Wb, Berlin, 24. Aug. Von zuständiger Seite wird mitgetcilt: In den schweren Stunden, die die Bevölkerung Oberschlesiens unter dem Druck frecher Insurgenten iit 'er letzten Woche durchlebten, hat sich die unerschütterliche 'skrchttrrne der Sicherheitspolizei int Kampf für die s'ifrechterhaltuiig der Ordnung neuerlich bewährt. Mit -'inaeuügvnder Bewaffnung und an Zahl dem Gegner weit unterlegen, ist sie überall den aufständischen Banden unerschrocken entgcgengetreten. Gegen erdrückende Ueber- riacht und ohne Hoffnung auf Nachhaltige Unterstützung hielt ft" aus dem verlorenen Posten bis zum letzten Schuß ßand und besiegelte ihre Pflichttreue mit Opfern an Gut und Blut. Der 9)1 inifier des Innern weiß sich eins mit her oberfchlesischen Bevölkerung in? Gc?ühl des Tankes f.lr den Opfermut, beit die Sicherheitspolizei bewiesen hat. Es wird nicht» unterlassen, um für den nachdrücklichen Schutz der tapfere« Beamten einzutreten.

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Die Gewcrkschästs- und Parteiführer der Sozial- demokratiound der Unabhängige» i« - Kattowitz g-'ben : ciut gemeinsam festgelcgle anlhcnlischc Darstellung der Ereignisse iu Oberschlesien, in dec gesagt wird: Allen. Vorgängen lag nichts anderes zugrunde, als dec eiu- s iche Wille zur unbedingten Neutralität und zur Er­haltung-von Ruhe und Frieden im Lande. Die Tat­sache, daß überall dort, w» bei den Demonstrationen kern Militär cnsgtbotcn wurde, deren Verlauf nthig war, liefert den Beweis, daß keine deutsche Organi­sation irgendwelche Puifthabsich'en im Schilde führ'.«.

Di« ittternTtiierk Kommission.

Wb. Beu the», 24. A«g. Von der internationalen Kommission wird mitgrtcilt, daß feststeht, daß bewaffnet« polnische Haufen von jenseits der Grenze in den Kreis Rybnik eütgcf alten sind, Zusammenstöße mit der Be- oütkening gehabt haben und Zustände entstanden sind, feie nicht länger ertragen werden können, lieber feen Kreis Riibui! wurde der Belagerungszustand verhängt. Die Militärbehörden sind mit allen Vollmachten zur Wiederherstellung der Ruhe versehen worden.

B e r l i», 25. Aug. Wie beut ,Lokalä»zeigcr" aus Rhbnik gemeldet kvird, hat der italienische Oberst Perenti beit Polen im Landkreise Ryonik «in Ulti- tnatum aus Ablieferung der Massen zugehe» lassen^ widrigenfalls er sich gezwungen scheu würde, die aller­schärfsten Maßnahmen gegen die polnischen bewaff­neten Banden zn ergreifen.

wb. Kattowitz, 24. Ang. In Kattowitz Stadt und Land ist unter dem Vorsitz des sranzösischen Hanvt- nianit?- L'claime eine QualifizKrungskoimmsfiou, beste heitd aus drei Deutschen ttnb drei Polen, gebildet wocdtii, eit die Organisation der Bürgertoehreit in Auzrifs ncbrneii soll. Die Zusamincinetzung dieser Bürgerwehren soll nach der Stärke der Neutralitäten ans Grund der letzte» Gemeindelvahlen erfolge-,

wb. Berlin, 24. Aug. Obwohl dir interalliierte Kommission in Oberschlesien der Reichsregierung zuge- sichert hat, die t-mirvc.fsrtnug der ttofnüdwii Aufständischen vmchzusühren tfnb für schieunige Herstejlnug geordneter Ziiüätide zu sorgen, haben nach den hier vorliegt oben Nachrichten aus dem oberschleslschen Ausstandsgcbiet feie dort eingerückten französischen Trupwn bisher leint An- ft alten zur.Entwaffnung der polnischen Banden gemacht. Sie ließen vielmehr chen Insurgenten Zeit, Pie Waffen ver- schoinden zu lafl.n, und erklären nun, daß sie keinen An­laß zum Einschreiten haben. Es ist auch vielfach zwischen dc» polnischen Banden und den Franzosen zu Verbräbe- rnngen gekommen. Irgendwelche Maßnahmen gegen die Führer der Banden sind nicht getroffen -oorde«. Im (liegcnsatz dazu si'id die wenigen dort beiinblichen italieni­schen Tnippen aufs energischste gegen die Ausrührer c-n- g.fchritten und haben ihr Möglichstes getan, tun eine Ent- j i'ruiiTtg durch ,n führen.

Genf, 24. Ang. Nach einer "-.Journal be Tebal-s"- Mcldung hat der atliierte Rai dem Militärbefehlshab-er für Obert'chlefteu eine weitere Division alliterier Truppen zur Wiedcrherütllung der Ordnung zur Verfügung ge- nellt. In Paris find deutsche uns polnisch« Noten zur oberfchlesischen Fragt ciugrgangen. die bis z.mt Abschluß der alliierten Untersuchung über die Schuld an den Aufstäiiden in Oberschlcsicn znrückgestttlt wurden.

Wie derBerliner Tageblatt" aus Lyslowitz be­richtet wird, blicö die EntwasfnuiizSaklis» dec Eulcnte ohne jeden Erfolg. Die Polen sind nach leie vor bewaffnet und Hausen skandalöser als je. Zahlreiche ! bewaffnete Bauden drangsalieren die deutsche' Vcvölkc- rung und plündern ihre Wohnungen aus.

Auch demLokalanzeiger" wird über unmensch­liche Gransamkeiten berichtet, die in Oberschlesien 6er- übt wurden.

DasAllensteiner Volksblatt" meldet: In Löbau wurden der deutsche Superintendent Tzasnh und alle Deutschen, die flüchteten, verhaftet.

Ein Aufruf der deutschen Verbände«.

wb. Beuthen, 24. Aug. Die Teutschnationale Bolkspartei, die Deutsche Bolkspartei, die Katholische Bolkspartei (Zentrum), die Demokrasifche Partei, die Sozialdemokratische Partei, der Mlgemeiuc deutsche Ge- werkschaftsbund (freie Gewerkschaften), die Arbeitsgemein­schaft freier Angestelltenverbände (Ara), der Deutsche A>- werkschaftsbund (christliche Gewerkschaften), der Gesamt- "rrband deutscher Angestcflten-Gewerkschaften, die.Hirsch- Dunckerscheu Gewerkschaften und dec Gewerkfchaslsbnnd der Angestellten erlassen solgendeu Aufruf an die obcr- -chlefische Bevölkerung: /

Unsere oberschlesische Heimat ist in- tiefster No!, Deutsche und Polen stehen gegeneinander und Brudcrblnt :rt geflossen. Die Sühne der Verbrechen gehört vor das ttlericht. Wir wollen Frieden. Die interalliierte Kom­mission sicherte uns zu, die Ruhe, -Sicherheit und Ord­nung wieder herzustellen. Wir forderten am 21. August und (Zh-neral Gracier sicherte uns folgendes zu: 1. Restlose EntEffnung der Bevölkerung ohne Rücksicht auf Natio­nalität. 2. Aushebung, des Belagerungszustandes, soweit es die Verhältnisse gestatten. 3. Hinzuziehung deutscher und polnischer Arbeiter zur Wieberherstellnng des Frie­dens. 4. Verhütung von Gewalttaten aller Art. Die Bewsiiffnnnstpclnischer Banden schrei­tet dennoch fort; sie reißen die Gewalt an sich und mißbrauchen sie. Dem muß ein Ende gemacht werden. Di« gesetzmäßige Gewalt muß sofort iviedcrhergestcflt werden. Das ist unsere einzige Forderung und sie wird noch heute der interalliierten Kommisfion unterbreitet. Wird sie nicht erfüllt, dann sind wir ent­schlösse » feen Frieden durch einen Gene- ralftreik zu erzwingen. Haftet Euch bereH, und märtet auf den Ruf der Führer. Esgehtumu nre r c Heimat!" - .v-

wl>. Breslau, 24. Aug. Erbittert über die Er­eignisse in Oberschlesien, faßten heute die Angestellten des hiesigen Hotels Monopols rinftimmig den Beschluß, ab heute bis zur volllommencii Wiedecherstellung bev Rechte der deutschen Bevölkerung Oberschlesiens an dir französischen Mitglieder der interalliierten Kommissioueu weder Speisen noch Getränke zu verabfolgen, sowie jede sonstige Dienstleistung zu verweigern. An alle Bcruss- gew-sse-ischaften richten die Angestellten des Hotels Mono­pol die dringende Bitte, sich mit ihnen solidar-sch 511 erklären.

Das Flüchtlings-Elend.

Der Sonderberichlerstatter desBerl. Lok.-Anz." schreibt:

e Di.' von der Angst um Leib und Leben eingegebcne» Alacmmcldu.igen und Notschreie aus den von den Insurgenten besetzten Giüieten schließen stets mit dem fatalen Satz, daß vom Franzoseumilitär nichts zu scheit sei. Tie Not der noch immer von allen Seiten in Kattowitz eintresscuden Flüchtlinge ist fürchterlich. Sie stehen vor den Burcaulüren der Stadt: arme, hilf­lose Menschen, die verstört auf einen Ausweg sinnen, beneji mau das Letzte genommen hat, und in deren Augen dennoch die Freude über das gerettete Lel>en aiifzugliunnen beginnt. Sie erzählen wahre Schre­cke ncszenen von dem Hausen und Trei­ben der Polen in ihren Wohnstätten. Zahlreiche Familien sind in der Angst des Augenblicks auscin- auoergejprengt. Der Verein heimattreuer Oberschlejier, dessen Mitglieder zu Tausenden im Land« in diesen Ansstandstagen besonders schwere Zeiten zu erdulden haben,, halsen ua^ besten Kräften. Auch die Be­hörden nehmen sich der Flüchilinge an. Jedoch sind ihrer zu Aete, als daß die Versorgung mit Quartieren und Verpflegung überall glatt voustatten gehen könnte.

Es kann nicht oft geling daraus hingewiesen werden, daß sowohl Engländer wie Italiener die Pflichten, dir- sie mit Antritt ihres Kommandos in Oberschlesien

Sie ist den westliches Kampfmittel» «ich« , gewachsen. J

Es bestätigt sich, daß die Russen vor ihrem Abzug trttl Soldai? die Bevölkerung in jeder Weise unterstützte« «rchf durch Kavallcriefuftrouillen dir massenhaft gegen die Greqtz mit Hab und Gut flüchkenden Betvohner gegen nische Franktireurbanden schützten. Ganz 6e» sonders verlogen ist der polnische Heeresbericht, wen»; er von Grausamkeiten der Russen gegen die Bevölkeru»F spricht. Es steht fest, daß die Polen überall im Rücken der russischen Armee Franktireurbande» bilden. Derselbe polnische Heeresbericht, der die Be­schießung polnischer Bürger erwähnt, sagt offen, ba| die polnische Bevölkerung entgegen dem Kriegsrecht an den Kämpfen teilgenommen habe. Russische Offi­ziere erklärten, aus dem Rückzüge durch Lautenberg feie» sie von polnischen Bewohnern beschossen und auS de» Fenstern mit kochendem Wasser begösse» worden. Das Wüten der polnischen Bevölkeiiing gege» die wenigen zurückgebliebenen Deutschen ist entsetzlich.- In Lautenburg allein wurden, wie bereits gemeldet, acht Deutsche standrechtlich erschossen.

_ DieFreiheit" veröffentlicht über die Kampftage an bet 'russischen Front eine Privatmeldinig .auS Proftken. Es heißt darin: Die Straßen sind von der zurückstrebende« Armee üherflntet. Die jüdische Bevölkerung, die sich bet revolutionären Regierung für den Vertoaltiingsdienst ifitb als Miliz zur Verfügung gestellt halte, flüchtet ebenfalls. Der Rückzug erfolgt nach echt russischer Art äußerß 'schnell und in ziemlicher Ordnung. Die roten Truppe« haben in Lomsha teilweise stark geplündert, obwohl das von der Kommandostelle streng verböte» wurde. Unser Berichterstatter hat selbst inmitten da Kolonnen teils lausend teils fahrend starke Unlust' dcrTr uppen feststellen können. Es herrsche zwar leine Verzweiflung wegen der Niederlage, aber doch Kampf- nnliift. Alle Versuche, die Narctvlinie bei Lomsha $« halten, sind gescheitert. Teile der 4. Armee stehen vor der Gefahr, nach Norden über die deutsche Grenz« ge­drängt zn werden. Die revolutionären Komitees sintz aus säiutlichen Orten, auch aus Bialnstok, geflüchtet.

wb. Königsberg i. Pr., 21. Aug. Lagebericht. Der polnische Nordflügel drängt den zurückgehende» Resten der 4. bolschewistischen Armee in der Richtunz auf Kolno scharf nach. Das Zentrum hat nach Ver­nichtung starker Teile der bolschewistisck?en 15. Arme« gestern Lomsha erreicht und befindet sich im Vormarsch vor Bialystock in nördlicher Richtung. In Gegentz Brest-Litowsk und Cholm vergebliche Gegenangriffe btf Bolschewisten. Auch in Galizien haben die polnische« Truppen den Vormarsch aufgenomine« und den Buz nördlich und östlich vom Lemberg überschritten. Der Uebertritt bolschewistischer Truppen über die deutsch« Grenze hält an. L

Kopenhagen, 25. Aug.Naiionaltidcnde* meldet von der russischen Front: Grodru» wird von de» Russen geräumt. Die Straßen von Grodno nach Wiiu« sind mit zurückflntenden Russen vollgestopft. Die russi­sche Annee kau» in dicsctn Abschnitt als aufgelvst angesehen werden. Es zeigt sich Keine Füh­rung und kein Kommando mehr. Der Stab der ruf|U scheu Nordarniec ist bereits in Wilna. <

wb. Königsberg, 21. Aug Das gestrige Ge­fecht bei Chorzele war cin-Turchbruchskampf des bisher westlich der Linie Chorzele -Mlwva abgeschnitten«» 3. Kavallerickorps. Das Korps befand sich ent 23. August abends im Rückmarsch über Myschinietz. Der Uebertritt der russischen Truppen verstärkt sich. Dir Gesamtzahl beträgt jetzt raub 20000 Mann.

wb. Berlin, 24. Aug. In dem polnischen Ope- rationsbencht vom 21. 8., der von Posen durch Funk­spruch verbreitet worden ist, findet sich erneut bU Behauptung, daß unter beh bei 'Brednizza gefalienetzl Bolschewisten drei deutsche Offiziere aufgefunden wor­den seien. ES wird nochmals bttont, daß mit Wisse» itin'd Wille» der deutschen Regierung kein dcutschct Soldat oder Offizier im Heere der russischen Sowjets Dienst tnl. Es darf erwartet werden, daß nunmehr die durch nichts begründete Behauptung von den Poien nicht mehr wiederholt wird. e

überuomiuen haben, loyal erfüllen. Es lassen ge­wisse Anzeichen darauf schließen, daß sie mit der Hal­tung der Franzosen kein.'swegs einverstanden sind.

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Ig; MMM Ster.

Der zur russischen Armee entsandte Souberbericht-cstat- ter desTag" schreibt:

Bei den rnssischen Divifionen und Brigadestäben Ivar g.'siern die Stimmung feiireStregä hoffnungslos. Ge­lände spiele bei diesem 5-dbyioe keine Rolle; man sei zu schnell vcrgcgangcn und werbe die Scharte wieder repa- iire?i, Die Hauptsache sei, daß man die Armee gerettet hachch Tie russischen.Truppen selbst .machten den Eiu-' druck einer g es ch l a -j e ii e n ?! r m e e. Teile der v-rschikbe'ien Tivisionen marschierten durcheinander, lieber- einfttmmtnb sagten mir heute russische Soldaten-, daß die polnisch-französischen Flieger, _bie die russische Infanterie aus geringer 5aöhe beschossen Sjättm und die Fliegerbomben nicht zu ertragen seien. WaS man als Beobachter dieser Arniec vpranssagenfUiiißtr, ist eingetreten' - t

wb. Kopenhagen, 24. Ang. Der polnische Heeres­bericht meldet im Norden Besetzung von Prasnysch und Mlawa. Entscheidende Niederlage der bolschewistisch«« Nordarmee und panikartige Flucht der russischen Truppen. Die Polen melden viele Gefangene. Im Zemrum schrei­ten die Polen unter Führung PilsudskiS vor und haben die Linie ambrawoMasowieck und den Narcw südlich von Bialystok überschritten. Im Süden ziehen sich dir Russen in der Gegend von Lemberg zurück und werde» von den Polen scharf Versvlgt, die sich der Buslinie nähern. Auch vom Siry haben sich die Russen zurückgezogen.

Berlin, 24. Aug. Nach Meüumgen ans Memel vom Montag Abend sind Augustowo und Suwalll in der Nacht von polnischen Vortruppen besetzt worden. Damü ist der letzte deutsche Grrn^lbschnitt wieder polnischrs Nachbargebiet.

Die Uebertritt« btt Russen auf deutsches 6tbitt

«ob. Königsberg. 24. Auch Besondere Zwischen­fälle haben sich nicht ereignet. Die Zahl der ubtrgrttett- neu Bolschewisten hat sich weiter erhöht, sodaß bi« jetzt im ganzen etwa 24 000 die Grenze überschritten haben, Jub. All ensteln, 24. Ang. Di«Mensteinq ßmung7* meldet: Bei Groß-Schlesien, Kreis Ortete«