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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (ims früher kurheffifche) Oberhessen

Rr.M

DirOberhessis-e Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. «e,uq,»ret, Monatlich 4 üBtt, durch die P»kt 4.20 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streik, »der elementarer «reignifse kein Ersatz. «erlag von Dr. T. Hitzerath. - Druck der llni».-Buchdruckerei «ex J»tz. lug.Ro», Markt 21/23. Fernsprecher 66.

Marburg

Freitag, 20. August (VrWVUlg*J

Der Inzeiaenpret, betrögt fit die 8 »es,. Zeil« 7S «f«. und 16*/, Aufschlag, amtliche vw w und aue-artig- 1- Mk., NeklamrzeUe 1.00 Mk. Jeder Nabatt gilt al. Barrad.1t 55 JfllfI «ei luskuust durch die Geschäftsstelle und «ermitiluna der l«a»d»t. » Wg. 6.» dergebichr. Net Beträge« unter 20 Mk. missen mir da, «art» fit die Rechnung I Ivl berechnen. Postscheckkonta: Nr. 5015 Amt Frankfurt «. Mai».

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Di« schon länger angekündigte Eullastungsosfr.i- sivt fät Warschau, die unter uumittelbarer Führung tzeS srmuzüsischen Gcneralstabcs begonnen hat, Hai einige kleinere Anfangserfolge gezeitigt, und so in tz«n russischen Sieges marsch mi ödesteus zuvörderst eine Nockmrg eintreten lassen. Wie lange, da? müssen frk nächsten Tage zeigen. Als dann wird es sich Herausstellen, ob eZ tatsächlich mit derErmüdung" jtnbFriedenssehnsucht" der bolschewistischen Truppen, lco6»n Anslandsbenchte schon zu melden wußten, so- lvekt he» ist. Augenscheinlich Hai ja die bolschewistische tzeeeestzeitung mit dem Wiederaufleben einer Widerstandskraft der Polen doch nicht so gerechnet, und ist scheinbar dadurch überrascht tvorLer?. Daß die Polen ihrerseits von dem noch jo kleinsten Erfolgs großes Aufsehen machen, ist zu leicht derständlich und ihr gutes Recht, beim jeder Erfolg

i toi 10 für dir Minsker Berhandlungr« von weittragend- stec B'cheutung sein. Was übrigens noch den Polen günstig kam, Ware« die Fortschritte d?S General Mrangfls im Ton-Gebiet, die die Bolschewisten zwan­gen, von der polnischen Front Streitkräfte weg zu ziehen, um dem Weiter-Bordrängen Wrangels, aus den das Regiernngsorgan, die bolschewistischePraw- der" schon mit einem Art Hilferuf ausckerksam ge- mackri hat, ein Ziel zu setzen. Ob die Bolschewisten in Warschau einzige« oder nicht, ob sie Polen ganz mederwersen oder nicht, die Selbstständigkeit Polen? werden sie kaum selbst durch die größten Erfolge vernichten können und wollen, denn so ganz gleich­gültig kann auch der Sowsetregiernug das Vetorecht der englischen und französischen Regierung, die für die Selbstständigkeit Polens sich unter allen Umstän­den einsetzen wollen, nicht sein. Ob die Bolschewisten überh^pt nach dem Osten hin, insbesondere den ehe- rnal'geu deutschen Geöielr» in Minsk und später in London eine Grenzregulierung erzielen, ist immerhrn auch noch sehr fraglich. Aucki ist noch nicht gesagt, daß der Korridor, wenn er auch schon jetzt von den

! Kusstn mit einerautonomen provisorischen deutschen i Verwaltung'' ausgestatt cl wird, wieder ganz deutsch i w'rd. Polci: wird jedenfalls trotz Schwächungen hier und dort, seine Selbstständigkeit behalten, dafür sorgt die Enlente. Aber das eine darf man heute schon sage«, daß dem polnischen Reiche selbst bei sich weiter «utwickelndem glücklichem Widerstand gegen das Vor­dringen der Polschewisten und damit etwa im Zu- sa'nnicnhang stehenden günstigen Friedensabschluß in feinem jetzigen Umfange, Ivie cs heute dank der Frrn^dschast Paderewki'S mit demallmächtigen" Wil­fs-., dank der französifchen Furcht vor Deutschland und des. französischen Kapitalismus, der dort schon investiert ist, keine lange Dauer beschieden jein wird, dal dürfte man, ohne ein allzugroßer Prophet zu fei::, doch behaupten können. Abgesehen davon, daß dieses neue polnische Reich doch zu kehr auS ver- sch'cdenen'kerstämme» zusammengewürfelt ist, glau­ben wir auch nicht, den Polen die notwendige Regie- rurigSenergie und diplomatischen Herrschertalente zu- sprechen zu können. Da dürfte der Satz:Roch ist Pokeu nicht verloren?" doch wohl auch nur einmal wieder vorübergehende Geltung haben! * .. i -

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Zum polnischen Gegenstoß wird derVojs. Ztg." von einem militärischen Mitarbeiter geschrieben: Der wesiev: Erfolg wild davon abhäugen, ob die xum Angriff zufamme »gebrachte» polnischen Truppen die Kraft zu einer längeren Offensive haben, ferner davon, ob die Polen es überhaupt schon mit den russischen Ximptfräjteu zu tun haben, ober nur mit schnell vor -

:?nen schwächeren Kristen.

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kg. Berlin, 20. Aug. Dir Polen haben die ruf fische Front Sei Sjedlez durchbrochen. Die Stoßrichtung der Polen geht aus Breft-Litowsk.

kg. Königsberg, 20. Aug. Im Korridor leisten Me PMn vor Thorn, Kulm und Graudeuz erfolg­reich Widerstand. Dir Russen sind im Korri­dor Wcrall im Z»rückgehen. Die Polen Beginnen die Weichsel« icd ertrug unter Wasser zu ketze«.

wS. Warschau, 19. Aug. (Havas.) Die Erfolge des polnischen Heeres dauert auf dem rechten Flügel

Die Truppen des Generals Pilsudski bedrohen die rnsskschen Kolonnen, die auf Warschau marschierten. Die s««Hösischen Offiziere spielen bei oer polnischen Offensiv« eine immer wichtigere Rolle.

wS. A l l e n st e i u, 19. Aug. DemAllensteiner BoMblatt^ geht aus Neidenburg von heute vormittag di« Nachricht zu, wonach die Einnahme Ciechanows durch die Polen bestätigt wird. Die Polen nahmen gestern nachmittag Strasburg und stehen acht Kilo­meter von Lautenburg entfernt. Eine Anzahl Flücht­linge ist ans Strasburg in Kvslau angekommen.

Gestern nachmittag wurde von einem polnische" Flie­ger eine Bombe auf den jüdischen Friedhof in Soldau abgcworfen. Heute vormittag warfen polnische Flieger in der Nähe von Soldau drei Bomben ab, dergleichen über Soldau Flugblätter, worin mitgeteilt wurde, daß Soldau dem Erdboden gleichgemacht werde. Die Polen haben den Russen bei der Einnahme von Ciechanow und Strasburg die gesamte Bagage abgcnommen. Die Russen, die in der Richtung auf Soldau flüchten, versichern, daß auf polnischer Seit« frauzöjische Trup­pen ausgetreten seien. Bon einem Gewährsmann er­hält dasAllensteiner Volksblatt" folgende Mitteilung: Fu Soldau bildete sich eine Schutzwehr aus Unab­hängigen. Die Mitglieder der Schutzwehr, die Ge­wehre imd tote Binden tragen, haben die Grenze besetzt und verhindern die Ausfuhr von Bieh und Getreide.

Königsberg, 19. Aug. Am Vorgehen des bolschelvistischen Nordslügels gegen die W ickset schein infolge der Rückwirkung der Lage bei Warschau ein Stillstand, tinzntreten. Südöstlich Warschau hat die polnische Gegenoffensive aus der ganzen Front die Eiseabahnllme Warschau Siedlice- LukowMiend- zhrzek überschritten. Tie Orte sind in polnischer Hand. Die Osfeusivflauke wurde durch die Rückeroberung von Wisnice und Woldawa durch die Polen gefestigt. Eine unmittelbare Gefährdung Warschaus aus nördlicher und südöstlicher Richtung ist vorläufig beseitigt. In der Richtung Lemberg haben die Bolschewisten den Bug überschritten.

Genf, 19. Aug. Havas. Die Polen stehen wie­der von Pultusk. Die Gefahr der Kapitulation War­schaus kann als beseitigt angesehen werden. Die Linie Radzymin östlich von Warschau wird noch von beu Russen gehalten. Auch hier nehmen die polnischen Gegenangrifse zu. An dec Wieprz, südlich von War­schau, hat Vie polnische Gegenoffensive gleichfalls be- gon«H. * - 4.

wb. Paris, 19. Aug. DerTcmps" sagt über die Lage an der polnischen Front: Wenn oer Bormarsch des polnischen Heeres noch zwei oder drei Tage fort­gesetzt werden könne, werde die Rote Armee einer wirklichen Katastrophe entgegengehen.

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wb. Haag, 19. Aug. Englischen Meldungen zu­folge sahen sich di« Russen genötigt, wegen der ver­mehrte» Tätigkeit des Grafen Wränget, mindestens tiitc Division von der polnischen Front zurückzu- nchmen, tun diese Truppen nach der Südfront zu entsenden.

tu. Basel, 20. Aug. Wie dieTimes" aus Koustantiuspel melden, sucht General Wrangel jetzt feinen linken Flügel auf daS Ostnscr des Dnjepr zu verlegen, UM in die Ukrar« cinzudcingen und Odes^ zu besetzen. Seine Truppnr haben durch eine Baueru- armee von 30000 Mann Verstärkung erhalten und auch die Don-Kosaken tommen General Wrangel zu Hilfe. '

Gens, 19. Aug.Malin" meldet: Ter französi­sche Ministcrrat erteilte die Genehmigung zur Beur­laubung von 9 namentlich bezeichneten Offizieren des GeircralstabeS. Sie haben bereit» in der Rächt zum Dienstag Paris verlassen und sichren über deutsche Bahnen. DerTemps" meldet: Der Erfolg deS ersten TageS der polnischen Gegenoffensive ist, daß die Polen die feindlichen Limen, die stellenweise bis 30 Kilo­meter vor Warschau verliefe, bi» 35 und 40 Kilometer zurückgedrängt haben.

wb. London, 19. Aug. Nach einer Meldung desDaily Telegraph" haben die Bolschewisten Enseli tmter Zurücklassung einer kleinen Besatzung wieder verlassen ur-d die Schiffe der kaspischen Notte ver­brannt. Auch Baku soll von den Bolschewisten, wie von gut unterrichtet« Seite gemeldet wird, wieder geräumt worden sein«

Die Beehandlongen. r~:

wb. Amsterdam, 19. Aug. Der polnische Mit­arbeiter desEveuing Stand«-" erfährt au» guter Quelle, daß die polnischen Delegierten sich »seigern, die Bestimmung betreffs bet Entwaffnung de» pol­nische» Heeres zuzustirmuen, wenn die Russen nicht ebenfalls zur Entwaffnung übergehen. Ferner sollen die Polen nicht bereit sein, Erleichterungen für den Verkehr zwischen Rußland uni Deutschland durch pol­nisches Gebiet zuzugestehen.

Amsterdam, 19.Aug.Daily Chrouicle"schreibt, die ErLätung bet Sowjetdelegierten in Minsk, daß die Unabhängigkeit Polens geachtet werden solle, sei befriedigend, wenn danach gehandelt werde. ES sei aber schwer, sie in Übereinstimmung zu bringen mit der Forderung, daß die polnischen Arbeiter in den Städten bewaffnet werde» könnten. Die Bewaffnung der Arbeiter würde da» Vorspiel zu einer bolschewisti­schen Revolution sein wie in Petersburg und die Ein- lritung zur Bildung tim Sowjetregierung. Kein einziges Land, dal eine solche Bedingung anerkennen würde, würde al» unabhängig anzusehen sein. Tas Blatt schließt: Wir hoffen, daß bit Russen an dieser Forderung nicht festhaltm. Eine derartige Beding­

ung findet sich nicht in beu mit Estland und Lettland geschlossenen Bettingen. In bet bolschewistischen Außenpolitik lassen sich zwei Strömungen bemerken. Wir müssen abwatten, welche von beiden sich als die stärkere erweist.

wb. Amsterdam, 19. Aug. DerTelegraaf" meldet au» London, daß bet Vorsitzende btt russischen Delegation in Minsk in seiner Eröffnungsrche erklärt habe, baß die Bolschewisten von den polnischen Grund­besitzern Bürgschaften verlangen müßten, die sie von den polnischen Arbeitern und Bauern uidjt gefordert haben würden. (Man sieht wie klug die Bolschewisten arbeiten.)

wb. Warschau, 19. Aug. Reuter berichtet: Die Meldung betreffend die Bildung einer separasisti- schen Regierung in Posen wird amtlich dementiert.

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wb. Breslau, 19. Aug. Nach einer Meldung bet SchWfche» Zeitung" ce» Kattowitz befand fttfi unter der verhafteten Bofatzung derDeutschen Hauses" auch ein Gehilfe KorfantyS sowie ein polnischer Student namens Koj. Bei diesem wurden ein Armeerevolver sowie gegen 50 Patronen gesunden. Im Verhör soll Koj gestanden haben, daß er mit 45 anderen Polen au? dem Lomnitz- Hotel in Beuthen nach Kattowitz gesandt worden sei, um eine Schießerei zu inszenieren. Sämtliche Polen waren mit Schußwaffen ausgerüstet. Der anrückenden Feuer­wehr unb Sicherheitswehr gelang es, den Brand zu lösche» und die Privatbewohner au» den oberen Stockwerken zu reffen. Nun drang die Meng« in das Hotel ein. Große Stöße polnischer Flugblätter, Zeitungen, Akten und Pa­piere wurden auf die Straße geworfen. Ferner wurde eine große Menge von Munition und Waffen erbeutet die unter die Menge verteilt wurden. Im Snitft der Nacht wurde» die Geschäftsräume derGazetta Ludowa" vollständig zerstört und eine Reihe von polnischen Läden zertrümmert, u. a. daS Geschäft deS Großpolen Czap- linski und das Geschäft deS Eisenhäudlers Sikorski. Es muß jedoch ausdrücklich betont werde», daß die Menge sich keine Plüickerungen im landläufigen Sinne sich «-schulden kommen ließ. Sie ließ z. B die Fuwelier- lädeu und andere Geschäfte mit kostbarem Inhalt, soweit bisher bekannt ist, unberührt und warf au? anderen Ge­schaffen die entfernten Waren einfach auf die Straße. Erst später wurden diese Maren von lichtscheuem Ge­sindel, worunter sich auch Polen befanden, weggeränmt. Die Schießerei hielt die ganze Nacht hindurch an.

kg. Breslau, 19. Aug. Nach Meldungen ans Katlotvitz sinh von den in den Krankenhäusern tingc« lieferten Verwundeten der Zusammeniiöße am Dienstag noch dre igestorben. Die Gesamtzahl der Toten beträgt somit 21. die der Verwundeten nach den neuerlich«» Fest- siellunaeu, über W. Dl« interalliierte Kommissiou in Oppefti hat, unter Ausschließung der polizeilichen und richterlichen Instanzen in Oberschlesien, die Untersuchung ausgenommen. Ueber die Pressebericht« in den Kattowitzer >tnb Königshüiter Zeitungen üben die Franzose» streng« Zensur an?.

Beuthen, 19. Aug. Kattowitz war nachmittags ruhig. Die Spannung hält an. Der Theaterplatz ist durch französisckw Kavallerie und Infanterie mit einem Panzer- automobil besetzt. Patrouillen mit aufgepslanztem $e- wehr durckziehen dir Straßen. Die Sicherheitspolizei erhielt Verstärkungen. Italienische Truppen sind rin- getrsffen,' ihre Stärke ist unbekannt. Das Plebifzitlom- missariat für Deutschland erläßt einen Aufruf, worin die dcnfschdenkenden Oberschlesier aufgefordert werden, Ruhe und Besonnenheit zu bewahren und Gewalt zu vermeid«».

kg. Berlin, 20. Aug. Aus Kattowitz wird ge­meldet: Gestern, Donnerstag, haben die Unruhen wie­der begonnen. Pauzerautomvbile der Franzosen durch­fuhren die Strichen und feuerten rücksichtslos in die umstehend« Menschenmenge. Es gab eine große Anzahl V«rwuudeter. Die An­zahl der Toten ist bis jetzt noch nicht festgestellt. Um 7 Uhr abends wurde abermals der Fernsprech­verkehr mit Kattowitz eingestellt.

hi. Kattowitz. 20. Aug. Der französische Mili- tärbrfehlshaber in Kattowitz ist durch den Divifionör in Oppeln abgelöst worden. Bon gestern wird gemeldet:

Der Vormittag war ruhig. Von Mittag an zeigten sich größere Menschenmassen vor demDeutsche» Haus", da» vollständig abgesperrt war. Gegen y23 Uhr mar­schierten die französischen Besatzungsfruppe», Kavallerie, Infanterie und ei» Panzevautomobil auf dem Theaterplatz auf. DaS Theater wurde bis auf die äußerste» obere» Räume besetzt. Bi» 8 Uhr kam es zu keinen Zufammen- ÜSßen. Die <tz.cherheitSpolizei, die wesentlich verstärkt worden war, trug zum Teil Gewehre. Gegen 6 Uhr ritten Kavalleriepatrouillen gegen die Masse an und feuerte» in di« Menge hinein. Hierbei gab es verschißene Verwundet«. Nach 6 Uhr eröffneten auch die Maschinen­gewehr« und da» Panzerauto in kurz n Zwischenräumen daS Feuer. Ueber die Anzahl der Osser ist nickts bekannt. Gegen 7 Uhr fuhr da? Vanzerauw mit werteren besetzte» Automobile» durch die Straßen und feuerte rücksichtslos auf die sich zeigenden Ansammlungen. Tie Zivilisten mit roten Armbinden, die im Auftrage der Gewerkschaften versuchte», bit Ansammlungen gütlich zum Auseinander- gehe» zu beweg«», halfen in den meisten Fällen lewer sehr wenig Erfolg. Infolge des rücksichtslosen Vorgehens der LesatzungStruppen kam es zu unbeschreiblichen Szenen. Seit 7fl6r war bt# Telephon- und Telegraphenverckhr

vollständig eingestellt. Alle nach der Straße hinan»- gehenden Fenster durften nicht erleuchtet fein. Welche Fol­gen die Uebertretung dieser letzte» Anordnung nach sich' zieht, beweist die Rücksicht-losigkeit, mit der die fran­zösischen Truppen gegen Neugierige vorgehen. Man hörte aus den Straßen die entsetzlichsten Schreie der harmlo» etil dem Fenster Sehenden, auf die geschossen tvurde,

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Wie eine mehrheitSiozialistifche Korrespondenz erfährt, wird die Situation in Kattowitz vom Staafssekrefär für öffentliche Ordnung nach wie vor al» sehr gespannt und äußerst bedrohlich angesehen. Es ist auch heute noch nicht möglich, fchreibt dieDeutsche Allgemeine Zettg.", die Frage, wem an den Vorgängen in Kattowitz die Schuld aufzubürden ist, einwandfrei feftzustellen. Die Untersuch­ung wird jedenfalls von deutscher Seite rücksichtslos ge­führt werden. Die Vorgänge der letzten Tage haben gewiß das Blut der Oberschlefier doppelt in Wallung gebracht. Trotzdem müssen sie Selbstbeherrschung bewahren. Sio toetben volles Verständnis ihrer Lage im ganzen Deutsche» Reich finden. Gerade deshalb aber darf man ihnen gegenüber auch die Hoffnung anstzsrechen, daß ihrerseits nichts geschehen wird, was zu neuen Ksusiitteu führe» könnte.

^^8 : . Italien. -

Mailand, 19. Aug. DemEtornale b5talla" wird aus Valoua berichtet, daß die Regierung von Ti« rana bte Hilfe bet italienischen Regierung angerufen habe. Die albanische Regierung verlange, daß Italien einige Städte im Landesinnem wegen der gefährdete» Lage besetzen solle.

Mailand, 19. Aug. Der Streik der Hafenarbei. ter ist gestern in ganz Italien abgebrochen worden.

Mailand, 19. Aug. DerSecolo" berichtet über die bevorstehende Steife des ehemaligen Ministerpräsi­denten Orlando nach Amerika. DieTribuna" be­stätigt diese Meldung und fügt hinzu, daß Orlando von Wilson zu dieser Reife eingeladen worden sei.

-A:

Kleine Nachrichten.

Der österreichische Staafselat schließt für b;i« erste Halbjahr Ianuar/Jull 1920 mit einem Fehlbeiraß von 1854 Milliarden Kronen ab. Der Finanzminiftei erklärt, daß eine weitere Heranziehung der bisherigen' Steuerträger zu den Ausgaben des Staates kaum noch angängig erscheinen.

Bern, 19. Aug. Heute mittag ist Lloyd Georg« in Luzern eingetroffen.

London, 19. Aug. Lldamson und Eosling, dl« nach Frankreich gereiften Vertreter der englischen Ar­beiter, sind gestern Abend hierher zurückgrkehtt. Ueber ihren Aufenthalt in Frankreich verweigern sie Journa­listen gegenüber jede Auskiuift.

Paris, 19. Aug. (Havas.) Rumänien und Un­gar» hoben durch Bermitltiung Frankreichs die norma­len Beziehungen wieder ausgenommen.

Rewyork, 19. Aug. Nachdem die gesetzgebende Körperschaft des Staates Tennejee die bereits vom amerikanische» Kongreß angenommene Gesetzesvorlage betreffend die Einführung des Frauenstimmrech« tes ratifiziert hat, wird die Vorlage zum Gesetz. Dl« Zustimmung von 36 Staaten war erforderlich und Ten« itefce ist der sechsunddreißigfte.

B « d a p e st, 19. Aug. D«r Beschluß der National­versammlung, die Immunität Stefan Friedrich» aufzu­heben, wurde der Staatsanwaltschaft mifgetellt, worauf die strafgerichtliche Untersuchung gegen Friedrich einge- (eitet wurde. I

vorn Völkerbund.

Wie dieDaily News" erfährt hat die Arbeiter­partei Verhandlungen mit der ltkeralen Unterhaus- partei aufgenommen, bte die Einbeziehung der früher feindlichen Staaten in den Völkerbund anstreben. Die Borschlägr der Arbeiterpartei für die parlamentarisch« Aktion gehen dahin, daß die Aufnahme der frühere« Feinde in den Völkerbnd bis Ende 1921 ausgrfproche» werden soll.

Genf, 19. Aug. Der Welttircheukongreß nahm in feiner gestrigen Atzung eine Entschließung an, In der die auf dem Kongreß vertretenen 80 Kirchen do» 40 Nationen den Völkerbund begrüßen und sich zur vollen Unterstützung des Völkerbndes durch die Kirch« verpflichten. Die Kirchen verpflichten sich fernerhin, die Mitglieder der Kirchen mit dem Bewußtsein zu er- fülle», daß es ihre Pflicht fei, die Bestrebungen de» Völkerbundes zu unterstütze«.

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MdmeMzmMtt in Wmrft.

wb. Allen st ein, 19. Aug. Vizekanzler Dr. Sxiafct und der preußische Minister des Innern Severing trafen vormittags in Begleitung de? Oberpräsidenten Dr. Siehr hier ein. Der Rcgierungrpräsibent begrüßte di: Mimsirr in dem mit dem Vaterla we wieder i>erehn»teu Allenficin, wora-if der Minister des Innern erwiderte. Oüerpräsidrnt Dr. Siehr und Reichskomrnisfar v. Gayl richtete» Wurde des Dankes an die Veamt-n des Bezirks für ihre treu« Mitaibeit.

wb. Allenstein, 19. Aug. Den Auftakt zu bem heutigen Festtage bildete der gestern abend von den wieder eingerückten Reichsrrv'hrtruppen ausgeführte Zapfeuftreich, der von einer ungeheure.1 Menschenmenge begleitet wurde, Nach dem Vortrage mehrer Musikstücke vor dem Haus« des Reichs- und Staaiskvmmifsars Frhr. v. Gayl bo»