Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Tageszeitung für (bos früher kurhessische) Oberhessen
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Marburg
Donnerstag, 19. August
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/ Hebet die schweren Unruhen in Kattowitz ließen heute eine Reihe genauerer Meldungen vor, bfe zeigen, wie durch die alliierte Besatzung und hie Rahe des polnisch-russischen Kriegsschauplatzes Me Stimmung in Oberschlesten bis zur Siedehitze gespannt ist.
Kattowitz, 18. Aug. 10 Uhr vormittags. Die Lage ist ruhig, doch sehr gespannt. Hauptmann Leist, »jut-mt der ersten Abteilung der Sicherheitswehr, ist bei dem Versuche, die Menge am Bahnhofe zu beruhigen, durch Herzschuß getötet worden. Bisher Wat es unmöglich, die Zahl 'der Opfer einwandfrei kestzustellen, da die Tolen und Verwundeten zumeist b ihre Privatwohnungen geschafft wurden.
Wb. Breslau, 18. Aug. Der „Schlesischen Zeitung'^ zufolge wurde bei den Unruhen in Nybnik der Polenführer Dr, Rosaiuski-Poscn schwer verwundet.
Breslau, 18. Aug. Die Schießereien in i Kattowitz dauerten bis heute morgen 4 Uhr an. Auf französischer Seite hat es 13 Tote gegeben, au: deutscher Seite natürlich mehr.
Berlin, 18. Aug. Wie der preußische Pressedienst berichtet, sind bisher an Verlusten in Katto- witz gemeldet: 22 Zivilpersonen verletzt, ein Oberbeamter der Sicherheitspolizei tot, ein Unter- tramter verletzt.
B e u t h e n, 18. Ang. Nach einer 'Meldung Ser „Ostdeutschen Morgenpost" nnS Kattowitz ist die un- gchkuere Spannung des heutigen Nachmittags abermals zur Entladung gekommen. Gegen 6 Uhr nach- Aitlirg? »alte sich vor dem Hotel Derttsches Haus, s dein Sif der polnischen Plebiszitkommissariats, eine ungeheuere Menschenmenge angesammelt, die dort eht stroßes Äcissenlager vermutete und dessen Ausliese-
Der Bericht der Entene-Kommiffio«.
Kattowitz, 18. Aug. Eine von der interalliierten RegierungS- und Plebiszit-Kommission in Oppeln über die gestrigen Vorgänge gegebene Darstellung besagt u.a.: Den Anlaß zum Vorgehen der Kavallerie bot die Verwundung zweier Jäger durch die Menge. Der Sicherheitspolizei war es gelungen, die beiden Jäger zurückzubringen, von denen der eine einen Kopsschuß ausweist. Rittmeister L'Mlanz, der ebenfalls den bedrängten Jägern zu Hilfe kommen wollte ,wäre um ein Haar von der wütenden Menge gelyncht worden. Inzwischen drängten die Massen die Soldaten und die Sicherheitswehr immer mehr in das Haus der interalliierten Kommission. Plötzlich siel aus einem Hause gegenüber ein Schuß. Kurz daraus wurde eine Handgranate aus derselben Richtung gewvr- sen. Daraufhin feuerte der Posten vor dem interalliierten Gebäude aus eigener Initiative einige Schüsse ab. Es entstand zivar eine kleine Panik, doch kehrte die Menge bald wieder vor das Haus der Kommission zurück. Der Sanitätsrat Dr. Mileck, der in Gegenwart des Masors Hichsborg 3 Verwundete verband, wurde von der saria- lifierten Menge angefallen und erschlagen. In späte, Nacht staute sich eine riesige Menschenmenge erneut vor dein Hause der Kommission. I« Lause der Nacht wurde wiederholt aus den gegenüberliegenden Häusern ans da? Gebäude der Kommission geschossen. Auch Sprengstosse wurden benutzt, die aber wirkungslos explodierten. Inzwischen kam die Nachricht, daß der Posten im Bahnhof (20 Mann) heftig angegriffen weche und bereits einen Toten und eilten Verwundeten habe. Daraufhin ging eine Kompagnie zur Hilfeleistung nach dem Bahnhof ab. Sie wurde aber auf dem Wege dorthin von einem wahren Trommelfeuer von Handgranaten und Gewehrschüssen überschüttet. Erst mit Morgengrauen nahm die Schießerei ihr Ende. Auf Seiten der alltierteu Truppen sind an Verlusten zu verzeichnen 2 Tote und ein Schwerverletzter sowie 6 dichter Verletzte.
Wb. B e u t h e n, 18. Aug. Die interalliierte Kommission für Oberschlesten. erließ folgende Bekcknut- machuug: •
■ nmg forderte. Als ein Lastautomobil mit Sicherheitspolizei erschien und die Menge zerstreuen wollte, wurde plötzlich aus dem Hause das Feuer eröffnet.
i Die Straße war sofort leer. Jeder Passant war be- I droht. Als einige junge Leute mit Gewehren und Handgranaten erschienen, entwickelte sich ein regelrechtes Feuergefecht. Gegen 8 Uhr brach in den unteren Räumen Feuer aus. Ter Brand dauert an. Bon den Besatzungstruppen wurde nicht zur Wiederhcr- , stell una der Ordnung eingegriffen. Seit 9 Uhr ist die 'Verbindung mit Katrowitz unterbrochen. Im Keller explodierten Mnnitionsvorräte. Gegen 9 Uhr ergab sich die Besatzung der Sicherheitspolizei und die Feuer- Vehr ging an die Löschung und Festnahme der Besatz- XRg. Die letzte Phase deS Gefechts wurde von Sicher-- : hütßpolizei und Zivil geführt. 17 Personen find zur Zeit feftgeuonmien. Tie Akten liegen aus der Straße 'Die Stadt ist sonst ruhig. Die gesamte Bevölkerung ist trotz des Belagerungszustandes auf der Straße. Die Bes-itzungStruppen leerten in beit Kasernen gefallen.
tu. Kattowitz, 19. Aug. Zu den hiesigen Unruhen wird der Telezraphen-Union noch gemeldet: Von fan im Hotel „Deutsches HauS" verhafteten 17 Personen Jnttbe einer nu Ort und Stelle sofort standrechtlich er« schick en. weis er sich bei der Verhaftung zur Wehr setzte, ttoei Personen wurden von der erregten Menge sofort erschlagen. Von dem Hotel „Deutsches Haus" zog die Rengc nach der „Gazetta Ludowa", deren Räume voll- ßindig demoliert wurden. Die Maschinenteile wurden Ms >ic Straße geworfen. Andere Trupps zogen nach 'faktischen Geschäften und ein Trupp auch vor das Haus fas Polenfuhrers Capuicki, der der Menge aus dem Fenster vrtgegem'ak nnd durch provokatorische Reden die Menge *i°ie. sie sich anschickte, das Haus zu stürmen. In «fein Augenblick wurde ans der Wohnung geschossen. Ost Menge tll.'eb vor deut Hause stehen. Tie Schüsse ttmr - w# mmer mehr gewechselt, nm Mitternacht war die .«tio:: noch nicht beendet. Weitere Trupp? plünderten falnifche Geschäfte, darunter das Kaffee „Rheiigold", « gleiiSfalls einem Polen gehört. Die französischen, «saktingsirur'ven ließen sich nicht sehen. Die Be- «knitg und die Offiziere der ittteralliierten Kommission fabeit gegen Abend das Gebäude fluchtartig verlassen und « stehen nnd liegen lassen. Die Franzosen zogen TWgenö ab. sie wurden aber von der Masse, die sie bc- kssitete, übertönt mit deut Liede „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen". Das französische Militär hat sich *,bt» Kaseinen zurückgezogen und verbarrikadiert. Gegen- *ittig, um Mitternacht, ist in der Stadt Ruhe. Größere ■jfafammlungen iinbeu noch statt. Irgendwelche Aktionen stdd nicht zu erwarten. Es wurden polnische Stoßtrupps vwartet aus Dogutschütz. Diesen wurde von Kattowitz «* Sicherheitspolizei entgegengeschickt, begleitet ton bewaffneten Zivilisten, die die polnischen Stoßtruppes auf- faugen sollen. Es liegen Anzeichen vor, daß die Polen fate Gegenaktion planen, die weitere oberfchlesische Städte ® Mitleidenschaft ziehen würden. Gestern bat eine •tfaime Sitzung der Polenführer, hie wichtige Beschlüsse *faßt hat, getagt.
Wb. Berlin, 18. Aug. Wie aus Kattowitz von Mverläffiger Seite gemeldet wird, bericht die Mit- *ikung Wer die Entwaffnung der dortigen SicherheitS- Mizei auf einem Irrtum. Vielmehr wird darauf ver- W^en, daß das Vetchalten der Truppen in jeder Ansicht einwandfrei und korrekt war. i
Bon verschiedenen Seiten hat man das Gerücht zu verbreiten gefudit, daß die interalliierte Regieruugs- kommission au Polen während dec jetzigen schwierigen Lage Wafsenhilfe zu leisten beabsichtige». Man hat sogar behauptet, daß Truppenbewegungen zu diesem Zwecke begonnen worden seien. Das ist durchaus falsch. Diesen Tendenzge rächten zufolge sind große Protestversammlungen einberusen worden, gegen eine Handlung, die die Kommission nie unternommen hat und nicht einmal zu unternehmen beabsichtigt. Damit kann nur eine Störung des amtlichen Dienstes und eine Verwirrung des öffentlichen Lebens und Rechtes erzielt werden. Eine solche Agitation führt zu nichts. Sie kann nur der Hetzerei derjenigeu, die die allgemeine Ruhe stören wollen, ohne sich um die Wohlfahrt des Lebens zu lüimnent, dienen.
tob. Berlin, 18. Aug. Wie wir von zuverläsfiger Quelle erfahren, steht die deutsche Regierung seit mehreren Tagen mit bet interalliierten Kommission in Oppeln in Verhandlung über die Wahrung der Neutralität im oberschlesischen Abstimmungsgebiet. Tie inler» alliierte Kommission versicherte, daß sie etwa die Grenze überschreitende Truppen der kriegführenden Mächte ent- waffnen und internieren werde und daß sie auch jede Unterstützung der kriegführenden Mächte aus dem» Ab- stimmnngsgebiet heraus ober durch das Abstimmungsgebiet hindurch, wie zum Beispiel durch die Zufuhr von Munttion, Reknttientng usw. verhittder» würde.
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Zu den Unruhen in Kattowitz wiro in der „Ruich- schau" gesagt, daß die neuen Konflikte in unserer schon ohnehin gewiß schwierigen Lage zu bedauern seien. Andererseits aber zeugten diese Ausbrüche nationaler Leidenschaft von der Stärke eines gesunden Willens, die Gewähr dafür gibt, daß O verschiessen Deuischlaud bei der Abstimmung nicht im Stiche lassen wird.
Tie „Freiheit" steht auf einem anderen Standpunkt. Sie schreibt: Tas oberschlesische Proletariat hat lediglich dafür demonstriert, daß von dem fion- zösischcn Militär ebenso wie von der deurschen Regier- untg in dem Krieg Mischen Rußland und Polen voll- kommene Neittu,littst gewahrt bieibt. 3
Enthüllungen «der eine politische Geheim - organisation.
Berlin, 18. Aug. Wie die „Vossische Zeitung meldet, veröffentlicht die „Oberschlesische Volkszeitung" Dokumente, die das Bestehen einer groß angelegten lolnischrn militärischen Gehnmorganifation in Oder- chlesien turziveisesyaft beweisen. Daß bett amtlichen wutschen Stellen diese Dokumente in die Hände grollen sind, ist de» Polen bekannt. Daher hat schon am 15. August der „Bzierraik Berlinski" mitgcteilt, daß die Deutschen für die allernächste Zeit die 23er« öffentlichung einer neuen Reihe authentischer Asten einer polnischen Heeresorganisation vorbereiteten. Tas fetzt zur Kenntnis der deutschen Behörden gelangte Material deckt die gesamle groß-polnische Verschwörung bis in die kleinsten Einzelheiten auf und hat die Namen aller führenden Verschwörer und die Stärke und Art ihrer Bewaffnung verraten.
• Herr Korfanty lügt «eiter..
wb. Beuthen, 18. Aug. Der Leiter der polnischen Agilation in Oberschlesien, Korfanty, verbreitet einen Aufruf, worin von einer deutsch-polschewisti scheu Verschwörung und einer militärischen Geheim- Organisation die Rede ist. Diese Organisation betreibe .in Verbindung mit den politischen Parteien Oberschtesiens Sabotage gegen die Besahungstruppen. Die polnische Bevölkerung OberschlesienS wird auf- gerufen, sich bereit zu halten, um dir interalliierten Truppen zu unterstützen. Am Schlüsse des Korfanty- schen Aufrufes heißt es: Wir sind die Herren des Landes. Es wäre eine Schande, sich von einer Hand- boll zugelaufener Fremdlinge terrorisieren zu lassen. Seid besonnen und ruhig, zum Kampfe bereit!
Anmerkung des W.T.B.: In dem Ausruf werden Einzelheiten über die angebliche Geheiinorgaiiisgtion mitgeteilt. Sie soll ihren Sitz in der Königin Augusta» straße 38 haben. Auch werden die Namen der führenden Militärs genannt. Korfanty hat in seinem Eifer, eine deutsche Verschwörung zu entdecken, unter- lasfen, sich über die Tatsache zu unterrichten. Die von ihm angegebenen Namen treffen völlig zu. Es sind die Namen einer Ableitung des Neichswehrminifle-- riums und zwar der amtlichen Verbindungsstelle zu der Ententein's'iin. Die Verbindungsstelle hat ihren Sitz unter der von Korfanty mitgeteilten Adresse, nämiich im Reichswehrministerium selbst und nimmt dir ihr übertragenen Geschäfte auf legitimem amtlichem Wege wahr.
Kattowitz, 18. Aug. Die polnische Presse von Oberschlesien fordert die Ausweisung der landesfremden Leiter der deutschen Zeitungen, der Redner in den Volksversammlungen und der Veranstalter der gestrigen Unter- nchmnitgen, ferner die Ausweisung sämtlicher in den letzten 2 Jähren zugezogenen Deutschen, sofortige Auslösung der SicherheitÄoehr und der deutschorieniierten Feuerwehren, Entfernung der am Streik beteiligten Eisenbahn- und Postbeamten sowie Einsetzung von all'ierten oder polnischen Kontrolleuren bei den Eisenbahn- und Poftbetriebeu.
WWm LWS sßk die Wie».
Eine siegreiche Gegenoffensive?
wb. Puris.', 18. Aug. (HavaS.) Ter Sonder- öerichterstatter des „Petit Journal'' in Marschau telegraphiert seinem Blatte untcrm 17. 8. abends: Die Lage an der politischen Front hat sich bedeutend gebessert. Die von den Polen unter Mitwirkung fran- zösischer Offiziere unternommene Gegenoffensive ent» toisdi sich mit großem Erfolg. Tie Dolschewisteu wurden auf der ganzen Äordsront zur.'ickzejchtagen. Marschau ist entlastet und außer Gefahr.
wb. Paris, 18. Ang. (Havas.) Der Korrespondent des „Echo de Paris" gibt Einzelheiten über die siegreiche Gegenoffensive der Polen. Hauptsächlich an drei Punkten entwickelte sich der Gegenangriff. Im Zentrum seien dis Polen bis zum Zusammenfluß von Bug und Narew vorgedrungen. In der Nacht zum IG. August seien die Polen aus Modlin (Rotoo- gcorgiews!) hervorgebrochen und hätten die Loische- wisteu auf den Narew zurückgeworsen. Der Hrücken- kopt von Sereck sei genommen.
Der Berichterstatter fügte hinzu: Ter einstweilige Erfola der Gegenaktion sei die Entlastung Warschaus. < könne aber auch die Einschließung der Bolschewisten iveid: sich in der Krümmung von Bug und Narew besinsen, zur Folge habeit. Gleichzeitig mit der Entlastung Warschaus leitete General Pstkudfki atq dem rechten Flügel die Gegenoffensive tu Richtung Stift- silowsk ein, die den Bolschewisten vollkommen über.' rastcheud war. Der fliehende Feind ließ bedeutendes Material im Stich. Noch den letzten Nachrichten hat di» Armee Pitsudsu die Linie Garwolia—Teleschow errenhi. Auch auf dem äußersten linken Flügel in der Richtung des polchfchru Korridors setzt eine dritte Gegenoffensive ein.
tob. Paris, 18. Ang. (Havas.) Tie auS Polen kommenden Nachrichten über die Lage Polens sind vrruhigeuder. Tie zur Entlastung der Stadt Grau- dcnz uitternonnuene Gegenoffensive ist geglückt. Die Verbindung mit Danzig ist nicht mehr bedroht und die Züge können wieder bis Strasburg fahren. Die aus Thor» eingetroffenen polnischen Truppen haben zegeu Osten hin weitere Fortschritte gemacht.
tob. König 5 berg i. Pr , 18. Ang. . Lagebericht. Die Eisenbahnlinie Teutfch-Eylau - Thorn ist über- chritten. Bolschelristische Truppen erreichten Lessen irnb Rehden. Südlich Bffchofswerder ist russische Kavallerie anfgetretcn. Granden; wird mit Hilfe der Zivilbevölkerung beschleunigt firmiert. Der Bahnhof Wlzlatoek liegt unter russischem Artillerie feuer. Südwestlich Ciechauolv ist ein. EittlastnngSstoß des polnischen Nordflügels zum Stehen gebracht worden. Ciechanow ist in den Händen der Bolschewisten. An »er Nordostfront von Modlin nnd der Ostfront von Warschau halten die starken bolschewistischen Angriffe
Der Gegenstoß bei polnischen Zentrums aus
der Linie Warschau—Jwangowd u:td der FlankenstoG nördlich des Oberlaufes der Wieprz gewinnen <m B*» den. Kämpfe bei Nowo—Minsk, nördlich von Zel« kechaw und bei Luknow. An der Südfront örttichl Kanrpfhandluttgen.
Amsterdam, 18. Aug. Der ,,Times"-Kor» respondent in Konstantinopel telegraphiert, daß ein großer Teil des Gebietes der Donkosaken n8rb* lich Rostow seine Unabhängigkeit proklamiert und ein Bündnis mit General Wrangel abgeschlos» sen hat.
tob. Moskau, 18. Aug. Die Sonderkommission |Ut Untersuchung der Polengreuel besuchte die Ortschaft ftoi» banowo, 35 Werst von Minsk, und stellte die Spuren der Zerstörung durch die polnischen Truppen fest. Bom Babnbos und Bahnhofsgebäude ist nichts übrig geblieben. Von 700 Häusim unb Läden sind 300 dank ungeheurer Lösegelder verschont geblieben. Die Polen plünderten Häuser und Warenlager, begossen die Häuser mit Petroleum, zündeten sie an und verhinderten das Löschen. Bon den Feuertoehrwagen waren die Räder entfernt In eines der brennenden Häuser wurde eine 75jährige Fran geworfen, die dort lebendig verbrannt ist. Anher- dem erntordetxn die Polen noch 16 Mann. Sie verhöhnten die Greise, rissen ihnen die Bärte und Haare aus und forderten al» Lösegeld 500 Mark. Frauen und Mädchen wurden vor den Augen der Bevölkeru.-rg ver- gttvalligt. Die jüdische Bevölkerung hatte besonders zn leiden Alle Pferde, Bich und Gesiügel wurden mitgenommen. Rach Verübung dieser Greueltaten zogen die Polen ab, während die eiurückende rote Kavallerie mit großem Jubel als Befreierin begrüßt wurde.
Die russische Armee.
wb. Paris, 18. Aug. Die in Paris erschein nendeu „Russifchen Neuesten Nachrichten" veröffentlichen ein Dekret Trotzkis, das die Hinrich- tung der Führer der dritten Armee wegen einer an der südlichen Front erlittenen Niederlage an* ordnet. Es feien füsiliert worden: General Cwietfchnikow, der politifche Kommissar Markow, der Intendant Kutkow und der Direktor des Propagandadienstes Swestianow. Für die Richtigkeit dieser Nachricht muß den „Ruff. Neueft. Nachr/di«, Verantwortung iiberlaffen werden. ;■>>
* • j.
wb. London, 18. Aug. Nach in London ettt« gegangenen offiziellen Nachrichten aus Moskau be« > gann die russisch-polnische WaffenstiNstandskom« Mission am Dienstag nachmittag um 7 Uhr und vertagte sich kurz darauf auf Mittwoch.
wb. London, 18. Aug. Havas meldete Eino offizielle Moskauer Depesche über die russisch-polnische Waffenstillstandskonferenz besagt, daß nach dem Aastaufch der Vollmachten der Vorsitzende der russischen Delegation, Danischewski, eine Rede hielt, in der er die russische Friedenspolitik betätigte, insbesondere die Absicht Sowjetrutzlands, sie Souveränität und Unabhängigkeit Polen» und ein Recht auf Selbstbestimmung seiner Regie« ungsform zu achten. Gleichzeitig erklärte er, datz Rußland Polen größere territoriale Vorteile bte- en würde als die Entente. y
Polen lehnt die russische« Bedingungen ab. ?
tu. Zürich, 18. Aug. DaS Polnische Pressebüro meldet: Obwohl die polnische Regierung seit Be- auniwerde» der russischen Bedingungen noch nicht offiziell zu diesen Stellung genommen hat, ist die öffent- iche Meinung überzeugt, daß die polnische Antwort nur eine entschiedene Ablehnung sein kann.
wb. London, 18. 91*40. Der Korrespondent bei „Dailv Herald" in Minsk telegraphiert seinem Blatte: Dänisch kewitsch, der Borsitzende der russische« Frie- lensdelegation, erklärte: Sämtliche Zusammenkünfte >er Friedenskonferenz werden öffentlich stattfinden. Mr bealffichtigen nicht die Politik deS Geheimhaltens und >es Zwanges, die in Versailles befolgt wurde, nach- zuahnen. Wir werden auftnerksam auf alle polnischen krgurneitte hören, und wenn wir auch hoffen, daß ine bereits veröffentlichten Bedingungen Annahme finden werden, so beabsichtigen wir doch, ehrlich gemeinte Annäherungsvorschläge nicht abzulehnen. Rußland wünscht aufrichtig den Frieden und wird sein Bestes tun, um ein Mißlingen der Konferenz zu vermeiden. Der allgemeine Grundsatz der russischen Politik ist die vollständige Anerkennung von PolcnS Souveränität und Unabhängigkeit.
tu. Paris, 18. Aug. Die Räte-Regierung hat ein Rotbuch mit Dokumenten heransgegeben, das die Vorgeschichte des polnisch-russischen Krieges betrifft. Tie Einleitniig hat Tschitscherin geschrieben. ,
* Wieder eine französische Hetzente.
wb Berlin, 19. Aug. Die Pariser Preffe veröffentlicht eine Nachricht aus Warschau, wonach zwischen Denffchland und Sowjetrußland ein Luftdienst organisiert sei und daß deutsche Flieger den Auftrag hätten, die militärischen Bewegungen in Polen und den Zustand der dortigen Verkehrswege zu beobachten. — Dazu ist zu bemerken, daß ei« organisierter Luftdienst zwischen Deutschland tmü,