Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen
%. 185
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Marbrrrg
Mittwoch, 11. August (emting.)
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55. m 1921
Polnische Brutalität gegen Deutsche
S.' haltlos Polen auch vor dem Vormarsch der rnssi- fchchl Truppen znsammenbricht, seine Kraft scheint immer noch auSznreichen, um die Deutschen, die ihm s durch den Friedensvertrag zum Opfer gefallen sind, gu schikanieren und zu quÄen. In Danzig ist ein deuischer Arbeiterführer des Nachlß vom Lager hinweg verhafte! worden und zwar auf Grund einer Bekanntmachung, die jeder antipsluischen Agitation schärfste Strafe androht. In anderen Bezirken des ehenialigen Vestprenßens werden die Deutschen sogar kurzerhand init Erschießen bedroht. Aus Posen veröffentlicht die „Germania" eine Zuschrift, die auch in diesem ehe» M'igen deutschen Gebiet das Schreckensregimen! der Polen in voller Blute zeigt. Die Politik der Polen läuft daraus hinaus, auch den letzten Deutschen durch Quälereien aus dem Laude zu vertreiben. Der deutsche Kruildbcsitzcr und der deutsche Gewerbetreibende werden durch Jnstizverbrechen aller Art geknebelt. Vor dem polnischen Gericht ist jeder deutsche Angeklagte von - vornherein verurteilt. So wurde ein deutscher Industrieller, dessen Betrieb mit einem Sägewerk vcr- dnnderr ist, wegen angeblichen Holzwuchcrs in Pofen vor Gericht gestellt und trotz aller Gegenaussagen deutscher Zeugen zu zwei Monaten Gefängnis, 100 000 | Mark Geldstafe und zur Konfiskation seines Holz- , lagere im Werte von zwei Millionen Mark verurteilt. i.Ruf Grund diese? Urteils, gegen daS Revision eingelegt worden ist, wird das Holzlager des deutschen Jn- dnsiriellen von Polen einfach geräumt. Dies nur rin Beispiel von zahllosen ähnlichen Fällen, die sich tagtäglich in dem ehemaligen preußischen Gebiet er» | eignen. Latsche können keinen Grundbesitz erwerben, ■ und auch ans Nachkommen können Grundstücke nicht lüberschrieben werde». Ter Schriftwechsel mit den Be- hördeit, die Gerichtsverhandlungen werden nur in polnischer Sprache geführt. Dabei sind die Deutschen ständig Denunziationen und Haussuchungen ausgesetzt. Der deulfchc Landwirt wird bei der Absiesernug genau
• kontrolliert, aber bei der Verteilnrzg V9#t Kohlen, Holz 1 nstv. erst in zweiter Linie berückjichtigt. Noch schlimmer -ergeht es dem Kaufmann, dem Gewerbetreibenden und kHandwerker, lieber ihnen schwebt ständig das Damok- es-Schwert des Wucheramtes, und Denunziationen liten das ihrige, um sie bei jeder Gelegenheit vor Gericht zu bringen. Ja sogar Spitzel werden eigens ; ansgefchickt, um Scheinkäuse zu tätigen, und neue Opfer zu suchen. Jedes Mittel ist recht, nm die Veul- : scheu vor Gericht zu schleppen, und zur Verurteilung zu bringen, uub jeder deutsche Angeklagte ist von vornherein zur Verurteilung verdammt. In der Zu- schrifr an die „Germania" wird mit Recht gefragt, warum denn in Deutschland keine Gegenmaßnahmen gegen diese polnischen Gemeinheiten ergriffen werden. Kn Deutschland sind nicht nur zahlreiche Polen im gewerblichen Leben tätig, sie erhalten auch tagtäglich durch pelnische Masseneinwandernngen Zuzug. Tenn der Pole findet immer noch, daß es ihm in Deutschland besser geht als in seinem, dem Zusammenbruch geweihten, eigenen Lande. Die polnischen Behörden aber »Weinen gerade, je mehr die eigene Herrlichkeit zu 'fcuu„:cufinkt, mit nm so stärkerer Wut das Deutschtum • zu verfolgen, das der schmachvolle Frieden voir Versailles ihnen in die Hand gegeben hat. Diese politischen E „Kraftäußeruiigen" verdienen wirklich endlich einen gründlichen Dämpfer. Die Zuschrift, die die „Germania" aus Posen veröffentlicht, schließt mit einem Verzweislungsschrei des gequälten Deutschtums an die deutsche Regierung und an jeben einzelnen Deutschen ohne Unterschied der Parteien um Hilfe und mit der Bitte, die Polen in Deutschland ebenso zu behandeln wie die Deutschen in der ehemaligen Ostmark behandelt werden. Ter Minister Simons hat ja auch einmal im Reichstag mit Gegenmaßregeln gedroht. Ist cS r dafür nicht endlich an der Zeit oder sind wir wirtlich
In Deutschland so tveit gekommen, daß wir einen Staat .-gegen unsere preisgegebenen Volksgeiwsfen ruhig wüten -kaffen, der noch im Zusannnenbrechen Fußtritie gegen
Deutschtum austeilt.
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Str mW-MWA Stieg.
»ob. Warschau, 10. Aug. (Reuter.) Ter Hccccs- Bei ich: meldet, daß die Bolschewisten Siechanow ge- ««omiuen haben, und dadurch ein? der beiden Nsenbahn- Wnicn von Danzig nach Warschau abgefchnitten haben. ’ wb. Berlin, 10. Aug. Verschiede::? Abendblätter z Melden von der ostpreußifchcn Grenze: Tie Russen stoßen an der Nordsront, nachdem es ihnen gelang, ■ Bie direkte Bahnverbindung Warschau- Mlawa—Tan- - »ig zu unterbrechen, weiter in der Richtung auf Thorn idor, um auch die andere Eisenbahnverbindung zwischen
3 und Warschau über Bromberg und Thorn zu j Unterbinden. Zu diesem Zwecke wurde der russische Mordslügel durch neue Truppen außerordentlich ver- ! start:. Der polnische Nordflügel, der an großem Muni- Donsmangel leidet, befindet sich in völliger Auslösung. s-Awischen Oflrolenka und dem Bug brachen die Polen
eine große Schlacht ab, nachdem ihr kurzer Widerstand stand bei Nostrow gebrochen »nur. Auch auf der Süd« front, wo die Polen sich noch am besten gehalten hatten, scheint ihr Rückzug haltlos zu werden.
Nach dem „Temps" glaubt man, daß eine Schlacht vor Warschau bevorstehe, wenn nicht die morgen bc- ginnenden Verhandlungen zu einer raschen Untec- zeichuung der Friedenspräliminarien führen.
kg. Königsberg, 11. Aug. Nach einer Meldung aus Thorn ist über Granden» tE'Bclaarrungszustand erklärt worden. Alle Ausländer haben sich innerhalb 24 Stunden bei den militärischen Behörden zur Kontrolle zu melden. Der Vormarsch der Russen gegen Thorn hat am Montag Lipno erreicht.
kg. Kopenhagen, 11 .Ang. Tie „Berlingske Ti- dende" meldet aus Warschau: Ostrow ist von den Polen geräumt.
kg. Wien, 11. Aug. Die „Allgem. Ztg." meldet aus Lemberg: Die Festung Luck ist von den Russen besetzt worden. Der russisch? Druck auf Lemberg verstärkt sich mit jedem Tag.
kg. Genf, 11. Aug. Havas meldet au? Warschau: Der nifssiche Vormarsch auf Thorn und Bromberg bat den Wlawo nicht überschritten. Die Lage vor Warschau ist unverändert. Die Polen halten dir Bahnlinie Warschau—Makin.
Kopenhagen, 10. Auz. Nach einem Telegramm aus Warschau wird amtlich gemeldet: Feindliche Reiterabteilungen üben fortdauernd einen Druck auf die Polen in der Richtung von Mlawa aus. Eischonow wurde heute beseht. Nördlich von Brotzy greift der Feind in westlicher Richtung an. Die Polen warfen den Feind aus Nadziwillow, erbeuteten eine Batterie Geschütze und auch Maschinengewehre. Lemissowfki ist zuriickgetreten und durch General Sotuckowfki erseht worden.
Basel, 11. Aug. Das polnische Prestebüro berichtet aus Warschau: Die rote Armee wird seit drei Tagen umgruppiert. Aus dem inneren Rußland sind starke Kräfte im Anmarsch. Der allgemeine An- grisf auf Warschau wird von der rufsischen Nordarmee vorbereitet. Aus vorgefundenen Tagesbefehlen geht hervor, daß die Hauptstadt durch konzentrische Angriffe von Normen, Osten und Südosten eingenommen werden soll. ’ <
r tob. Kopenhagen, 10. Aug. Hier sind zwei englische Kreuzer tnib vier Zerstörer eingeicossen und man nimmt an, daß sie in den nächsten Tagen nach dem
Baltischen Meer in See'gehen werden,
Basel, ll^Augi Der „Warschauer Kurier" meldet, daß der englische Botschafter im Namen seiner Regierung dem polnischen Ctaatsprästdentcn offiziell mit- teille, England fci gegenwärtig außer Stande die verlangte Truppen Hilfe zu gewähren.
A m st e r d a m, 9. Aug. „Het Volk" meldet aus Rotterdam, daß die an Bord des nach Danzig bestimmten Dampfers „Echo" befindlichen 401 Kisten Gewehre und Maschinengewehre für Polen bestimmt feien. Der Kapitän gab das Versprechen, sogle'ch Befehl zu geben, die Kisten von Bord schassen zu lassen.
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wb. Danzig, 10. Ang. Die polnische Regierung unlerbüitb den gesamten privaten Fencfprech uns Telegraphen verkehr mit Polen.
wb. Amsterdam, 10. Aug. Der Korrespondent der „Times" in Warschau telegraphierte am 8. August die polnische Regierung solle nach amtlichen Mitteilungen nach Polen übersiedeln. Einige Minister haben jedoch geäußert, das; die Negierung voriäujig in Warschau bleibe. Dor Korrespondent bemerkt, daß man im Folie des Weggangs die Gesahr befürchte, daß in Warschau eine neue Negierung gebildet werden könnte,
wb. Paris, 10. Aug. Havas berichtet aus Warschau: Das Arbeiierkomilee zur Verteidigung Warschaus veröffentlicht einen Aufnif an das polnische Proletariat, gegen die Bolschewisten vorzugeheu, und fordert die Proletarier auf, sich mit Gewalt zu roiber» sttzrn. : .. -
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Amsterdam, 10. Aug. „Telegraaf" meldet aus London: Die polnischen Parlamentäre haben gestern Abend Die russische Linie passiert.
Ivb. Rotterdam, 10. Aug. Der Londoner Korrespondent des „Manchester Guardian" erfährt, wenn Polen den auf der Konferenz in Minsk gestellten Friedensbedingnngen nicht int voraus zustimme, so würden die Wasfenstillstandsbedingungen sehr strcicg sein. Wenn Polen sich dagegen den VorfriedenSbeding- ungen unterwerfe, so würden die Waffenstillstandebe- dingungen nicht hart feilt Die grundsätzlichen Bedingungen, welche Polen vorgelegt würden, seien folgende: Das polnische Heer wird auf Friü>ensfnß gebracht, Polen nimmt kein Kriegsmaterial irgend welcher Art von den Ententemächten an, die russische Regierung wird dafür der polnischen Regierung versprechen, daß Polen günstigere Grenzen erhalten wird als die durch den öberflen Rat festgesetzten. Weitere Bedingungen -finb nach dem „Manchester Guardian": freier Handelsverkehr durch Polen und ein« Amnestie für polüifche Verbrecher, .
Das GrteJiis iet finiten m Me geht dahin, daß die Entente nun eine kriegerische Unter- tützimg der Polen nicht will, weil sie zunächst gar nicht kann. Das stärkste Drohmittel ist auch jetzt wieder die Blockade, zu der man auch gern Deutschlands Mitwirkung sähe, wie bereits in der Presse ausgesprochen wird. Diesen Verstoß gegen das Nentral-täts- iriuzip wird sich aber Deutschland nicht zu Schulden kommen lassen. Ob die Blockade freilich Wirkung haben wird, da die Handelsbeziehungen ja überhaupt noch gar nicht in Gang gekommen sind, ist noch mehr als fraglich. Di« französische Presse selbst bezweifelt daS. Ter „Mattn" verlangt gegen die Bolschewisten die Mitwirkung Deutschlands an der Blockade aber nicht ans dem Boden der Gleichberechtigung. Er sieht das Gleichgewicht Europas gestört, wenn die Sowjets die Rückgabe von Danzig, Posen und Sd)iefien Vorschlägen würden. Ucberall erscheint iür die sranzösisch« Presse das Gespenst Deutschland. Deutschland werde übcnoacht, von ihm allein werde es abhäiige», wie man sich ihm gegenüber verhalten solle. Immer wieder taucht das Gerede von. cinet-4$einu8fc; Verständigung zwischen Deutschland und Rußland ailfk gegen bas die Franzosen besonders Vorgehen wolien. — Daß Wilson sich gegen die Polen ausgesprochen hat, fällt den Franzosen sehr auf die Nerven. Der „Temps"' fragt, ob Wilson denn vergessen habe, daß der Frieden von Versailles sein eigenes Werk fei. Die Sowjetregierung sei eine Militärdiktatur und zwar die imperialistischste, welche die Welt je gesehen hat.
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tob. Paris, 10. Aug. Ter Berichterstatter der Agence HavaS meüret aus Hythc, die 6eiben Ministerpräsidenten hätten die Zwangsmaßiuihmen gegen Sowjet- rußland gebilligt, jedoch würden diese Zwangsmaßnahmen nicht zur Antvendung gelangen, bevor nicht den Bolschewisten eine letzte Gelegenheit gegeben werde, ihre angeblich Mäßigung zu beweisen. Anr Mctrwoch werde in Minsk die erste Zusammenkunft der russischen und polnischen Unterhändler ftattfinbeh. Wenn die Bolschewisten Polen Bedingungen anbietcn würden, die die territoriale Integrität und seine politische Unabhängigkeit antasteten, dann
sprachen habe. Jedoch sagte Millerand, der Vertrag box Versailles habe Polen unabhängig gemacht. Das würdet aufrecht erhalten werden. Er habe ferner Polen West« grenzen gegeben, die nicht nur dem eigenen Schutzs sondern auch der Sicherheit Europas dienen sollten«1 Auch diese würden aufrecht erhalten werden. Zum Schlug betonte Millerand, er sei nicht die Rede davon, daß Frankreich mobilisieren werde. , jt
Lloyd George im Unterhaus. ''""'li
tob. London, 10. Aug. Im Unterhaus wurden über die rusfifchemAugelcgenhcit zahlreiche Fragen an Bonar Law gerichtet. Dieser gab bekannt, der Premierminister werde morgen eine Erklärung abgeben. Es besiehe nicht die mindeste Gefahr, daß das Haus sich einem Krieg« gegenübersehe, ohne daß vorher nicht genügend Gelegenheit zur Erörterung der Lage gegeben sei. Clyncs meinte, ob dies so aufzusassen sei, daß teilte Vorbereitungen für kriegerische Maßnahmen getroffen würden. Bonar Law entgegnete, das hänge davon ab, was man unter solchen Maßnahmen verstehe. In Erwiderung auf ttne andere Anfrage bemerkte Bonar Law: Ter Premierminister legte in den letzten Wochen ausdrücklich dar, daß wir nufere gcgemvärtigen Schritte au? Besorgnis dasür unter- nehme», daß die Bolschewisten die Unabhängigkeit Polens vernichten könnten und um unser Möglichstes zu tun, damit Polen vernünftige FriebenSbedingtingen erhält.
Wilson gegen Polen.
«ob .Paris. 10. Aug. Nach einem Telegramm bc8 „Echo de Paris" auS Washington wird als Ergebnis der Beratungen im Weißen Hause, an der Wilson, Staatssekretär Colding und die Unterstaatssekretäre David nnd Baincrig teilgenommen haben, eine Erklärung veröffentlicht, in der gesagt wird, die russische Armee sei nicht bolschewistisch, sondern sie sei «Ine russische Armee, deren Gencralstabschrf Brussilow, einer der bcdeuteubsten Offiziere drS alten Regimes ist. Die Russen verfolgten kein« territorialen Eroberungen und man müsse zugestehcn, daß sie die Souveränität Polens nicht antasten wollen. Die Amerikaner wünschten, daS russische Gebiet sicher;«- stcllen. bis das russisch« Volk seine inneren Augelegenheiten geordnet habe. Dadurch hoffe daS amcrikauifche Volk die Wiederherstellung des Friedens und die Ordnung in Rußland zu beschleunigen. DaS Blatt schreibt zum Schlüsse, daß also di« Vereinigten Staaten gegen Polen Stclkung geonmmen haben.
werde die Haltung der Alliierten notwendigerweise davon beeinflußt lverden. Als Maßnahme soll nach dem Berichterstatter die effektive Blockade Rußlands namentlich im Bciltffckirn Meer in Aussicht genommen sein. Amerika und die Rußland beuachbarten neutralen Staaten wie Schweden, Norwegen und Dänemark würden auigcforbert werden, leine Produkten, Nahrungsmittel und keine Munition nach Rußland zu feiiben; nötigenfalls würden die Alliierte,! auch Deutschland zur Mitarbeit aussordern, um Rußland auch von der Landseite her zu isolieren. Eine andere Maßnahme werde darin bestehen, gegen Sowietrußland mit Hilfe der vom ehemaligen russischen Reich getrennten Staaten, tote Lettland, Litauen, Kaukasien und Aserbeidschan eine Defensiosront gegen Rußland aufzurichten. Das Heer deS Generals Wrangel, das von ott französischen Regierung unterstützt tverde. solle von England Kriegsmaterial erhalten. Polen werd« ferner niaterielle und moralische Unterstützung von den alliierten Regierungen erhalten, damit es seine Unabhängigkeit aus- recht erhalten könne. Wenn der Korridor durchschnitten •würbe, werde das Kriegsmaterial über die Tfchecho- Slr'wakci befördert werden. Tie Entsendung französischer unö englischer Truppen nach Polen fei nicht beabsichtigt. Wenn die Svlojetregierung in ihrem Widerspruch ver- liaice. würden Kamenew und Krassin ausgesordert werden, inuerhalb 8 Tagen London zu verlassen. Die Konserenz habe auch einen Augenblick darüber unterhandelt, ab man die Regelung des Polmsch-russischen Streites dem Völkerbund zuweisen solle, aber man habe sestgestellk, daß diesem iwch die notwendigen Aktionsmittel fehlen, und daß man vielleicht zu einem für die Zukunft des Völkerbundes tznaugenehmen Mißerfolg kommen könne.
wb. Paris, 9. Aug. Der „Temps" meldet über die Verhandlungen von Htzthe noch: „Die zum Schutze Polens zutreffenden Maßnahmen waten gestern abend Gegenstand xiner gründlichen Prüfung durch die Mar- fchäile Foch, Wilson uni) Admiral Beatty. Die Besprechung dauerte bis lange nach Mitternacht. Es wurde vollständige Ilebereinstimmung unter den Militär- und Marinefachverständigen erzielt. Der von ihnen ausge- erbeitete Plan zum Aufhalten des Vormarjches der Bol- fchewisten wurde heute morgen dec Konferenz unterbreitet. Alles, waS man über diesen Plan weist- ist. daß die englische Marine eine bedeutende Rolle spielen wirb. Man erwartet in England eine unmittelbare Mobilisation der Streitkräste, um eine engt Blockade ganz Rußlands aus- zurichten, an der sich auch Frankreich beteiligen würde."
wb. Amsterdam, 10. Aug. Der „Telegraas" ctrsährt aus Hvthe von gut unterrichteter Seite eS bestehe Grund zur Annahme, daß die Atliiertcn beschlossen hätten, Polen durch technische Ratgeber, durch Mnni- tionLsendungen und möglicherweise durch einige Maßnahmen zur See zu unterstützen, nicht aber durch die Entsendung von Truppen. Tic Konferenz zwischen den polnischen und rufsischen Vertretern wird am Mittwoch in Minsk stattsinden. Kamenew und Krassin werden in London bleiben, um die englische Regierung über die Besprechungen in Minsk aus dem Lausenden zu halten.
wb. Paris, 10. Aug. Aus der Reife nach Paris gewährte Millerand einem Vertreter des „Echo de Paris" eine Unterredung, worin er erklärte, er habe Lloyd Gcorze das Versprechen gegeben, über Hythe keine Mitteilungen zu machen bctzor Lloyd Gcvrgr nicht im Unterhause ge-
England.
Die irisch« Frag«.
wb. London, 10. Aug. (HavaS.) DaS Unterhaus stimmte in zweiter Lesung der Gesetzesvorlage übe« die Wiederherstellung der Ordnung in Irland zu. ■
London, 10. Aug. (Reuter.) Erzbischof Man- nix, der durch sinuseinerfreundliche Rüien in Amerika bekannt geworden ist und dessen Landung in Irland durch die englische Regierung verboten wurde, ist heute in Penzance durch einen Zerstörer, der ihn von den! Dampfer „Baltic" übernommen hatte, gelandet worden. Ter Erzbischof reist nach London weiter. Die Irländer in Liverpool halten eine Massenkundgebung anläßlich der Ankunft des Erzbischof- veranstaltet.
wb. London, 10. Aug. Der Erzbischof Maunix traf in London ein und wurde nach einem unbekannte« Aufenthaltsort verbracht. In den Straßen von Dublin wurden gestern Abend zu Ehren der Erzbischofs Mannix Frendenfener angezündet. Als die Menge sich weigerte auseinander zu gehen, feuerte» die Truppen. Eine Person wurde getötet und mehrere verwundet.
wb. Amsterdam, 10. Aug. Nach einer ergänzenden Meldung zu dem Landungsverbot des bischoss Mannix in Irland wird noch berichtet, bag der Dampfer „Baltic", als er sich gegenüber Queenstown befand, in der Nacht zum 9. August von einem englischen Zerstörer angchaltr» tourde. Zwe! Offiziere begaben sich an Bord bc5 Schiffes und übergaben Maw- nix zwei Schriftstücke, loovon das eine von dem Oberbefehlshaber in Irland, daS andere von Sir Henry SSiljotv unterzeichnet war. In beiden Schriftstücken wurde erklärt, daß daS Auftreten des Erzbischofs in Irland und anderswo Unruhen verurfacht habe. Es sei deshalb beschlossen worden, daß sich dec Bischof nicht nach Irland, sondern nach Liverpool, Glasgow oder Manchester begeben dürfe. Im übrigen habe et in allen anderen Teilen Englands und Schottlands Bcwegungssreiheit. Manul; weigerte sich zunächst, das Schiff zu verlasse», folgte dann aber den Ossizieren an Bord des Zerstörers. .
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Aus dem Saargebiet.
Saarbrücken, 11. Aug. Die Gaanegierung uct« öffentlich! eine Proklamation, in der sie erklärte, Millionen Mark feien von der deutschen Regierung für die Unterstützung der Unruhe-Aktion bereit gestellt worden. Das fel durch dos Material, das ihr in die Hand geflogen fei, bewieicn. Mit aller Schärfe werde gegen die Wühlarbeit vargegangen werden. Die Proklamation ist von Roul unterzeichnet. Dir Ausgänge der Stadt Saarbrücken sind gesperrt. Der Generalstreik steht bevor. Berittene Militärpatrouillen streifen durch die. Wälder. Die Beamten, dir gesteri; nicht zum Dienst rrschienen sind, werdey entlojjtl und ihr Eigentum beschlagnahmst, <