Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Tageszeitung für (das früher kurheWche) Oberhessen
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Marburg
Dienstag, 10. August ($rntma.)
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■F Ji: Versailles und Spaa sahen wir die Diktatoren der Welt einem atmen Sünder, der sich nun gar «ich» wehren kannte, sein Todesurteil diktieren. Auf di« Apnferenz. in Hythe möchte man das schöne Lied ’ dntoenben: „am Präsidium sitzt ein Greis der sich nicht zu Helsen weiß." Ratlos steht die Entente der Ver- nichtung Polens und dem russischen Problem überhaupt gegenüber. Wo sie zum erstenmale wirklich Macht wieder feinten lernen, bei der ihre wühlende ,Phrasenpropaganda nichts nützt, sind sie hilfslos. Der 'Versuch, den Russen zu imponiereu oder ihnen durch Entgegenkommen zu schmeicheln, gleitet an diesen i zielbewußten Köpfen al'. Die Russen führen durch was ' sie wollen; zunächst die Vernichtung Polens, sie werden dann die Randstaaten-Politik in ihrem Sinne lösen itnb nicht ohne Grund fürchtet England um seine asiatischen Besitzungen. Leuten die ein so klares Pro- tzramui haben, kann die Propaganda des Herrn North- - küsse nichts anhaben. Vor einem Kampf mit Rußland scheut England noch zurück und Polen wird uou
■ der Entente ausgegeben werden müssen, weil die geographische Lage eine Unterstützung in der Kürze der Zeit ganz unmöglich macht. Wenn man in Deutfch- .land mit berechtigter Schadenfreude die absolute Hils- ilosigleit der Entente gegenüber den neuen Problemen beobachtet, so läßt sich doch nicht verkennen, wie ge- fahrvokk die Lags gerade deshalb auch für uns ist. .Die Regierung bemüht sich daher, und mit Recht, forlgtsetz! darauf hiuzuweisen, daß wir als neutrales Land, bei unserer Lage ganz besonders vorsichtig sein müssen. Die Hetze der Pariser Presse gegen uns, die wir den Franzosen noch lange nicht genug vernichtet »find, zeigt deutlich den Ernst der Lage. Deshalb feine ; Unbesonnenheit in Deutschland, die über Nacht uus
in schwere Verwickelungen führen kann. * w
Berlin, 9. Aug. Der Verband der deutschen Ge- -werkvreeim', der Gewerlschafts- und der Allgemeine Eifcn- bahne'.verband erlassen einen Ausruf an die deutsche /Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenschaft, in dem es heißt: Tie deutsche Regierung Hai in dem Kriege zwischen ,Rußland und Polen eine unbedingte Neutralität vcr- künder. Alle Parteien haben diesem Standpunkt zuge- !stimmt. Transporte, die geeignet sind, die Neutralität zu verletzen, müssen von der Regierung festgehalten 'werden. Es ist deshalb nicht angängig, daß von irgend seiner Seite selbständig über die Zulässigkeit oder Nicht- izulässigkeit cntschieden wird, do. bei Mißgriffen Deutsch- slaud und das deutsche Volk die Schäden bezahlen müssen. Mäher haltet die Augen offen und meldet daher alle ver- »tzächtigen Transporte nach Verständigung mit Eurer sOrgonifation der zuständigen Regierungsstelle bezw. dem sRcichsverkehrsministcrium und dem Auswärtigen Amt. sHaltri Euch fern von allen sclbstärchigen Eingriffen gegen llausende Transporte, vermeidet jeden Zusammenstoß mit 'Angehörigen der früher feindlichen Staaten.
Berlin, 9.Ang. Der Reichsverkehrsminister hat alte Reichseisenbahnbehörden nochmals angewiesen, streng i nach der Verordnung der Reichsregierung vom 30.7. zu i Verfahren, in der alle Güter ansgezahtt sind, deren Aus- ’unb Durchfuhr nach kriegführenden Ländern ans Grund 'der Reuiratitär Deutschlands verboten ist. Er ordnet an, baß deshalb diese Verordnung alle» Eisenbahnbediensteten -.bekannt zu gebfen und dabei nachdrücklichst zu betonen, daß willkürliche Erweiterung der Sperrmaßnahmen und alle eigenmächtigen Eingrisse in den Betrieb durch Bedienstete der Verwaltung oder durch betriebsfremde Personen unzulässig sind, und daß durch sie gerade die Kriegsgefahr herbeigeführt wird, deren Beseitigung die Rrichs- regictuug sich zum Ziel gesetzt hat.
Die Presse der Entente unb Deutschland.
Wb. Paris, 9. Aug. Das „Journal des Debats" schreibt in seinem heutigen Leitartikel: Es ist sehr wahrscheinlich, daß Deutschland Intrigen mit den Sowjets gesponnen hat. Deutschland bemüht sich übrigens überall, wo es möglich ist, Unruhe zu stiften, namentlich im bo.argebiei, ivie inan das nicht anders erlvarten konnte. .Es muß die Aufgabe einer guten Polizei sein, dieses Manöver zunichte zu machen.
‘ wb. Rotterdams. Aug. Tie „Times" dringt au: ein Zusammenwirken zwischen England und Frankreich !gegen das russisch-deutsche Komplott, welches viel größere Kiele verfolge als diejenigen, die Napoleon!, erreicht habe. „Daily Chronicle" erkennt den Ernst der Lage an, betont aber, daß kein friedliches Mittel versäumt werden solle. „Daily News" schreibt Frankreich ist schuld au der gegenwärtigen Lage. Der unversöhnliche antipolnische Standpunkt der britischen Arbeiter, vor allem der gemäßigten, gelte nicht der Zustimmung zur bolschewistischen /Idee, sondern der Erbitterung über den unberechtigten Angriff Polens nur Rußland und der Erobernngslnst Warschaus.
Die Herren Polen.
M a r i e n w e r de r 9. Aug. In Soldau wurde em deutscher Zug. von den Polen festgehalten. Das Lokomotiv- und Zugpersonal wurde gewaltsam forrge- führt und vollkommen entkleidet. Die deutschen Beamten weigern sich nun, den Zugverkehr aufrecht- zu erhalten, wenn nicht ihre, angemessene Behandlung durch di; Polen sichergesteilt tsirtz,
Der „L. A." meldet, daß der Kreisvorsitzende der Sozialdemokratischen Partei für den Kreis Putzig Einil Gnadt nach einer Meldung der P. P. N. am Sonnabend früh 4 Uhr von Pen Polen verhaftet worden ist.
wb. Berlin, 9. Aug. Nach einer Meldung der „Bossischen Zeittmg" aus Marienwerder sind die polnischen Landtäte durch einen Befehl dec Woiwodschaft PosenS ermächtigt worden, alle für Deutschland propagandatreibende DeuHchen. sofort zu erschießen.
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Sie M GswjelmBMs.
Reval, 10. Aug. Die „Aaba Maa" veröffentlicht folgendes sensationelles Interview von einem hochgestellten Politiker SowjetruUands, der kürzlich einige Tage in Reval weilte. SoNyctrußland habe drei Aufgaben zu lösen, die endgültige Unterwerfung Polens, die russischen Interessen im fernen Osten zu wahren, wo Japan große Konzessionen gemacht werden müssen, und die Ostseefragen zu lösen . ES sei ganz unmöglich, sich hier abzusindeir, da Sowjetrußlaick mit dem Wille» einiger kleinen Staaten rechnen ntüsfe. Erst bau« körne Sowjetrußlanb sich sicher fühlen, wenn es an der Küste der Ostsee frei wie im eigenen Hause walten könne, wenn die Aalandsinsel, Oesel und die übrigen Inseln in seiner Hand seien. Die Sowjetregiorimg habe ihre Pflicht dem Proletariat gegenüber erfüllt und die ganze innere und äußere polnische Stellung habe sich derart befestigt, daß man alle Kräfte mtbesürchiet aussetzen könne, selbst wenn /in Miljukow nach Rußland käme, werde man auch mit ihm arbeiten können.
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SuBfeul uni öle Mente.
wb. Paris, 9. Aug. Wie dir Pariker Ausgabe der „Daily Mail" aus Loudon meldet, glaubt man dort zu wissen, daß Kamenew folgende Vorschläge macht, die der Beratung der .Konferenz von Hythe unterliegen: 1. Angebot der Sotviets, chic Schulden der zaristischen Regierung bei Frankreich anzuerkeunen. 2. Annahme der Konferenz von London ztvllchen Rußland und bett Verbündeten. 3. Rückzug der Roten Truppe» auf die ethnographischen Grenzen Polens. 4. Amnestie für General Wränget und seine Truppen unter der Bedingung, daß sie Rußland verlassen.
wb. Paris, 9. Aug. Nach einer Havasmcldung aus Hythe konferierten Mcklerand und Lloyd George heute vormittag von 10 bis 2 Uhr. Die Verhandlungen werden beute nachmittag fortgesetzt. Die Marschälle Foch und Wilson und der Admiral Beat!; wohnten der Ber- haiidliing bei. Sie war der Prüfung der Ausstellung von Maßnahmen getvidmet, die von beit Alliierten gegen Sowsetrußland ergriffen werden könnten. Unter diesen Maßnahmen besuchet sich auch die Blockade und die Konstitniemng einer Defensivfront in Verbindung mit den Randstaaten Rußlands, Lettland, Estland pnb Fin- land nsw. Die Frage sei nur, ob ein von englischer Seite ausgehender Wunsch, die Aktion von der Bedingung abhängig zu machen, baß Polen die Bedingungen Ruß- lands nicht annehmen könne, zue Durchführung gelangt. Ferner tmtrbf die Frage erörtert, ob die Anwesenheit Kamenews nrch Krckfsirrs unter der Haltung der Moskauer Regierung noch angängig wäre. I» englischen Kreisen glaubt man, Rußlands Haudeslvertretcr seien mit ganz bestimmten Bedingungen nach London « tont» men, und die wirtschaftliche Mission könne, nicht verantwortlich gemacht werden für die Haltung ihrer Regierung in politischen Fragen. Ihre Ausweisung könne nur bann genügend motiviert werden, wenn sie di: persönlich übernommenen Verpflichtungen nicht einhielten, dies sei aber nicht der Fall. Von französischer Seite wird »och sehr logisch bemerkt, wenn die Entente die Blockade Rußlands befchlossen, hätten die Handelsvertreter dieses Staates in London nichts mehr zn tun. Aber' man könne nicht zu Zwangsmaßnahmen gegen eine Regierung schreiten, bereit Delegierte gleichzeitig in friedlicher Absicht in England als Gäste weilten. Man hofft, daß man diesen Nachmittag die abweichenden Gesichtspunkte klären kann. Millerand wird heut; abend 8 Uhr von Folkestone nach Paris abreifen. Lloyd George will bereits heute abend in London cintreffen. Die in Hythe aufgetauchten Gerüchte, Kamenew fei in Hythe angekom- men, entbehren jeder Grundlage.
wb. Paris, 9.Aug. Wie der Sonderberichterstatter der „Action Francaife" mitteilt, machten die Franzosen auf der Konferenz in Hythe positive Vorschläge, die daraus hinausgingen, die Br'atzungstruppen von Ober» schlisieit an die polnische Front zu entsenden. Daraus häiien die Engländer erwidert, daß Deutschland dagegen protestieren werde. Ferner solltcn Verstärkungen nach Rumänien geschickt werden, nm von dort aus unter französischem Kommando vorzurücken. Diese Verstärkungen sollten den französisch-englischen Besatzungstruppen ent» nvmmen werden, die sich in der Türkei befinden. Rach einet Radiomcldnng anS Hythe sollen zwischen Lloyd George und Milletand Meinungsverschiedenheiten entstanden sein über die Verwendung der Besatzungstruppen von Oberschlesien und über die Rolle, die Rumänien spielen soll . Lloyd George fei nach Schluß der gestrigen Nach- mittagssitzunz offensichtlich schlechter Laune gewesen.
Hythe, 9.Aug. (HavaS.) Die Moskauer Regierung lehnte endgültig die britischen Vorschläge ab. Man meldet, daß di; polnischen- und bolschewistischen Delegierten am Mittwoch in Minsk zusammentrcffeu werden. Es sei besser, daß sich die bolschewistische» und Po!- Nischen Vertreter allein verständigen.
rvb. London, 9. Aug. Reute» veröffsrtücht folgende Information vom 8, Sug.r Xti Lage ift ernst.
Die Konferenz zweifelt nicht daran, daß die Bolschewisten die Absicht haben, sich Warschaus zu bemSchfigen, um dort das Sowjetregime, auszurichten.
Rotterdam, 10. Aug. „Nieuwe Courant" meldet aus London: Die Lage der Tinge ist dadurch vertvorrcn, da die bolschewistische Regierung die Vorschläge der Ver- büicheten strikte ablehnt. Die Tatsache, daß die Polen ein Vorschlag der Bolschewisten angenommen haben, mit ihnen direkt zu verhandeln, ohne daß von polnischer Seite irgend welche Aufklärung darüber an die Verbündeten gegeben wstden war, macht die Sache iwch dunkler und erscheint im Augenblick noch unbegreiflich, ober möglicherweise haben die Bolschewisten den Polen ’o günstige Bedingungen angeboten, daß die Polen es für vorteilhaft halten, direkt mit den Bolschewisten zu verhandeln.
London, 9.Aug. Lloyd George hat für 6Uhr abends einen Ministcrrat nach Dotvningstrcet znsammen- berufcn, um seinen Kollegen die Lage zu schildern.
wb. Paris, 9.2lug. Die Zeitungen ergehen sich weiter in Betrachtungen über die durch den polmfch- rufsifchen Krieg herbeigeführte Lage. Im Gegensatz zu öen aufgeregten Darlegungen anderer Blätter, sagt die „Ere Nouvelke", was man auch von Millerand denke, et sei nicht bet Mann, bet Frankreich allein in einen neuen Krieg führen werde. Er wisse, daß die französische Oeffentlichkeit diesen Gedanken einmütig mit Entsetzen zurückweise. Lloyd George wisse, daß in England die gleichen Gefühle vorherrschen: inan habe also Grund, anzunehmen. daß die Zusammenkunft in Hythe den Zweck habe, Polen zu retten, ohne Frankreich in ein kriegerisches Abenteuer zu stürzen.
Keine cuglifch-sranzöfstche Unterstützung für Polen.
tu. Basel, 9. Aug. Die „Daily Mail" meldet: Die französische und die englische Regierung haben es mit Rücksicht auf die Stimmung in den eigenen Ländern' abgelehnt, Polen durch Entsendung von Streitkräften zu unterstützen. Es wurde beschlossen, die Versuch;, mit der Sowjetregierung zu einem Frieden zu gelangen, fotkznsehen.
tu. Basel, 9. Aug. In Paris fanben gestern vierzehn Vetsammluikgen der radikalen und gemäßigten Sozialisten statt. Es wurde beschlossen, daß der Ge- ueralstreik erklärt werden solle, falls Frankreich doch Trnppeii »ach Polen gegen Rußland senden würde.
Französische freiwillige Korps für Polen.
Gen f, 10. Aug. Die Pariser Sonntagsblätter veröfsentlichen Aufrufe zur Bildung von Freiwilligenkorps für Polen. . ;
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wb. Amsterdam, 9. Aug. Nach einer Brüsseler Meldung hat der polnische Ministerpräsident eine Proklamation an bas polnische Volk gerichtet, ivorin eS heißt:
Die Bolschewiken Haffen Warschau zn besetzen, um dort den Polen den Friede»: zu diktieren. Die Regierung der nationalen Verteidigung, die Regierung der Banern und Arbeiter ruft die gesamte Nation auf zur Verteidigung der Freiheit. Der heilige Krieg beginnt an den Toren Warschaus. Weiter heißt er in dem Aufruf: Die Regierung wolle einen gerechten und dauerhaften Frieden und wünsche in gutem Einvernehmen mit ihren Nachbarn zu leben. Sie sei bereit, alle Bürgschaften zu geben, die mit der Ehre der Nation, die kein fremdes Gebiet begehre, in Einklang zu bringen sind. Der bolschewistische Einsall sei eine Getvalttat, die den Missetaten der Despoten der 18. Jahrhunderts gleiche, welche Polen zerstückelten. Die Regierung sei entschlossen, das Vaterland bis zn dem letzte» Streifen Landes zu vertiedigen, Warschau zu beschützen und die Invasion abzuwchren, um die Unabhängigkeit des Landes zu retten. Der Ausruf schließt mit den Worten: „Zn den Waffen, Bürger!"
Krieg gegen bie Bolschewisten bi» zum äußersten.
tu. Genf, 9. Aug. Wie die sozialistischen Vertreter Polens bei der internationalen Konferenz erfuhren, will di« Sowjet-Republik alle slawischen Völker zusammenschließen, um so einen Bund als Gegengewicht gegenüber den Westmächten zu bilden. Die polnischen Vertreter ans der Konferenz lehnten das Ziel ganz energisch ab und beschlossen, den Krieg gegen, die Bolschewisten bis zum äußersten zu unterstützen.
Berlin, 10. Aug. Wie verschiedene Morgenblät- ter berichten, haben die Russen gestern die Bahnlinie Warschau-Mlawa überschritten. Die polnischen Truppen, die zwischen Srrolenka und südlich Ostrow noch operieren, sind von Warschau so gut wie abgeschnitten. Die Russen stehen nördlich von Warschau noch ungefähr einen Tagesmarsch entfernt.
kg. Genf, 10. Aug. Die „Times" meldet: Der russische Vormarsch geht von Ostrolenka nach Süden. Die Russe» stehen noch einige Kilometer von Osttvw.
kg. Berlin, 10. Aug. Ter ,Lok. Anz." meldet: Die Russe» haben die nördlich« polnische Armee von Warschau ab geschnitten. Die Russen stehen ein Tagesmarsch nördlich treu Warschau.
fg. (Senf, 10. Ang. Nach einer HavaS-Meldung HÄ bü Mi Lvrmtas Abend di« DMichuvg m
Warschau noch nicht begonnen. Alle bisherige» Kämpfe spielten sich noch jenseits deS Festungsgürtels ab. Im Osten wird die Buglini« noch zum größt« Teil von den Polen gehalten. Im Norden wird dis * Linie Pultusk—Plock gehalten. »
Ein Moskauer FunypruH übermittelt folgend« Kriegsbericht: Wir Haden Tschernin eingenommen. Heftig; Kämpfe finden auf die Linie Zabadni—Bug statt. Bei Brody haben wir die Polen bei den Kämpfen vo« 4.-6 8. zurückgeworfen. Wir machten Gefangene und erbeuteten Maschinengewehre. Die russischen Truppe» haben den Sttypafluß 15 Werst südlich von Tarnopol erreicht. Auf der Krim wurden die Armeen deS Generals Wrangel, die bei Alexandrow zum Angriff übergegangen waren, nach hefttgen 10 tägigen Kämpfe» zurückgeworfen.
wb. Königsberg, 10. Aug. Die Russen habe» nach hier bestimmt aufttetenden Gerüchten Prasnysch südlich von Ehorzele und 75 Kilometer nördlich von Warschau genommen.
Die Berha»blu»Se«.
Rotterdam', 10. Aug. Die „Morning Post" veröffentlicht einen Warschau-Funkspruch, wonach unabhängig von der Stellungnahme zu dem Vorschlag der Alliierten, der rote Sowjet in Moskau die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Pole» zugesiimmt hat. Die Verhandlungen beginnen heute in Minsk.
London, 10. Aug. Ein Furikspruch Tschitscherins au Kamenew beauftragt diesen, die Vermittlung Englands in einem Streit, bet zwischen den Marinebehörden von Odessa und dem Kommandanten der französischen Flotte ausgebtochen ist, herbeizuführen. Tschitscherin behauptet, daß die aus Frankreich gekommenen Transpor^- dampfer „Allegrette" und „Batavia" für General Wränge! bestimmte KriegSkontrebande enthalten. AuS diesem Grunde widersetzte er sich ihrem Auslaufen auS dem Hasen und tvünsche, daß die englische Regierung ihren Einfluß geltend mache, damit der Streit gütlich geregelt werde.. _ wb. London, 9.Aug. Ein drahtloses Telegramm aus Moskau an die englische Regierung besagt: Die polnische Regierung teilt mit, baß sie bereit sei, Telv- gierte nack Minsk zu entsenden, um den Waffenstillstand und den Borsrieden abzuschließen. Die bolschewistisch; Regierung ist deshalb der Ansicht, daß das vo» ben Alliierten verfolgte Ziel, nämlich die Einstellung bet Feindseligkeiten und die Herstellung freundschafsticher Beziehungen zwischen Rußland und Polen auf der Gnmd- lage bet vollkommenen Unabhängigkeit Polens am schnellsten unb einfachsten durch direkte Verhandlungen erreicht werden würde. Am Schlüsse der Telegramms heißt er, daß dies vollstäMg in Minsk erreicht werde.
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Stockholm, 10. Aikg. Dem Kabinett wird gemeldet, daß daS polnische Kabinett auseinander z» springen dwht, well es den inneren politischen Zer- setzungSbestrebungen nicht Einhalt zu gebieten vermag. Die Arbeitermassen versuchen der Regierung bereits die Gefolgschaft zu versagen und treiben eine gesonderte Politik, die eine Aussöhnung zwischen Warschau und Moskau auf bet Grundlage einer politischen Koalition 5um Ziele habe. Staatsminifter Dasocynisii mußte in einer Unterredung mit Pressevertretern zugeben, daß die Sozialdemokratische Partei auseinander gesplittert sei, nur eine klein« Gruppe internationaler Sozialdemokraten > unterstützen noch die RegiemngS- polittk, währerü) die Mehrheit bet Parteien zu den Kommunisten übergettden feien und die Bildung einer polnischen Sowjet-Regierung sowie Frieden um jeden Preis verlangen.
Warschau, 10. Aug. Der Rat der internationalen Vereidigung hat beschlossen, eine Proklamation an alte Völker zu erlassen.
Warschau, 10. Ang. Der polnische KricgSministn General Lesnicnsfi ist zurückgetteten unb VirekriegS- ministet Sosnkowski ist »um Kricgsminister ernannt worden.
Kowno, 10. Aug . In einem mit der litauische» Regierung abgeschlossenen Uebereinkommen verpslichleu sich die Bolschewisten, daS besetzte Gebiet, mit Einschluß Wilnas, bis zum 1. September zu räumen. Ausgenommen hiervon sind die, dir für die Rufien strategisch wich- figen Gebiete an bet Eisenbahnstrecke Grodno—-Wilna. Dagegen venoeigetn bie Bolschewisten die Einstellung ihrer Propaganda aus litauischem Gebiet.
Riga, 10. Aug. Die Nationalversammlung hat den russisch-litauischen Friedensvetttag einstimmig rati- fizierti ' ' st
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Stockholm, 10. Aug. Staatssekretär Brantin^ trat in einer politischen Unterredung für strengste Neu- ttalität Schweden- bei einem evmtuellen Konflikt zwischen der Entente und Rußland ein.
H'elsingforS, 10. Ang. Die finnisch/- Presse spricht sich gegen ein Eingreifen Finnlands in einen Konflikt zwischen Entente unb Rußland aus.
wb. Prag, 10. Aug. Anläßlich deS russisch-polnischen Kriege- hat der gestrige Ministettat eine Kundgebung erlassen, in da ausdrücklichst von naittn betont wird, daß such weiterhin di« bisherige Politik deS Friedens, der Ncutralität «ntz d« Nichtiuttvrttui«
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