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Anülkches VeMndigungsblatt des Kreises Marburg.
Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhesseir
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Die „Oberhesfische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugrpreis monatlich Marvrrrg
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(Erledigung des Rothaushalts. — Die Arbeits- V, losenfürsorge.
Sitzung vom 4. August.
Der Präsident eröffnet die Sitzung um lithr mittags. Die dritte Lesung des N ot h a u s ha lt S wird fortgesetzt.
Beim Haushalt des Reichstvirtschaftsministcriums unterstützt A^. Obersohren (Dcutschnatl.) eine Ent- fchließung r» Gunsten der notleidenden . *
Rentner und Pensionäre, denen eventuell Beihilfen »u gewähren seien. Der Entschluß findet einstimmig Annahme.
i Beim Haushalt des Rcichsarbcirsminlsteriums berichtigt Arbeitsminister Brau n 3 eine Pressenotiz, wonach sm Ministerium Beamte angrstellt seien, für die Kurse im Diktat und Kopfrechnen statisinden müßten. Es handle sich um Kriegsbeschädigte und Militäranwärter, die schon tzor der Revolution bei der VerforaungSbehörde arbeiteten und durch die neue Behörde übernommen wurden. ES sinden für diese Beamte besondere fachliche Borbildungskurse statt.
Beim Haushalt des Rei ststvehrministerinmS fordert die Ab«. Fran Zieh (II.©.) eine bessere Versorgung für die Rriebf't’hiqfeit und La-ar-tlinsassen.
f Abg. y;: 3 (11. 6.) fordert die
' > Beseitigung der Seelsorge beim Heer. Die Soldaten hätten während des Krieges das offizielle Christentum satt bekommen.
Abg. v. Galltvitz (Denlfchnatl.) erhebt Einspruch dagegen, daß die Militärgeistlichen, denen das Heer nngc- Xiein viel zu danken habe, hier hernntergcseht tnerben.
Abg. Tr .Schreiber (Ztr.): Tte Militärseelforge hat bisher im Zeichen der edelsten Humanität gestanden «nd soll darin auch für die Zukunft stehen.
Abg. ereil (Dem.) hält es für erwiesen, daß die Geistlichen im Kriege ihre ganze Schuldigkeit getan haben.
Abg. M i! nt nt (Dentfchmatl.) weichet sieh erneut gegen . die Herabwürdigung der Milstärgeistlichen.
Abg. Andrte (Zenir.>: Die Unabhängigen sollten doch nicht andauernd Wirtfchaftsfragen zu politischen Viachlfragen machen.
Abg. Adolf H o s s m a n n (tt. S.): Ihr ganze? Streben geht ja doch nur darauf ans, sich das Paradies auf Kosten Üer großen Masse schon im Diesseits zu verschaffen.
Abg. Frau Zieh (tt. S.): Der Militarismus, ist es gewesen, der Deutschland in der ganzen Welt verhaßt ge» . macht hat.
Abg. Everling (D. Bpt.): Das deutsche Heer ist die gewaltigste Organisation gewesen, die die Welt gekannt hat. Ein Volk hat-die Pflicht, sich zu behaupten, und darum muß es wehrhaft fein. Hätten 1914 dir sozialistischen Führer gewagt, sich dem Krieg rntgegenzustellen. sie wäre» von der Volksstimmung hin- Iveggefegt werden, (Lebhafte Zustimmung.) Wenn wir alle nicht mehr sind, dann wird man noch singen und sagen von dem, was
Hindenburg und das deutsche Heer gekittet hab em . (Großer Beifall rechts. Lärm bei den Unabhängigen.)
Abg. Mumm (Denlfchnatl.): Am 4.August 1914, pent? vor 6 Jahren, war es der Abg. Haase, der als Führer Ihrer Fraktion die Bewilligung der Kriegs- Ircbile aussprach. (Hört, hört.) Auch bei Ihnen herrschte damals noch der Geist, der den alten Bebel beseelte, der sagte, wenn das Vaterland in Not ist, würde auch er noch daS Getvehr auf die Schulter nehmen. (Unruhe bei den Unabhängigen.) Herr Hofsmann hat den wenigsten Anlaß, hier seine Angriffe anzubrrngen, da er als ehemaliger Kultusminister für Preußen eine
unaussprechliche Schmach gewesen ist (Rüge des Präsidenten) und sich dabei sehr gut auf seinen eigenen Vorteil verstanden hat.
Abg. Andrü (Ztr.): Die ttnäbhängigen stellen den Kapitalismus als den Feind der Arbeiter hin, und dann kommt Kautsky und beweist Ihnen Haarschars, daß die Arbeiter unter fcen jetzigen Verhältnissen besser mit bem Kapitalismus als mit dem Sozialismus fahren. (Hört, hört.)
Abg.^?> o f f m a n n (U. S.) verwahrt sich, nachdem saft alle Mitglieder der bürgerlichen Parteien den Saal verlassen haben ,vor dem fast leeren Saal gegen die Vorwürfe des Herrn Mumm, den er als einen elenden Verleumder bezeichnet (Rüge des Präsidenten).
Abg. D.hrens (Teuischnatl.): Es ist eine Fäl- fchuu g der öffentlichen Meinung, wenn sich die Unabhängigen als die Vertreter der deutschen Arbeiterschaft «uägeben. (Sehr richtig.)
Bei der Beratung des Haushalts des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung spricht.
Abg Tr. M o scs (tt. S.) über die Folgen der Unterernährung. Es muß alles geschehen, um eine starke Zufuhr au Milch, Fett und Eiweiß durchzusetzen.
Beim Posthaushalt beklagt Abg. Frau Zietz (11.2.) Iw Entfernung von mißliebigen Posthilsskräften aus Berlin, die durch unpolitische Kräfte vom Lande ersetzt wurden.
Gin Regierungsvertreter erklärt, die Postverwaltung entlasse niemand aus politifche» Gründen.
Der Haushalt wird endgültig bewilligt, ebennso der Rest des Haushaltsgesehes, ferner die zugehörigen Entschließungen des Ausschusses betr. die nach dem Reichs- tarif für die Verkehrsbeainlen zu zahlenden Mittel und attsprechrnden Gehaltszulagen, die den Beamten zustehen. Estrner wurde beschlossen eine Folgerung aus der Landes- besoldungSordnung zu ziehen, um, soweit dstS anzängig it auch den Amökt-, uni) Gemeitchebeaintcu drcfejbeii
!BBi^aBiaBHaaM«MBBMBMan Gehälter wie den Reichsbeamten zu zahlen. Ter Ausschuß richtete endlich an die Regierung daS Ersuchen, mit Den in Betracht' kommenden Landesteilen und Gemeinden eine Verständigung über den vom Reich zu zahlenden Anteil an den Kosten der Besatzungskosten herbeizuführen.
Es folgt nun die Interpellation der soztaldemokra- tischcn Fraktion über die
Arbeitslosigkeit.
Verbunden wird damit die Beratung eines Atrtrages' bet Unabhängigen auf Verbesserung der Erwerbslosenfürsorge.
Abg. Kersten (Soz. -begründet die Interpellation, die lautet: Was gedenkt die Reichsregientilg gegen die immer zunehmende Arbeitslosigkeit zu tun, und wie gedenkt sie insbesondere die infolge der jetzigen Krise eintretenden Stillegungen von Betrieben zu vermeiden und Arbeitsgelegenheiten für die Arbeitslosen zu schaffen? Die Arbeitslosigkeit hat ihren Grund darin, daß das Inland keine Kaufkraft mehr hat und das Ausland nichts bei unserer Industrie bestellt. Eine Anrechnung der gewerk- schaftlichett UnterstützinM auf die staatliche würbe die Gewerkschaften zu einem scharfen Kumpfe herausfordernd
ReichSarbeitsminister Brauns: Die starke Arbeit-;- losigkeit ist ein Ausfluß unserer überaus schwierig wirt- schaftlichen Gesamtlage. Mil einer langen Dauer der Krisis braucht nicht gerechnet werden, weil der Bedarf immer noch die Vorräte übersteigt. An dem Ausbau der Arbeitsvermittlung tvird mit allen Kräften gearbeitet. Gin Rcichsgcsetz über einen Reichsarbeitsnachweis ist tnt Entwurf fertiggestellt. In der Landwirtschaft bedürfen wir einer Vermehrung der Arbeitskräfte. Zur Beseitigung der Wohnungsnot, namentlich im Ruhrgebiet, soll geschehen, was möglich ist. Tie Zulassung ausländischer Arbeitskräfte wird von ddr Zustimmung des Arbeits- naehwcises abhängig gemacht, tteberstunden sollen nur die nuersätzlichsten Arbeiterkaiegorieu leisten. Mit 9iob standsarbeiten wurden 1919 330 000 Arbeitslose
beschäftigt, und das Reich hat einen Betrag von 470 Millionen Mark dafür hergegeben. Ganz zu entbehren wird die Erwerbslosenfürforge auch in Zukunft nicht sein, wenn die Gesetzgebung die Ertoerbslosenversicherung einführeu wird. Zu dieser Versicherung soll sobald als möglich geschritten «erben.. Da? Reich und die einzelnen Säitixt haben bisher
14 0 0 M i l l. E r w e r l> S l o s e n u n t e r st ü tz u n g gezahlt. (Hört, hört! rechts.) Sehr richtig ist es, daß die Unterstützung in Wegfall kommen muß, (Denn ein Arbeitsloser eine ihm angeöotene geeignete Stellung a n s- schlägt und die gewerkschaftliche Unterstützung auch angerechnet werden muß. Rationales Pflichtgefühl erheischt Opfer der Privatwirtschaft zugunsten der Volkswirtschaft. Jeder Streit ist jetzt eine neue Ursache vermehrter Arbeitslosigkeit. Mit allseitigem guten Willen werden wir auch über diese Krise himvegkommen. (Beifall.)
Abg. D iß mann (U.S.) begründet den Antrag seiner Partei. Hiernach soll die Enverbsloscnttnterstütz- üng auf der Grundlage eines unter Mitwirkung der Gewerkschaften festgelegten Existenzminimums ohne Ruck- ficht auf die Dauer der Erwerbslosigkeit gezahlt werden. Die Sätze sollen für Männer und Frauen gleich sein. Arbeitszwang und Massenentlassungen von Arbeitern und Angestellten, ferner die Stillegung von Betrieben sollten, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft werden. Alte Maßnahmen, die den produktiven Prozeß beeinflussen können, sollen den Betriebsräten und Ge- koerkschaften in die Hände gelegt und ihnen die. oberste Kontrolle dafür eingeräumt werden. ,
Die Beratungen werden abgebrochen.
Nächste Sitzung Donnerstag Vormittag 10 Nhr: Fortsetzung der Interpellationen, vorher EntwassnnngSvorlagc
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Aus dem besetzte^ Gebiet.
wb. Mainz, 4. Aug. Die interalliierte Rhein- landkommifsion hat ein Schreiben an den deutschen Reichskommissar für die besetzten Rheinlandgebiete gerichtet, in dem sie darauf aufmerksam macht, das; Kundgebungen auf Rheindampfern, die geeignet sind, als gegen die verbündeten Armeen oder gegen Angehörige der Besatzungsmächte gerichtet aufgefaßt zu werden, unbedingt verboten sind und streng bestraft werden.
Frankfurt a. M., 4. Aug. Die „Franks. Ztg." meldet ans Speyer, der Eesamtvorstaud der freien Bauernschaft der Pfalz, des Saarlandes und Rheinhessens habe eine Kundgebung beschlossen, nach der jetzt Getreide weder gedroschen noch abgeliefert weiden soll, bis durch die Regierung ein Eetreidepreiszuschlag für die besetzten Gebiete festgesetzt sei. Ebenso wird die Aufhebung der öffentlichen Bewirtschaftung von .Safer. Gerste, Gerste, Kurlosfeln und Oelfrüchten gcforde.t.
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Türkei.
Griechische Schlappe in Kleinasien.
wb. London, 1. Aug. (Reuter.) Der griechische Bericht meldet, daß bei Demirdjt in Kleinasien ein L4- stündiger Verzweiflungskampf auLgefochten worden sei. Ein vorgeschobenes Bataillon juurbc von einer starken Strcitumcht von Keuullisten angegriffen. Die Griechen mußten sich schließlich zurückziehen. Die Mannschaften der Maschineugeroehrabteiluugen, die den Rück- zug decken mußten, blieben alle tot aus dem Hlatze.
Polens kritische Loge.
I worden. Zn Oftstbirien befinden sich nach den Bck> richten Nansen» weite« 200 000 Kriegsgefangene^ die noch immer auf ihre Heimsendung warten. Der Rat des Nölkerbundes beschloß in direkte Verhand« lungen mit der Sowjet-Regierung wegen des Ab, transportes der Kriegsgefangenn zu treten.
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üer Beo eon Den Söietrouiea Übertritten
Das letzte Hindernis vor Warschau überwund««.
wb. Paris, 4. Äug. Havas berichtet aus Warschau: Der bolschewistischen Armee ist es gelungen, den Bug zu überschreiten, der das letzte Hindernis war, das sie ernstlich vor Warschau aufhält. Bolschewistische Streitkräfte werden auf der Straße von Augustowo nach Era- jewo auf dem Marsche nach der Eisenbahnlinie Soldau—Warschau gemeldet.
wb. L o n d o n, 4. Aug. Moskau übermittelt funkentelegraphisch folgenden Bericht: Westlich von Bialystok und Bjekfk schreitet unsere Offensive erfolgreich fort. In der Gegend von Sjedlce haben unsere Truppen den Bug erreicht und ihn nach heftigen Kämpfen überschritten. Wir haben Gefangene gemacht.
Der bedrohte »polnische Korridor".
Schneidemühl, 5. Aug. lieber Thorn und Eraudenz erschien gestern ein russisches Flugzeug und rvarf Sowjet-Aufrufe ab. Die roten Truppen sind noch 30 Kilometer vom polnischen Korridor (Thorn und Eraudenz) entfernt.
Basel, 5. Aug. Die „National-Ztg." meldet: Die Russen haben Ciechanow westlich von Ostro- lenka besetzt.
Die schweren polnischrn V rluste.
Basel, 4. Aug. Eine offiziöse Mitteilung des Landesverteidigungsrates in Warschau gibt zu, daß die erste polnische Armee nahezu a u f gerieben wurde. Die polnischen Berluste werden auf über 12 000 Tote, Verwundete und Eefangene beziffert. Schwere Verluste hat auch die vierte polnische Armee erlitten, die nahezu die Hälfte ihres Bestandes eingebüßt hat.
Wenn die Rätstruppen Warschau besehen.
Basel. 5. Aug. In britischen offiziellen Kreisen wird für den Fall, daß sich die Bolschewisten der Stadt Warschau bemächtigen und dort eine Sowjet-Regierung errichten sollten, die Errichtung einer S i ch e r h e i t s w e h r l i n i e um Polen herum, da»vorläufig seinem Schicksal überlassen werden würde, Ins Auge gefaßt.
Französische Truppen für Polen.
Breslau, 4. Aug. Zn Breslau eingetrof- fere französische Meldungen besagen, daß die Franzosen umfassende Vorbereitungen zur Hilfeleistung für Polen treffen. An der französis'-n Ostgrenze und in Straßburg stehen große Truppenmassen, darunter auch Kolonialtruppen, zum Abtransport bereit. Bisher vollzogen sich die Truppentransporte über Bafel, Salzburg, Prag und Oderberg. Die polnischen Sozialisten gegen die Bolschewisten.
wb. Rotterdam, 4. Aug. Rach einer Warschauer Meldung hat das Zentralkomitee der polnischen Sozialisten den Beschluß der Parteileitung, sich an einer Koalitionsregierung für die nativ- uale "Verteidigung zu beteiligen, gutgeheißen. Das Komitee fordert in einer öffentlichen Erklärung zum Widerstand gegen den bolschewistischen Einfall auf.
Flüchtlinge a«s Warschau an der ostpreußische« Grenze.
mb. Berlin, 4. Aug. Zn Soldau sind 2000 Flüchtlinge aus Warschau angekommen, die eine Gefahr für die deutsche Bevölkerung darstellen, da sie statt mit N u h r verseucht sind. Deshalb besteht die Absicht, die Grenze bei Neidenburg zu sperren. Die verbündeten Truppen sind alte nach Alienstein zurückgezogen. Der italienische Botschafter bat die deutsche Negierung, dafür zu sorgen, daß der Abtransport der italienischen Truppen aus dem ostpreußischen Abstimmungsgebiet am 9. August erfolgte.
wb. Berlin, 4. Slug. Reichsmehrminister E eß- Itt begab sich zur Besichtigung »ach Ostpreußen.
Deutsche Kriegsgefangene als Sklaven verkauft?
Paris. 3. Aug. Zn der Versammlung, die der Rat dos Völkerbundes in St. Sebastian abhielt, machte Fritjof Nansen Aufsehen erregende "Mitteilungen über das Schicksal der deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen in Rußland. Nansen, der im Auftrag des Roten Kreuzes die russischen Gefangenenlager besichtigte hatte, erklärt, daß von den 200 000 in Turkchtan interniert gewesenen Kriegsgefangenen wohl 70 000 in ihr« Heimat zurückgeschickt wurden. Die übrigen 130 000 Mann seien entweder tot oder als Sklaven an den -.Mir oo^Bucha.ra si.iLauji
NeMt ms die Lmdmee fiielere«?;
wb. London, 4. Aug. (Havas.) Durch elg drahtloses Telegramm hat die englische RegierunI der Sowjetregierung mitgetcilt, daß angesichts der Tatsache, daß die Sowjetregierung nicht allei, Waffenstillstandsverhandlungen mit Polen, sondern die Friedensverhandlungen ausnehmen will, auf de« Plan einer internationalen Konferenz in London verzichtet wird. , ;
Wenn sich dies« Meldung bewahrheiten sollte^ । so würde ein völliger Wechsel in der Politik der» Westmächte gegenüber Rußland festzustellen fein,^ die bisher auf dem Standpunkt standen, die ge«s samten Ostfragen müßten unter maßgebender Br«) teiligung der Westmächte in London besprochesl werden, nachdem Sicherheit dafür bestehe, ba|' Polen nicht erdrückt werde. Nun ist aber Pole»s nahe daran, erdrückt zu werden. Da erscheint unwahrscheinlich, daß man auf die Londoner Son« • ferenz verzichten will, nur weil die Räteregierung ‘ Polen, statt erst Waffensiillstandsverhandlunge» > zu sichren, gleich die Friedensbedingungen dik-.- tieren will. Denn darauf kämen die „Frieden»-' Verhandlungen" doch hinaus. Der Verzicht auf dis) Londoner Konferenz erscheint umso Unwahrschein- \ licher, als nach einer Pariser Meldung Lloydj George mit allen Kräften auf diese Konferenz i hinarbeitet.r J
Ein Verzicht auf di« Konferenz könnte höchsten« s im Hinblick auf di« ernste Lage Polens ins AuMj gefaßt sein, die ein militärisches Eina« greifen der Verbündeten nach sich ziehen würde, I Einen Anhaltspunkt dafür gibt folgende Meldungzj
wb. London, 4. Aug. Im Hinbick auf da» weitere Vordringen der bolschewistischen Streitkräfte innerhalb der geographischen Grenze» Polens beurteilen di« Blätter di« Lage pessimistisch und geben übereinstimmend der Ansicht Ausdruch, daß, wenn nicht sehr schnell eine Aendcruiig eintritt, den Verbündeten nichts anderes übrig bleiben wird, al» Polen versprochenermaßen mit alle» zur Verfügung stehenden Mitteln zu unter« stützen. Inzwischen erklärte den Blättern zufolge Kamenew, er besitze keine Jnsotma« tionen bezüglich des Standpunktes Moskaus. Die» wird als umso überraschender angesehen, als di« englische Regierung Moskau ersucht hatte. Kam«, new mit allen nötigen Vollmachten zu versehen, damit er die Vorbesprechungen für die geplante^ Londoner Konferenz führen könne. — । „Daily Telegraph" schreibt: Wenn innerhalb > einiger Tage Moskau seine gegenwärtige Haltun- Polen gegenüberHicht geändert hat und wenn di«, Sowjetheere ihr« Bemühungen fortsetzen, so wer-, den Kamenew, Krassin und ihre Begleiter ersucht^ werden, England zu verlassen. Bisher iH eine Antwort Moskaus auf die letzte englisch« Rot« i nicht eingegangen. Die englische Regierung hall die Aufmerksamkeit der Sowjetregierung auf dies« Verzögerung gelenkt, die um so bedauerlicher sei, als eine Klärung der Lage bezüglich des Waffen-^ stillstandes . mit Polen dringend erwünscht sei. -
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Der Bolschewismus im Orient.
Dl« bolschewistische Zeitung „Tari'.omsrski Äa*, munist" schreibt: Die Sowjetxegienmg hat Djemal. Pascha eingeladen, nach Rußland zu kommen, um da» Kommando über die muselmanischen Division«» zu übernehmen. Die Sowjets haben das revolutionSx« Indische Komitee als gesetzmäßige Negierung btt Inder anerkannt, und ein« Anleihe von 1 Million Rubel in Gold gewährt. Ebenso haben die revolutionSreW Komitees der Türkei, Persien und China bettüchtlich« Anleihen erhalten. Die Flotte des Kaspischen Meer«» ist verstärkt worden, und die Truppenkonzenttation«^. werden an der persischen und an der afghanische« Erentz« fortgesetzt. „Tarnomorstt Kommunist^ erklärt, Mf Krieg gegen Pole» war nur ein Vorspiel zu etne». unvermeidliche« Krieg mit England. Die Frick«»«» Handlungen Krassins mit den Engländer« hab«« t«le« Aussicht auf Erfolg, und bald wird di« russisch« SnMt gezwungen sein, die Orientvölker vos dem jahrhundertU langes Joch Mit SsglLzd«, zs llljthti