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Montag, 2. August

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Amtliches VerNndigungsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (ims früher kurheffifche) Oberhessen

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Die Londoner Konferenz.

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wb. London, 31. Juli. Neuter erfährt, daß Italien auf der Londoner Konferenz vertreten sein wird.

eine Ru-

Festbaltcn an dem Grundgedanken, daß es nur eine natürliche und rechtmäßige Lösung der deut­schen Frage gebe, das sei der föderative Zusammen­schluß aller deutschen Stämme in Deutschland und Oesterreich. Auch dieser Gedanke werde und müsse einmal zur Wirklichkeit werden, gerade wie der Gedanke, daß Deutschland und Rußland durch die stärksten wirtschaftlichen Interessen aufein­ander angewiesen find. . .....

handelt, die abgeliefert werden mühten. Erschwert werde die Angelegenheit durch das Mißtrauen, das in einem Teil des Volkes gegen den anderen besteht. , Es müsse daher in erster Linie darauf ankommen, dieses Mißtrauen zu beseitigen, auch das Mißtrauen, das gegen die Negierung besteht. Sie Waffen dürfen nur an un­politische Stellen abgeliefert werden, daher käme auch die Reichstvehr für die Waffenablieferung nicht in Be­tracht. Deutschland dürfe nicht nrehr länger in zwei Lager gespalten sein, die sich gegenseitig für Bolschewisten und Kappisten hielten. Gegen jede Aktion aber, die ge­eignet wäre, die ordnungsmäßige Ablieferung der Waffen zu verhindern, tue die er

mit Waffengewalt Vorgehen.

Die Regierung nähme es ernst mit ihrer Aufgabe, damit wir wieder ein Kulturvolk werden und nicht länger ein Volk, das in Waffen starre.

Abg. Lübbring (Soz.) erklärt die Bereitwilligkeit seiner Partei zur Mitarbeit. Es müßten aber Maßimh- men getroffen werden, bah aut diesem Gesetze nicht ein Ausnahmegesetz würde, das sich dann nur einseitig gegen dir Arbeiterschaft richte. Nach der Entwaffnung dürften nur noch Reichswehr und Sicherheitspolizei im Besitze- von Waffen fein, dies garantiere aber die Vorlage nicht. Die Organisationen müfsen bis zur Durchführung de? Gesetzes im Besitze der Waffen bleiben. Seien damit vielleicht die reaktionären Selbstschutztrtrppen gemeint?

I Gegen die Mannschaften lasse sich nichts sagen, wohl aber I gegen die Führer, denen der größte Teil des Volkes großes I Mißtrauen entgegenbringe. Sie seien fast alle von dem kavpistischen Geiste erfüllt. Er frage daher bei der Regic-

I rung an, ob diese Verbände mit unter den Schutz des I § 2 fallen, zumal diese Verbände erklärt hätten, daß sic I sich einer Eulivafsuuug mit Gewalt widersetzen wür- I den. Entwaffnung und Auflösung, ja sogar das Verbot dieser Selbstschutztruppen sei nötig und müsse in dem

I Gesetz ausgesprochen werden.

I Abg. Ernst (Unabh.) hält die Vorlage für un­brauchbar, da sie von falschen Voraussetzungen aus-

I eclye. Wenn die Negierung glaube, daß die Arbeiter I Waffendepots angelegt hätten, so beruhe dies auf einer I Verleumdung und auf Spitzelarbeit. Man solle sich lieber I einmal bei der deutschen Wirtschaftshilfe oder bei Stin- Ines umsehen. Das Gesetz selbst fei ein Ausnahmegesetz I gegen die Linke. Es werde überhaupt kein wesentliches

Resultat zeitigen, da die Waffen meistens nach dem A u S- I lande verschoben worden seien.

Der baherifche Gesandte v.Preger weist darauf hin daß die baherifche Sicherl^itswehren auf dem Prinzip der

I Freiwilligkeit beruhen uni) nur zum Schutze von Ruhe und I Ordnung aufgestellt worben seien. (Rufe: Reaktion.) Im I übrigen habe er zu erklären, daß nach dem Ergebnisses« I Verhandlungen von Spaa die baherifche Regierung 'sich I nicht den Anforderungen entziehen werde, welche die I Reichsregierung im Zusammenhang mit den Verhand- I lungen von Spaa eveutl. an die bayerische Regierung fiel« I len werbe.

Abg. Roesicke (Deutschnatl.) stellt im Gegensätze I zu dem Abg. Ernst fest, daß geradezu unter den Augen der ! Regierung von

toten Arbeiterbataillonen

Itäglich exerziert weroe. Zuerst müßten die un­ruhigen Elemente oi- Waffen abgeben, damit wir wieder zur Crbnung kommen. Damit eS bei der Wassenabgabe ordnungsmäßig zugehe, müsse der Reichskommissar kon­trolliert werden, vielleicht durch einen Parlamentö-

I ausschuß. (Beifall rechts.)

I Abg. Saal (Dem.): T« U.S.P. ist es doch gerade gewesen, die für die Unterzeichnung der Bedingungen in

I erster Lim« eingetreten ist, die uns in Spaa vorgeschrie- I ben worden sind. Diese Partei hat es am allerwenigsten »notwendig« jetzt Schwierigkeiten zu machen, wo t» sich

Tidönde" meldet aus Kowno: Hier eingegangenen zuverläMgen Nachrichten zufolge haben die Bolsche­wist«, Augusto wo beseht. Die Polen laben sich auf Suwalki zurückgezogen, dessen Bevölkerung die lilanifchen Truppen im Gebiet von Mariampol ersuchte, die Stadt zu besetzen, ehe die Bolschewisten es tun.

Paris, 1. Aug. DerTemps" stellt fest, daß bisher keine Nachrichten über die Begegnung 'der Bevollmächtigten der Noten und der polnischen Armee eingetroffen sind. Man wisse nicht einmal genau, wo die Begegnung stattgefunden habe.

. Warschau, 31. Juli. Das Oberkommando des Ecneralstabes teilt mit: Wie aus militärischen Kreise» verlautet, ist General S z e r t y c k i an Diph­therie erkrankt. Den Oberbefehl über die nordöstliche Front übernahm General Haller.

Einnahme von Brest-Litowfk.

Heksingfors, 31. Juli. Wie aus Moskau gedrahtet wird, haben die Russen Brest- Li t o w s k nach kurzem Kampf genommen und sofort besetzt. Die' Verfolgung der flüchtenden Pole» schreitet schnell vorwärts.

transpsrt der übergetretenen Polen nach dem In-1 nern von Deutschland Schiffsraum zur Verfügung zu stellen.

wb. Lyck. 30. Juli. Wie dieLycker Zeitung mitieilt, haben die italienischen Besatzungstruppen am Freitag Lyck mit einem Sonderzug über Arys Sensiurg bis auf ein geringes Kommando, das I wahrscheinlich noch bis zur Uebergabe in den Ka­sernen hier bleibt, verlassen. Die Truppen werden zunächst nach Allenstekst gebracht. Von einer Er­regung in Lyck ist nitchs zu spüre«.

Allenstein, 31. Juli. Von zuständiger ! Seite wird mitgeteilt: Eine Schwadron bolschewi­stischer Kavallerie traf, jenseits der Grenze bet Profilen ein. Auch von verschiedenen anderen Erenzstellen zeigten sich bolschewistische Patrouillen. Sie erklärten der Grenzbevölkerxng, daß sie die Grenze nicht überschreiben würden.

Das Aus- unb Durchfuhrverbot für Kriegsmaterial.

wb. B e r l i n, 31. Juli. Wie mitgeteilt, wurde im Hinblick auf die Neutralität Deutschlands im Kriege I zwischen Polen unb Sowsetruhland die Ausfuhr- und Durchfuhr »on Waffen nd Munttio« nach den beiden I kriegführenden Ländern verboten. Diese Verordnung wurde nunmehr durch eine weitere Verordnung der Reichsteg) ernng vom 3». Juli ergänzt, welche die unter das Verbot fallenden einzelnen Segenstände in einer I Liste einzeln «usfiihck.

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wb. Berlin, 1.Aug. Der Gesanbte in Warschau, Graf O b -> r u d o r f f, der sich m brere Tage zu Besprech­ungen in Berlin aufgehalten hatte, kehrte heute auf seinen I Posten zurück.

wb. Paris, 1. Aug. Rach derChicago Tnbnue I wirb das amerikanische Konsulat in Warschau seinen Sitz nach Posen verlegen, wenn bis zum 2. August der W«i- senstillstand zwischen Polen und Soivfetrußland nicht unterzeichnet ist.

I Räterepublik in fteroee?

Warschau, 31. Juli. Laut ..Ratet Warczawskt" ist in Kowno die Räterepublik ausgenifen worden.

Beuthen (O.-S.), 31. Juli. Ein drahtloser Ve- | richt des KrakauerNaprzow" meldet aus Warschau: Dort ist dar Gerücht verbreitet, daß in Kowno ein Auf­ruhr unter den litauischen Truppen ausgebrochen sei und die Bolschewisten den Revolnttmrären z Hilfe ge­kommen seien.

wb. Belgrad, 1. Aug. Die rumänische Re­gierung hat an Rußland eine Rote in Form eines Ultimatums gerichtet mit der Aufforderung, die russischen Truppen aus Bessarabien sofort zu­rückzuziehen. Der Sowjetregterung wurde dreitägige Frist gestellt. Wie verlautet, wird mänien die Mobilisierung anordnen.

Sie * MUMM.

Paris, 1. Aug. Die ''russischen Friebensbr- dingungen verlangen, wie aus amtlicher Quelle verlautet» daß der polnische Pufferstaat zwischen Deutschland und Rußland beseitigt werden und daß Rußland unbedingt das Recht des Durch- zugs durch Polen erhalten soll. Außerdem sollen die Polen die Provinz Pofen an Deutfchlan! zurückerstatten. Rußland werbe sich auf der Lon­doner Friedenskonferenz der deutschen Interessen «nnehine«.

W i e n, 1. Aug. DieReue Freie Presse' öffentlicht eine Unterredung mit dem Außen­minister Dr. Simons, der mit Bezug auf die Meldung, wonach die Londoner große Friedens­konferenz, auf der die Ostfragen behandelt werden sollen, ohne Zuziehung Deutschlands abgehalten werden soll, erklärte, wenn diese Nachricht richtig sei, so sei es sehr erstaunlich, daß Rußland jit> laste, daß überall die großen Fragen, die zwischen Rußland und Deutschland zu entscheiden sind, ohne Zuziehung Deutschlands entschieden werden solle. Jin Verlaufe der Unterredung kam der Minister auch auf den Zusammenschluß von Deutschland und Oesterreich zu sprechen und erklärte, die Gefahr, welche Oesterreich durch die ungarische Frage und durch die erneuten verstärkten Bestrebungen nach Herstellung einer Donauföderation bedrohen, seien nur durch e i n Mittel zu bannen, nämlich durch

darum handelt, ei« der Konsequenzen de» »ertrage* zu erfüllen. , , . ,

Abg. Zetkin (ftom.): Da» Gesetz macht ben deut­schen Arbeiter wehrlos, es ist deshalb für uni unan­nehmbar, _ . .

Abg. Gildemeister (D. Volksp.): Ta das ©tf* ein Polizeigesetz ist, so bedarf cS außerordentlicher Lei« hingen, um es auszuführen, was durch einen parlamen­tarischen Ausschuß nicht gefördert würbe. Daß bas Gesetz paritätisch ausgeführt werben muß, ist selbstverständlich. Der Revolution, der eS »uzuschreiben ist, bat unser Schwert zerbrochen, darf nicht weiter wirken.

Präsident Löb'e ruft nachträglich die Abgeordnete« Käppler nnd Wolff (So,.) zur Ordnung wegen un- parlamentarischer Zurufe währerch der Rede des Abgcord- neten Rösicke. -

Abg. Unterleithner (Unabh.) zweifelt nicht an der Ehrlichkeit des bayerischen Gesanbten, aber Herrn v. K a h r stehe er zweifelnb gegenüber. Wir halten eS für .ausgeschlossen, baß bie Entwaffnung in Bayern wider­standslos durchgeführt werden wird.

Der bayerische Handelsminister Hamm erklärt, ba| bie Angriffe gegen Herrn v. Kahr vollkommen gegen­standslos sind. Bayern wird treu am Reiche sesthalten, o lange bas Reich bemokratisch ist.

Rcichsminister Koch: Das Gesetz muß orbnungsgematz dutchgeführt werden, sonst stehen wir vor bet Gefahr btt

Die Mil der Weafflei.

Ketterer Vormarsch. Das bedrohte Warschau. I wb. Paris, 31. Juli. Die Pariser Morgen- zläitev berichten, die Taktik der Sowjetregierung «he, wie ein abgefangener Funkspruch beweise,! dar«tf hinaus, die polnischen Delegierten bis zum l ArrgnS hinzuziehen. Erst an diesem Tage volle sie ihnen die Waffenstillstandsbedingungen Nitteile«.Petit Parisien" erklärt, es beständen sehr ernste Gründe dafür, daß die Russen weit Haven entfernt seien, einen aufrichtigen Frieden mit Polen zu wünschen, sondern nur daran Mten, ihre Erfolge immer weiter anszudchnen, bis die Polen schließlich gezwungen seien, zu ka­pitulieren. Inzwischen dringe die russische! Armee »eiter vor. Die russische Kavallerie befinde sich ungefähr 30 Kilometer von Warschau entfernt. Die polnische Heeresleitung habe in- posiche« verschiedene Neubildungen von Heeres- teileit zum Zwecke einer Reorganisation der Armee angeordnet. Die Rückendeckung sei französi­schen Offizieren anvertraut worden.

Basel, 2. Aug. DieNational-Z'g." meldet ,us Marschau: Die Fcontlinie ist auf 50 Kilometer wt die Hauptstadt Warschau herangerückt. !

Winigsberg, 1. Aug. Meldungen von der 5ren$ä besagen, daß vom Waffenstillstand an der kiifsiskh-polnischen Front nichts zu spüren sei. Es heißt, daß sich ein starker W i d e r st a n d im ruf- fifche» Heer, das vielfach von früheren Offizieren der Zarenarmee geführt werde, gegen die Anord­nungen der Moskauer Regierung geltend mache.

Königsberg, 2. Aug. Im Lause des Sonn­tags iS das Bild an der Grenze unverändert gr- bliebmr. Auch an bet Grenze des Kreises Neiden­burg sind die Röte-Truppen erschienen und haben die Grenzwachen beseht. Die polnisch»; badt Ostrolenk, südlich des Kreises Ortelsburg ist Sonn­tag »0N den Rusten besetzt worden.^ In Mlawa sind di» Rusten einmarschiert.

wb. Kopenhagen, 31. Juli.Berlingske

Ser Schutz drr MrsWn Ekksz?.

Bitte um beschleunigte Antwort auf die Etenzschutz- note. Abmarsch der fremden Truppen.

wb. Berlin, 31. Juli. Wie erinnerlich, wurde dem Präsidenten der Friedenskonferenz in Paris am 21. 7. eine Rote überreicht, in der die deutsche Regierung um Zustimmung zu den zur Wahrung der Neutralität an der Ostgrenze erfor­derliche» Maßnahmen gebeten hate. 11. a. war ge­beten worden zu gestatten, daß für den Schutz der Grenze die erforderlichen Truppen durch die Ab­stimmungsgebiete von Allenstein und Marienwer- . der gesandt werden könnten. Nach Meldungen aus dem Osten zogen sich die interalliierten Truppen in den Abstimmungsgebieten von der Grenze zu­rück. Gegenwärtig ist die Lage die, daß an der Grenze der deutschen Abstimmungsgebiete keine gnügende Wehrmacht sicht, um Zwischenfälle zu verhüten. Eine auf deutsches Gebiet übergetretene polnische Truppenabteilung wurde von der Sicher­heitspolizei entwaffnet. Mit Rücksicht auf die zu­nehmenden Schwierigkeiten .wurde jetzt von der deutschen Regierung in Paris die Bitte ausgespro­chen, bie Antwort auf unsere Note zu beschleu­nigen. Die Militärbehörden in den Grenzgebie­ten wurden angewiesen, je nach der Lage und den Umständen zu verfahren. Das Uebortreten weite­rer pslnischer Truppen und ihr Aufenthalt im Oster, kann du unerwünschten Folgen führen. Die Verbündete» wurden deshalb gebeten, für den Ab-

i Besetzung preußischen Gebiete». In Preußen haben bie Obcrpräsidenten bie volle Verant­wortung, 'baß die Selbstschutzorgamsationen sich nicht anders entwickeln, als es im Witten de» Reiche» liegt« Es biet- sich zum letzten Male dem deutschen Volke Ge­legenheit, in ruhige Verhältnisse zurückzukehren. 6x hofft, daß diese Gelegenheit nicht verpaßt werde.

Abg. Simon-Franken (Unabh.): Die Regierung Kahr ist nur durch einen Staatsstreich zur Herrschaft ge­langt. (Widerspruch.) Die Einwohnerwehren dienen nicht zur Beruhigung, sie führen im Gegenteil erst Unruhe« herbei. t !

Schließlich geht bie Vorlage an einen Ausschuß. , Ohne Aussprache wurde in zweiter Lesung eine 1

Verfassu ngSändernng angenommen, wonach längstens bi» 1. Juli 1921 all» preußischen Reichsratsstimmen von den Mitgliedern bei preußischen Regierung abgegeben werden können.

Dann wird in zweiter Beratung bie Aussprache übet denergänzenbenNothanShalt bei bet Reichspostverwaltung fortgesetzt.

Abg. Fran Zietz (Unabh.): Die Beamten und Ar­beiter sind von großem Mißtrauen gegen bie Regierung erfüllt unb bezweifeln, daß bie neuen Tarifverträge auch gehalten werben.'LÜe.Personalakten der Beamten solle« beseitigt werben.

Reichspostministet Giesberts: Die persönliche« Ausgaben der Post sind enorm gestiegen, noch mehr als bei der Eisenbahn.

' Staatssekretär Lew alb: Ohne Personalakten kann kein Verwaltungsbetrieb anSkommen.

Abg. Bruhn (Deutschnat.) empfiehlt einen Aairag seiner Partei auf

Beseitigung deS Fernsprechdarlehns von 1000 Mark, bas seiner Zeit nur mit einer sehr knappen Mehrheit beschlossen Worben ist.

Reichsfinanzmimster Wirth: Die Rede der Frau Zietz war nicht erforderlich, nachdem der Hauptausschuß heute beschlossen hat, die Beamtenfrage am Montag zu erledigen. Die Erledigung der Besoldungsordnung in den einzelnen Staaten war ein Unglück für das Reich. Es geht nicht an, daß die wenigen Restbeamten der Län­der erheblich bessere Gehälter beziehen als bie Reichs­beamten. Meine Hauptsorge ist bie, ob ich die großen Gehälter noch lange werbe zahlen können. Auf das peinlichste berührt würbe ich von einem Schreiben der Eisenbahnerorganisation, welche uns mit einem

Demonstrationsstreik droht, sallS nicht die bindende Erklärung des HauptausschusseS unb deS Reichstages vis zum 31. Juli, nachmittags 3 Uhr vorliege, daß den Forderungen der Eisenbahner zugestimmt werde. (Hört, Mrt.) Tas kann sich keine Volksver­tretung bei WeMtzefallcn lassen. (Sehr richtig.) In bcm Augenblicke, wo darüber verhandelt wirb, ab bie Wünsche der Eisenbahner erfüllt werben können, setzt man uns die Pistole auf bie Brust. Wir finb es uns selber schuldig, erst die Klärung der Angelegenheit abzuwarten. ~Ter große Eisenbahnerverband will nichts von der Sache wissen.

Ministerialdirektor Bredow: Tas Fernfprcchdar» lehn muß beibehalten werben, wenn ein weiterer Ausbau des .Fernsvrechuedes erfolgen sott.

Abg. Jaub (Bayr. Vpt.): Die Streik«ndrohung der Eisenbahner weifen wir als einen Versuch des Druckes auf Parlament unb Regierung zurück.

Abg. B e y t h i n (D. Vpt.): Tas Ultimatum bet Eisen­bahner ist an Verbrechen am Volke. Wir werben uns daburch in keiner Weise beeinflussen lassen.

Abg. Geck (Unabh.) protestiert gegen bie politische Uebertvachung bet Ferngespräche.

Abg tzoef le (Zentr.): Es ist mir aus Eisenbahner- kreisen gcmelbet worben, daß es sich nm kein Ultimatum handele.

Reichspostminister Giesberts bestreitet, baß Fern­gespräche politisch überwacht werben.

Der Antrag der Dentschnationalen bett, bei Fern« sprechbarlehns wird abgelehnt. Die Entschließung des Ausschüsse» auf Hinausschiebung der Erhöhung bet Post-Zeitungsgebühren bis 1. Januar 1921 wird bewilligt, Fortsetzung Montag mittag 1 Uhr. je-

Dit k!l!«GW dtt ZiMnNNW.

Ein Ultimatum der Eifeubahner.

15. Sitzung des Reichstags vom 31. Juli.

HauS unb Tribünen sind nur schwach besetzt.

DaS Entwaffnungsgesetz verlangt Ablieferung aller im Volke besiichlichen Militättvassen an von dem Reichskommissar zu bestimmende Stellen. Wer innerhalb der festgesetzten Frist der Aufforderung der Wassenabliefe- rtntg nicht nachkommt, wirb mit einer Gefängnisstrafe von nicht unter 3 Monaten unb mit Geldstrafen bis zur Höhe von 300 000 Mark, in schweren Fällen mit Zucht- HauS bis zu fünf Jahren bestraft. Der Reichskommis- far hat bas Recht, Durchsuchungen unb Beschlag­nahmen außerhalb der burch die Strasprozcßordnung ge­zognen Grenzen anzuordnen, das Bries-, Post-, Tele­graphen- unb Fernfprechgeheimnis aufzuheben, sowie eine Kontrolle des Verkehrs der Eisenbahn, btt Schiffahrt, bet Post, der- Kraftwagen und sonstigen Fuhrwerke sowie bcs Lustverkehrs arizuordnen. Et tann bet Sicherheits­polizei Anweisungen erteilen unb die Hilfe bet Reichs­wehr in Ausprn nehmen.

Reichsmüüsiet Koch weist auf bie ungeheuere Auf­gabe hin, bie uns in Spaa auferlegt worden ist. Sie lasse sich nur mit dem Volke lösen. Dies ist umso schwie­riger, als bie Frist so kurz bemessen ist, daß sich die I Regierung nicht mehr mit den einzelnen Staaten ins Benehmen sehen kann. Er weiche angenommen, daß es sich ungefähr um

1900000 Gewehre