Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
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Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen
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Marburg _
Sonnabend, 31. Juli
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Die ,,Ob«rheMsch« Zeitung" erscheint sechsmal »schentlich. — Bezugspreis manatiich 4^e 4 Mk durch dte Poft 4.20 Mk. — Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder Uk. 1(0 elementarer Lreigniss« kein Ersatz. - «erlaa von Dr. L. HitzerotS. - Druck bet 'tt‘ Uni».-«uchdrackerei »°n J.y. Uuz. K-<ö. Markt 21/23. - Fernsprecher 55.
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Erstes Blatt.
Die Asshebmi der MrsM.
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IS. Sitzung des Reichstags vom 80. Juli.
Das Haus steht zunächst untet dem Zeichen kleiner Ins ragen. Nicht weniger als 41 harren der Beantwort«»«!. von denen aber eine Reihe von der Tages- etbmtoS abgesttzt werden mutzte, weil die Fragesteller richt. anwesend sind.
Abg. Freiherr n. Serener (D. Vpt.) fragt die Regierung, was zur Befreiung der noch in Avignon befindliche» deutschen Kriegsgefangenen getan worden lei, die Frankreich widerrechtlich zurückbehalten habe.
Ein Regierungskommissckr erwidert, daß es sich um etwa RN Gefangene handele, die sich während der Ge- stmgeuschast Straftaten zuschulden hätten kommen lasten. Die Regierung habe ihre Begnadigung ver- JfliHi. bie französische Behörde sei nunmehr mit der Er-
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sediPwg der Angelegenheit beschäftigt.
Lbg. Dr. Kahl fD. Vpt.) fragt an, ob die SU» gicrtiug irgendwelche Schritte unternommen habe wegen des Verbotes des Absingens nationaler Lieder und des Aufziehens der Fahnen im besetzten Gebiet.
Et« Regierungskommissar antwortet, daß die Rc-
ßieruuz bie interalliierte Rheinlandskommifsio» um Iushebiiug des Verbotes ersucht habe, und scharfen Pro- ltn)h:Sqfc kl1 eingelegt habe.
O-97 Shif eine Anfrage des Abg. Hötzsch (dntl.), welche Maßunhuren die Regierung ergriffen habe, um dem Notstand der Wissenschaft zu steuern, die wegen der Steigerung der Druck- und Materialpreise in
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ihren Publikationen gefährdet sei, erklärt Staatssekretär Dr. Schulz, die Angelegenheit befinde sich im Sif.biuiii der Vorbereitung, und es werde dem Hause kine ausführliche Denkschrift hierüber vorgelegt werden.
Abg. Schirmer (D. Vpt.) fragt an, ob die Ne- Iierung angesichts der
ORsttsge des deutschen Zeitungsgewerbes tmd der hohen Papierpreise nicht eine Hilfsaktion ■ pigunflen der Presse in Angriff nehme und im verstärktem Maße dafür sorgen wolle, daß eine Senkung bet Papierpreise geschossen werde.
Ein Regierungskommissar erklärt, die Regiernng, habe für die Zeit vom 1. Mürz bis 1. Juli einen Be- . trag voll 10 Millionen zur Senkung der Papierpreise zur
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-'Versagung gestellt. Eine ähnliche Summe werde für bie Zeit nach, dem 1. Juli folgen, desgleichen würden »uch in Zukunft weitere Mittel zur Verfügung stehen. "$ie Regierung werde weiter auf die Senkung der Papieren eise Bedacht fein und werde sich auss neue mit den Mn!er:>eT'!netn der Papierholzindustrie ins Benehmen fttzen
Abg Sima n lSoz.) fragt, was die Regierung zu fcn gedenke, um anläßlich der Entfernung verfaisnngs- ht::er Mannschaften aus dem Augsburger 42. Schützon- ugiment ähnliche Maßregelungen durch das Offizierskorps in Zukunft zu verhindern.
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Offizieren und Manilschaften im Sinne politischer Be-
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tätiguug zusammeitgeschlossen. Getreu dem Grundsätze des Reichspräsidenten, daß Politik nicht in die Reichswehr oehöte, feien alle diese Mannschaften ohne Ansehen ihrer politischen Zugehörigkeit entlasten worden.
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- Em Reaierungskommistar erwidert, daß die ans An- aa^na ^6 des Kapp-Putsches gegenüber den Offizieren er- ) zu v« hobeuen Beschuldigung z. T. sich als nicht berech-
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9 fraglichen Regiment ein bestimmter Kreis von Unter-
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Abg. Fran Zetkin (Komm.) fragt an, ob es wahr fei, daß der englische General Malcolm in Begleitung beulschcr Offiziere nach Warschau gefahren sei.
Masor v. Bötticher erklärt, daß dies nicht der 5aC fei.
Zur Beratung über den Gesetzentwurf betreffend
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Abschaffung der allgemeinen Dienstpflicht
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tzat zm Abg. v. Gollwitz (Teutschnall.): Wenn gestern ’ n*“g) töne stolze Säule aus dem Gebäude des Deutschen , ‘ Reiches heransgebroche.t wurde, so soll heute das ganze
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-urreren, (Tie R«hie nimmt ihre Plas.c wieder
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stross- Gebäude mit einem Schlage zusammengeschlagen kerkert. Ein Söldnerheer ist für uns nicht brauchbar. (Seine Ausführungen 'geben zu lebhaften Ans- »inaiidersetzungen zwischen den Unabhängigen und den Mitgliedern der Rechten Anlaß. Ter Redner wird stusgepstsfen und überschrieen. Erst der Präsident knn Jtirbtr einigermaßen Ruhe Herstellen. Als dann ^tr Redner ans das Andenken der ruhmbekränzten Rahne» von tzeer und Flotte zu sprechen kommt, bricht Ohrenbetäubendes Johlen und Kreischen aus, bas minutenlang anhält.)
Abg. Dr. Breitscheid (U. S.) lehnt den Antrag bem allgemeinen Elend zu sprechen, das die Dienst- stflicht herausbeschworen habe. (Stürmische Protest-
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•Mib Pstznruse rechts, die Mitglieder der Deutschnativ- Kalen und der Deutschen Volkspartei verlassen »en Saal.) Tie große Mehrheit unseres Volkes weitert uw die Verluste, die der Krieg gebracht habe, L go a sticht um die Abschaffung der allgemeinen Dienstpflicht. —— . Abg. v. Lardorfs (D. Vpt.) bittet, in diesem IttTtC W^enblick, wo wir am Grabe aller Hoffnungen stän- dem Ernste der Stunde gemäß dem Anträge gegen-
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Umfassung der polnischen Nordarmee
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Berlin, 30. Zuli. Die Umfassung und Vernichtung der polnischen Nordarmee scheint nach den letzten Berichten von der Nordsront vollzogene Tatsache zu sein. Die Russen haben di« Festungen Ossowiec, Suwalki und Lomza erobert. Das ganze Grenzgebiet von Suwalki—Grajewo—Sczuczin bis nach Kölns wird bereits von den Russen beherrsch; und von ihren Patrouillen abgesucht. Die russischen Truppe» befinden sich unmittelbar an der deutschen Grenze.
Es ist unverkennbar, datz der Zug der Sowset- truppen an der deutschen Grenze vorbei zieht. Offenbar will die russische Heeresleitung die Pole« in einem Kessel bei Lomza zusammentreiben. Die russische Marschrichtung zeigt nach Süden, und da inzwischen auch Bialystok von den Russe« genommen wurde und damit das Zentrum der polnischen Nordarmee abermals zurückgedrängt wurde, so scheint die Absicht der Ruffen, die Polen konzentrisch von Norden, Westen und Süden auf Lomza zusammenzupressen, zu glücken.
Die Sowiettruppen haben gestern abend K o ! n o besetzt, haben aber nirgends die deutsche Grenze berührt.
Die Kämpfe, die sich an der ostpreußischen Grenze abspielen, haben die Erregung der deutschen Bevölkerung gesteigert. Die Verbündeten bereiten sich zur Abreise aus dem Abstimmungsgebiet vor, da sie befürchten, die Bolschewisten könnten einmarfchieren. Auf der anderen Seite scheint ein Plan zu bestehen, die Abstimmungsgebiete als eine Operationsbasir gegen Sow.Zrutzland zu benützen. Die italienischen Truppen sollten heute aus Allen- stein abtransportiert werde«. Die deutschen Eisenbahner weigerte,! sich jedoch, den Transport ab- gehen zu lassen,'wenn die Italiener nicht die Garantie dafür übernähmen, datz die Truppen nicht gegen die Russen verwendet würden. Infolgedessrn ist der Tran??e-' noch nicht abgegangen.
Da in Westpreußen deutsche Reichswehr noch nicht cingeiteffen ist, ist die deutsche Grenze bisher nur mit spärlichen Formationen von Sicherheitspolizei besetzt.
wb. K ö n i g s b « ^g, 38. Zuli. Die interalliierten Truppen des Abstimmungsgebiets stechen ohn« Instruktionen, sie werden aber im Falle des russischen Einbruchs abziehen. Damit bleibt dieses Gebiet schutzlos.
Die Rätetruppen vor Brest-Litowsk.
kg. Wien, 31. Juli. Rach Meldungen aus Warschau steht Brest-Litowsk vor hem Fall. Die Rusten sind auf 40 Kilometer herangekommen und haben nach einem Funkspruch Kobrin besetzt.
Mrririll »i'«Wr irueeea.
Berlin, 31. Zuli. Wie der »Boss. Ztg." aus Marienburg gemeldet wird, haben abgeschnittene polnische Truppen in Stärke von 2000 Mann und 40 Offiziere» bei Profiten die deutsche Grenze überschritten. Es schweben Verhandlungen über ihre Entwaffnung. Die übergetretenen Truppe« sollen in das Lager Arys übergeführt werden.
Der Vündnisfall zugunsten Polens.
Rotterdam, 30. Juli. „Courant" meldet aus London: Das Kabinett hält erst nach dem Fallen der Buglinie und der Aufgabe von Breft- Litowfk de» L-indsisfall zugunsten Polens für gegeben.
Genf, 30. Juli. Der Oberste Ra t hat beschlossen, falls es zu einer militärischen Hilfsaktion für Polen kommt, das Mandat Frankreich zu übertragen.
Die Frist zum Eintritt des Waffenstillstandes.
Genf, 30. Juli. „Echo de Paris" meldet: Die Frist zum Eintritt des Waffenstillstands ist auf Dienstag mittag 12 Uhr festgesetzt.
Bolschewistische Bedrohung Finnlands?
Rotterdam, 30. Juli. „Morning Post" meldet aus Helsingfors: Die finnische Regierung wendet sich an den Obersten Rat mit dem Hinweis auf russische Truppenverstärkungen an der finnischen Landesgrenze.
Die Transporte von Tschechen durch Deutschland.
wb. C u h a v e n, 30. Juli. Die gestern hier gelandeten Tschechoslowaken wurden in drei Son- derzügen nach der Heimat befördert. Die Waffen folgen in späteren Zügen nach, so datz dir Truppen waffenlos durch Deutschland reisen.
Die kommunistischen Umsturzpläne.
Berlin, 30. Juli. Kürzlich sprach in Elberfeld Ser Führer der K. A. P. D. Laufenberg aus Hamburg in der Stadthalle aus, daß die Errichtung der Räterepublik in kürzester Frist mit Gewalt erfolgen würde in Verbindung mit dem Vorstoß der russischen Sowjet- 1 rappen. Waffen wäre« genügend vorhanden. Die Verteilung würde frühzeitig erfolgen, nachdem des Zeichen zum Losschlagen gegeben sei. Unabhängige, Kommunisten und Syndikalisten und alle anderen revolutionäre Arbeiter würden diesmal ganze Sache machen müssen, damit endgültig die Vorherrschaft des Proletariats gesichert sie. Das Zeichen zum LoS- schlagen könne schon in allernächster Zeit gegeben werden.
ein.) Ter Militarismus Aeuischfauds sei tot, der französische Jmperalismus lebe. Sei der Bolschewismus nicht Militarismus? Daß die Vestimmun- gen des Friedens in der Entwaffnung eine
unendlich tiefe Schmach ■
für unser Volk bedeuten, dafür müßten doch auch die Unabhängigen Verständnis habe«. Die Stellung Europas sei zur wilhelminischen Zeit besser gewesen, wenn auch manches Wort besser ungesagt geblieben wäre. (Abg. Ledebour ruft: Kinderei, Würdelosigkeit. Erneute Lännfzenen zwischen rechts und links.) Wir müssen eine neue Erziehungsmethode schassen. Den Leibesübungen muß größere Sorgfalt zugewandt werden, daß ist auch wichtige Forderung des Erfurter Programms. Eine Diktaiur des Herrn Dr. Rosenfeld würde sich das deursche Volk auch nicht gefallen lassen, auch nicht die Arbeiter. Andererseits fei es itii6rciv:t notwendig, daß sich alle Parteien unter ZurückrAlung kleinlicher parteilicher Erwägungen zn- sRinmenfchließeu, um die int Volke schlummernden Kräfte neu zu beleben.
Abg. S ch ü ck i n g (Dem.) erläutert feinen Antrag auf Einführung eines allgemeine«
wirtschaftlichen Dienstjahres.
Er führt u. a. aus: Dtt Staat hat die Pflicht, das Leben und Eigentum feiner Borger zu schützen. Der Weltkrieg hat das Gegenteil herbeigeflihrt. Deshalb dürfe die Wehrpflicht nicht mehr wiederkehren. Man möge aber dis erzieherischen Wirkungen der alten Dienstzeit nicht gerne wtifw. IIm diesem Sflnn'che zu eiitsprechen, fei fein A«t«z gestellt. Die Frauen sollten in ÄraHfee|j*ierit usto. Beschäftigung finden. Die Stadt Frankfurt a. M. beifpielsaaeise könne in den Krankenhäusern den Dienst nicht mehr »ersehen. da kein Personal zu beschaffen fei.
Abg. Dr. Vreitscheit (U. S.) lehnt den Antrag Schücking ab. Wir ftnE weit davon entfernt, uns bllnd-
liugs dem Bolschewismus in die Arme werfen zu wollen oder beit russischen Bolschewismus zu verleldigen. Mr wollen bloß die Idee des Bolschewismus, wie sie in seinem Wesen zum Ausdruck gelangt, verleldigen.
Abg. S ch ö p s l i n (Soz.) versteht die Unabhängigen nicht, die sich nicht mit der alten Begeisterung des verstorbenen Abg. Bebe! mit der allgemeinen Wehrpflicht befasien wollen, der diese Einrichtung auch als eine Forderung des alten sozialistischen Programmes ausgestellt habe. Für die Auswüchse dieser Einrichtung sei auch er nicht zu haben gewesen. Der Gedanke des Antrags Schücking sei gut, aber er halte den Antrag in dieser Fasiung nicht für angängig, zumal dieser einen schlechten Eindruck auf das Ausland machen werde.
Abg. Frau Wurm (IL S.) sieht nach wie vor Deutschland für einen Ktassenstaat an und glaubt nicht, daß eine Annäherung der sozialen Klasien durch den Antrag Schucking herbeigesiihrt werde. Sie verlangt vielmehr eine völlige Slonberung der Jugenderziehung und zwar für alle Klassen gemeinsam.
Abg. Haas (Dem.) bedauert, daß nicht alle yeute von Trauer erfüllt seien, er verstehe die Haltung der Unabhängigen nicht. Verstehen Cie denn nicht, fragt er, daß wir
olle zu Sklaven geworden
sind gewiffermaßen? Warum hoben die französischen Sozialisten nicht eine allgemeine Abrüstung verlangt, anstatt daß uns allein der Todesstoß versetzt wird? Das Gesetz muß verabschiedet werden, aber so kann es nicht bleiben, daß alle Welt von Blaffen strotzt, während Deutschland allein wehrlos darniederliegt.
Abg. Dr. Herschel (3entr.): Es wäre besser gewesen, das Gesetz ohne Debatte zu verabschieden. Die allgemeine Wehrpflicht war eine Schule der Ordnung und Unterordnung, der Ausfluß eines demokratischen Gedankens.
Abg. Leicht (Bayr. Vpt.): Unter dem Drucke der Verhältnisse stimmt meine Pattei der harten Ronven- digkett des Eefetzentwnrfe» zu.
Reichswehrminister Dr. Gehler: Der Gesetzentwurf ist kein Ausfluß des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, sondern eine
Ausführung de» Diktate» oou Berfaille» Auch für die Regierung wäre die allgemeine Dienstpflicht ein Palladium der Treue zum Volke. Er dantt den Abgeordneten, die de» alten Heeres gedacht hätten. (Hört! Hört! link». Unruhe.) Das deutsche Heer war niemals das Instrument eines Angriffes.
Abg. S ch ü ck t n g (Dem.) zieht feinen Antrag zurück.
Der Gesetzentwurf wird in allen drei Lesungen gegen die Stimmen der Deutschnationalen und einiger Mitglieder der Deutschen Volkspattet angenommen. *
Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Verlängerung der Gültigkeitsdauer des
Kohlenjteuergefetzes.
Abg. Keil (Soz.) bedauert für feine Partei die Zustimmung nicht geben zu können, da die Steuer bereits das Doppelte des Kohlenpreises von 1917 ausmache. Die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie soll gehoben werden. Die Kohleusteuer erschwere bie». Rur eine Verbilligung der Rohstoffe und fpezrell der Kohle, könne hier helfen. Seine Freunde hätten t>e» antragt die Kohlensteuer nur ein Vierteljahr gelten zu lassen und in der Zwischenzeit eine Vorlage über die Sozialisierung der Bergwerke einzubringen.
Abg. Eichhorn (ll.S.Z.): Seine Partei beantrage die Beseitigung der Kohlensteuer für Hausbrand und bei anderen Fällen die Herabsetzung auf vier Mark für die Tonne.
Der Gesetzentwurf wird angenommen gegen di» Stimmen der Linken, nachdem der Antrag der Sozialdemokraten vorher abgelehnt worden war. E» folgt die dritte Lesung des Gesetzentwurfes über die
Aushebung der Militärgerichtsbarkeit.
Abg. B r ü n i n g h a u s (D. Vpt.) weist daraus hin, daß für die Marine besondere Bestimmungen bestehen.
Der Gesetzentwurf wird im Wege de» Hammelsprungs mit 188 gegen 168 Stimmen angenommen.
Zur Gesamtabsti rnrnung, die Annahme de» Gesetze» gegen die Stimmen der beiden Rechtsparteien ergibt, stellt Vizepräsident Bell fest, daß mehr als zwei Dritel der Anwesenden für das Gesetz gestimmt haben. Damit sei auch für den Fall einer Verfassungsänderung dem Gesetz Genüge geleistet.
Der Gesetzentwurf für die vereinfachte Form der Gesetzgebung für die Zwecke der Uedergangs- wirtschaft wird in dritter Lesung mit mehr al» zwei Drittel Stimmen angenommen.
Nächste Sitzung Sonnabend vormittags 11 Uhr: Ent- wafsnungsvorlage, Fortsetzung der Haushaltserortermiii.
Der Präsident macht noch bi» Mitteilung, vatz voraussichtlich am Msntag und Dienstag noch Sitznngett- werden stattfinden müsfen. Schluß 7Vs Uhr.
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wb. Berlin, 30. Juli. Der Unterausschuß dr,^ Reichswirtschastsrates für Landwirtschaft und Ernährung beschäftigte sich in feinen beiden ersten Sitzungen am 28. und 29. Juli mit der Frage der Bewirtschaftung der Kartoffeln und des Fleisches." Die Regierung hatte bem Ausschuß den Entwurf einer Vorordnung zur Begutachtung vorgelegt, die als Uebergangsinaßnahme und zur Vorbereitung der freien Vieh, nitb Fleifchwirtfchaft die Auf •' Hebung der Fleifchkarte vorschlägt und durch eine örtliche Kundenliste ersetzt werden soll. Anstelle bei Kunbenlisten soll aus Wunsch einzelner Landesregierungen aber auch die Einführung einer Gerneiudefleischkaite zulässig sein. Der Verordnungentwurf sucht ferner die Fleifch- verforgung der Selbssversorger dadurch zu verbessern, datz in Zukunft nicht mehr eine Gewichts« menge, sondern ganze S ch l a ch 11 i e r e als Berechnungsgrundlage der Selbstverforgerraiion zugelassen werden. Der Ausschutz, der sich nur gutachtlich zu äußern hatte, erklärte sich mit großer Mehrheit gegen diese Verordnung. Er endet» mit der Annahme eines Beschlusses, wonach da» Gutachten des Ausschusses auf Aufhebung der Zwangswirtschaft nach einigen Monaten bei vorläufiger Beibehaltung der Fleifchkarte lautet. Die Aufhebung soll erst erfolgen, wenft gewisse Ueberqangsinatzuahmen durchgefühlt worden sind. Bezüglich der K a r t o f s e l w i r t - schäft wurde die Aufhebung der Bewirtschaftung der Herbstkarioffeln einstimmig beschlossen. Auch hier wurde jedoch an die Aufhebung der Zwangswirtschaft die Bedingung geknüpft, daß die Gemeinden durch Abschluß von Liefe» rungsverträgen eine Menge von 35 Millionen Zentnern für die städtische Bevölkerung sicherstellen, und datz außerdem Vorsorge für weitere Kartoffelreserven, mit denen etwa eintretenda Notstände bekämpft werden können, getroffen werde. Der volkswirschaftliche Ausschutz de» Reichswtttschaftsrates hat den hier behandelten Beschlüssen seines Unterausschusses für Ernährung und Landwirtschaft in seiner heutigen Sitzung bie erforderlich« Genehmigung ex teilt? ,