Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen
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Gewicht legen die Werber auf früher mit Waffen Geübte. Die Angeworbenen werden nach Königsberg und größeren Kreisstädten geschickt und zur Geheimhaltung verpflichtet. Die Rcckikalen in der dortigen Gegend sind gegenwärtig sehr hoffnungsvoll gestimmt. Sie sagen, daß die Mißerfolge der Polen gegenüber den russischen Bolschewisten endlich in Aussicht stellen, daß man chen „russischen Befreier" die H-and reiche» kann.
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Ausweisung von Russen aus Paris. Aus Paris sind 51 Russen ansgewiesen worden, die im Verdacht kommunistischer Umtriebe stehen.
Die Araber nehmen das franzöfifche Ultimatum an. Aus Basel wird gemeldet, daß Emir Fessal sämtlich« Bedingungen des Ultimatums de» Generals Sourand angenommen hat.
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Marburg Donnerstag, 22. Juli (»eaert)
eingestellt werden. Jedenfalls wird die russische die sich augenblicklich in Reval befindet, n i ch t
Rrichstagssttzung am Montag.
wd. Berlin, 2L Juli. Nach den Beschlüssen btf Aeltestenausschusse» tritt der Reichstag am Monrag den 26. 7., nachmittag» 6 Uhr, zu einer Vollsitzung ;s> sammen, um den Bericht der Regierung Über dir Verhandlungen in Spaa «ntgegenzuaehmen.
Nach dem ,L. A." wird dem Reichstag Lei seinem Zusammentritt ein Weitz bu ch über bie Äonf«t«mMI Spaa vorgelegt werdqx.
Der Untergang de» Kriegsgefangenenschiffes auf der Newa doch bestätigt.
Helflngsors. 21. Juli. Zu der Nachricht, vaß auf der Newa eine große Anzahl deutscher und österreichischer Kriegsgefangener mit einem Schiff auf dem Heimtransport untergegangen seien, die »on amtlicher deutscher Stelle dementiert wurde, berichtet fehl ein aus Petersburg eingetroffener Schwede, daß das Schiff mit den Gefangenen tatsächlich auf der Newa untergegangen sei. Die Schiffsleitung habe große Betrügereien begangen, und um sich der Bestrafung zu entziehen, zu dem Radikalmittel gegriffen, das Fahrzeug mit Man» und Maus zu v e r f e n k e n. 806 Kriegsgefangene, meist Deutsche, seien um gekommen.
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Polizei, t Nr. r «rnsav • Hu«
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i Prob« auf di« Aufrichtigkeit der Räteregiernng.
i wb. London, 22. Juli. Reuter erfährt, die eng. tische Antwort auf die Sowjetnote sei vorgestern Abend sihersandt worden. Es wird darin vorausgesetzt, daß die Smojetregierung bereit ist, Frieden zu schließen, pm aber einstweilen die Aufrichtigkeit der Sowjetregie- pmg zu prüfen, sind die Polen aufgefordert, selbst pn einen Waffenstillstand zu ersuchen. Wen» die kewjeirezierung nicht bereit ist. Frieden zu schließen A«d in Polen cindringt, so werden die Verhandlungen über die Wiederaufnahme des Handels mit Rußland
)i«b«ft »eben.
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aus Oesterreich mit Bela Khun.
tob. Berlin, 22. Juli. Von zuständiger Seite wird initgeteilt: Die österreichische Negierung steht mit Sotojet- rußland in Verhandlungen über den Austausch der beiderseitigen Kriegsgefangenen. Sie hat daher vcr kurzem bie Reichsregierung ersucht, die in Oesterreich internierten kriegsgefangenen Russen durch Deutschland nach Rußland znrückbefördern zu dürfen. Die deutsche Regierung hat ihre Ziisiimmnng dazu erteilt. Nunmehr ist ein Transport von W8 ^Männer» und 8 Frauen über Bodenbach nach Siettt.» -Kctührt worden. Tort mack-ie der österreichische Offizier, der den Transport führte, die Mitteilung, daß sich hochpolitische Persönlichkeiten bei dem Transport befänden. Schon vorher war durch das österreichische Korrespondenzbüro verbreitet worden, daß Bela K h u n mit mehreren Begleitern nach Deutschland abgeschoben worden sei. Da die deutsche Regierung auf eine gelegentliche Anfrage des österreichischen Gesandten in Berlin ausdrücklich erklärt hatte ,baß ihre Zustimmung sich nnr auf den Durchtransport von Kriegsgefangenen beziehe und sie es grundsätzlich nicht gestatten könne, daß andere Personen, insbesondere politisch Verfolgte wir Bela Khun, den Transporten angeschlossen werden, mußte der Transport in Stettin angehalten werden. Nach den Regeln des Völkerrechts war der unter österreichischer Leitung und Besetzung stehende Transport als exterritorial anzuseheu. Eine Aussonderung der politischen Persönlichkeiten von den Kriegsgefangenen stand daher der deutschen Behörde nicht zu. Vielmehr mußte der ganze Transport, weil er gegen die Vereinbarungen zusammengestellt war, nach Oesterreich zurückgcleitct werden. Die Rückführung des Transports ist bereits im Gange. Die deutsche Regierung bedauert, daß infolge des Vorgehens der österreichischen Regierung die Heimkehr der russischen Kriegsgefangene» verzögert wird. Sie wird die Heimkehr der Gefangenen mit größter Beschleunigung bewirken, sobald die österreichische Regierung ihr nachwcist, baß der erneute Transport der Vereinbarung entspricht.
6i«e Sitzm in? MiislemMatm.
Billigung der Haltung der deutschen Vertreter.
lob. Berlin, 21. Juli. (Amtlich.) Heule vormittag fand unter der Leitung deS Reichskanzlers eine Sitzung der Ministerpräsidenten der Länder-statt, die der Aussprache über die Beschlüsse von Spaa galt. Der Reii^kanzler eröffnete die Besprechung mit einer Begrüßung der erfchienruen Herren und erteilte dann dem Reichsministec des Auslvärtigrn daS Wort zur Berichterstattung. An den Bortrag deS Minister« d«S Auswärtigen schloffen sich Darlegungen des Rcichs- wehrministers G e ß l e r über die militärischen Fragen Ptd deS ReichLmimstrrs des Innern Koch über die technischen Fragen der Entwaffnung. Der Berichterstattung folgte eine mehrstündige Aussprache. Dabei kam von den verschiedensten Seiten die Sorge über die schweren militärischen Bedingungen zum Ausdruck, dk iiu« angenchfs unserer lch-p-Arr/,,,! PL ff fische siaae auferlegt siwrdeü sind. Geusa wurde tie Last des KohlenabkommenZ für unsere Arbeiterschaft und unsere Industrie sehr ernst beurteilt. Gleichvohl tourde anerkannt, daß die Delegation in Spaa nicht in der Lage war, andere Ergebnisse zu erzielen, und es wurde nachdrücklichst daraus hingrwiesen, daß alle» daran gesetzt lverdeu müsse, den Beipflichtungen des Abkommens gerecht zu werden.
Da» Ziel des russisch«« Vormarsches.
Rach Meldung der Moskauer „Prawda" erklärte Lenin. ber siegreiche Vormarsch der roten Armee sei picht mehr auszuhalten und leite eine neue geschicht- toje Periode ein. Der Bolschewismus werde sich jetzt Iber Mittel- imd Westeuropa ausbreiten. In den eroberten polnischen Städten sympathisiere die Bevölke- tiiüß mit der roten Armee. Tschitscherin erklärte, es fei für die Wiedcraufrichtung Rußlands notwcnvig, tzrli Deutschland eine gemeinsame Grenze zu haben. Die Offensive gegen Polen werde pur dann ihr Ende finden, wenn dieses Ziel erreicht ist. Die bedrohte deutsche Ostgrenze.
i»6. Berlin, 21. Juli. In der gestrigen Sitzung Äcuhstagsai'LschusseZ für auswärtige Angelegcn- ßeiicn besprach der sozialdemokratische Abgeordnete Bernstein das Borrücken der Bolschewisten in Polen, kr wies darauf hin, daß nach Beendigung des Krieges «ch marodierende Banden bilden könnten, die die kicheryeir unserer deutschen Grenzbevölkerung gefährden würden. Tie Bevölkerung müsse daher rechtzeitig geschützt werden. Der Minister des Aeußern »r. S imonS erwiderte, daß in der Tat die bolsche- toistische Armee nur wenige Tagesmärsche »o ik d e r d e n t f ch e n G r e n z e e n t f e r n t sei. Für kn Schutz der Grenzbevölkerung seien bereits sorg- [Ätiflt Maßnahmen getroffen worden.
Berkin, 22. Juli. Laut „Vorwärts" wird in kr deutschen Note betreffend den Vormarsch der Volschewisten, über die Reichsminister Dr. Simons k der gestrige» Sitzung des ReichstagSauSschusses krichreie, den Verbündeten mitgeteilt, daß der mili- licische Grenzschutz in Ostpreußen durch Ortswchren krstärkt tvorden sei. Zugleich betont die Note die kvtweitdigkcit, die äußere. Grenze der Abstimmungs- Mete durch deutsche Truppe» zu schützen, da diese tzwtras sind, während die Franzose», die im Kriege Nit Rußland stehen, die russischen Truppen angreisen Nnb damit den Krieg ans deutschen Boden tragen Mtben.
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Mrdlich von Erodno dauern die Kämpfe aus der gftrt« SNzy-Borice an. In der Gegend von Rowogro- tztk habe» die Polen den Befehl erhalten, ihren R ü ck - zig anzutreten. Bolschewistische Angriffe in Polesien ppd om Styr-Fluß sind abgeschlagen worden.
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Polnischer Kriegsbericht.
Kopenhagen, 21. Juli. Nach einem Tele- aus Warschau besagt der polnische Heeresbe-
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Auswärtigen von Tag zu Tag gewachsen fe£ Er habe sich anscheinend daS Vertrauen der anderen Seite erworben, und daS sei viel. Er befürchte aber, daß die Delegation nicht mit einem genügend klaren Progran« nach Spaa gegangen sei. Die Ausführungen bei Ministers in der Entwaffnungsfragr hätten ihn nicht überzeugt. Es bleibe daS Bedenken, daß die
Stellung Deutschlands sich verschlechtert habe. Stor Redner setzt sich dann mit der Auffassung der Abg. Dr .Brcitschcid über die Lage tm Oken auseinander. Die Neutralitätserklärung habe er besonders begrüßt. Die Frage der Osten» hätte schon tu Span zur Sprache gebracht weiden müssen. Der Redner fragt weiter nach den Kompetenzen der Estenrr Kommission und nach denen der oberschlesischen Kommission. Daß der Mintkr» die Entente anfgcfordrrt habe, auf die Abstimmung i» Oberschlesieu zu verzichten, hält er für bedenklich. Daß, was unterschrieben ist, hielten seine Freund« nicht für erfüllbar Da» Schlußurteil über Gens könne erst gefällt werden .wenn die Besprechungen in Gens vorüber seien.
Reichskanzler Frhrenbach: Eine Möglichkeit. Em» fluß auf die Tagesordnung zu gewinnen, sei nicht gegeben gewesen. Wenn wir auf einer Aenderung l*standen hätten .hätten wir gleich am Anfang einen Mißeriolg gehabt. Daß die Reparationsfrage in Spaa nickt mehr ausführlich zur Sprache kam, sei kein Unglück. E» sei jetzt eine bessere Vorbereitung der Frage für Genf möglich.
Abg. Frhr. v.LerSner (D. Bpt.) geht kur, auf die Vorgeschichte der Einmarschklauseln ein. Er führt insbesondere die Note vom 23 12. an. Dir Entente wisse, daß sie garnicht das Recht zum Einmarsch habe. Ein Einmarsch würde ein Bruch de» Frieden! und des Völkerrechts sein.
Abg. Frau Sender (Unabh.l wendet sich gegen Ausführungen des Reichskanzlers und des ReichSministerS M Auswärtige!! und polemisiert gegen die Beteiligung brf Abg. Sünnes an den Verhandlungen in Spaa. Db Rednerin teilt zur Lage im Osten mit. daß in Ludwig» Hasen Wafsentransporle der Entente nach dem Osten ehv getroffen seien. Die Arbeiter Härten die Beförderung dies r Waffen abgelehnt. Gegen Separationsbestimmungen trclc ihre Partei mit aller Schärfe auf.
Reichsminister Dr. Simons erklärt, daS, toaS die Delegation hcimgebracht hätte, sei kein Erfolg, solcher» eine schwere Belastung
unserer Bevölkerung unb Wirtschaft. Auch habe « große Zweifel, ob wir die Leistungen erfülle» könnten, und die Unterschrift der Abkommens habe ihm außerordentlich schtvere Kämpfe gekostet. Die Ansicht, daß die Gegner nicht auf strikter Erfüllung deS Friedens« Vertrages bestehen werden, bezeichnet der Minister aH irrig. Wir müssen bestrebt fern, dahin zu arbeiten, ba| die (Offset unter-. Lage, auch tue Grenzen unsere» Vermögens, anerkennen. Nur so würden sie einsehen, daß auch sic ein getvisseS Interesse an der Sprengung unserer Fessel» haben. Andererseits dürsten wir aber nicht versuchen, unsere Schwierigkeiten al» größer hinzustellen, al» es tatsächlich ist. In der Entwaffnungsfrage tritt der Reichsminister falschen Auslegungen einer Aeußerung in der Pressekonferenz vom 19. entgegen. Er habe dabei etwa an die kanadischen Konstabler gedacht und gemeint, daß man vielleicht jemanden, der mit dieser Organisation vertraut sei, hierher bäte, um uni Rat zu erteilen. Selbstverständlich habe er nicht einen Augenblick an die Durchführung der Entwaffnung durch fremde Polizei gedacht. In unserer NeutralitätSerllärung werde n« betont, daß wir mit Polen und Rußland in Frieden leben, daß wir aber unsere Grenze» gegen die Truppe» beibex Länber schützen unb eventuell übergetretene Truppenteile entwaffnen würden. Storni etwa seitens der Entente beabsichtigt fei, Deutschland als Etappen- uni Durchmarschgebict gegen Rußland für den Fall einer Unterstützung der Polen zu betrachten. so dürfe kein Deutscher sich einer solchen Absicht schweigend beugen oder zu ihrer Durchführung helfen. Für Genf fei uns bürden Präsidenten der Konferenz in Spaa ausdrücklich zu- gefichert, daß die deutschen Vorschläge zur Verhandlung genommen würden. Schließlich erfifirte der Minister, daß er auf dem Standpunkt stehe, daß eine Revolution mit bann mit Waffen nickerzufchlageu fei, wenn sie selbst mit Waffen auftrete. Eine Revolution der Geister werde er niemals mit Waffen bekämpfen. Der Reichsminister gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch diejenigen, die jetzt noch aus Furcht die Abgabe btt Waffen verweigern, bei Vertrauen »n bet jetzigen Regie»
bkkmqrr würden. dgß «i fähig fei, dk Ordnung g.gen rechts und knk» selbst tzft desi zur BeMgiM stehenden Mitteln aufrrchtzuerhalten. Er sprach d« Mik aus, daß alle Kräfte angespannt werden mögen, tun durch die Durchführung der Protokolle größer« Ruh« tat Innern und Vertrauen bei den anderen Ländern 6ab* zuführen.
tob. Berlin, 21 .Juli.. Der Ausschuß für auS- viärtige Angelegenheiten setzte heute nachmittag seine Verhandlungen fort. Abg. Spahn (Zentr.) weist daraus bin j>a8 auch bei der Auslegung deS Fricdensverttages die Machtfrage von Bedeutung ist. Hinsichtlich der Möglichkeit, da» verlangte Kohleuouantnm zu liefern, ist der Redner der Meinung, daß der Versuch zum Liefern auf jeden Fall gemacht werden müsse und bei allseitigem guten Willen Erfolg haben kann. Die Haltung der Delegation billigt der Redner.
Abg. Dr. Stresemann (D.Vpt.) gibt zur Erwägung, in der Kommission von einer Beschlußfassung abzusehen und daS Votum dem Plenum des Reichstages zu überlassen. Der Redner erörtert eingehend die Kohlenfrage. Nach sachkundigen Feststellungen würde eine Minderbelicferung um 20 Prozent eilt treten. Der zähe Widerstand der Unternehmerfat6herftänbigen war kein Ausfluß kapitalistischer Anschmlungen, sondern entsprach auch der Auffassu«g der Arbeiterfachverständigeu und war lediglich wirtschaftlich basiert. Die Zusage wegen der oberschlcsifchen Kohle sei für die Durchführung des Abkommens von größter Wichtigkeit. Der Redner weist dann eingehend die gegen de» Abg. S t i n n e s gerichtete Kritik zurück. Abgesehen von Einzelheiten sei zu bktonc», daß durch das Austreten der Herren Stiimes und Hue erst dick Entente auf den Weg der Verhandlungen gebracht worden sei. Separatistische Bestrebungen werden von der Großindustrie abgelehnt, unb cs ist bedauerlich, i.atj sie Herrn Stinnes untergeschobe» worden sind. Ungeachtet der Stellung feiner Freunde znm Gesamt-- komplex der Frage stimmten sie der Würdigung der Leistung des Ministers des Auswärtigen zu.
Abg. Schiffer (Dem.) führt aus, es fei unrichtig, irgenwie von einer Revision des Versailler Vertrages zu sprechen. Unser Rechtsstandpunkt müsse gegenüber den Einmarschdrohungen mit allem Nachdruck vertreten werden. Unklar fei die Frage, was unter Entwaffnung der Sicherheitspolizei zu verstehen fei. Anknüpfend an die Bemerkung des Ministers Simons über die mögliche Beratung in der Frage der Sicherheitspolizei mit auswärtigen Fachmännern betont der Redner, daß viel wichtiger im Inland bie Mitwirkung aller bei ber Bevölkerung Ansehen genießenden Persönlichkeiten bei der Eittwaffnungsakiion sei. Er wende sich ebenso noch rechts wie nach links. Hinsichtlich der psychologischen Bnrteilung des Abkommens weist der Redner auf die ncucste Rede des französischen Ministerpräsidenten Millerand hin, in der gerade i» Verbindung mit Spaa die
deutlichsten Einmischungsabsichten auSgei'proche» seien. Das müsse mißtrauisch machen. Die Entsendung eines französischen Gesandten nach München liege in derselben Linie . Durch unsere gestern ver- fünbefe Neutralitätserklärung ist die Streitfrage cnd- giiltig ans der Well«tschafft, ob wir mit Sowjet-Rußland in Frieden seien oder nicht. Nach seiner Meinung hätten wir un8 auch vor der Neutralitätserklärung im Frieden mit Rußland befunden. '
Abg Dr. Pfeiffer (Zentr.) schließt sich in mehreren Punkten den Ausführungen des Vorredners au.
Aög. Dr. Breitscheid (Unabh.) vertritt gleichfalls de» Standpunkt ,daß in dem Ausschuß Beschlüsse nickt gefaßt werden sollten. Die Erfolge v»n Spaa seien nicht beträchtlich. Enttäuscht aber könne nur sein, wer mit falschen Erwartungen nach Spaa gegangen sei . Eine Revision des Fricdcnsvertrages sei nur von dcn! Einfluß der arbeitenden Klasse zu erwarten. Daß in Gjwa nicht mehr erreicht sei, sei nicht allein Schuld der Entente. Die bisherigen Regierungen Deutschlands hätten es nicht verstanden, das gegen Deutschland bestehende Mißtrauen zu beseitige». Der Redner ging dann aus die Militärsrage cfn. Gegenüber dem Abg. Schiffer erklärt er die Auffassung, als ob sich bie Waffen besonders in den Händen der Arbeiter befänden, für unrichtig unb verweist ans die Waffen, die in dcn Händen der Gutsbesitzer feie». Hinsickllich unferer Neutralitätserklärung bezeichnet er es als das beste Mittel, um die Sorge vor Nen- tratitätsverletzungen zu beseitigen, mit der Sowjetregierung Beziehungen aufzunehmen. Tcr Redner vertritt gegen-^ren Abg. Stresemaun die Mriuung, daß das Auftreten des Abg. Stinnes nicht günstig getoesen sei und verbreitet sich bc5 näheren hierüber. Was soll geschehen, um die erforderliche Mehrsörderung hcrbeizusübrcn? Der Redner warnt vor dem Gedanken ciner Verlängerung der Arbeitszeit. Er wünsche nicht die Besetzung des Ruhrgebiets. Würde aber eine Verlängerung der Arbeitszeit kommen, so würde die Abneigung der Arbeiter gegen rKMtze Brietzuvz Är nMÄssi;. 9* wäre ihnen tm Grunde gleichgültig, für welche Kapitatiftrn fk arbeiten.
Abg. Stampfer (Soz.) tritt dieser letzteren Aeußerung deS Vorredners entgegen. Die Arbeiter ließen sich von derartt'g materialistisch-egoistischen Beweggründen in der Einmarschfrage nicht leiten und find unter allen Umständen gewillt, die Einheit ber Nation zu erhalten. Der Redner wünscht ebenfalls scharfe W«hrung be8 deutschen Rechtsstand Punktes. Er erörtert bann die Forderung der Sozialisierung deS Bergbaues, die er als einen großen Wurf bezeichnet. Ein sozialisiertes Ruhrgebiet würde für die internationale Arbeiterschaft gehrilia- tes Land sein.
Äbg. Hoetzsch (Dnat.): Seine Partei hab« keine besondere« Erwartungen an die Konferenz von Spaa geknüpft unb sei deshalb nicht enttäuscht. Er begrüße es mtt Qkmigtmm«, daß di« Stellung des Ministers deS
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Die linksradikalen Rüstungen.
In der Presse mehren sich in letzter Zeit wieder bk Meldungen über linksradikale Kampsvorbereitun- tze». So gaben wir kürzlich Meldungen aus Leipzig tzvd Hamburg darüber wieder. Ter „Berl. Lokalanz." berichtet weiter folgende Einzckheiten:
Daß man sich auf links radikaler Seite auch niilitärische Lührcr sichern will, zeigt die Gründung eines Kar- toll» smschcn den Radiiilen and bem Republi- tonif ch c n F ü h r e rbu nb. Die Richtlinien für den «inp« sollen vom „Bamberger Komitee zur Borbereitung W deutschen Geueralaufstandes" ausgearbeitet werden. ®k militärische Leitung hat ein unter verschiedenen Nomen -wrnb- i Anstäüder, augenblicklich nennt er sich Limpach, ? bc: Hand, brr auch schon auf feiten der russischen «ffchetoffken gekämpft haben soll. Ferner fand am ver- Sougenen Sonnabenv eine Sitzung der Kampforganisittion
-rrrrS vrC jr-V JlÜt PÜlHfl^rn 2816't ö c r" *r&«ii in der öteichswehr befchäftigte. Diese soll *ttß hei be» Pionieren Nr. 15, Rw.-Regimentern 29, ®unb eingeleitet toerbeu. Beim 115. Regiment und
bei ber 2. Abteilung bei Artillerie-Regiments 15 *be man bereits Leute untergebracht. Revolutio- eArbeitslose müßten in der Truppe so dkl toie '«ttergebracht werden. Die Propaganda bezweckt tor aikm auch^ weiter Waffen für die Stoß- p 8 in die Hand zu bekommen. Alle «richtigen Nächsten aOmnitklt nach tote vor ber Vertrauensmann, ber, ** in ber Versammlung mifgetnft wurde, im Reichs- 6 r m i n i il e r i u m sitze.
De» ^russischen Befreiern" bi« Hand r«ich«n.
. Äonijlbeto, 22. Juli. Hier und im Kreise '»vsterÄrpg hat bie Werbetätigkeit für eine in Ost- totJifefTt zu bildende rote Armee eingescht. Besonderes
Die ,Oterh«sfifch« Zrituua" «rfcheiut s«-»mal «iicheutlich. — Bez»g»pr«i» m»x«tH* tt» IßS 4 Str, durch die Poft 4.20 Stt. — Ftr «urfallend» Summet« tnfola» 6ttetf» oder
IL 180 elementar»! Er»i«uisse kein Ersatz. — Verlag vau Dr. E. Hitzeroth. — Druck der Iluin.-Buchdtucketei »au I«tz. Ang. Koch, Markt 21/23. — Fernfprethet 55.
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