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Amtliches Verkündigungsblati des Kreises Marbmg.

Tageszeitung für (das früher kurheffifchej Oberhessen

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Marburg

Mittwoch, 7. Juli (fnett)

Der Luzeigeirprei» beträgt für die Sgesp. Zeile 75 Bf«, und 10*/, Aufschlag, amtlich» and auswärtige 1. Mk., Reklamezeile 3.00 Mk. Jeder Rabatt gilt eie Barrabatt 55 Bei Auskunft durch die Deschäfteftrll« und Vermittlung der Angebot« 25 Pf,. San- dergebühr. Bei Beträgen unter 20 Mk. müssen wir das Porto für die Rechnung IByfl berechnen. Postscheckkonto: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. Main. tckLN

! DieOberhesfische Zeitung" erscheint sechsmal wöck-entlich. Bezugspreis monatlich

»<KE 4 Mr7 durch di« Post 4.20 Mk. Für ausfallende Nummern tnfola« Streik, »der , IJU elementarer Ereignisse kein Ersatz - «erlag von Dr. L. Hitzeroth. - Druck der Univ.-Buchdruckerei von Ioh. Aug. Koch, Markt 27'23. Fernsprecher 55.

Diätengesetz

Dr dir Reichdtagsabgeordnetea hat der Geschäftüord- «wngraaS'chuß insofern eine Aenderung eintreten taffen. W für die unentschuldigt Fehlenden 50 Mark statt 800 Mark von der Entschädigung abgezogen werden sollen. Rier Entwurf wird gegen die Unabhängigen a n g e n o nv

RI t.

I Mitin Jltltislit.

. / ' ' 9. Sifeunß vom 6.1uli.

^gndcrnag des Steuerabzugverfahrens. Vertagung des Reichstages.

/ Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen.

f Abg. Hoch (Soz.) fragt, wie weit feie nach der Revo hstion eingeleitete Untersuchung in der Angelegenheit der fgerössentlickung desVorwärts" vom 6. März gediehen seh der infolge ein Zentrumsabgeordneter im Unteraus­schuß für Handel und Getverbe im Jahre 1917 berichtete, haß das Reich durch die großen Eisen- und Stahlindustriel- jen um Hunderte von Mittionen geschädigt tvorden sei. pkvohl diese sich weigerten, die verlangten SelÜstkosten- Apsweise vorzulegen. habe ihnen die Kriegsrohstoffgesell- schast stets höhere Preise bewilligt. Dr. Helsferich Derbe als Mittvisser genannt, desgleichen Dr. Bögler von feer Deutsch-Luxemburgischen Aktiengesellschaft, der Vertrauensmann der Kriegsrohstosszesellschast für Preis­fragen war.

> Ministerialdirektor Meser erwiderte, die Vorgänge ^ien der Regierung bekannt. Eine Denkschrift darüber hem Parlament zugegangen und außerdem den Inter­venten Einsichtnahme in die Akten des Untersuchungs- WiSschttsseS gestattet worden. Auf neue, im Oktober 1918 erhobene Angriffe sei eine neue Kommission gebildet Horden, deren Ergebnisse dem parlamentarischen Unter« fuchungsausschub vorgelegt lvorden sei/n. Was weiter kraus geworden sei. sei dcr Regierung nicht bekannt, i Mz. Deglerk (Teutichnatl.) fragt, weshalb die ptineralölversorgungsgesellschaft noch 996,50 Mark für 100 Kiwgr. Benzin verlange, während amerikanisches Weirziu zum Preise von 2,77 Mark für das Kilogr. Hk Hamburg zu haben sei.

'-Ein R^gicruiigskommisfar erwiderte, der Preis ent« jkeiljc tm allgemeinen dem Weltmarktpreis.

Die fekntschuationalen Abg. Mumm und Gen. fragen »ach der Rückbeförderung der in Sibirien und Mft- yeuen weilenden Kriegs- und Zivilgefaiigenen.

' ReichSkommissar Stück len erwidert, die aüö Ost- »sien zu envarlenden Gefangenen seien zum Teil schon hier. zum 5 eil untertuegä. Jedenfalls sei die Gegend östlich des Baikalsees bereits geräumt. Was die Ge­fangenen aus Sibirien westlich des Baikalsees betreffe, je hier das Rote Kreuz mit der Vermittlung befaßt.

Unter Hinweis auf die Tatsache, daß minmehr bereits RtBcii Minister int Ausland weilen nnb die Einberufung kr anderen ebenfalls zu erwarten sei, teilt Präsident Löb- tr.il. daß ihm anheimgestellt worden sei, die Reicks- kgSvrrbandlttngen bis nach Verndiguitg der Konferenz von Spaa $u vertage n.

Das HanS beschließt demgemäß, setzt die noch auf kr Tagesordnung stehenden Interpellationen au5 und ttreitrt dann zur Beratung des AnirageS Allekotte [grntr.) über eine Ergänzung zum Gesetz Über den ck Stiuerabzngvom Arbeitslohn.

f Rbx. Allekotte (Zentr.) begründet den Antrag, kneit Tragweite darin besteht, daß für Wocheillolm« Empfänger 30 Mark und für jedes Kind außerdem 10 Rat! wöchentlich, für Monatslohnempsänger 125 Mark nnb für jedes Kind 40 Mark monatlich außer Be­rechnung bleiben. Nebersteiqt aber der Arbeitslohn ober Gehalt 15000 Mark, so sind bis 30000 Mark Ein­kommen 15 Prozent und von 30000 Mark bis 50 000 Mark 20 Prozent abzuziehen. Die Abzüge steigen bei höherem Einkommen bis zu 50 Prozent.

Abg. Eichho r'n (U.S.): Seine Partei lehne den Antrag ab. Nur die völlige Aushebung des Steuerabzugs könnte hier Helsen. '

Abg. Dr. Braun (Soz.) stimmt für seine Porter für den Antrag.

Es entspinnt sich eine Auseinandersetzung «Wochen SrztaDemokraten und Unabhängigen über das, was im Ausschuß gesagt oder nicht gesagt worden sei. Diese itSrferuugen fverben noch in einer Reihe persönlicher Aemerknngen fortgesetzt.

! Der Gesetzentwurf wird dann in allen drei Lqangru knxe.wmmen. _

Bei dem -------

Zur Rettung des eingeschlossenen Führers fehlte es an dem sämtlichen Rettungsmaterial; so war es nicht möglich, eine Axt zur Oeffnung der unteren Fahrstuhl­tür aufzufinden. Schließlich schlugen die Mannschaften der anwesenden Sicherheitspolizei die Tür ein und brachten den besinnungslosen Hoppe ins Freie, wo sich die Samariter der inzwischen alarmierten Feuerwehr einer annahmen. Hoppe wurde ins Krankenhaus ge­bracht. Der Brand konnte bald gelöscht werden.

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Sie MW» Mr in Winnings* 6e6irt.

Besetzung für den Fall der Wahlniederlage.

Berlin, 5. Juli. Wie die Abendblätter mel­den, fordern die Polen in einem Protest an den Obersten Rat in Paris den. Aufschub der Ab- "timmung in Westpreußen um mindestens zwei Jahre. Sie begründen den Aufschub mit der Be- Häuptling, daß die Deutschen bei Aufstellung der Wahl­listen Fälschungen vorgenommen hätten. Die Unter« udjungen der alliierten Kommission ergaben die H al t» osigkeit der polnischen Verdächtigungen. Für den Fall der Mstimmungsmederlage plärren die Polen, »fort nach der Abstimmung das Abstimmungsgebiet milktärisch zu besetzen. Bei polnischen Dcser- teuren wurde ein Gcheimbefehl gefunden, wonach pol« ui sch e Truppen zum Einrücken in daS Abstim­mungsgebiet an der Grenze bereit stehen. Weiter geht aus dem Geheimbefehl hervor, daß für den Fall des Einmarsches bereits Geiseln in Aussicht ge­nommen worden sind.

Ein polnischer Uebersüll.

wb. Allen stein, 6. Juli. Am 3. Juli fuhr um 2 Uhr nachmittags ein ans dem .Hauptquartier der Polen in Allenstein kommendes Lastauto über den Markt in Gilgenburg, dessen Führer durch Fragen die Aufmerksamkeit "bet Bevölkerung auf sich lenkte. Man vermutete einen Waffentransport der Polen für die Kampsorganisation und durchsuchte das Auto, wo­rin sich eine ltnmenge polnisther Flugblätter und andere Hetzschriften befanden. Die aufgebrachte Volks­menge warf sämtliche Flugblätter auf einen Haufen und zündete sie an. Am Abend desselben Tages zogen Mitglieder des Gilgenburger Heimatsvereins mit Musik nach dem Bahnhof, um die ans dem Reiche kommenden Stimmberechtigten zu empfangen. In der Nähe des Bahnhofes eröffnete eine Abteilung der poluifchen Kampfschar Vojoska aus eurem Hufterhalte Feuer auf die Deutschen, von denen 4 Per­sonen verwundet worden sind. Nach begründeten Ver­mutungen ist der polnische Organist an bet katholischen Kirche in Gilgenburg der Organisator des Uebersalles.

Nückkehr Dr. Holtums.

wb. Marienwerder, 6. Juli. Der von den Polen verschleppte Dr. Holtum ist gegen 9 Uhr ovn (Staubens kommend wieder in Marienwerder eingelraf­fen. In kürzester Frist versammelte sich eine vielhun- dertköpfige Menschenmenge vor dem Reichshof, dem Sitz des Deutschen Ausschusses in Wesipreußen, um Holtum zu begrüßen. Im flamen von Ostpreußen und West- preußen sprach der Reichstagsabgeordnete Fleischer, worauf Holtum in bewegten Worten eine Schilderung seiner Verschleppung durch Polen -nach Tarnow in (Sa» lizien gab. Holtum, obgleich von den Strapazen sehr erschöpft, hat seine erfolgreich« Tätigkeit als Leiter der Arbeitsgemeinschaft in Westpreußen sofort wieder auf» genommen.

Ein .Deutscher Tag" in Ortelsb«-.

wb. Allenstein, «. Juli. DieOrtetofHtrget Zeitung" meldet, daß der gestern In Ottelsburg abge­haltene deutsche Tag einen glänzenden Verlauf nahm. Aus der Stadt und aus der Umgebung waren große Menschenmengen zu diesem Feste zusammengeströmt. Den gleichen prächtigen Ausgang nahmen alle in Ma­suren und im Ermlande jiattfüibenben Heimatspiele.

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TaS Haus vertagt sich dann auf unbestimmte Zeit.

Präsident 8 ö b e gebentt am Schluß der am kouimen- den Sonntag erfolgenden Abstimmung in Ost- und West­greußen. Möge der kommende Sonntag eine überwäl- tigende Kundgebung für bas deutsche Vaterland werden. iS-urmischer Beifall und Händeklatschen, an dem sich auch die Tribünen beteiligen.) Schluß 1 Uhr.

Im Gefchäftsorfennnasausschuß iftbrt Abg. Dr.« ringet (Tenischnatl.) den Vorsitz. Stellvertreter ist feg. Fischer (Soz.).

Feuer im Reichstagsgebäud«.

wb. Berlin, 6. Juli. Heute nachmittag kurz vor I Uhr brach im Reichstagsgebäude Feuer aus. Der Fahrflahk zur Joumalistentribüne war infolge Heiß- faufens des Stahles in Brand geraten, und die Flam­men schlugen bis an die oberen Stockwerke. Der Fahr- ^utzikuhrer Hoppe, der zufällig allein im Fahrstuhl ^ihr. wäre rettungslos verloren gewesen, hatten nicht kr Journalisten aus den oberen Slockwerken größere Wallermrngen in den brennenden Fahrstuhl geschüttet.

Aus dem besetzten Gebiet.

wb. Trier, 6. Jrrli. Die frieret Landeszei­tung" ist auf die Dauer von drei Tagen verboten tvorden, weil sie di« Mitteilung gebracht hat, daß Frankreich im Begriffe stehe, seine Truppen zu ver­stärken.

wb. Saarbrücken, & Juli. Dir gesamte Hütten- und Metallindustrie des Saargebiets steht jetzt im Ausstand mit Ausnahme der Halberger Hütte. Die im Deutschen Metallarbeiteroerband organisierten Ackefter haben allerorts in geheimer Abstimmung sich für die Fortsetzung des Ausstandes erllärt.

Amerika.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat. Goiwer- neur Co; ist zum demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaft gewählt worden.

krörtttliilif ikr KntvOuilgsfrage in Span.

FMtllMW les MWehmIMm. Liest Stories Mit.

Bis Heult itülnnlt $'änt otrlonil.

wb. Spaa, 6. Juli. Die zweite Sitzung der Konferenz, an der auf deutscher Seite Reichskanzler Fehrenbach, Minister des Aeußern Dr. Sirnons, Meichswehrminister Dr. Geglör und General v. Seeckt teilnahmen, wurde kurz nach 1/25 Uhr durch den Ministerpräsidenten Delacroix mit der Frage eröffnet, welches Mitglied der deutschen Abordnung >cn Auftrag habe, die Noten der Verbündeten in der Frage der Entwaffnung zu beantworten. Der Reichs- l'anjlet entgegnete, daß Ncichswehrminister Dr. Geh'- ler dazu bereit wäre. Dr. Geßler ging sofort in län­gerer Ausführung «uf die ganze Entwaffnungsfrage ein und schilderte den gegenwärtigen Zustand. Unser Heer sei noch 200 000 Mann stark. Das Material ei ziemlich vollständig abgegeben, wenn auch in ein­zelnen Punkten noch Differenzen mit den Militärüber­wachungskommissionen beständen. Tie 200 000 Mann eien für die deutsche Regierung das nnbedin gt Notwendigste. Sie stellen das Minimum def- en dar, was wir brauchten angesichts der politischen Unruhen, die immer wieder zum Ausbruch kämen. Die wirtschaftliche Depression, das Heer der Arbeits- Losen, die zunehmen und durch neue Entlassungen weiter vergrößert werden, die Kriegsbeschädigten, die Flüchtlinge aus den abgetretenen und besetzten Ge­bieten, die Schwierigkeiten, die wir mit der Eintreibung bei neuen Steuern hätten, alles das mache eine st a r k e Macht in feer Hand der Regierung notwendig. Auch sei die Regierung durch das Schicksal der 20 000 Offi­ziere, die von der Entlassung betroffen würden und deren Lage und deren Ansichten niemand kenne, in starker Sorge. Unter den obwaltenden Umständen halte es die deutsche Regierung füraußerStande, die Wehrmacht weiter zurlickzufchrauben.

Lloyd George ergriff darauf das Wort rind zählte die Punkte auf, in denen die Verbündeten Deutschland Nichterfüllung des Friedensoertrages in militärischen Dingen zum Vorwurf machen, insbeson­dere, daß die Reichswehr statt 100 000 Mann 200 000 Mann umfasse und daß Deutschland statt der ihm zugestandenen 2000 Maschinengewehre 5000 habe, statt der ihm zugestandenen 218 Geschütze 12900. An Gewehren seien zwar 1,5 Millionen abgeliefert und die Hälfte davon heretts zerstört. Es unterliege jedoch keinem Zweifel, daß noch außerordentlich gr»ße Be­stände in den Händen der deutschen Bevölkerung fei. Was gedenke die deutsche Regierung zu tun und was habe sic bereits getan, um diese Gewehre den Ver­bündeten ausznliefern? Der Besitz der Gewehre sei eine politische Gefahr von außerordentlicher Schwere. Demgegenüber sei cs verhältnismäßig gleich­gültig, ob die Heeresstärke Deutschlands 100 000, 200 000 oder 300003 Mann betrage. Diese Gefahr wollen die Verbündeten nicht mehr länger laufen, iinv auch für die deutsche Regierung fei dieser Zu­stand höchst bedenklich. Was gedenke die deutsche Re­gierung dagegen zu tun? Es fehle ihr entweder an ßutem Willen oder au Mach t. Die Verbündeten erwarten von der deutschen Regierung bis morgen vormittag bestimmte Pläne, wie sich die Auslieferung der Waffen und die Herabsetzung des Heeres auf 100 000 Mann gestalten solle.

Reichskanzler Fehrenbach betonte hierauf in sehr ausführlichen und lebhaften Darlegungen die Schwierigkeit der Aufstellung eines weiteren Plaues. Wenn dir Sßerbänbeten Deutschland Vertrauen schenk­ten und ihm die nötigen Machtmittel belassen würden, bann würde sich die Auslieferung der Waffen und die Herabsetzung des Heeres leichter bewerkstelligen lassen. Er mache auch darauf aufmerksam, daß die Erfüllung der Wiederautmachnngsfordernugen von dem Bestehen einer genügend großen Wehrmacht in Deutschland ab­hängig sei.

In scharfer Weife erwiderte darauf Lloyd George, daß die Verbündeten klare Daten und Ziffern wollten. Die Konferenz von Spaa, die er eiugeleitet habe, habe eS für zweckmäßig gehalten, sich geschäftlich zu unterhalten,' der Austausch von Noten habe keinen Zweck mehr.

Minister Dr. Simons erwiderte sofort, daß wir nach Lage der Dinge nicht hätten annehmen können, daß die militärische Frage au erster Stelle in Spaa besprochen werden würde. Es sei zweifelhaft, ob wir bis morgen Vormittag in der Lage fein würden, bestimmte Pläne vorzulegen.

Lloyd George erwiderte, man werde den deut­schen Vertretern genügend Zeit lassen, unb Mini­sterpräsident Delacroix setzte darauf die nächste Sitzung ans Mittwoch viA Uhr nachmittags fest.

Zn einem Bericht bwBerk. Lokalanz." heißt es: Bei Beginn der Sitzung sah es so aus, als ob die Verhand­lungen überhaupt abgebrochen würden, da Lloyd Georg« die Rede des deutschen Reichswehrministers so verstand, als ob Deutschland den Vertrag von Versailles nicht er« 'üllen wollte. Dann, so sagt« Lloyd George, sei di« Konferenz überflüssig. Erst da« geschickte und schnell« Eingreifen des Ministers de» Aeußeren Himon» rettete die Situation. Simons gab die Erklärung ab, daß Deutschland den Vertrag erfüllen wolle, daß man nur einen gemeinsamen Weg finden müsse. Damit war die erste schwere Krise vermieden. Eine zweit« charfe Zuspitzung erfolgte, al» Lloyd George auf bi« Ausführung des Reichskanzlers Fehrenbach in scharfer Weise erklärte, daß die Verbündeten jetzt endlich klar« und wahre Ziffern haben wollten.

wb. Paris, 8. Juli. Der Sonderberichterstatter desJournal des Dubais" meldet heute Nachmittag aus Spaa: Die Zukunft der Konferenz werde wahr« cheinlich von der heutigen Sitzung abhängen, und nach ihr würden die Verbündeten sich entscheiden, ob fie dt« Aussprache fottsetzen würden. !

Stinntt bei Millerand.

wb. Paris, 6. Juli. (HavaS.) Der Sonder- berichterstatter desMatin" in Spaa telegraphiert seinem Blatte: Gestern hatte Hugo Stinnes, bey bon Köln gekommen war, eine lange Zusammen^ fünft mit Millerand; dieser empfing ihn In dem fran­zösischen Quartier. SttnneS setzte Millerand feinen Plan über die Wiederherstellung der verwüsteten Ge­biete auseinander. Millerand machte einige Einwen­dungen, erklärt sich aber lebhaft intereffiert durch daß von StinneS entiWckelte System des internationalen Zusammenarbeiteus. - 1

Auch der Vizekanzler reist nach Spaa.

Berlin, 7. Juli. Justizminister Dr. Heinz« hat gestern Abend die Reise nach Spaa mit dem fahr­planmäßigen Zuge angetreten. In seiner Begleitung befinden sich der Reichsanwalt Richter von der Reichsanwaltschaft in Leipzig. Mit dem gleichen Zug» begab sich nach Spaa Herr v. V o d e n st e i n vom e Reichsarbeitsministerium, ein Vertreter des Reichs­ministeriums des Innern, bi« beiden Bergarbeiterfüh- ret Hne - Esten und B ü ch e r - Dortmund.

Der Streit um die Prozente.

wb. Spaa, 6. Juli. (HavaS - Reuter.) «m Schluß bet gestrigen Zusammenkunft prüften die Sach« verständigen die italienische Note, In der bei Standpunkt Italiens in der Frage der Verteilung der Wiedergutnrachungssumme auSeinandergefetzt wirk Als Vorbedingungen für seine Zustimmung stttli Natten auf: Sein Anteil dürfe nicht weniger alß 7 Milliarden betragen; außerdem müsse ibm ein Vor­zugsrecht bei der Verteilung der von Oester«ich und Bulgarien geforderten Summe und eine besondere Er­höhung seines Anteils an dem österreichischen Legal zugesichert werden.

In den Ausführungen aller be{ßifdjeu Blätter zeig! sich angesichts der bevorstehenden Erörterung de: Frag! der Wiederguttnachung eine gewisse Nervosität. Man fürchtet in belgischen Kreisen anscheinend, daß bei belgische Vorrang aus sofortige Zahlung von 2V» Milliarden irgendwie hinwegdisputiert ober durch Schaffung neuer Prioritäten wertlos '.oecden könnte. Der Reichskanzler an die Presse-

Vertteter.

tob. Spaa, 6. Juli. Reichskanzler Fehren­bach empfing gestern nachmittag die anwesenden Ver­treter der deutschen Presse und etwa 60 ausländisch« Journalisten. Er erQärte ihnen u. a.: Wir sehen die Konferenz in Spaa nicht unter nationalem, sondern internationalem Gesichtspunkt. Wir find bereit, ehr­lich am Wiederaufbau der Welt zu arbeiten und z« unserem Teile, soweit dies im Bereiche bet Möglich­keit liegt» den Vertrag von Versailles zu erfüllen, WaS uns zu erfüllen unmöglich erscheint, werde ich niemals versprechen. Ich hebe da» ausdrücklich hervor, weil wir mit gutem, ehrlichen Willen hiechev- getommcTi sind, den FriedenSvertrag zu erfüllen. DaS hängt von unserer Leistungssähigkeft ab. Unsere Lei­stungsfähigkeit hängt von der Ruhe im Innern ab. Unser Volk ist durch den Krieg zermürbt, hungert und ist vielfach arbeitslos. Das erllärt di« Unruhen, unter denen wir zu leiden haben. Unser Hauptaugen­merk mußte, da alle einheimische Produktion nicht aus- reichk, darauf gerichtet fein, Lebensmittel aus deal Ausland zu beschaffen, um unser Volk zu ernähren, nnb Rohstoffe um unsere Industrie zu beschäftigen. Wen» diese Bedingungen erfüllt sind, erhoffen wir in Deutsch« laufe ein Wiederaufblühen der Industrie, das Bei ermöglicht, -u den ungeheueren Llrurrn auch«ch