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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Tageszeitung für fdas früher kuehessische) Oberhessen

Dt«Oberhe-fische Zeitung" eri*etnt sechsmal wöchentltch. «ezugsprei, monatlich 4 Ml durch die Post 4.20 Mk. Für aurfallende Nummer« insolo« Streik» oder elementarer Ereignisse lein Ersatz. «erlag von Dr. E. Hitzerottz. Druck »er Ual ».-Buchdruckerei e»« Joch. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher 55.

Marburg

Dienstag, 6. Juli l Heuert.)

Der »«relaenprei, »«trägt fit di« 8-«sp. Zeil« 71 Bf«, und 10/, Aufschlag amtlich« ** w und «»»»artig, 1. Mk., ««klamejeil, 3.00 Mk. Feder «eiert gilt «liBetrebert. 55 Bet»tunft durch die Geschäftsstelle und «ermitilung der Rnaebot« 26 «fg. Son» dergedühr. Bei Beträge« unter 20 Mk. müssen wir da» Porto für di« Rechnung 10 711 brrechnen. Postscheckkonto: tzkr. 5015 Amt Frankfurt «. Main. l»faW

Ä. 154

Ak kkftk Silm il 8m.

Zunächst Erörterung der militärische» Frage«.

wb. S p a a, 5. Juli. Die Konferenz begann heute vormittag in der Villa Freneuse ihre Arbeiten. Vor bet Billa waren belgische Karabinicri ausgestellt, die den Zugang zu dem großen Park iinterjazlrn. Nur die Journalisten konnten sich der Billa nähern.- Tie drei deutschen Delegierten haben an der äußersten Linken des Konferenztisches Platz genommen, zuerst Fchrenbach, dann Simons und Hermes.

Die erste Sitzung der Konferenz stand im Zeichen einer Sensation. Bei Beginn der Sitzung unter­richtete der Borsitzendc Delacroix die deutsche Ab­ordnung darüber, daß die Verbündeten gemäß der beschlossene» Tagesordnung zuerst die militäri­schen Fragen zu erörtern wüuschten. Reichskanzler F e h r eu b a ch antwortete darauf, daß die Vertreter DeutWands die Behandlung der wirtschaftlichen Fra­gen an erster Stelle erwartete». Reichswehnninifter Keßler und der Militärische Sachverständige Ge­neral v. Seeckt seien noch nicht in Spaa einge- trofstn. Ohne ihre Anwesenheit würde es unmöglich sein, an die militärischen Fragen hcranzutrcten. Nach­dem Delacroix mit seinen Kollegen über eine eventuelle Nenderung der Tagesordnung gesprochen hatte, teilte er der deutschen Abordnung mit ,daß di« Konferenz zur Besprechung der Abrüstung in Deutschland die kompetruten Vertreter a b w a r t e n wolle. DerReichs- -anzler erklärte, die Aussprache über diesen Gegen­stand könne am Dienstag Nachmittag ausgenommen werde», da die Herren Geßler und Seeckt gegen 2 Uhr nachmittags ankommen würden. Ter erste Meinungs­austausch vollzog sich in durchaus höflicher Form. Dic Deutschen zeigten eine ivürdige und reservierte Haltung. Um 11 Uhr 50 vormittags wurde die Sitz­ung arrf Dienstag nachmittag 3 Uhr vertagt. Bis dahin iwrben dic Verbündeten unter sich Besprech­ungen abhalten über die noch schwebenden Fragen.

Wb. Berlin, 5. Juli. Reichswehrminister Dr. Setzler und der Chef der Heeresleitung, General *. Seeckt, begaben sich heute Abend zur Konfe­renz »ach Spaa.

D». Melchior und Prof. Bonn sind zur Teil­nahme an den Besprechungen der Konferenz in Spoo «»getroffen.

Dentichlnnds Zahlungsfähigkeit und steuerliche Belastung.

Berlin, 5. Mi. Die Denkschrift über di« Zah­lungsfähigkeit Deutschlands für die Wiedergutmachung, die von der deutschen Regierung den Verbündeten vor der Konferenz von Spaa übergeben wurde,' schätzt, das deutsche Bokksvermögen, das auf Grund der Veran­lagung -um Wehrbeitrag für die Zeit vor dem Krieg auf etwa 220 Milliarden Goldmark zu beziffern gewesen sei, nach den Abtretungen im Osten und Westen, nach dem Verlust der gesamten Handelsflotte, nach Abstoßung der ausländischen 'Wertpapiere, nach Verbrauch der Waren­vorräte und der (.jährigen Abnutzung der Produktions­mittel auf höchstens 100 Milliarden Eoldmark. Da­ran feien noch ausländische Schulden abzuziehen die 8 Hf, 10 Milliarden erreichen dürften.

Ein« englisch« Stimme für Revision des Friedens- Vertrags.

mb. Rotterdam, 5. Juli. Das Sonntagsblak »Obferver" tritt mit Nachdruck für eine Verminde­rung der deutschen Entschädigungszahlung und die Festsetzung eines Termins ein. Die äußerste Frist für diesen Termin müsse 10 Jahre sein.Observer" ist der Meinung, daß die Verbündeten in diesen 10 J«hren gute Aussichten haben, das Verlangt« zu erhalten. Auf diese Weise bestehe Aussicht, bester« Ergebnisse für di« ElaatskaSeu der Verbündeten und den Weltfrieden zu erziele». Es bestehe wenig Hoffnung, daß die Verb im- beten «über dem, was in den nächsten Jahren einkommt, n«b irgendetwas erhalten.Observer" schließt mit der Bemerkung, ein endgiltiger Ausweg aus dem Sumpf werbe nicht gefunden werden, bevor ein neu» Kongreß, <taf dem Ht Vereinigten Staaten, Deutschland und Ruh- !»d vertreten feien, die Revision des gesamten Fvtedeusoertroges in die Hände nehmen.

Dte Berechnung der abgelieserte« Schiffe «ad Eisen­bahnwagen.

»6. Pari», 5. Juli. Wie Pertinax meldet, hat fcte englische Regierung auf der Konferenz in Brüssel he Rote überreichen lassen, in der vorgeschlagen wird, daß die von Deutschland gelieferten Schiffe und das »on De-uischland gelieferte Eisenbahnmaterial zu dem heutige« Tagespreis berechnet werden sollten. Pertinax meint dazu, das vermindere den '2Bett der Schiffe, die England erhalte» habe, vergrößere aber den Wert des Eifenbah»materials, das zum größten Teil an Frank- »«ich gekommen fei.

Kohleu-KonteoUkoutnrisstonen nach Deutschland?

wb. P « r i s, 5. Juli. Pertinax, der Sonderbericht- »rstatter desEcho de Paris", berichtet aus Spaa: Ich ^be gestern de» Eindruck gehabt, daß der französische «trag angenommen werden wird, internationale Kontrollkommissionen in diejenigen deutschen Etädte zu entsenden, durch deren Bahnhöfe die deutschen Eohlentransporte gehen werden. Lloyd Georg« jedoch habe den Antrag mit Schärfe zurückgewiesrn.

Seplante Kundgebungen für Fach.

wb. Paris, 8. Juli. Rach einer Mitteilung von Brüsseler Blättern find auf den Wunsch der englischen Regierung die Kundgebungen abgesagt worden, die man in Spaa für Marschall Fach geplant habe. Diese Kund­gebungen sollen erst stattfinden, nachdem Äe deutsche Abordnung die Stadt wieder verlassen hat. Auch alle übrigen Festlichkeiten sind von der belgischen Regierung abgesagt worden, die die Erklärung abgegeben hat, daß die Abordnungen nach Spaa gekommen seien, um zu arbeiten. >

Die Deutsche Kolonialgesellschaft gegen di« französische» Aanexiouspläue.

Berlin,^. Jull. Die Deutsche Kolonialgesellfchast hat folgendes Telegramm an den Reichskanzler gerich­tet:Zeitungsnachrichten zufolge plant die französische Regierung die einfache Annexion von Togo und Kamerun. Das würde gegen Sinn und Wort­laut der Völkerbundsatzungen verstoßen und einen offe­nen Bruch des Versailler Friedens bedeuten. Die Deutsche Kolonialgesellschaft erhebt gegen ein solches Vorgehen Frankreichs schärfsten Einspruch «nd bittet Seine Exzellenz, bei den Verhandlungen in Spaa ent» schiedet gegen solche Absichten Frankreichs Sterling zu nehmen." An den Reichstag wurde ein Telegramm gerichtet, worin der Reichstag gebeten wird, auch seiner­seits gegen Frankreichs Absichten Stellung zu nehmen.

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110 Milliarden Goldmark.

wb. Paris, 6. Juli. Der Sonderberichterstatter desMatin" will wissen, daß man von Deutsch­land in Spaa HO Milliarden Goldmark verlangen werde Diese (Summe sei auf der Konferenz von Brüssel festgesetzt Ivorden. Frankreich werde demnach 60/, Milliarden Goidmark erhalten.

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Dl Simons über die deutschen Vorschläge.

wb. Paris, 5. Juli. Sauerwein, der Sonder- berichierstatter desMatin" in Brüssel, hat dcn deut­schen Minister deS Acußcren SimonS gestern in Spaa gesprochen. Simons erklärte:Natürlich wer­den wir Vorschläge machen. Kein vernünftiger Mensch kann von uns verfangen, daß wir eine runde Summe oder feststehende Jahreszahlungen Vorschlägen. Ueberlcgen Sie doch: Wenn wir den augenblicklichen Stand Deutschlands und seine gegenwärtige Zahlungs- möglichkeit in Betracht zögen, würden unsere Ziffern bei unserem Partner nur den S ptt> t t herausfordern, und man würde dann über unseren schlechten Willen schreien. Wenn wir aber ein« Ziffer nennen würden, die sich mehr oder weniger derjenigen nähert, die wir als dic Forderung der Verbündete» ansehen, dann würde man mit Recht sagen: Wir bluffen oder wir sprechen nicht ernst. Wir werden Jahres Zahlun­gen Vorschlägen, die im Verhältnis stehen zur Wiedcr- hersielluug unseres Landes. Laßt uns wissen, welche Existenz man uns bereiten will, damit wir crnsi lich sagen können, wieviel !vir zu zahlen in der Lage sind. Werden tote Oberschlesien besitzen oder nicht? Diese Frage soll durch eine Volksabstimmung ent­schieden werden, aber eS ist sehr einleuchtend, daß von dem Ergebnis dieser Volksabstimmung eine Steige­rung oder eine wesentliche Verminderung unserer Zah­lungsfähigkeit abhängen lvird. Werden wir Kredite bekommen und die Möglichkeit haben, Rohmaterial zu bekommen? Mr können von Ziffern sprechen, wen» wir über unser« Existen-möglichkeit in der Zu- Fünft im klaren find. Eine andere Sprache können wir nicht führen."

$ir 6er MImmm m Mmiiei.

wb. Berlin, 5. Juli. Der Kampf um da- ost- preußisch« Abstimmungsgebiet nahm mit Beginn der Woche vom 4. bis 11. Juli entscheidend« Formen an. Der Zustrom der Abstimmungsberechtigten ivächst immer niehr. Auf Allenstein allein kommen mehr als 5000 auswärtige Gäste. Der Verkehr geht sowohl im Abstimnngsgebiet als auch im übrigen Ostpreußen durch Sonderzüge völlig glatt von statten. Die Or- gmiifatio» der Verpflegung und Unterkunft ist aus­gezeichnet. In einer Reihe größerer Ortschaften, so in Neidenburg, Bischofsburg, Ottelsburg und Osterode, werden in der Woch? bis zum 11. Juli Heimatsfeste zur Stärkung deS Deutschtum- und des HeimatS- gesühls veranstaltet.

wb. Berlin, 5. Juli. Der deutsch« Reichs- und Staatskommissar im ostprcußischrn Abstimmungsgebiet, Frhr. v. G a y l, weist in einem Aufruf an die dcutsch- gtfinnte» Ernst ander und Masuren im Hinblick auf die bevorstehenden Tage gewaltiger nationaler Er­regung ernstlich darauf hi», daß die Zeit vor und nach der Abstimmung unter allen Umständen In Ruhe und ohne jeden Zwischenfall mit polnisch Gesinnten ver­lausen müsse. Die Deutschen seien ihrer Sache gewiß. Sie hätten es nicht nötig, gegen die Minderheit,

die gegen Deutschland stimmen wolle, irgendwelche Gewalt anzuwende». Es dürfe nicht vergessen werden, daß die Mehrzahl von ihnen jetzt nur durch frembe Agitation gegen- die Mehrheit ihrer Mitbürger in Ermland und Masuren aufgestachelt sei.

Hannover, 4. Juli. Auf eine HuldiguugS- depesch« des Bertran-nsmannS deS Deutschen Schutz­bundes an Gencralfeldmaifchall v. Hindenburg hat die­ser mit folgendem Geleittvort geantwortet:Ost- und Westpreußen! 88 gilt unser Heimatland! Zeigt der Welt, wa» eS heißt, ein P reuße zu sein! Nicht nur, daß Ihr fffitff Euch freudig und stolz zu Deutsch­land bekennt. Wirkt auch auf die ein, ivelche Ihr zu Hause noch sckstvankend und zaudernd »orfinben solltet. Reißt sie empor unb bringt mir die Gewiß­heit mit hierher zurück, daß bei unS bte Treue noch kein leerer Wahn geworben ist. Und nun vor­wärts mit Gott, wieeinstbeiTannenberg."

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Oberschlesien.

wb. rlitz, b. Juli. Wie in zahlreiche» auberen schlesischen Städten, sand auch hier gestern anläßlich dsr BülkstageS zur Erhaltung Oberschlesiens bei Deutschland und als Protest gegen die polnischen Um­triebe ein vorn Bercin heimatstrcuer Oberschlesier ver­anstalteter DemonstraiionSzug statt, woran Vereine, Schulen usw. im ganzen etwa dreitausend Personen keilnahmen. Gleichzeitig nahm gestern unter zahl­reich«» Zuspruch von außerhalb die Görlltzer Spvct- woche ihren Anfang.

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Ausstände.

Königsberg, 5. Juli. Nachdem der Ostpreußi­sche Arbeitgeberverband den von der Arbeiterschaft angenommenen Schiebssptuch dc- Schlichtungsaus- schnsse-, der der Arbeiterschaft einen Teuerungszu- schlag von 40 bis 70 Pfg. je Stunde zn den geltenden Tarifsätzen zusprach, abgelehnt hat, haben, wie die Krenzztg." berichtet, die Vertrauensmänner aller un- fter den Schiedsspruch fallenden Gewerkschaften be­schlossen, von Dienstag früh ab in den Ausstand rin- zutreten. Die übrigen* Verbände beschlossen den SympathicauSstand.

wb. Leipzig, 5. Juli. Zum Protest gegen dcn zehnprozentigen Lohnabzug traten die Belegschaften des Bornacr Brauukohlenteviers in ben Ausstand.

wb. Aschaffenburg, 5. Juli. Der Ausstand auf der Gewerkschaft Gustav in Dettingen wurde durch Beschluß einer neuen Bctriebsversamnrlung heute nach­mittag 4 Uhr abgebrochen. «$ie Ausstanbstage werben nicht vergütet.

Die Teuerung und di« 6ege»6eu?egung.

Von ben großen Plätzen Badens werden gewaltsame Marktpreisregulierungen gemeldet. Auf dem Freibur- i'»t. Hauptwochenmarkt setzten Angehörige der links­stehenden politischen Parteien die Preise allgemein um die Hälfte l e tun ter. In Konstanz erklärten die Ver­treter aller Geschäftszweige sich bereit die Preise sofort berabzusetzen, obwohl sie dann ihre Ware zum Teil mit Verlust absetzen müßten. In Tauber-Bischofsheim sühr- fen die Kundgebungen zu einer Einigung dahin, daß das Pfund Fleisch 6 M, das Brot 2,50 Eier das Stück 1 die Milch 1.30 <44 und der Zucker 1,60 M kosten soll. Der Preis für das Pfund Butler und den Zentner Kartoffeln soll 15 M betragen. Auf dem Mannheimer Gemllsemarkt setzten Erzeuger gemeinsam mit dem Akarktmeisler Angemessenheitspreise fest, um einer gewalifamen Herabsetzung der Preise vorzubeugen.

Die Landwirt« In Nördlingen haben beschlossen, den vom bayerischen Ministerium festgesetzten Höchstpreis für Milch angesichts der Not der großstädtischen Bevöl­kerung nicht anzunehmcn, sondern sich mit einem Er- .zeugerpreis von 80 Pfg. das Liter zufriedenzugeben. Die Landwirte wollen mit einem Abbau der Preise vorangehen, hoffen aber, daß man ihnen darin folgt, daß ein Preisabbau, zum mindesten aber ei» Preisstitlitand, aus gewerblichem und industriellem Erbtet« eintritt.

9lt München« Kommnniftenorgnnisation und ihr« Pläne.

Tie München-Augsburger Abendzeitung" bringt Enthüllungen über eine geheime Kommunistenorgani'a- tion in München. Demnach ist in München die Geheim- organlsation der Kommunisten s» weit gediehen, daß alle Sektionen ihre bestimmten Truppen, auch technische aller Art aufstelle« und eigene Ve r h a f t u n g, t r » p- pen für Geiseln haben. Sie stehen unter dem Oberbefehl ein« mllilärichen Stabes und werden im Ernstfall wie geschlossene Truppen formiert. Besondere Trupp*« sind zur Entwaffnung der Einwohnerwehr ge­bildet, sie sollen st« mit Schlagringen und Gummilnüp- peln Niederschlagen und sich sofort bet Waffen und Ab­zeichen der Wrhnnänner bemächtigen. (Eine ebenso und ivetterhin mit Messern und Pistolen ausgerüstet« söge- nannte Cßurffompagnie (Trrroriftengruppe) hat gegne­rische Versammlungen zu sprengen und mißliebige Per­son« pl beseitig«!. Ei» Parteigericht urteilt in leich- ten Fällen gtgtg verdächtig« Mitgli«d«r mit Ausschsie-

;ung au» der Partei, sonst immer mit Todesstrafe, >ie von der Wurfkompagnie vollstreckt wird. Diese um« ätzt auch di« Mördrrzentrale, deren Vollstrecker durch da» Los bestimmt werden. Die ihnen überwiese­nen Präskribierten sollen möglichst vergiftet unb bei einer verursachten Rauferei niedcrgestochen werden. Eine E e i s e l l I st e über Eerichtsbeamte, Adlige, Offi­ziere, Redakteure, Denunzianten ist ausgestellt. Von den Münchener Bürger» sollen Hunderte al» Rache für Le­vin« und andere kommunistisch« Märtyrer erschösse» werden. Die rote Militärdiktatur sorgt auch dafür, daß Nichtproletarier kein« Lbrnsmitiel mehr kaufen können. Jede Handlung, auch abfällige Kritik gegen die Räterepublik, wird mit dem Tod« be­traft. Ein Echreckensregiment nach rujsl« chem Muster soll alle reaktionären Kreise vernich« ten, um ein» gegenrevolutionär« Erhebung auch für bi« nächsten Generationen auszuschlicßeu.Jetzt, wo bl« Schwierigkeiten der Rrichsregiernng einen unsichere» Zustand zeitigen, jetzt oder nie", so erklären die führen­den Köpfe der Kommunisten,sei Gelegenheit zum Um» kurz gegeben." Für den kommenden Generalstreik sind neue Richtlinien, besonders auch für die Sabotage, her­ausgegeben. Der Rote Soldatenbund arbeitet mit btt Kommunistenzentral« Hand in Hand. Aber die Siel- lenjägerri. unter den Kommunisten ist groß und hat bereits zur Spaltung unter den Kommunisten ge­führt.

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EtttmillelHiMt im MIM

8. Sitzung vom 6. Juni.

HauS und Tribünen sind mäßig besetzt. Vor Eintritt in die Tagesordnung überweist das HauS da» Diäte»- gesctz an ben GeschäftSordnung-auSschuß.

Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet bk Inte»« pellation der rhcinisch-weftsälischen Abgeordneten über die

Schwierigkeiten bet Brotversorgung

in weiten Teile» Deutschlands, insbesondere im rheinisch« westfälischen Industriegebiet. Aus Antrag des Präsiden­ten wird diese Interpellation mit der Interpellation der Unabhängigen wegen der sorigesetzten Erhöhung bet Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte der« buudeu.

Äbg. Erkelenz (Deal.) begründet bk erste Inter« pellalion und schildert namentlich die ungesund» Zusanlmensetzung de» BroleS, bei dem bit Ersatzinengen bas Mehl bei weitem überträfen. Bo- mühungen der Stabt Esseu. an» Ostpreußen 2000 Ton­nen Getreide hcranzusckasf-n, scheiterten an dem Ein« sprach der maßgebenden Behörden. Andererseits ftiei aber auch die in den Städten durch die Regierung zt liefernden Rationen unregelmäßig und in schlechte« Zustande angekommen. Da» gelte für ganz Westfale« und das Rheinland. Mit Bersvrechungen sei die Regierung raschbeiderHanb. aber es gescheh» nichts. Jetzt fei e» soweit, daß in einzelnen Städte, für die Zeit von etwa 14 Tagen kein Brotge-, treibe mehr vorhanden sein werde. Der Redner et« wähnt eine große Anzahl von Städten au» allen Teite» Dentschland», wo ähnliche Verhältnisse vorlägen. Diese Fälle reichten aber nicht an da» Industriegebiet, wo da» Brot au» 10 Prozent Gruiü>mehl und 90 Prozent Ersatzstoffen bestehe. Dabei gäbe e»

genügend Weizenmehl,

da» zn W n ch e r p r e i s e », 1800 Mark für den Doppel­zentner, an die Bäcker abgegeben werde, bk Brötchen unb Weißbrot bnrau» backen kolkten. Diese Mengen müß­ten beschlagnahmt werden. Hier verhalten sich aber die Behörden passiv, ebensowenig wie sie gegen städtische Beamte vorgehe», die in ihrer Eigen­schaft als Lebensmitteldezernenten Privatgeschäft« treiben. Da» ganze System der Getreidevrrsorgung bedürfe überhaupt einet Revision. Die RfichSgettAde» stelle habe ihre Pflicht nicht getan, indem sie sich mcht beizeiten eingedeckt unb dafür gesorgt habe, daß wir jetzt wenigsten» wieder Getreide bekämen. Dk Zwang»« wirtschaft aus dkftm Gebiet hab« verjagt.

Abg .Dr. Her» (U. S.) begründet die Interpeltatio» der Unabhängigen. An de» Wucherpreiseu sür Obst und Gemüse sähe man, baß der freie Handel die produktiv« Bevölkerung a u S b « u t e. Deshalb widerstrebt seine Par- tei der Aufhebung der Ztuangkwirtschaft. Tie Rkgir- rung sage, sie wolle ben Arbeiter» versöhnlich ciügrgen- kommen.. Ihr Verhalten bei bet Verschlechterung bet LebenSmittelvreife gibt ober Anlaß zu großem Miß­tranen Seine Partei sage ihr den

schärfsten Kampf

an. An der Kalamität sei aber nicht bk ReichSgetreldv- stelle allein schuld. Lteferung M« Getreide an das besser zahlende Ausland, S«tfüttet» ng an da» Vieh und der Schleichhandel trüge» bk Hauptschuld. Der volkswirtschaftliche Au«fchuß könne nicht «ehr al» gesep- mäßig angesehen werde».

iknterstaatsfekretär Dr. Hup» beantwortet beifet In­terpellationen, ist aber nur sehr schwer verständlich. Im Industriegebiet müsse zurzeit schon eine wefentliche Ent- spannung eingtttete» fein, da 9000 Tonne» Getreide größtenterl» dorthin entsandt würben feien. Dem Äbg, Ht-rz erwidere er, daß Gemüfeeinfuhr vorn Ausland ein» geleitet worden fei. Gegen Wucherer feile euer« gisch vorgegangen werde».

Abg. Burlag« (Zentr.) beantragt bte sofortige Be­sprechung.

Da» Hau» beschließt bemaemäK,

Abg .Keppler (®o».) «riet, wir Starten von Glück sagen, wenn wir t» diesem Iaht noch «titmal mit ben» blaue» Sage davoukämen^ Nrjcrve» b<bc di» Reich»