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GberheMche Zeitung

Der Völkerbund.

tuK Rom, 14. Mai. Der Dükkerbundrat trat w Donnerstag im Ministerium für die Kolonien «sammen. Aus Vorschlag von Bourgeois ernannte

Rat 5<n italienischen Delegierten Tittoni zum Porsitzenden. Der Rat beschloß die Abhaltung von ppei Sisentlichen Sitzungen zur Bekanntgabe der g«- tkvsfenen Beschlüsse. Die wichtigeren internationalen Aragen wero-n in der öffentlichen Schlußsitzung ani 19. Mal auf dem Kapitol behandelt werden. Ain 16. Mai wird der König die Mitglieder des Bölker- zundrateS empfangen

Mailand, 15. Mai. Es wird gemeldet, daß dae der Hauptfrage«, mit denen sich der Völkeröund belassen hat, die Bes'-ränkung der Rüstungen ist. Wb. Amsterdam, 11. Mai. Laut ./Allgeineen ZandelSbl-L" beabsichtigen die unabhängige» Libe­llen, im englischen Unterhaus einen Antrag einzu- ,ringen, wonach das Hans sein Bedauern Paniber, ratz bei Beginn der Arbeiten des Völkerbundes hinauS- ^Sgrrt werde, aussprcchcn und die sofortige Völker- mndsversammlung verlangen wolle, Ferner sollen itd, dem Antrag die englischen Vertreter beauftragt »erden, einen Antrag auf Zulassung Deutsch­lands, Rußlands und ander-r größerer souveräner Ltaaten zum Völkerbünde zu stelle».

Die italienische WhifttsTrift,

Lugano, 15. Mai. Nach einer Meldung des ^Gccolo" ist, infolge der Aussichtslosigkeit jeder an­deren Lösung, die Möglichkeit eines neuen Ministe- äumS Nitti wieder gewachsen. Nitti und Meda tuur- xn gestern aus» neue vom König zur Audienz be- «feit Ein Kabinett Giolitti mit Nitti als Außeu- Tinifter w'rd als verfrüht betrachtet. Giolitti zilr y- i»ch alS Resecoemann für den ersten Fall.

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Wb. Rom, 14. Mai. '(Stefan!.) Die Blätter melden ms Jglesia (Sardinien), daß es während einer Vrotest- 'anda'buna gegen die Teuerung zu einem heftigen Zu- zmmenftoß mit der Polizei kam, bei dem fünf Personen etätet wurden. Zum Z.'icheu des Proteste» wurde der Generalstreik erklärt.

Polen.

Graudeuz, 12. Mai. Das Erscheinen des .Mandenier G.'selligen" ist auf Anordnung der Mili­tärbehörden kis auf weiteres verboten werden/ Der Anrrb dazu soll in einer Anzeige liegen.

wb. Rom, 13. Mai. Ter Papst cmpfiug den uolnichen Minister des Aeußern, Patel, in bc «ch tret Audienz.

Ans den Absümmnnstsaebikittt.

wb. Flensburg, 11. Mak. Bon unterrichteter Weite wird mitgeteilt: Die Nachricht, daß der König Wtt Dänemark am 20. Mai seinen Einzug in der «Ken Zone halten wird, ist in dieser Form unrichtig. Dar ganze Abstimmungsgebiet, einschließlich der ersten Zone, ist bis zur Entscheidung über die Grenze durch Kn Obersten Rat d e u t sches Gebiet. Weder der könig noch irgend ein anderes Staatsoberhaupt kann 8 die'es Gebiet, cs wäre denn als Gast Deutschlands, einen Einzug halten.

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Seht die Wählerlisten ein,

»ena die Zustellung bet Wahlkarte nicht erfolgt ist! Nur »er in der Wählerliste siebt, darf wähle».

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Zusammenschluß der Polizeibeamteu HeffkN-NassauS.

Am 8. und 9. Mar fand in Fechenheim a. M. der Provinzialta» der kommunalen Polizeibenmten der Provinz Hessen-Nassau statt, der von zahlreichen Ver­treter» besucht war. Auch waren Vertreter der Organi­sationen der staatlichen Polizeiwachtmeister von Callrl, Wiesbaden, Frankfurt a. M. und Hannu anwesend Der Provinzialtag sollte die Entscheidung über die Auflösung 5f.=. Verbandes und die Gründung von Bezirksvereinen entsprechend der dienstlichen Gliederung des Staates, öwi« den Zusammenschluß der staatlichen und kommu­nalen Polizeibeamten der Provinz Hessen-Nassau bringen, soweit sie dem Preußen.'verbände an gehören. Tas Ergebnis her Tagung war die einmütige Bi'lignng der am 8. Mm gepflogenen Borverhandlungeu. Die allerseits für noi wendig erkannte Gruppierung konnte daher nach fure Aussprache erfolgen. Damit ist auch in der Provinz Hessen-Nassau der enge Zusammenschluß der im Preußenvcrbande organisierten staatlichen und kom­munalen Polizeibeamten ^zur Tat geworden. Zum Vorsitzenden des Bezirksvereins Cassel wurde der Vorsitzende der Ortsgruppe Casiel des Verbandes der Polizeibeamten Or-ußens, Polizeiwachtmeister See Kode, aewäblt. Der Bezirksv-rein siebt seine kmuptanfgabe -»nächst in der restlosen Erfassung und Einführung all'r 'm Reoierungsbez'rk vorhandenen Volizcibeamten in die Organisation, da nur durch diese eine erfolgversprechend - ""tmtung ihrer Standes- und Wirtschastsinteressen mög­lich sei, die noch bei manchen Verwaltungen, besonders aui dem Lande, sehr im Argen liege.

Marburg, 15. Mat.

Der Marburger Hausfrauenver*,» teilt uns mit: Die Frage der häuslichen Nothilfe, Vie auf der letzten Mitgliederversammlung des Marburger Hausfrauenvereins nur g-.'ftrdft wurde, soll nun ta die Hand genommen werden. _ Es handelt sich darunz, een Hausfrauen Hilfskräfte zu gewinnen in senen feV last zur Alltäglichkeit tverdenden Fällen, wo durch' oen Mängel , an Hausangestellten HauS und Familie emp­findlich leiden. Hier ist eine kränkliche Hausfrau, ote bisher mit Hilfe eines tüchtigen Hausmädchens ihren Haushalt gut bewältigen konnte allein den noch oazu gesteigerte» Anforderungen gegenüber bricht ste zu- sauimen. Häusliche Rothikfe vor! Eine andere Haus­frau hat wohl den saufenden Arbeiten des Haushaltes stand gehalten, wo aber sollen Zeit und Kraft für das setzt doppelt wichtige Flicken und Stgpfe« Herkommen,? Muh denn wirklich die Familie mit Löchern und Lum­pen daherlaufen? Ist Ivirklich niemand zu finden, ver bei eigenem Vorteil hier Abhilfe schaffen könnte? Wie oft geschah es, daß die Grippe ganze Familien beyel und Hilfe von Sehiveftern »ad Pflegerinnen tvar zu beschaffen! Welche katastrophalen Folgen bringt die Vernachlässigung der Gartenarbeit den Familien, die ihren Bedarf an Kartoffeln und Gemüse nicht in den Boden bringen ober nicht pfleglich behandeln können I Wie manche der armen gehetzten Hausfrauen wirv zu Boden gedrückt durch die Sorge um die allzuoft «nbe- hüteten Kinder! Gewiß in all solchen Notfällen tilfi hier und da einmal die Freu-Hfchaft und Verwank trchaft aber. Wie aber, ivenn solche nicht vorhanden, oder wenn die befreundeten oder verwandten Familien unter ähnlichen Notständen leiden? Wir müssen es eben uns immer wieder vor Armen halten, daß wir fa alle in gleicher Verdammnis sind. Den einen trifftS so, den anderen anderst Die furchtbare Not des verlorenen Weltkriege? lastet auf unserem Volk. Es fragt sich nur, ob wir duldend zu Grunde gehen oder Mittel und Wege auSsucheu wollen, dem Verderben zu wehren. Hier ist ein solcher Weg, er heißt ganz einfach: Eine rche i f e dem ander«. Hast du, junge kräftige F«m Zeit übrig, leg nicht die Hände in den Schoß, gib bet schwäch- lid*n Schivester von deiner Kraft und nimm außer dem

schönen Bewußtsein erfüllter Nächstenliebe auch den tat­sächlichen Lohn für deine Arbeit, wo solcher selbstver­ständlich. Haustöchter mögen durch solche Hilfsdienste ihre Ausbildung zur selbständigen Hausfrau erwecoen und auch der Aufbesserung ihrer Einnahmen nicht ver­gessen. Besonder» denken wir an alle jene, die früher mit kleinen Zinsen ober Renten bescheiden, aber selbst­ständig und ohne Sorgen leben konnten, nun aber tn bittere Rot geraten sind. Welche Hausfrau ioühte mcht bescheid in diesen Nöten und fühlte nicht herzlich m t t Euchk Wollt Ihr nicht auch der Hausfrauen Not zu versteben suchen? Wollt Ihr nicht helfend und ver­dienend Euer Leben aus die neue schwere Zeit einstellen? Di« Hausfrauen werden Euch dankbar und verständnis­voll entgigenkommen. Der Hausfrauenveretn bietet sein« Vermittlung att Zur nächsten Witgliever- versammlung Cf. Anzeigenteil der nächsten Tags) am Mittwoch den 10. Mai sind alle Mitglieder und alle Freunde der gute« Sache freundlichst cingcladen. G.

*Ausdte Mahnung der Stadthauptkasse *tr Zahlung der rückständigen Steuern und Abgaben rmtn? Zurückzahlung der Gasaufgelder wird befonders bin- e-wttsen. Bei Zahlung des 5. und 6. Steuerzieles han­delt es sich nur um Gemeinde-Abgaben (Gemeindesteuer Gewerbesteuer, Betriebsstener und gemeine Wertsteuers Der Sttuerzettel für 1919 ist bei der Zahlung vorzulegen.

* Berufsjubiläum. Wie uns mitgeieili wird waren es gestern 29 Jahre, daß Herr K.Böttner als ^arvorationsdioner bei dem Kath. Stud. Verein Thnringia tätig ist.

* Realanstalten. Aus die am 18. Mak, 61 \ Uhr "gchmittags, zur Vorbereitung der Wahlen zum Eltern- ^irat stottsindends Versammlung wird mit dem Wunsche Hingewiesen, daß sich möglichst viele Eltern beteiligen mögen.

Theater, Äewgtrte, Versammlung«« «fw.

* Deutsche Vo lkSpartel. Montag, den 17. Mai, nachm. 5 Uhr firM b-i Bovv eine Selserversamm- sitng statt. Wer als Mitgli'd oder Freund der Partei während des Wahlkampfes sich irgendwie zur Verfügung m stellen gewillt ist, wird ebenso herzlich wie eindrina'ick M S«tKsich-s Erscheinen gebeten. Besonders erwünscht "ich imiw Krästr Dringend benötigt werden Fahrräder, Pferde und Wagen usw.

* Klavierabend Pembauer. Aus den heute Abend stattsindenden Klavierabend d«S Leipziger Pianisten «Senn Josef Pembauer sei hiermit nochmals empfehlend hingewiesen.

* Stadt. Sommertheater (Direktion: Cito Henning). Für die am 19. Mai beginnende Schauspi-l- ^vielzeit sind nachgenannt« Künstler gewonnen: Neben Direktor Henning wirken als Regisseure C. R. Zwilliuger Charakterrollen) vom Stadttheater Heidelberg und Richard Hrlsinq (Cbarakttrkomiker) vom ehem Hoftheater in Tres- wit. Das Fach der 1. Helden vertritt Rudolf Kerbs. vom SteHttbeater in Guben, da» der Heldenväter HanS Grell oii! Stzedttkvater Bielefeld, das der iugendl. Liebhaber- rollen Martin Jäger Westphal vom Berliner Theater 'n Berlin. In die übrigen Herrenrvllen teilen sich die Herren Claus Heimburg vom Landestheater in Detmold, Willy Triimpler von Berlin, Luz Marion von Danzig, Walter Grießmann vo» Heidelberg, Fred Rosenow von Siel. Das Fach der ersten Heldinnen und Liebhaberinnen bat Frl. Gerda Burkhardt vom Stadttheater i» Coblenz inne. Für jngendlichr Liebhaberinnen ist Marz. Cabisius om ehent. Hostheater in Weimar, für das Fach der 'omischen Alten »nb Charakterrolle» Else Rabe vom Detit 'chcn Theater in Bremen verpflichtet. Emmi Reinhardt vom Stadttheater Halberstadt syielt die ersten sentimentalen Liebhaberinnen, die Heloenmütter spielt Tina Kißl'ng, in di« anderen Rollen teilen sich die Damen Elfriede Kerbs-Sims (Bielefeld), Gertrud Jäger (Berlin) und Else Herzog (Hamburg). Di« technische Leitung hat Obermaschinenmeister Rcustäbter vom Stadttheater Hanau. .Vorstand des BerwattungKwese» ist Friedrich Fekdtmann (BremeM. Die erst« SchauspielrorstellunzGas" "on Georg Kaiser mit Direktor Henning in der Hauptrolle bürste großes JnlerZse erwecke».

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Rr. 111

Sonnabend, 15. Mai

* Parolemusik morgen von 1118 Uhr auf be* 1 FriLrichsplatz: 1. König Georg-Marsch von H. Georg; 2 OuvertüreSilvana" von E. M. v. Weber; 3. Fantast» aus der OperLa Traviatcr" von Verdi; 4. a) Das Veil­chen v. W. A. Mozart, b) Kleiner Morgenwanderer vo» l Schumann: 5. Brüsseler Spitzen, Walzer von Schmidt« Berka; 6. Solinger Schützen-Marsch von Blon.

* Kurhessischer Verein für Lustfahrk. Der für den 18. Mai augekündkgte Vortrag deS Herr» Prof. Tr. Wigand (Halle) muß verschoben >v?rd«n, b« ! her Redner bei einer Ballorrlaudung eine Knieverletzung i erlitt und infolgedessen nicht reise» kann.

* D i e Lichtspiele, Bahnhofstraße, schreiben; Durch lissonderes Entgegenkommen ist e» möglich ge« wesen, bereit» ab heute den mit so großem Interesse und Spannung erwartete« 2. Teil de» gewaltigen Abenwuer« ilmeSDer Tanz auf dem Vulkan" im Programm auf« zunehmcn. Die fesselnden und interessanten Erlebniss« der Schauspielerin 'Sybil Uoung am Hofe des Groß« fürsten steigern fick auf das Höchste. Wundervolle Bll« der blendender Ausstattung stellte wieder der bekannt» Meisterregisseur Rich. Eichberg; als hervorragend« Schauspieler seien u. a. erwähnt die bildschöne LeePary, , otoie Violette Napierska und Bela Lngosi, die sämt­lich in den Hauptrollen spielen.

* Das Zentral-Theatcr bringt ab heute, tote eS mitteilt, den letzten und großartigste'.: Teil des a-waltia?n FilmwerkesDie Herrin der Welt", betitelt i ..Die Rache der Maud Ferguson" mit dem Untertitel ! Die Tragödie der Rache". Di« außerordentlich span- i »ende Handlung wird durch diesen Teil »um Abschluß ; gebracht. In Handlung, Darstellung «nb Ausstattung stellt er den schönsten dar. Am Dienstag erfolgt dir ' letzte Vorführung, da eine Verlängerung nicht angäirgig ist. Auf die Vorführung be8 große» Welt-Monumental- FilmwerkesNerven" ab nächsten Samstag wird schon beute ganz besonders aufmerssam gemacht. Ein Filin - toerf, wie es nach den bisher erschienenen Kritiken feht tto-ites geben soll. Trotz der außerordentlichen Koste» wird eine Preiserhöbuug nicht erfolgen.

k. Wetter, 14. Mai. Infolge der uuersreullchetr Vorgang« in der letzten Stadtverordnetensitzuug habet: die Stadtvewrdnete« Prümer und Lenz ihre Aemter al» Stadtverordnete rtiederpelegt.. An ihre Stelle treten der Bäckermeister Martin Volinar uub der Sattler Ernst Orth , in die Stodttvrordnetenversammlung ein.

*%, Schwabendorf, 12. Mai. Im Gasthaus zur Schönen Aussicht sprach am Sonntag Nachmittag Herr 'J'uchbändler Sao »ne »schein a»5 Marburg für die Dousichnationale Volkspartei vor einer zahlreichen Zu- börerfchaft ^it sich au8 Schwabendorf, Albshausen. Bracht »nb Schwarzenborn eingsfunde» hatte. Zunächst aus die Bedeutung der ReichStagswahlen eingehend wies er die Richtlinien nach, die von der Partei erstrebt toerben, um wirtschaftlich und sittlich wi-der zu gefunden. Reicher Beifall lohnte den geschätzten Redner. I

mc. Frankfurt a. M.. 14. Mai. Am Himmkl- fahrtstage hat der SOjälirkge Arbeiter Umstadt im nahe« Oberursel seine Mutter mit einem Spazier- stock erschlagen. Die Frau war schwer verletzt ttitb - starb am Abend im Marienkrankenhaus. Die Schwester des Mörders, die der Mutter zu .Hilfe kommen wollte, wurde ebenfalls schwer verletzt. Nach der Tat begab sich Ilmstadt seelenruhig mit einem Verein auf einen Ausflug noch dem Feldberg, wo er bald von der Polizei cahaftet wurde.

mc. Höchst a. M., 14. Mai. Buch hier haben die verschiedenen politischen Parteien ähnlich wie in: Fulda einen Beschluß gefaßt, ihre Anhänger von ' Störungen gegnerischer Wahlversammlungen abzu«' hatte«.

Sachsenhausen, 14. Mai. Die bena^arte Domäne Selbach, etwa 1000 Morgen groß, wird nun in eine Anzahl Bauerngüter verwandelt. Geschaffen sind

Nachdruck verboten.

Im Schatten der Schuld.

Orginnl-Roman von Hanna Forster.

14) Fortsetzung.

So ungefähr dachte auch wirklich der Baron, als er hinausging. Seine Gattin streifte mit einem siüch- ngen Blick Renate. Mit Besorgnis sah sie, daß da-S ienge Mädchen ganz blaß gewor'oeu war, und daß ein Ausdruck wie von Angst in ihren schönen Augen lag. Aewiß wußte sie alles, daß ihre Großmutter in bit­terer Feindschaft mit dem alten Graf Oskar von Holl- sangen gelebt, unb sie fürchtete nun die Begegnung mit den beiden jungen Grasen. Wie gerne hätte ihr die gütige Frau ein paar Worte der Beruhigung gesagt. Sie kannte Gras Eberhard und feinen jüngeren Bruder schon seit vielen Jahre», sie wußte, was für vornehm senkende Naturen beide besaßen, und daß sie auch bei dieser für sie ebeitfalls sehr peinlichen Begegnung keinen Augenblick ihren rifterlichen Sinn verleugnen würden.

Anneliese hatte sich erhoben, dem Diener geklingelt und ihm Antveisungen gegeben, daß er noch zwei Ge­decke für den Kaffeetisch hole. Mittelst deS Haus- Äeplwns, an daS auch die Terrasse angeschlosfen war, setzte sie sich mit der Mamsell in Verbindung und gab ihr Auftrag, frischen Kaffee sowie Waffeln und «ideres Gebäck zu besorgen. Gerade als sie alles dkötige für die unerwartet erschienenen Gäste angeorb- ti erschienen diese mit dem Baron auf der Terrasse.

Nachdem beide Herren der Baronin die Hand ge­küßt und sich nach ihrem Besinben erlunbigt hatteit, ^grüßte« sie in herzlichster Weise Anneliese, wobei heften, luftigen Augen des Grafen Benno, eines Ichlonkcn blonden UlmtenossizierS, lebhaft aufblitzten, sein filteret Bruder den Ton ruhiger Käme« lösch'ft dem jungen Mädchen gegenüber hatte.

,U,.i erblickten beide Herren Renate. Ein jähes ^schrrcken prägte sich in dem jo stolz unb ebel ge­schnittenen Gesicht des Grasen Eberhard von Holl- ^uge« aus. Aber er hatte sich sofort wieder in der Etzw-t,nb als jetzt die Barsniu mit ihrer angenehm

weichen Stimme vorstellend sagte:Fräulein Renate von Hilmer, eine Freundin Annelieses. Graf Eber- bätb und Graf Benno voy Hollwangen, gft'chfall? liebe Freunde unserer Familie", da verriet auch kein Zug in seinem Gesicht, daß er ihre schlanke, junge Gestatt in Leinen Armen gehalten, als er sie von dew tum Stoben gebrachten Pferd herab aufsing. Tief unb förmlich verbeugte er sich vor dem jungen Mädchen, dosfen sonst so sonnig schimmernde Augen jetzt seltsam umflort schienen. Noch immer lag die tiefe Bläffe aus Renates holdem Gesicht, die es vorhin überzogen hatte, als sie so unerwartet den Namen der Grasen Hollwaugon hörte unb sich jagen mußte, daß sie im nächstenl Augenbua dem Manne gegenüberstehe» würde, her ihr vor ein paar Wochen das Sehen gerettet hatte, »er ihr aber auch deutlich zu verstehen gegeben, daß zwischen seiner Familie uni) der der jetzige» Besitzerin von Schloß Hollwange« ein Abgrund klaffte, der nicht zu überbrücke» war.

Als er mit keinem Wort erwähnte, daß er sic schoi: kannte, da flieg ein Wehes Gefühl in ihrem jungen Herzen aus. Sie bedachte nicht, daß er vielleicht aus Rücksicht aus sie selbst nichts von ihrem Reitvnfall erwähne, da er doch nicht wissen konnte, ob es ihr erwünscht sei. Ihren ganzen Stolz z« Hilfe rufend, sah sic nun mit fremdem, ernstem Gesicht an ihm Dorbet. ES war ihr ordentlich eine Beruhigung in ihrem Seelenzuslanb, dem freundlichen, mit offener Bewunderung auf sie gerichteten Blick deS jüngeren Grafen zu begegnen, mit dem sie dann auch bald ein ziemlich ledhastcs Gespräch geriet, an dem sich die Baronesse in ihrer muntern Weise beteiligte.

Graf Eberhard hatte sich an die Hausfrau gewandt: Hoffentlich stören wir auch wirllich nicht, ver­ehrte Frau Baronin," sagte er,aber Benno, der ganz unerwartet heute eormittag von der Garnison herüber­geritten kam, wollte Sie so g'erne besuchen, daß ich seinen Bitten nicht widerstehen konnte und ihn be­gleitete."

Sie stören uü3 nie", antwortete die Baronin. Im übrigen ist Fräulein Ullmet ja doch kein fremder Besuch, soubcrn fast wie unser ziveites Töchterchen,"

örof Eberhard richtete keine Frage an sie, ob die junge Dame in der Nähr wohne, ob sie eine Schul­freundin Annelieses sei Fragen, die doch nahe­liegend gewesen wären. Aber btt Baronin kannte seine stolz-', äußerlich zurückhalteicke Art, unfc es kam ihr nicht ber leiseste Gedanke, daß die beiden Menschen schon einmal zusammengelrossen sein konnten.

Mittlerweile erschien nun der Diener mit einem großen Tablett, aus dem Kaffee, Waffeln und anderes Gebäck standen. Geschäftig eilte Anneliese zum Tifch, um alles darauf zierlich unb gefällig zu ordnen. Dan» goß sie den beiden neuen Gästen den dampfenden brau­nen Trank in blr feinen weißen Porzellantassen, unb bic übrigen Anwesenden schelmisch anschrnb, meinte sie:

Wir tnnken doch alle noch ein Täßchen mit zur Gesellschaft, nicht wahr?"

Lachend rief der Baron:

Anneliese, dich locken nur die frischgebackenen Waffeln, dabei hat bas Möbel minbestens schon ein Dutzend davon verzehrt! Du bist in dieser Hinsicht wirklich ein echtes Landkmb."

Die junge Baronesse stimmte fröhlich in bas Lache» ihres Batcrs eht Während sie nun mit der ihr eigenen flinke« Geschicklichkeit den andern die Tassen wieder frisch füllte und dafür sorgte, daß alle sich mit Gebäck versorgten, sagte sie:

Wer viel arbeitet, Ian« auch viel essen. Ich schäme mich meines'gesunden Appetits gar nicht. Eine Karlsbader Kur brauche ich deshalb noch lange n'cht."

Was nicht ist, kann noch werden. Gerade Waffeln sollen bet Schlankheit sehr schädlich fein."

ES war Graf Benno, der diese Wort« sprach, dabei aber so harmlos aussah, al» denke er nicht im entferntesten daran, die junge Dame zu necken.

Anneliese fuhr empört auf.

Solch ein Unsinn", rief sie entrüstet,wer hat Ihnen denn das erzählt? Sie glauben aber auch wirk­lich jeden BlÄtsinn."

Aber ganz und gar nicht, verehne Baronesse", antwortet« der junge blonde Offizier mit ruhigem Gleichmut, wobei nur in der Tiefe seiner blauen. Augen ein kleines Fttimmchen des UebermutS züngelte. Dsch «an hat Beispiele--"

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Ziemlich heftig unterbrach ih» Anneliese.

Ach, jetzt merke ich eS, Sie spotten ja bloß! Graf Benno, Ste sind schrecklich, und ich kann Sie nicht ansstehen."

Anneliese sah reizend aus in ihren: Zorn, ttitb ihre Natürlichkeit ließ ihr Benehme« nicht ttuaugenchm wirten. Der Boron i« seiner Guttnütigkeit amüsierte sich jedenfalls iuuerlich köstlich über sein Töchterchen während dagegen die Baronin, die mehr für eine har­monische Aumut war, eine« leite» Seufzer nicht unter­drücken konnte. Ach, Anneliese u-uchs ihr immer mehr über bei: Kopf alle Erziehu:u,svetsuche glitten furchtlos an ihrer selbständigen Natur ab. Dube: war sie aus der andern Seite wieder ein famoses Meuschcv- kind, stets gutgelaunt und heiler, tüchtig und Von necki­schen Einfällen nur so (prubtinb, daß man ihr nicht böse sei« konnte.

So freute sie sich jetzt über die Maßen, daß bie beiden Grafen gekommen waren, nicht nur um ihret­willen, sondern mehr noch um Renates willen. Sie bedauerte nur sehr, daß die Frenuoin so einsam auf dem Schloß lebte, nur auf die Gesellschaft der alten Frau von Rehring engeivttfen. Im stillen formte sie jetzt ihre Pläne.

Sie finb auf Lowitz zu Besuch, gnädige» Fräulein?" °

Gras Benno von .hollivaugr» richtete diese Frag« an Renate von Ullmet. Da stieg ihr jäh da? Blut in die noch immer blassen Wange«. Sie hatte zuletzt sehr still dagesessen und sich kaum mit einem Wort an de« Unterhaltung beteiligt. Jetzt sah sie unwillkürlich Graf Eberhard an in ihren Auge« lag ein Ausdruck wie von geheimer Angst.

Doch schon antwortet« sie mit ganz ruhiger Stimmt all ihre Selbstbeherrschung zujammeunehmend:

Ich bin die Enkelin von Frau von Nehring unb wohne bei ihr."

Sie sagt« absichtlich nichtich wohne auf Schloß Hollwangeu." Denn Gras Benno würde ja, sowie «t de« Nameu von Nehring hörte, doch alles wissen.

Fortsetzung folgt.