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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

M 10S

I DieOberdesssiche Zeitung" erfAetat wSAenfli*. Ve,na»»rei,

1 *«tL S X.., durch die Doft 3.15 X.§iit <u<fal,»nbf Rumwern tnfel«# Streikt I »bet elementaeer Eeeignche kein Ersatz. Berta« »en Dr T. -itzerettz. | Druck »er Uni» Suckvr.»»» I»d. * u ». « » ». Markt 21/28. $etw»te<fc« 55

Marburg

Mittwoch, 12. Ma!

1120

Der Anzeigen»!«!» betragt fir die Satt». Zeile 75 J, awtt'ck« unb nraär- :r tioe 00 , Neklaweteiie 2,00 X. Jeder Rabatt »ilt «l« Barrabatt. ®e tu«funft 1 durch »te Gezchättsktelle x. Vermittlung »et Angebete Ä 4 SanbertzebLtzr. Pestfcheikkente: Nr. 5C15 Amt Frankfurt a. M.

Vrttes Blatt.

!te dn.DikWtkMn".

trö. Berlin, 11. Mal. In Verfolg der Zu- Scherung in ihrer Rote vom 16. 2., im einzelnen dre jEttaftoten eiKgd jebtn, der des KriegsverbrcchettS ver­dächtigt wird^Hu^fammeln, zu verüfsentkrchen und der dnttfthen Regierung mitzuteilen, haben Sie Verbündeten der MlchKreW«vg mit einer Note die erste Na- »enLliste übersandt.

Aus der Liste stehen it. a. folgende Personen:

Pa tz i iff, Sxfhnutf), Oberleutnant zur See, Komman-- tzaut Ü. 80, Anklage wegen Torpedierung des englischen ßospiwlschissesLlandoweri- Castle", Neumann, Karl, Oberleutnant zur See, Kommandant U. 67, wegen Tor- »chiiQtng des englischen HospstalschiffesDover Castle", Werse r, Wilüelm,. Kapitänlcutnant, Kommandant U. 65, tetcB Torpedierung des englischen Hospitalschifses Terrsiraton". Stenger, General, Kommandeur 58 ' Brif., 112. »Nd 148. Jnf.-ReM. ttMS-' Befehl zur MürrRachtnig .vsy GefangciWHW HMchudetenchei b^ W. Mlagdc: Schröder, VauKmaiur^im 112. Asi- Legt.: Müller, Kommaudenr "tvynz. Jnsi-Regts.: V e F_ !H I!. General, früher Gouverneur von Metz: 'Mscheksoch», Oskar, Arzt, Direktor desWazarettS der IlAkm« in Esfry und in Dizy-le-Gws, wegen Tötung Wchlrekch».'r iln» an vertäu ter Kranken und Verwundeten ntiir systematische Mißhandlung, Diebstahl von Nah- s -nnmsmitlekn und sonstigen Eigentums seiner Pfleglinge: !$rlii, General, Kommandeur de? Lagers Cassel; d. I acl (?;, Gouverneur von Cassel loegen Verbrei­tung m:r TyphnSepidemie im Lager Cassel, Misthaudlung der Gesangeneu: v. Arnauld de la Periöre, Kopi- diniet.-tn.aNt, Komaiandant U. 35, wegen Torpedierung der fto'-.-nMen. SchisseSiena",Doris" undLilla"; i kcl oktz, General, Kommandant des Lagers Lanensalza; O '».Bülow, Führer der 2.deutschen Armee; Freiherr * L- nge i m an n , Generalmajor, Kommandeur der rftiiyv;, 1. und 2. Garde- Res. «Regt.; Prinz Ernst bei; Sechsen: Jung oder Jünge, Major oder Haupt- '*»nn,' TaebefchützenLataill»«; Bronsart v. Schel- ] t IinietL Major, Gardrschührubataillon; Baron von B'. ti n a it oder Bünau, Leutnant, Gardcschützenbatail- efcii, weg«» Gewalttätigkeiten in Andenne und Seilles; - 1 l *». K i r (ii 6 a ch, (Keneral, v. Seydlitz, Oberst, wegen .Wkivalttätigkriteu in Kalisch 1914; Hauff, Kommandeur ! In >. würiteuibergischeu Landw.-Tiv., wegen Mißhand- tmg rumänischer Kriegsgefangener im Elsaß.

Tic Temobilisierung der deutsche« Fliegertrupp».

wb. Berlin, 11. Mai. Bon zuständiger Stelle teilt» uritgeteilt: Die gesamte deuisch« Armee-Flieger- -dichpe ist deuiobiltsiert: '^ie.Armee"verfügt über keine »ilitärischrn Luftfahrzeuge Äeyt. Mtx letzt« noch be- ßeiw.rdra Fliegerformationen, her Aliegcchorst Döbe- rnll dem Flicgerzeuaa nt Königsberg, Stolp, Brieg, Mrvsienhaiu, Paderborn, Böblingen und Schleißheim I7 fi> V dearvbii gemacht. Das gesamte Fiiegergerät aus | Fliegerhorsen, ausgenommen Stolp, ist voll- |ei?biß der Reichst reuha nd-Geselljchaft übergeben wor­den. Ruf dcm Fliegerhorst Stolp ist die Uebergabe des Dlkegeriterliis »och nicht vollständig abgeschloffen; sie Wird iunerlfalb der nächsten Tage beendet sein.

Tie deutschen Truppe» in der neutrale« Z»ne.

Wh. Be rlitch 11. Mai. Wie von zuständiger Serie mitgrlfift wird, beträgt die deutsche Truppen- tnacht im neutralen Gebiet sei: gestern 10 Bataillone, 6 Eskadron-, und 2 Batterien, bleibt also mit einem .Bataillon und einer Eskadron unter der uni zuge- stmrdeue« Masse. General Rollet wurde die Tat- fache mitgeteill. Er hat Major Grave 1 zur Nach- Bcüfung in das Ruhrgebiet entsandt.

Ausländisch« Lebensmittel für Deutschland.

tob. Kopenhagen, 11. Mai. Zwischen däni­schen Fischverkaussgenossenschasten und den deutschen Behörden wurde ein Abkommen getroffen, wonach die dänische Fischansfuhr nach Deutschland teilweise lieber »vfgenommeu wird. Das Abkommen betrifft Sie AuS-- kuhr des diesjährigen Frühjahrsheringfangs. Ts bfr rammt, daß Deutschland für eine Hälfte des Betrages der Ausfuhr einen dreijährigen Kredit, für eine andere Hälfte einen vierjährigen Kredit erhält. Deutschland derzmsi den Betrag und stellt al; Sicherheit deutsipe Btaatsschnldpapiere.

Haag, 12. Mai. Unter dem NamenHilfe für das deutsche Kind" hat sich hier eine Bereinigung ge- Itihtbti, die bezweckt, Lebensmittel an erster^Stelle nach »-eutschland zu entsenden und an zweiter Stelle Geld, fctorit nötig ist. Die Lebensmittel werden durch Bec- toittdeng der niederländischen Konsuln zur Verfügung der SÄirorrmeister gestellt unter genauer Vorschrift der Etrtdfatog.

Wb. London, 11. Mai. DieTimes" meldet aus Bien, daß die ersten 500 österreichischen Kinder, die Eluige Z-it in englischen Familien Aufnahme finden sollen, .i 20. Mai über Rotterdam die Reis« »ach England tetrrLn werden. ... . i...

Ans dem bnUis^en Landtag.

Di» Schmach der farbige« Sefatzuagstruppe«. Neu­wahlen.

Wb. München, 11. Mai. Im bayerischen Land- tagMvnrde heute ein Antrag der Frauen d«s Laudtaas einstimmig angenommen, durch den die Staatsrrgie- ruag ersucht wird, bei der Rcichsregierung dar-n>f hinzuwirken, dast versucht werde, von der Entente die Zurückziehung der farbigen Besatzungstrup- >en zu erlangen, weil die von ihnen verübten Sitrlick- ^eitsverbrccheu gegen deutsche Mädchen und Frauen zu einer bleibenden Schmach für die ganze weiße Rasse werden. Ministerpräsident Dr. v. Kahr erklärte, daß auch die bayerisch« Regierung tief dre brennende Schmach fühle, die mit der Anwesenheit farbiger Trup- >en auf deutschem Boden der gesamten Weißen Rasse angetan wird. Die bayerische Regierung erachte es als ihre heilige Pflicht, nichts unversucht zu lassen, was dem entgegenwirken könne, und habe deshalb auch den heute in Berlin als Vertreter des Ministerpräsi­denten anweseuden Fustizminister ersucht, bei der Reiihsregicrung zu verlangen, daß sie nicht nur nach- »rücklich Protest gegen die Anwesenheit schwarzer Truv- ?en in den besetzten Gebieten, erheb: sondern daß sie alles tue, um dem unwürdigen, tiesverletzenden und die größten Gefahren in sich bergenden gegenwärtigen Zustand ein Ende zu bereiten.

Das Landtagsplenum nahm hierauf das Wahl­gesetz für die bayerischen Landtagswahlen in erster und ziveiter Lesung endgültig an. Das Haus beschloß dann einstimmig, di« Regierung zu ermächtigen, die Neuwahlen zum Landtag für den 8.Juni an- ^»ordnen.

Polen.

Das Wahlergebnis in Polnisch Westprcuhen.

wb. Graudeuz, 11. Mai. (Deutsch-polnischer Pressedienst.) Nach dem amtlichen polnisihen Wahl­ergebnis wurden im Wahlkreis Grandenz sieben Polen und vier Deutsche gewählt. Ans die Liste zwei (Ber­einigung des deutschen SMfehim*', entfallen vier Ab­geordnete Von den polnischen Parteien erhielten die nationale Arbeiterpartei fünf Abgeordnete. Hinter der Liste 2 (Bereinigung des deutschen Volkstums) stehen 82 Prozent der deutschen StinuM«. Die Liste 4 (deutsche Arbeitsgemeinschaft) konnte lein Mandat er­ringen.

Bauernaufruhr im besetzten Weißrutheniea.

tob. Ko penha gen, 11. Mai. Das hiesige weist- rnchenische Pressebüro meldet: Nach den letzten Nach­richten ist in Weißrnthenien ein Bauernaufrnhr ausgebrocheu ,der namentlich im Gouvernement Mias vorbereitet ist. Die Bauern erheben sich gegen die polnischen Gutsbesitzer und gegen die polnische Gen­darmerie. Viele Gutsbesitzer sind geflüchtet. Das polnische Militär unterdrückt den Aufruhr mif g'au- same» Mitteln, u. a. vernichtete die polnische Artillerie drei Dörfer. Dieser Bouernausruhr ist nicht aus bvl- schewistisch« Ideen zuriickzuführen. Er ist ein natür­licher Protest gegen die Politik, die die Polen im besetzten Gebiet von Weißruthenien g'sührt haben.

Wie el im p»lnischen Heer aussieht.

AuS Pvkeu liegen ruverlässige Nachrichten vor, wonach das polnische Benthener Schutzregiment nach Ostrowo und Thorn verdat worden ist, weil es unzuverlässig ge­worden war. An der Grenze Oberschlesiens stehen Teile der früheren 2. Haller-Division. An der tschecho-stowa- kischen Greuze stehen Teile der 9. und 12. Division. Unter verschiedenen galizischen Regimentern ist eine Meuterei ausgcbrochen. Die Soldaten haben an Händler das erst vor kurzem empfangene Lederzeug einschließlich der Ge­wehre verkauft. Auch an der bolschewistischen Front ^rben große Umgruppierungen stattgefunden. Es wird zuverlässig behauptet, daß zwischen uiilitärischeu und pollllschen Führern große Meinungsverschiedenheiten aus- gebwchen seien. Nach den vorliegenden Nachrichten scheint die polnische Front gegen die Russen erhebliche Ver­luste gehabt zu haben. Die Aushebungen in ganz Prsien dauern fort. Die Rekrurendepots bei den Ersatzforma­tionen tverden dauernd neu aufgesüllt, obwohl znc Ans- blldung und Eintleidnng dieser Leute weder Waffe« noch Monturen genügend Vorhände» sind. Die Rekruten leisten j»«i Teil noch in Zivll Dienst..

Nnßlüud.

Wb Varis, 11. Mai. Die Morgenblätter stellen fest, daß der Ett'ieltnrm seit Sonntag Nachmftmg keinen Fimksprnch ans Moskau ausgenommen hat. Moskau pflegte sonst fast alle zwei Stunden zu funken.

lob. Amsterdam, 11. Mai.Telegraaf" meldet: Der niederländische Konsul in Archangelsk, der nach einer Meldung der Bolschewisten verhaftet sein sollte, befindet sich auf dem holländischen RegierungSdampserLinge- strvom", der mit holländischen Flüchtlingen aus Svirjet- rußland in Amsterdam envartet wird.

wb. Berlin, 11. Mai. Die Nachricht, wonach einige javanische Divisionen In Verlleidung nach Sibirien ge­sandt werben seien, wird von dem hiesigen fapauischen Geichäftsträger katezorffch tu Abrede gesollt.

C«ff!and.

Das irische Probte«.

tob. Amsterdam, 11. Mai. DerTelegraaf" meldet: Das englische Unterhaus lehnte mit 259 gegen 55 Stimmen den Abänoermmsantrag Asquitbs zum Homerulegesetz ab, wonach Arland anstatt zweier ein nationales Parlament erhalten und den Grafschaften von Ulster das Recht gegeben werden sollte, auf Grund einer Abstimmung sich währncd höchstens sechs Jahren von diesem Parlament auszuschließen. Boimr Law wider- spmch diesem Anträge, er sagte, er zeige, daß Asquith noch in der Gedankenwelt der Vergangenheit lebe.

DieTimes" berichtet aus Dublin: In der Graf­schaft Cork wurde eine Polizei-Patrouille von vier Mann durch bewasfn'te Banditen überfallen. Zwei Beamt? iourden erschossen, einer verwundet. Der Pätrmnllen- fiUrer, ein Sergeant, wird vermißt. Man vermutet, daß er getötet wurde. Jit der Grafschaft Tipperary wurde ein Polizist erschossen.

Anlaß zur Sorge" in Indien.

. Amsterdam, 11. Mai. DieTimes" meldet icit5 Bombay! Der Ausstand von 15000 Eisenbahn- arbeitern aus den nordwestlichen Eisenbahnen in Britisch- Indien gibt Anlaß zur Sorge. Der Zustand wird ver­schärft durch politische Nnrnhen, Teuerung, den Mangel an Arbeitskräften und die nngehindecte Agi­tation für daS Kalifat.

Ermordung eine» Arabcrfürste».

Wb. Rotterdam, 12. Mai. Die engtrschen Blät­ter melden, daß Ibn Raschid, der Emir von Haik, einer der beiden mächtigen Fürsten Arabiens, e r ut o r oet worden - ist. Während des Krieges warmer Gegner der Verbündeten. Da keine erwachsenen Vettvandten vor­handen sind, befürchtet «tun beit Ausbruch von Unruhen. Daily Telegraph" tveist darauf hin, daß das Heer des Emirs, besten Kriegsstärke 50 000 Mann betrage, eines Tages die englische Position in Mesopotamien von der -Flanke bedrohen könne.

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Wb. London, 11. Mai: Im Unterhaus tek?ie Bonar Law mft, daß der König einen Gesandten kür Kanada in RaMngtsn ernennen to;rb, der in Abwesen­heit des britischen Botschafters auch die Interessen des britischen Reiches wahrnehmen wirb.

> Frankreich.

tob. Paris, 11. Mai. (HavaS.l Dte Straskatmner iällte beute das Urteil über zwei am 8. Mai feftgenommene Eisenbahner, die der Bedrohung der Arbeitssreiheit ange­klagt waren. Der eine wurde zu 3Jahren Gefäng­nis und 2 Jahren Anfentbaltsverbot verurteilt, weil er einen Arbeitswilligen geschlagen und revolutionäre.Schrif­ten verteilt hatte. Der andere, der ihn begleitet-:, wurde zu 15 Monate^ Gefängnis verurteilt --i

--- -Ä-t;

Bit Mltettum

Reichstagskandidaturen.

Deutschnationale Bvltspartei: Pommern: M a lkew ist-Stettin, Vorsitzender der Handtverkskant- mir- St-ttin, M.d.N., Bauernhofbesitzer Jan dreh, M. b. Margarete Behm-Berlin, M d.N., Essenbahn- obersekretär Schmidt- Stettin. M. d. L., Rittergutspäch­ter. S ch i m m e l p f e n n i g, Fadrildireftor Dr. S ch fi - ler»Stettin. Forstarbeiter Knidzinski, Sanitätsrat Dr. Hager-Stettin, Frl. v.Wo'frath-Greifswald, ttor'oettenkapitän Frhr. v. F o r st n e r - Greifswald. .Hamburg: Staatssekr.'täc a.D. Dr. H.elsserich, Bor- sitzeiche desVerbandes deutscher Hausfrauen" Frau Martba V o ß - Z i e tz, Olrerklempuermeister G u t - tnecht, Pvftsokretär Rüdiger, Kausmanis Paul Woermann. Leipzig: Oberlehrer Dr. Philipp, Professor Dr. H o e tz s ch - Berlin.' Lüneburg-Stade: Hauptschristleiter Baecker (,,D. Tageszeitg."-Berlin), LaM>wirt Wiedenhoeier.

Sozialdemokratien Potsdam 1: Rudolf Wis­se 11, Marie I n ch a c z. Mardcbnrg-Änhalt: Reichs- v-rkebrsminister Bauer, Minister Schmidt, Ober» bitrgermeifter Bei ms.

Crtue bürgerliche Arbeitsgemeinschaft.

Angesichts der bevorsteheuden Wahlen tritt bieKöln. Arg." für die Bildung einer bürgerlichen Arbeilkgemern- schast ein, die die Notwendigkeit der Entwicklung unterer nächsten Zukunft sein müsse. Da das Ziel der Sozml- demokraien eine sozialistische Arbeitsgemeinschaft mit den Linksradikalen sei, bleibe dem Bürgertum keine an­dere Wahl. nU ihr eine bürgerliche Arbettsgcmeinnpafi entgegenzusiellen. Es sei dieSache sämtlicher Führer der bürgerlichen Parteien, sofort zusammenzuirelen, um zu beraten, wie diese Arbeitsgemeinschaft zu gründen und welche Form ihr zu geben wäre. Gelänge e» ihr, den Wahlsieg zu erringen, so wäre, toenn auch nicht daS Zweiparteiensvstem, so doch em Zweigrupven- f r [t e m aufzustellen, daS der durch unsere Parteizer­klüftung zur Ohnmacht verurteilten parlamcniart- schea RegierungLform neue Lebenskraft geben toürbe.

SSeittte Austritte aus der bemokrattschen Partei.

Von bayerischen politischen Persönlichkeiten haben außer dem bekannten früheren nationalliberalen Führer v. Tasse!- ann, der den Schritt schon vor längerer Zeit getan h . noch weitere Persönlichkeiten den Uever« gang zur Den. ,chen Volkspartei vollzogen, u. a. der frühere liberal». LanttagS- und Reichstagsabgeordnete Oetono»

mierat Renner-Oberfranken und bet frühe« liberale Landtagsabgeordnete Landsauer.

Dee Vorsitzende de« sozialdemokratischen Wahlveretn» von Stepenitz Beise bat dem Gekckästssührer de« Deutsch- nationaleti Bolksverein« Cammin brieflich seinen liebet» tritt zur Deutschnationalen Volkspartei mitgeteilt.

I* dir W.

Wie bereits in dem Bericht über die Bersammlung bei ^reinS deutscher ZeitungSverleqer in Dresden mitgeteilt.' hat die Not der Zeitungen endlich zu einet energischen, Sprache gegenüber der Negierung geführt Die Tat­sache, daß die Presse einfach vor dem Stillege«. .steht, will» schnnbae immer noch nicht genug gewürdigt in ibrer Ursache, tote in ihrer Wirkung. ES ist deSbalV Pflicht der Presse, zumal sie da! geeignetste Instrument an der Zeitung in der Hand hat, daS Publikum darüber aufzuklären.

Die Ursache der jetzigen Not liegt wie überall in der raviden Steigerung alles dessen, was zur Herstellung h-cr Zeitung nötig ist. Wenn ein Blatt vor dem Kriege* kaS Zeftungspapier mit 21 Pfennigen für daS Kilo bezahlte »snd monatlich 70 Pfennig Bezugsgeld erhielt, beute aber bei einem monatlichen Bezugspreis von' ".Mark für das Kllo Papier 3,65 Mark bezahlen muß, so ;hnn sich leicht auch der Laie ausrechnen, daß selbst der beste Rechenkünstler nicht lange so balanzieren kann, stun sind aber die Zeitungshetriebe ihrer ganzen Natur itz.rch garnicht in d-r Lage gewesen, in den letzten Jabrrn .besondere Gewinne, sogen. Kriegsg,-winne zu machen. Sie kabrn infolge ihrer Wichtigkeit für die Oesftntlickkeit den Vorzug gehabt, in ihre n Bestände erhalten zu leer» den, das soll nicht verkannt werden, obwohl der Rückgang i>eS InseratenwesenS. ir'o'te Ausfallens der kausinän- nischi u Inserate, auch in ben KriegSjahren. schwer auf den Bi trieben lastet, toenn eS sich nicht um Ausnabme-Zei- tuugeu Ivie etwa Kölnische. Frankfurter. Deutsche Tages- inhntß und die. gwßen Generalanzeiger bandelt. Die 'Siqcimrt 8e5 tftmmgSbArieb-' Bringt e-3 mit sich, VVU f-as Publikum sich «"ch von den wirtschaftlichen röntub# lagen eine-eben!» ck^isch« Meinung bildet, wie von ben politischen und sonstigen Aufgaben. Gestiegen sind unge­heuerlich die Preise für Papier und Farbe, i wovon !'ie letztere ('-v:r P.'-pler ist schon gesprochens von 42 Mark jetzt aus etwa 1100 Mark gestiegen ist. Die durch wirftchaftliche Schwi-riokeiten begründete St-igerunq der ^chnverbältnisse ist so btitentenb, daß da? Anziehen der Fnsemtenvreise auch hier nicht im BerhältmS zu bat llnsvsten steht. Jeder erfährt ja an seinem eigenen Haus­halt, wie sehr die Preise für Kohlen, Holz, Beleuchtung, Telephon, Verpackung und anderes gestiegen sind. Bon Reparatur der Maschinen zu reden erübrigt sich wvbl; sie sind fast unbezahlbar. Selbst Blätter mit einem ">'ten Jnftiatenstand stehen hier vor der schwierigen Frage, wie in der nächsten Zukunft fick, b»e Möglichkeit bet Er- '>altung der Zeitung bieten soll. Der Dresdener Berichl riitrftc in soweit doch alle aufgeklärt haben, daß die Klagen und die Ungewißheit über daS Fortbestehen der Presse mehr sind als ein Reden über schlechte Zeiten, im Gegenteil eine durchaus ernste Angelegenheit nicht nur der Betriebe selbst, letzten Endes des ganzen BvlkeS.

Die Wirkung des Verschwinden- der Presse dürfte l och größer sein al- mancher wohl glaubt. Wer im Zeitungstvesen steht, empfindet doch Tag kür Tag aul ben vielerlei Wünschen des Publikums, für wie wichtig dies selbst die Zeitung hält. Das Interesse an der Zeitung ist auch ein durchaus gesundes. Man darf es der deutschen Press« nachrühmen, daß sie mehr und mehr sich ihrer Verantwortung für das Volk-ganze bewußt geworden ist. Ausnahmen betätigen nur die Regel. Wird erst die Presse durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ganz Organ etwa der Parteitoui wie in Frankreich, so dürstr die Presse aus einem Tiefstand allgemeiner Mißachtung an« kommen. Bei ben objektiven Deutschen schneller alS wo llnders. Sollte aber die wÄtere Steigerung der Preise oder gar die Stillegung der Betriebe zur Abwanderung der Maschinen in- Ausland, zum verschleierten llebergang in Hände von Nichtdeutschen führen, dann erst würde man erkennen, welche Bedeutung eine bewußte deutsch« Presse auch für das Volk hat. Wenn aber die Zeitungen gar einen Ersatz in Handzetteln oder mündlicher Berbrei- tttng vonGerüchten" fänden, dann dürfte da» CbaoS nicht mehr fern fein. Wie schwer ist es oft der Presse ge- allen, im Krieg und in der Revolution gegen die Ver­breitung von wahnwitzigen Nachrichten Stellung zu neh­men. Gar mancher dürfte sich heute an die Einnahme von Belfort und anderes erinnern, was der Zeitungsmann als bewußt? feindliche Agitation erkennen mußte. Wer die Dinge atiimerksam verfolgt, sieht auch, daß heute Kräfte am Werke sind, denen die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage der Presse auch gar nicht so unangenehm ist. Für die Diktatur Lenins ist die Presse ein vollständig überflüssige» Instrument. Ein Staat, der die Rechte aller achtet, kann ihrer nicht entraten. Daß die Zeitung mit ihrem Inse­ratenteil für die Wrrtlchaft de- Volkes eine große Be­deutung bat, dürste nicht erst zu erwähnen fein, bal «» fährt auch der Leser wvbl täglich an sich selbst.

Darum ist die wirtschaftliche Lage der Press«, so­weit es sich um Bestehen und Nichtbestehen handelt, eine öffentliche Angelegenheit, die das Volk selbst angebt. In unserem demokratischen Staat soll die bestimmend« Gewalt, die Parlamente, ja nur der Ausdruck des Bolks- teillenS sein. Diese aber müssen helfen und sie können <, indem sie einmal dem. schamlosen Holzwucher ein Ziel setzen und andererseits' die Presse nicht noch «ft Sondergcfetzen wie Jnftrattnsteuer usw. belasten Uw- nötig ist zu sagen» daß ei sich nicht na falsch verstanden«