mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg
Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessm
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Mittwoch, 21. April f»ster»ndj
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Der rnzeigenprei» beträgt fit die 8ges» Zeile 76 J, amtliche and auamär- riqe SO . , Reklame,eil« 2,60 X. Jeder Rabatt gilt al« Barradatt. Be Euskanst durch die Leschäftsftell« a. Lermittlung der 1 «gebet« 26 4 Landergedihr. — ' P»ftscheckk»nt»: Nr. 501» Imt Frankfurt a. M.
55. Jihrz.
1920
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Drei Auffassungen.
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rcK A,nsterda nt, 20. April. Dir „Time-" meldet au$ Sau Remo: Bei der ersten Besprechung der Ministerpräsidenten, die sich auf den Versailler Vertrag. bezog, ergaben sich 3 verschiedene Auffassungen. Die Franzosen wollen den Vertrag voll auSgeführt Wisse»- Tie Italiener sind für eine weitgehende Ab- tnd e r u n g. Lloyd George will die Ausführung de- Vertrag s der i-mr'is gegebenen Lage anpassen. Laut
» ! r'iayb George unb Nitti in voll- i: ■. ^oereuistlmmnng.
ivb. Paris, 20. April. Der Sonderberichter- ficiler des „Inlransigeant" meldet aus San Remo, die .,Är6i" halten sich dahiu entschieden, den Friedrns- veriroe nur soweit abzuändern, daß sie die so- foii i-ün Deutschland als Entschädigung zu zahlende Summe fcstsetzcil. Die Arbeit sei schwierig. Tue Frage werde Mittlvoch vor de» Obersten Rat gebracht werden. An anderer Stelle erfährt der gleiche Berichterstatter, ein Einverständnis über dse Eutwasf- nuug Deutschlands sei nicht erzielt worden. Nitti scheine sich int- London verbunden zu haben und die Belgier fürchteten, sich die Engländer ganz auf den Hals zu Hetzen. Das könne eine Schlappe der von Millerairo gegenüber Deutschland cingeleiteten energische;; Politik besürchtcii lassen.
«ob. Paris, 20. April. Wie der Sonder- berichNtstatter des „Matin" meldet, steht die deutsche Frage auf der Konferenz in San. Remo im Vordergrund. Lloyd George und Ritti hätten nach dieser Richtung Ansichten, die sich sehr nahe kom- toeu. Eine von diesen sei, daß der Geist der Ver- Mnnitg -nieder in der Welt Geltung haben müsse. M- Mittel aber bestehe darin, Deutschland Erle i ch i c r u n g e n in Bezug auf die ifint durch den Fricdensvcrtrag auferlrgten Verpflichtungen zu versch^fen. Das könne Frankreich nicht an- nchiUM, da ja jede Erleichterung auf seine Kosten geschehe. ■— Pertinax sagt im „Echo de Paris" in seine!«! Bericht aus San Remo, daß die Entwaffnung Deutschlands sich erst dann vollziehen Werde, wenn man Deutschland mit der Entziehung der rvirtf^aftlichen Unterstützung drohe. — Der Londerberi-hterstütter des „Petit Parlsien" ist zwar nicht der Ansicht, daß über die deutsche Frage schon ein Einverständnis erzielt sei, jedoch glaubt er. daß die Verbündeten einig seien in der Not- weuoigkeit, Deutschland zu entwaffnen, und daß sogar die völlige Räumung der neutralen Zone für notwendig befunden worden sei.
a a g, 21. April. Nitti Remo
ju einem wirtschaftlichen Zusammenarbeiten mit den Verbündeten zu gelangen, das die Gewährung einer Unterstützung für die besiegten Länder in sich sthlietzr. Die italienische Abordnung strebt danach
f.mfttl«, die p-olitischen und militärischen Fragen den wirt-
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fchaftlichen Problemen unterzuordnen.
Die Verbündete» und die innere Lage Deutschlands.
wb. B e r l i n , 20. April. Angesichts der jüngst m-ilaufenden Gerüchte über die Möglichkeit eines ueurn Militärputsches ermächtigten die Regierungen von Belgien, Frankreich, Großbritannien und Italien, die gegen jeden antidemokratischen Anschlag sind, ihre t schäftsträger, dem Minister des Ausisörtigen zu erklären, daß diese Regierungen eine deutsche Regierung, die nicht geneigt sein würde. de» Friedensvertrag loyal auszuführen, in keiner Weise dulden könnten. Jede Wiederkehr einer revolutionären Bewegung, ebenso wie jeder Wiederausbruch von Unruhen würden nur das Ergebnis haben, die Maßnahmen zur Begünstigung des wirschaftlichen Wiederaufbaus und der Ver- pfk'vng Deutschlands zu verzögern oder sogar un- tnii zu machen, während andererseits die vec- b-i »m Regierungen versprechen, derarttee Maß- RtOi in Erwägung zu ziehen.
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I, karburg. n n ifer- , 80 M. f |«b«n tr 11, I. s tuf >ttn rbethrn- Trie6h»f lsche aie unb - » bieftlb« >«r »«- h i-840
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Die Einwohnerwehren.
Bin sranzöstfches Urteil über die Einwohnerwehren.
iv». Paris, 20. April. Der Berliner Korre- fponbcet des „Temps" sagt zu der Rede des bayerischen Rinisterpräsidenten über die Einwohuer- weh«»! „Noch niemals hat ein bayerischer Minister tfcwer gesprochen. Er hat die ganze B e - dökkernng hinter sich. Die Bauern und BürgerMrden zu entwaffnen, bedeutet in der Tat He (cfoctts* Rückkehr zur Räterepublik in München und zur kommunistischen Anarchie, deren Dch Bayer« mit so vieler Mühe letztes Jahr hat erwehren können. Die gleichen Erwägungen haben Nt -sächsische, württembergische und badische Regie- veranlaßt, sich mit München zu verständigen.
Auflösung der Einwohnerwehren auch i« Bayern?
kg. München, 20. April. Das bayerische Staatsministerium erließ Befehl zur Auflösung der Einwohnerwehren in Gemäßheit der Forderung der Verbündeten. — Bisher stand Bayern der Auflösung der Einwohnerwehren scharf ablehnend gegenüber.
Ans dem besetzten Gebiet.
Frankfurt.
F r a n k f u r t a. M., 20. April. Zu Beginn der heutigen Stadtver»rdnetrn»ersammlung gab der Stadt- verordnetenvsrsteher Hopf ans Anlaß der Besetzung der Stadt einen Protest ab, der von allen Stadtverordneten, mit Ausnahme der Unabhäno-gen stehend angehärt wurde. Der Führer der Unabhängigen' gab eine Erklärung feiner Fraktion ab, in der er gegen die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen, aber auch gegen die Besetzung des Ruhrgebiets durch dir Reichswehr protestierte, ittA erklärt, daß seine Partei alles daransetzen werde, um die politische Betätigung des Volkes ohne Militarismus durchzusehen. — Tie Division Demetz ist nach Wiesbaden zurückgekelirt. Sie wurde durch die 11. Division unter General BKalon ersetzt. — Di« Franzosen haben daS Hotel Imperial, in dem sie ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatten, geräumt. — $tw Schutzmann ist gestern von den Franzosen zu 3 Mouoten Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er beim Einzug der bel- grschen Truppen nicht gcaen das Publikum einge- schrittcn ist, das abfällige Bemerkungen über die Belgier gemacht habe und weil er sich an den abfälligen Bemerkungen beteiligt hab«, was er bestreitet.
kg. Berlin, 21. Äpril. Die nach dem Ruhrgebiet entsandte interalliierte UeberwachungSkommisiion trifft beute Mklwoch wieder in Berlin ein. Erst nach ihrer Rückkehr wird der Bericht noch Paris abgehen, vou dessen Jichalt die EutschLidung über Frankfurt a. M. abhängig sein wird.
Fronzöfische Kartoffelveschtognohme in der Pfalz.
Ludwigshafen, 19. April. Set Oberbefehlshaber der m«e»U«mischen Division in der Rheinpfalz macht bekannt, dotz di« R«»ierun- der Pfalz die Kartof- fellieferung für den Monat März, die für die Besatz- ungStrrwpen der Provinz n»ttoen6i| sei, nicht ficherge- stellt habe Der kommandierende Venerol seh« sich daher gezwungen, die veschkagnahme der Aortoffelmenge in der Pfalz auznooduen und den Ortsdehörden entsprechende SBetfuneea zu erteilen.
Die Stodtratswohle« In der Pfalz.
wb. Ludwigshafen a. Rh.. 19. April. Bei den gestrigen Stadtratswahlen in der Pfalz beteiligten sich eth>« 59—60 Proz. der Wahlberechtigten. Gewählt tourde«: in Ludwigshafen 5 Mehrheitssozialisten, 7 Deutsche Polksportei, 4 Zentrum, 4 Demokraten. 12 Unobhöngig«; in Laudan 9 Deutsche VolkS- partei, 8 Zentrum. 6 MehrheitSsozialisten. 8 Demokraten, 2 Parteilose; in R e u st a d t an der Haordt 7 Demokraten. 7 Deutsche BolkSpartet, 5 Zentrum, 8 Mehrheitssozialisten, SUnabhängig«. .2 Porteilose; in Frankenthal 12 MehrheitSsozialisten, 4 Unabhängige, 5 Zentrum, 3 Demokraten, 4 Bürgerpereinigung, 3 Deutsche BolkSpartet, 2 Parteilose; in Speyer 4 Deutsch« Vollspartei, 4 Demokraten, 8 Zentrum. 9 MehrheitS- sozialistcn, 12 Unabhängige; in Pirmasens 8 Unabhängige, 7 Deutsche volkSpartei. 5 Demokraten. 5 Zentrum, 5 RehrheitSsozialistcn; in Kaiserslautern 12 Unabhängige, 7 Mehrheitssozialiften, 6 Zentrum, 6 Demokraten, S Deutsche BolkSpartet.
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Dog deutsch« Stropbnr«
Nach dem „Elsässer", dem Organ der elsässischen gen- trumspartei, hat der Präfekt deS Unterelfaß, Juillard, bei einer Hochzeit eine Tischrede gehalten, in der er sagte: „Die Deutschen haben 2 Millionen Mann mobilisiert. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie in 20 Tagen in Straßburg wären. Da» Unglück wär« nicht groß; denn Straßburg ist trotz allem eine deutsche Stadt." — DaS ist als Zeichen beginnender Einsicht beachtenswert, wenn Herr Juillard atlch keine blasse Mnrmg von unserer militärischen Ohnmacht hat.
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Ans den Abstimmungsgebieten.
BerstSrkung des Grenzschutzes im Oste«.
kg. B e r l i n, 21. April. Zn den letzten Tagen sind Truppenverstärkungen der Reichswehr nach dem Osten abgegangen. Die Berstärkung steht im Zusammenhang mit den Alarmmeldungen über polnische Truppenzusammenziehungen an der Grenze und dienen zur Verstärkung des dortigen Grenzschutzes.
Dir Abstimmun, in Ost- und «rftpreußra.
Danzig, 21. April. Die Abstimmung in Ost- und Westprenßen soll am 27. 6. stattfinden.
Wie verlautet, soll di« Vornahme der Wahlen in Ostpreußen und Oberschlefien solange vertagt werden. Ml die Volksabstimmung in allen Teilen der Provinz abge
schlossen sind. Neuerdings verlautet auch, daß dieselbe Absicht bezüglich Schleswig-Holsteins bestehe, fall» in der zweiten Zone noch nicht gewählt werden darf.
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Set Mei656oMü2lt.
wb. Berlin, 20. April. Im Hauptausschüß der Nationalversammlung sprach der Reicksfinauzminister über den Haushalt 1920. Der ordentliche und außerordentliche Haushalt enthalten ein« Gesamtausgabe von 40 Milliarden, wozu der Fehlbetrag aus der Reichspost und der Eisenbahn mit zusammen 12,9 Milliarden Mark hinziitrltt. Im ordentlichen Haushalt stehe» den laufenden Ernuahmen in Höhe von 25 Milliarden fortdauernde und einmalige Ausgaben von 27,95 Milliarden gegenüber. Die Deckung soll int wesentlichen geschehen durch direkte Steuern und Verkehrsabgaben, durch Zöfle, Lertzrauchssteuent und Mo- uopoleinnahmen. Unter den Ausgaben sind zu erwähnen Verzinsung der Reichsschuld 12,4 Milliarden, zur Ausführung des Friedensvertrages sind 5 Milliarden vorgesehen. Von iveitrreu Maßnahmen kommet! neue Steuern und Monopole in Betracht, insbesondere eine Verbindung des Steuersystems mit der Wirtschaft durch organisatorische Zusammensassuug, die die großen Produktionszweige der Wirtschaft zu untfafsen hat. Hierbei ist die prinzipielle Frage nach der Wirtschaftsform — ob privatwirtschaftlich ober sozialistisch — den politischen Mach tvery ältnissen überlassen. Die ReichSsinanzverwaltung wird in absehbarer Zeit 6it eine Testkonsolidierung der schwebenden Schuld heramreten. Sie glaubt, als da? nächste Mittel hierfür wieder die Sparprämienanleihe an- sprechen zu können. Aber auch bet Krebit im Ausland
„einer sorgfältigen Beachtung. Es steht zu erwarten, baß mit bet Konsolibienrüg unserer polirischen und wirtschaftlichen Verhältnisse di« kapitalkräftigen Auslaubsstaaien geneigter sein werben, Deutschland Kredit« zu gewähren.
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('otha verklagt das Reich
wegen Nerfassnngsbrnch
Halle, 20. April. Die Gothaer Regierung hat das Reich wegen Verfassungsbruch verklagt. Sie will auf gerichtlichem Wege nachweisen, daß Gotha allein im ganzen Reich die Verfassung hochgehalten hat. Der Anklage ging eine Rote der Reichsregierung an die Epthaer Landesregierung voraus, in der es heißt: Zn Sachsen-Gotha ist die öffentliche Ruhe und Ordnung in weitgehendem Maße nicht ohne Schuld der Landesregierung gestört worden. Die Landesregierung hat dagegen keine Schritte unternommen. Sie hat unterlassen, der Bevölkerung mitzuteilen, daß die Reichswehr auf dem Boden der Verfassung steht. Davon hat die Landesregierung Kenntnis gehabt.
Kapp.
wb. Kopenhagen, 20. April. „Berlingske Tidende" meldet aus Stockholm: Kapp wird vorläufig in Polizeigewahrsam gehalten. Wie „Svenska Dagbladet" erfährt, ist es nicht ausgeschlossen. daß zwischen der schwedischen und der deutschen Regierung ein Meinungsaustausch über die Möglichkeit der Auslieferung Kapps stattfinden wird.
wb. London, 21. April. (Stettin, Unterhaus.) Kennworthy wies auf das Unbehagen hin, das in Frankreich infolge der auf dem Kontinnet verbreiteten Meldung herrsch«, wonach gewisse englische Vertreter in Deutschland bett Anstiftern des Kapp-PuischeS Unterstützung zugesagt hätten. Er fragte, ob die englisch« Regierung dieser Meldung entgegentreten wolle. Bonar Law sagt«, die erwähnten Gerüchte entbehrten jebet Grundlage. Tic englische Regierung würde jedem Versuch einer Wiederaufrichtung deS inilitaristischen Regime« in Deutschland mit Mißfallen gegenüber- stchen»
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Die Wahlen in der Tschecho-Slowakei.
wb. P r a g, 80. April. Nach dem „Pravo Lidu" wird sich die Abgeordnetenkammer wie folgt zusammensetzen: Tschechische Sozialdemokraten 77, deutsche Sozialdemokraten 32, magyarische Sozialdemokraten 10, tschechische Sozialisten 22, zusammen 141 sozialistische Mandate. Auf die bürgerlichen Parteien werden entfallen: Agrarier und Anhänger der Partei Srobars in der Slowakei 41, Klerikale 35, Gewerbepartei 4, deutsche Parteien 40, zusammen 187 bürgerliche Mandate. Die Stimmen der Wähler in Böhmen, Mähren und Schlesien stellen sich wie folgt: Deutsche Sozialdemokraten 687 000, deutsch« Wahlgemeinschast 329 000, Bund der Landwirt« 230 060, deutsche christlich-soziale
Partei 213 000, deutsch-demokratische Freiheits« Partei 105 000. Auf die tschechischen Parteien ent« fallen: Tschechische Sozialdemokraten 1068 000, Agrarier 601 000, Nationalsozialisten 472000, tschechische Volksrartei 463 000, Nationaldemo« traten 389 000, Gewerbetreibende 122 000, Partei Modracek 58 000, Juden 34 000 Stimmen.
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Dresden, 21. April. Hölz hat bei feiner Verhaftung einen Depotschein zu vernichten versuche bet auf 245 000 Mark lautet. Ferner hatte Hölz für eine halbe Million Mark Brillanten ln btn Kleidern eingenäht.
wb. Prag, 20. April. Wie das „Prager Tagblatt" aus Marienbad uieldet, wurden dort «loci Personen verhaftet, bei denen große Barbclräge vurgefunden wurden. Wahrscheinlich handelt e» sich um versprengte Angehörig« der Hölzschen Bande.
Die RtgierungSkoalition.
Die demokratisch« Partei hat vor einigen Tage« innen Wahlaufruf erlassen, bei innerhalb der Rr- gierungskoalition eint gewisse Sprengwirkung ausgeübt bat. Der „LorwäNs" fühlt sich durch ihn veranlaßt, einen „grundsätzlichen" Leitaufsatz über „Demokratie unb Sozialismus" zu veröffentlichen. Darin wirb „die bürgerlich« Nichls-als-D«mokratie eine überaus fragwürdige Erscheinung im öffentlichen Leben" genannt. Diese? Wort prägt der „Vorwärts" auf diejenigen Elemente der demokratischen Partei, bie an sich „versteckte Verfechter deS Kapitalismus" geblieben seien, mit „bet Demokratie alS bet einmal ttyyermeidljch gewordenen Koalition" indessen ihr Auskommen zu finden versuchen. Neben diesen Element«« sieht der „Vorwärts" in der Demokratie auch noch solche, die sich in ihrer sozialen Auffassung bereit- ziemlich bis zum Sozialismus bekehrt haben. Eint ähnliche Beurteilung läßt bet „Vorwärts" „bet zweiten halbwegs demokratischen Partei", dem Zentrum zuteil werden. Auch hier scht er seine Hoffnungen afuf diejenigen ZentrmusanHänger, „bie nach ihrer Klassenlage zur Sozialbemokrafi« gchören." Bon bett anderen Elementen will der „Vorwärts" weder im Zentrum noch in bet Demokratie etwas wissen. ®c gibt für ben Wahlkampf die Parole aus, daß e» gelingen müsse, durch Absprengung jener sozialistisch empsindenben Elemente von der Demokratie und vom Zentrum „für die klassenbewußt gewordenen Masse» der Arbeitet, Angestellten unb Beamten" bie politische Macht im Staate zu erobern. Mit biefen äugen betrachtet also bie Sozialdemokratie angesichts des Wahlkampfe- bie beiben bürgerlichen Koalitionspar- teien.
Auch die „Germania" macht zu dem Wahlaufruf der bemokratischen Partei einige Bemerkungen unb erklärt znsammeufassend: „Der Aufruf bestätigt bie hinlänglich bekannte Tatsache, baß bas Zentrum in bet Koalition aus kulturellem Gebiet einen sehr schweren Staub bat; es steht bann meist allein unb hat mit zwei Gegnern sich zu verständigen, von denen die deutsch« demokratische Panek, wie verschiedene Vor- kdmmmsse bewiesen haben, nicht immer der angenehmere ist."
ReiLSlmsschnß nnb ZentrumspaMi.
Im Mittelpunkt bet Besprechungen de» ReichsauS- schuffes bet ZeutrumSpartel fhniben laut „Germania" die innerpollfische unb Parteipolitische Orientierung bet Partei in Vergangenheit nnb Zukunft. E? ergab sich Einmütigkeit darüber chaß baS Zusammenarbeiten der Fraktion mit bet demokratischen nnb sozialdemokratischen Partei eine „vaterländische Notwendigkeit" gewesen sei tntb daß sie sich al» dem Reiche nützlich erwiesen habe. WaS bie Zukunft anbelangt, so herrschte Einmütigkeit darüber, baß die Fraktion vollständige Entschlußsrei- heit besitze unb daß ble Teilnahme des Zentrums ml einet künftige« Koalition vom AuSsall bet Wahlen unb von bet Möglichkeit, em Koalitionsprogramm zustande zu bringen. baS eine gedeihliche Führung der deutschen Politik gewährleistet Mbhängig fein wirb. Die Aufstellung bet Ronbibäten für bie Reich-wablliste wurde in die Hand deS RrichSpartetvorstanbeS gelegt. Es wurden mchrcre Entschließungen gefaßt. Der Fraktion der Nationalveriamm« hing wird volle Anerkennung für ihre bisherigen Arbeite« unb uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen. In ein« weiteren Entschlwßung heißt es: „Entsprechend den Grundsätzen des Zentrum» vertraut der Reichsausschnß darauf, daß Sie gentium-fraktion der Nationalversammlung untet keinen Umständen eine Nebenregie rung von unberufener Seite dulden oder zweierlei Maß in bet Anwendung von Gerechtigkeit anerkennen wird."
wb. Pari», 20. April. Nach einer Meldung bei „Echo de Paris" veranstaltete di« Syndikalistisch« Jugend von Brest gestern unter Absingen der Sowjethumne Kundgebiuigcn, in deren Verlauf sie Militär» und Zivil- persaneu belästigte. 6» sei zu Schlägereien gekommen. Erwa 10 Personen seien schwer verletzt worden.