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mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen

BH

DieOberbeMcke Zeitung" erscheint iedwnal wichentltch. Bezuqovrei, m».

MA (H *et(. S 41., durch He Poft 3.1»*. Für «u»f«liende Nummern infolge Stteik» tfwS.'* »der elementarer Ereignisse kein Ersatz. Vertag »en Dr. C. Hitzereth.

Druck der Uni» -Buchte. »en Yeh. «uj. ft« 6. Markt 21/26. Fernsprecher 55

Marburg

20. April (Mmmt)

Der Anzeigenpreis beträgt fit die Sges» Zeile 76 J, amtliche und auemär tige 00 ", Reklamezeile 2,00 jt. Jeder Rabatt zfilt «l» Darradatt. Sei Inetnnft durch di« Ge>chäit,ftelle a. Vermittlung der Angedote 36 4 Sender,edihr Postscheckkonto: Mr. 6016 Amt Frankfurt tu M.

55. Wh

1920 J

Wk d»W Me iier ile Binweiner- ; vrhttl.

f wb. Berlin, 19.. April. In Sachen der Einwohncr» kicf-cfrage richtete die deutsche Regierung an den Vor­sitzenden des internationalen UeberlvachungSausschusses für bas Landheer, General Rollet, eine Rote, worin, sie

'in btt Röt« der Verbündeten Dem 12 März Stellung i nimmt, und betont, das; dies« Note von unzutresfenden Bvransfthungen über den Ausbau und den Zweck der Ein- volmrrwehr ausgeht:

Die Einivohnerwehren wurden in den Wirren des vorigen Jahres von den ordnungsliebenden Elementen in Aad! und Land zu dem Zweck gegründet, durch Hütet* ' ftütznn'3 der geringen militärischen Kräfte und der be- nckk'nähigen Polizeiorgane, die Heimat vor vollständiger U«f!ZjM!g der Ordnung zu bewahren und gesetzmäßige Zu- slm.e - gu sichern. Bei der Gründung, wie bei dem Ausbau nut' der Einrichtung ist jeder Gedanke an eine Verwen­dung zu militärischen Zwecken, insbesandere zur Vorbe- reiteng des Kampfes gegen die auswärtigen Gegner, « u S g e f ch l o s s e u gewesen. ?luch ist jegliche Sicher- hei: gegen einen Mißbrauch dieser Organisation in jeder Hinsicht gegeben. Die Behauptungen, daß die Einwoh- . »erwebrr.» militärisch: Hebungen abhalten, entspricht nicht den Tatsachen. Die Möglichkeit, daß die Ein- lvodu 7,'wehren einer durch den Friedensvertrag verbotenen Mol-ilff.iiron Vorschub leisten können, ist schon deshalb . picht vorhanden, weil die Organisationen in den einzelnen 'Ländern des einheitlichen Zusammenschlusses von Reichs- Wegen entbehren. Die Reichszentralstelle der Ein- wohnerrvehren hat nur die Durchsührüug der allgemein wKivr ndigen, nicht militärischen Maßnahmen, wie die Lebrns- und Unfallversicherung, ihrer Mitglieder in die Land genommen . Eine listenmäßige Kontrolle im Sinne ihre Aushebung findet nicht statt. Uel>erdieS setzten sich die Einivohncttvehrcn zur Hälfte au? über 40jährigen Ml«ß:itdcrn zusammen. Di« Einwohnerwehren haben 'tzweifelloS dazu beigetvagen. die allgemeine Sicherheit in Deutschland zu befestigen, und habeit in den Un» E BSSt ver letzten Wochen große Bermögeustoertk vor der Vernichtung -bewahren könne«, lebenSioichtige BerkebrS- «mMUingen auirechterhalte» sowie ordnungswidrige Ele­mente in Schach halten können, wo Militär oder Bolizei- kräfte nicht zur Stelle nm rem Insbesondere auf dem platten. Lande verbürgt die Einwohnertoehr den Schutz für die Aufbewahrung «ud Aesordkrung der Nah­rungsmittel. Besonders haben sich die Einwohner- ^teehrrn in Batzern tetvnbrt, tvo es ihnen zu dankeu ist, daß vor cinern Jahre die Räteherrschaft «richt weiter um sich gegriffen hat. Der Nutzen der Einwohnerwehren hat auch im Auslande völliges Verständnis gesunden.^ Von

verschiedenen Seiten wird in ihr ein Muster der Selbst­schutzes der Bevölkerung erblickt, dvs diese sich nicht au

staatliche Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung stützen kann. v

Di» deutsche Regierung hatte daher keinen Grund, die Bildung der Einwohnertvehren oder ihren Charakter vor J den iut-ralliietten Komnnsfionru zu verheimlichen. Ledig­lich dem unter Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse «lisgewandtcn Drucke der alliierten Regierungen weichend hat sie sich nunmehr entschlossen, die Auflösung der

Weh«» in ihrer jetzigen Form zu veranlassen. Dir deutsche Regierung vermag aber nicht anzuerkennc», ' das. ei: Bestimmungen des Friedensvertrages sie zwinge, der Bevölkerung jede Möglichkeit des unter den gegebenen , Verhältnissen bis aus weiteres unbedingt nötigen Selbst- fchuyes zu versagen. Sie erachtet es vielmehr als ihre Wicht, alte mit dem Friedensvertrag zu vereinbarenden Maßnahmen zu Gunsten eines solchen Selbstschutzes zu frurdiu. Tie Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit Dt-ur»ckla,chs ist die HauptvorauSsrtzung basür, test der, Bedingungen des Friedensvertrages n a ch g c - . ko m m e n werden könne. 68 wird geprüft werden, welche

»uläMgru Einrichtungen weiter dem gekennzeichneten , Zwecke dienen könnten. Dabei tvirb bas Hauptaugenmerk

daraus zu richten sein, daß der loyale Schutzcharakter ge­wahrt bleibt, und anch in Zuknnst jede Zentralisation und lebe militärische Organisation und Ausbildung vermieden wird.

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Buch die Ortswchmi nicht ertaubt.

' kg. Genf, 20. April. Rach einer Meldung deS «Jonrnal des Debats" auS Paris erhielten die Ber- krtter der Verbündeten in Berlin den Auftrag Deutsch- , land daraus hinzuweisen, daß die Bildung von Ar­beiterwehren alS Ersatz für Einwohnertvehren nach dem Versailler Vertrag unzulässig sei.

kg. Genf, 20. April. Havas bringt eine Mel fcung aus französischen Regicrnngskreisrn, wonach die In Teuchhland befindliche» Ortswehren ans organisier­ten Arbeitern und AngcMlten anstelle der aufgelösten Kintvohrierwehren nach dem Friedeusvertrag unstatt­haft feien. Ihr« Bildung würde ein n e u e r schwerer fetrjrofc gegen d«n Friedensvertrag darpellen, da nie- tnaiä in Deutschland Massen führen darf, als die gugestaltdencn 100000 Mann Reichswehr.

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Hamburger Protest gegen den Schiffsraub.

Mamburg, 20. April. Die Hamburger Han- tielSkamrner sandte ein Protcsttelegramm an die Reichs- XtgicruiM, aus dem hervorgeht, daß um die Küsten- tchifsahrr aufrecht zu erhalten, 700000 Bruttoregiper-

Tonnen gebraucht werden. An Schiffen über 1000 Tonnen verbleiben Deutschland etwa 100 000 Tonnen. Die Handelskammer protestiert mit höchstem Ernst gegen eine unser Wirtschaftsleben zerrüttende und damit auch jede Möglichkeit der Erfüllung >es Friedensv er trage - vernichtende For­derung. Wenn wir dazu verurteilt werden, alle Leöens- miltel unb Rohstoffe auf fremden Schiffen einzuführen, c können wir dieses' nur durch ausgezwungene hohe Frachten erhalten, und es besteht nie mehr die Mög­lichkeit uns emporzuarbeiten.

6oo lernt.

wenitiiiwe Besetzuui d?s Rnhrgebietes?

Die Staatsmänner der Verbündeten find in San Rem» zusammengekreten» um einigt wichtige Fragen zu beraten, so die türkische und die russische. Vor allem aber toitt man sich darüber einig werden, wie die restlose Erfüllung des Friedensvertrages durch Deutschland (ein Ding der Unmöglichkeit trotz allen guten Willens erzwungen werden kann. In erster Lime handelt es sich dabei um di« völlige Eutwafs- nung Deutschlands. Neben dem Gedanken der Sper­rung der LebeitSmittelzusuhr taucht jetzt di« grmeiusame Besetzung des Ruhrgebietes auf:

Haris, 1». April. DerPetit Barisien" schrribt: Die Franzose» und Engländer scheinen sich in San Rem» zu bemühen, in ihrer Haltung einig zu werden Grund­sätzlich sind sie sich über die Stettornbiiifrit der Entwaffnung Deutschlands einig. Lloyd George schlug eine Ein­stellung der Lebensmittelversorgung vor. Die Franzosen bem-rkten dazu, daß diese Methode auf Schwirrigkeitenn stoßen werd:, zunächst von dem Stand­punkt bet Menschlichkeit, dann aber auch von dem der wirtschaftlichen MieSerherstellun, Deutschland» aus. Man hat jetzt an ein: Besetz» nt des Ruhrgebiets gedacht. Diesmal würde bi« Besrhun» gemeinsam p,u Frankreich, England unb Belgien ausgesührt werden.

@hie stürmische Sitzung.

Sau Rem», 18. April. Auf Wunsch Millerands fand am Seuntng in den Abendstunde» eine neue Zu- sammcnkunft der Minister statt, in der Millcrand in überraschender Weife für eine Bevorzugung de r deutschen Frage eintrat. Die Sitzung ist sebr stürmifch verkaufen. ES ist möglich, daß die deutsche und die türkische Frage gleichzeitig nebeneinander verhandelt werden.

Amerika nicht vertrete«.

wb. Paris, 19. April. Rach einer Havasmeldung au» San Remo wird Amerika auf der Konferenz nicht vertreten fei«. '

Ans dem besetzten Gcbm

Verminberuntz der Besatzuu« een Frankfurt a. Bt.?

Frankfurt a. M., 2«. April. Die farbigen Be­satzungstruppen sind gestern, wie bereits angekündigt. au Frankfurt zurückgezogen teerte«. Nach einer Meldtuig aus Mainz habe» Truppenbewegungen ver­schiedenster Art in voriger Woche dem Stadtbild ein militärisches Gepräge gegeben.

tue. Frankfurt a. M., 1». April. Von den fran- züsisthen Truppen ist am SamStag und Sonntag ein be­trächtlicher Teil abgerückt. Kavallerie befindet sich keine mehr in Frankfurt. Auch di« Kolonnen sind ab- gerütkt. Di« Bevölkerung des Untermain» hat sehr unter den täglich wechselnden Einquartierungen durch die Truppenbewegungen zu leiden, während in Frankfurt die Bürgerschaft bi» auf die Offizier Squartierc im allge- meinen verschont geblieben ist, da die Stadt rechtzeitig Schulen bereitgeftellk hatte. Bedauernswerte Opfer der französischen Besetzung mürben zutu zweiten Male die elsässischen Flüchtlinge, die in dex Gutleut-Aaserne un- ietgebracht waren und ihr neues Heim schon wieder ver­lassen mußten, um abermals den Franzosen Platz zu mache». Sie wurden gleichfall» in Schulen unterge­bracht, jedoch ganz unzureichend, da die großen Räume einem gemütlichen Wohnen vollkommen hinderlich find.

kg. B e r l i n . 20. April. Rack Meldungen au» Frankfurt find dort für die am 17. April abgezogenen 1209 Mann französischer Artillerie 1609 Man» Infan- terie am Sonnabend ringe rückt. Auch in Hanau ist ein« weitere Abteilung Franzosen rinmarschiert.

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Aus dkn Abstiirrmunqsgebiettli.

Die Abstimmung in Ostpreußen.

wb. A l l e n st e i n, 19. April. Im Anschluß an bk von der interalliierten Kommission in Menstcin ver­öffentlichten AbstimmungSb-dingungen für Ostpreußen gibt der Ostdeutsche Heimaidienst, Abteilung für Volks­abstimmung in CarlShof bei Rastenbnrg bekannt, daß für alle AbstimmungSber«htiglea in Ostpreußen u. im Reich, die sich bereit» in Carlshof oder bei den von Carlsho' beauftragten Stellen tm Reich zur Abstimmung gemeldet l>ctl>en, die Anmeldung bei den Abfinmnungsausschüffen ihrer Heimatgemeinden sich erübrigt. Di« Eintragung in die Stimmlisten wird von Carlshof beantragt. Di« betreffenden Sfimmberechüglen im Reiche erhalten über die erfolgt« Eintragung einen schriftlichen Bescheid, der

Rußland mit der Niederlage Denikin» aufgchött habe«. Zwischen Rußland und England mühten nun neu« Bezi«hung«n angeknüpft werden.

ihnen gleichzeitig al» Reiseanstveis dienen soll. Ein wei- teret Ausweis ist nach der AbsttmnungSverordnung der Kommission nicht erforderlich.

Die Bergeweltigung de» Kreise» Monscha».

Berlin, 20. April. Wie au» zahlreichen Kund­gebungen an di« Reichsregierung hervorgcht, nimmt im Westen die Protestbewegung gegen die Vergewaltigung deS Kreises Monschau durch Belgien zu. Der General­streik in Monschau hat den Sympathiestreik ht Aachen zur Folge gehabt. Die weitere Ausdehnung der Streik­bewegung ist zu erwarten.

tob. Aachen. 19. April. Die interalliierte Rhein- landskommission verbietet zur Sicherheit der Be- cktzung-truppen und wegen angeblicher Ausschreitungen gegen bk Bcsahungstruppen bei Kundgebungen am 17. April bk Abhaltung von Versammlungen von über fünf Personen Die öffentlichen Lokale und Theater sind während einer Woche abend» um 9 Uhr zu schließen.

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OberschlksikNz

Der drohende polnische Einfall.

ktz. veeskn«, 20. April. Die Zusammenziehung polnischer Truppe« an der Grenze wirb noch immer fort­gesetzt. In den polnischen Bezirken Lodz, Prtrikau und Kalisch ist nach amtlichen Berliner Meldungen die allge­meine Mobilisierung augeordnet worben.

Gegen bk Abschnürung Oberschlesiens.

tob. Oppeln. 18. April. Die Beamten unb Arbei­ter stellten die neu« Forderung auf, daß von der Einfüh­rung des PaßztoangeS in Oberschlesien abgesehen toerbe, um einer Abschnürung vom Deutschen Reiche vor­zubeugen.

wb. Beuthen, 19. April. Der für heute beabsich­tigte Ausstand der Hütten- und Grubenbeamten toirb. da eine Auigung zwischen Gruben und Hütten und beit Angestellten zustande gekommen ist, vermieden.

Dtt BetriebsrLtrgesetz auch tn Oberfchlesien in Kraft.

wb. Breslau. 19. April. Die interalliierte Re- gierungs- und AbsliminungSkommission in Oppeln teilt dem Ostdeutschen Nachrichtendienst amtlich mit:In eini­gen Zeitungen wurde in den letzten Lagen b.is Gerücht verbreitet, baff die internationale Negierungß- unb Ab­stimmungskommission für Oberschlesien beschlossen habe, da» Inkrafttreten des BetriebSrätegefetzeS zu verhindern. Die» ist n i ch t bet Fall. Die interalliierte NegierungS unb Abstimmungskommissio« gab die Erklärung ab, daß sie erst nach genauer Untersuchung in der Lag« sein toerbe, einen Entschluß für dies« wie für andere Fragen zu finden. Die interalliierte Kommission beschloß jetzt, daß da» Betriebsräkgesetz in Kraft zu trete habe. Der Termin für die Wahlen ist noch nicht sestgeseht."

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Tmrziq als polnischer Kriegshasen.

tob. Warschau, 19. April. (Havas.) Am 16. Mld 17. April fanden Besprechungen statt ztoischeu dem Miui- stervräsibrnien, dem Eisenbahnmiuistcr, dem Postminister, General Haller unb Sir Reginald Totoer über da? d'ntsch-polnische Abkommen. Sobald die Wahlen für die gefttzsebende Versammlung beendet sind, hat die Stadt Danzig einen Entwurf auSzuaröeiten, der in Uebetein- ftimmung mit dem im Januar von Sir Reginald Tower eingereichten Projekt geprüft werden wird. Ferner wird d'e Frag« der Verteilung de? deutschen Staatsgutes rwische» Pol«» und Danzig erörtert. Die Frag« des Baues eines großen Hafens »vird dieser Verteilung untergeordnet. Da die Mächte hierüber keine Entscheidung getroffen haben, wurde beschlossen, daß die polnische Regierung in Paris Schritte i-nternehme, um zu einer raschen Entscheidung zu gelangen. Mau erwäge die Umgestaltung oder auch Auflösung der SicherheitSwehr. was für die Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Staaten iwtwendig sei. Sic Reginald Tower teilt di: Ansicht der polnischen Regierung, daß Danzig ein bedeutender Hasen Polens werden müsse, zunächst als Handelshafen, daun als K r i e g s ha fe n. Die volnifchen Vertreter wünschen, mit Danzig die besten <-zkhungen zu unterhalten. Pole« wird die Versorgung Danzigs bis zur nächste» Eruic übernebmen.

Rußland.

Ter deutsch.russische Gefangenenaustausch.

tob. Berlin, 19. April. Nach einer Mitteilung bet Reichsstelle für Kriegs- und Zivilgefangene wurde das Abkommen mit der russischen. Sotvjetregierung über beu gegenwärtigen Gefangenenaustausch am 10. April unter­zeichnet unb tritt in Kraft, sobald es von den beiderseiti­gen Regierungen ratifiziert ist.

England, Tenifin unb Rußlnab.

tob. Kopenhagen, 19. April. Einem Telegramm au» Helsingfor» zufolge meldet da» Bolschewistenblatl Prawda": Da» englische Ministerium deS Aeußern hat an bat Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Tschitscherin, ein Telezrammm gesandt, worin die eng­lische Regierung jetzt zugibt, baß Denikin endgültig geschlagen ist. In dem Telegramm wird die Re­gierung aufgefordert, um weiteres Blutvergießen zu ver­meide«, di« militärischen Operation«« in Südrutzland einz»st«ll«n sowie eine allgemeine Amnestie zu ver­öffentlichen. In seiner Antwort et Härt Tschitscherin, daß die Verpflichtungen England» gegenüber dem zaristischen

Die Mut in Ztiirm.

Weite Kreise der Zentrum», namentlich in West<- unb Süddeutschland, sind mit dem bisherigen Kur» »er Partei in vielen Punkten nicht einverstanden. Diese Unzufriedenheit hat, wie wir bereit» am Sonw> dbenb meldeten, zur Bildung eine» Rechtsblock» m Zentrum geführt^ der vor allem im Rheinland und in Westfalen Rückhalt besitzt und eine Reform- arbeit innerhalb d«S Zentrum» vornehmen will. Sl ind bereit» Richtlinien arifgestellt worden, in bene« e» nach derKöln. Bolkszlq." heißt:

Als überzeugte Anhänger d«S positiven Christentum» vchern wir für die zukünftige Politik im Reich. Staat unb Gemeinde eine wahrhaft rückhaltlose und energische Ver­tretung unb Anwenbung der echt christlichen Grundsätze. Wir erheben svlgende kulturellen, wirlschastlicheu unb politischen Forderungen:

1. Verfassungsmäßige Feststellung von Garantien für die religiöse Freiheit all« GlaübenSbekenntniss«, Festhalte» an dem Wesen der chri^ttichtn Ehe. Verfafe ungsmäßig« Festlegung der Unterrichtsfreiheit sowie der religiös-sittliche» Erziehung ter Jugend iit ko nfessio- n« llen Schulen aus Gnuck des Elternrechts und ter Rechte ter Kirchen. Zurückweisung aller Bestrebungen auf Ausschaltung ter Religion auS dem Lehrplan ter tu- künftigen Schule.

2. Der wirtschaftliche Neuaufbau muß sich grünten auf das Prinzip der christlichen Nächstenliebe und ter ansgleichenden Gerechtigkeit. Ablehnung jede» den christlichen Grundsätze» widersprechenden Staat»- "ozialiSmus und jeder unnötigen Beeinträchtigung ter freien Privtilwittschasl. Verständnisvolles Mit- und Nebeneinanterorbeiten aller Verussstäute zum Woble des Ganzen . Miederaufbai« der christldhen Berufsstände als Faktoren des 5sftnklicl)eu Rechtes. Zurückweisung aller Bestrebungen, bk Selbständigkeit unb Gleichbe« re chtig » ug dep einzelne« Stände gesetzlich einjuengen ober lnrfzuheben. Unentwegtes Festhalten an de» christ­lichen Lehren über ba» Eigenkum Förderung des Stre­ben? nach Selbständigkeit und der Möglichkeit zu selbstän­digem Ausstieg:

8. Wir fordern einen verfassungsrechtlich«»« Zustand in Reich, Staat unb Gemeinte, der den wirkliche« Willen des Volk«», auch bet Minderheiten, ungchiuchert zum Ausdruck kommen läßt. Wir sind und bleiben grundsätzliche Gegner jeglichir SlaatSomnipotenz. Wir verloerfeu jede willkürliche Gewaltherr­schaft ei n e r einzelnen Klaffe und die schran­kenlose Herrschaft einer Mehrheit deS Parlaments, mag fit von dem Namen einer Monarchie oder einer Demo- fattie gedeckt sein Der Wiederaufbau de» Deutschen Reiches ,bem wir freudig all« Kräfte zur Bersüguug stel­len, muß sich vollziehen auf dem Boten deS buudes- staatlichen (söteralistischeu) Prinzips unter Berück­sichtigung bet Eigenart ter deutschen Stämme und der Forderungen der wirtschaslsgcographischeu Jutercfsen. Mir lehnen ab einen deutschen Einheitsstaat mit rück­sichtsloser Zentralisierung aller gefttzgebenteu unb mwtbnenten Gewalt fordern vielmehr weitgehende kufturell«, verwaltungSpolilische, finanzpolitische und wirt­schaftliche Selbständigkeit der einzelnrit glcichbertchligt.u Gliedstaateu.

DieKöln. Bolksztg." betont, daß besonders die akademischen Stände unb ter Mittelstand mit der jetzigtir Zentrmnspolitik nicht zufrieden sind und daß dies: Stimmung ans dir christliche Arbeiterschaft und den Bauernstand üterpreift.

Mc betonten ebenfalls bereits, daß auch das schlesische Zentrum gegen de« Regier««gskurs Front macht. E» hat in einem Telegramm an den Reichspräsidenten gegen die Bestellung und die Ge­schäftsführung de» demokratischen Reichs- und Staats- kemmissars Dr. Köbisch Einspruch erhoben. Dr. Köbisch, der inzwischen zurückgeiceten ist, hat von den Gewerkschaften entwotseuen Blaukooollmachlen zur Vernehmung von Eistubahnteaml«« und -Arbeitet« über die Vorgänge anläßlich d«? Kapp-Pntschrs au»- gtsielli. Der Provinzialaussthuß deS schlesischen Zent­rums erklärt nun dazu:

Die Bestellung terarliger Kommissare erscheint über­haupt verfassungswidrig, weil bi« Verfassung sie nicht vorsieht. Im votliegeichen Falle ist dir Verneh­mung von Beamten durch nichtparitälische Untersuchungs- kommissiouen, ohne alle Rechtsgaranluu undemokra- ti s ch im höchsten GrA»e. Sie bedeutet eine Aeunruhigunz ter übrigen verfassungstreuen Bevölkerung ganz Schle­siens und eine Be rnichtung bet Disziplin nick Lockerung ter Autorität in allen SwatSbclrieben. Ins- besoichere gilt dies von ter Ausstellung von Blanko- vollmachlen durch Herrn Dr. Köbisch.

DieGermania" übt an dieser nach rechts neigen- ben Richtung herbe Kritik. Sie rellärt, daß dies« rechtsgerichteten Katholiken lediglich auS Ehrgeiz obei wegen materieller Interessen mit bet heutigen Zent< rumspolitik nicht einverstanden seien und wirft ihnetz vor, daß sie diejenigen feien, die an den Absonderung»« bestrebungen im Rheinland Mitarbeiten. Sie sprW ihnen sogar weiterhin jedes, politische Verständni» B