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mll dem Kreisblatt für den Kreis Marburg

Tagsszsiinng für (das früher kurhessische) Oberhessen

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I DieDberbef?ifd>e 3#ituno etidieint teAsmal wöchentlich. Bejnawei« mo. natl. 3 X., durch d,r Polt 8.1» Für au»fal!«nd« Nummern infolge Streit*

oder elementarer Ereign fse kein Ersatz Verlag »an Dr. T. Hiterattz. Druck der Uni» -Luchdr. von Job. Lug. fi»<6. Markt 21/2$. Ferm'»recker 55

Marbura

Ksunrrstsz, 15. April fSstrmond)

Der Lnjeiqenvret» beträgt für die Sge!». Zeile 75 4, amtlich« und auamär- tige SO Reklame,eile 2,00 X. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Be Auskunft

durch bi« Ge>chäft«ftelle u. Vermittlung der Angebote 25 4 Eandergebtihr. ^Psftfcheckkont»: 5tt. 5015 Amt Frankfurt a. M.

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1920

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Ik«W MationelBtilommliiiii.

fite Nttttdhänqige Draß imb die Westmiihtt.

T't Rkichsivthraktisil in Wtsisschst».

artige Dinge vertragen sich nicht mit dem Geiste der Koalition. Für den Optimismus gegenüber der links­revolutionären Bewegung haben wir kein Verständnis, Unser Ziel muß sein, die staatliche Autorität nach allen Seiten und in vollem Umfange wieder herzu«

Sitzung vom 14. April.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um lFS Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung «< Besprechung der' tzWierungserkiarung und der ersten Veu-tnug de IWvmrWm: i U

Abg. Braß (U. <sj:_ Der deutsche Militarismus ist richt «edergevKWtt unb' wirkt weiter. Unser Gedenken M de« Helden, die im Kampfe gegen di: Reaktion gefallen such ES ist Schwindel, daß ein Putsch von links von sgvgcr Hand vorbereitet gewesen war. Wenn ein Schutz ter Ruhrbergwerke nicht zu vermeiden ist, so ist eine Mftsnm seitens der Entente derjenigen durch die Reichs­wehr »arzuziehen, denn es bandelt sich nm eine Esche der europäischen Arbeiterschaft. (Pfuirufe.) Der Putsch im Westen ist von Münster aus inS Werk «esetzt worden. Es ist selbstverständlich, daß gegenüber te« militärischen Druck der Gedanke an eine Räte­republik austauchte. Beziehungen besteben zwilchen deutschen und den russischen Revolutionären. Die - BvlizugSräte stellten sich auf den Boden des Bielefelder l Memmen S und wollten es halten. Leider übertrug - men die AnSsührnngsbestimmuugen dem General v. Wat« kr. Es- war vorauszusehen, daß sie undurchführbar au?- s Men musstenf die Llrbeiter '»unten garnicht daraus! . eiaseseu. Tie' Regierung schien da? ja auch eingesehen I yt hoben. Die christlichen Gewerkschaften haben die pfealii»« unterstützt. Die Nachrichten von einer Roten südlich der Ruhr sind erlogen. Wir befinden uns in der Neuorganisation eines Kapv-Putsches. Die FSegiernng muß sich mehr ans die argan-kierte Arbeiter« - schäft stützen und die acht Punkte bstoilliaen.

Aeichspostulinister G i e s b e r t s: Bürgertum, Beamten- tont und weite Kreise der Arbeiterschaft waren sich pW? daß da» Schlimmste passieren müsste, wenn Mi Re'chstvetzr abumrstZiert, ohne baß Ersatz geschaffen Mar oder Ruhr herrschte. Nach den Bielewlaer Brr« TÄMÄ''fugen hätte die Rot. Armee kein Kampfziel mehr.

-Sv- Kapht-Putsch tsar erledig'. ,Bor allem sind die zn -itztw a ' s u e!!, die ihre ffLr'ffn gegen Verfassung und istczierung brauchen wollen. Also restlose Abgabe der Kasn'nt Wir müssen ein: Kontrolle der Bevölkerung h-chas .nicht aufgrund polvisch-er oder krimineller Ge- . kichlspuukto, sondern aufgrund ihrer Betätigung. Patte , de.S Andustriegebiet sich ruhig Verhalten, wäre brr Kapp- Putsch schneller erledigt worden. Das Reich muß zufam- i lmngehalkeu tucroeu . Di: Besetzung von Frankfurt und Darmstadt betonst, daß die A u S e i n a n d e r t r c i b n u g Deutschlands Frankreichs Ziel bleiben. Sollen wir cs darin linterstützen?

Netchsii>.'hrmmister Geßler: Wir kommen nicht ans i>rn heutigen Verhältnissen heraus, wenn wir nicht die Nmospsiäre des Mißtrauens zerstreuen. Dazu tt«t die Rede des Abg. Braß nicht bei. Bei den Ber- iweMuMaeu in Bielefeld wurde er ersucht, uns das Dkal-rial zu geben. Das hat er nicht getan. Wie Mit« tvir ll utersuchnngen -ünstellen, wenn wir das Ntükrial nicht haben? (ficneral v. Walter hat erklärt, er labe alles getan um zu verhindern, daß Freikorps muh Berlin komuuu. Weit« wir die Reichswehr wieder ' «stiane» wollen, müssen wir ihr auch den Rechtsschutz -zubilligen, der jedem Deutschen zustebt. Reformiert iued'-fr! muß der Nachrichtendienst und der Aufklärungs- dieusi. Jin Nachrichtendienst läuft eine Anzahl Existen- . ie» fviKttr, die allerdings gemeingefährlich sind. kZnruf: Auch in dein militärischen?) Wir wollen die Truppe» aus.- dem Ruhrgebiet zurückziehen, aber das . können wir erst, wenn das Gebiet von Waffen ge- iLiberf ist Eher kann keine Beruhigung elntreten. StMtt femai-s sagt, er sehe lieber die Entente a-S die Reichswehr einmarschieren, so kann dieser Deutscher k*

nicht e_iu T ropscn deutschen BtuteS h den Adern haben. (Sehr wahr?) Wenn Herr Braß »i-der nach Loblenz zur Rheinlandskommission geht, um tier deutsche Dinge Auskunft zu geben beim er geht «ch Koblenz (Hört, hört!), so soll er doch die Wahr­heit sageu und nicht wieder sagen, es ständen nicht 18 000, Mibcre SO 000 in der neutralen Zone. (Unerhört! Naii»! Schuft! Verbrecher!) Herr Braß hat auch Doku« Wette, die wir von ihm nicht erlangen tonnte«, an die Jute nie gegeben. (Andauernde Pfuirufe auf allen Deite» des Hauses.l Wem es mit einer Beruhigung bei uns ernst ist, der hat die Berpstichtung, alles Material kr Regierung zu geben. Die Waffenablieferung -st bis jetzt gan« ungenügend. Wir hoffe», daß wir in kikrzex Zeit iveitc Gebiete des Industriegebiets militärisch « Ordnung hab,«. Wer tvill, daß wir nicht südlich der kaßr eiurstcken, der sorge dafür, daß dort die Waffen bgeliefert werden. Die politifchen Beamten sol- w statt der Generäle die oberste Gewalt habe«, aber tye Oderpräsidenten usw. müssen dann auch

die nötige Zivilcourage

jabs«. (Sehr richtig!) Gegen Herrn Ehrhardt ist vafstzefehl erlassen worden. Wir werden versuchen, ie Bkigm-e Ehrhardt freiwillig aufzulöfen. Wenn das sicht setzt, wird sie mit Gewalt ausgelöst. Die auf vütet* m Pommern sich iwch befindenden Reste von Btititttmtiuwen müssen auch fort. Wir müssen die mcichSwehr ausbauen. Die Truppen erwarten von der ^LlionLlversammlung ein Wort oer Anerkenn« ng. Kraos«j Die Sicherheitswehr hat ebenso Anspruch aus Kan!, Greuel sind von der sogenannten roten Armee derübi worden. Die Reichswehr wird die Scharte rasch

Lnswetzen, die ein kleiner Teil ihrer Angehörigen * üuefügt hat , (Beifall.) J

Verhaftnnfftn. Hölz noch nicht gtfoßt

Wb. L e i p z i g, 14. April. Amtlicher Bericht aus dem Vogtland: Plauen. Falkenstein und Klingenthal sind heute früh von Reichswehrtruppen beseht worden. Hölz hatte gestern abend 7 Uhr die Bahnlinie KlingenthalZwo- tental gesperrt und bei der Stadt Zwoteutal zwei Wei­chen und Brücken gesprengt. Eine daraufhin zur Verfolgung der Hölzschen Banden von Klingenthal ans- gesandte Reichswehrkolonne hatte bei Zwönitz einen Zu­sammenstoß mit Bewaffneten und hat Klingenthal heute vormittag erreicht. Hölzsche Banden, die von Klingen­thal heute nacht in Kraftwagen über Auerbach ent­kommen sind, wurden in Rautenkranz südöstlich Auer­bach von Reichswehrtruppen in einen kurzen Kamp! verwickelt. 80 Mann wurden gefangen genommen, 2 Perkonen- und 4 Lastkraftwagen wurden erbeutet. Hölz «'st mit weiteren Teilen seiner Banden entkommen, anscheinend in Richtung auf Johann-Georgenstadt. In Schönheide wurden durch Gendarmen 3 Hölzsche Gardisten verhaftet, die angaben, Hölz habe nach dem Zusammen­stoß bei Auerbach 500 seiner Anhänger bei Schönheide ent­lassen mit einem Fluchtgeld von je 500 Mark. Bon Teilen der bei Ehemnitz versammelten Reichswebrtruppeu wurde beute die Linie BurgstedtUrsprungReukirch südöstlich Chemnitz erreicht. Der Kommunist Nadler in Glauchau bat gestern nachmittag ney-n eine von den hvrtigmr Arbeitgebern geleistete Zahlung von 25 000 Mark Glauchau mit 30 Mann feiner Anhänger verlassen. Ein Teil dieser Rotgardisten hat sich von ihm losgesagt und ist tu Glauchau geblieben. In den letzten Tagen halten Waffenvrrfchiebunqen von Leipzig über Hartha nach Elemnitz und von dort nach Glauchau stattgefunden Tn Oelsuitz wurde beim Einmarsch der Rcickswebr ein Bankbeamter festaenommen. in dessen Besitz sich 80000 Mark befanden. Es steht noch nicht ftst, ob es sich dabei «m einen Teil der Bwte des Hölz bandelt, die dieser in Höbe von einer Million Merk in Klingenthal von Fabrikant?» unter Androhung ihrer Festnahme oder des Niederbrennens ihrer Fabriken erpreßt bat.

Wb. Blauen, 14. April. Wie aus Jägerarün be- richtet wird, ist dort eine Fliegerautokolonne eingerückt, die die Berlol-ung her in den umliegenden Wäldern um- ßerstroiftich:» Rotgardisten ausgenommen hat. Es kam stoischen den Truppen und Rotgardisten »u vereinzelt«! Schechrreien. wobei einig« R»tp«rdis!eu getötet und ver­wundet wurden. Ms beute mittag «varen 72 Ange­hörige der rotes Garde gefangen genommen: unter den Gefangenen befinden sich auch zivei Russen. Hölz soll sich nach Gostesiers begeben haben.

Berlin, 15 April. Rach dem ,L.-A." >oird mit -unem großen Widerstand der roten Garde im Vogtland

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Abg. Schwarzer (Bayr. Dpt): Der Einmarsch ins Ruhrgebiet war nach unserer einmütigen Ueberzeugung eine absolute Notwendigkeit. Foo nkreichs Haltn ng war nicht gerechtsertigt. Die anderen Alliierten scheinen mehr Verständnis für die Lebensnotweudigkeiten Europas zu haben.

Abg .Kahl (D.Bpt): Dem NeichIjustizminister seh- len wesentliche DorauSsetzunpen für sein Amt, das et gestern mißbraucht hak. Wir weisen seinen Angriff als unrichtig zurück. Der Reichsjnstizminister bat die Erklärung der Deuffchen Bolkspartei e n t ft e H t. Ich kann auf Ehre und Gewissen versichern, daß meine Partei wider mittelbar noch unmittelbar von dem Putsch getvußt hat. Wir stehen so treu auf dem Boden der Ber- fassung wie irgend eine Partei. Nufere monarchistische Idee wollen wir durch Ueberzengung verbreiten. (Beifall rechts . Zischen bei der Mehrheit.)

ReichLiustizminister B l u n ck: Abg. Kahl hat sich zu Entstellungen und Verdrehungen hinreißen lassen, die ich ibm nicht zugetraui hätte. Sein" Feststellungen waren durchaus unzutrefstnd. (Zustimmnng bei der Mehrheit.) DieKönigsberger Allgemeine'^ brachte den Aufruf unter der fetten Ueberschrift:Die Deutsche Volktpartei erllärt sich für die. neue Regierung Kapp." (Große Heiterkeit bei der Mehrheit.) Sie haben den verbrecherischen Wahn- fimi der Kavps nicht bekämpft und tragen mit die Ver­antwortung für diesen Hochverrat. (Großer Lärm und .ffurufc. Präsident Fehrenbach mahnt zur Rulie. Von feinem Platz aus bilde das Haus wirklich kein Bild ber Würde.) Von der Affäre Braß habe ick erst durch die Rede des ReichstvehrministerS Kenntnis erhalten. Hochverrat kommt nicht in Frage.

Wegen Landesverra ts werde ich noch ?^ute beim Reichsanwalt die nötigen Schritte tun. (Bravo.) Die Verräter sollen bestraft wer­den. Etegen gemeine Verbrecher wird unsachsichtlich ringischritien werden, tikifalt*

Reichskanzler Müller bezeichnet das vom Abg. Braß (N S.P.) erwähnte Fefegramm des Vorsitzenden der N. -3. P aus Duisburg, deren Echtheit der Redner anzweisett. als echt.

Abg. Quarck (So».): Die Linwoh.« des MningaueS bcrbeu die Reichswehr nicht netig gelrabt. Sie werden die srausüsisch' Besetzung ertrage« müssen.

Abg. Braß (11.S.): Doüimentc, die der Regierung nicht bekannt gewesen waren, habe ich deshalb den franzöfifchen Journalisten nicht gelben. Daß ich die Dokumente nicht an die Regierung gegeben habe, liegt daran, daß sie nicht in müssen Händen maren. «Eine Rücksprache zwischen mir und der hohen Kommission hat am 7, April nachmittags 4 Uhr stattgesunden.

nicht mehr gerechnet. Sie ist vollständig disziplinlos. Alle Mannschaften haben bedeutende Geldsummen bei sich.

Bergebllche Versuche be» ttebertrttt» über die Grenze.

Wb. Prag, 14. April. Ans Pilsen wird gemeldet: In der Nacht auf heute mürben in Asch zwei Kvm- mn'nsten angehalten, welche hie Grenze überschreiken wollten. Sie wurden von unseren Organen enb\ waffnet und im Lager von Plan interniert. Kommunistische Abteilungen in Stärke von 20U0 Mann befinden sich zu beiden Seilen der Straße von Klingen­thal nach Mariahausen. Sic siich außer mit Hand­granaten mit etwa zwanzig Maschinengewehren be­waffnet. Tschecho-slowakischr Truppen längs der Grenze verwehren ihnen den Uebertritt auf da? Gebiet der Republik.

Hölz verließ mit seinen Leuten nachts Klingenthal plötzliche nachdem er die geforderte eine Million von den festgenommenen Geiseln erhalten hatte. Gegen 4 Uhr morgens erschienen Hölz unb Genossen in sechs Automobilen in Auerbach, wo die Wageninsassen von der dortigen 'Polizei und Einwohnerwehr sofort erkannt und sestgehMeu wurden. Es entwickelte sich eine Schießerei, bei der niemand verletzt wurde. Die Polizei hielt vier Automobile fest und Der«' haftete zehn I n fasse n, während Hölz mit den beiden anderen Automobileu entkommen ist.

Die Geraer Konferenz.

Zurückziehung und Auflösung der Reichswehr verlangt. Für den Okntrnlftreif.

Wb. Gera, 14. April. In der heutigen Äon- ferenz der Aktionsausschüsse und der sozialistischen Parteien, die zu dem Fall Hölz und der daraus ent­standenen Militäraktion Stxllnng nahm, wurden fol­gende Nichtliniew einstimmig angenommen: 1. Zu­rückziehung der Reichswehr aus dem Vogt­land aus Verlangen der Arbeiterorganisatioll, 2. unter der Reichswehr und den Arbeitern Auskläruugsarbeit im Sinne des sozialistischen K l a s s e n k a m p - f e s zu leisten, 3. Auslösung der Reichswehr und Bewaffnung der Arbeiterschaft unter Kontrolle der Arbeiterorgäuisationei^ 4. die Arbeiter ganz Mittel beutschlandS aufzurufen, mit .Hilfe der Betriebs- r ä t e den G e n e r a lst r e i k st b e r g a n z D e n t s ch - land zur Durchsetzung obiger Ziele zu proklamieren.

miim ,i «M,"im-i-in------

Abg. Falk (Dem.): Wenn Herr Braß schon i« be­setzten Gebiet war, warum ist er nicht auch zu den dortigen deutschen Debördeu gegaugen.

Dann schließt die Besprechung. Der Nothaushalt wird an de» Haushaltsausfchuß verwiesen. Das stieichsheimstättengesetz wird an den 24. Woh- uunos-Ansfchuß verwiesen.

Morgen 1 Uhr: Rest der heutigen Tagesordnung. Schluß 8'/. Uhr.

* Die Dieiisralr-Ailssvrache.

Der Borswh TrimbornS.

Da der gestrige Bericht dcS Wolfffcheu Büros über die Aussprache in der Nationalversammlung vom Diens­tag sehr düiflig, zum Teil unverständlich war, tragen wir noch rüü.geS ergänzend nach:

Beachtenswert war die Erklärung beS Getverksihasts- iührers Huö, daß die Gewerkschafien mit der Demo­kratie stehen und falle« lolso eine Diktatur und Klaffen- Herrschaft oblehnen) und .keine Rebenregierung uufrich- ten wollen". SnL vermißte nähere Angaben des Reichs- lanzlerS über die Sozialist ec ungSpläne der Regierung für die nächste Zeit. Der Kohlenl-ergbau mutzte vor allem sozialisiert werden.

Die Ausmbrungen des Zentrumsführers Trim- 6 o r n, der Kritik cm den Motzuohmeu der Regierung übte (bet feine Partei selbst angehört), werden in den dernokrattschen Blättern peinlich empfunden. Tiefe sml;en bett starken Eindruck dadurch abzuschwächen, daß sie die Rebe TrimbscnS als ein taktisches Manöver im (Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen auffassen Der .Vorwärts" bezeichnet die Rede Trimborns al» die eigentliche Neberraschnng der Sitzung. Man bat* den Eindruck erhalten, als ob in gewissen rechtsstehenden Teilen der Zetrumspartei der Wunsch bestehe, noch kurz vor den Wahlen Brücken nach recht» zu schlagen Auch die »Freibeit" ist dieser Anffafsung.

Trimborn führte n. a. au»:Wenn einmal eine mili­tärische Astian im Gange isi, darf die Zivilbehörde nicht in dieser Weise sich hinei.naischen. Weite Kreise meiner westfälist!>en Parteifreunde sind mit den Maßnahmen Se- veringS nicht einverstanden. Er Hal sich zu sehr von sozialdemokratischen Gesichtspunkten leiten lassen. Seine Zivilkvmmissare sind alle So­zialdemokraten gewesen. Di« Einrichtung dieser ZtoatSkommissar«, die- den geordneten Behörden mit einem Mole vorgesetzt waren, ist überhaupt bedenk- I i ch. Mandcnke sich in die Gemütsverfassung der Ober- präfidenten und Regierungspräsidenten hinein, wenn ihn«, plötzlich ein Kann aus Berlin geschickt wird. Der.

stellen. Das verlangt das Volk, und das ist ein Zeichen bet Gesundheit. Das Volk verlangt eine starke Re« 61 e r u n g. Mit Militarismus hat das nichts zu tun. Augenblicklich droht der Koalitton die Hauptgefahr von links. ES besteht die Gefahr, daß der Sozialdemokratie eine privilegierte Stellung im Staate cinge* räumt tvirb In dieser Richtung bewegt sich der Vorstoß der Gcwerkschastem Der Reichskanzler hält ihn für harmlos. Wir erblicken in dem Vorgehen da» Bestrebe« auf Einsetzen einer Sebenregierung.*

Abg. Sattmann (deutschnat.) verlangte, daß auch bas Vermögen bet Führer be$ NuhraufstandeS be# schlagnahint tuerbe. Der Anfstanb im Ruhrrevier yabe mit dem Kapp-Puisch gar nichts zu tun; denn seine Vor­bereitung gehe ein ganzes Jahr zurück. ,.SDU Eiterbeule war reif, unbber Kapp-Putsch war vielleicht auch ein Stich, der sie zum Platzen brachte. Der Gene­ralstreik ivar ein Wahnsinn, der die Brandfackel in bal Vaterland geschlendert bat."

Justizminister Blunck griff dann die Rechte, befon# -ders Denische VolkSpartei.scharf qn wegen ihrer Haltung während der Putschtage in Berlin. Es kam dabei gu langanhalienden Lärmszenen.

Abg. Most I-D. Bpt.) rechtfertigte da» Verhalten seiner Partei und führt« aus: Der Reichsminister macht durch die Art seiner Ausführungen ein Zusammenarbei­ten bet bürgerlichen Parteien fast für alle Zukunft zu­nichte. Das ist ein unerhörtes Vorgehen eines Manne» ans einem uns eiingetmatzen nahe verwandten bürget- , lichen Lager. Der Generalstreik hat erst den Boden für j Sie Erpresserpolitik der letzten Wochen geschaffen. Schwe# I ret als der Generalstreik wog bei der Abwehr be»: Putsche? das ausgezeichnete Verhalten der Unterstaat», sekretärr und bet höheren Beamten. Der demokratischen Fraktion gebührt der traurige Rrchm, als erste b ü t gerliche Partei bie^- Generalstreikparole euigt* geben zu haben. Zu dieser Desperadopolllik hat die ver­antwortliche Regierung die Hand geliehen.

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Spaltung bet Zriitrumspariei?

Köln, 14. April. Unter der Ueberschrift: .Spaltung in der gentium spartet* schreibt die sozialdemokratisches ..Rheinische Zeitung* u. a.: In Köln sind in der Zen- trunisorganisation gegenwärtig starke Kräfte am Werk, die auf eine Absonderung von der ZenrrumSparlci hin- arbeiten. Sie werfen der Partei vor, die Grundsätze be» Zentrums durch ihre Koalitionspslitik aufgegeben zu haben. Die Gefahr der Spaltung mutz bereits sehr groß fein; denn die klerikale .Rheinische Volksloacht* chreibt: ,.E» sollen Kräfte am Werke fein, eine neue Partei zu gründen: eine katholische VolkkMrtei ober eine christliche Volkspariei unter Absonderung von der Zen« trurnSparte!, weil man mH dieser nicht zufrieden ist.'

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$on m holt 6tW?

Die Presse der Linken mahnt in letzter Zeitzur Wachsamkeit", da ein neuer Militärputsch bevor sieben soll« ES soll über diese Vorgänge umsanareicheS Material vor» liegen, das bereits dem Reichsiusiizminister übergeben worden sei. Beim Reichspräsidenten hat deswegen bereit» eine Besprechung smttgefunden, an der auch der Reich»- töebtnrmifter teilnahm. DasB. T." hat es für unumgäng­lich nötig befunden, in dieser Angelegeukit sofort den eny rischen b'x-schäststräger Lord Kilmarnock zu befragen, her erklärt hat:Ich bin überzeugt, daß ein neuer Militärputsch die größte Entrüstung in England Hervor­rufen und daß die britische Regierung ibn auf das ent­schiedenste zurückweisen würde. Jede Möglichkeit, die dakür bestehen kann, daß Deutschland Hilfe durch Lieferung von Lebensmitteln ober Rohstoffen oder durch Kredit» erhalten könnte, mürbe durch irgendwelche Gewaltakts von rocket sie auch kommen, zerstört sein. Man branchr nur die englischen Zeitungen tvährend der Zeit des Kat«- Butsches gelesen zu haben, um zu wissen, daß ieb« Bersuch, ein reaktionäre« Regime auszurichten, von d« öffentlichen Meinung Englands auf« schärfste tjerurte® werden würde." Demgegenüber muß die Tatsache be­tont werden, daß bei dem Kapv-Putsch England nicht unbeteiligt war. Herr Trebitsch-Llncoln, der habet eine Rolle spielte und sich brüstete, man gehl die Hoffnung noch nicht auf, ist, wie in der Bresse few* «stellt worden ist, ein englischer Spthel. Snglat* hat ein Interesse daran, Deutschland nicht «ur Ruh» unb tum Wiede re ..starken kommen zu lassen.

Die Alarmruft unb Warnungen vor einem angeblich neuen Militärputsch sind unter dem Gesichtspunkt her bevorstehenden Neuwahlen zu bewerten. Damti hofft man ein ausgezeichnetes Ngitationsmittei gegen die Rechte zu haben, die von jeher gewaltsame» Erhebung a^r nachdrücklich abgerückt und auch Lüttwitz vor iebem Buffch gewarnt hat. Von woher wirklich Gefahr droht, haben die letzten Wochen unb Lage deutlich gezeigt.

Di« ernähr**» Danzig» sichergestellt.

tob. Danzig, 14. April. Hier haben Verhandlun­gen zwischen SBeriretem der polnischen Regierung, dem Lberkommiffar Sir Reginald Tower und Vertretern bet Stadt Danzig stattgefunden, die einen befriedigenden Verlauf nehmen. Ti« Ernährung Danzig» ist bi» jut neuen Ernte durch Lieferungen «g» Pole« im bish-ri-«* Umfang sichersestellt, z,