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mit dem Krelsblatt für den Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher knrhefsifche) Oberhessen

M 75

DieC'bethelH'Ae Zeitunp" erMwtnt sechsmal w8*entH6.Beimasvrei« mo. natl. 2,50 JL.Für ausfallende Ru-rmern infolge Streikt oder elementarer Ereizn ff» kein Ersatz Vertag won Dr <£. HiUerath. Druck der Untw Bmhdr. von Iah. Äug. Uw<6. Markt 21/28. gernivrecher 55.

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-ins!«-, 30. Mirs (fti|iw|)

1920

gebot« 25 4 Sondergebübr. Postscheckkonto: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. M.

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* Sihuug vom 29. März.

Au der heutigen Sitzung der Nationalversammlung ßieit Reichskanzler Müller namens der neuen Regte- tuitg feine Programmrede. Die neue Regierung sei von jtrt gleichen Parteien tote die alte getragen. Mit eifer- aem B-:sen müsse jetzt auSgelchrt werden. Mr werden WMichtslos und entschlossen zugreifen. Der ReichSwirt- schaftsrat wird schnellsten» geschaffen werden. Tlektri- itiät, Kohle und Kali müssen in öffentlicher Bewirtschaf- jmiA übernommen lvcrden. Für die Landwirtschaft muh Mstitcher, Dünger geschaffen werden. Die neue Regie-- nrug wird die Demokratisierung der Verwaltung und sie Auflösung untreuer HeereSformationen durchführen, tzrohzügige Fürsorge für die Kriegsopfer ist unsere heiligste Pflicht. Das Arbeiter- und Beamtenrecht muh pKeumgst durchgeführt wLrden, (ebenso BerwaltungS- Mfo'iTt und BeamtcubesoldungSreform. Die Arbeiten der Nationalversammlung müssen zeitig abgeschlossen wer­ten, tveil das- Volk nach.bem Staatsstreich mit ben Kapp- -rchängerrr abrechneu will. Loyale Erfüllung de» Frie- -euSvertrageS und Bruch mit allen Kriegsanschauungen in der Politik ist unsere Aufgabe. Unser Kur» bleibt in ter AugenpÄitik der alte. Zurzeit verhandeln wir mit kr "Entente über die Entsendung von TrupPen in das gefährdete Ruhrgebiet. Frankreich will da» nur gestat­ten. wenn es dagegen Frankfurt a. M.. Darmstadt und «nbtve Orte besetzen könnte. Da» weisen wir zurück. In der deutschen Republik ist kein Platz für eine Diktatur, toimue sie woher sie wolle. Der Kapp-Putsch hat da» ten»schc Volk um die Freude über die Abstimmung in kchleswiggcbrachst . Äer Reichskanzler geht dann noch­mals aul den Putsch vom 13. März ein und sagt, das Soft wird richten zwischen ben Rechtsparteien und uns. Der Generalstreik Ivar ein Vorspiel der kommenden vablcn. Er klagt die Rechtean, zum zlveitenmale den Krieg verursacht zu haben. Noch lange wird Deutschland «tkr t-.in Wahnsinn dieser vier Tage zu leiden haben.

?k""l,rrcviemwach sc die Sehnsucht nach Ruhe und Ord- «rug. Dirsc Zustände können nicht länger gedttlder Werden. Hierauf wird die Sihuiia unterbrochen.

Abg. Volz (Ztr.): Unser Ziel kann nur sein: Die krhaliang des Reiches und die allmähliche Gesundung der Wirtschaft. Zu solcher Arbeit haben sich die Mehr- heitspartelrn zusammcllgcfuuden. Ohne die Koalition gibt c? keine Rettung. Freilich zwingt sie alle Teilneh- «cr zu Verzichten. Verbrechen von rechts und links frckii-n uns ins Verderben zu ziehen. E» war eine teutschnatioitale Bewegung; aber sie war weder deutsch »och m tional. Der Wahltermin lvar eine Zweckmässig- stiissrage. Da? Narrchtspiel von recht» hatte das Ver- Srechcn von links zur Folge. DaS Ultimatum der Regie- hn>.f an die Rote Armee findet unsere volle Billigung. Noch einmal dürfen wir hoffen, der Gefahr Herr zu wer­den. ?lb:r wir bitten den Herrn Reichskanzler, die Ge- fafir teS Bolicbeivismus nicht zu unterschätzen.

| Lba. Heute (11. S.): Noske ist gegangen al» ein Rann der alles verloren hat. Wir werden dafür sorgen, tag die Politisierung der Geiverkschaften ihren Fortgang stimmt. Wir haben lein Vertrauen zur neuen Regierung, bor allrm nicht zum Rcichswehrmiuiftcr.

Ävg. Legion (Sa.;.) spricht namens seiner Partei bet neuen Regierung das Vertrauen aus. Der Redner host!, dass die unabhängige Sozialdemokratie einschen fcct'be. wo bttS wahre Interesse der Arbeiter liegt. Die hechvcrräecr müssen gefasst und ihr Vermögen konfisziert -Ncrb;;-, um die LebeuSmittelnot der minderbemittelten flkifer. zu beüebs«. Tic Reichswehr muss umgestaltet strideu, ebenso die Eiaivohrier- und Ortswehren. Es b5u verb-ingnisvoll für Deulschland, wenn die getroffe­nen Vereinbarungen nicht schnell und energisch dnrck-ge- stibrt würden.

Rcrchsivehrmiuister Dr. Gessler führt aus: Ich tertc versuchen, die Kluft schnell zu schließen, die der "Nopp.Putsch in der blcichsvertcidigung geschaffen hat. ks handelt sich um ein Problem der Gesinnung. Die versitze r der Verfassung müssen entfernt lserden. Die Viuer'uchungölommission ist eingesetzt. Tic Gesetzesvor- k»ü-- botrriscnd di: Aburteilung durch die Zivilgerichte ist ZUgegangen. Inzwischen haben aber auch die Ge- kichtsbcrrrn Anweisung, ein Verfahren einzuleiten. Dass fair in den schweren Tagen auf einen Teil unbedingt ^rkcssüchcr Truppen rechnen konnten, bleibt NoSieS Ver- *knfi. Tic Schuldigen an den Ausschreitungen werden Mfa-oh worden. Die Truppen müssenGü die Kasernen;

Volt zur Arbeit zurückkehren. Mit dem Belage rungs- Ktstav.d soll rasch-sten? abgebrochen werben. An den fatiif.ea Verhältnissen im Ruhrrevier hat keine Partei Huld. Aber dass sieso werden konnten, daran ist die Kapv schuld. sLärm recht».) Die Reichsivehr "uss nach der Säuberung auf breitester demickratücher Nruudlage aufgebaut werden ohne Gesinnmigsschnüffrlei.

Reichsminister Dr. B l u n ck teilt mit, dass gegen *»Pp, Jag w, Pabst, Bauer, Schiele, Brederek, Freihrn. * Falkenhausen, Toye, v. Lcvehoio, v. Winterfeld, Linde- ^wu-Kiel und andere das Verfahren wegen Hochverrat kgeteitei ist. Soiveit die Genannten nicht in Haft sind, Steckbrief erlassen worden. Ihr Vermögen st beschlag- We,zcn der Verfolgung Traub» ist bei der Na- ^iakvcrsauimlung Antrag eingcgmigen. Tie Angelcgen- £* bcftndet sich bei deutschen Gerichten. Wir dürfen

Vertrauen haben. (Beifall.)

Dr. Heinze (Dt. Vpt.): Als ich die Nachricht der unverantwortliche« Tat Kapps erhielt, war ich Höchste entrüstet. Wirmüssen unbedingt auf dem Men des Rechtes stehe«. Tie gegentvartige Verfassung

muss geschützt werden. Wir können eine Regierung nur anerkennen, die auf bet gegenwärtigen Verfassung be­ruht. Ich bade jede Verbindung mit Kapp abgelebnt, weil, ich die Stimmung meiner Partei kannte. Wir haben uns in Stuttgart ebenfalls aus den Boden der Verfas­sung gestellt. Innerhalb de» Lande» find hie und da andere Sttümungen auf getreten Unser Aufruf vom 15. März muh au» den Verhältnissen erklärt werden. Don einer Kappregicrung zu sprechen, ist eine facon de parier gewesen. Kapp und Lüttwitz waren nur möglich, weil wir die Revolution und den Frieden von Versailles ge­habt haben. Die Revolution war der erste Verfoisunas- bruch. Niemand verurteilt einen Eidbruch mehr als wir. Aber wer hat denn jahrzehntelang den Verfassunaseid al» nichtig hingestelltk (Sehr wahr.) ES wäre besser getoesen, wenn Sie aus unsere Forderung eines früheren Wahltermin» eingegangen wären. (Lärm und Lachen.l E» ist nicht möglich, dass erst der Kappstreich vom 13. März die rote Armee in Westfalen aufacbracht hat. Diese Armee mit ihrer Bewaffnung, Führung ui:b ihren Plänen war seit langem vorbereitet. Die ganze Situa­tion wird nun agitatorisch gegen die Rechte ausaebeutek. Das ist ein Unrecht gegen da« t-eutsche Volk. Der O*.-- neralstreik war ein grosser politischer Fehler. (Lärm bei der Mehrheit.) Kapp wäre ans Mangel an Mitteln, weil die Reichswehr zwn grösswn Teile verfassimgstreu bliebund an der Haltung der Beamtenschaft auch ohne Generalstreik gescheitert. DaS Heer darf in keiner Weift politisiert werden. Nnternehmertrum und Arbeiterschaft müssen im Wirtschaftsleben loval zu ihrem Rechte kom­men dann werden Sie Sachverständige an der rechten Stelle haben. (Beifall.)

Abg. Has (Dem.): Herr Heinze hat sich persönlich große Verdienste um die Wahrung der Verfassung er­worben. Aber den Ausruf seiner Partei hätte er preis­geben sollen. Sie hat die Regierung Kapp in dem Auf­rufe anerkannt. (Lärm und Widerspruch rechts.) Sie haben sich vor den Hochverrätern gebeugt. lLärm und Zurufe: Wo war denn die alte Regierung?) Die deutsch­nationale Partei hat ebenfalls die Kappregierung aner­kannt. Die Ereignisse im November 1918 lehren keine Revolution, sondern ein Zusammenbruch, lLärm rechts.) Au» ihr aber haben wir verfassungsmässige Zustände wieder entwickelt. Wegen der Frage de» Wahltermins und der Präsidetitenwabl geht man mit Gewalt vor und stürzt Deutschland in« Elend hinein! Nein, man wollte mit militärischer Gewalt die Macht an sich reissen. Deutschland muss aus dem Boden der Republik leben und es ist keine Regierung mehr möglich ohne die Sozial­demokratie. In der Reichswehr müssen endlich die Ho­heitszeichen der demokratischen Republik und ihre Farben eingeführt werden. Wir können auch keinen betrunkenen Patriotismus brauchen, der unS im Auslande schadet. Freilich sollte das Ausland auch die falschen Wege ein« sehen, die e» gegangen ist.

Reichskanzler Müller teilt mit, dass das Exekutiv­komitee in Duisburg bet dortigen Reichsbankstelle mit be- wasfneter Hand 1 Million Mark abgenommen bat. Die Verhältnisse daselbst scheinen sich also noch nicht gebessert zu haben. Bezüglich bei Zugeböriakeit des Herrn Kapp zur Dentschnationalen Volkspartei bleibt der Reichskanz­ler bei seinen Ausführungen von heute morgen.

Präsident Fehrenbach teilt mit, dass das Daus vermutlich morgen Dienstag in die Osterferien gehen wird und zwar bis zum 14. April.

Die Ausschüsse nehmen voraussichtlich einige Tage vorher ihre Arbeiten auf. Man rechnet in parlamen­tarischen Kreisen damit, daß die Arbeiten der National­versammlung bis zum 25. April abgeschlossen sind, sodass Eiche Mai die Neuwahlen staftfinden könnten.

ReichSminister Koch wünscht baldige Beratung des Wahlgesetzes.

Abg. Löbe (So».) stimmt dem zu.

Dienstag vormittag 10 Uhr: Fortsetzung und anderes. Darunter auch das Wahlgesetz und das Gesetz wegen Hoch­verrats. Schluß 7l/t Uhr.

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Vertrauensvotum für das neue Kabinett.

Berlin, 29. März. Die Führer der drei Mehr­heitsparteien Lobe, v. Patzer und Trimborn haben am Schlüsse der heutigen Sitzung' der Nationalversammlung. für das neue Kabinett ein Vertrauensvotum eingebracht' Der Antrag lautet: Di« verfassunggebende deutsche Natio­nalversammlung billigt die ErNSrungeil der Reichsregie­rung. Die Nationalversammlung verurteilt den gegen Staatsordnung, Staatswohl, Verfassung und National­versammlung gerichteten verbrecherischen Aufruhr und die Anstifter und Helfershelfer de» Staatsstreichs. Die Nationalversammlung spricht alle« Teilen des Volke-, die durch ihren gemeinsamen Widerstand dir Verfassung geschützt haben, den Dank deS Vaterlandes auS. Der Antrag trügt die Unterschrift von 315 Mitgliedern der Nationalversammlung.

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Zur Lm in MkMl.

Elberfeld, 30. März. Die sozialdemokratische Par­tei Elberfeld hat der Negierung am 29., abends 8 Uhr mit* geteilt, daß sie eine Verlängerung des Ultimatum» der Reichsvegierung vom 28.3. um drei Tage verlange. In einer gleichzeitigen Mitteilung des Zcutralratte in Essen werden die Bedingungen des Generals Wattet alS unauS- führbar l>ezeichnct. Zur Abwehr des Walterschen Plante 6a be der Zentralrat beschlossen, zum sofortigen General­streik auszurufen. Zugleich erklärt der Zentralrat, daß er die Bielefelder Beschlüsse anerkennt, und daß die tnili- l arischen Führer er klärt haben, sich-dem zu unterwerfen Wie derVvrlvä.'is" hört, hat dir Neichsrrgirrung daraus

in einer ausführlichen Darstellunq geantwortet, in der die Unbaltbarkeit der Zustände im Ruhrrevier dargetan und erwidert wird, daß das Militär versassungstreu sei und keinen anderen Auftrag habe, alS ben gesetzlichen Zu­stand wiederberzustelleu. Die ReichSregiernng glaube, auf den Vorschlägen des Bielefelder Abkommens bestehen zu müssen, womit von der Gegenseite noch nicht der geringste Anfarm gemacht worden sei.

Elberfeld, 30 März. Nachdem die Stadtver­waltung eben erst für die Sicherheitspolizei de- Voll- zngsrateS 185 000 Mark entrichtet hätte, verlangte ein Trum? schwer Bewaffneter eine neue Summe von 200 000 Mark. Die Verwaltung musste unter dem Truck des be­waffneten Zwanges 100 000 Mark dem Vvllzugsrat über­lassen.

Duisburg,,30. März. Unter den Arbeitern im Fndustrieaebiet drohen Unruhen auszubrechen, da die Werke nicht mehr auslöhmn können. 1 Tie Vollzugsräte versuchen, Notenvressen einzurichten. Die Zahlungsmit­tel der Aufständischen to'rben'immer knapper. Tie Front­kämpfer sind schon ungeduldig geworden, iveil ihnen gestern und heute nur der halbe Sold auSgezahlt worden ist. Die städtischen Beamten von Duisburg sind wegen der G-fanaenbaltung des Oberbürgermeister? unb des Stabt» kämm-rer? in ben Ausland getr-fen.

Bochum, 30. März. Die bas Mkabf.änaias Blatt in Buer miftcilt, ist in Dyrten die Kamvft leitung der roten Armee von den extremer Ge­sinnten gefanssen genommen morden.

Kommunssten und Ei ft ad ahn er.

feffen, 30. März. Die Leftuug der kommu­nistischen Bewegung macht gegen tig Anstren­gungen,- um die E^e bahner auf ihre Seit.' zu bringen, was im Hinblick auf die geplante Ber- anstaltung eines neuen Generalstreiks von Bedeu­tung ist. In einer Konferenz der Lisenbahner bei dem ganzen Direktionsbezirk hat auf Auffordernstg die Mehrheit sich dem bekannten Hagener Desthlust augefchlossen. Ein Teil der Delegierten, christliche unb demokratische, lehnten diesen ab und verließen die Sitzung. Den Eisenbahnern wurde ein Sitz im Zentralrat eingerKumt.

Der rote Doltzuzsret nimmt das liltimat'. : der Regierung an.

Berlin, 29. Mürz. An amtlicher Stelle in Berlin ist ein Telegramm des Pollzugst o. s in Essen eingelaufen, nach welchem dieser das Ulti­matum der Regierung an nimmt nnb ausdrücklich betont wird, daß sich auch die mili­tärische Leitung der roten Armee der Stel­lungnahme des Dollzugsrates in Essen anschlösse.

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Berlin, 30. März. Die revolutionären Be­triebsräte nahmen gestern in zwei Bersamr-lnngen zu der politischen Lage Stellung. Wenn die nach dem Ruhrgebiet ent'andte Vermittlungskommission keine befriedigende Nachricht mitbringt und läßt die Regierung wirklich ihre Truppen gegen die dort kämpfenden Arbeiter marschieren, so mutz so­fort in ben Generalstreik getreten werden. Tie Beschlussfassung über die zu unternehmenden Schritte wird in einer Vollversammlung der Be­triebsräte erfolgen.

Kl! »ksn StntrsWt in SSt?

(Von unserm Berliner Mitarbeiter.)

Von einem direkten Ende des Generalstreiks, der allerdings als eine Art Notwehr g^gen den militärischen Butsch anzusehen war. aber dennoch dem Lande furcht­bare wirtschaftliche Wunden schlug, konnte unb durfte man, wie auch ausdrücklich von der Streikleitung ver­sichert wurde, nicht reden. S'e selber bezeichnete das vorläufige Ende nur als eine Atempause. Sie machte die Wiederaufnahme des Generalstreiks abhängig von der Erfüllung ihrer Forderungen. Die bestanden vor allem auch in innerpolitifchen Zugeständnissen, die bet Arbeiterschaft einen wichtigen Anteil an bet Re­gierung geben sollten. Der anfangs rein politische Generalstreik hatte durch Ausnutzung wirtschasilicher Interessen von seiner Werteinschätzung mit der Zei! verlöten. Aber b« Linksradikalen suchen jetzt die Fol­gen bei Streite zu ihren Gunsten und Vorteilen poli­tisch ansznschlachttn. Sie gehen jetzt aufs Ganze. Sie halte« ihre Stunde für gekommen, endlich mit der Rätewirischaft, die sie schon vor einem Jahre durch Waffengewalt zu erstreben suchten, Ernst z« machen. Tet kurze Siegesrausch im Ruhrgebiet, der durch die Erfolge der Roten Armee hervotgetufen worden ist, zeittgt die radikalsten Forderungen. Offen erflären sie, daß ihr ZiÄ die Räteregierung sei, und wenn sie e8 auch jetzt noch nicht ganz erreichen würden, so hätte» sie doch auf dem Wege zu chrem Endziel die schwicrigste Er avve überwunden. Aber das energische Eingreisen btt Reichsregietung, die sich trotz der Ka- bintttftrifte nicht beirren läßt, erregt den Ingrimm der fax ihrem Siegeslauf plötzlich gehemmten roten Füh«. Unb ba sie tum fürchten, daß sie letzten End^ doch nicht mit den Waffe« in der Hand ihr Ziel «reichen werden, drohe« sie wieder mit der Ans-

ruchm» deS General streite. Es heißt jetzt bei Omen: Siegen oder brechen t" DaS^stiegen unb Beugen per Regierung soll darin bestehen, daß sie sofort die kon­terrevolutionäre« Truppen entwaffnen und auilöfen soll; ferner baß die Offiziere verhaftet und durch rin Arbeitergerscht abgeurteilt werden sollen, ferner daß alle Waffen der Bourgeoisie beschlagnahmt imo an die Arbeiterräte Übergeben werden sollen; ferner, daß die belriebsweisc Ausgabe von Waffen an organisierte Arbeiter. Angestellte und Beamte erfolge« soll' ferner, daß Arbeiterwehren unter zentralen Anleitung der Ar­beiterrate gebildet werden sollen, und schließlich, daß schleunigst die Einberufung eines ReichstStekongresste erfolgen soll. DaS sind allerdings Forderungen, b# den Führern mühelos eine Allgewalt in Deutschland in die Hände spielen würden. Sollte eS ihnen wirk­lich Ernst damit sein, sodaß jedwede Bergleichsverband- (uug von vornherein als erfolglos erscheint, dann bleibt eben logischerweise nichts anderes übrig, als das Bre­chen, b. h. ein neuer Generalstreik. Ob aber i« bet gesamten Arbeiterschaft wirklich wie vor vierzehn Tagen der ciirhritliche Wil!« zu einer fvlchen Tat bestehe« wird, das ist weder zu glauben, noch zu hoffen. Da8 der Bla« Deutschland mit dem Bolschewismus zu 6e» 'stücken nicht pon der gesamten Arbeiterschaft, von bett Bürgerlichen gar nicht zu reden, gebilligt wird, baS steh! setzt schon soft. Und so ist mit Sicherheit zu hoffen, daß bet einem Wiederaufflammen des Generalstreiks die FriedeiiSnörer nicht die gesamte Arbeiterschaft hin­ter sich haben. 'Selbstverständlich wirb auch das teil­weise Wiederauftobern des Generalstreiks nicht mit einem Achselzucken abgetan sein. Sollte er wirklich zur Tatsache werden, dann würbe unser sowieso schon zerrüttetes Vaterland neu n und folgenschweren Er« schüttern',Igen entgegutg h n. w r-schaftlichen, wie poli- i tischen, denn die Suh nie hat bereits zu verstehen ge­geben, das; sie bei wetteren Unruhen in Deutschland nicht mchi eine abwartende Stellung einnehmen, sow> der» möst.ich-'rweise sogar die ganze netttralr Zone be­setze« wird. CS ist deshalb aust sehnlichste zu hoffen, daß sich We.se finden werden, auf denen die neue Gefahr sich n.-ch rechtzeitig umgehen läßt. Wen« wir nicht endlich bald zur Ruhe kommen, dann wird Denkschland e'n wirtschaftliches, politisches unb mili­tärisches Sckstachtselb werden, das zulcht nur noch einen Trümmerhaufen bedeuten wird.

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Berlin, 30. März. Der NattonLloersamm» lung ist gestern der Entwurf eines Gesetzes übet die Wahl des Reichspräsidenten zugegangen, nach dem der Reichspräsident vom ganzen deutschen Volke gewählt wird.

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rie zweite suleswigsche Zone für Tentschland.

Kopenhagen, 29. Mär». NachPolitiken" be­schloss die internationale Kommission in Flensburg, daß die zweite Zone samt Flensburg Deutschland »ukällt. Nach dem Abstimmungsergebnis war ein anderer Bricktaß auch nicht zu erwarten. Die dänischen Nationalisten batten trotzdem gehofft, wenigstens Flensburg für Dänemark retten zu können. Dänische Truppen unb Kriegsschiffe besetzen die erste Zone.

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Rücktritt des dänischen Kabinetts.

tob. Kopenhagen, 29. Mär». Der König fordert« heute nach längerer Besprechung mit bem Ministerpräfft, batten Zaahle über bi« nordschleswigsch« Politik der Re-' gierung, baß dies« ihr Abschiedsgesuch einreiche. Zaahle lehnte dies ab. Darauf erteilte der König dem Ministerium bcu Abschiri) und beauftragte den Fübrer der Gnfm Partei Neergaard mit bet Bildung der neuen Regierung. Nccrgaaid erklärt« nach zweistündiger Bedenkzeit sich aussersturide, den Auftrag attezuführen. Darauf bat der König d« bisherige Regierung, die Geschäft« wettre zu führen bis zur Bildung einte neuen Ministeriums, waS von Zaahle abgelehnt wurde. Die bisherigen Regie­rungsparteien, die Sozialdemokraten unb bie Radikalen, Jinb, da der Reichstag sich bereite in Osterferien be­findet, für morgen telegraphisch »u einer Parieifitzun« nach Kopenhagen berufen.Sorialdemokratcu" ver- Sifentlicht heute nachmittag ein Extrablatt, das unter bet UeberschriftDer Künig verübt einen Staatsstreich" «egen das Vorgehen beS König» Stellung nimmt Auf dem Amalienvlatz sammelte sich im Laufe bte Nachmittags ein« Menschenmenge, bie Ordnung wurde aber durch bi» Polizei aufrechterhalten. I« sozialdemokratischen und radikalen Kreisen sieht man die Lage für sehr ernst an,

Wb. Kopenhagen, 30. Mär». Die GewerffibaftS- auSschuss« der vereinigten Gewerkschaften bte sozialdemo­kratischen Serbanbte und bet flkmei rchaftSorganvatimt der Arbeiter von Kopenhagen sowie der Starrafentatint der ReickStogsgruspen unb bet Gruppe innerhalb de» Stadtverordnetenversammlung hielten am Montag 8bei* eine Versammlung ab, in welcher eine Entschließung an­genommen wurde, dir auS Anlaß bet Verabschiedung bte Ministeriums durch ben König verlange, dass bte Set» faffung bei Landes respektiert und der Reichstag riabe- ruftn wird, das vom König verabschiede« Mimstettu«