mit dem Kreisblatt für den KrciS Marburg
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^qeszeiümg für (das früher kurhessische) Oberhefsen
I Die „QbrrKes'^cLe Zeitung" erscheint lechsmal wöchentlich. — Be,ua»»reis mo- »atl. 2,60 X—güt aulrai'tnbeSlumintrn infolge Streit« ober elementarer «teignine fern Cftfote — Verlag von Dr. L. f> t k e t o t b. — Druck der Nni, - Äuchdr. orm J,hrBug.S»<b. Mark» 21/23, — Fernsprecher 56.
Marbnra kinlstaz, 23. Wy (fnqhif)
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Der Anzetaenoret« beträgt fflt die Sgele. Zeile 60 J, amtliebe und auewär- tiae 70 . Reklame,eile 1.50 X. Zu allen Vre'len 10»i, Luffchlag. Jeder Rabatt alh al» Barrabatt. B« Auskunft durch die Teichäit»fte0e u. Vermittlung iet In. geböte 25 4 Sondergedübr. — Botts Leckt», <to: Nr. 5615 Amt graut] urt *. M.
.‘>5 Iahrg« 1920
Uebrrsicht.
3« Mittelpunkt der Ereignisse steht die Bekämpfung k$ kommuinstisrhen Aufruhrs. Wen« man auch in änger. die Quelle der Nachrichten bei ihrer Bewer- h-# hrrtickstchligen mutz (wie an anderer Stelle gemeldet, »nirrli'geu die Wolss-BuroS im Industriegebiet der Äon«
«t radilalcn Arbeiter), so darf man doch die Mel- fiStr dir Kämpfe im grotzen und ganzen alr ,u« trchend «nmebmen. Danach gehen die RegierungStrup« pkü in der Hauptsache von der Linie Wesel—Münster- gegen da« in den Händen der Kommunisten bebadstche Industriegebiet vor. Im Hinblick auf die Acher-nockst der gut bewaffnete» Arbeiter ist ein grötzerer G.satz bisher noch nicht erzielt worden. Der Ring um da? Lüfrn^gebiet ick ließt sich aber mehr und mehr, sodaß t# iis Küq« so gut wie abgeschnitteu sein wird. Freilich leiden darunter viele Unschuldige. In Berlin beginnt der Serke-» akkmählich wieder einzusetzen. Im Südvsten und Nord«?»» werden noch heftige Kümpfe gemeldet. In skßstringeir ist durch Besetzung von Eisenach, einem der Haupkrenrnhegebrete, ein wesentlicher Erfolg errungen twideL
Ak weit die Verhandlungen mit den Gewerkschaften i gchieP^ find, steht noch dahin. Die gestern gemeldeten EriuiSlage» begegnen aber, namentlich in Süddeutschland.
Widerstand. An Berliner amtlichen Stellen P-L 8iekdii ngen eingelaufe», die besagen, daß man br:i v'e »*i Punkte für eine unglaubliche Erpressung «u-hc und sie al» eine bolschewistische Durchbrechung des demokratischen Prinzips betrachte, die unmöglich De- Knrd Habe« könne. Die Regierung selbst hat sich auf . den Kommomitz in keiner Weise festgelegt: er stellt lediglich este? Arbeit der in Berlin anwesenden Mitglieder der ; N'gieemegSparteien dar ,die nunmehr versuchen müssen, fiüe Jmfiionen auf den Boden dieser Abmachungen herliöerzüzichcn. Das wild scheint» nicht so leicht sein.
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StzMkk MO M SM.
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F wb. Berlin, 22. März. In Adlershof kam es Mr Avniabend zu schweren Kämpfen zwischen Reichs- vchx '.rnd Aufrührern. Zwischen AdlerShof und Blt- tzlieaÄk» iefinbet sich ein großes Benzollager, da» von ttaw kMzier und 25 Man» bewacht wurde. Sonn« «btin# ÄoeMillag rückten die Biisrührer, die au8 Adlers- H, Myonick und Niederschöneweide kamen, auf da» ikuxoRoHsr !o3 und stellten der Besatzung da» Ultimatum «vzoziehen. Der Offizier lehnte da» ab und hetsnie, daß er im Auftrag der Regierung auf seinem hosttt? verharre. Gegen Mittag eröffneten die Auf- xiaete das Feuer auf die Besatzung, die sich tapfer fotiirU; Wicßuch als die Besatzung auf einen Offizier dud 4 Mann üisammeugeschmolzen war, mußte sie ßch rrzrfier». Flieger, die den Zusammenstoß beobachtet hotten, riesel'. Militär herbei, daS auf einem Panzer- lug schkennigst heranrückte. Die Aufrührer zogen sich AZlershof zurück. Nun kam es zu schweren ^lrastenkämpfen, die sich bi» zum Abend aus- Tie Truppen zogen nach Köpenick weit« und [Mfetutt unü’üofg» die auf der Chaussee errichteten Sie stellten in Köpenick die Ruhe her.
Nördlich von Spandau kam es am Sonntag bei im Dorf Hennigsdorf, da» große Fabriken hat, zu kinktu fchws-ren Kampf zwischen Reichswehrtrnp« : Nä ta-b Aüftlihrer«. Es waren starke Banden aus ‘ ' liegend von Velten, gut ausgerüstet mit Maschinrn- i L'-rchre» gemeldet. Das Dorf Bötzow hatten sie ge« hiiladkrt. Bei Hennigsdorf stießen sie auf von Span« ku herbei gerufenen Kompagnien Reichswehr, die sich w^«n der ilebermacht zurückzieheu mußten. Enrtrrsfen von Verstärkungen wurde mit Artil« ^krievmSrueftilng ein planmäßig umfaffender Angriff 1 itersomEN. Es entwickelte sich ein heftiger Kampf t8 Hennigsdorf. Schließlich mußten die Aufrührer Sxt unter Zurücklassung von 14 Toten und zahl« kncheu Verwundeten sowie viel Waffen räumen. Aus ^ten der Reichswehr gab es zwei Tot« und 12 Ver> i Die Verfolgung nach Belten schreitet fort,
über die Havel nach Berlin ist von Reichs- besetzt.
Die Sage i» Arrliu.
- bM Barlin, 22. März. Stadt-, Ring- und Vor- ^Huen verkehren wieder. Die Post arbeitet. Die ^reahinLer und Geschäfte sind geöffnet. Mittlere und ' ™1K Habriken arbeiten ebenfalls, soweit sie Strom Die Hoch- und Straßenbahn fahren noch nicht.
1 Gestern geführten Verhandlungen der drei Lrnks- sind zu keiner Einiatmg gekommen Ob- M« Gcroerkschaftskommisfiou empfahl, die Arbeit ?s *swteg wieder aufzunehmen, find von gewisser ?*“*, arte den Unterschriften der Zentralstreitlcitung Flugblätter, die zum Weiterstreiken auftordcr- rititi worden. ES handelt fick jedoch nur um ein ?^mndel«<,növer, daS die Gewerkschaften in. Mißkredit
ll Berlin. 28. März. Oberst v. Schönstedt « *C9‘- Kommando der Sicherheitspolizei in Berlin ab« . ayufrp- Ux>rd-n. Sämtliche Obcrpräsidenten werden
Kder da» Verhalten der Beamten während Regierung Bericht einzureichen. Der Reichs-
‘ :,ikr4 »ti^xx wt Barreauen darauf, daß die öffent-1
At NiitthmsAft im UOitBll.
Düsseldorf, 21. März. Die Kommunisten, die gestern mit den Ünabbängigen und den MehrheitSsosia« fisten den neuen BvllzugSrat bildeten, haben sich von den andern Parteien wieder getrennt. Eie wollen ihre alleinige Diktatur mit allen Mitteln durchsetzen. Auch Nachrichten au» andern Bezirken von heute bestätigen, daß die Entwicklung sehr rasch nach der äußersten Linken zu geht. Die Zweigstellen des Aolfsscken Büro» im Jndustriebezirk stehen überall unter der Aufsicht der BollzugSräte.
Auch in Duisburg bat ein linkSradikakr Aktionsausschuß die vollziehende Gewalt an sich gerissen. Die linksradikalen Arbeiter werden auf dem Notkäufe bewaffnet und in die revolutionäre Arbeiterwehr eingrreikt
8 l b e r fe l d, 31. März. Die frühere Polizei ist voll ständig abgeschafft. Bewaffnete Arbeiter sollen diesen Dienst versehen.- ES fällt auf, daß die meisten ftübrer der Bewegung nicht auS dem Rheinland oder aus Westfalen stammen. Dem Bertreter der „Köln. Ztg." legte ein kommunistisches Mitglied de» Aktionsausschüsse» fr"ne Ansichten über die 2a« bat. Die Arbeiter seien setzt die Herren im ganzen Industriegebiet. Die Hauptaufgabe sei nunmehr, Berlin in ihre Hand zu bekommen. Dann würden sie zur Bildung einer rein revolutionär- sozialistischen Regierung schreiten, und zwar auf folgende Weise: ES soll von unten ausgebaut und daS nichtsozialistische Bürgertum ganz auSge- schaltet werden. Zunächst fallen rein sozialistische B t ■ triebSräte gewählt werde». AuS diesen solle» btr Stadtleitungen beruorgehen, daraus die Bezirks leitungeu, au» bttfen wieder bie Provinzleitunge«, aus bene» dann schließlich bie Regierung gebildet werbe« soll. In den Kämpfen seien 300 Offiziere und Soldaten bei Reichswehr gesangengenommen worden, bie menschlick behanbelt würben. Nach ben Bildern, bie man beim Transport der fürchterlich »ugerichteten Gefangenen sehen konnte, ist man eher geneigt, da» Gegenteil anzunehmen.
Die Serben«ngen der Hagener Konferenz.
Sagen, 2L März. In der hier «bgehaltene« Konferenz der sozialistischen Parteien de» Jndustriebezirks, en der 120 Vertreter ait» bett Kreise« Elberfeld, Barmen, Hagen, Schwelm, Altena, Iserlohn, Siegen, Hamm, Soest, Dortmund, Böckum, Düsseldorf und Remscheid teilnahme«, wurde« Richtlinien aufgestellt, die nt der Hauptsache vorseh««: Vorläufige Aaffenabgabe sämtlicher Reichrwehrtruppe« und bi« Entfernung sämtlicher Offizier« aus her Reichswehr. Aufhebung und Entwaffnung der grüne« Polizei und der Bürgecivehr in allen Städte« de» Bezirks. An Stelle der aufgelösten Trnppenkörper soll eine aus bett Angehörigen der eingangs erwähnten Parteien zusammengesetzte Bolkgwehr gebildet werde« unter Führung republikanisch gesinnter Bürger. M» zur Aufstellung de? Bolksheere» nach einem noch zu entwerfenden Plane, der mit dem Friedensvertrag in Einklang gebracht und mit der Entente vereinbart werden muß, übernimmt die beb- waffnete Arbeiterschaft die Sicherung der Ruhe und Ordnung.
Äuf einer £>(««« »•» Arbeite ersten in Bachum wurde u. a. verlangt: Gänzliche Abschaffung der Reichswehr und deren Ersetzung durch eine BolkS- wehr. Die Streikschichten müßte« von den Unternehmer« bezahlt werden. Buch die unter ben Waffen stehenben Arbeitertruppen müssen von den Unternehmern besoldet werde». Die neugebildete« Arbefterräte feien anzuerkennen. Ei« Zwang für die Landwirte zum Anbau der notwendigste« LebenSmittelfrüchte. Beseitigung Senerallt». v. Matter. Ma« müsse von der Regierung verlangen, daß sie dem Volk dieKöpfevon Lüttwitz und Kapp vor die Füße lege.
Die drohende HnngetSnat.
Bochum, 21. März. I« Dortmund sind nach Verteilung der letzten noch Oerfügbaren Brotmenge von zwei Pfund auf den Kopf der Bevölkerung di« Mehkbe- stände vollständig erschöpft. Die Hülsenfrüchte reichen noch für eine Woche. Der Regierungspräfident hat in
folge Unterbindung der Zufuhren sich genötigt gesehen, zur Streckung der noch verfügbaren geringen Mehlvorräte die wöchentliche Brotration allgemein auf zwei Pfund herabzusehen. Au» den inländischen Ver- sorgungSgebieten ist kaum wirksame Hilfe zu erwarten. Man ttnrb also in der Hauptsache auf Auslandmehl angewiesen sein. Im rheinisch-N'estfäliscken Bezirk sind 4.8 Millionen Einwohner 'zu ernähren. Der wöchentliche Mehlbedarf beziffert sich auf 7,2 Millionen Kilo, «.c- Preis heg AuSlandmehlS wird sich auf 12 <M für das Kilo stellen, f» daß ein -pfundbrot 14—16 <M. kosten wird. ?n«aefanit find für die Meölbefchaffung aus dem Ausland monatlich 400 Millionen Mark erforderlich. In den Verhandlungen mit dem Zechenverband hat sich dieser bereit erklärt, für diesen Zweck seine Devisen in Höhe von 120 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen.
Sie Kmzle m dir Mr.
Wesel, 22. März. Die Kämpfe zwischen ben AHeitern und ReickSwchrtnippen haben sich nunmehr in brr Gegend von Wesel konzentriert. Es sind 5 bis 6000 Mann ReichSwehrtrnvpe-t xusommengezogen, die noch durch Aufgebot der Bauernbevölkenmg auS den tahlreich umfieaenben Ortschaften verstärkt worden sind. Ihnen gegenüber stehen etwa 15 000 Arbeiter. In dem freien Gelände von Hamborn hielt die Artillerie der Reichswehr die Arbeiter in ihrem weiteren Vordringen auf. Dem Regiment Nr. 62, da» in Hamborn lag, wurde freier Absug mit Waffen gewährt. Das Gleich« sollte dem später durchkommenden Freikorps Schulz zuteil werden. Infolge von Mißverständnissen begannen jedoch die Gefechte, die noch andauern. TaZ Freikorps Schulz deckte den Rückzug des noch später eintreffenden Reichswehr-Regiments Nr. 81, büßte aber dabei über 200 Gefangene, 2 schwere und 4 leichlc Geschütz« andere Massen und Bagage ein. Am Sonntag Morgen drangen die verstärkten Neichswehrtruppen van SBefeJ 6t» Walsum var und begannen die Arbeiter $tt beschießen, die sich inzwischen in Schützengraben verschanzt hatten. Die Reichswehr setzte sich bei Dinslaken fest und wie» Sturmangriffe bet Arbeiter durch heftiges Artillerief-ner ab. Inzwischen ist «8 zum rrg^rechten Stellungskrieg gekommen. Schützengräben sind ausgehoben worden. Im Rathaus zu Hamborn haben bie Arbeiter eine Gefechtsleitung ein- gerichtet. Da» Gefecht beirrte am Sonntag noch an; dach ist gegenwärtig eine Pause eingetreten. Bisher wurden 62 Tote und über 100 Verwundete gezählt.
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Wie die Dortmunder „Xrentonie" berichtet, siel bei den Dortmunder Kämpfen den Arbeftertntvven ein Panier z u g auf dem Rdeinischen Bahnhof in die Hände. Außerdem wurden von ben Arbeiterttitvpen große Mengen non Handgranaten und Snfanferiemunifton wezgeschleppl. Dir Hagener Arbeitertr»w»eu, die Bei Hörde gekämpft hatten, brachten nach Hege» als Beute zwei Schnell- fenergefchühr, Mumton, Maschinengeioehre und Handgranaten. AuS ben Kämpfen bet roten Arbeitertrnvpen gegen d« Reichswehr hat man allenthalben den Eindruck gewonnen, daß dabei auf bet Seite der Arbciter- ttuvven geschulte militärische Kräfte mitge- wirkt haben müssen. Va» den militärischen Führern der wten Truppen wich auch Hauptmann v. Beer selbe, bet im vorigen Jabr bei de» Berliner Kämpsep auch auf der Seite der Spartakisten gefochten hat, erwähnt.
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Noske tritt doch zurück.
wb. Berkin, 22. März. Da» Rücktrittsgesitch des Reichswehrminister» Noske ist vom Reichspräsidenten genehmigt worden. NoskeS endgültiger Rücktritt ist auf die Forderung der Gewerkschaft-rt zurückznsühren.
liche Ruhe unb Sicherheit nicht gestört werbe, bie sofortige Aufhebung der Standgerichte in Groß-Berlin an.
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An Stelle des beurlaubten Polizeipräsidenten Ernst hat dec bisherige Polizeipräsident von Charlolienburg Richter die Geschäfte des Berüner Polizeipräsideuien übernommen.
Aus bein Bereich der Nelchswtdrbrigff.de 11.
Eisenach »on be« Truppen besetzt.
Cassel, 22. Marz. Die ReichStoehrbtisade 11 macht folgende Mitteilungen über die Lage:
Cassel: Ruhe.
Eisenach: Reichsweheieuppen unter General Rumschöttel rückten gestern in di- Nähe der Stadt vor. An bie Bevölkerung wurde die Forderung gestelli, unrechtuiätzige Feuerwaffen abzuliefern, um verfassungsmäßige Zustande wieder herzustellen. Die Truppen rückten heute mittag 12 Uhr, ohne Widerstand zu finden, i n die Stadt ein.
Gotha, Ohrdruf und Suhl befinden sich noch in der Hand der Aufrührer.
Erfurt und Langensalza: Lage unverändert. In Sömerba hatten bie Aufrührer bie Einwohnerwehr entwaffnet und daS gleiche Ersuchen an die Emwohnetwehr in Weißensee gestellt. Die Lage ist gespannt.
Nordhausen: ES herrschen noch ungcsetzmäßigc Zustände, lieber bie Beendigung de» Generalstreiks schweben Verhandlungen.
In Sondershausen unb Coburg hat sich die Lage verschärft. Radikale Elemente haben sich bewaffnet.
tob. Koburg, 22. März. Zu ben Kämpfen in, Gotha, daß von jeder Verbindung abgeschniltcn ist, mackt das hiesige ReichSwehrkommando bie Mitteilung, daß die Reichstoehr in Gotha 10 Tote, 34 Verwundete und 9 Vermißte hat. Di« Verluste der Arbeiter belaufen sich auf über 1000 Mann.
Wb. Berlin, 23. März. Der ReichSrat mchm in einet Sitzung vorn 22. 3. die Bo'.jchläge zur Leam- ientcfelbiiÄglrefoxm an« .....
Besetzung von Halle.
L «i p k i g, 23. März. Die Kämpfe kn Halle haben nach ben amtlichen Berichten der hiesigen Reichswehr« Brigade gestern Abend nach mehrstündigem schiverem Artillerie feuer mit der Besitzergreifung der Stadt durch die Reichswehrtruppen gtenbet ~
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Wiederbeginn de» Zugverkehr».
Wb. Dresden, 22. März. Dahnamtlich wird mit« geteilt: Der Zugverkehr in Sachsen ist nunmehr in vollem Umfang wieder ausgenommen worden. Seit Montag Verkehren auch die Züge nach und von Leipzig wieder fahrplanmäßig. Zwischen Dresden und Berlin Verkehren seit Sounabcud ebenfalls alle Züge. Einzelne Störungen sind bei den von Berlin noch Dresden ab« gehenden Zügen zu beobachten. Die im Znaverkchr mit Breslau eingetretenc« Störungen find gleichfalls be« hoben. Die Züge werden auch bier bis Breslau durch» geführt. Ebenso ist der Zugberkebr über Grostenbai« mtb Kamenz in der Richtung Senftenberg—TottbuH wieder frei.
Auch kn Tbüringen ist der Zuaverkehr wieder ausgenommen. Störungen bestehen noch in Halle, sodaß bet Verkebr von Leipzig über Halle noch nickt möglich ist. Der Scknellzugsderkehr von unb nach Hannover wird voraussichtlich über Bitterfeld-Deffau nmgeleitet. Nach tote vor nu-s- auf örtliche Störungen gerechnet werden.
SüddkntsMand.
tob. Münckcn, 23. März. Bon den bet drn Straubinger Unruhen Beteiligten nnirden von dem Straubinger V-llksgericktt 43 verurteilt. In 2 Fällen wurde ans Zuchthausstrafen von 8 Jahren, im übrige« auf Gefängnisstrafen von über 2 Jahren, 4 Monatefi und wenigen Tagen erkannt.
tob. Hof, 22 März. Heute beim Morgeugrauefi wurde Hof von ReichS-vehrltuppen kampflos besetzt. Hebet das Gebiet von Hof unb Wunsiedel ist daA Standrecht verhängt worden. Die Arbeittrschafi verhält sich rndig.
tob. Ltchten sel» (Saalei, 22. Marz. In Lkch« tensels und Umgebung sind heute die Arbeiter in b« Generalstreik getreten, weil in Lichtensel» vom Bamberg au? «tue SicherheitSwehr Rationiert worden ist. Der Streik soll bis zu deren SSefeitigung geführt werden.
Nord- und Ostde»tschla»d.
tob. Hamburg, 23. März. Bei der Hambnegek Werft haben die Arbeiter in nahezu vollem Umfang M« Arbeit wieder ausgenommen.
wb. Kiel, 23. März. Di« Arbeiter brfchloffen bk Arbeit in den lebenswichtigen Betrieben wieder aufzunehmen.
Die Brigade Löwenfeld hat den Kampf mit ben Arbeitern abgebrochen und sich nordwärts zurück' gezogen.
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Der Vorsitzende des Bunbe» bet Landwirte in Schleswig-Holstein, Gutsbesitzer Henneberg aus Hobenholm im Kreise Eckernsörd«, ist »ach einer Kieler Meldung nackts von kommunistischem Gesindel, da» sein Wohnhau» überrumvclte, erschossen worden.
Der sormDemokratifche Ausschuß für Ostpreußen schloß den bisberiaeu mchrl?ei!S-sszialistischen Oberpräsidenten Winnia wegen seiner Haltung in der Kapp-Angelegenheit ans der Bartei an».
Di« Vorgänge In Schlesien.
Außer in Breslau ist S auch in verschiedenen Städten zu Straßenunruhen unb Kämpfen gekommen, insbesondere in Waldenburg, Striegau. Görlitz, Liegnitz und Hirschberg. In Licgnih war die Garnison für die neue Regierung. Die Arbeiter erklärten daraus den Generalstreik. In ben Straßenkämpfen wurden 7 Personen getötet, 13 verwundet. Während der Kapp-Herrschaft erschien in Breslau nur die „Schief. Ztg.". Sie wurde banu von der Menge gestürmt unb ihr Betrieb stark beschädigt, sodaß fie zunächst am Erscheinen verhindert war.
Haftbtschl gegkn Ludeudorff.
Berlin, 23. März. Gegen General Ludendorsf ist wegen seiner Beteiligung an dem Kapp-Lüitwitz- Putsch Haftbefehl erlassen worden.
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Haag, 23. März. Der „Nienwe Rotterdamsck;« Courant" bringt folgende Darstellung bet Amsterdamer „Socialdemokraten": Beigeordneter Wibaut, der am Sonnabend ans Berlin zurückgekehrt ist und der ben ganzen Putsch mitgemacht hat, teilt über seine Eindrücke mit, daß nicht Kapp, sondern Ludenbotsf die treibend« Kraft bei dem Putsch gewesen sei. Ludendorff habe zu einer bekannten Persönlichkeit geäußert, daß man für Kapp auch eben so gern eine andere energische Persön- lrchkeit, selbst auch der Linken, genommen hätte. Hieraus gehe hervor, daß Kapp nur ein Strohmann gewesen fei. Ludendorjs habe auch versucht mit auSlä»