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mit dem Kretsblatt für de» Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhefsifche) Oberhessen

M54

Marburg

Pmtrriag, 4. Diirr (frnfmg)

Der Anzeigenpreis beträgt für die 8gelp. Zeile 80 4, amtliche unb answär- tifle 60Reklamezeile 1.50 X. Zu allen Preisen 10*1« Aufschlag. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Sei Auskunft durch die Ee>chLft»stelle u. Vermittlung der An­gebot« 25 4 Tondergebühr. Postscheckkonto: Nr. 8015 Amt Frankfurt a. M.

55. Jahrg, 1920

DieOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wSchentlich. Der Bezugspreis beträgt monatlich 2,50 A. frei tnS Haus;, durch die Post 2.50 «. ohne Bestellgeld Verlag von Dr. T. Httzeroth. Druck der llniv -Buchdr. von Joh. Aug. »och. Markt 21/23. Fernsprecher 55.

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Sv »IMgftWe MM dtt Mbmdeln.

«b. Paris, 3. März. Der Sonderbericht- Astattrr desEcho de Paris" in London Pertinax tzerichtet, das wirtschaftliche Manifest, das die Ver- ttndeten veröffentlichen würden, beginne mit einem langen Vorwort, in dem die Notwendigkeit getont werde, Deutschlands und Rußlands wirt- Mttiche Wiederherstellung sicherzustellen, indem I «an ihnen Rohmaterialien liefere. Frankreich be­greife, daß es nicht an der eite Seines Deutschlands stben könne, das von Anarchie und Elend beherrscht »erde, und daß es nur entschädigt werden könne tzvrch die deutsche Arbeit. Aber Frankreich habe Has Recht, zu verlangen, daß seine begründeten Korderungen aufrechterhalten werden, und wenn MN den Wunsch äußere, das besiegte Deutschland »ieber empor zu bringen, dann wäre Frankreich berechtigt zu fordern, daß man die versprochenen Wiedergutmachungen sicherstelle. Pertinax »eint, im pazifistischen Europa von 1920 dürfe das »irtschastliche Manifest nicht einer Kapitulation »r dem Germanismus gleichkommen.

wd. Paris, 4. März. Der neu ernannte eng- Kche Botschafter in Washington, Sir Auckland Keddes, erklärte dem Londoner Korrespondenten derChicago Tribüne", England werde auf ber- 6ciedenskonferenz die absolute Notwendigkeit be­ne», Deutschland zu helfen, sich wieder empor zu Arbeiten. Es werde Deutschland eine Anleihe be- D'lligen, damit es seinen Verpflichtungen nachkom- fcen könne.

Es ist angebracht, bei all den vielen Meldungen Ver englische Hilfe für Deutschland zu bedenken, M es sich nicht etwa um einen Ttimmungs-1 «nichwnng zugunsten Deutschlands in England Nnbelf, sondern daß nach wie vor das englische Fnte resse die Triebkraft ist. England hat es pts verstanden, sich besiegten Völkern gegenüber Als den Hilfe- und Freihckitbnnger zu geben, um sie dann feinen Interessen dienstbar zu machen.

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Die NahrmiMiitteluot in Mitteleuropa.

Wb. Amsterdam, 3. März.Daily Chromclc" schreibt im Hinblick auf die Wirtschaftsberatungen des Werften Rates in London, der größte Teil beS deutschen WltcS könne den benötigten Lebensbedarf nicht in ge­igenden Mengen beschaffen. Ein Deutscher erhalte weniger als die Hälfte der dom Obersten^Wirt- IchaftSrat für ein Individuum berechneten normalen »drungskakorien. Das . Blatt kommt zu dem Schluß, M einzige .Heilmittel sei eine gemeinsame Aktion zu Gunsten aller notleidenden Völker.

DerTckegraaf" meldet aus London: Bonar Law vktärte im Unterhause in Beantwortung einer Anfrage, kt Wert der Lebensmittel, die Deutschland bezahlt Vbt und deren Lieferung bereits durchgeführt sei, be! 'tewe bis 13. Februar 15 149 677 Pfung Sterling, wäh- Rnd der Wert der laut Vertrag noch zu liefernden Akbensmitiel auf 655 473 Pfund Sterling sich belaufe. I wb. Wien, 3. März. DieArbeiterzeitung" stellt Nt, daß mit dem am Montag nach Dänemark abge- Hwgenen Kinderzuge die Zahl der seit September 1919 fei dem Ausland gesandten Kinder 50 000 erreicht fei., ®fe Geschichte der Menschheit weise keinen ähnlichen Fall daß eine förmliche Kindervölkerivanderung nach reiten Landen stattgefunden habe, um Kinder vor Not A> erretten.

Englische Frnchtdnmpfcrlinie DeutschlandOstasie«.

wb. Bremen, Z. März. Alfred Holz & Co., Liver- und Bllcrmaun & Bucknall, Steamship Company W. errichten einen gemeinsamen monatlichen Frckcht- *rmpferdienst von Hamburg und Bremerhaven nach Manila, China und Japan. Als erster Dampfer wird DampferPolyvhemus" Ende April von Hamburg Bremerhaven abgefertigt werben. Die Vertretung Linie hichen für Bremen der Norddeutsche Lloyd, l*1 Hamkury/^ie Hamburg-Amerika-Linie übernommen.

Die Aufteilung der Türket.

wb. London, 2. März. Reuter erfährt, daß die in Zukunft keine Kriegsflotte halten darf. Den RBgen Abfichten des Obersten Rate» zufolge wird die Zerkleinerung des türkischen Gebieter die Bevölkerung 7^ Türkei von 30 auf 6 Millionen vermindern. Pie Türken genommenen Gebiete werden vielleicht zur Akberuahme eines Teiles der türkischen Schulden he ran - trogen werden.

Ungarn.

Arselplostr Revolveranschlag aus den Minisier- präsidcnlen.

Budapest, 3. März. Auf der Elisabethbrückc r~*re gestern abend ein gut gelleide ter junger Mann k"n Kriegsmiv.ister Friedrich, als dieser dir in einem Automobil passierte, einen Revolver­

schuß ab. Die Kugel verfehlte ihr Ziel, Der Täter entkam in der Dunkelheit.

Tie Ostfraqe.

Be rl i n, 3. März. Der Ausschuß der National­versammlung für auswärtige Angelegenheiten hielt am am 2. und 3. März längere Sitzungen ab, in denen u. a. die Ost frage einer eingehenden Besprechung unterzogen wurde. Als Ergebnis der Aussprache stellte der Vorsitzende Scheidemann folgendes fest:

Der Ausschuß ist nach eingehender Prüfung und Besprechung unseres Verhältnisses zn Rußland zu folgendem Ergebnis gelangt: 1. Der Beschluß der Reichsregierunz, mit einem Delegierten der Sowjet­regierung in Verhandlungen über den Austausch der Kriegsgefangenen einzutreten, wird gutgeheißen. 2. Die Absicht au8 wirtschaftlichen und finanziellen Kreisen eine Studienmission zur Prüfling der wirt­schaftlichen Lage nach Rußland zu entsenden, wird begrüßt. ES wird der Regierung empfohlen, chr För­derung eingebettet» lassen zu wollen, um damit die demnächstige Aufnahme der Handelsbezieh- vorzubereiten.

wb. Amsterdam, 3. März. DieDaily News" meldet, tu gut unterrichteten Kreisen verlaute, daß Dr. N«nsen die vom Völkerbundsrat zur Unter­suchung der Verhältnisse in Rußland eingesetzte Kom­mission, die sich in etwa vier bis sechs Wochen nach Rußland begeben will, führen wird, !

Frankreich.

Da» Ende des EisenbahnerauSstanbeS.

wb. Paris, 8. März. HavaS meldet, daß auf sämt­lichen Pariser Bahnhöfen die Arbeiter ihre Beschäftigung wieder ausgenommen haben. Nach demMatin" dürfe eS noch 14 Tage dauern, bis bet Dienst im ganzen Um­fange ausgenommen sei. Die meisten Lokomotiven seien durch die Außerdienststellung beschädigt und müßten erst wieder geprüft, eingefahren und in Fahrbereitschaft ge- fe«r I oer bett.

wb. Pari», 4. März. Di« wegen Aufforderung deS Militärs zum Ungehorsam verhafteten Sekretäre der Eisenbahnergetoerkschasten sind am Mittwoch vorläufig wieder freigelaffen worden.

Amerika.

' Die Vorbehalte gegen den Völkerbund.

wb. Pari», 3. März. Nach einetMatin"- Meldung aus London hat der amerikanische Senat die Vorbehalte des Senators Lodge, betreffend die Monroe-Doktrtn und betreffend die inneren An­gelegenheiten bet Lände, in die sich der Völkerbund nicht einzumischen habe, mit 56 gegen 25 Stim­men angenommen.

Der demokratisch« Präsidentschastskandibat.

wb. Newyork, 2. März. Der Staatssekretär der Justiz Palmer hat die ihn^wn der demokratischen Partei angebotene Kandidatur als Präsident der Ver­einigten Staaten angenommen.

Ausstände und Lohnbewegungen.

wb. Berlin, 3. März, lieber einen drohenden Konflikt im Buchdrucker- und Zeitungsgewerbe wird mitgeteLt: Der Tarifausschuß der deutschen Buch­drucker hat seit dem 27. Febr. in Berlin getagt, um über die Borderungen der Gehilfenschaft auf weitere Teuerungszulagen zu beraten. ~ Die Bera­tungen sind nach fünftägiger Dauer ergebnislos verlaufen, auch der Spruch des SchTchtungsausschufses d«S Reichsarbeitsministeriums, den die Gehilfin an» gerufen hatten, ist als unerfüllbar abgelehnt worden. '

Berlin, 8. März. Nach den Abendblättern wird in Mecklenburg auf ungefähr hundert Gütern gestreikt. Die Frühjahrsbestellung ist dadurch bisher nicht gefährdet. In Rostock finden heute Verhandlungen des Schlich­tung sausschusseS statt. Die mecklenburgische Regierung ist entschlossen, die schärfften Maßnahmen zu ergreifen, falls von einer der beiden Seiten der Schiedsspruch nicht angenommen wird. Außerdem find in den pommerschen Kreisen Demmin und Stralsund große Lanb- arbeiterauistände ausgebrochen.

wb. Saarbrücken. 3. März. Heute früh ist die Belegschaft der Halberger Hütte in Brebach in den Aus­stand getreten infolge eine» Beschluss«» der Organi­sationen. Die Arbeiter fordern ben Rücktritt ein­zelner Beamten. Durch ben Ausstand ist di« Gasversorgung der benachbarten Orte unb besonder» der Stadt Saarbrücken tat Frage gestellt.

Mißhandlungen von Arbeitgeber« ta Solingen.

Berlin, 4. März. In Solingen wurden in der Nacht auf den 3. nach Beendigung der Verhandlungen zwischen der Ausstandsleitung und bett Arbeitgebern über die Beilegung deS Ausstands in der Metallindustrie, die int großen und ganzen zu einer Einigung führten, die Arbeitgebervertreter beim Verlusten be» verhand­

lungsraumes von der draußen toartenben nach Tausen­den zählenden Menge unter Führung mehrerer mit Knüppeln bewaffneter Personen überfallen, miß­handelt und schwer verletzt. Die Menge h i n- derte bte Polizei am Schuhe der Arbeitgeber. Die englische« Besatzungstruppen verhielten sich ne «tral.

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17t Mannheimer Eisenbahnbeamte und - Arbeiter kn Untersuchungshaft.

Berlin, 3. März. DieB. Z." meldet aus Karls­ruhe: Finanzminifter Wirth teilte im badischen Land­tag mit, daß infolge der Beraubung von Eisen­bahnen auf dem Rangierbahnhof in Mannheim 76 Beamte und 103 Staatsarbeiter sich in Untersuchung befinden. Die Ortsgruppe Mann­heim der Verbandes des deutschen Verkehrspersonals er­suchte ben Finanzminifter weitere Verhaftungen zu unterlassen unb alle zurückliegenden Fälle zu am­nestieren. Falls dem Wunsche nicht entsprochen werde, würde das Rangicrbahnhofpersonal den Dienst e i n st e l l e n. Der Finanzminister erklärte, er müsse es entschieden ablehnen, der Justiz in die Arme zu fallen.

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Schwere Unruhen in Bayern.

wb. München, 3. März. In ben niederbayer­ischen Städten Straubing und Passau kam es zu schweren Unruhen. In Straubing stürmte die verhetzte Mengedas Landgerichtsgefängnis und befreite zwei verhaftete Schwarzschlächter. Rach den Beamten der Lanbeswucherabwehrstell«, welche die Verhaftung vorgenommen hatten, wurde vergeblich gesucht. Die Bürger- unb Reichswehr wurden aus­geboten. Es kam zu Kämpfen. Auf Seiten der Demonstranten gab es zwei Tote und Verwundete. Unter ben Toten befindet sich der Redakteur der neu gegründeten sozialdemokratischenReuen Tagespost" In Passau wurde eine Theatervorstellung für die freien Gewerkschaften, in der ein Drama Kurt Eigners aufgeführt wurde, durch Rcichswehrsoldaten und Stu­denten gesprengt. Es kam zu Schlägereien vor hem Gebäude. Einige Personen wurden verletzt. Die Garnison wurde alarmiert unb säuberte den Platz.

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Sie netten WMHm.

Brief 80 Pfennig, Postkarte 20 Pfennig, verdoppelte Telegramm- und Fernsprechgebühren.

wb. Berlin, 3. März. Neber die zukünftigen Postgebühren, die gestern int Verkehrsbeirat besprochen wurden und mit größter Beschleunigung an den ReichSrat und die Nationalversammlung gehen sollen, wird mitgeteilt:

ES soll erhöht werden das Porto für den einfachen Brief auf 30 Pfg., für den Brief von 20 bis 250 Gramm 50 Pfg. Die Unterscheidung zwischen Orts- nnd Fernverkehr fallt in Zukunft weg. Die Postkartengebühr beträgt 20 Pfg. Das Pa­ketporto wird bei Paketen bis 15 Mogramm um 662/s Prozent erhöht, bei Paketen von 15 bis 20 Kilo verdoppelt. Dringende Pakete zahlen die drei­fache Gebühr der einfachen Pakete. Die Einschreibe- gebühr beträgt allgemein 50 Pfg., die Versicherungs­gebühr wird auf 1 Mark bei Werten bis 1000 Mark erhöht. Bei Wertpaketen bis 500 Mark wird eine Gebühr von 1 Mark, bis 1000 Mark von 2 Mark erhoben. Die Gebühr für Drucksachen wird verdoppelt, die Gebühr für Päckchen auf 1 Mark erhöht. Die Gebühr für Postanweisungen bis 50 Mark soll 50 Pfennig betragen, bis 200 Mark 1 Mark, bis 500 Mark 1,50 Mark, bis 1000 Mark 2 Mark. Im Postscheckverkehr ändert sich nichts. Die Vorzeigegebühr für Briefe wird auf 50 Pfennig erhöht für Pakete auf 1 Mark. Die Eilbestellgebühr wird verdoppelt. Für Postlagernde Sendungen wird eine Gebühr erhoben, die für Briefe 10 Pfg. beträgt und vom Absender zu entrichten ist. Pakete zahlen wenn sie über einen Tag nach der Ankunft hinaus lagern, für den Tag eine Gebühr voon 80 Pfg. Auch ein neuer Zeitungstarif soll eingeführt werden, der die große Presse zu Gunsten der kleineren und mittleren stärker belastet. Es sollen berechnet werden für eine Zeitungsnummer im Ge­wicht bis zu 20 Gramm 3 Pfg., von 20 bis 50 Gramm 4 Pfg., fitr schwerere einen Pfg. mehr für 50 Gramm.

Die Telegrammgebühr«!» werden verdoppelt, Ebenso dfi Telephongebühren, doch ist bei ihnen ein« sogenannte feinere Staffelung vorgesehen, bte bei ben Großstädten mit größeren Fernsprechnetzen auf eine Verdoppelung der Gebühren hinausläuft. Endlich ist men auf «in Mittel verfallen, die Fernsprech­teilnehmer zur Kapitalbeschaffung für die Postverwaltung heranzuziehen. Diese hat kein Geld zur Unterhaltung und Ergänzung der Fernsprechan­lagen, und der Finanzmimster läßt den Weg der Anlech« nicht zn. Der Betrieb felber wird auch nach Einführung der neuen Sätze immer noch mit «iuerUnterbilanzvonetwal Milliarde

arbeiten. Man will nun dfi Fernsprechteilnehmer verpflichten, in Raten oder in ganzer Summe an die Postverwaltung 1000 Mark zu zahlen (Nebenanschlutz 200 Mark), und di« znrückgezahlt werden, wenn bet Teilnehmer seinen Anschluß kündigt. Man rechnet auf diese Weis« mit einem Aufkommen von 1 Milliarde.

Diese Erhöhungen sollen am 1. April in Kraft treten. Sie werden vorher den ReichSrat und dfi Rafionalverfammlung beschäftigen.

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Sollte MmlntlmmlW.

Der Borstoß der ttea&bättgigen. Annahme tz«S Kapitalertragssteuergesetz In 2. Lesung.

14 7. Sitzung vom 3. März.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1,25 Uhr.

Aus der Tagesordnung steht die Beratung deS An­trages Frau Agnes (Unalch.) und Genossen betreffend Außerkraftsetzung einer für die Regierungsbezirke Düssel­dorf, Arwöberg, Münster uns Minve« -erlassenen Verord­nung des Reichspräsiventen in Verbindung mit dem An­trag derselbe» Partei betr. Außerkraftsetzung einer weite­ren Verordnung des Reichspräsidenten für das Reichs­gebiet.

Abg .Cohn (U. S.) begründet die Anträge. Dfi Bev- ordnungen, welche u.«. die Zuchthausstrafe für Brand­stiftung, Beschädigungen von Eisenbahnen usw. t» Todesstrafe umwandeln, sind der Nationalversamm­lung erst vor acht Tagen zugegangen. Sie sind »urü* zuführen auf die Gesetze gegen di« Unabhängigen irn"A» schluß an die Vorgänge am Reichstag. Sie richten sich zuerst nur gegen die Jndustriebezirke, dann aber gegen das ganze Reich mit Ausnahme von Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden. Die Mainlinie wird also von neuem gezogen. Die Maßnahmen des MilitärbesehlS» Hubers auf der Grundlage des Belagerungszustände» richten sich gegen die Unabhängige Partei und arbeiten mit den alten Mitteln des Zeitungsvcrbots unb der Verlamm- luugsireihrit. Vom Standpunkt bet Regierung au» dürft» eigentlich nur ein Redeverbot erfolgen, nämlich ein solches gegen den Minister Noske, der die Auslands- und In« landöpolitik für den Porzellanladen anznseben scheint, ans den er in Interviews mit In- und Ausländern losschlagen darf. Bei der Beratung der Verfassung ist eS niemanden eingefallen, mit dem Artikel 48 dem ReichSpräsDente« oder gar dem Reichswehrmiuister das Recht einzuräumen, in einem Bezirke des Reiches wie in Düsseldorf besonder« Gerichte einzusetzen, die nur auf Todesstrafe erkennen soll­ten. Die Sozialdemokratie unterstützt diese Richter. Dfi heutige Regierung mißbraucht ihre Machtmittel genau f» tote die alte.

Reichsminister Schiffer: Di« Ausführungen des Vorredners widersprechen dem Geiste des Artikels 48 bet Reichsverfasfung. Es ist in dem Artikel genau vorgesehen, welche Paragraphen der Neichsverfasfung durch Verord­nungen des Reichspräsidenten behckf? Aufrechterhaltung der Ordming außer Kraft gesetzt werden sollen. Dfi demokratische Regierung muß stark fein und wird unter Verantwortung vor dem Parlament alle Mittel anroenben, um die Ordnung zu wahren.

Reichsminister Noske: Die wilden EifenbahnerstreA unb die Vorgänge vordem Reichstag zwanaen die Regierung zu energischen Maßnahmen. Die Verordnung richtet sich gegen bewaffnete Banden, nicht gegen lolmstreikende Berg­leute. Die Todesstrafi, von der so viel die Rede ist, ist von der Bestätigung des Reichspräfidentrn abhängig. Bedroht wird lediglich, wer an einem Aufruhr teil» nimmt. Wir haben mit der Anwendung ernster Mittel bis zum Aeußersten gewartet. Wirksam gemacht von der Verordnung ist lediglich der erste Teil, der dfi außer­ordentlichen Gerichte betrifft. Es ist nur Verhetzung der Bergleute, wen« behauptet wird, Stteikende seien wegen ihres Streiks vor diese Gerichte gebracht worden. Ein Kriegsurteil ist nicht gefällt worden. Ms die Unabhän­gigen im Ruhrgebiet die Herrschaft hatten, war eS schlimmer als unter dem Belagerungszustand. Der Belagerungszustand im Jndustriebezirk bleibt bestehen, solange dort Gewalt und Terror einer Minderhett abge» wehrt werden muß. Der furchtbare Ernst der Lag« unseres Landes gestattet nicht, auf schnell« Anwendung ernster Mittel zu verzichten. Alle bte über Gewalt schreie«, mögen filbst auf Gewalt verzichte« . (Beifall.)

Abg. Löbe (So».): Wir stimmen gegen den Antrag, Abg. Henke (U.S.): Minister Schiffer hat mit ato Deutlichkeit gesagt, welche Gefahr in einer so follofatex Vollmacht des Reichspräsidenten liegt. Noske und seines­gleichen ^ben eine Diktatur der Minderheit aus.

Die Anträge werden abgelehnt. Zweite Beratung deS Entwurfs eines

KapitalerkragSste ne rg« fetze».

Abg .Dr. Brann-Franke» (Soz.) als Berichter­statter bespricht eine Reihe von Petitionen, von Wohl« tättgkeitS» und wissenschaftliche« Anstalten. ES fit de» Ausschuß sehr schwer geworden, diesen Wünschen sowfi denen der Keinen Sparer und Rentner Rechnung zu tragen, da das Gesetz eigentlich keine Differenzierung vor» trage. Aber durch die Einführung der Rückerstattung habe man biefin sozialen Forderungen einigermaßen entsprochen.

Zu 8 3 (Befteiung von der Steuer) begründen dfi Abte Dir. Decnburg (Dem.), Dr. Blunck (Dem.) uni Herrmann- Württemberg (Dem.) eine Reihe von Ä* trägen.

Mg. Grunan (Z.) wSnscht ehe besondere Berück« sichtigung der freien ®erufe, »umaf der Journalisten und SchriMeller.