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mit dem Kreisblatt für de» Kreis Marburg
Tageszeitung für (das früher knrhessijche) OLerhcffen
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recht freigesprochen würden. Hnb da Austieferungsfrage sei erledigt!
Kein Deutscher wird — wenn auch und für sich unerhört und schmachvoll
Gegr» die Auslieferung de» Reste- der Handel-flott«.
Wb. Breme«, 1. März. Nm Sonntag, den 29. 2., protestiert« der Deutsche Volksbund für Gerechtigkeit in Bremen in der Börse gegen die Suslieferung der Reste unserer Handelsflotte. Kapitän König vom U- Boot .Deutschland" hielt eine wirkungsvolle Ansprache. Di« hm vielen Lausenden einstimmig angenommene
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Die 45 probeweise zn Vemrteilenden.
tofc. Rotterdam, 1. März. Au» London wird gemeldet, von den 45 Kriegsschuldigen, die vor dem Leipziger Reichsgericht erscheinen sollen, werden 10 von der englischen Regierung bezeichnet, hauptsächlich wegen Grausamkeiten im U-Bootkrieg, 12 von den Franzosen. 15 von Belgien und von den Italiener und Polen je 4.
Erzberger nnb das parlamentarische System.
Aus der Nationalversammlung wird der „Köln. Ztg." geschrieben:
Die Vertagung der Entscheidung über Sein oder Nichtsein Erzbergers bis zum Schluß des Helfferich- Prozesses ist natürlich nichts weiter als eine Ver- legenhettsmaßnahme, zu der nächst dem Zentrum auch Demokratie und Sozialdemokratie und auch das Kabinett gegriffen haben in dem Wunsch, Zeit zu gewinnen, um sich über die Lage bei der Ausschiffung Erzbergers klar zu werden. Es ist ganz selbstverständlich, daß es sich hier nicht um einen einfachen Personenwechsel handelt, denn Erzberg'r ist nicht schlechthin ein Minister wie dieser und jener, sondern ein Träger und Vertreter der gesamten derzeitigen Regierungspolitik, soweit sie sich in der Richtung sozialistischer Ideen bewegt. Darüber hinaus ist Erzberger die erste vollkommene Verkörperung desjenigen Parlamentarismus, den Demokratie und Sozialdemokratie als eine der herrlichsten Errungenschaften der Revolu- tipn feiern. Durch das Verschwinden Erzbergers aus dem Ramepnlicht der derzeitigen Parteiregierung würden sowohl die Verwirklichung der sozialistischen Pläne mit Hilfe der steuerlichen Kap'tal- vernichtung als auch das System der parlamentarischen Parteiherrschaft eine ihrer wichtigsten Stützen verlieren. Deshalb ist es begreiflich, daß die Mehrheitsporteien schon jetzt darüber nachsinnen, ob nicht der Fall'Erzberger einen Anlaß zu einer eingehenden Prüfung der derzeitigen Regierungssystematik auf die Möglichkeit einer praktischen Aenderung hin bietet. Die verschiedensten Vorschläge werden gemacht und besprochen, ohne daß man bisher den Umriß einer - Einigung sehen könnte. Nicht einmal über den Umfang der Folgen von Erzberpers Rücktritt auf den Bestand des Kabinetts ist man sich klar. Nur das Bestreben tritt hervor, die gegenwärtige Zusammensetzung der Parteien im Kabinett auch für die Folgezeit festzuhalten, wenn es nicht etwa im weiteren Verlauf der Entwicklung zu einem Zusammenbruch der Mehrhettspolitik und zur Auflösung der Nationalversammlung mit folgenden Neuwahlen kommen sollte. Auch diese Möglichkeit wird man ins Auge fasten müssen.
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Präsident Fehrenbach eröffnet um 2,55 Uhr Mt Sitzung wieder: Vielleicht gelingt e8 den Herrn Fraktion«- führern, das Pflichtgefühl der Mgeordneten soweit zu stärken ,daß im Lause der Woche noch einmal eia beschlußfähiges Haus zusammen kommt.
Die Beratung wird fortgesetzt. § 12 wird in der Au-- schußfassung angenommen, abgesehen von dem Antrag Wetzlichz zum Absatz 12, der »urückgestellt wirb?
Bei § 13 beantragt Abg. Wetzlich (Deutschnatl.), daß vom gesamten Betrage der Einkünfte auch abzuziebelt sei angemessene Rückstellung für Erneuerung.
Abg Go the in (Dem.) beantragt, daß auch abgezogen werden dürfen Beiträge zu politischen, wohltätigen und kulturfördernden Bereinigungen »soweit diese 10 Proz. des Einkommens nicht übersteigen.
Uirterstaatssekretär Mösle spricht gegen beide 8> träge. Die Anträge werden bi» zur 3. Lesung zurück- gestellt.
Abg. Becker-Hessen (D.Bvt.) beantragt, daß Beiträge zu den öffentlich-rechtlichen Berufsvertretungen usw. abziehbar sind.
Abg. Keil (Svz.) begründet ebenfalls mehrer« Ab- änderungsanträge. Nach weiterer Aussprache werden die Anträge Keil und der Antrag Becker angenommen, tvonach das Einkommen de« Hausboltungsvorstande« und seiner minderjährigen Kinder zusammengerechnet werden soll. Die §g 19 u. 20 werden zusammen beraten.
Abg. Seger (U.®.) begründet Abänderungsanträge seiner Partei, die eine Erhöhung des Eristenzmininmm« und «ine Weiterführung der Staffelung auf 85 vom 100 bezwecke.
Abg .ffeil (Soz.) begründet die Anträge. Dr. Blunck (Dem.) und Genossen, auf den sich die Mehr- heitsparteien und die Recht« geeinigt haben, wonach der dem steuerfreien Einkommen hinzuzurechnende Betrag sich bei einem Steuerpstichtigen, dessen steuerbares Einkommen 10000 Mark nicht übersteigt, um 200 Mart für die zweite um jede weitere zur Haushaltung gehörend« Person erhöht, sofern letzter« das 16. Lebensjahr nicht vollendet hat.
UnterstaatSsekretär MöSl« erklärt den Antrag b«r Unabhängigen auf Heraufsetzung der Grenzen für Steuerfreiheit für unannehmbar. Der Antrag Blunck sei mit einem nassen und mit einem heiteren Auge zu betrachten, aber schließlich könne man darüber reden.
6 19 wird mit dem Antrag Blunck angenommen, |20 in der Ausschußfassung.
Morgen l Uhr: Fortsetzung; vorher Anfragen, nachher weitere Steuergesetze.
Die Unabhängigen hatten beantragt, ihren Antrag bett, die Verordnung des Reichspräsidenten morgen ans die Tagesordnung zu setzen, da Widerspruch erfolgte, wird der Antrag erst Mütwvch verhandclt. Schluß LUhr.
Nach Pressemeldungen ist damit zu rechnen, daß der Reichsverkehrsminister Dr. Bell ausscheiden und durch den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten O e s e r ersetzt werden wird. Es würde bann aber eine weitere Umgestaltung des Reichskabinetts eintreten, da das Zentrum nach dem Ausscheiden von Bell und Erzberger nur noch durch den Reichspostminister Giesbcrts vertreten wäre.
Als mögliche Nachfolger Erzbergers, an dessen Rücktritt kaum uoch zu zweifeln ist, werden die verschiedensten Personen genannt, so der Hamburger Senator Melchior, Reichsbankpräsident Havenstein, der frühere Reichsschatzsekretär Graf Roedern und Unterstaatssekretär M ö Sl e, der Stellvertreter und vertrauteste Mitarbeiter ErzbergerS Die letztere Kandidatur wird be- sonders von der Sozialdemokratie in den Vordergrund geschoben, die dadurch die Fortführung der von ihr befürworteten Erzbergerschen Steuerpolitik am ehesten gesichert glaubt. Der Kölner Oberbürgermeister Adenauer will die Nachfolgerschaft ErzbergerS nicht übernehmen. Auch der badische Finanzminster Wirth kommt als Kandidat für den Reichsfinanzministrrpost'n in Frage
Marburg
Dienstag, 2. Mär; (ftnjing)
• 8u dem darauf behandelten Falle „Janke", bei dem sich um die D ieb sta hla f färe im Flotten- ^erein l-ondelt, bekundet Zeuge Grundow, der als Kichter die Voruntersuchung gegen die beiden deS Dieb- -Mhls beschuldigten Janke, Vater und Sohn, führte, Erz- «rger habe auf die Frage, ob er wisse, wie und durch wen tzevisie Schriftstücke in den Besitz des „Bayer. Kuriers"
T1 rn S inden des Generaldirektors Rabes vom Konzern ein Betrag von 400 Millionen Mark «ruichädiauiur für die lothringischen Hüttenwerke
Sie MMkomMnn.
Sitzung der deutschen Nationalvtvt sammlung vom 1. Mär».
liegen eines Wettkämpfer» bei einer sportlichen Veranstaltung. Nicht durch ein Versagen der Frontdisziplin, sondern durch eine Art Undisziplin au» dem Innern de» Lande» heraus wurde Deutschland besiegt. Durch meine Behandlung der Kriegsgefangenen, die immer eine» Soldaten würdig und gerecht war, glaube ich gezeigt zu haben, daß ich nichts gegen einen deutschen Soldaten habe. Denkt immer daran, daß ihr deutsche Soldaten wäret, und als ehemalige Soldaten des alten Deutschen Reiche» sollt ihr es unter eurer Würde halten, euch irgendwelcher revoluttonären Bewegung anzuschließen. Denkt einmal an meine Worte, wenn Ihr daheim seid und macht Euch mit ganzer Kraft an den Wiederaufbau Eures Landes."
gezahlt worden sei. Erzberger lehnt in seiner Eigenschaft als Reichsfinanzminister ab, sich darüber in der Oeffentlichkeft zu äußern. Es handele sich auch nicht nur um die Firma Thyssen allein, sondern um 16 Firmen.
In der württembergischen Eiufuhrangelegenheit sagen alle vernommenen württembergischen Zeugen übereinstimmend aus, eine Einwirkung Erzbergers auf das Zustandekommen des Vertrags habe nicht stattgefunden.
In vierter Nachmittagsstunde erklärt der Vorsitzende im Einverständnis mit allen am Prozeß Beteiligten die Beweisaufnahme für geschlossen.
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izeitig abtransportiert und sielen in die Hände der Belgier. Den Vorwurf der Denunziation weise ich mit großer Entschiedenheit zurück. Erzberger verliest eine Stelle aus dem stenographischen Protokoll der Nationalversammlung pmn 29. 7.1919, um zu beweisen, daß die Aeußerung: „Dann können Sie sich nicht beklagen, wenn gewissen ^Persönlichkeiten das Mißgeschick vassieren sollte, auf die Mrslielerungsliste gesetzt zu werden" nicht eine Aeuße-
Ein englisches Urteil über die deutsche Niederlage.
Dem „Smttooten" ht Oldesloe teilt ein au» England he im gekehrter Kriegsgefangener den Wortlaut einer Ab- schiedSrede mit, die bet englische Major bei der Auflösung des Lager» an die Gefangenen hielt. Rach näheren Ausführungen über gewaltsame Zurückhaltung deutscher Kriegsgefangener durch die englische Regierung, die im Sinne England» unzweckmäßig wäre, sagte der Mo jor: „Seid stolz, daß Ihr deutsche Soldaten gewesen seid. Al» solche habt Ihr eine — al» Gefangene — gute Disziplin gezeigt. Dentschland verdankt alle» feiner Diszipltn. Daß e» den Deutschen über- Haupt möglich war, der ganzen Welt, die Deutschland al» Feinde gegen sich hatte, vier Jahre lang zu widerstehen, verdankt e» allein der Disziplin der Soldaten. Deutschland ist jetzt geschlagen. Die Niederlage der deutsche» Armeen ist zu vergleiche» dem Unter»
Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung m» 1,25 Uhr.
Abg. Cohn (U.S.) bemerft vor Eintritt ln dk Tagesordnung zur Geschäftsordnung, seine Pattei wett» dm Lause der Sitzung einen Antrag einbringen, die Verordnung des Reichspräsidenten auszuheben, welche dir Strafbestimmungen verschärft, indem sie Todesstrafe bet Brandstiftungen usw .einfühtt.
Der Gesetzentwurf zur Ergänzung bei Gesetze» zur Verfolgung von Krieg»verbrechen nnil Kriegsvergehen geht ohne Aussprache an be» Sa» sasfungsausschuß •
Fortsetzung der zweiten Beratung de» Entwürfet des Reichseinkommensteuergesetze». i
Zu 82 (persönliche Steuespflicht) begründet Abg. D», Becker-Hessen (D. Vpt.) einen Antrag, der doppelt» Besteuerung auf daS Einkommen aus ausländischem Grundbesitz verhindern will, soweit glaubhaft ncnbgt» wiefkn wird, daß der Stcuerpflichtige sich nicht feine» inländischen Steuerpflichten durch den ausländischen Besitz hat entziehen wollen. ;
Abg. Blunck (Dem.): Der Antrag würde internationale Abmachungen erschweren.
Regierungsseitig wird crklätt, daß bei doppelta Besteuerung das weitestgehende Entgegenkommen geübt weo» den soll. '
Der Antrag Dr. Becker Witt» abgelehnt, §2 »M genommen,' ebenso weitere Paragraphen. i
Zu 8 12 begründet Abg. Wetzlich (Deutschnail-f einen Antrag, daß Gewinne aus Veräußerung von Grundstücken nicht steuerbar sein sollen, e» sei denn, daß dt» Grundstücke innerhalb der letzten fünf Jahre erworben waren. (Vorlage 10 Jahre.) ,
Abg. Seger (U.S.) luenbet sich gegen eine in |H ausgesprochene Bevorzugung der Reichswehr durch Stenw freiheit ihrer Naturalbezüge.
Bei der Abstimmung über den Antrag Wetzlich bleibt daS Ergebnis zweifelhaft, «veil während bet Stimme»» zählung noch Abgeordnete den Saal betreten.
Präsident Fehrenbach: Es ist ein Elend, daß die Herren bei dec Abstimmung nicht im Saale sind, sondern im Restaurant.
Der Hammelsprung ergibt die Beschlußunfähig- k e i t des Hauses. Für den Anttag haben 87, gegra th» 100 Abgeordnete gestimmt.
Schluß 2Vi Uhr. Fortsetzung 2»/. Uhr.
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Entschließung wurde an die Reichsreglerung. di» Nationalversammlung und an den deutschen Geschäft»« träger in London telegraphiert.
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Al» der Feindbund die Auslieferungsnote überreicht hatte, ging ein Schrei der Entrüstung durch unser ganzes Volk und als dann infolge unseres nationalen Widerstandes die Gegner auf die Auslieferungsforderung ver- zi bieten, da ging cs wie eine befreiende Beruhigung durch unser ganzes Volk. Ist denn die Auslieferungsfragc erledigt, haben denn die Feinde tatsächlich auf die schmachvolle Forderung verzichtet? Sie haben es getan, ja, aber nur unter Vorbehalt und zwar crttärte der Feindbund in seiner Nöte, daß das Verfahren vor einer Gerichtsbarkeit, wie sie von unserer Regierung vorgcschlagen wurde, in keinem Falle die Bestimmungen der Artikel 228—230 des Friedensvertrages beheben könne. Die (Segnet behalten sich also alle Rechte aus dem Friedensvertrag vor, d.h. auch die Auslieferungsforderung, etwa wenn nach ihrer Ansicht die Angeschuldigten zu lln-
Ming von ihm, sondern von dem Abgeordneten Rieß er ■bat, die er, Erzberger, in seiner R'de nur zitiett habe. .Der Sinn meiner Rede war jedenfalls ganz anders, als -kr Angeklagte ihn hier darstellt.
Vorsitzender: An die Nennung des Namens k$ Angeklagten in diesem Zusammenhang dachten Sie Mo nicht? Erzberger: Nein. Rechtsamoalt Alsberg: Auf den Namen Helsferich war doch aber schon sechs Tage verlier in der „Deutschen Allg .Zeitg." zweimal hiirgewiesen worden. Erzberger: Mit Recht. Helf« iferich: Es ist nicht wahr. Ich muß diese Aeußerung "Nochmals als eine gemeine Denunziation bezeichnen. Der Vorsitzende rügt diesen Ausdruck. Helffe- irich behauptet, der stenographische Bericht, auf den sich bte Aussage Erzoergers stütze, sei abgeändert Kotten. Die belgische Regierung hat über meine Tätigkeit anders geurteilt als Sie! Erzberger: Das .Gegenteil ist der Fall. Von der belgischen Regierung Decken Sie als Haupturheber angesehen. Zeuge Geheim- '«t Rießer bekundet u.g.: In jener Rede, die hier
Frage stcbt, machte ich den Passus so, wie er mir in r.kn Mund gelegt wird, nicht. Meines Erachten» mußte lkrzberger sich bewußt sein, daß die scharfen Angriffe, we er gegen Geheimrat Hilgenberg, Helsferich, Ludendorff sich andere in seiner Rede vom 25.7. richtete, die «Aente veranlassen konnte, ihre Ansliefe» kuug zu begehren.
Hückzug aus Belgien wurden alle Akten über die belgische Krage durch die Nachlässigkeit eines Beamten nicht recht-
Di« .^Oderb elfische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Der Bezugspreis beträgt monatlich 2,50 <*. frei ins Hau»; durch die Post ohne Bestellgeld — Verlag von vr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ -Buchdr. von I o h. 81 u g. Rod). Markt 21/23. — Fernsprecher 55.
[ Str 3M 6r$6trgtr gegen MM.
Abschluß der Beweisaufnahme.
p Berlin, 1.März. Der heutige Verhandlungstag pjrd einaelettet mit der Erörterung der angeblichen De- nunzieruilg Helfferichs in der belgischen Frage. Helsferich erfiärt: Der Vorwurf „Gemeine Donun- tzation" in meiner Broschüre bezieht sich auf den Vor- ß»ß, den Erzberger in der „Deutschen Allg. Zeitg." am $3.7.1919 gegen mich bezüglich der belgischen Frage Htternahm. Er sagte darin: „Unter Helfferichs Aegide Hürden die schwerindustriellen Aspirationen auf Belgien i ergamfiert." Deswegen mußte ich in diesem Angriff thie Drohung mit der Auslieferungsliste sehen und eine Denunziation an die Entente. Erzberger batte das 1 Objektive Bewußtsein, daß er mich in die Gefahr der .Auslieferung brachte. Ein Beweis dafür ist seine Rede, ■ fe er sechs Tage später in der Nationalversammlung gehalten hat.
Erzberger wird hierauf als Zeuge vernommen, ft erklärt: Alle Behauptungen des Angeklagten auf feiern Gebiete kann ich unter Eid als falsch bezeichnen. Am übrigen wußten unsere Gegner über die belgische Frage sehr genau Bescheid, denn bei dem übereilten
Erscheinen vor einem rein deutschen Gc r i ch t, das nach rein deutschen Gesetzen und nach rein de.uts di em N echt urteilt, ab! ebnen, ,
Wohl aber muß sicher gestellt sein, daß die Ä u s - lieferungSschande nicht etiva nur auf deutschen Boden- verlegt wird.
DaS deutsche Volk hat die Auslieferung deutscher Landsleute abgclehnt und muß deren Aburteilung a b l c h n e n , loenn der Feindbund auf seiner U n - Parteilichkeit beharrt und der Urteilsspruch de» Reichsgerichts nicht als unanfechtbar anerkannt wird.
Die Feinde haben also nur vorläufig und unter Vorbehalten auf die endgültige Auslieferungsforderung verzichtet!
Wir müssen bedenken, daß die Ehre im politischen Leben einen Machtfaktor darstellt, das; tvir mit der Preisgabe unserer Ehre 1. unser Ansehen, unseren Kredit verlieren, 2. für ewig ausgelöscht werden aus der Reihe der europäischen Mächte.
Darum heißt e» handeln, bevor es zu spät ist.
Wir dürfen nur auf die Verhandlung vor dem Reichsgericht eingehen unter den Bedingungen :
daß nur Handlungen, bte nach bestehenden deutschen Olesetzen strafbar sind, zum Gegenstand der Strafverfolgung gemacht toerben können;
daß der gesetzmäßig zustandegekommene Urteil»- spruch des Reichsgerichts geachtet und gegenüber allen Anfechtungen, von welcher Seit« sie auch kommen mögen, aufrecht erhalten wird;
daß die wegen Kriegsbergehen und Kriegsverbrechen zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen unverzüglick, ihrer Heimat zurückgegeben werden, daß Festnahmen Deutscher wegen angeblicher Kriegsvergehen und -Verbrechen innerhalb des Hoheitsgebiets de» Femdbunds unterbleiben unb, soweit sie stattgefunben haben, oufgchoben, sowie bic von bett feinblichen Gerichten in dieser Sache gegen Deutsche bereit» ausgesprochenen Urteile annulliert werden;
daß der vom Feinde beabsichtigte politische Eindruck bet Einseitigkeit be» Verfahrens nur gegen Deutsch« badurch vermieden werde, baß den feinblichen Regierungen ein Verzeichnis feindlicher im Kriege unb nach bem Waffenstillstände in den besetzten Gebieten begangener Vergehen und Ser« brechen überreicht wird, damit die feindlichen Regierungen Gelegenheit erhalten, den von ihnen vertretenen Grundsatz von Recht unb Gevechttgkeit wirk-
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mit dem 8kwerfen verweigert, daß er sich ki ihrer Beantwortung strafrechtlicher Verfolgung aus- "kn würde. Der Zeuge erklärt mit Bestimmtheit, daß Diebstahl gesprochen wurde. Rechtsanwalt Brr- »tarn erklärt, Erzberger seit langem zu kennen, und einem Gespräch mit ihm die Antwort erhalten zu Ein Diebstahl liegt nicht vor. Reichsminister '^Esberts erklärt, daß er sich an die Vorgänge, die mch 1916 um die Steuervorlagen drehten, nicht mehr Innere. Zur Juliresolution bekundet der Zeuge, er habe T® Ergehen ErzbergerS nicht als einen Vorstoß ange- Mg. Auf weiteres Befragen erklätt der Zeuge, daß nur 7? engere Ausschuß der Zentrumsfraktion von den Ab- Men Erzbergers wußte, lieber die vertraulichen Ver- MiLlungen des Parteitages des Zentrums in Franks» tt i®«. lehnt der Zeuge jede Auskunft ab, da sich alle •^Menben ehrenwortlich zum Stillschweigen tier- FWet hätten. Minister David führt aus, die sozial- ^»krattsche Partei habe 8kthmann Hollweg eiffgehend "^errichtet über die im Volke herrschende Mißstimmung, hab« eine klare Erllärung über die Kriegsziele gc« Ebert habe erklätt, das Volk hätte jede» Sei« zur Regierung verloren; es müsse reiner Tisch ^Waffen werden. Der Vorsitzende faßt die Stu»-- ?k Davids dahin zusammen, daß er den Vorstoß Erzlagers nicht als etwas betrachte, auf das die Regie- tt*l3 gefaßt sein mußte. David erklätt, er wisse nicht, Regierung wissen mußte, daß diese Aktion gerade fe/.,^sberger ausgehen toerbe, aber die Regierung sei -aber unierrichttt gewesen, daß eine sehr kritische Situa- ^vorhanden war. Giesberts erllätt zur Frage ^ieuervorlagen, einer Aeußerung ErzbergerS, daß tz^^eichskanzler auf die Durchführung der Vorlage j^/11 lege, würde er sich unbedingt erinnern. Eine Aeußerung des Reichskanzlers wäre, wenn er $ tpy:t hätte, seinem Gedächtnis gewiß nicht entfallen.
-rich fragt Erzberger ,ob es ttchtig sei, daß vor
sserigt knttn und inwieweit Janke in Betracht käme, die Ant- Apo* lagss*
Der Anzeigenpreis beträgt für bi« 8ge|p. Zeil« 50 4, mntllcke unb auswär. er Nge 60 , Reklamezeile 1.50X Zu allen Preisen 10«!. Aufschlag, leber Rabatt gilt $3. -Lllylg, ol» Barrabatt. Be Auskunft durch die De,chäftsstelle u. Vermittlung der An. IAaa geböte 25 J Sondergebühr. — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. M 1VC\)