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mit dem Kreisblatt für de» Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

DieOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Der

Marburg

Univ Buchdr. von Ioh. Ang. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher SS.

Vrttes Blatt

Die erwähnte Rede gegen

schriftlichen Bescheid/

ErzberztrS Rede» als Prapagandamittel.

Die Deuischnational« Fraktion der Nationalversmuw- lung hat folgende kleine Anfrage eingebracht:Der Reichsfinanzminister versendet an die LandcSfinanz- Smter in größerer Anzahl eine Schrift, 136 Seiten um­fassend, mit 16 Reden, die er in der Nationalversamm­lung gehalten hat. Wer zahlt die Kosten für Herstellung und Versendung dieser Schrift? Die Natio­nalversammlung hat lediglich bewilligt, daß die Unkosten der Verbreitung einer gegen Herr« v. Gräfe gerichteten Rede aus Steuermitteln gedeckt würden. Besteht die Absicht, auch die Reben anderer Reichsminifier auf Ko­sten der Steuerzahler zu verbreiten? Wir erwarten

Herrn b. Gräfe ist tatsächlich nicht öffentlich verbreitet worben. \

Kundgebungen für Herrn v. Bethmann Hollweg.

Berlin, 27. Febr. Als Herr v. Bethmann Holl­weg gestern, Abend da» Gerichtsgebäude verließ, begrüß­te« ihn einige 100 Personen mit Hochrufen, offenbar aus dem Gefühl heraus, daß selbst Herr v. Bethmann Holliveg im Vergleich zu den heutigen Staatslenkern im­mer noch ein Mann von Größe und Bedeutung war.

' "w* Bezugspreis beträgt monatlich 2,50 A. frei in» HauS; durch die Post

e/fju uv 2.50 «. ohne Bestellgeld Verlag von Dr. (L tzitzeroth. Druck der OO /6*r****l

Univ .Buchdr. von Job. Ang. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher SS. SNIUN», *o. JtWIW

Em neuer ffnedensvorschsag MenchlandS.

wb. N e w y o r k, 27. Febr. Der Korrespondent desNew York Herald" meldet aus Washington, daß ein offizielles Telegramm einen neuen Frie­densvorschlag Sowjet-Ruhlands an die Erohmächte enthält. Die Sowjetrcgierung verpflichtet sich, in Rußland eine demokratische Politik einzuführen und das Parlament einzuberufen. Sie verspricht, das Dekret, das die russische auswärtige Schuld auslöscht, zurückzuziehen und diese durch Sowjet- ruhland anzuerkenne».

Mitt MMI»N|WÄW.

142. Sitzung vom 27. Februar»

Auf eine Anfrage Nuschle (Dem.) wird geantworkei, die Jnstandsetzungsarbeite« a« Kraftwagen der Reichs­wehr konnten nicht weiter dem in Auflösung begriffenen Reichsverwertungsamt überlassen bleiben. Die einzeln« Kommando» nehmen diese Arbeiten vor, ohne daß dadurch eine Verteuerung entsteht.

Auf eine Anfrage Irl (Z.) wird geantwortet, daß bei der Beschaffung von Kleidungsstücken für die Ent­lassenen de» Heere» das Handwerk nach Möglichkeit berücksichtigt wird.

Auf eine Anfrage Mumm (Deutschnatt.) wich «b* antwortet, daß wegen der schwierigen Vermögenslage die LandesversicherungSanstalten und sonstige Anstalt« in der Erfüllung ihrer Verpstichtungen gehindert find und daß da» Reichsarbeitsministerium einen Ao» fetzentwurs vorbereite cher der Nationalversammlung in nächster Zeit zugehen wird.

Auf eine Anfrage Frau Dr. Schirrmacher CB, Ntl.) wich geantwortet, daß die Regierung alle» getan habe, um die schleunige Heimschaffung der deutsch« Kriegsgefangenen au» Japan zu betreiben. Mehrer« Transporte sind bereit» angekommen, andere sind mtter- wegs.

Auf eine weite« Anfrage Frau Dr. Schirrmacher (Deutschnatl.) wich geantwortet, daß die Regierung bet der französischen Regierung Vorstellungen dahin erhob« habe, daß für jeden lebend eingebrachten Flüchtling bet deutschen Gefangenen 25 Franken, für jeden Wien ein­gebrachten aber 50 Franken gezahlt werden.' Eine Ant­wort sei nicht erfolgt. (Hört! Hört!) Die Vorstellung« seien in dringender Form wiederholt worden.

Auf eine Anfrage Frau Zietz (Unabh.) wich geant­wortet, daß der größte Teil unfertr internierten See­leute aus Indien hier eingetroffen sei. Alle» Nötige sei veranlaßt, um bit weitere Heimschaffung zu beschleu­nige«. An Influenza seien über 600 Personen ans den Transporten gestorben.

Auf eine Anfrage Dusche (D. Vvt.) wird geant­wortet, daß die Regierung zur Linderung der Notlag« der Flüchtlinge au» Elsaß-Lothringen da» Mögliche tue und weiter tun werbe.

Auf eine Anfrage Kennegott (Soz.) wich geant- lvortet, daß Ledersendungen in» Ausland nur in beschränk­tem Maße gestattet sind, und zwar nur von eingefübrt« Rohhäuten, nicht aber von einheimisch« Rohhäuten. Ein gewifler Prozentsatz 75 Prozent Leder au» eingelührten Häuten darf auSgeführt werden, damit wir Devisen bekommen.

Es folgt die zweite Beratung de» Entwurf» einer

Reichseinkommensteuer.

Mit der Beratung be» gl wich eine allgemeine Aus­sprache verbunden.

Abg. Blunck (Dem.) al» Berichterstatter bezieht sich auf den schriftlichen Bericht. Dazu sei eine große Reih« von Eingaben eingegangen. Eine folche der rheinisch­westfälischen Handelskammer prottstiert gegen die Neber« hastung bei der Behandlung de» Gesetze», die eine sachliche Prüfung unmöglich mache. Demgegenüber fei zu sagen, daß diese» Gesetz seit btti Monaten bekannt sei« Die Nationalversammlung habe keineswegs die Steuer- gesetze überstürzt. Der Ausschuß habe die vielen Ab- Snberung&inträge auf das genaueste geprüft.

Sonnabend INHr: Fortsetzung. Schluß gegen 5 Uhr.

, Ein Irrtum.

wb. Belgrad, 28. Febr. Aus Split wird ge­meldet: Der neue südslawische Gesandte für Spa­nien wurde auf seiner Reise nach Madrid, wo er seinen Posten antreten wollte, in Zara von ita­lienischen Karabinieri festgenommen. Der sofort herbeigerufene Kommandant der Truppen setzte den Gesandten nach Prüfung seines diplomatischen Passes und nach einer Entschuldigung in Freiheit.

Mill Mi iie iliMaot

Der Standpunkt Wilsons.

tu. Haag, 28. Febr. Aus Washington wird gemeldet: Der Notenaustausch in der Adriafrage ist am 27. Februar veröffentlicht worden. Die Hauptstreitigkeiten des Präsidenten Wilson mit >en Verbündeten betreffen Fiume und Albanien. In seiner Note vom 24. Februar sagt der Präsi­dent, daß der Vorschlag, Fiume mit Italien durch einen schmalen Gebietsstreifen zu verbinden, un­annehmbar sei, da er glaube, daß S^eitig- feiten die Folge fein würden, wenn Fiume an Italien übergehe, liebet Albanien sagt Wilson, daß die Vereinigten Staaten ebensowenig ein Un­recht Albanien gegenüber zum Vorteil der Süd- flawen dulden würden, als ein Unrecht Serbien gegenüber zum Vorteil von Italien. In Bezug auf den Londoner Vertrag erklärt Präsident Wil­son, daß dies eine Frage sei, die nur von Fran- wsen und Engländern im Zusammen mit deren Verpflichtungen beurteilt werden könnte. Rach Ansicht des Präsidenten haben die Schwierigkeiten zwischen den Mohammedanern und der christlichen Bevölkerung zugenommen. Der Präsident lenkt die Aufmerksamkeit auf den Zusammenbruch Oester­reich-Ungarns und verschiedene andere Umstände, die vielleicht eine Aenderung im Vertrage zustande bringen könnten.

Lloyd George und Millerand schlagen neue Ver. handlangen vor.

wb. L o n d o n, 27. Febr. In der Antwort auf die letzte Note Wilsons ziehen Lloyd George und Millerand ihre Vorschläge vom 29. Dezember 1918 und 20. Januar 1919 zurück. Sie ersuchen den Präsidenten Wilson, sich ihnen anzuschließen und gemeinsani die italienische und südslawische Regie­rung einzuladen, um gegenseitig zu verhandeln. Die Verhandlungen sollen auf den zurückgezogenen früheren Vorschlägen beruhen. Sollte dieser Vor­schlag scheitern ,so müßten die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich neuerdings die Frage gemeinsam prüfen. Hebet den Londoner Vertrag besagt die Antwort, daß die italienische Regierung mit der englischen und französischen Re­gierung verhandeln wird, um anstelle des Lon­doner Vertrags ein Reglement zu setzen, das dazu angetan wäre, Italien und Südslawien zufrieden zu stellen. Die Verbündeten wünschen dieses Reglement verwirklicht zu sehen.

MnWk LMdmnsmmlMg.

124. Sitzung vom 27. Februar.

Zur Beratung steht der Antrag EchmebdinE aus Bewilligung von Baukostenzuschüssen zur Be­kämpfung der Wohnungsnot.

Ein Regierungsvertreter weist darauf hin, daß der Antrag schon au» dem September vorigen Jahre» stamme. Seitdem sind sehr große Reich»-, Staats- und Gemeinde­mittel zur Milderung der Wohnungsnot zur Verfügung gestellt worden. Davon entfallen auf Preußen nicht weni­ger als 705 Millionen Mark. Der Antrag bürste baa durch überholt sein.

Abg. Dr. Heß (Z.): Die Aufbringung weiterer Mittel wird, wie ich höre, in der Weise geplant, daß eine ,

Besteuerung der Mieter !

nach der Zimmerzahl erfolgen soll. Da» wäre nicht un­bedenklich, denn e» ist nicht gesagt, daß der Inhaber einer größeren Wohnung der Leistungsfähigere ist. E» wird wahrscheinlich die Leistungsfähigkeit in erster Linie mit zu berücksichtigen sein.

Abg. Budjuhn (Deutschnatl.): Ich zweifle, daß bfe bisherigen Baukostenzuschüsse immer richtig verwandt wov« den sind. Di« Mietersteuer würde den Stempel der Un­gerechtigkeit an sich tragen. Die Regierung muß Stellung nehmen gegen die fortgesetzte Preissteigerung der Baustosfe und gegen da» Schiebertum. Die Aus­fuhr von Holzsabrikaten sollt« grundsätzlich verboten werden.

Abg. Wende-Brvmberg (Soz.): Der letztere Vor­schlag würde darauf binauslaufen, daß Holz, Kohle und Eilen in Zwangswirtschaft genommen werden. Die Miet»- steuern würden im höchsten Grade schädigend wirken«

Abg. Schümer (Dem.): Auch wir haben gegen die Mietssteuer die schwersten Bedenken.

Rach weiterer Aussprache wird der Antrag als erledigt erklärt. Es folgt die Beratung des Antrages Porsch IZerttr.) ans Eiujühruug eines euriä-riger» MchtmSIs«

für Deutschland ist, hat dazu geführt, daß England jetzt ebenfalls Rohstoffkredite an Deutschland zu gewähren sich bereit erklärt hat.

Da» alle» sind freillch nur Zukunft »Hoffnun­gen. bet benot zudem politische Strömungen eine Hauptrolle spielen, deren Weiterentwicklung ungewiß ist. Deutschland darf sich « t ch t auf die Gegenfätze innerhalb der Verbündeten verlassen, ei mutz bot allem die Vor­aussetzung für eine internationale Hilfsaktion schaffen, indem e» seine Fincmzverhältnisse klar und übersichtlich gestaltet. Wir brauchen nicht nur dir Roh­stoffkredite, die btt Valutakommission jetzt auf Grund des Arttkels 255 bei Friedensvertrages verlangt, wir brauchen wieder internationalen Kredit. Den aber können wir nur erlangen, wenn unser Wirt­schaftsleben und unser Finanzwesen weithin sichtbare Anzeichen der Gesundung erkennen lassen. Der Tiefpunkt der Krisi» scheint überwunden zu ehr, aber die immer noch dauernde Krisi» endgülttg zu überwin­den, dazu gehört die Mitarbett aller Kreise de» Bolle».

Krzbmn.

DerBäherisch« Rttriet", da» führende Organ bet Bähe rischen Vollspartei, bestätigt in einer Berliner Meldung, bah Reichsfinanzminister Erzberger spätesten» unmittelbar nach der Beendigung de» Helffrrich-Pro- zesseS zurücktreten wird.

In polittschen Kreise« verlautet, daß die Rechts­parteien in der Nationalversammlung Erzberger nicht mehr zu Wort kommen lassen würden. Eine Gefahr bilde auch die Weigerung der Beamte» der NeichsfincmzministcriumS, weiter unter Erzberget ihr Amt zu versehen.

Die Regierungsparteien haben bisher noch nichts unternommen, um Erzberger zum Rücktritt zu veran­lassen. Umso mehr nehmen die Stimmen wenigstens aus den Reihen der Mitglieder und Anhänger einer der Regierungchxirteien, der demokratischen Partei, zu, die darauf drängen, dass Erzberger au» der Regierung ouS- scheidet. So schreibt im Anschluss an einen Bericht ihrer Berliner Redaktion über die vorläufige Amtsenthebung ErzbergerS die demokratischeMagdeburgische Zeitung": .Wir meinen, daß die Regierung besser politischer gehandelt hätte, wenn sie schon v o r der Steueraffäre demdickhäutigsten Deutschen" nahegelegt hätte, von seinem Posten als Reichsfinanzminister zurückzutreten ober noch besser, wenn sie keinen Rücktritt er < zw» »gen hätte. Da» Urteil bc3 Gerichts hat unser? Erachten» nur noch für Herrn Helfferich Bedeutung. Das allgemein« Urteil über Herrn Erzberger als politt- schen Gschaftlhuber unangenehmster Sorte ist bereits gefällt, seitdem di« erste schwerwiegende Beschuldi- qung im Prozeh Hellsserich erwiesen war. Danach hätte die gesamte Reichsregierung die formal-juristischen Zwirnfäden mit fester Hand zerreissen und aller Welt vernehmbar erklären müssen: Mit einem so gearteten Kollegen" hat eine deutsche Rerchsregiernng nichts gemein. DaS wäre unserS Erachtens den Umständen angemessen und noch dazu politisch klug gewesen."

Die Nachricht berKöln. Ztg.", dass Dr. Iöhkiv.- ger als Nachfolger für Erzberget im Reichsfinanz« miniftftrium m Aussicht genommen sei, beruht auf einer VerlvechSlung. Dr. Iöhlinger kommt für den Posten Erzberger» nicht in Betracht.

wb. P a r i s, 27. Febr. Der Minister des Aus­wärtigen verösfentlicht den Wortlaut einer Reihe diplomatischer Aktenstücke über die Verhandlung der Verbündeten in der Adriafrage.

wb. Washington, 28. Febr. Die Antwort Frankreichs und Großbritanniens in der Adriafrage ist hier eingetroffen.

Die Vorbehalte des Senats.

tu. Haag, 28. Febr. Aus Washington wird gemeldet: Der Senat hat fast einstimmig den republikanischen Vorbehalt zum Friedensvertrage angenommen, wonach die Vereinigten Staaten die Mandatspflicht nicht übernehmen. Hitchcock er­klärt, daß sich die Demokraten gegen diesen Vor­schlag nicht sträuben werden.

Zum Besuch der Leipziger Messe treffen am Sonn­tag Reichskanzler Bauer, Reichswirtschaftsmiriister Schmidt, Berkehrsminister Bell, der sächsische Minister Gradnauer unb bet sächsische ArbeitSminister Heldt ein.

R in Ilchml! üenmitn?

Rach bett schweren, dunklen letzten Monaten ist jetzt j» etwa» wie ein Lichtblick in die Erscheinung getreten. ftue Hoffnungen steigen auf, und sogleich regt sich auch Mue LnternehniungSlust. Ist e» nur die Reaktton auf le« borangegangenen Pessimismus oder ist der Tief« jenft der polittschen und wirtschaftlichen Leidenszeit Deutschland» überwunden? Diese bange Frage beherrscht pt Zeit di« öffentliche Erörterung, sie beherrscht auch je» Geschäftsleben. Die neuentstandenen Hoffnungen lauen sich auf zwei Hauptmomente auf: auf bett AuS- sthte^auf eine Steigerung ber brutschen «ohlenerzeugung und aus Anzeichen für ei* fiinlenken der Gegner in der Frage der Wirtschaft­fiche» und finanziellen Forderungen an Deutschland.

, I« bett Kohlenrevieren hat sich nach Abschluß de» Heuen Tarifvertrages eine Steigerung der Arbeitslust eingestellt. Auf einer großen Anzahl von Zechen haben W die Bergarbeiter bereit erflärt, lieber- und Neben« ßhichwn zu fahren. Bei den Verhandlungen be» Reichs- fimzlerS mit den Vertretern des Bergbau» fhtb be­stimmte Vereinbarungen getroffen worden, die dahin- gehen, daß die Bergarbeiter gegen Lohnerhöhungen unb »kgen Steigerung ihrer Lebensmittelrationen wöchentlich Gwei halbe lleberscbichten fahren. Eine derarttge Schicht- berlängerNng würde, unter der Voraussetzung, tzsß die Arbeitsleistungen nicht zurück- tzehen, eine Steigerung der Kohlenförderung um etwa 1 Millionen Tonen im Monat bedeuten. Sollte es ge« Äigen, diese Vereinbarung auch auf Oberschlesien auS« pdehiwn, so könnte eine' Mehrerzeugung von 3040 Millionen Tonnen Kohle im Jahr erreicht lvcrden. Wir Knute« also wieder auf die monatliche Förderung von etwa fiL8 Millionen Tonnen kommen, die wir in der Vor« Megszcit hatten, während augenblicklich im Monat etwa MWone» Tonnen gefördert lvcrden. Gelingt er Ans. dank der Einsicht der Bergarbeiter dieses Ziel zu Hcrerchen, fe würden von dieser Steigerung der Kohlen- rrzeugun» günstige und verheissungsvolle Rückwirkungen tof da» gesamte Wirtschaftsleben ausstrahlen. Leidet kdj zur Zeit das gesamte Erwerbsleben, die Industrie, tza» Transportwesen, die Landwirtschaft unter einem schweren Kohlenmangel. Dieser Kohlenmangel hat am allermeisten zu der Preisrevolution nach oben sieigetragen. Bringt doch noch jetzt jeder Tag neue Still- bgungen von Werken. Der Produktionsprozeß wird so immer wieder unterbrochen unb durch irrationelle Be- fricbSmeHoden verteuert. Eine Erhöhung der Kohlen- trzcaguiig wurde sofort auch die Produkttonsfähigkeit Eer Übrigen Industrien erhöhen unb gleichzeitig tzkcbilligen. Dem Mangel an wichtigen Bedarfsgegcn- siöndcn int Jolande könnte abgcholfon werden, und die brutschen Exportindustrien, die jetzt trotz der Fülle von Auslandsaufträgen vielfach zum Feiern verdammt sind, Knnten zur Vermehrung unserer Auslandsguthaben und »«durch zur Erleichterung und Verbilligung der Einfuhr »art Lebensmitteln und industriellen Rohstoffen beb fragen. Eine Erhöhung der Kohlenerzeugung würde <6et auch zur Vermehrung der landwirtschaft­lichen Produktion führen. Charaktettstisch für die Hoffnungen, die man in der Industrie in bezug auf die Preisfrage an die Kohlenprodukttonserhöhung knüpft, ist fre Tatsche, dass ber Stahltverksverband angesichts bet Abmachungen mit den Kohlenarbeitern beschlossen hat, dir Preise unverändert zu lassen, tveil eine Verbesserung frt Kohlenförderung eine Stärkung der deutschen Va- und dadurch eine Verbilligung der Roh stv ff beschrift fr»g, insbesondere der Erzbeschaffung, herbeiführen frürbe. Zweifellos wird ein günstiges Ergebnis der sieberschichlen auch dem deutschen Kredit sehr förderlich frin. Schon jetzt zeigt sich auf diese Entwicklung hin eine gewisse E r l e i ch t e r n ng in der Beschaffung von auS- Kubiidkn Lebensmitrc lkre ditcn, nachdem in der letzten 'sieh ausländische Regierungen vielfach sich in dieser putschen Lebensfrage ablehnend verhalten haben. Als greulich zu buchen ist auch die Tatsache, daß auch außer« N» bei Kohlenbergbaus die Intensität und die Genauig- N be( Arbeit sich gebessert hat. Freilich mutz abge« irrtet werden, ob die radikalen Hetzer, di« jede Vet- frchnmg der Arbeitszeit bekämpfen, nicht wieder neue frühen Hervorrufen werden. Nicht außer Acht zu lassen auch bie Tatsache, daß Frankreich nach tote vor auf te<IHefe Erfüllung der deutschen Kohlenlicfe- ^SSverpflichtungen besteht. Und schließlich ist auch da» Schicksal des oberschlesischen Kohlengebie- "» noch immer ungewiß.

DK Hoffnungen auf eine Revision des Vertrage» von ^rsailles stützen sich auf da» plötzliche Dazwischen treten Bereinigten Staaten. Die für eine Milderung der ^rtfchaftNchei, und finanziellen FriedenSbedingungen freien hen amerikanischen Politiker vertreten den ^"dpunkt, daß eine solche Milderung die voraus« IshUng für den Wiederaufbau Deutschland» sei, ohne ba« wirtschaftliche Leben Europa» nicht wieder auf 7* gesund« Basis zurückgeführt werden könne. Die ^rikantsch« Bundesregierung hat insofern auch für I? Wiederaufbau Deutschlands eingegriffen, als sie auf ?^nfaffung der amerikanischen Südstaaten eine Art stantie für amerikanische Lieferungen in Getreide und ^-muvolle an Deutschland übernommen hat. Aber auch . engfanti treten maßgebende Kreise für eine Revision hebens ein. Die Handelsrivalität zwischen den ^2y*Wßten Staaten und England, die vielleicht mit Dcund für da» Eintreten der Vereinigte» Staaten

ffrankreich.

wb. P a r t», 28. Febr. Im Laillaux- Pro« z«ß erklärte Caillaux weiter, von Bourgeois über seine Polittk vor 1914 befragt, Frankreich habe nach dem Ma­rokkoabkommen von 1909 bi» 1911 in steter Gefahr ge­schwebt. Caillaux gab hierauf eine Darstellung über seine Kolonialpolittk und sagt«, daß et und DelcaffL da­rin einig gewesen seien, mit Vorsicht und Klugheit zu handeln. Zu den Richtern gewandt, sagte Caillaux: Glauben Sie, daß, wenn ich im Jahre 1911 für Frank­reich nicht ein wenig Zeit gewonnen hätte, der nach dem Angriff von 1914 erfolgte Sieg wäre möglich ge­wesen?" Der Angeklagte schloß seine Darlegungen mit den Worten:Man kann mein ganzes Leben nachschauen, mau wird nur Liebe -um Vaterland findens"

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