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mit dem Kreisblatt für de« KrclS Marburg

Tageszeitnng für (das früher knrhefsische) Oberhessen

Die .Obrrheisil»« Zeit»««- erscheint sechsmal Wöchentlich. Der MK 09 Bej»«,pr«i, detriet »»««tiich 2,60 X. frei in« H»»«; dnrch di« P»A e/lX UD 1.50 «. »Ine «eüelgtl« - »*tl<« Dr C. Stieret» Druck »er Univ » Buch«», wen I » h. An«. Red;. Warft 21/21. 56.

Marburg

Montag, 9. Februar

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Der »njeiqenvret, betriqt fir vir l«ei» Zeile 60 4, retbcfcr mb «»«war- tia« «) , Reklamereile 1.60 X. Zu ollen Presen 5«. «ufschl«,. Hetzer Neben »ili «l» Derrebett. Br U«»k«nst durch .»ir Grschiiteltellr n. Brrmiitlune ber An. gebet» 26 4 Le«ber,r»tzr. Peftscheckkeute: Ar. 6C16 Mett Frenkiert a. M.

55 Iakrz« 1920

Die Auslieferungsliste überreicht.

Sie MtitlMtu.

Wb. Berlin, 8. Febr. Am Sonnabend den 7. Februar überreichte in später Mendstunde der sran- JSslsche Geschäststräger dem Reichskanzler Bauer die AuLlkefcntngsliste mit der unveränderten Begleiinote. Ter Note war ein Brief an den Reichskanzler beigefügt. Sei Wortlaut der beiden Schreiben ist folgender:

An Sxrnt Freiherr v. Lersner, Vorsitzender der deutschen Friedensabordnung in Paris.

Paris, 3. Febr. 19*20. Derr Präsident!

In Ausführung des § 3 des am 28. Juni 1919 Unterzeichneten Protokolls beehre ich mich Ihnen im Namen der verbündeten Mächte ein Exemplar der von der britischen, französischen, italienischen, belgischen, rumä- «scheo und serbo-kroatischcn Regierung gemäß Artikel 223, Absatz 2 des Versailler Vertrages ausgestellten Liste |n überreichen.

3n der Aufstellung dieser Liste sind nicht alle die einvegrifsen, die sich im Laufe des Krieges als deutsche Neichsan>vöörige zahlreicher Verbreche» schuldig gemach» habe«. Die oben lxzeichncicu Regierungen habet» geglaubt schicklichenveise darin nur Personen ansiühren zu sollen, die entschieden die schwerste Bcranttvortung tragen. Tic «nsgeü'ihrte Zahl der Schuldigen blciül im.it zurück hinter derjenigen der von deutschen Staatsangehörigen' in Anwen- tang bei Gesetze und Gebräuche des Krieges begangenen NcchrsN'idriakeitc».

Es liegt nicht in der Absicht der genannten Regie­rungen. die Verbrechen derjenigen zu amnestieren, die in die beigefügte Liste nicht mit einbegriffen sind. Tie vor- HsgetAmi Mitteilungen berühren in keiner Weise das Recht der verbündeten Staaten, diese außerhalb des deut­schen Gebietes zu erfassen.

Di« obenbezeichncten Regierungen behalten sich vor. Km der veutschen Regierung, so loie dies in Artikel 23V de« Vertrages vorgesehen ist. Urkunden und Auskünfte von denjenigen Akten zu verlangen, deren Beschaffung zur bollständigen Aufklärung der strafbaren Handlungen, Er- 'mittekimg der Schuldigen und zur genauen Abschätzung ier Strafbarkeiten für erforderlich erachtet werden sollten.

Eine ivritcre Mitteilung nterDen Sie in Beantwortung Ihres Schreibens Nr. 88 (gemeint ist die Note des Herrn ».Lersner iv der Auslieferungsfrage vom 25. Jan. 20) Mr Umstände wissen lassen, unter denen die verbündeten Mächte die Bcstimmungei» deZ Fricdensvertrages über diese Punkte ausaeführt zu sehen wünschen.

j-i Genehmigen Sie, Herr Präsiocnt, die Versicherung ; Wtintr H ochachtung.

gcz. A. Millerand.

*

Paris, 7. Febr. 1920. Herr Reichskanzler!

Zn Ausführung der Artist 228230 des Vertrages Wtt Berstiilles und gemäß §3 des Protokolls vom ! 28.2.19 habe, ich in meiner Eigetischaft als Präsident iln Früdenökonferenz am 3.2. Herrn v. Lersner, dem Nerftvenden der deutschen Friedensabordnung im Name»» der verbündeten Mächte ein Exemplar der von der eng« Nckeu, sranzösischcn, italienischen, belgischen, rumänischen, sterbo-krootiscben und polnischen Regierung anfgestelltcn Liste »'^gestellt. Für diese Listen war auch eine Frist > es fei dieses besonders bemcrft festgesetzt, daß nach (Brtfxne der im Brief Nr. 88 des Vorsitzenden der deut« fchen Abordnung (gemeint ist die deutsche Note in der Aus« Leiernngssrage bum 25.1.20) entscheidenden Erwägungen ter weiter« Mitteilung die Bedingungen wissen lassen würde, unter denen die verbündeten Mächte die 6etreffen« kcx Bestimmungen des FriedeusvertragcS erfüllt zu sehen WLnchen.

t -etr v. Lersner hat xtus diese Mitteilung mit dem Bries geantwortet, dessen Abschrift beiliegt.

) Di« Mächte haben daran nicht gezweifeü, daß die Pvndlung be3_ Herrn v. Lersner eine persönliche Kund- Behang war, für die die deutsche Regierung keine Ber- -«ntwortung trägt. Sie habe»» in der Tat nicht annehmen Butten, daß diese Regierung sich der Verpflichtung tz» entziehen beabsichtigt, die sie durch die Unter­zeichnung des Vertrages von Versailles einge-- Ä«ngen ist und daß sie nach weniger als einem Monat Wach Inkrafttreten des Vertrages sich vorsätzlich weigert, «i»e wesentliche Bestimmung deS Vertrages M erfüllen.

!. Ich habe also die Ehre, dieses Exeinplar und die Liste, kt Herr v. Leisner in Empfang zu nehmen sich geweigert fcti, überreichen zu lassen, sowie den Brief, der ihr bei* ►Wt wat. Dieser Brief ist vo>n 3. Febr .datiert. Tie Mächte leben demnach die durch das Protokoll vom M.Ü.20 bestimmte Frist eingehalten.

t twjinsn Sie. Herr Reichs kanzlest, die Versicherung lbCMwt «a^«zeichneten Hochachtung

gez. Mille rand,

Präsident der Fnedenskonferenz.

- M. fier (in, g. Febr. Ter deutsche GeschäftS- A^üer für Bari» Dr. Mayer wird am Dienstag nach Dari« Greifen.

kg. Berlin, 8. Febr. Die AuSlieferungslifle um­faßt mehr als 190 Schreibmaschinenseiten, in der auch die Vergehen angegeben sind, die den Beschuldigten zur Last gelegt werden. Mit der Uebertragung der Ueber- setzung ist sofort begonnen worden, doch ist kaum damit zu rechnen, daß heute oder morgen der Inhalt be­kannt gegeben werden kann. Das Beweismaterial ist in beit meisten Fällen der Tod oder das Wort Plünderung.

Sotiinüi Mut Mit SntnurL

,Die Mitwirkung des Parlaments beschlossen.

Wb. Berlin, 7. Febr. Die ReichSregierun, batte honte eingehende Besprechungen mit den FraktianSvar- standeu der Nationalversammlung. ES würbe festgestellt, daß die Frage der Auslieferung nur unter Mitwir­kung de« Parlament» gelSst werden könne.

Wb. Berlin, 8. Febr. Die gestrige Besprechung zwischen den Frakttonsvor fitzenden und der ReichS- regierung wurde heute fortgesetzt. Auch der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten wird heute zusammen­treten. Daß eine Antwort von deutscher Seite auf die Note, die mit der Auslieferungsliste überreicht wurde, schon in den nächsten Tagen erteilt werde, ist unwahr­scheinlich. Man wird vielmehr abwarte«, bis die Ant­wort der Verbündeten auf die deutsche Rote vom 25. Januar eingegangen ist. In der gestrigen Aussprache der Regierung mit Vertreter« der ihr nahestehenden Parteien trat die Anficht in de« Vordergrund, daß die EinberufAng der Nationalversammlung erst dann be­schlossen werde« kann, wenn die Antwort der Verbünde­ten auf bte deutsche Note vom 25. Januar vorliegt.

Erzberger hofft auf daS Einsehen der Gegner.

Wb. Berlin, 8. Febr. Reichsminister Erz- Berger erklärte dem Berichterstatter der2?ailh Mail" in einer Unterredung, daß die Auslieferung eines Deutschen unmöglich sei. Die Regierung und das ganze Volk seien in diesem Prnkte völlig einmütig. Er 6offc bestimmt, daß die verbündeten Negierungen von ihrem Auslieferungsplane 91B ft a n b nehmen loerden.

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Bezeichnend für die Gedankengänge innerhalb der Regierungsmehrheit ist, was die .Germania" schreibt. Sie erklärt,es könne zugegeben werden, daß der Verband ein Recht habe, bi« deutschen Kriegsteil­nehmer vor ihr Gericht zu fordern, die Straftaten be­gangen hätten".

MiLkrand Mr Zwanqsmaßnabnltn.

Wb. Pari-s, 6. Febr. In der Kammerredr sagte Ministerpräsident Millerand, es sei zweifellos be­dauerlich, daß Amerika den Vertrag noch n i ch k ratifi- zierhV habe, aber trotzdem habe die Wiedergntmach- ungskommission schon ihre Arbeiten begonnen. Be­züglich Deutschland erklärte der Ministerpräsident, es müsse 27 Millionen Tonnen Kohlen jährlich liefern. Die Deutschen verbrennten mehr Kohlen als die Fran­zosen. Das sei eine Lage, die er nicht annehmen könne. Der Ministerpräsident besprach me Mittel, über die man verfüge und die im Friedensvertrag vor­gesehen seien, um von Deutschland die Ausführung der Friedensveriragsklaufeln zu erlangen. Er verlas Ar­tikel 429 und sagte: Ich beabsichtige also, Deutschland zu benachrichtigen, daß im Falle offenbarer Richtaus- sührung seiner Verpflichtungen die im Artikel 429 vorgesehenen Räumungsfristen für aufgehoben er- klärc werden und nicht mehr laufen. Falls Deutsch­land seinen Verpflichtungen nicht nachkomme, werde man zu wirtschaftlichen und finanziellen Repressalien sowie allen anderen nützlich erscheinenden Maßnahmen greifen, ohne daß Deutschland das Recht habe, sie als einen feindseligen Akt ju betrachten. Milleraud fuhr fort: Ich beabsichtige also, wenn der Augenblick gekommen ist, mich dieser Maßnahmen zu bedienen, die der Vertrag mir an die Hand gibt, und ich erkläre von der Tribüne herab, ohne drohen zu wollen und nur deshalb, damit die Frage sehr klar und wohlverstanden werde, daß wir beabsichtigen, von Deutschland nichts $n verlangen, was es uns nicht aufgrund des Vertrages schuldig ist, daß wir aber alleverlangen werden, was es uns schuldet. Um dies zu erzielen, werden wir alle Maßnahmen tref­fen, die der Vertrag uns an die Hand gibt.

Wb. Paris ,8. Febr. (HavaS. ) Die gesamte Presse stellt mit Befriedigung fest, daß die Verbündeten der durch oen Zwischenfall des Herrn v. Lersner geschaffenen Lage ein Ende gemacht hoben. Wenn Deutschland seinen 8er- pflichtungen nicht nachkommen wolle oder könne, müsse Frankreich eine Kompensation verlangen.

Die Durchführung der Auslieferung.

kg. Paris, 9. Febr. Tie zweite Stott des Oberste« Rates der Verbündeten, in der die Bedingungen bekannt gegeben werden, unter denen die vereinigten Dtächte die Durchführung der Auslieferung in Aufsicht nehme«

wollen, ist nach Mitteilung des franzöfischen Geschäfts­träger» Sonntag abend au» Paris abgegangen.

ReisWAestMtühkl!» nutet -en Lnbm-et».

Eine euglisch« Sondernote?

irt. Pari», 7. Febr. TerEvening Standard" verbreitet eine Nachricht seines diplomatischen Korre­spondenten, daß die englische Regierung ihrem Ber­liner Geschäftsträger eine Note übermittelte, die er dem Reichsminister für Auswärtige Angelegenheiten Mül­ler überreichen fofie und die dem Reichsministerium seine» Entschluß erleichtern solle. Tas Blatt fügt hinzu, man dürfe nicht erstaunt sein, wenn einige Abänderungen an dem Auslieferungsverlangen vorgeuomen würden. Die Verbündeten seien nicht vollständig einig über den einzuschlagenden Weg. Der amerikanische und der japanische Delegierte, ebenso Lloyd George und Lord Curzon hätten sich vollkommen überzeugt von den Schwierigkeiten, die die deutsche Regierung erfahre. Aber Frankreich sei vollkommen anderer Meinung, während Italien einen zwischen beiden gelegene« Standpunkt einnehme. Diese Nach- ri$i verbreitet der Londoner Korrespondent desPetit Journal." i

Nach demEcho de Pari?" waren die beiden eng- tischen Beamten Bei der gestrigen Botichafterkonserenz beauftragt, die Meinung Llovd Georges vorzutragen. Die Sitzung dauerte von 5,30 Ubr an. Der Lordkanzler fpra ''ch-nicht weniger als 21/» Stunden allein.

Saint Brice imJournal" erklärt, das Wenige, was man sagen könne, sei, daß die öffentliche Meinung Frankreichs eine gewisse Ueberraschung über diesen llwischenfall empfinden werde, dessen Folgen in die Augen sprängen. DerMatin" veröffentlicht ein Telegramm derTimes", worin gesagt wird, es habe den Anschein, daß der englische Premierminister unter dem Eindruck der Meinung gewisser Kreise seine Ansicht geändert hätte und daß seine Meinung nicht mehr mit der ftan- zösischen Regierung übereinstimme. Auch Havas ver­breitet einen Auszug dieses Telegramms, worin getagt wird, Lloyd George sei der Ansicht, daß mgn die Aus- lieserungsliste ober den Modus der Aburteilung so abändern müsse, daß die Deutschen sie annehmen könnten.

Nach einem Privattelegramm aus London sagtDailv Chronicle", man wisse nicht, ob die veröffentlichte Liste sutreffenb sei oder nicht, aber was man sagen könne und zwar in sicherer Form, sei, daß, wenn die Liste stimme, sie niemals der britischen Regierung über­mittelt oder von ihr genehmigt worden sei. Sie sei absolut grotesk: wenn sie wirklich die sei, die der deutsche« Regierung vorgelegt wurde, so könne man über­zeugt fein, daß die interalliierte diplomatische Maschi­nerie, die ihre« Sih in Paris habe, wieder einmal eine unentschuldbare Torheit begangen habe. Ma« könne von keiner Regierung und keinem Volke ver­langen, daß sie 15 Monate nach Einstellung der Feind­seligkeiten, ohne ein Wort zu sagen, einen Mann ausliefere, der so feine Pflicht erfüllte wie Hindenburg. Wenn diejenigen, die im Namen der Verbündeten handelten, wirk­lich die in Frage kommende Liste oder eine Liste ähnlicher Art überreichten, bann müßten sie gründlich besei­tigt werden, ehe sich etwas Aehnliches wiederhole.

Lord Robert Beeil sagte nach der gleichen Meldung desIournckl" in einer öffentlichen Versammlung, die­jenigen chie die Kriegsgefangenen in Deutschland miß- bünbeli hätten, müßten bestraft werden, aber das wolle nicht besagen, daß es richtig sei zu verlangen, daß die Generale, Staatsmänner ober Prinzen nun gewisser­maßen in Massen auSgeliefert werden.

tob .Rotterdam, 7.Febr. DerRieuwe Rotter- damsche Courant" bringt aus derWestminster Gazette" einen Leitaussah zur Frage der Auslieferung, in dem es beißt:Jetzt, wo die Liste bekannt ist und Namen wie Hindenburg und Ludendorff enthält, ist es nicht schwer einzusehen, daß sie die deutsche Regierung in eine un­mögliche Stellung bringt. Kein zivilisiertes Ge- meinwesen mit nationalen Ueberlieferungen würde, wenn es im Kriege unterlegen ist, sich dem Begehren des Siegers fügen, tkgb*auf feine berühmtesten Generäle zu machen und Hand an sie zu legen und einem Gericht auszuliesern unter Anklagen, die voraussichtlich zu ihrer Verurteilung führen werden. In einem solchen Falle würde man stets auf passive Resistenz des Volkes stoßen." Das Blatt erklärt weiter: Die Forderung könne allein» durch eine militärische Tat überwältigender Art abgezwungen wer­den. k« sei klar, daß keine deutsche Regierung denk- >iat sei. die dem vertrage iu diesem Punkte Nachkommen könne. Jede Meeierung -hie dies versuchen wollte, müßte entweder durch passive Resistenz oder durch offenen Aus­stand p Grunde gehen. Die Frage sei in ihrer äugen- blickvchen Form nicht zu lösen, andererseits sei eS aber auch Mcht mügM jbie Forderung falle» tu lasse». Wenn

man zugestehe, daß Deutschland einen Strich durch bte Bestimmung deS Friedensvertrages ziehe, dann würde et auch versuchen, andere Bedingungen gestrichen zu er hafte«.

tob. Amsterdam, 7. Febr. Fast in bet gesamte» englischen Preffe findet die Auslieferungsliste keine Zustimmung.Daily Expreß" nennt sie einen gewaltige» Mißgriff. Die Sage fei setzt fo, daß entweder die Verbündeten Deutschland zwingen müßten und habet einen Sieg der Spartakisten riskieren, ober sie müsse ihren Standpunkt preisgeben, bann würde sie ihr gantet An­sehen und ihre Autorität verlieren. Als die einzige Lösung hält daS Blatt einen internationale» Gerichtshof in einem neutralen Lande.

tob. London, 7.Febr. Asauith sagte in einer Wahlrede: Meiner Ueberzeugung nach kann Deutschland die ihm auferlegten Bedingungen gar nicht erfüllen. Dieser Friede ifl nicht bet Friede, den wir berlanef haben* Von Deutschland werden wir nie mehr all zwei Milliarden Pfund erhalten können. Wir sollten vor allem den Betrag festsetzen, den Deutschland und Oesterreich uns für Wiedergutmachungen schulden. Die Wiedergutmachungskommission muß dem Vötterbund; unterstell werden und ihm müssen Vertreter der befreite»!

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Wenn sich die Nachricht über die englische Sinnes­änderung bestätigt, und eS kann kaum an ihrer Richtigkeit gezweifelt werden so würde eine (Int*, spannunginder Auslieferungsfrage die Folge fehl. Bolle Klarheit wird man gewinnen können, nachdem morgen in der Eröffnungssitzung deS Unterhauses Lloyd George seine angekündiglte große Rede über die europäische Lage und die englische Politik gehalten haben wird.

FtlHilM » 31*6* bereit?

Ei« VoruntersuchungSverfahre«. BarauSsetzun»: » Bereitwilligkeit zur Auslieferung.

Frankfurt a.M., 8. Febr. Wie derFranks, Ztg." aus Genf gemeldet wird, ist die französische Presse in den letzten 24 Stunden zur Erkenntnis ge­kommen, daß die Auslieserungssrage nicht durch et» Ultimatum im Stile Clamenceaus gefaßt werden latnu. Sie gibt nunmehr zu, daß die öffentliche Meinung Deutschlands einmütig die Auslieferung ab lehnt, daß die Regierungen der Verbündeten nicht meh» einig sind im Bezug auf die gegenüber Deutschland anzuwendenden Zwangsmittel. Deshalb ist eS auch' während der letzten Tage, auf der Botfchafterkonferenj zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen. Tie französische Regierung hat auS der Aufrechterhaltung der von ihr ausgestellten Liste eine Frage des Prestige» gemacht, sich aber schließlich Zugeständnisse ad« ringen lassen. TaS Kompromiß besteht darin, daß bte deutsche Regierung die Möglichkeit erhalten soll, i» Bezug auf diese Personen, die in der Liste der Bev« bündeten erhobenen Beschuldigungen zuentkrilfteich Den Angeklagten sollen weitechin alle gesetzliche» Schutzmittel zugesichert werden, insbesondere die Wahl ihrer Verteidiger und die Ladung von Entlastung-» zeugen. Bestätigen sich diese Angaben da Presse, s« soll der Prozeß gegen die sogenannten Kriegsschuldige» nicht sofott zu einet entscheidenden Gerichtsverhand­lung führen, sondern zu einem vorläufigen Bor- untersuch ung-verfahren, von dessen Ergeb­nis erst die Verweisung vor daS entscheidende Gericht abhängen würde. Dieses Verfahren hätte zur Vor­aussetzung, daß die deutsche Regierung zunächst ihre prinzipielle Bereitwilligkeit zur Aüsliefe-j rung bet schuldigen Personen zu erllären hätte. Sie Knute sodann an bet Voruntersuchung teilnehmen zur Verteidigung der Schuldigen. '

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Aburteilung der Aw»»nliefer,rde« im besetzter, w.iiet? | Es wird in der Presse davon gesprochen, daß bat Verfahren gegen bte Ange schuldigten vor einem deuttche» Gericht im besetzten Gebiet, etwa tu Köln, stattfinden soll. Ein solches Verfahren würbe sich aber praktisch kaum von einer^iu?Itefetuug unterscheiden, da, Deutschland im besetzten Gebiet über keinerlei Macht­mittel verfügt und die Angeschuldigten sich so gut wie in der Hand der Gegner befänden.

Koblenz, 7.Febr. Den Zeitungen im ftanzösisch besetzten Gebiet ist die Pwvaganda für die Grenjspende durch die französische Militärverwaltung untersagt worden.

Memel, 7.Febr. Zum Oberkommisiar für da» Feindgebiet wurde der englische General Bodrv er­nannt, der zwischen bem 12. und 14. fei« Amt über- , nehmen wird, während die Besetzung durch da» vorgo- , le bene Bataillon französischer Truppen am 1L erfolgen wird.

tob. Königsberg, 7.Febr. Das Wehrkrei-rom- nmndo teilt mit: Das ostpreußische «bstimmungsgebtet W. $dt dem LZebruar vollständig geräumt. ....