trli dem Kretsblatt für den KrelS Marburg
Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen
Die „OberdeisNLe Zeitung- eri*etnt sechsmal wöchentlich. — Der X Ql Bernasvreir deträat wenatli<6 ?,r0t X. frei >n! Hai»!: bat* die
•/IX VI 2.50 ». »bne Bestelyelb — «erlag non Dr L. fiitzerstd. — Druck ber Um» . Buchbr. v»n I » h. Ang. fi e <f). Markt 21/28. — Set»f»red&er 55.
Marbnrq
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55. Jshrß.
1920
Mol n has heuitot 8o'l!
1 Die RatssikatilmSurkunden, die der Welt den Frieden Dringe», find ausgrtauscht worden. Der Krieg ist zu Ende. Die Folgen des Krieges dauern aber in Gestalt Wn Armut und drückenden Lasten fort. Jeder deutsche Bürger muh seine ganze materielle und moralische Kraft «insetzen, um die Erfüllung der harten Pflichten zu etmög- Kcheu, die Deutschland durch den Friedensvertrag auf- gezwungen sind.
lieber diese Pflichten hinaus besteht aber noch die Weitere moralische Verpflichtung des ganzen deutschen Volkes, für die Opfer diesen entsetzlichen Krieges zu borge».
Zwei Millionen deutscher Männer haben in diesem Briege den Tod gesunden, Millionen Witwen, Waisen und Ikriegerektern sind durch den Krieg in tiefste Trauer »nd drückende Not geraten. Eineinhalb Million Kriegs- beschädigte haben ihre Arbeitskraft und ihr Lebensglück Danz oder teilweise eingebüht.
Deutsche Männer und Frauen! Vergeht die Krieger- fc. Witwen und -Waisen nicht, gedenket der Kriegsbeschädigten!
i AK die Blüte unseres Volkes hinauszog in die Bchr^km'ssr des Krieges ,habt Ihr ihnen freudig ziige- fubcü . Di« Hoffnung, baß für den Fall des Todes »der der Gebrechlichkeit ausreicheiche Hilfe bercitgestellt Werde, bat. Hinausziehenbcn und Zurückbleibendrn das Schiverste erträglicher gemacht. Seit die Waffen ruhen, hat sich jedoch in den ^Herzen der Kriegsopfer in flci» «rüdem Maße das bittere Gefühl geltend gemacht, als fei das. was sie erdulden Mühten und noch dauernd leiden ■tfificn. schon halb in Vergess-nheit geraten. Zwar find kdre Bezüge im Laufe der Zeit erhöht worden, jedoch in Durchaus ungenügendem Maße, so d'h Mangel i:v;s keueruna. die alle Volksgenossen bedrücken, doppelt schwer tuf ihnen lasten. Abermals ist eine enorme Teuerung Aller Lebens- und Bedarfsartikel ciwtrvten. Die ohnehin kckmn fterchtliare Not der Witwen und Waisen teirb budnrch bis zur Unerträglichkeit gesteigert. Das deutsche Bolt kann und darf aber nicht untätig znfelen, wie pFZiüüneen von Brüdern, Schwestern und Kindern in »och tieferes Elend, ans welchem cs kein Entrinnen «ehr tzibi, hinabsinken. Tatkräftige und schnelle Hilfe 8t erforderlich, um die in größter Not befindlichen VolksgeuoFen von dem wirtschaftlichen und sozialen Ruin
W rette».
' Die Regierung, die sich auf den Volkswillen stützt, Muß uus helfen, wenn das ganze Volk di« Bercitwillig- Irit snsspricht, jene Lasten zu tragen, die sich ans der Fürsorge für die Kriegsbeschädigten, Witwen. Waisen Aud Kriegereftern ergeben. Es ist nicht die Schuld der Roten imb ihrer Hinterbliebenen, nicht die Schuld der Kriegsbeschädigten, daß der Krieg einen unglücklichen >nsga«g genommen hat. Wir wollen auch keine Almosen, wir wollen nur die Pflichterfüllung der Allgemeinheit Wegen b« Kriegsopfer .die ihre Pflicht gegen sie mit ihrem Bff.-te und LebenSglück besiegelt haben.
SSir bitten die gesamte Bevölkerung,^ sich an den em 8.Februar stattfindenden Massenkundgcbun- tze» für die Kriegsopfer in Deutschland zu betritt ge» und dort den Willen des Volkes zum Ausdruck C bringen, die Kriegsbeschädigten und Kricgshinterblicbe- r-. unter allen Umständen vor dem Versinken in tiefste .Rot zn bewahren. Wir hegen zum deutschen Volke das «nerschütierliche Vertrauen .daß es dank seiner sittlickwn tnib moralischen Kraft gern bereit sein wird, die Opfer ß» bringe», die für die Erhaltung der Kriegsbeschädigten Wnd Kriegshintechliebenen erforderlich sind.
• Arr Kpfshchrser-Bund der dentt'chen Landes-
: | Kriegerverbändc.
jDer ZeniralverLaud deutscher KriegsbeschÄigter und Kriegcrhinterblicbener.
9er rnzet Mni« oeoea SeHM.
Berti». 6. Febr. Die heutige Verhandlung des Dropes Erzberger— Helfferich wurde mit dem Fall Bombrswsli ausgesüNt. Es handelt sich um einige Im „Berliner Tageblatt" erschienene Aussätze über eine Dkge»«rtiD« Finanztransaktion, die nach Behauptung tzÄsserrchS von Erzberger veranlaßt sein sollte. Zeuge El-ktzeni Dombrowski kann mit Rücksicht aus bas Redaktionsgeheimnis nicht angeben, von wem er biese fraglichen Aussätze erhalten hat, erklärt aber, daß jk nicht von Eezberger stamme». Darüber, ob Erz- Derger von dielen Manuskripten gewußt habe, könne et nichts sagen Justizrat v. Gordon erklärt: Es M uns unbekannt, daß Dr. Driesen, der Pressechef im «eichsffnanzministevum, den Aufsatz an Dombrowsski Keben hat. Dr. Driesen, seinerzeit Pressechef in der sfenstilkstandskommiffion, hat die fraglichen Schrift- Nücke von Geheimrat Hant—er erhalten und an Dom- »rowsti weitergegeben, weil er den Verfasser, der sich WoloniensiS unterzeichnete, als eine besonders vertrauenswürdige Persönlichkeit taxierte Geheimrat Hammer bekundet, daß ihm die Aufsätze persönlich Ptgescmdt seien. Der Finanzminister habe Kennt- Wis davon erhalten, daß die Schriftstücke eingegangen Ware». Er habe sie ihm aber ohne jeden Vermerk tarfi cf gegeben, woraus zu schließen gewesen sei, daß (ier Minister sich nicht dafür interessierte. — Nächste Mtzuny Montag.
Tie Anklage otfltn die AusMieftrnden.
Niemand bikiet seine Hand dazu.
Tie AiislltfttilUsfsriitrlnig.
Seine MgllAeil zn ihrer Selolgnno.
MintstererklLrungeu.
Wb. Berlin, 5. Febr. Reichswehrminister RoSke erklärte einem Berichterstatter der „Daily' Mail", daß er in der Auslieferungsfrage nicht daS Gering st e tun werde, um der Forderung der Verbündeten zu entsprechen. Tie Ausführung sei einfach unmöglich. In allen Aemtern werde passive Residenz geübt. Kein Polizei-Beamter würde in der Lage fein, einen der Auszuliefernden aufzugreifen und zwangsweise über die Grenze zu schaffen. Dadurch daß bei vielen Leuten die Pistolenkugeln sehr locker sitzen, könnte sedermann, der sich dazu hergeben würde, vorher sein Testament machen. Jeder Politiker, der in dieser Gelegenheit die Geschäfte der Verbündeten besorgen wollte, wäre für alle Zeiten unmöglich. Auch die Truppen würden dem Befehl. bei der Auslieferung mitznwirken, einfach nickt gehorchen. Aas Land würde in die schwersten Wirrnisse geraten. Er könne sich nicht vorstellen, wer regie- cen soll, wenn die Regierung zurücktrete* Eine parlamentarische Mehrheit sei nicht vorhanden. Auch die Nn- abhängigen Häfen keine Möglichkeit, die Auslieferung durckzusetzen. Wer die Auslieferustß vcrsuck)en würde, wurde den Bürgerkrieg enifefleln.
tu. Dresden, fi. Febr. Ministerpräsident Dr. G r a d n au e r erklärte auf Anfrage einem Vertreter der „Berl. Börsenzeitung", daß die Auslieferung Deutscher an die Feinde eine Fortsetzung des Krieges bedeute. Tie Feinde verfolgen damit den Zweck, aste Schuld auf Deutschland zu schieben. Er, der Ministerpräsident, könne zur Mitwirkung an der Auslieferung seine Hand nicht bieten; auch würde sich kein säckssscher Beamter finden, der etwaiger Weisung folgte. Man müsse den vorauszusehenden Zwangsmaßregeln der Verbündeten in ruhiger Entschlossenheit und Bereitschaft zu jedem Opfer entgegensetzen. Wenn man die schwere Probe bestanden habe, tonn« man wieder Hoffnung hegen.
Die Ukberrerchunq der Note.
I*. Paris, 5. Febr. (Savas.) Ein Sonderkurier hat am Mittwoch abend Paris verlassen, um die Liste der auszuliesernden Personen, in Berlin zu überreichen. Der Botschasterrat hat die Begleitnote nochmals beraten und den Text abgeändert: Die Note soll auf telegraphischem Wege übermittelt werden.
tob. Paris, 4. Febr. (Reuter.) Der britische Geschäftsträger in Berlin, Lord Kilmanrock, wird mit der Ueberreichiing der Auslieserungsnote an die deutsche Regierung beauftragt iverden.
Eine zweite befristete Rote in Aussicht.
kg. Genf. 6. Febr. Der „lemps“ meldet aus Paris, daß die deutsche Antwort auf die Auslieferungsliste innerhalb 14 Tagen erwartet wird. Erst nach Ablauf dieser Frist wird Deutschland eine zweite befristete Note erhalten, die jede Verhandlung ausschließt. Die Kommission für die Ueberführung der Deutschen an die Verbündeten weilt bereits in Berlin.
Di« Neutralen sollen Mitwirken. f'_
tu. Basel, 8. Febr. Es wird gemeldet, daß btt Liste ber anszuliefernden Deutschen tm Abzug an bte Regierungen ber neutralen Staaten übersandt würbe. Eine besondere Note ber Verbündeten wird kn neutralen Staaten noch zugcheu, in der die Festnahme und Auslieferung der auf ber Liste stehenden Deutschen, die sich eines Verbrechens schuldig gemacht haben und nach neutralen Ländern geflüchtet sind, verlangt wird.
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Mißbilligung Amerikas und Japans.
tu. Bern. 5. Febr. Aus Mailand wird gemeldet: In der von den Rechtskennern der Verbündeten ausgearbeiteten Note an Deutschland über bte Auslieferung wirb nach einem Sonderbericht bes „Sortiere della Sera" aus Paris gar nicht die Auslieferung an die Verbündeten verlangt, aber der Vorschlag, die,se Auslegung des Wortlautes in die offizielle Note aufzunehmen, wurde auf Drängen Frankreichs aufgegeben. Die Amerikaner und Japaner tümmerten sich durchaus nicht um die Verfolgung ber Deutsche«, ja sie mißbilligten sie sogar.
Glemenctaeb Besorgnis vor Nachgiebigkeit.
tu. Basel, 5. Febr. „L'Homme libre" meldet, daß Slemenceau am (Sonntag unmittelbar vor seiner Abreise nach Aegypten eine vertrauliche Unterredung mit Millerand hotte, in bet er feinen Nachfolger befdjtoor, auf die strikte Ausführung de» FriedenSverttage» zu bringen unb sich auch in bet AusliefetungSftage nicht nachgiebig zu zeigen. Millerand versprach CM* menceau, er würde dir Ausführung do» gnebenAet*
kg. Genf, 7. Febr. Die Pariser Zeitungen vorn Mittwoch früh veröffentlichen die Anklagen gegen die zur Auslieferung angeforderten Deutschen. Gegen Hindenburg und Ludendorfs lautet danach die Anklage auf Anstiftung zur Sachbeschädigung, Plünderung und Tötung von Zivilpersonen, gegen Veth mann Hollweg und Tirpitz auf Anstiftung zum Verbrechen des Krieges und zur Versenkung von Handelsschiffen, gegen die meisten deutschen Generäle auf Anstiftung zur Ermordung von Landesbewohnern von Frankreich und Belgien, zur Beschießung von Lazaretten und Krankenhäusern und Deportierung von Zivilpersonen. Gegen Hindenburg sind mehr -rote 10 Anklagefälle angeführt, gegen Ludendorfs mehr als 30.
Aus der Liste der Auszukieferude« führen wir außer den bereits gestern Genannten weiter folgende Namen an, wobei die Buchstaben hinter dem Namen den Staat bezeichnen, der die Auslieferung verlangt, z.B. Br.-England, Jt.-Italien, Fr.-Frankreich:
Kapikänleutnant v. ArnaulddelaPerriäre (Jt.), Admiral Paul Yehncke (Brit.), General Vronsart v. Schelle nd o r f (Belg.), D j e m a l Pascha (Br.), Kapitänlt. Forstmann (Jt.), General v. Graevenitz (Fr.), Kapitäns Hartwig- CJt.), General v. Heinrich (Fr.), ^meral Keim (Belg.), Verwaltungspräsident v. Kries (Pol.), General v. der Marwitz (Fr.), General v. Morgen (Pol. und Rum,), Freg.-Kap. N e r g e r (Br.l, Generäl b. Pritzelwitz (Belg.), Vertoaltungspräsident v. S a,i d t (Belg ), U Bootskom. S te i n b r i n ck (Br.), Talaat Pascha (Br.), General Tülff v. Tschepe unb Weidenbach (Rum.), Kapitänlt. Vcklentiner (Jt.), Fürst v. W i 11 g e n st e i n (Fr.).
Bon der Veröffentlichung der vollständigen Liste selten wir mit Rücksicht atti die Papiernot ab, zmnal viele Namen noch nicht einwandfrei feststehen und man mangels jeder Amts- ober Titelangabe meistens gar nicht weiß, wer gemeint ist. Bei ben bekannteren Namen haben wir bte Rang- unb Berufsbezeichnung hinzugesügt.
Die Pariser Prcffe.
Die Pariser Presse broht bereits mit Zwangsmaßnahmen, wenn Teutschlanb ben Friebensvertrag nicht genau erfüllt:
Der „Matin" schreibt: Der Artikel 429 bes Vertrages besagt ,baß, wfnn btt Vertragsbestimmungen durch Deutschland getreulich eingehalten werden, die im Arttkel 42 vorgesehene Besetzung allmählich reduziert werde. Also: Keine Räumung — ober Deutschland erfüllt genau die Vertragsbestimmungen, worauf die Alliierten mit der Räumung beginnen. Wenn Deutschland den Berttag nicht einhält, dann werden dir Alliierten die ut ihrer Hand gebliebenen Gebietsteile nicht räumen. Kann Deutschland die uns zu zahlende Entschädigung nicht zahlen, dann wird es geschehen, daß die Bewohner links des Rheins die an Deutschland abzuführenden Steuern nicht an Deutschland bezahlen, sondern wir übernehmen es, sie einznziehen und werden den eingegangenen Betrag in Rechnung stellen. D« Richtlinien unseres Verhaltens sind einfach: Keine Auslieferung, keine Räumung: keine Kohlenlitferung und Geldzahlung, keine Räumung. — DaS „Iourna l" fragt sich, was an« atsichtS der nunmehr bevorstehenden Eventualität einer Verweigerung »der Vertragsausführung geschehen soll. Es sei leicht, eine ganze Reihe von Zwangsmaßnahmen, wie die Einstellung der Heimschafsung der Kriegsgefangenen, bie Wiedereinführung der Blockade und die Vomabme neuer militärischer Besetzungen ins Auge zu fassen. Die Unterbrechung ber Heimschafsung btt Gefangenen würbe ben Haß nur noch vermehren. Die Wiedereinführung der Blockade würde ben einzigen Markt, ber für Frankreich günstig sei, verschließen. Militärische Maßnahmen würden zum mindesten große Anstrengungen erfordern. Daher hält das „Journal" dafür, daß die Weigerung der Auslieferung ber Schuldigen al? Anfang eines Obstruktionsfeldzuges gegen bie Durchführung aller Vertragsbestimmungen be- urfetlt Wtjben müsse. Wenn also Deutschland die Schuldigen nicht ansliefern wolle, so müsse mit entsprechenden Maßregeln sofort vorgegangen werden. — „Journal des DsbatS" wendet sich scharf gegen Frhr. v. Lers- nre mtb sagt, der Augenblick sei gekommen, Deutschland klar »n machen, daß die Verpflichtungen gehalten werden müßten. — Der „Temps" fragt: Werde Deutschland sich mit seinem Exsunkionär, der au3 dem Friedens- Vertrag von Versailles einen Fetzen Papier machen wollt, solidarisch erkläre«? DaS müsse man wissen und werde eS bc6 wisse«. — Die übrigen Blätter äußern sich zum Teü jchk scharf ttcc die Angelegenheit.
Bit S Aitrang «Ml «tot BnionMingti
wb. Berlin, ». Febr. Wie die Blätter meOx*. äußerte sich heute ei« Mitglied der ReichSregiernng «6et den Standpunkt der Regierung »» der Frage bet Be*< Utferung vor Vertretern ber Press« unb erklärte dabei«-«.:
Wir befinden un< gegenwärtig in einer kritischen Sage ähnlich der im Juni 1919, all die Regierung vor bet Fragt stand, ob sie ben Friedensvertrag unterrichte« solle oder nicht. Wit haben damals zunächst ben Bee» such gemacht, die sogenannte Ehrenklausel im Stiebet* vertrag abzulehnen. Als aber btt Entente m einem Ultimatum die unveränöerte Annahme verlangte, entschlossen wir unS untre dem Druck bei dtobenden Ei»- Marsches, biefre Forderung Folgt zu geben. Wir betont« bann weiterhin immre nitb immer toieöer bet Ernenn gegenüber, daß die Durchsübruvg brr Auslieferung!- Paragraphen für uni unmöglich wäre, nitb daß fich feine R-gierung finben würde, der die Durchsübmng möglich wäre. Wit haben rotitre den Versuch gemacht, die Liste der Ausznlvsrenden und die Angaben bet 8e» schuldigungen zu erhalten, damit wir selbst gegen W Schuldigen einschreiten tohnten, stieß« aber dabei stets auf die Ablehnung btt Entente. Im Rovembre 191S machten wir dann einen neuen Versuch durch Her« v.Simson, in der Auslieserung zu einer Verständigung zu gelangen .jedoch wiederum ohne Erfolg. Wilk wissen beute noch nicht, toal die Entente tun wirst. Jedenfalls ist die Reichsregierung einmütig bet Heber» zeugung, daß die Erfüllung bei Auslieferungsbegehrens unmöglich ist und in Deutschlanb auch keine andere Regierung benkbar ist, die in der Lage wäre, dal Auskei»- tungsbegchren auszuführen. Die Regierung hüll d Wt bedauerlich, daß Herr v. Lersner entgegen seiner «* drücklichen Instruktion di- Weiterleitung btt Note ex bie deutsche Regierung abgelehnt bat. Der deutsche @e» schäststräger Dr. Mayer befindet sich in Berlin nn» wird "voraussichtlich bcutt abend nach Paris reisen. Die Regierüng ist nach wie vor bestrebt, durch Bettete Verhandlungen einen Ausweg zu finden.
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RtichSrat und SullltferungSfrag«.
tob. Berlin, fi. gebt. Der Reichstat ftimmte K seiner heutigen Sitzung dem haibgegebenen ©tanbptntfl der Regierung in ber AuSliefreungsfragt zu. D« Reichsrat tritt bie Empörung bei beuttoen Botte! Sb« bie Zumutung ber Verbündeten und ist überzeugt, doch bie Bevölkerung aller deutscher Länder geschloffen W* ber ReiÄsregierung steht
Beratung bet SraktionSvorftände. — Der Snlschn» f* ° BuswSrtißes.
Wb. Berlin, fi. Febr. Auf Beranlaffung der Regierung treten am Sonnabend die Vorstände der Ares» ticncn ber Nationalversammlung zusammen, um zu d« Lage, die durch da! SustieferungSbegehre« bet ®t#< möchte entstanden ist, Stellung zu nehmen.
Berlin, 5. gebt. Die „B. Z." meldet: Scheibe» mann wurde oll Vorsitzender des parlamentarisch« Ausschusses für Auswärtige! «ach Berti« berufe« i* Zusammenhang mit der Uebetreichung bet Äuäfiefn» rungstiste. ' i
Berlin, 5. Febr. Ter Rektor ber Berliner ttnJ* berfitat, Geheimrol Sbuarb Meyer, hat, wie «st sämtlichen Zeitungen mitteilt, am gestrigen Tage, «st dem bie Auslieferungsfordemng an Deutschland ge» stellt wurde, den Universitäten Oxford, Liverpool, €5t Andrews, Chicago unb Harvard bie ihm ehrenhalbest verliehenen Doktordiplome zerrissen z«» rückgeschickt.
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Die Kaiserfrage.
Wb. Amsterdam, 5. FÄr. Der „Telegraaf" meldet aul London: Sir Auckland Gedde! erklärte in einer in Andover gehaltenen Rebe: Die englische Regierung ist fest entschlossen, ben Kaiser aus be« Niederlanben vor ein Gericht zu bringen unb, wenst er verurteilt wirb, dal Urteil auch zn vollstrecken. Wenn bie Nieberlanbe jedoch aufgrund internationaler Gesetze bie Auslieferung weiterhin verweigern und biesem Manne Aufenthalt innerhalb niederlänbischen Gebietes geben wollen, bann müssen wir sagen, daß et nicht auf holländischem Gebiet in Europa bleiben darf .sondern nach einer den Niederlanden gehörend« Insel außerhalb Europas geschafft werd« müßte. — Wie KautSky vorschlug.
Der „Nieuwe Rotterdamsch« Courant" schreibt: Dey diplomatffche Berichterstatter deS Lloyd Georges-Blattes „Daily Chronicle" meldet: Die alarmierenden Gerüchte bezüglich der beabsichtigten Blockiemng btt Nieberlanbe ober bes Abbruches der diplomaHchen Beziehungen für den Fall, baß Hollanb sich weit« weigert, ben Kaiser auszuliefern, entsprechen nkcht den Tatsachen. Die Verbündeten schätzen die Schwieng- teiten, denen sich die nieberlänbische Regierung gegen- übersieht, richtig ein. Wenn sie auch weiterhin auf Auslieferung des Kaisers dringen, so besteht Grund M der Annahme, daß die Nieberlanbe Vorschlägen werden, daß ber Kaiser in bem „Haus Doorn" interniert wird. Ob sich der Rat der Verbündeten damit zufrieden geben wirb, ist noch nicht zu fügen. Es ist
ja gut wie jufcH« baBt wenn « sich in Snnanßt-