Ae AMftmMrU.
Ukbkrqabe der Ansllt^runqslistt.
Roch feine Zwangsmaßnahme« gegen Holland.
Wb. Paris, 3. Rebr. Tie Botschafterkonserenz genehmigte heute den Text der Rote, die am Nachmittag Herrn v. L e r s n e r mit der Likte der AuS,»liefernden libergeben werben soll. Die Konferenz beschäftigte firh bann mit dem Entwurf einer neuen Note an Holland über die Auslieferung dcs Deutschen Kaisers. Zu einer Einigung ist eS aber noch nicht gekommen. Rach dem „Journal des DrbatS" ist vorerst noch nicht mit Zwangsmaßnahmen zu rechnen, die bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Holland und der Seeblockade gehen.
Tas vtilaffkne Frankreich.
tob. Bern, 3. Febr. Der Pariser Korrespondent der „Baseler Zeitung" drahtet auS Paris, datz Frank- reich mit seiner Forderung, dem Deutschen Kaiier den Prozeß zu machen, am Schlüsse ganz allein dastehl. Fn den anderen verbündeten Landern will niemand das Odium dieses Prozesses auf sich nehmen. So erklärte im Pariser Botschafterrat der italienische Botschafter, daß er nach Prüfung der holländischen Antwort keine juristischen Gründe gegen die Haltung der holländischen Regierung finden könne. Der javanische Botschafter schloß sich ihm an mit dem Bemerken, daß er von der Absendung der ersten Note nichts gewußt habe und daher auch auf die Mitwirkung der bevorstehenden Note verzichte. Der englische Botschafter
schützte das Ausbleiben der Informationen aus Eng land vor, der amerikanisch« Botschafter versteckte sich hinter die Nichtratifizierung des Fuedensvertrages.
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Die Anklage gegen die an geschuldigten Deutsche».
kg. Zürich, 4. Febr. Wie aus Paris gemeldet wird, wurde der Generalstaatsanwalt des Seinedeparte- mentS mit der Formulierung der Anklage gegen die angeschuldigten Deurscben beauftragt. Weiter wrrd gemeldet: Im Kammerausschutz teilte die Regierung mit, datz die letzten Kriegsgefangenen bis Mitte März abtransportiert sein sollen. Im Anschluß daran würden die angeschuldigten Deutschen den französischen Behörden übergeben werden.
kg. Genf, 4. Febr. Aus Paris wird gemeldet, daß die Schlußsitzung der Verbündeten über die Auslieferung der Deutschen am Montag stattfand. Marschall Fach, der Vorsitzende^ der Kontrollkommission, wohnte der Sitzung bei.
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Rotterdam, 3. Febr. Zur Auslieferung schreibt der „Nieuwe Rotterd. Courant": Die Auslieserungs- frage ist ein Peitschenschlag für das deutsche Nationalgefühl. Sie wird auch als solch« empfunden, nicht nur von denjenigen, die sich national nennen, sondern von allen Deutschen, die sick noch erinnern können, daß sie Deutsche sind. Nicht der Friede, sondern der H a ß unter den Völkern wird dadurch gefördert.
nickt ihm flugs ein „polnischer Beirat" auf den Leib und teilt ihm mit größter Eindeutigkeit mit, datz er hier richt» m.hr zu sagen, sich ihm zu fügen habe. Zur 'Se- griiudung: Von den 500 Schülern der Anstalt sind SO polnisch, von diesen 30 könnten 10 einem Unterricht in polnischer Sprach« folgen! Wie lann es auch anders Hin in einer Stadt, die zu vier Fünfteln deutsch« Einwohner hat, wenigstens bis vor lurzem hatte.
So beginnt der Kampf um daS D-mtschtum. ..Aus halten" heißt, tote so oft int Kriege, hier von neuem die Parole. Trübes liegt zurück; aber eS waren ja letzten Endes nur Kämpfe um materielle Güter. Schwereres steht bevor. Um die Erhaltung größerer Tinge gilt es zu ringen. Man will das Deutschtum ausrotten und glaubt, leichtes Spiel zu haben. Denn das Reich ist u m -- klammert von bösewollenden Machten, deren Ziel cs von""jcher getoesen war, nicht nur Deutschlands Wirtschaft oder seinen „Militarismus" zu stürzen, sondern daö Deutschtum an sich zu treffen. Diese Kefahr trifft vor allem die Gebiete mit gemischtsprachigen Rationen. SWmuß der Dentsche in der Ostmark zuerst cs beweisen, daß er stark genug ist, sich allen Gewalten zum Trotz zu erhalten.
Martin Hahn. ---*---
Die ohldfcfir der Kri'tstSsttfnllgkNtU.
wb. Bcrlin, 3. Febr. Die Reickszentralstelke für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit, daß bis zum 31. 1. rund 65 000 Mann, darnnter über 1000 Offi- -fere, aus französischer Kriegsgefangen schuft hriingc kehrt sind.
wb. Sterne«, 3. Febr. Mit dem Dampfer .Herbert Horn" kamen gestern abend im Durchgangslager Sternen 67 Offiziere aus dem Lager Chateannenf und 646 Mannschaften, größtenteils aus dem Lager Tours an der Loire, an.
tob. Berlin, 3. Frbr. Gestern Abend trafen auf dem Schlesischen Bahnhof etwa 200 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der bei Scapa Flow versenkten deutschen Kriegsschiffe ein. Die Mützen der Mannschaften waren mit Tann en zweigen und schwarz- loeiß-rvten Fähnchen geschmückt. Eine Kapelle der Reichswehr spielte vaterländische Weisen.
tob. Son don, 3. Febr. Das KriegSministerium teilt mit, daß nunmehr alle deutschen Kriegsgefangene den englischen Soden verlassen haben. — Wohl mit Ausnahme bet zurückgeh altcnen Offiziere, von denen die znrückgekehrten Seapa Floto-Offiziere berichteten.
Frimlreich.
Berlin, 3. Febr. Dem ,-Berl. Tagebl." wird über Bafel gemeldet: Gestern wurde in Vincent der österreichische Offizier Funk, der beschuldigt wird, den deutschen WilitärbeHörden die Einschlagstellen der Geschosse der weittragenden Geschütze angegeben zu haben, hinge rich.tet, ebenso der Franzose Gaspare!, der beschuldigt wird, den Spionagedienst in Freiburg im Br. c'Niwrichtet ch haben.'
tu. Na netz, 3. Febr. Auf dem hiesigen Bahuhos wurden zwei Reifende verhaftet, in deren Besitz man 230 Kilogr. deutsches Silber gesunden hat, das sie an einen Einschmelzer in Paris, der sie seit längerer Zeit beschäftigte, abliefern ivottten. Sie hätten bereits mehrere Reisen mich Deutschland unternommen. Eine Untersuchung ist eingeleitet.
UNMN.
Die -erbünbeten gegen die Rückkehr »er Habsburger in ttugam.
wb. Pari«, 2. Febr. tHavaSZ Die Botschafterkonferenz erklärt in'emcr Entschließung, dte der ungarischen Regierung, sowie den Negierungen der Tschecho- Slowakei. von Rumänien,^ Polen, Süd-Siawien und Oesterreich notifiziert wurde, die hauptsächlichsten verbündeten Mächte seien der Meinung, daß die Wiederherstellung der Dynastie dec Habsburger in Ungarn „unvereinbar wäre sowohl mit den Prinzipien, für die gekämpft wurde, als auch mit dem Ergebnis des Krieges, das di« Befreiung der vorher unterjochten Völker bewirkte." Es stehe nicht in der Absicht, noch könne eS die Pflicht der hauptsächlichsten verbündeten Mächte sein, in die inneren Angelegenheiten Ungarns cinzngrcifcn oder dem ungarischen Volk die Form der Regierung oder der Verfassung vorzuschreiben, die es sich geben soll. Dagegen können die verbündeten. Mächte nicht zugebcn, daß die Wiedereinsetzung des Hauses Habsburg als eine Angeleg nheit betrachtet werde, die lediglich die ungarisch« Nation betrifft. Sie erklären daher, datz eine derartige Wiederherstellung im Gegensatz stünde zu den Grundlagen der Friedensbedingtmgen nnd weder anerkannt noch geduldet werden würde.
Budapest, 3. Febr. Die Staatsanwaltschaft stellte neuerdings ein Ersuchen an Oesterreich um Auslieferung Bela Kuns und Genossen, in Sem sie gegen die ©«nannten Anklage wegen Verbrechen ober Anstiftung zu Verbrechen: Morde in 231 Fällen, 16 Fälle Diebstahl sowie GeldfAschung erhebt.
Rußland.
Die Japaner In Sibirien.
to6. London, 3. Febr. Der „Dalitz Mail" wird tmterm 28. Januar aus Tientsin berichtet: Der frühere japanische Vertreter in Irkutsk, Kato, ist gegenwärtig nach Tokio unterwegs, um seine Regierung von den Vorgängen in Sibirien zu . tm-tr ctdrtcn. Er erklärte, Japan habe durchaus nicht den Wunsch, mit den Bolschewisten Krieg zu sichren, sofern es nicht dazu gezwungen werde.
wb. London, 2. Febr. Aus Irkutsk tvird gemeldet, datz die Banken und Lenagoldfelder nationalisiert worden sind. Die Sowsetkommissare haben ein R c voll! tions-geeicht gebildet, um Koltschak abzuurteilen. Man wird ihn jedoch noch nach Moskau vor das höhere Gericht bringen.
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Die ErnährnnaFaqe.
Herabfeyung der Bratmenge ab *. Februar?
Berlin, 3. Febr. Heute finden im Reichs- wirtschaftsministerium nette Besprechungen über die Ernährung-frage statt, an denen auch der deutsche Städtelag und die grotzftädtischen Verbraucherverbäud« teil- nehmen sollen.
Die Herabsetzung der Mehlratton von 260 auf 200 Gramm, die eine Verminderung der wöchentlichen Brotmenge von 2350 auf 1900 Gramm zur Folge hat, soll, wie es heißt. mit dem 9. Februar beginnen. E» ist nicht bekannt, wie lange diese Maßnahme dauern wirb.
kg. Berlin, 4. Febr. Tie Kommunisten und lln« abhängigen rufen in allen Städten und Fabriken zu Kundgebungen des Proletariats gegen die Herabsetzung der Brotration auf. In Flugschriften werden Erklärungen der Regierung vom letzten Oktober wiederge« neben, wonach bie Versorgung bis zur neuen Ernte gesichert sei.
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PttnWk LMUAcklMlW.
111. Sitzung vom 3. Februar.
In einer kleinen Anfrage weist Abg. Leid (U. S.) auf ine Zurückweisung einer Namensänderung für Abra- bamsohn hin, die der Regi-runvsvrLfident im Namen der Regierung treffen kann. Es sei die Antwort erteilt worden, daß erforderlichen Falls die Genehmigung zur Acndcrung in Rosenfeld, Morgentau, Fuchs ufto. erteilt würde, Kiß aber rein christlich- Namen wie Schmidt ufto. nicht in Frage kommen. Die Regierung erwidert, es bandele sich um Einzelfälle,, in denen bereits Abhilfe geschaffen sei. Für eine allgemeine Verfügung liege feine Veranlassung vor.
Es folgt die B-ratnng des Antrages der Deutsch- Hannoveraner betr. Hilfeleistung bss der v e b « r s ch w e m- m u n g der Elbe und Weser. Der Antrag geht an den Staatshanshaltsaussckuß.
Hierauf wird die Beratung der Anträge zur Regelung der Dienstverhältnisse der Hausangestellten fortgesetzt. Ter A " 'atttrag, worin die Regierung ersucht wird, bei der Reichsregierung dabin ttt wirken, daß alsbald innerhalb des Reiches eine gesetzliche Regelung des Arbeitsund eine entsprechend« Regelung des Hausangestcllten- rechts erfolgt und zwar unter Berücksichtigung der Hausangestellten und des Bedürfnisses eines gesunden Wirtschafts- und Familienlebens, wird angenommen.
Es folgt bie erste B-ratnn-i her Um(egitng§moibnung. Vermengt liegende und unwirtschaftlich liegend« Grundstücke verschiedener Eiacntüme- einer Fef mark können zur besseren Bewirtschaftung umgelegt werden, wenn damit eine erhebliche Besserung der Landeskultur erreicht wird. Tie Barka^c g.hc an einen AnSlchnh.
Hierauf wird die erst« Beratung des Gcfetzcictwurss über eine Verbands'erordnung für den Siedlungsverband des Ruhrkohlenbezirks festgesetzt.
Abg. Dr. Jordan (Dem.): Wir werden dafür sorgen müssen, daß d e n t s ch e Arbeiter im Rubrkohlengcbiet neu angesiedelt werden, aber nicht Polen.
Abg. Tegeder (D.Bvt.): Es erhoben sich manche Stimmen gegen die Vorlage, wir sind aber entschiedene Förderer des Entwurfs. Wir müssen monatlich 1600M Tonnen Kohlen an die Feinde abliefern, das bedeutet die Arbeitsleistung von einer Woche im Monat. Wir haben ferner Verpflichtung zur Koblenlieserung an Holland, Schweden und die Schweiz. Die Steigerung der Kvblen- üörderung ist nur durch eine Verstärkung der Belegschaften möglich.
Abg. Martin (Deutschnat.): Dieser Siedlungsplan wird noch unabsehbare Schwierigkeiten haben. Die Spekulationswut suchte an sich zu reißen, was möglich war, und nur der Tatkraft der Kommune ist es zu danken, daß das Landwirischaftsleben dez Ruhrgebiets nicht ganz verhunzt ist. Das Siedlungswerk ist notwendig.
Abg. Kahl (Soz.): Es handelt sich nm Beschaffung von Wohnungsgelegenheit für 115 000 Arbeiter mit 110000 Familienangehörigen. Bei dem Mangel an Baustoff wird es nicht leicht fein, das Werk durchzuführen.
Abg. Ludwig (U.S.): Wir wollen im Ausschuß mitarbeiten. Die Vorlage muß manches berücksichtigen. Denn die Ansiedelung von 150000 Arbeitern und ihrer Familien macht doch auch die Ansiedlung von Handlverfern und Kaufleuten usw. notwendig. Di« Borlag« geht an einen Ausschuß von 27 Mitgliedern.
Die Verordnung vom 17. Dezember betr. die Ausgaben der Provinzen und Kreise für Notstandsarbeiten wird genehmigt.
Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. e •
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Der Aeltestenrat der preußischen Lanbes^rsamm- lung beschloß, heute bie sozialdemokratischen und deutsch- nationalen Jnterp-llationen über die Gütersperre in Solen und die sozialdemokratische Interpellation über die Landarbeitermaßregelungen in Pommern aus die Tagesordnung zu setzen. Am Freitag ^oill das Plenum für die Dauer von 10 Tagen die Sitzungen unterbrechen, um den Ausschüssen, namentlich dem Ausschuß für Groß-Berlin, Zeit zur Förderung ihrer Arbeiten zu geben.
Neue Wahlen in Hessen.
mc. D a r m st a d t, 3. Febr. Die Provinzialcand- tagswahfen in der Provinz Starkenburg lassen, soweit Wahlergebnisse bisher vorliegen, einen merklichen Ruck nach rechts erkennen. Die Sozialdemokratie hat viel Stimmen seit den Kreistagswahlen verloren. Die Mehrheitssozialisten sind bie, Leidtragenden für die Unabhängigen, bie beträchtlich an Stimmen zugenommen haben. Besonders deutlich zeigt sich dies im Kreise Bensheim, wo die Unabhängigen über 1200 Stinimen gewannen, gegenüber der Kreistagswahl. Bemerken-- toert ist die Wahl in Mainz. Dort haben sich sämtliche Parteien von den Deulfchnatioicalen bis zu de« Mehrheitssozialisten auf bie Liste „Rheinhessen" gegen die Unabhängigen geeinigt. Die Liste Rheinhessen erhielt 18 732 Stimme«, die Unabhängigen 2996.
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Tageszeitung für (Dos früher kurhessische) Oberhessen
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Mittwoch, 4 Februar
Die ieillte eiohi Werg piW.
Nachdem infolge der Uebergabe der Ostgebiete die : Zeitungen von dort länger als eine Woche auSgeblieben waren, sind nun aus den eben von den Polen besetzten Landstrichen die ersten wieder cingetroffen. In dürren Worten Berichten sie. anscheinend unter dem Drucke der genfer, die einfach en Tatsachen der Besetzung. Grausam klingen die Worte ans Ohr: „General Dowbor Musnicki. der Oberkommandierende der polnischen Westfront, hat seinen Einzug m Bromberg gehalten." Polnische Truppen hatten auf dem Friedrichsplatz Anf- fkKung genommen, dort wo noch vor kurzem das Denkmal des Großen Friedrichs stand, des Wicdererbauers der Stadt. Und säst an derselben Stelle, wo vor mehr als 250 Jahren der Große Kurfürst durch den Brom- tzerger Staatkvertrag mit Polen den Grund zu dem späteren preußisch-deutschen Staate legte, da standen nun die Spitzen polnischer Behörden, polnische Generalitäten imh Ententevertretcr und feierten mit hohen Worten ..die Wiedergutmachung des Verbrechens von 1772".
TaS Herz krampft sich zusammen, wenn man es liest: Bon bet» fliegenden polnischen Fahnen in den deutschen Straßen, von polnischen Truppenparadeu, von rauschenden Festen, von Rednern, die da verkünden, daß Brom- berg in wenigen Jahren polonisiert sein werde. . . Roch vor kurzem war es, da zog, jedesmal von einer große« Menge begleitet, die alte preußische Wache in gewohntem Schneid unter den KKlängen des Präsentiermarsches Tag für Tag hier auf. Es war nicht die SchanluN allein, die alt und jung hier zusammenführte. Gewiß, jedes Auge freut sich au den strammen Gestalten und dcm schsd, so oft und dock immer wieder gern ge- fehenen altvrcußifckcn Militärsckauspiel; aber ein jeder sagte fich still traurig, daß cs nun bald das letzte Mal sein werde, daß BrombergZ Siratzen dann plötzlich ein -' anderes Bild auftveisen würden. . . .
- Andere Erinnerungen steigen auf. lieber ein Jahr ist eS her, seit das Trauerspiel i,n Osten sick ru voSendrn - —z^gomr. Der südliche Teil Ser Provinz Pc'cn ist bereits verloren gegangen, und der polniscke Adler streckt fein« Fänge auch nach dem ?1etzedistrikt. Brouckerg, aus. Trotzdem hält cs schwer, d:.- deutsche Bürgerschaft b* bcr »56c und Größe her Ecsicchr zu überzeugen. Die . schwerfällige Ruhe und der Mangel an Entfchlußkraft siege« »och vielen von den Novembertagen her in den Knoche». Doch zu einer zloeitcn Ueberrumpelung kommt es gottlob hier nicht. Es kommt Bewegung in die Massen, von führenden Männern betrieben. Alles rafft sich auf, jung und alt. was nur ein Geivchr tragen : kann, nm die Heimat zu schirmen. Bramberg wird -in fe Heerlager- Schon droht auch unmittelbar Gefahr. Mm ist täglich ans einen Angriff auf die Stadt gefaßt. Ka- E non;« fcküh-n die Straßeuausgäuge. Auch die Gefahr M einer Erhebung von innen ist vorhanden. Doch es gelingt mit den geringen Kräften unter Aufwendung der L größte» Energie, den feindlickeu Ansturm in einiger » Entfernung südlich der Stadt abzudämmen und dte «rotzte Geicckr abzutuu. — Ter Notschrei aus d:m Osten rüttelt endlich auch die noch Gleichgültigen im Reich auf, und scharenweis strömen Hülfskräste zur östlichen Front, deren große Lücken füllen helfend. Nicht zu fpät, aber doch umftmff, wie die Zukunft lehrt. Zwar scheint unsere Sache zu gedeihen, und jedes Herz schlägt höher bei der Stunde, daß uns eine Offensive auch die schon verlorene« Teile der Provinz wiederbringen soll. Aber es ist anders bescklasstn. Tie sehnsüchtig erwartete Offensive kommt nicht. Ter Kampf der Ostmark wird ein Todeskampf. .....
»ach und nach haben dir Garnisauregim-nter von der Stadt Abschied genommen. Zn allerletzt die braven ErrnFchützen. Wo so lange tu den Bromberger Kasernen ffTtc preußische Truppen mit Berühmten Namen lagen, * Regimenter, die bei Gravelotte und Mars la Tour, in d fcen Freiheitskriegen und weiter bei Fehrbellin Unter Derfflmgrr gesockten hatten, da wimmelt es jetzt von fremdartigen Uniformen. Eine polnisch« Division wird sich gütlich tun in den schönen Kasern u, dec prachtoollen Kriegsschule, die wir ihnen noch rasch erbaut haben. Die preußische 'Pickelhaube hat ausgespielt. Trumpf ist die politische „Konföderatka". Der weiß« Adler schwebt. Wo auf dem alten Marit so lange der atte Fritz feinen Ehre«fch»tz Hatte, er, der Wiedercrbaner und Genius der Stadt, der Bringer einer netten Kultur nach einer Zeit des wüsten Chaos; wo er sinnend ans den Kanal schaute, fein Werk, die Lebensader der Stadt: da gähnt jetzt Lerrc. Doch vielleicht dauert cs nicht lange, und es erhebt sich cm der Stelle des großen Königs ein Natioual- Hcld der Polen, Thaddäus Koziusko . . .?
Der brutsche Bürger spielt von nun ab eine imictgc- irdnetr Rolle. Es gilt, das Schwere mit Würde zn tragen. Tie vielen Bersprechunge« von Freiheit und ■ Gleichberechtigung scheinen leere Worte getvefen zu fein. Jedeicsalls klingt es sonderbar, von dem einen polnischen Redner hochtönende Worte von „Freiheit und Dvldfamteit" zu hören, während der andere nickst glanze danach sich in die Brust wirst und verkündet: „Ich spreche die Erlvartuug auS, datz Dromberg in tvenlgen Jahren polonisiert ist." Wie reimt sich das zusammen? Wir kennet! die Versprechungen der Polen politischer und militärischer Art und wisse« ttack den ersten 1 ergangen a ungefähr, tvelch« Saiten der Pole uns gegenüber auf- zirhcn itirh. Datz der „Deutsche Volkscat" feine Arbeit als „nichtgeduldete Rebcrckcgicrung" einstellen mußte, ist «U-nseLS verständlich, da dem polnischen Volkscat anschcitiend dasselbe bcfchicden ist. Doch ein anderer Fall, kürzlich in einer Berliner Zeitung berichtet, dient zur Erfeinterung: Die Oberrealschule hatte noch unter ... , Preutzikcher Regierung einen Direktor bekoinme«. Jetzt
Die .Dberhelftl6e Zeitung" erftbetnt leAemel »Wiewtii*. — Der 1« Bezuaipreii betriet manatli» ?,'0 X. frei in« Hau«; bet* die B«>t J15. ä“ 2.50 *. ahne «estellaelb — «erlag » « Or r. -itzerattz. — Druck der Uni, -Buchde. »an Iah. *«{. Kack. Markt 21/2». — $mif»re*et 55.