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mit dem Kretsblatt für bett KrelS Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhessische) OSerhessen

Flieger au», der die Ueberfahrt Groh-Britannien Indien und zurück macht.

1920

L.

Marburg

Tiknstllst. 3 Februar

Der Rnreiqrnvrei» detriqt flr die 8 geb Zeile 60 4, «»tlick» und - e Qa&rft

tia# 60 , Reklemezeile 1.60 X. Zu allen Preisen 5 «>, Aufschloo. Jeder R«d«tt «ilil «l« S«rr«bett. Lei A»»k«nft durch di» Geichikteftellr ». Lermittiuna der ' gebet« 26 4 6«n»ergebi6t. ¥»Rf<be<Ieute: Ar. 6C15 Amt Frankfurt a. M.

DieOderdess>s»e Zeitung- -rsck-eint leOsmet Wöchentlich - Der MK HQ Bezugspreis detrLet wienetH* 2,W X. frei 'n« tau«; *Mt* J£e >efc ! J12. 2.0 2 50 ». ebne «eftelgelb - «erlag eex Dr C. S'tzeretd. Druck bet Uni» . Buchdr. oen 3 e 6. « u g. R e <6. Warft 21/2$. ^«sprechet 55

Die WüniM des WedenMlMS.

| Die deutschen Kohlrnlieferunge«.

I tu. Bern, 2. Febr. Aus Paris wird gemeldet: pkillerand wies in der Botschafter-Konferenz daraus hin, daß Deutschland zwar eine Menge Kohlen ab- siefere, während die Qualität bedeutend geringer sei, «ls die, die es sich zu liefern verpflichtet habe. Eine Hote, die diese Tatsache aussührt, ist Sonntag an die JBtrfrctet der Verbündeten abgegangen.

Die Ausliefernngsliste.

v Köln, 2. Febr. DerKöln. Ztg.' wird aus Berlin gemeldet: Tie in der Presse auftauchenden Meldungen ßber den Inhalt der Auslieferungsliste und über den Fermin ihrer Ueberreichung werden nach amtlicher deut­scher Stelle als bloße Kombinationen bezeichnet. Heber len Inhalt liegen zuverlässige Nachrichten noch nicht vor. Ihre Ueberreichung wird vermutlich erst Ende der Woche erfolgen, wahrscheinlich aber erst am 10. Februar. Am nächsten nach dem Friedensvertrag möglichen Ter- «in.

General Liman v. Sanders.

Ivb. Amstcrdam, 2. Febr. Nach demAlg. Han- tzelsblad" sagt General Hamilton, man müsse in die englische Bevölkerung dringen, baß General Liman Aon Sanders nicht ausgeliefert würde, da er stets ein ehrlicher Gegner gewesen sei, der nie britische Sammelplätze und Hospitalsckiffe mit Bomben beworfen habe.

KautSkv für Internierung des Kaisers auf de« Sunda-Jnseln.

Der Vertreter desDaily Chronicle" in Berlin hatte eine Unterredung mit K a u t s k h über Kaiser Wil- Helm II. und die Auslieferungder Urheber der Ver­brechen des Krieges". Kauisky sagte u. a.t Diese Frage bedeutet für daS Land eine große Gefahr, _ die den Sturz der Regierung und sogar Iw« Bürgerkrieg herlwiführen könnte. In keinem Fall darf Wilhelm II. jn Amerongen bleiben. Das ist zu nahe an Deutschland; «an muß ihn an einen entfernten Ort bringen, wo er Ainer strengen Bewachung unterworfen werden kann. Eben jetzt intriguiert er unaufhörlich mit seinen An- «ngern in Deutschland und empfängt in Amerongen '«chlreicho Militärs. Kautsky hält cs für möglich, von Holland die Internierung Wilhelms II. auf einer der k u n d a-J n s e l n zu verlangen. Kautsky ist Tscheche. Sormerhin wird er als deutscher Politiker angesehen und '»»schmutzt als solcher den deutschen Namen.

Nach Dr. Rosen Herr v. LueiuS.

' Berlin, 2 Febr. Zu der Meldung, baß die ita- Vrnischs Regierung der Wahl des bisherigen deutschen sandten in Stockholm, v. LueiuS, zum Vertreter HrS deutschen Ncickres in Nom nicht zugestimmt habe, schreibt dieDeutsche Allg. Ztg.": Diese Meldung ist materiell richtig. Tie italienische Regierung hat tat­sächlich in Berlin mitteilen lassen, daß ihr Herr v. Lu- giu-i wenig angenehm wäre. Aus Anlaß dieses neuen Vorfalls kommen einige Blätter auf die Absage Spa- vinis zurück und greifen wiederum das Auswärtige Nun an, weil es die Agrements für die neuen Vertreter «icht vorder eingebolt habe. Diese Vorwürfe find un- begründet, denn für -einen Geschäftsträger wird nach l^plomatischem Brauch kein Agrement eingeholt. Diese Uot'o-ndigkeit besteht nur für die drei obersten Klassen brr Diplomatie: Botschafter, Gesandte und Minister- Arfidcnten. Der Geschäftsträger ist lediglich bei den freniben Ministerium beglaubigt, nicht aber bei den ktaatsoberhäuptern.

Sin deutsch-amerikanischer Sonderfrieden im Bereich der Möglichkeit.

i>>o. A m st e r dam, 2. Febr. Nach einer Meldung lesTelegraaf" aus London ist der jetzige Beitritt Amerikas zum Völkerbund durch das Scheitern der Kon­ferenz der beiden Parteien ausgeschlossen. Die Mög­lichkeit eines Sonderfriedens mit Deutschland liege nn Bereiche der Möglichkeit. Wilson werde ent­weder die Ratifikation mit Vorbehalten aunehmen oder Ke Verschiebung des Beitritts bis nach den Präfident- schaftswahlen gutheißen.

wb. Washington, 2. Febr. (HavaS.) Die repu- blikanischen Führer beschlossen sich mit den Demokraten bahin zu verständigen, den Friedensvertrag in der kom- s«enden Woche neuerdings in öffentlicher Sitzung ,u be- , Aalen.

Tie «bttafrage.

wb. Paris. 2. Febr. Wie mitgeteilt wird, haben 1 »ngland und Franreich in Belgrad wissen lassen, daß sie isich angesichts der Richtannahme des Kromprornißvor« ! fchlages über die Adriafrage durch Serbien nunmehr y en d-n Vertrag von London halten wzirdcn.

England.

u wb. London, 1. Febr. Der Posten eines Ober- 1 Befehlshabers der britischen Streitkräfte, den bU jetzt f Marschall Haig inne hatte, wirf» von heute an auf» gehoben.

tob. Dublin, 2. Febr. Die Gesamtzahl der gestern in dem ganzen Land verhafteten Mitglieder , der Sinnfeinerpartei und hervorragenden irischen Rc- i publikaner beträgt 65.

tob. London, 2. Febr. (HavaS.)Daily Expreß" '-Ukt rinm Breis bau 20 000 Vrund Ster!ina für den

Tie Rtiumnnq der dkillschtn Gebiete:

wb. B e r l i n, 2. F^r. Da? Abtretungsgebiet von Westpreußen ist gestern geräumt worden. Da« Rbtretungsgebiet ist bis dicht nördlich von Berent von den Polen besetzt. Im Abstimmungsgebiet von West­preußen tourbe die Zone mit Teutsch-Eylau am 31. 1. aufgegeben.

Jn Oberschlesien ist seit dem 31.1. die Zone Pleß Mcolai und seit dem L 2. die Zone Königshütte Kattowitz von den Westmächten besetzt. Die genannte Zone wurde um 9 Uhr vormittags geräumt und um 10 Uhr vormittags trafen die Ententetruppen ein. Die Zone BeuthenTarnowitzGeorgenburg wurde heute morgen 7 Uhr geräumt. Jn Pleß befindet sich der Stab der französischen 43. Infanterie-Division. Die Verbindung nach Ostpreußen ist seit heute vormittag vollständig unterbrochen.

wb. Beut Heu, 2. Febr. Heute mittag traf eine Besatzungsabteilung von dreißig Mann Kavallerie aus dem hiesigen Bahnhof eilt Auf dem BahnhofSplatz und ein Empfang durch eine polnische Abteilung und polnische Vereine statt. Eine Kapelle spielte das Lied Noch ist Polen nicht verloren", worauf sich der Zug in Bewegung setzte. Eine nach Tausenden zäh­lende Menge antwortete auf die polnischen Lieder mit Deutschland, Deutschland über alles." Gewaltige Menschenmassen durchzogen die Straßen, immer wie­der deutsche Weisen anstimmend.

tu. Herrnhut, 1. Febr. Da» theologische Semi­nar der evangelischen Brüdergemeinde ist von Gnaden­feld in Oberschlesien, wo eS über hundert Jahre feine Heimat hatte, Ende Januar nach Herrnhut in Sachsen verlegt worden.

wb. FlenSbnrg, 2.F^br. Französische Offi­ziere ließen in der Marineschule in Mürwick ein B'ld Blüchers mit Beilen zerschlagen und auf den Düngerhaufen werfen.

wb. Königsberg, 2. Febr. Während der Sperre durch den polnischen Korridor werden die V-Züge von und nach Berlin von Dienstag den 3. Febr. über DirschauDanzigStettin nach Berlin uwgeleitet werden.

tob. Genf, 2. Febr. Major Mainard, der Dele­gierte des internationalen Roten Kreuzes, der die Räumungslager in Frankreich besuchte, erklärte bei seiner Rückkehr in Genf, daß die Organisation in diesen Lagern ausgezeichnet sei und daß die Heimschaffung der Gefangenen in vollkommener Ordnung vor sich gehe.

Friedensangebot der Mitregierung nn Polen.

tu. Stockholm, 2. Febr. Die russische Regie- ruug hat an die polnische Regierung ein Friedens­angebot gerichtet, in dem e» heißt: Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Berbündeten Polen in einen unglücklichen Krieg treiben wollen. Die Poli­tik Räte-Rußlands hat die Unabhängigkeit und Sou­veränität des polnischen Reiches anerkannt und wirf» sie immer mterkennen, und auf diese Anerkennüng gründen sich alle Beziehungen Rußlands zu Polen. Die Räte-Regierrmg beabsichtigt kei ne Angriffspolitik und die roten Truppen werden die gegenwärtigen Frontlinien in Weißrußland nicht überschreiteir. Der Rat der Volkskommissare erklärt, daß er weder mit Deutschland noch mit irgend einer anderen Macht einen Vertrag abgeschlossen hat, der sich mittelbar oder un­mittelbar gegen Polen richtet.

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Die Kämpfe in der Ukraine und Sibirien.

wb. Warschau, 1. Febr. (Havas.) Ein Fun­kentelegramm der Station Moskau meldet aus Char­kow unterm 21. 1., daß die ukrainischen und polnischen Truppen zur Sowjetarmee Übergetreten sind.

tob. L o n d o n, 1. Febr. (HavaS.) Ein Fnnkspruch aus Moskau meldet, daß die Tschechen zur Ent­waffnung der Armee deS Generals Semenow schreiten. Ein anderer Funkspruch aus der gleichen Quell- spricht von schweren Kämpfen in Perekop an der Krimgrenze.

Franenbataillene bei der Roten Armee.

Heber die Frauenbataillone bei der russischen Roten Armee wird au» Riga gemeldet: Kürzlich wurden Kvei neue Bataillone errichtet mit 2500 Weibern, die über­zeugte Kommunisten find. Diese Bataillone, die sich au» den verkommendsten Volksschichten rekrutieren, werden von chinesischen Kommunisten befehligt. Im Volk»« munde heißen diese Frauenzimmer »Maruchie" (Schmutztoeiber). Sie zeichnen sich durch Blutgier und Mordlust aus und finden nach bolschewistischen Blättern in erster Linie hinter der Front Verwendung, um die Rotgardisten am Fliehen zu verhindern (d. h. al» Hce resaendarmeriei..

Dir Auslieferung Soltschak».

tob. Paris, 2. Febr. (HavaS.) General G a i d a, Kommandant der tschecho-slotoakischen Armee in Sibi­rien, erklärte entgegen englischen ZeitungSnieldungen, daß Admiral Koltschak allein durch russische Revolutio näre ausgeliefert worden sei und daß General Janin gar feine Rolle dabei gespielt habe.

tob. Haag. 2. Febr.Rieuwe Courant" melde! drahtlo« aus Moskau, daß der Friedensvertrag zwischen Somfet-Rußland und Estland heute mittag 2 Uhr nach MoSkauischer Zeit, unterzeichnet worden ist.

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Tie Frage des Eilcheiisstaatks.

wb. Berlin, 2. Febr. In einer gemeinsamen Sitzung des Reichs- und des preußischen Kabinetts wurde über den in der preußischen Landesversamm- liing eingebrachten Antrag wegen Herbeiführung des Einheitsstaates beraten. Es herrschte Einigkeit da- rüber, daß die Reicbsverfassung eine ausreichende Grundlage dafür getvähre, die einheitlichen Grund­lagen des Reiche- zu erhalten und auszn-muen. Die Besorgnis, namentlich bei beit süddeutschen Staaten, als ob das Reich beabsichtige, gegen ihren Willen ihre polifischen Rechte zu schmälern, wurde daher aller- eit3 als unbegründet erklärt. Es wurde auch an­erkannt, daß bei der notwendigen Dezentrali- 'atio n, die in einem Reiche vou der Größe Deutsch­lands, ungeachtet seiner staatsrechtlichen Konstruktion immer erforderlich sein werde und die nach mancher Richtung vielleicht sogar eine Erweiterung ertragen lönue, keilte Veranlassung vocliege, die Gebilde der uddeutschen Staa'eu uinzuiormen. Andererseits tour- >en die Schwierigkeiten, den preussischen Staat in ein dezentralisiertes Reich einzugiiederu, nicht verkannt. Aber auch hier versprach man sich Abhilfe nicht in dem unhistori.chen Gedanken einer Aerfchlaguug Preu ssens, sondern ging davon aus, daß die Eutnucklnua organisch zu gehen habe, wie die Bedeutung des Reiches mit seinen vergrößerten Zuständigkeiten ge­wachsen ist und weiter wachsen wird. Darüber, daß auf dem Wege der Dezentralisation Preußens weiter gegangen werden muß, war man sich einig. Man verkannte weiter nicht, daß sich aus der gemeinsamen Verantwortung, die das Reich und Preußen für manche großen politische» Aufgaben tragen, Schwierigkeiten ergeben könnten, wie bas auch unter bei alten Reichs- Verfassung immer wieder der Falt war. Es soll des­halb geprüft werben, wie man dieser Schwierigkeiten durch eine engere Fühlungnahme Herr werden kann. Zur weiteren Klärung dieser Fragen wurde ein U n - terausschuß aus drei Neichsministcrn und drei preußischen Ministern gebildet.

Toi) Kürzung dkk Brotration?

Berlin, 2. Febr. Wie eine sozialdemokratische Korrespondenz erfährt, hat sich die Lage der Getreide- Versorgung in der letzten Zeit nicht gebessert. Die Hoffnung auf eine größere Belieferung infolge der Prämien hat sich nicht erfüllt- Die ungenügende Belieferung der Landwirtschaft mit Kohlen ist im wesentlichen mit schuld an der langsamen Ablieferung. Trotzdem energische Maßnahmen ergriffen worden seien, nm die Landwirtschaft besser zu beliefern, sei eine Erleichterung noch nicht zu verspüren. Infolge­dessen wirf» eine Herabsetzung der Mehl- ra tiou von 260 auf 200 Gramm unerläßlich sein. Vorn 9. Februar ab soll die Brotration, wie ver­schiedene Blätter erfahren haben, herabgesetzt werden.

Bisher glaubte man, mit der Heraufsetzung des AuSmahlungssatzeS auskommen zu können.

Sein Abbau der Zwangswirtschaft?

tu. Berlin, 2. Fehx. Der Reichsansschuß der deutschen Landwirtschaft hat in seinen Verhandlungen mit dem Reichswirtschaftsminister die Aufhebung der Zwangswirtschaft für Kartoffeln und Zucker gefordert. Die Nmhricht, daß er mit seinen Forderungen durch- gedrungen sei oder wenigstens die entscheidenden Stel­len Hosfnung gemacht haben, bestätigt sich demVor­wärts" zufolge nicht. Auch sei eS falsch, daß der ReichSrat für die Aufhebung Stellung genommen habe.

Der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft erklärt, daß eine weitere Aufrechterhaltung der gegen­wärtigen Zwangswirtschaft nur zum Zusammen­bruch der Landwirtschaft und der Bolksernährung führe» könne. Er sieht unter diesen Umständen den besten zur Zeit gangbaren Weg zur Sicherstellung der Volksernährung und zur Erhaltung der Lebensfähigkeit bet Landwirtschaft in der sofortigen Anbahnung un­mittelbarer Lieserungsbeziehungen und erklärt sich zu diesem Zweck mit der Fortsetzung der diesechalb eingeleiteten Verhandlungen tintiüßanben.

Worum tot dn GiWento?

In diesen Tagen hat die Reichsbank die Ankündigung erlassen, daß sie deutsche Reichssilbermünzen zu einem den Nennwert ganz erheblich übersteigenden Betrage an­kaufen wolle, und zwar waren die Gebote berechnet auf der Grundlage, daß für das Markstück 6.50 X gt* zahlt werden. Gleichzeitig wird die Außerkurssetzung des deutschen SilbergeldeS angckündigt. Da- bedeutet die gesetzliche Anerkennung eines tatsächlich seit langem bereits bestehenden Zustandes. Allerdings dürften der Reichsbank zu dem jetzt von ihr gebotenen P""ise kaum -»roße ^cträge von Silbermünzen vertäust werden. Denn ihr Gebot entspricht, da aus einem Kilogramm Stein« silber 209 X ir Münzen geschlagen wurden, unter Be­rücksichtigung der Abnutzung einem Kilopreise von et na 1350- 137!- A. Tatsächlich aber wird für BacrcujUb-r zur Zeit bereits im Handel etwas über 1800 X gemblt und auch die einzelne Silbermünze von den Aufkäufer« hoher bewertet als von der Reichsbank. DaS ist nicht weiter verwunderlich, denn der Weltnmrktprers von Silber stellt sich zur Zeit auf etwa 2000 X.

ES ist eine geradezu erstaunliche Entwicklung, die auch für den Fernstehenden in den jetzigen Preisen er­kennbar wird. Man muß sich vergegenwärtigen, daß bet Marktpreis in Deutschland ht den letzten Fahren vor dem Kriege etwa zwischen 70. und 85 d« für das Kilo­gramm schwankte. Ganz so ungeheuerlich sind ja nun die Preiserhöhungen für Silber nicht, wie sie ungess e!» unseres lebigen deutschen in Papierwährung ausw i'..'ck- *en Preises erscheinen, aber auf das Drewmhalb- »is Vierfache' ist der Silberpreis auch nach der Londoner Notierung gestiegen und da? Wertverhälw.is zum r.c6t jetzt wie 1 :15 bis 1514 gegen 1 :34 bis 30 vor dem Krieoe. Kaum eine andere Ware hat während des firtc* '1'3 erne d-rartme 'M e-w.^n wie Silber,,

und es ist deshalb ganz reizvoll, sich die Ursachen und Wirki'naen dieser Vorgänge einmal kurz zu vergegen« leärtiacu.

Das alleklassische" Wertverhältnis von Gold zu Silber (1:15%) entsprach einer Londoner Notiz vou ssü'^ Peuti- für die llnzc Standardfilbers. Seit Abschluß der uapolc«mis<ben Kriege hatte sich der $?r-«^cner Silber» preis von tcn eben genannten Mittelkurfe durch Jahr« zehnte nach oben und unten nur bcrßältnt-mäWg wenig entfernt, bis die Einführung der Goldwährung in Deutschland int Jahre 1873 den Anstoß zu einer Entwer- -ung diese? Edelmeialles gab, die durch die Aufschließung neuer reicher Läger, besonders in Meriko noch befördert wurde und ihren schärfsten Grad nach d'r Schließung der Münzen Britisch-Indiens für die Silberprägung er­reichte. Im Anfänge dieses Jahrhunderts sank der Sil­berpreis in einigen Jahren unter 22 Pence und stieg 618 3um Weltkriege nur ganz borübergehend über 30 Pence. Der Beginn de? Bölkerringens sah eine Entwertung bis nahezu aur 1'2 Pence, also bis fast auf den tiefsten je er­reichten Stand. Dann aber ging es auswärts, erst lang« sam, später aber in solchen Sprüngen, daß sich England und'Amerika zur Einführung von Höchstpreisen verbau« den. Im Frühjahr 1919 wurden diese wieder ausge« hoben. Einzelne Tage brachten dann Schwankungen, wie sie früher vielleicht im Laufe eines Jahres eintraten.' Die deutsche Silbcrmünze war ja infolge der Entwer­tung der deutschen Währung schon seit längerer Zeit mehr teert als der Nennbetrag. Jetzt aber wurden all­mählich alle Grenzen überschritten. Uel>erall wird Sik« her und Gold gehamstert, denn überall sind beide Metalle überwertig.

Fragt man danach, tvelche Gründe gerade dieser -toare zu einer solchen Höherbewertung verhalfen haben, so liegt die Antwort darin, daß es eben zum Teil gar keine Ware, sondernGeld" ist, vor allem aber in den unge­heuren Ansprüchen, die China und in ganz besonders hohem Maße Indien an den Silbecmarkt stellt. I« Indien liegt der Schlüssel zu den Rätseln des Silber« Marktes. Seit Jahrhunderten sammelt der kleine . .an» Indiens seine Ersparnisse in Silberrupicn. Teils wer« den sie vergraben, teils wird aus ihnen Schmuck enge» fertigt. Wie eine ungeheure Säugpumpe zieht das Land Riefenmassen von Gold und Silber nach sich, mit denen ihm der Ueberschuß seiner Warenlieferungen bezahlt werben muß. Gerade durch den Krieg aber find dre Forderungen Indien» an Europa und Amerika so ge­wachsen. daß aus Amerika allein in fünfviertel Jahren so viel Silber nach Indien geschafft wurde, al» nach dem Maßstab der letzten Zeit in knapp 2 Jahren auf der ganzen Erde gefördert wirbt Und da auch China ebenso wie Holländisch-Jndicn und andere Länder mA immer neuen Ansprüchen an den Silbermarkt herantretcn, s» ist eS schließlich nicht weiter verwunderlich, wenn dieser Preise zeigt, wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Eine Voraussage über den zukünftigen Silberprci» ist.natur» lich schwer. Angesicht» ber hohe« Weltmarkt»prefie und bet Verarmung Mitteleuropa» dürften sehr viel silberner Schmuck und Gebrauchsgegenstände an den Markt strömen. Andererseit» bleibt die Nachfrage Indien» sicherlich noch auf Jahve hinau» sehr groß.

Türkei.

wb. L o n b' o n, 2. Febr. Reuter erfährt, daß einem Telegramm auS Konstantinopel zufolge die Nations« listen am letzten Mittwoch eine regelrechte Plünde­rung der großen Kriegsinatrrialrendepot» aus Galli» poli veranlag hatte«. ES seien 800000 Gewehr^ 500000 Patronen und 53 Maschinengewehre geranM worden, die wahrscheinlich nach der asiatische» TürM oebracht worfle» sind.