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tr.lt dem Kreisblatt für den Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen

Marburg

Freitag, 30 Januar

DieDbtrbelhi*e Zeitung- erscheint sechsmal »Scheatlich. Der

Hz? <)£ Bezugspreis hefräet wenetli* ?,ro X. frei 'n# Haus; durch dl« Pak vl»- 2.<'O *. »tzne BefteUseld Serie« »en Dr. L. Hitzer»td. Druck der

Uni» . Suchdr. dou J»h. Ä * fl. Nach. Markt 21/23. Fernsprecher 65.

1920

Der Anzeigen»«!, beträgt fir die Sgei». Zeile 50 4, amtliche und «u,»«r I - K rv-t-, nie 60 , Äeklamezeile 1J60X. Zu ollen Preisen 5 »>, Aufschlag. Jeder Aadatt «ill I »^0 al» Darradatt. Le- Auskunft durch die Le>chSit»stelle u. Vermittlung »er An. gebete 26 4 Lander,edSbr. - P»ftscheckk»uta: Nr. 5C15 Amt Frankfurt o. M.

Der SrifötH dn ©«rettinlsit

Mit der Forderung des Selbstbestimmungsrechtes jer Völker haben unsere Feinde währe'.td des Krieges eine Haßwclle nach der andern gegen uns aurgepeiischt. Im Frieden haben sie dann ihr Wort in die Wirk- ßchkeit Lbersetzt. Und so erleben wir es jetzt, daß kerndeutsches Gebiet an «remde Machthaber ver­sklavt wird. Deutschland räumt die Abstimmungs- ßeb'.ete ix Nordschleswig, es räumt sie m Ost-- und Westpreußen, und es räumt die Gebiete, die ohne jede kol^abst'.mmung allem Selbstbestimmungsrecht zum hohn, dem Feinde zugesprochen sind. Aus dem rein deutschen Danzig ziehen die deutschen Truppen ab und tznen folgt auf dem Fuße der fremde Gebieter.

Die Opfer, die die Erfüllung des Versailles Frie- densvertrages forderte, sind vom ersten Taze an über­aus bitter und schmerzlich. Die Wunden, dir im Osten dem deutschen Reichskörper geschlagen werden, wer­fen, solange sie offen bleiben, die deutsche Entwicklung amFabr hnndertezurück. Der Pole jetzt feinen Fuß wieder auf Gebiete, die von deutscher Kultur aufs Tiefste durchdrungen sind unb die dem Deutschtum Nicht etwa mit dem Schwerte, sonoern durch zähe, un« »erwüstliche Arbeit von Volk und Negierung gewonnen lvurdr». Und es ist nicht einmal die Frucht des eigenen NegeS, die ihm dabei in den Schoß fällt, sondern das Neschex! der Westmächte, die Deutschland unter allen Umständen verkrüppeln wollen und sich dabei Polens Üs ihres Werkzeuges bedienen. So wenig fühlen sie sich ßkbst als Sieger, daß sie der polnischen Un« fttftwr di« Schleuse öffnen, um deutsches Lnrrd damit p« Überfluten. Dies alles ist zwar von ausgesuchtem kaftixewent, aber auch, geschichtlich betrachtet, un- tzehemer schwach. Deshalb verzagen wir nicht. So schwer fcnr auch die Räumung deutscher Städte und deutsche,» Landes empfinden, so tief auch die Wunde der Schmach in unserem Herzen brennt, so wenig geben Ntr d»ch die Hoffnung aus, daß .wir das Verlokene xlräkk-rwinnen werden. In allen den Teilen, in denen die Westmächte die Volksabstimmung zugelassm haben, leerbew die Deutschen ihre' Pflicht tun, trotz aller aus- gefoxschexen Parteilichkeit der fremden Besatzungsbe- frärbex. Dort, wo man deutsches Land, ohne seine bewohne» zu fragen, von uns losreißt, bleibt das Band sen,einsamen Volkstums bestehen. Und . aus der Ge- »einsxmkeit des Landes und des Blutes wird dereinst doch wieder eine politische Gemeinschaft werden. Wir wüstßx jetzt zusehen, wie der Feins die Beute ein- streit^. Jedoch wir wissen, daß er seines Raubes nicht frof; werben wird.

Die Wiederaufnahme der diplomatifchen Be­ziehungen.

xA. Paris, 29. Jan. Heute Nachmittag 5 Uhr wurde der deutsche Geschäftsträger Dr. Mäher vom Ministerpräsident und vom Minister des Aeußern Mil- Krand $»r Ueberreichung seines Beglaubigungsschrei­bens hx Quai d'Orsay empfangen.

tost. Prag, 29. Jan.Cesko Slowe" erfährt über die Besetzung der Posten des auswärtigen Dienstes der RepabUi h. a., daß die Be rl in er Gesandtschaft dem Legati»nsrat Kobr zugeteilt werde. Der bisherige Vrrlrejer in Wien, Dr. Flieder, werde zum Geschäfts­träger m Wien ernannt. Zum Generalkonsul in Ham- dvvF M Ingenieur Vavrecka bestimmt.

Die Dalu-alsnserenz.

P»»is, 29. Jan. Die heutige Sitzung der $a» lut«<-Konferenz beschäftigte sich mit der schwie- tigcn Lage des deutschen Markkurses. Die gefaßte Ent- schli'f>»«g soll unverzüglich bctaimt gegeben werden.

Die Räumung.

M» 23. d. M. fand in Oppeln die letzte Be- fichtigmrg der Truppen der Garnison Oppeln statt. Die Parade wurde durch General v. L ne t t w i tz, Ko«m«che»r des Grnppenkommandos l in Berlin in Vegleitnmg seines Generalstaböchess, Generalmajors v. Oldr«G«,feii, abgenommen. Die Truppen der Gar- «iso» Oppeln wurden geführt durch Generalleutncntt Leq»is, den Kommandeur der Reichswehr-Brigade 8 tx Oppek». Ein großer Teil der Bevölkerung von Dppek» hatte sich eingefunden. Nach Schluß der Pa- eabe hielt General von Luettwitz an die Truppen eine tury 8 »spräche, in der er den Tnippen für ihren Dienst in Oberschlesien dankte und hervorhob, daß er für bim deutschen Soldaten das Schwerste sei, was von ihm verlangt werde, wenn er deutsches Land dem Feinde yn Besetzung überlassen mässe. DaS deutsche Heer sei aber der festen Zuversicht, daß es kein Abschied für »wner sei, sondern daß der Tag kommen werde, stw die deutschen Truppen unter dem Jubel der Be- dölkerxxg wieder in Oberschlesien einrücken werden, Nachdem das oberschlesisch« Volk am Abstimmung?- tage gezeigt habe, daß es deutsche Treue zu halten versteh«.

DaS Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Schwetz, das dort seit 23 Jahren im Mittelpunkt der Staor gestanden hat, H vom den Pole« abgciurmrnen Wochen.

Ter Rücktransport der KrieqSgefanqenkN-

Wb. Paris, 29. Jan. (HavaS.) In bett fünf Tagen seit Beginn des Abtransports sind, bereits über 50 000 deutsche Kriegsgefangene heimge'chafft worden.

Wb. Berlin, 29. Jan. Die deutsche Fürsorge kommission für Heimbesöcherung der Knegsgesangenen 'us Sibirien ist in Wladiwostok eingetroffen und hat bereits mit der Verteilung von Liebesgaben an die Gefangenen begonnen. Man hofft über die Heim­kehr in Kürze bestimmte Mitteilung machen zu können.

Die Heimkehr der Kriegsgefangenen auS Japan schreitet fort.

Admiral v. Reuter fteigelafiee?

wb. London, 29. Jan. (Havas.) Die Zei. tung©lobe meldet, der verantwortliche Urheber der Zerstörung der deutschen Kriegsschiffe von Scapa Flow, Admiral v. R e u 1 e r, der interniert war, sei freigelasien worden und befinde sich be­reits auf dem Wege nach Deutschland.

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Nus dem be^tzten Gebiet.

Wb. Berlin, 29. Jan. Für die Einreise in daS besetzte rheinische Gebiet wird eine Genehmigung nicht mehr verlangt. Es genügt ein deutscher Paß mit Lichtbild.

mc. W i e s b a d e n, 29. Jan. Bei den nassruischeu Holzversteigerungen werden augenblicklich von frem­den Händlern gercchezu wahnsinnige Preise geboten. Für einen Klafter Kiefernkiräpvel stieg daS Angebot mehrfach auf 400450 Mark. Buchenholz und bessere Nutzhölzer wie Birken und Ahorn siitd, an und für sich schon spärlich, für den gewöhnlichen Käufer infolge der Preise unerschwingbar. Zahlreiche Gemeinden sind schon dazu übecgegang-'n, auswärtige Läufer von den Versteigerungen anSzuschließen.

mc. Kelsterbach (Main), 29. Jan. Zu einer schweren Schläge«, kam es zwischen französischen Kolo- nialfoldaten und einigen Bauernburschen, die diese bei dem Strohstehlen erwischt hatten. Mehrere Soldaten wurden schwer verletzt.

wb. Danzig, 28. Jan. Die Zahl der Entente- trupvcn ist um ein englisches Bataillon vermindert worden.

Fnolififie Arik-,MN gkgkn Kränklich.

Das französische System im besetzten Gebiet.

wb. Amsterdam, 29. Jan. DieDaily News" veröffentlicht ein Schreiben eines Engländers ans Ber­lin, in dem es heißt: Die Verurteilung der Gebrüder Röchling sei ein neues Beispiel dafür, waS die Fran­zosen unter Gerechtigkeit gegen ihre früheren Feinde verst.'ben. Die gesamte Nation scheine von Rachsucht erfüllllt zu sein. Der Schreiber fragt, ob es irgend etwas Unerwünschteres gebe, als die Entsendung schwarzer französischer Truppen ins besetz!« ventsche Siebtet. Kein Tag vergehe, ohne daß man von Ver brechen höre, die von ihnen begangen wurden. Der Verfaffer zieht aus der Verurteilung des Raubmörders eines jungen deutschen Mädchens in Ludwigshafen den Schluß, daß die sranzösisch.n Militärbehörden die Er- mordtmg des deutschen Mädchens als etwas ganz Ge­ringfügiges ansehen. Unter HintveiS auf das Ver­bot eines französischen Offiziers, in einem Teile deS be­setzten Gebietes Propaganda für die sterbenden Wiener Frauen und Kinder zu machen, erklärt der Schreiber: Und man sagt uns, daß wir diesen Krieg kämpften, um die Menschheit zu retten! Die Zeit ist gekommen, wo das britische Publikum eS den frtmzösischrn Freunden klarlegan mutz, daß diese Politik der Wiederoergeltimg aufhören muß. 63 ist ganz hoffnungslos, einen dauern­den Frieden zu erwarten, solange dieser Geist vor­herrscht; et hat eine sehr schlechte Wirkung auf die Millionen Deutschen, die augenblicklich wirklich mit pazifistischen Jb en erfüllt sind." In einem Leitauffatz nennt dieDaily News" dieses Schreiben eine schwere Anklage. Das Matt schreibt: Für die Entsendung schwarzer Truppe» nach dem besetzten deutschen Gebiet können nur zwei Gründe geltend gemacht tverden: Die Notwendiake.it und Rache. (Eine Notwendigkeit sei je­doch nicht vorhanden. Es iuäre weit t-esser, das Be- sehungsrecht vollkommen aufzugeben, als jckpvarzc Trup- pen zu verwende«.

Nn.mla.

wb. Amsterdam, 29. Jan. DemTekgraaf" wird auS ^Washington gentelbci: In einer stürmischen Sitzung der Seuotorcn beider Richtungen wurde erklärt, daß noch kein Weg gefunden sei, der zur Ratifizierung des Frir- densverlrageS führe. Senator Hitchcvck erklärte, daß. falls kein Ausgleich geschaffen würde, er den Kampf in den Senat tragen werde.

wb. Amsterdam, 29. Jan. Wsiwu hat im Kongreß darauf geöntngen, daß dieLebensmittellieferun- gen nach Europa beschleunigt werden.

tob. Haag, 29. Jan. TerNieutve Couranr" meldet aus Washington, daß Wilson sich zur Wiederherstellung jcincc Gesundheit yi längerem Aufenthalt mich Kali­

fornien begebe« und wahrscheinlich eine Zeitlang in San Diego wohne« werde.

wb. New-York, 29. Jan. Der Dampferdienst der Ned-Star-Linie zwischen Antwerpen und New- york wird am 25. Februar wieder ausgenommen.

wb. Newhork, 29. Jan. (Reuter.) Die In- fluenzaepidemie greift weiter um sich. Tie Sterblichkeit ist jedoch gering. In Newyork erkrankten bis jetzt 40 000 und in Chicago 17 000

tob. Washington, 29. Jan. (Reuter.) Der Bot­schafter der Bereinigten Staaten in Mexiko Fletcher trat zurück.

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Fiume. .

Die Antwort der Belgrader Regierung.

wb. Paris, 27. Jan. In der Antwort der serbo-kroatisch-slowenischen Negierung auf das Ultimatum des Obersten Rates heißt es u. a.: Die Regierung betrachtet die Mitteilung vom 20. Ja­nuar aL einen freundschaftlichen Vorschlag und nicht als einen kategorischen Befehl. Sie hält sich für berechtigt, Abänderungen vorzuschlagen, die das allgemeine Interesse und die Besorgnis ein­geben, um die freundschaftlichen Beziehungen mit den benachbarten Staaten aufrecht zu erhalten. Desh"lb erbietet p- sich, die Lösung der Adtta- frage einem Schiedsgericht zu unterstellen. Cie kann aber nicht verstehen, wie ein zwischen drei Machten ohne ihre Mitarbeit abgeschlosiener Ver­trag auf sie angewendet werden kann. Die Vor­schläge kann sie nicht in ihrer Gesamtheit an­nehmen und hofft, daß die Regierung ermächtigt wird, Vorschläge zu unterbreiten, die den Frieden in der Adria sichern. Sie sieht sich genötigt her- norzuheben, daß für die Räumung der Stadt Fiume und Zara, aus denen unabhängige Stadt- ner* finde werden sollen, keine Sicherheit geboten ist. Die kürzlichen Ereignisse hätten bewiesen, dass ^ie Kommandeure der Truppen, die diese Gebiete ^setzt baffen, sich nicht an die Weisung ih-er Re­gierung halten. Die serbische Regierung habe bis­her gezeigt, dass sie auch unttr den schwierigsten Umständen gewillt ist, in freundschaftlichem Geiste zu verhandeln.

- Or ,

Rußland.

Die Räteregierung zu Zugeständnissen bereit.

wb. A m st e r d a m, 29. Jan. DerTelegraaf" meldet ans London, dass einem drah losen Bericht aus Moskau zufolge die Sowjetregierung bereit fei, im Austausch gegen die vom Ausland zu be­ziehenden Waren eine Summe Geldes zu bezah­len jptoie Konzessionen zu erteilen.

Koltschaks Verhaftung.

mb. Paris, 29. Jan. Mit Rücksicht auf die Meldungen der heuttgen Presse, dass Admiral K o l t f ch a k auf Befehl des französischen Generals Janin verhaftet worden sei, berichtet derTemps", dass Millerand, sobald er davon Kenntnis erhielt, mit General Janin telegraphierte, um Aufklärung von ihm zu verlangen und ihn aufgefordert habe, sofort alle Mcchnahme zur Befreiung des Ad­mirals zu ergreifen.

Auch Judenitsch verhaftet.

mb. S t o ck-h o l m . 29. Jan. General Jude­nitsch wurde von General Bulatowitsch in dem Augenblick verhaftet, als er sich nach Helfingfors begeben wollte. Die estländische Regierung soll dem General Bulakowitsch behilflich gewesen sein. Die Mili äpmission hat bei der estländischen Regie­rung Einspruch erhoben.

/j Die Randstaaten. 4 , \

^wb. -L ö nd 0 n, 29. Jan. Remter vernimmt, dass die Differenzen zwischen Lettland und Estland wegen des Bezirks Walk einem Schiedsgericht un­ter britischem Vorsitz unterbreitet worden ist. Die Verbündeten sind ferner bestrebt alle Ve mit elun- gen zwischen Libau und Polen zu bewirken, da die Lage wieder gespannter geworden ist.

Paris, 29. Jan. (Havas.) DerTempi" meldet: Ein Beschluss der estnischen Regierung ge­stattet den freien Transitverkehr der Ein- und Aus­fuhrgüter Sowjetrußlands.

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England.

wb. London, 29. Jan. In einem Aufruf be­kannter Gewcrkschaftr- und Arbeiterführer wird der fosortige Friede mit Sowjet-Rußland gefordert. Wenn die Arbeiterpartei zur Macht kom­men sollte, würde sie sich nicht durch militärische Ge­heimabkommen gebunden fühlen.

wb. Kairo, 29. Jan. (Havas.) Ein als Amateurphotograph verkleideter Mann versuchte den Minister der öffentlichen Arbeiten, S i r r y Pascha, zu etw1 indem er eine Bombe

gegen ihn warf. Der Minister wurde nicht verletzt, obwohl sein Automobil zertrümmert wurde.

Attentäter konnte verhaftet werden.

Ei« eugttsche, Urteil über Lettow-Vorbeck.

wb. Amsterdam, 28. Jan. DieTimes* schreibt in einem Leitaufsatz über General v. L et« tow-Vorbeck, dessen Feldzugserinnerungen das Blatt veröffentlicht, die Grösse des Generals liege in der hervorragenden Entschlossen­heit, die ihn durch Tausende von Prüfungen des vieljährigen Tropenfeldzuges hochhielten. Nur die moralische Kraft seiner gebieterischen Persönlich­keit konnte solches vollbringen. Dass er de» Krieg s0 rein und so ritterlich führte, war von den Kennern seiner Art erwartet worden. Das Ueberraschendste an seinen Erzählungen sei die Standhaftigkeit seiner eingebo­renen Truppen. Ihr Verhalten zeige, wie gefährlich es gewesen wäre, Deutschland ein tro­pisches Reich zu lassen.

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Ser SemsgEklkN mit dm IM IMuMkN.

Die preussische Staatsregierung hat, wie ge­meldet, der Landesversammlung das Gesetz über die Dermögensauseinandersetzung zwischen dem preußischen Staate und dem preussischen Königs­hause übergeben. Dem Gesetz ist als Anlage beige­fügt der in dem Protokoll vom 22. Januar 1920 niedergelegte Vertrag über die Vermögensausein- anderfetzung zwischen dem preußischen Staat und dem preussischen K' nigshaus, der von beiden be­teiligten Parteien genehmigt worden ist. Dieser Vergleich ist zustandegekommen, einerseits zwischen dem Minister des vormaligen königlichen Hauses Grasen zu Eulenburg, als Vertreter des kö­niglichen Hauses und andererseits zwischen dem preußischen Justizminister Dr. Am Zehnhoff und dem preußischen Finanzminister Dr. Silbe« k u m als Vertreter der preußischen Regierung. Ja diesem Vergleich heisst es u. a., daß unter Anerken­nung des Eigentums des Staates das königliche Haus auf alle etwaigen Rechte an einer Reihe von Schlössern und Grundstücken, die na­mentlich verzeichnet werden, verzichtet. Zu diesen gehören u. a. das Königliche Schloss zu Berlin mit Lustgarten, die Marstallgrundstücke, Schloss *nb Park Monbijou, das Kronprinzliche Palais zu Berlin, das Prinzessinnen-Palais zu Berlin, Schloss und Park Charlo'tenburg, Jagdschloß Grünewald mit Erunewaldsee und Park Sanssouci mit dem Neuen Palais, der Neue Garten bei Potsdam, die Maueninsel, die Schlösser in Königsberg, Breslau, Homburg, Wiesbaden, Hannover, ferner das Or­densschloss zu Marienburg, dagegen erkennt bet Staat an, daß die im Grundbuch auf den Name» des Königshauses oder einzelner feiner Mitglie­der eingetragenen Grundstücke Privat­eigentum des Königshauses sind. Zu diese« gehören u. a. Schloß und Park Bellevue, Schloß und Park Babelsberg, das Jagdschloss Hubertusstock, die Burgen Hohenzollern und Stolzenfels a. Rh. r''et Staat stellt dem Königshaus als Wohnsitz mit dem Recht der Nutznießung zur Verfügung auf Le­benszeit des Königs und seiner Gemahlin Schloss und Park zu Hombu.rg, ferner für Mitglieder der engeren königlichen Familie auf die Lebenszeit des Königs und des Kronprinzen sowie ihrer Ge­mahlinnen den im Neuen Garten bei Potsdam be* legenen Cecilienhof mit den dazu gehörigen abge­grenzten Teilen des Neuen Gartens und Neben­gebäuden, sowie die Matrosenstation und endlich auf etwaigen Wunsch der KLnig..r auf deren Le­benszeit das Marmor-Pa^nis mit den dazu ge­hörigen abgegrenzten Teilen des Neuen Gartens und den Nebengebäuden nebst Inhalt und Zu­behör.

Die Kron insignien (Zepter. Reichsapfel, Reichssiegel, Reichsfahne und Reich.chelm) gehen in das Eigentum des Staates über. Im übrige« verbleiben die Kronjuwelen Eigentum des könig. lichen Hauses. Dem Staate verbleiben insbeson­dere außer dem früher bereits dem Staate über­wiesenen K u n st g e g e n st ä n d c n diejenigen Gegenstände, die zur künstlerischen Ausstattung der in seine Verwaltung übergehenden Schlösser ge­hören ober für ihren kulturhistorischen Charakter bedeutsam find. Dagegen verbleibt dem töniglichen Haus aus den in staatliche Verwaltung übergeben« den Schlössern und sonstigen Gebäuken aller Pri- vatbefitz, d. !j. Eegenf'"nde von vorwiegend sami- liengeschichtlichem Wett, persönliche Andenken, Ge­genstände aus Edelme all, Juwelen und Weisszeug.

Das Königshaus entsagt allen Ansprüchen aus die Grundstücke und Gebäude der vormaligen kö­niglichen Theater in Berlin, Hannover, Cassel und Wiesbaden. Es verzichtet auf bas ihm zu«