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mit dem Kreisblatt für den KrclS Marburg

Tageszeitung für (das früher knrhessische) Oberhessen

JS23

DieOderbessische Zeitung" ersck-eint fe*«m«I Wöchentlich. Der Sezugrprei» beträot wenatli» ?,5O X. frei m» H-u«; durch die V«W 2.V) *. ebne «ekeNgelb - Verl«, »an Dr. C. Hitzeratd. Druck bet Uni» -vuchbr. van I » h. A u g. Koch. Markt 21/23. 5ft*f»tt*et 55.

Marburq

Mittwoch. 28 Januar»

Der Rnzeigenvrei» beträgt fit bte 8 gelt. Zeile 50 4, ewtli<6e »nd «»«»ir­rige 60 , MetUmejeile 1.50 X. Zu allen Preisen 5!, Aufschi««. Jeber M«b«tt «tlt 1« 8«n«b«tt Be> Nurknnft burch die Geschiftrftelle «. kerrntttluna bet An» gebet« 25 4 LanbergebRhr. Hostscheckk»nt«: Ar. 5615 L»t Fr«»ks»rt o. M.

55 Jahrß«

1920

, Sie Marano der WMtinlnß«.

Die Wiederaufnahme der diplomatische« Beziehungen.

' to6. Paris, 28. Jan. Der deutsche Geschäfts' träger Dr. Mayer wird Millerand am Donners ag nachm. 8 Uhr im Quai d' Orsay sein Beglembigungs- fchreiben überreichen.

! Berlin, 27. Jan. Wie dieBoss. Ztg." erfährt.

erklärte sich die belgische Regierung aus eine inofsizielle ;$[nfuige mit der Entsendung des Abg. Landsberg deutschen Geschäftsträger einverstanden.

Wirtschaftliche Hilfe für Deutschland?

tob. Zürich, 27. Jan. Wie dieZüricher Zcilg" Zerfährt« ist Ministerpräsident Lloyd George mit einer neuen Orientierung aus Paris znrückgekehrt. Er sei Isich darüber im Klaren, daß die Strafbestimmungen des Friedensvertrages unbeachtet bleiben müßten, «nd er fei überzeugt, daß Mitteleuropa dem freien

Handel wieder geSsfnei werden müsse. Er sehe ein, baß dies nur möglich sei, wenn durch Kredite Deutsch­land wieder hergestellt werde. Der erste Schritt dürste kine große Anleihe an Deutschland sein. Die Westminster Gazette" meint, daß diese neue Orien-- tierung auch Aendecungen in den Bestimmungen der Wiedergutmachung nach sich ziehen könnte.

Di« drohende Zahlungsunfähigkeit. Deutschlands.

j kg. Rotterdam, 28. Ian. TaS englische Kabinett Ha! in der zweiten Sitzung sich mit der drohenden Gc- fahr der Zahlungsunfähigkeit Deutschlands infolge der lommunistischen Experimente befaßt.

Ter Völkerbund.

' toc. Cttinarbon, 27. Jan. (Zunkfpruch.t Wie aus London .gemeldet iviti>c beginnt der. Völkerbund Beute feine praktische Arbeit. Zum ersten Male toerden deutsche Delegierte an den Beratungen teilnehrnen.

, Paris, 27. Ian. Rach einer Meldung aus London wird die ztveite Zusammenkunft des Rates de? /Völkerbundes am 11. Februar in London statt finden. Der Rat wird in dieser Sitzung die Frage des Sitzes des WlkerbundeS prüfen.

! Ivb. Paris, 27. Jan. (Havas.) Hinsichtlich der Luprcchterhaltung der schweizerischen R eu - 1raliLeit konnte die Botschafterkonferenz nach dem »Echo de Paris" nur den früheren Beschluß des Obersten Rates bestätigen. Der Völkerbundörat wird über die jbcn der Schweiz vorgebrachten Vorbehalte entscheiden. Bernrtcilung eines Nöchlingfchen Betriebslrite.s.

mb. Amtens, 27. Jan. Das Kriegsgericht in Amiens verurteilte den deutschen Ingenieur Sutter zu 5 Jahren Festungshaft. Zutter be­trieb für die kürzlich vor dem gleichen Kriegsge­richt verurteilten Gebrüder Röchling eine Fabrik in Longwy.

Las zu schwache deutsche Heer.

tob. A m st e r d a m , 27. Ian. In einer Unter­redung mit dem Berliner Vertreter des ,.Telc- firttaf' erklärte Roste, die Neutralen und die Verbündeten hätten das größte Interesse daran, daß Deutschland bald zur Ruhe komme. Vielleicht kämen die Verbündeten noch im letzten Augenblick zu der Einsicht, daß das Deutschland erlaubte Heer von 100 000 Mann nicht in der Lage sei, ine Ruhr int Mittelpunkt Europas zu gewährleisten.

Ein österreichischer Kreuzer in Brindisi gesunken.

wb, Mai'land, 27. Jan. DerCorritre della Sera" meldet ans Brindisi, daß der öster­reichische PanzerkreuzerNavarra", der wäh­rend des Krieges mehrere Kreuzfahrten an die italienische Küste unternahm, im Hafen non Brin­disi gesunken sei. Hebet die Ursache verlaiftet bis­her nichts.

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Aufschub der Näummig.

Wb. Berkin, 27. Jan. lieber die Räumung der Kbtrelungs -und Abstimmnngsgeöiete im Osten ersah e« wir von amtlicher Stelle: Ans Ansuchen der Ver­bündeten wuwcn die Räumungen, da die Entsendung von Trnptzen durchhöhere Gewalten" verzögert werde, km 5 Tage verschoben. Es beginnt die Räumung t>kcrschkeftens (Südostecke Nikolai) statt am 26. 1. erst toi 31. 1. Ob die Räumung des tschechischen Abtre­tungsgebietes und des Hultfchiner Landes auch nm 6 Tage verschoben wird .also statt am 30. L erst am 4. 2. erfolgt, ist noch nicht geklärt. Der Vormarsch der Dolen in dem polnischen Abtretungsgebiet ist nördlich ton Sett'nt angehalten worden, damit die Bahn Danzig Zstolp für die Räumung Danzigs in unserer Hand bleibt. Tie Räumnng^des Freistaates Danzig (nid Lch d« Stadt) muß statt bis zum 1. 2. bis zum 6. 2. tormittOjfS und die Räumung der Stadt Danzig stall bi« zum 4. 3. bis zum 9. 2. vormittags beendet sein.

RSmtvmg des Abstimmungsöezickes Marienwerder örginnt f$Mt am 26. 1. a>n ?i. 1. Von dem Abstim­

mungsbezirk Allenstein ist die südliche Ecke (Neideuburg, Johannisburg, Lyck) bereits geräumt. Das Abtre- tungsgebiet Memel muß statt bis zum 14. 2. bis zum 19. 2. geräumt sein. Weitere Verzögerungen bei allen Räumungen sind nicht ausgeschlossen.

wb. Hadersleben, 27. Jan. DaS Kaiser- Wilhelm-Denkmal in Hadersleben, das vor dem Einzug der französischen Truppen mit Säcken verhüllt tverbcn mußte und dessen Beseitigung von einem Teil der Einwohnerschaft gefordert worden war, wird auf dem Grundstück des Deutschen.Bürgervereins ausgestellt werden, um es allen weiteren Angriffen zu entziehen.

wb. Hadersleben, 27. Jan. Anläßlich einer Bariete-Vorstellung kam eS hier zu einem unliebsamen Stuf tritt. Ein Darsteller hatte in einem Kuplet einen sich auf Frankreich beziehenden Scherz gemacht. Darauf «orderten die anwesenden Franzosen den Darsteller auf, öffentlich um Verzeihung zu bitten und dem Publikum ..Vive la France!" zuzurufen. Gegen diese Anmaßung protestierten sowohl der Darsteller wie das Publikum. Tinr mit Mühe gelang es, die Erregten davon zu über­zeugen, daß es sich nicht um eine Beleidigung gehandelt habe, tvorauf sie sich beruhigten.

Die Danziger Frübiabrsmeffe.

wb. Danzig, 27. Jan. Die Leitung der Danziger Frühsahrsmesie teilt mit, daß durch die Besetzung Dan­zigs die Messe in keiner Weise gestört werde. Von polni- fdter Seite wird erklärt, daß alles geschehen solle, um die Danziger Frühsahrsmesie, an der der Handel und die Industrie Polens großes Jntereffe haben, zu einem vollllen Erfolg zu verhelfen. Tie Danziger Frühjahrs­messe findet also unter allen Umständen vom 18. bis 25. Februar statt. Durch den inzwischen in Kraft ge­tretenen Friedensvertrag ist die Ueberwachung der neuen deutsch-polnischen Grenze bei Könitz und Neustadt not­wendig geworden. Auf den Besitz eines Paffes wird viel­leicht ganz verzichtet werden. Eine Bahnsperre, die den ribtransport der Meffegüter hindern könnte, besteht nicht und ist auch nicht in Aussicht genommen. Für die Unter­bringung der Fremden stellte die Danziger Bürgerschaft 10 000 Quartiere zur Verfügung. Für Verpflegung ist gesorgt.

Aus dein beschien Gebiet.

Me üMfieleranosiraot.

Vorschlag der Aburteilung der Schuldige» i» Deutschland unter Aufsicht der Gegner.

wb. Paris, 27. Jan. Dem Sekretariat der Friedenskonferenz wurde gestern eine neue deutsche Note bez. der Auslieferung der Schuldigen über­reicht. Die deutsche Regierung erhebt darin Ein­wände gegen die Ausführung des betreffenden Ar­tikels und stellt fest, daß die Auslieferung zweifel­los wirtschaftliche und politische Sto­rungen zur Folge haben und daß die Bergwerke in ihrer Produktion beeinträchtigt würden. Zum Schluß schlägt die Regierung die Aburteilung der Schuldigen in Deutschland vor unter der Aufsicht der Verbündeten, wie ste es schon früher vorgeschlagen hat.

Das Deutsche Reich bietet also Verzichtder Eerichtshoheit an. Es ist aber unwahr­scheinlich, daß die Gegner diese Selbsterniedrigung annehmen werden, es sei denn, daß aus dem Ver­fahren ein rein englisches oder französisches würde, das sich von dem geforderten nur dadurch unter­scheidet, daß es statt in England oder Frankreich auf deutschem Boden stattfindet.

Finnischer Protest gegen die AuSliefernngSforbernng.

wb. Amsterdam, 27. Jan. DasAllgemeen Handelsblad" meldet aus Helstngfors, daß der vormalige finnische Reichsverweser und Direktor der Universität Helstngfors Swinhufvud und 28 Profefforen sowie zahlreiche andere Personen Finnlands einen offenen Brief veröffentlichen, in dem sie das Ersuchen um Aus­lieferung deS Deutschen Kaisers unb'bon deutschen Bür­gern auf das Schärfste verurteilen. Sie erklären, daß die Auslieferung in Widerspruch zu den Grund- iätzen der Haager Konvention des Jahres 1907 und zum Völkerrecht stehen würde. Die Behauptung, daß Deutsch­land selbst damit einöerftonbcn sei, könne nicht aufrecht­erhalten toerden, da die Unterzeichnung des FrieoenS- vertrages mit Gewalt erzwungen sei. Das Ver­fahren stehe in Widerspruch mit den elementarsten Forderungen des Rechts, da Richter und Kläger in einer Person vereinigt sei.

Tie Answeftungeu ans beut Saargebiet.

Ivb. Berlin, 27. Fan. Reichskanzler Bauer richtete an den von den französischen Besatzungstruppen ohne Angabe von Gründen ausgewiesenen Verwaltungspräsi- tcutcn des Saargeüietes v. Halfern nachstehendes Schreiben: Nachdem Sie von den französischen Be­satzungstruppen ohne Angabe von Gründen Ihres Amtes enthoben und innerhalb von zwei Stunden aus Ihrem Amtssitz Saarbrücken und Ihrer rheinischen Heimat ans- gewiese» sind, iutttbc gegen dieses rechtswidrige Vor­gehen auf diplomatischem Wege Protest eingelegt. In Verbindung mit dieser Mitteilung ist eS mir ein Be­dürfnis Ihnen für Ihr treues Ausharreu auf Ihrem Posten in schwerster Feit, für Ihr mannhaftes Ver­halten den Dank und die Auerkennung der Reichs­regierung auszusprechcn.

EinDeutscher"!

ntc. Frankfurt a. M., 27. Jan. Ein unglaub­licher Vorgang hat sich Ende der vorigen Wcche im nahen Höchst zugetragen. Ter Leutnant Fritz Mumm t. Schwarzenstein war mit sieben deutschen Soldaten nach vieler Mühe ans französischer Gefangenschaft ge- fküchtet. Glücklich in Höchst angelmrgt, fragte er dort Kn Schutzmann Nr. 8, wie sie wohl am besten ans dem besetzten (Gebiet heraus nach Frankfurt kämen. Der, wohlgemerkt, deutsche Schutzmann versprach ihnen weiße Armbinden zu besorgen, kam aber sofort mit einer französischen Marokkanerpatrouille wieder, die die acht deutschen Kriegsgefangenen festnahmen. Leutnant Mumm V. Schwarzenstein und fünf Soldaten wurden sofort nach Frankreich zurücktranspor- fiert, die drei übrigen Soldaten kamen Nach Mainz wegen völliger Erschöpfung ins Krankenhaus, wo sie am Sonnabend abermals geflohen und setzt glücklich nach Frankfurt gelangt sind.

mc. Wiesbaden, 27. Jan. Trotzdem mit Ein­tritt des Friedenszustandes der freie Verkehr mit dem besetzten Gebiet erlaubt wurde, untersuchen die fran­zösischen Posten am Bahnhof alle Pakete der Reisenden mit großer Strenge. Auch wer mir ganz wenig- waren für seinen eigenen Beda cf bei sich hat, bekommt f?iit gesamtes Gepäck beschlagnahmt. In den meisten Fällen Hai er es dann verloren.

Das Nkichsnoigpfcr als Wicdersinimalsmllst.

lg. Rotterdam, 27. Jan. Aus London wird ge­weidet, daß bas eu.qlifche Schatzamt die voraussichtlichen Ergebnisse der deutschen BermSgensabgabe in den Vor­anschlag brr Wirbcegutmachnngszablnng Deutschlands an England für da» Fahr 1926'21 ausgenommen har.

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Der Nckhssin.uizmiuister erklärte, die Gegner hätten k.in Recht", ihre Sand auf die Ergebnisse des Relchs- nvtopferS zu legen.

Die Anstikfcrnnqssorderung aufrechterhalten

kg. Rotterdam, 28. Jan. Reuter meldet aus Paris: I» der Sitzung der Vertreter der Verbündete» wurde die Aufrechterhaltung des AuslieferuugSvrr- langens ott Holland beschlossen.

kg. Genf, 26. Jan. DerTemps" meldet: Die Montagsützung des Nates der Verbündete» hat betr. die Anträge Frankreichs und Englands in bet AuSliefe - rimzsfrage eine volle Einigung ergeben. Die Aufnahme Hollands in de» Völkerbund wird von der Ausführung der Auslieferung abhängig gemacht.

wb. Amsterdam, 27. Jan. LautTele- graaf" meldet der gewöhnlich gut unterrichtete Parkamentsberichterstatter desDaily Telegraph", es werde an die niederländische Regierung eine neue Note gesandt, die demnächst durch einen Aus­schuß von Rcchtssachverständigen aufgestellt werden soll.

Englische Pressrftimmen.

wb. Rot terdam, 27. Jan. Wie derNieuwe Rotierdamsche Courant" aus London meldet, schreibt das RegierungsblattDaily Cbronicle": Die verbün­deten Regierungen hätten die Weigerung der Nieder­lande erwartet. Das Blatt zweifelt daran, daß man einen Druck aus Holland nicht ansüben wird, den vormasigen Kaiser auszitlikfern. Die Niederlanden könnten vielleicht gezwungen werden, ihn zu internieren. Daily Chronicle" findet es überraschend, daß die Verbündeten ihre Aufmerksamkeit aus den vormaligen Kaiser beschränkten, da er doch weniger Aussicht habe, auf den Thron zu kommen, als seine beliebteren Familienmitglieder. Es sei schade, daß der Friedens- Vertrag keine Bestimmung enthalte, die die Deutschen zwinge, alle Hohenzottern für immer aus Deutsch­land zu verbannen.Evening News" meldet, in offiziellen Kreisen würde man einen Prozeß ohne den Kaiser nicht gerne sehen.

tob. Loudon, 27. Jan.Evening Standard" schreibt: Der Notenaustausch im Falle der Auslieferung des früheren Kaisers werde wahrscheinlich so lange dauern, bis Holland gezwungen sein wird, mit einer kaiegorisch unzweideutigen Weigerung zu antworten. Die einzige Möglichkeit sei, den Kaiser gleich vor ein Gericht zu stellen und in contumaciam zu verfahren. Tas Blatt hält es für unwahrscheinlich, daß England in den allernächsten Tagen neue Schritte unternehmen werde.

Der Rücktransport der Kriegsgefangenen, wb. Berlin, 27. Jan. Nach telegraphischer Nach­richt des Transportsührers kam der DampferLifuhu Marn" mit Heimkehrern aus Japan am 18. Januar in ©abang an und fuhr am 19. Januar nach Port Saib weiter.

PniiWk LMmmImnilW.

Die pr»b»kti»»Stzemmr»br Zw-ngswirttLakt. Der LanbwirtschaftSminifter «uch für die Beseitigung.

Sitzung vom 27. Januar.

Präsident Seinert eröffnet die Sitzung um Uhr mit einer Ansprache» in der er den Wunsch <n* drückte, daß der Reichsfinanzminister möglichst bald! gesunden und seine unverwüstlich« Kraft dem Reiche wieder zur Verfügung stellen werde. Er stellte fefc daß das Haus mit großer Anteilnahme von beut Verbrechen Kenntnis erhalten hat.

Der Gesetzentwurf zur Bewilligung weiterer Staats­mittel zur Verbesserung bet Wohnungsverhältnisse der Staatsarbeiter und gering besoldeten Beamten steht zur 3. Beratung. Die Vorlage stellt der Regierung z« diesem Zwecke weite« 40 Millionen Mark zur Be»« fügung. Nach kurzer Aussprache wird der Entwurf, angenommen, ebenso der Entwurf über bie Rio«' derschlagung von. Untersuchungen.

Hieraus wird bie Beratung der förmlichen Anfragen Held (D. Bpt.) über die Beschaffung von Siickstosf und Kali fortgesetzt. In Verbindung damit steht die Beratung eines Antrages Herold (Zent.) auf ßf Höhung der Erzeugerpreise für Getreide Kartoffeln und Futtermittel sowie auf Beschaffung von Saatkartoffeln; ferner die Anträge v. Kessel (Demscynitl.) und Friedberg (Dem.) auf Auf« Hebung der Zwang sw irtscha ft, ausgenommen für Getreide und Milch.

Abg. P e t e r s-Hochdorn (Soz.) wünscht, daß bie Mgiermig alles tut, um in möglichst weitem Umfang die Landwirtschaft mit Düngemitteln zu versor­gen. Den Antrag Friedberg lehnen lvir ab. <

Abg. Köppel (Zentr.): Die Zwangswirtschaft kann in der bisherigen Ausdehnung nicht bestehe» bleiben. Sie ist eine Fessel der Produktion.

Abg. Simon (Dem.) verlangt die Aufhebung bog Zwangswirtschaft im Rahmen bes Antrag- feinet Partei. ' :i

Abg. Klausner (II. S.): Zwangswirtschaft habe« wir, wenn der Sanbtoitt gezwungen würde, sich davoch zu überzeugen, wie die Volkswirtschaft zusammenbricht. Davon ist jetzt keine Rede. Auch die Landwirtschaft soll angemessene Preise erhalten, aber die jetzigen For-r derungen gehen über das berechtigte Maß hinauL,

Landw. Minister Braun: Biele Leute verstehe^ noch gar nicht unsere Lage. Wir stehen am An« fang eines Jammerdaseins, da- uns durch den Krieg beschieden ist. Wenn ich jetzt alle Hebel - in Bewegung setze, um der Landwirtschaft zu hesseq, so tue ich das im Interesse der Verbraucher. Wir sinh auf eigene Erzeugung angewiesen. In bet Versor» gütig mit Kunstdünger stehen wir zum Teil noch schiech« ter da wie int letzten Kriegsjahr. Der Bedarf an Katt konnte nicht im Entferntesten gedeckt werden. Di« Zwangswirtschaft, so notwendig ihre Anwendung to<n< hat doch produktionshemmend gewirkt. Die Landwirte haben im Kriege gute Geschäfte gemacht, aber jetzt kommen sie bei der hohen Preissteigerung aller Bedarfsartikel nicht auf ihre Rechnung. Dieser Zustand kann nicht auf die Dauer aufrecht erhalten bleiben. Will mau wieder zu normalen Ser- hältnissen kommen, dann muß man doch auch einmal mit der Zwangswirtschaft ein Ende machen. (Sehr richtig.) Wir müssen die landwirtschaftlichen Erzeug­nisse mit allen Mitteln steigern. Es gilt jetzt zn produzieren und nicht zu sozialisieren. Wir müssen noch mehr Arbeiter aus der Stadt auf das Land bringen.

Ein Schlußantrog wird angenommen. Tie Ab­stimmung findet morgen statt. Schluß 12V* Uhr,

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Die AilSeinandtrschimg zwischen Staat und Königshaus.

Berlin, 27. Jan. Zwischen dem preußischen Staat und dem ehemaligen Könighause ist ein Ver- gleich abgeschlossen worden. Die Entscheidung, welche Teile der Vermögensmasse dem Könighause und welch« dem Staat gehören, toitb auf bet Grundlage des bis­herigen Rechtsstandes getroffen. Organisch zusammen­hängende Bermögensteile sollen nicht zerstört werden, und Werte von überwiegend künstlccisiher und histori« »eher Bedeutung sollen unversehrt erhalten werden.

Alle Schlösser und Gebäude, bie nachweisbar durch Privatmittel der Krone erworben wurden, werden ihr zum größten Teil verbleiben. Im allgemeinen wer­den die Schlösser usw., die aus den vorigen Jahr­hunderten bis zum Tode Friedrich Wilhelms IL, als« bis zum Jahre 1797 stammen, vom Staate in An­spruch genommen. Dementsprechend sollen bie alten Schlösser in Yen alten Provinzen vom Staate JXbet« nouunen werden. Es verbleiben also der Krone: Lcksieß Bellevue, das Palais Kaiser Wilhelms l. und Schloß Babelsberg. Die Schlösser im Rheinland und in deq neuen Provinzen (z.Z. in Koblenz^ Schloß Stolzen«