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mit dem Kreisblatt für de« Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

JE 15

DieObertzessilche Zeitung" erscheint sechs««! »Schentlich. Ser Bezug,»reis betritt »snetlich 2,60 X. frei hi. Hau,; durch die 2.50 e. e|ne BeiteRzeld Xerle, »ou Dr.. Hitzer « tk. Druck der

Uni» Buchdr. v»n I » h. A u g. Koch. Markt 21/28. Ferusurecher 55.

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Montag, 19 Januar

1920

®et Nnzeiaensrei« beträgt fit die Sges». Zeile 50 4, amtliche und aur»iit-1 - r Q-t.,» tige 60 , Reklamezeile 1.50 Zu rillen Preisen 5 »/, Aufschlag. Jeder Rabatt gilt IvOyig« ai, Barrabatt. Bei Aurkunft durch die Ge>chäfisftelle u. Bermittluu« der en. gebate 26 4 ksndergebühr. Poftscheckkanto: Rr. 5C16 Mmt Frankfurt a. M.

MW« arttrfül oiil eine itollät

SaarbeckenS betraut wird. Das vierte und fünfte Mitglied dieser Kommission werde durch Deutschland er­nannt. Der Rat beschloß, die nächste Sitzung in London abzuhalten.

Wb. SanFranzisko, 17. Jan. Hier sind U n - ter schlagungen, die in die Millionen gehen und in Verbindung mit Schiffsbauten für die Regierung flehen, anfgedeckt worden. Wie man hört, hat der GeuecaMaatsanwalt das Schissahrtsamt angewiesen, Zahlungen über ungefähr 37 Millionen Dollars vor­läufig zurückzuhalten.

Tie AiiSlktferlmMole an Holland.

tu. Haag, 16. Zau. Gestern nachmittag ist die Note ker Verbündeten, die Auslieferung des Kai­sers verlangt, dem holländische» Minster des Aeuhern Karnebsek ausgehändigt morden. Eie ist in freundlichem, aber entschiedenem Ton gehalten.

Das Schriftstück, das sich auf Artikel 227 des Versailler Vertrags stützt, appelliert an den Ge­rechtigkeitssinn der holländischen Regierung und ersucht diese, sich dem Wunsche der Verbündeten anzuschließen, um eine exemplarische Strafe zu statuieren. «.

kg. Berlin, 19. Jan. Die Kommission zur Vor­bereitung der Auslieferung des Kaisers an die Ver­bündeten besteht ans 18 Mitgliedern unter französischer Leitung. i.

Aufhebung der Betriebsräte in Rußland.

Während das republikanisch-sozialistische Deutsch­land den vom bolschewistischen Rußland herüberge- kommenen Gedanken der Betriebsräte endgültig ver- wirllicht hat, kommt die Nachricht, daß Sowjetruß- land die Betriebsräte wegen ihres unheilvollen Ein­flusses auf die Industrie wieder beseiti gen will:

Das offizielle wirtschaftliche Organ der Sowjet­republik bringt einen Bericht des Ärbeitskommissars über die traurige Lage der russischen Industrie. Die Herstellung von groben Tuchstoffen sank im Verlauf bet ersten acht Monate 1919 nm 85 v. H.', die Papier­erzeugung um 60 v. H. gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres. Regelmäßig beschäftigt werden die Arbeiter nur noch in den Waffen- und Patronenfab- riken. In den großen Lokomotivsabriken konnten im Lause der ersten acht Monate 1919 nur 32 neue Loko­motiven hergestellt werden gegen 192 im Vorjahre und gegen 500 in Friedenszeite». Weiter heißt es im Be­richt:Die Hauptursache der geradezu ka­tastrophalen Lage, in der sich die russische In­dustrie befindet, liegt in dem Fehlen jeder Dis­ziplin und Ordnung in den Fabriken. Dir Be­triebsräte und Fabrikausschüsse, die dazu berufen waren, Ordnung in den Fabriken zu schaffen, haben nur geschadet und den letzten Rest von Disziplin zum Schwinden gebracht sowie eine voO- ständigc Verschleuderung des Fabrikinventars nach sich gezogen. Alle diese Umstände haben uns gezwungen, die Betriebsräte aufzuheben und Diktatoren mit uneingeschränkter Gewalt über Leben und Tod der Arbeiter an die Spitze der wich- tigsterl Betriebe zu stellen." '

Amerika.

AmerMrs Hilfe für Europa.

wb. R e w y o r k, 18. Jau. Die Vorschläge cnes englischen Finanzmannes, einen Kredit von 20 Milliarden Dollars zu dem Wiederaufbau Europas zu gewähren, begegnete bei den Bankiers allgemeiner Ablehnung. Hoover erklärte vor einer Kommission des Kongreßes, es sei eine Verrücktheit, Europa Geld zu leihen. Europa brauche Nahrung sim i t t e l. Hoover verlangt die Annahme eines Gesetzes, wonach 130 Millionen -Dollars zur Finanzierung der Lebensmittelversor­gung von bedürftigen europäischen Staaten. Dieser Antrag dürfte vom Kongreß angenommen werden.

Die Räumung Flensburgs.

Flensburg, 16. Jan. Was an deutscher Marine doch hier war, hat gestern Flensburg geräumt. Das ^TorpedobootV. 116" holie die Mannschaft der Marine- fhtion Mürwik und ein großer Schlepper die Besatzung !kt Sceflugstaiion.,- Gegen Mittag war eine Abschicds- kicr vor der Marineschule. Offiziere und Mannschaft tarn- 'n Parade unter der vor der Schule wehenden (Sri. tagge aufgestellt. Der Pfarrer der ehemaligen, iRni.üc'..irnifon, in feldgrau, das Eiserne Kreuz 1. Kl. .»L' per Brust, hielt die Abschiedsrede. Darauf sprach iki .nie. Kommandant der Marineschule. Er wies in 4».t,;:n Worten darauf hin, daßV. 116" gekommen sei, *ie Flagge abzuholen und schloß mit den Worten:^ -Dills Gott, bringen tvir die Flagge bald wieder!" tonn ertönte ein Kommando und unter den Klänge», kt Vootskapelle sank die deutsche Kriegsflagge. Die spelle setzte mitDeutschland, Deutschland über Äeai" ein. Die Truppen marschierten zurück und traten wieder auf der Landungsbrücke vor dem LlomMandanten te- Mit markiger Stimme rief er ihnen zu:Käme- kn, lvir kommen wieder!"B. 116" lief unter

KlängenMuß i denn, muß i denn" au». Drei Hurras aufD. 116 vom Lande aus, drei Hurras auf k ehemalige Marinestalion Mürwik vom Boot aus. ^bschiedsrufe, Tücherwinken, undV. 116" ent- tetoanb und eilte an den feindlichen Schiffen mit kräf- BfiernDeutschland, Deutschland über alles" ohg» Gruß b»rüber.

Vorzeitiger Vormarsch der Polen. Gefangen­nahme der deutschen Truppen.

^ob. D a n z i g, 17. Jan. Von amtlicher Stelle »ird mitgeteilt: Mit dem polnischen Verbin­dungsoffizier beim Gouvernement Thorn war am 15. Januar vereinbart worden, daß die Polen im Abschnitt Argenau am 17. Januar um 10 Uhr vor­mittags die vordere Linie überschreiten. Die deut­schen Truppen sollten um die gleiche Zeit die Linie SeedorfWaldow- Suchatowski mit den letzten Teilen überschritten haben. Dieses Abkommen wurde am 15. Januar nachmittags vom polnischen Verbindungsoffizier durch einen Kurier der pol­nischen Befehlsstelle übermittelt. Am 17. Januar >m 51/2 Uhr vormittags wurde die FeldnWchn. am Stellwerk südlich der Station Argenau pol-, ni sch e nA r u p p e n überfallen. Gin Mann' der ,8. Kompagnie ' ist mit der MeldÄG« zurüA- gekommen. Der Führer der MaschinöNgeWehr- kompagnie ließ darauf zwei Maschinengewehre- am ßüdrande von Argenau in Stellung bringen. Ge­gen ßi/2 Uhr vormittags gingen starke polnische Schützenlinien umfastend gegen Argenau vor. An dem sich nun entwickelnden Gefecht nahmen duch mehrfach Einwohner von Argenau teil. Die Besatzung Argenaus, ein Zug Maschinengewehre und ein Teil einer Jnfanteriekompagnie wurden zum Rückgang gezwungen. Der größte Teil der deutschen Besatzung mit einem Teil der Pferde und Geräte geriet in Gefangenschaft. Die Höhe der blutigen Verluste ist noch nicht bekannt. Der polnische Verbindungsoffizier ist mit .einem Offi­zier des Gouvernements Thorn und dem Führer der Maschinengewehrkompagnie zur Aufklärung und Feststellung des Tatbestandes nach Argenau gefahren. Das Gouvernement Thorn hat sofort die Herausgabe der Gefangenen, der Waffen sowie sämtlicher Pferde und Fahrzeuge verlangt. Im Unterabschnitt Ottletschin ist die Räumung ohne Awischenfälle erfolgt.

Thorn geräumt.

tob. Danzig, 18. Jan. Nach Mitteilung der Abwick-lungsstelle des 17. AK. ist Thorn gz- .täumt. In bet Stabt herrscht Ruhe und Ord- iwiuiß. Der Abmarsch vollzieht sich, abgesehen von dem Fall Argenau, ohne Reibung. Ditz MverKabe- frr Mission ist bereits tätig. Ä

Berlin, 15. Jan. Das Mitglied deS Vorstandes Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg Kommerzienrat M Guggenheim- Berlin ist im Ehrenamt zum zBorsitzeuden der ReichSrückliesetungskommis- 'ivn mit der Amtsbezeichnung Präsident gewählt.

Einer Berner T. U.-Meldung zufolge lagen am 14. Sanitär zum ersten Male feit dem Kriege wieder deutsche dcutsch-schweizerische Zeitungen in den Pariser Zei- E*Hgskiosken aus.

Die erste Sitzung des Völkerbundes.

Wb. Paris, 16. Jan. (Havas.) Die erste Sitzung ** Völkerbundes wurde heute nachmittag im Ministe- "Um d-s Aeutzern abgehalten. Bcnizelos schlng Sour« c i ? zum Präsidenten vor, tvetoem Vorschlag sich Curzon anschlotz, wobei er erklärte, daß Vour- zusammen mit Lord Grey der Vater des Völker- E'dgxp^nlenS |et. Bourgeois nahm die Wahl an und Mrd- r-j- drei Mitglieder der Kommission

* ernennen, die mit der Festsetzung der Grenze de?

?er Rücktransport der KritqSstkfanlsenen.

wb. Berlin, 17. Jan. Die Reichs Zentralstelle für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit: Vier deutsche Dampfer haben Anslaufbefehl nach französischen Häfen erhalten, um den Abtransport von Gefangenen auf dem Seeweg zu übernehmen. Es fahren aus: Am 18. Jan. der DampferRügen" nach Rouen, die Dampfer Gotenhof" undHeiLert Horn" nach St. Nazaire, am 19. Jan. der DampferMelilla" nach Le Havre. Die Rückkehrhäfen sind Emden, Cuxhaven, Brunsbüttel und Bremerhaven.

kg. Berlin, 19. Jan. Am Dienstag werden die ersten Züge mit deutschen Kriegsgefangenen aus Frankreich an der deutschen Grenze erwartet.

Wägung -er MiöMrsmnllung.

Tie Beamten-Tetterilllü.WlliM einstimmig lmqenommen. Protest gegen die lieber« griffe der Westmächte im besetzten Gebiet.

13 9. Sitzung vom 17. Januar.

Der von Mitgliedern aller Parteien eingebrachte Nach­tragsetat zur Erhöhung der Teuerungszu­lagen für Beamte, Offiziere, Mannschaften usw. um 150 Prozent steht zur ersten Beratung. Angefordert wer­den dafür 500Millionen Mark.

Reichsfinanzminister Erzbe rger: Ich freue mich, wenn der Entwurf möglichst heute noch in allen drei Lesungen verabschiedet wird. Ich wende mich bei dieser Gelegenheft auch gegen die Opposition, die sich in weiten Beamtenkreisen gegen die Kindeizulagen geltend gemacht hat. Das Reich hat allen Anlaß, kinder­reiche Fanlilien in jeder Weise zu unterstütze^ Erfreu- üch ist das Einverständnis der Beamten, daß mit der Bc- sakungsreform eine Steigerung der Arbeits- leistu ng eintreten müsse, damit die Zahl der Be­amten verringert werden kann. Es muß auch r s i e allgemein der Achtstundentag eingeführt werden. Ebenso zu begrüßen ist die Erklärung der Beamtenschaft, daß sie selbst unter sich mit allen Mitteln dahin wirken wolle, daß jede Korruption allshört. Der Mini­ster weist dann Angriffe der Unabhängigen zurück und fährt fort: Die Regierung muß und »oird den Kampf gegen bett Terror mit aller Entschiedenheit sortsetzcn. Nicht den Arbeitern ist die Schuld an der jetzigen schwierigen Lage zuzuschreiben, sondern den Nichtarbeitern Die Politik der Regierung führt nicht zum Staats- bankerott: denn ein besseres Anlagekapital als eine un­bedingt notwendige Beamtenunterstützung ist nicht denkbar

Aüg. Düringer (D.Nat.): Die Erhöhung der Be- amtenzulaaen nm- ISO Prozent reicht sicher nicht aus.

Abg. Dr. Heim (Bahr. Vpt.): Die Forderung nach dem Abbau der Preise ist ein Spiel mit dem Feuer. An allem Elend ist die Regierung der Unterlassungssünden schuld. (Zuruf: Werden Sie doch Ernäbrungsminister! Heiterkeit. ) In einer längeren Unterredung mit dem verstorbenen Abgeordneten Gröber falbe ich diesem er­klärt, wenn er glaube, daß das Reich dieses Opfer ver­lange, wolle ich mich zur Verfügung stellen. Bei mir aber ist die Sache nicht so einfach. Ich bin Familien­vater mit zehn Beilagen (Stürmische Heiterkeit!) und Leiter einer großen Organüafton. die ich nicht einfach im Stiche lassen kann. Die Sache ist heute doch so: Wer nichts versteht, will Minister twrben, und wer heute etwas kann, will gar nicht Minister fein. (Stürmische Heiterkeit.) Der Landwirtschaft dürftn nicht weiter Preise zngemutet werden, die allen wirtschaftlichen Grundsätzen widersprechen. (Sehr richtig, rechts.) Der Redner wendet sich dann gegen die vorzeitige Verreichlich- ung der Eisenbahnen.

Reichsfinanzminister Erzberger: Verkehr?« und finanztechnische Gründe erfordern es, daß die Verreich- lichung der Eisenbahnen bis zum 1. April 1920 dnrchge- ftihrt wird. Die Besorgnis, daß die Entente dann die Bahnen als Pfandobjekt mit Beschlag belegen würde, ist unbegründet: die Bahnen werden auch im nächsten Jähr

ein gewaltiges Defizit falben. Auf die Zugriffsmöglichkeit der Entente an sich ist die Verreichlichung ohne jeden Einfluß. Es liegt auch nicht in der Absicht der Reichsregierung, die Eisenbahnen zur Grundlage von Kreditaktionen zu machen.

Abg. Wirth (Zeutr.): Herr Dr. Heim sollte nicht immer für Bayern Besonderheiten verlangen. Hätte Herr Dr. Heim eine Dezentralisation, die allen zugute käme, mit uns durchzusühren versucht, dann würde auch mit diesem Stiftern etwas Ersprießliches erreicht worden sein. Der Reichssinanzminister ist an sich ein Anhänger der Dezentralisation.

Abg. Seger (U.S.): Der Brotpreis ist erst kürzlich wieder um 100 Prozent erhöht worden und soll noch wei­ter steigen. Die Gewaltpolitik der Regierung gegen die Arbeiter ist unerhört. Es ist gut, daß die Regierung vor ihrem Abgr und steht.

Reichssinanzmimster Erzberger: Von Gewaltpoli­tik im Sinne deS Vorredners kann keine Rede sein. Die Regierung wird aber von allen ihren Machtbefugnissen gegenüber dem TerroriSinuS Gebrauch machen, wie er sich wieder in den letzten Tagen offenbarte. Die Erhöhung der Brotpreise war volkswirtschaftlich begründet. Sie war kein Geschenk an die Agrarier und Landwirte. Die Lösung der Ernährungskrise kann nicht in einem Abbau der Preise gefunden werden, sondern nur durch die größtmögliche Steigerung der inländischen Produktion.

Abg. Wurm (Unabb.): Mft einer Verbilligung der Preise ist nicht zu rechnen, solange der Landwirt über Äruiw und Boden unbeschränkter Herr ist.

Abg. Dr. Heim (Bayr. Vpt.): Ich wünsche nicht den schrankenlosen Einheitsstaat.

Abg. Dr. Wirth (Zeutr.): Dr. Heims Ausfaffung ist revolutionär gegen die geltende Verfaffung. Wozu diente seine Reise in das besetzte Gebiet?

Abg. Hoch (Soz.): In Wiesbaden hat Dr. Heim mit französischen Offizieren verhandelt, ja sogar öffent­lich mit ihnen diniert.

Abg. Dr. Heim (Bahr. Vpt.): ES handelt sich um einen mir beigegebenen Begleftosfizier.

Rach längerer Aussprache über diese Angelegenheit wird der NachtrogShaushsÜ m allen drei Äsungen fotoic

in der Gesamtabstimmung einstimmig angenom­men.

Die Gesetzentwürfe zur Prüfung von Bildstreifen für Lichtspiele und über die Beschäftigung schwer Beschä­digter geben zur Vorberatung an Ausschüsse.

Der Gesetzentwurfs über die Gewährung von Straf­freiheit an Personen auS den Abstimmungsgebieten, sowie über Acnderung des deutsch-polnischen Beamtenvertrages wird in allen drei Lesungen und in der Gesamtabstimmunp onaenommen.

Um 21/» Uhr tritt eine Mittagspause ein. ' - : e - -*

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Die Wiedereröffnung erfolgt um 41/» Uhr. Auf der Tagesordnung fleht die von allen Parteien, außer den Unabhängigen, eingebrachte Interpellation bett, die vom interalliierten Ausschuß erlassenen Verordnungen für die Rheinlande.

Abg. Spahn (Zeutr.) begründet die Interpellation: Gemäß dem Nheinlandabkommen kann der Ausschuß solche Verordnungen erlaffen, die für bk Gewährleistung des Unterhalts, der Sicherheft und der Bedürfnisse der frem­den Streitkräfte nötig sind. Der Ausschuß bat aber fünf Verordnungen erlassen, die die Grenze dieser Zuständig­keit nicht innehalten. Er greift damit in die Gesetz­gebung des Reichs und Preußens ein, behält sich vor/ Jeden auszuweisen, der ihm gefährlich erscheint^ und unterstellt vcrfaffuugswidrig seiner Kontrolle das. Brief-, Fern sprech -und Fernschreibegeheimnis und die frek Aeußerung bet Vereinsversammlungen. Er beansprucht das Recht, bei den Zivilgerichten anhängige Sachen diesen zu entziehen, und den Kreis der Sachen zu bestimmen, die er vor sein Tribunal oder die Militärgerichte führe» will. Was gedenkt die Regierung zu tun, um bk Inne­haltung bes Rheinlandabkommens zu sichern?

Reichsminister Koch: Beständen die Verordnungen zu Recht, so wären die Rheinlande kein besetztes, sondern ein umer worfenes Gebiet; sie wären eine den Frem­den auf Girade und Ungnade ausgelkserte Kolonie. Wir haben Protest eingelegt. Wir stehen auf dem unS feier­lich garantierten Rechtsboden. Wir können die Betvrb- nungeu als zu Recht bestehend nicht anerkennen. (Sei* lall. ) Wie ein roter Faden zieht sich durch die Verord­nungen die Begründung, baß daS zur Aufrechterhaltung ber öffentlichen Ordnung erforderlich wäre: diese Aus­gabe fällt aber bet brutschen Hoheit zu. Dk Vervrd- nungett dürfen nur bk Sicherheit bet fremden Truppen betreffen, sonst nichts Sie beschränken aber die Ein­wohner in ihren staatsbürgerlichen Pflichten und den Staat in seiner Berfassungshoheit. In den willkürlichen Ausweisungen liegt ein schwerwiegender Uebergriff. 76 Beamten sind von den Franzosen, 12 von den Belgiern airsgewiesen worden (Hört! Hört!) Die Engländer und Arnerikanet haben keine Beamten ausgewiesen, nur je einen abberufen. (Hört! Hört!) Die Schiebet haben sich die Zwftterflellung bet Rhemlande zu Nutze gemacht, weil sie in ben Rheiulanben Straffreiheit zu finden hof­fen, wenn sie sich gegen die Strafgesetze der Vaterlandes vergangen haben. Den Loslösungsbestrebungen wird da­durch Vorschub geleistet. Gegen Beleidigung und Unsitt- lichkeit in Wort, Gebärde und Haltung werden hohe Ge­fängnisstrafen angebrobt; es ist unerhört, daß An­gehörige eines fremden Volkes sich zum Sittenrichter darüber auf spielen, wa? Sitte ist. (Sehr richtig!) Die Verordnungen bedeuten die Errichtung einer fremden Ge- waft, die kein Kulturvolk ertragen kann. Bit werden alle Rechtsverletzungen vor das Licht bet Oeffent- lichkeft bringen. In dem besetzten Gebiet hat bas Reich 10 Millionen Mark auSgeworfen. In bet Erörterung über das Rheinlanb müffen wir eine

nationale Einheitsfront bilden. Die Bevölkerung jenseits des Rheins nimmt mit nichtssagenden Ausnahmen eint musterhafte Haltung ein. Unter den Faustschlägen dieser WMür wirb das Rbein- fanb fester an uns geschmiedet als je in Zeiten des Glücks. Nach Gesinnung, Blut und Sprache ist das Rheinland deutsch auch nach dem Friebensvertrag. (Beifall.)

Die Interpellation ist bannt ertebigt.

Das erst heute eingegangene KörperschaftSgesetz kann wegen bes WiderspruM bet Rechten Sonntag noch nicht auf bk Tagesordnung wmmen. Schluß 6*/* Uhr.

Annahme des BcttiedSlimgtMS in 3. Lesung.

Sitzung vom 18. Januar.

Bei der 3. Lesung bes Betriebsrätegesetzer etllätt iu der allgemeinen Aussprache Abg. Schiele (Deutsche), daß seine Partei das Gesetz ab lehnt, da es dem bar« nikderliegenden Wirtschaftsleben bk Wiederaufrichtung em schwert.

Abg. Most (D. Vpt.) erklärt für seine Patteisreunde die N i ch t zustimmung zum Gesetz, das nicht dem sozialen Frieden dienen würde.

Abg. Ehrhardt (Zenit.) betont im Gegensatz zu den beiden Vorrednern, daß die Vorlage für das Arbei­terwohl einen großen Fortschritt bedeute. Seine Partei stimme dem Gesetz zu, da sk es für eine Zwangsnotwen« bigteit halte.

Abg. Henke (U.S.) weist darauf hin, daß auch heute wieder das Reichstagsgebäude mit Maschinenge­wehren gespickt sei. Zur Vorbereitung für Massenmordß werde das von seiner Partei unannehmbare Gesetz perabfMLet. ""