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mit dem Kreisblatt für de« Kreis Marburg

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Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

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DieOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal »Schentlich. Der <«z«a»preir betriist monotlich 2,qv frei in# Haus; durch di» Aofi 2.50 ahne LefteSßeld «erlag »en vr. L. Hitzerattz. Druck der Uni» - Vuchdr. von I » tz. Aua. Ito». Markt 21/28. §,rus»rech«r 55.

Marburg bonttübettd. 3 Januar

Der «nreig»n»r«i, betrigt fit di» «gesp. Zeile 60 4, amtliche und exseit- tifle 60 », Reklamezeile 1.50 X. Jeder Radatt gilt al» Barradatt. Bei Auskunft durch die SeichSitestell« u. Vermittlung der Angebet» 25 4 Sender- gebihr. Postscheckkonto: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. M.

55. Jahrz.

1920

Erstes Blatt.

Mn Itr Sckde in SM tritt

Äer Eintritt des Fnedenszustaudes ist nun, nachdem der Kriegszustand über 13 Monate tatsächlich beendet ist. tu greifbare Näbe gerückt. Für Dienstag ist der enb- gülttge Austausch der Ratifikationsurkunden ins Ange ge­fetzt oder, tote von französischer Seite gesagt wird, als - möglich vorgesehen. Altem Anschein nach aber wird sich die Vornahme dieser den Einiriit des Friedens',ustandeS darstellenden Handlung noch etwas binausziehen.

Sobovt nach dem Inkrafttreten des Friedensvertrages soll Deutschland 192 000 Tonnen Hafenmatertal abliesern, den Rest, dessen Höhe noch in weiteren Verhandlungen au: S Grund der Besichtigungen der Kommission der West- j machte festgesetzt werden soll, innerhalb einer Frist von ' 30 Monaten Die ssteichsregieruna hasst, dass dieser ! Rest ans ein für Deutschland erträgliches Matz herab­gesetzt wird. Wie die bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, ist der Optimismus der ReichSregiernng stets bitter | enttäuscht worden, und es sind deshalb einige Zweifel erlaubt, ob er sich dieses Mal als gerechtfertigt erweisen wird. Die Forderung auf Auslieferung fast unseres ge­samten Seehasenmaterials ist auf Englands Druck f trnd Veranlassung gestellt worden, das ganz genau | weist, was es damit erreichen will: in wenigen Monaten wrrdeu. wenn die Riesenlmgger ausgeliefert werden müllen hrnb dkc gerade wird man verlangens, unsere Seehäfen völlig versandet sein, so daß eine Ucberseefchifs- ssahrt ton und nach den denlschen Häfen aus Jahre hinaus fast unmöglich, b. b. unsere von den Engländern . noch immer gefürchtete Konkurrenz endgültig ausge­schaltet ist. Und die Engländer werden sich hüten, gutwillig i» etwa? nachiräglich einznwilligen. was wir vorher auf dem Wege der Verhandlungen von ihnen nicht «reichen konnten.

Er wäre höchst erfreulich, wenn sich diese Bedenken als irrig erweisen sollten, aber vorlSnftz drängen sie lich »"Lüchiern Denkenden von selbst auf. Das Verlangen der Auslieferung deS deutschen Hafenmaterials alsErgötz" | für die unwiderlegbar deutsches Eigentum dar- f stelle »den in Seapa Flow versenkten Kriegsschiffe ist doch; i Nur daS letzte Glied in der Reihe von Fordern»- gen chie, im 12. Teil des Friedensi-ertrages zufamnrrn- i Sesüstt, die deutschen Häfen und damit den deutschen Außenhandel ausschalten und bk Versorgung Mittel- und Osteuropas unter bk Kontrolle Englands stellen sollen. Durch den 12. Teil des Friedensvertrages, der von den deutschen Häfen, Wasserstraßen und Eisen-

die letzten Konsequenzen hinein Gebrauch machen wollen, um einesteils ihre Rache zu kühlen (10 Jahre Zuchthaus für Röchling) und anderrsteils ein neues Erpresser- mittel auf wirtschaftlichem Gebiet in die Hand zu be­kommen (10 Millionen L k für Röchling, d. h. die Be­schlagnahme der gesamte:.- Röchling'schen Jndnstriewerke für französische Interessenten). Es ist kaum anzu- nebmen, daß bk Reichswehr sich dazu hergeben wird, Schergen- und Bütteldknste zu leisten, wenn die Reichs­regierung, dem Druck der Westmächte folgend, die gewalt­same Auflieferung der angeforderten Opfer verfügen würde. Eins Aeußcrung aus Reichswehrkreisen in der Berliner Bresse bestärkt diesen Zweifel. Die Folgen einer solchen Snck>l<nie kann sich jeder leicht selbst aus- nialen: Einmarsch ober neue Erpressungen der Gegner.

So erfreulich also bk Tatsache auch ist, daß in Kürze der Frirdenszustand eintreten wird und vor allem die Kriegsgefangenen in Fra eich dann endlich in bk Freiheit und Heimat zurückt .- u sollen, so muß doch unter Beiseiteschieben jeden selbstbetrügerischen Optimis­mus und schädlicher Gleichgültigkeit die Erkenntnis nüch- km und kalt wachgehalten und, wo fk noch nicht vor­handen ist, wachgerusen werden, datz bet Tag des Frie- deuseintritis erst der Beginn der eigentlichen Schtoie- vigkeiten und Röte für das deutsche Volk sein wird; denn ttann erst ist der Zeitpunkt der Ausführung all bei Nngehenerlichkiten gekommen, die die Aera des Rechts und der Gerechtigkeit" kennzeichnen sollen und an die ein großer Teil des deutschen Volles wahrend der langen Zeit zwischen Kriegsende und Frkdensbeginn über der Menge des taschenfüllenden PapiergeweS beinahe nicht mehr gedacht hat.

Der englisch« BesichtiguugSauSschutz.

Wb. Hamburg, 2. Jan. Der englische Besich- tigungsaiisschuß, der sich gestern von Hamburg nach Kiel begeben hatte, ist nach Danzig abgereist. Von dort wird ein Teil der Mitglieder nach Lübeck und Rostock, der andere Teil nach den Nordscehäfcn gehen.

lob. Danzig, 2. Jan. Der Ausschuß der Verbün­deten zur Besichtigung de» HafrnmaterialS traf heute von Kiel kontUiSnd hier ei» und reiste nach Besichtigung der Rcichslverft und Einsichtnahme deS Schiffregisters am Abend nach Kiel zurück.

Deutsch-Polnische Berbandlungen in Paris.

ivb. Paris. 2. Jan. Die Verhandlungen zwischen den bosnischen Delegierten und den deutschen Delegierten unter Führung von Herrn v. S i m s o n werden heute fortgesetzt. Sie beziehen fich auf die Uebergabe der Gewalt in den abzutreknden Gebieten.

; Kahne» handelt, we-den die großen deutschen Flüsse j iuternatronakisiert. Ausschüsse, in denen die ,i deutschen Vertreter keinen ausschlaggebenden Einfluß haben. bestimmen darüber, welche Jnstandsetzungsarbeiten vorzu nehmen sirtd. Aus diese Weise kann z. B der See­verkehr biß Hamburg vollkommen dadurch unterbunden werden, daß man die Ausbaggerung der Flußmündung bis zu der nslwenbigen Tiefe nicht vornehmen läßt, so­weit daS mit dem uns belassenen Material überhaupt möglich sei» würde. Dir Engländer haben in der europäi­sche!, Donaukommission von 1856 sogearbeitet", daß die Doi-a» dem englischen Umschlagsverkehr nicht gefährlich werben kann. Bei den: Einflüsse Hambnrgs, der sich nach Süden bi» bis Triest erstreckt, ist es bemerkenswert, daß tu der Etbekommissiou ein Italiener sitzt. Auch der Belgier, der darin vertreten ist, Kat nur das Juteresse an bet Elbeichissabrt chaß fk Antwerpen keine Konkurrenz «acht. Im Friedensvertrag wird Belgien nämlich das Scdji zugestanden, einen Maas-Rheiukanal $it schaffen: dieser iefirbe mit dein Mittellandkanal einen zusautmcn- hängenden Wasserweg von Anttverpen bis an das j Schwarze Meer Herstellen. Nimmt man hinzu, daß bei i Anlloerpeu Kohlen «bohrt worden sind und daß die deut- \ to<» Nordseehäsen für den Uebeneeverkehr ungünstig

Legen, so ist an einen gewaltigen Aufschwung Antwerpens «ts Kosten der deutschen Häsen bei unserer gcgenwär- trg'. n Lage kaum zu zweifeln. Auch unsere Ostseehäfen tote-.: lalnngelegt loerden. In der östlichen Ostsee hat sich' Eiigland das Memelgebkt gesich«t, Danzig wird uuter friw-'m Einslnß stehen, und auch die russischen Ostseepeo- vinzeit versuch« England unter sein? Kontrolle zu brin­gen. In der westlichen Ostfee ist Kopenha-wn als Um» Wag platz Englands für die Osiseestaaien ausetsehen,' Auwrila und England haben in dem letzten Jahre nam- hairr Kapitalien in Kopenhagener Unternehmungen ge- , stecli. Es verdient in bi?km Zusammenhänge festgestellt

I» werden, daß in der Odrrkommisston auch ein Däne «-'rieten ist. Der von dein Hauvtumscklagplah London es: Cfcfleitete englische Handel mit Mittel- und West- : enra^u toll also in Zukunft unter Ausschaltung der i Häsen drei Sinfallspforton besitzen: Antwer­

pen Kopenhagen ttnb die östlichen <6 R fee» s fr n.

Ttz>S ijl eine von den vielen katastrophalen Folgen, die bk Ausführung des Friedensvertrages für die Lebensfähigkeit Deutschlands haben wirb. Die Wieder- tzmtmachungsforderungen, das Verlangen der Kohlen-, ^lz° und Vtehabgabe (es werden ja fetzt auch noch »00» Hunds verlangt!-, die weitere vkle Jahre wählende Besetzung deS linksrheinischen Gebietes und der Brücken Vpse auf deutsche Kosten und hi? Verluste deutschen Lan- ves sind in ihren Wartungen noch gar nicht abzusehen. .Itzizu kommt dann noch bk Auslieferungsfor- Gerung (Art. 228 des Friebensvertr.gaes» Das Schicksal »er Gebrüder Röchling ha« auch dem harmlosesten vpttmisten klar gemach«, daß es o?n Gegnern, als fk nnS Jkkn Artikel aufzwangen, nicht nutz auf nufere Demütst ßt«ng ankam. ,o.»e. n| daß ik tätio.chlich von iiun m

wb. London ,2. Jan. Llotld George wird heute nach London zurückkehren. Die für Donnerstag beabsich­tigte Reise nach Varis wird vermutlich eine Verzögerung erfahre» infolge Unpäßlichkeit des italienischen Dtinistcr- präfidenteu.

wb. Rom, 2. Jan. Dee bayerische Gesandte beim Vatikan, v. Ritter, ist in Rom mrgekommcn.

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An« dem besetzten Gebiet.

Berlin, 2. Jan. DerAberrd" meldet aus Saarbrücken, daß die Proklamation des Saaraebietes, mit der der tatsächliche Eintritt der Zollgemrinllchaft des Saargebictes mit Frankreich verbunden ist, am 8. oder 9. Januar erfolgen wird.

Koblenz, 2. Jan. Die hl er erscheinende anreri-- kanische Zeitung berichtet, daß di- Verbündeten beschlos­sen haben, Sortderzüg« zur Beseitigung der Kohlennot im besetzten Gebiet rinzurichten.

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Die Nückkehr der Krikqssiefanqeitt«.

wb. Berlin, 2. Jan. Die Reichszeutralstelle für Kriegs und Zivilgesangene teilt mit: Heute früh ist int Lager Lechfetd ein Transport von 530 deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen aus Rumänien einge­troffen. Ein zweiter Transport ist in etwa acht Ta­gen zu erwarten.

wb. B e r l i n, 2. Jan. Nach einer von der schwei­zerischen Gesandtschaft Tokio eingegangenen Meldung hat der erste Heimschaffungstransport der Kriegsge­fangenen aus Japan am 28. 12. auf dem Dampfer Kifuku Marn" Kobe verlassen. An Bord befinden sich 43 Offiziere, 72 Portepee Unteroffizier« und 826 Un- teroffiziere und Mannschaften; insgesamt 941 Mann. Der Transport, dessen Führer Käpitän z. S. Vol­lerthun ist, umfaßt die Mehrzahl der Kriegsgefan­genen aus den Lagern von Narachino und Aonoga- hara, darunter die österreich-ungarischen Kriegsgefan- genen. Die Reife» auf der Tsingtau, Singapore, Sa- bang und Port -Said augelaufen werden sollen, wird ungefähr CO Tage dauern.

to6. Rom, 2. Jan. (Stesani.)Osservatore Ro­mano verv,«:ntlrcht eine Adreffe deS Internationa- len Ro.en Kreuz Komitees an den Papst zu Gunsten

^/^llescrngenen^ in Sibirien.Torriere b x -alta ben.tztet, daß bet Papst bereit- den Ver­treter in Bern beauftragt hat, sich mit dem Genfer Konuiee wegen einer gemeinsamen Aktion für die Kriegsgefangenen zu verständigen.

Internationalisierung Konstantinopels.

wb. Paris, 2. Jan.Petit Parifieu" bringt eine Nachricht derPall Mall Gazette", wonach fol­gende Lösung der Frage von Konstantinopel den Sieg datwntrageu dürfte. Konstantinopel und die Meer­engen würden internationalisiert, und Frank- reich und England übten dort gemeinsam eine Vor- machtsstellung aus. Der neue Sitz der türkischen Re­gierung befinde sich in Kleinasien. Der Sultan würde als Oberhaupt der Türkei in religiöser Beziehung aner­kannt, und Konstantinopel bleibe in gleicher Hinsicht die Hauptstadt des Islam.

Tto indischen Mvhamedaner und bi» Teilung der Türkei.

wb. A m st e r d a m, 21. Jan. DieTimes" meldet aus Amritsar, daß bei der Eröffnung des indischen Nationalkongresses der Präsident des Kongresses eine Siebe hielt, in der er sagte, der Friede in der Well sei nur teilweise hergestrllt, und die 14 Punkte Wil­sons seien nur einWehe den Besiegten". Rußland das den Frieden wolle, lasse man nicht zur Ruhe kommen. Das Los der Türkei hänge in der Schwebe. Irland und Aegypten müßten die Macht des britischen Reiches fühlen. In Indien sei das Kriegsrecht weiter gehandhabt worden, um Furcht in di« Herzen des indischen Volkes zu pflanzen und um etwaige kommende Schwierigkeiten zu vermeiden.

DieTimes" meldet aus Bombay, daß di« indischen Mohammedaner die Teilung der Türkei oder die Er­teilung von Mandaten für Teile der Türkei als einen Angriff auf ihre Religion ansehen würden.

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Trotzki ermordet?

Meutereien unter bett teten Truppen.

London, 2. Jan. DieMorning Post" erfährt aus Mga: Hier geht mit Bestimmtheit das Gerücht Trotzki sei in Wolosolo von meuternden Soldaten ermordet wordeu. Die in letzter Zeit von den est­nischen Truppen gemachten Gefangenen berichten über­einstimmend von schweren Revolten unter den rot n Truppen au der Narwa-Front. Im Wschnitt von Wolosolo haben 5 Regimenter ihren Vorgesetzten den Gehorsam verweigert.

Kurze Auslaudsnackrichten.

Der »ftnifch bolschewistische Waffenstillst»nv.Ra- tionaltidcnde' meldet ans Riga, daß der Waffenstill­stand zwischen Estland und Sowjetrußland in der letzten Woche unterzeichnet worden ist. Er läuft vorläufig mr 8 Tage und trnrb dann automatisch verlängert, wenn er nicht gekündigt wird.

Lord GrevS Anleihedemühungen. Aus Rewyork wird gemeldet, daß cs Lord Gret» gelungen ist, die inter­nationale Anleihe bmt 13 Milliarden zusammenzu- bringen.

CalaisDover. Nach Meldungen aus London wird der Personenverkehr zwischen Calais und Dover am nächsten Donnerstag wieder eröffnet.

König Ritita schwer erkrankt. LautBerl. L.-A." meldetPolittken": In St. Martin ist bet ehemalige König Nikita von Monteuegro an einem Blutsturz schwer erkrankt.

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Deutschs« Reich.

Ein deutsches Nnternebrnen in Argentinien. Dem L.-A." wird berichte«, daß nach Blättermeldungen aus Buenos Aires dort ein deutschen UuterneEjinen mit einem Kapital von 10 Millionen Mark ins Leben gerufen worden ist, das sich die Versorgung Deutschlands zmn Ziel gesteckt hat.

Amerikanisches Hilfowert für Deutschlaud. Die aus 15 Damen und Herren bestch iide Quäker-Kom­mission nimmt auf einige Zeit ihren Sitz in Berlin, um lautL.-A/ ein großes amerikanisches Hilfswerk für Deutschland durchzusühre». Die Kommission stellt eine Ergänzung der Tätigkeit des amerikanischen Lebcns- mittclkontrolleurS Hoover dar. Sic wird einen aus mehreren Millionen Dollars besiebenden Geldbetrag, der in Amerika durch freiwillig« Gaben aufgebrndü wor­den ist, zur Auschaffuttg von Lebensrnitteln und Klei­dung zur Verfügung stellen. Die Kommission wird heute vom Reichspräsidenten empfaiugcn werden.

Di» Porentwürk« zum Reichstagswahl,»fetz wer­den in der nächsten Zeit der OerfentHdifeit unterbreitet.

Die Kohlenversorgun« Groß Berlin« verschlechterte ich in den letzten Tagen derart, daß man für die In­dustrie das Schliminste befürchten muß. Die Siemens» Schuckert-Werke,, A. E. G., und die Schwarzkopfwerke haben nut noch seht wenig Kohle. Die L. Loctvc- Werkc Kegen schon seit geraumer Zeit still und haben keine Aussicht in absehbarer Zeit den Betrieb auf- nehinen zu können.

Wittelsbach" «»strandet. Wie dieB. Z. am Mit­tag" ans Kiel meldet, ist das frühere Linienschiff, jetzige MinennnttterschiffWittelsbach" auf seiner Ausreise nach dem Kattegat im südlichen Langeland-Belt gegen­über vom Leuchtsermr Kjelnoor gestrandet.Wittels- bach" fitzt ar* wc'-ycm Grund. Die Reickswerst sandte

Schlepperschiffe, womit daS Schiff wieder flottgemacht wurde.

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Das böse Gewissen. .

DerVorwärts" bestätigt die kürzlich mitgeteklte Nachricht, daß die Reichsregierung in einer Kabinettk- sitzung den Beschluß gefaßt hat, die krrrzen Anfrage« der Rechtsparteien in der Nationalversammlung künf­tig nicht mehr kurz und rein sachlich, sondern mit ausführlicher Begründung ttnb gegebenenfalls in schar­fer Form zu beantworten. Dazu schreibt der Presse­dienst der Deutschen Bolkspartei unter obiger lieber- schnft:

Es ist außerordentlich bezeichnend, daß die demo­kratisch-sozialdemokratische Regierung sich anschickt, ein« parlamentarische Einrichtung lahmzu^egen, die seiner­zeit der alten Regierung als ein großer demokratischer Fortschritt abgerungen worden ist. Als die hirjen Anfragen aus stürmisches Verlangen, namentlich der fortschrittlichen und sozialdemokratischen Kreise einge­führt wurden, glaubte man damals, den ersten Schritt auf der Bahn zum parlamentarischen System getan zu haben. Nachdem dieses System mittlettveile, wenig­stens dem Buchstaben der Verfassung nach, bis zur letzten Konsequenz eingeführt worden ist, sind die kurzen Anfragen der heutigen Regierung schon wieder unbe­quem geworden. Das Kabinett stellt zur Begründung dieses Schrittes die Behauptung auf, die Einrichtung der kurzen Anfragen werbe von ben Rechtsparteien agitatorisch ausgenutzt. Die Repolutionsregierung hat sich offenbar bisher einzebikdet, baß die parlamentari­schen kurzen Anfragen das» da seien, der Regiening Liebenswürdigkeiten zu sagen, ober ihr Gelegenheit z« geben, den Glanz ihrer llnfchl bar leit vor allem Volke erstrahlen zu lassen. Vielleicht aber weiß sie noch a»8 den Tagen, in ben ihre Parteien Opposition machten, daß gerade die kurze Anfrage dazu bestimmt ist, die Regierung zur Siebe und Antwort über Vorgänge zu veranlassen, die sie lieber für sich behalten mochte. Wenn die kurze Anfrage als parlamentarische Waffe überhaupt einen Sinn haben soll, so muß sie für diesen Zweck in erster Linie da sein. Wahrscheiw lich wird sich die sozialdemokratische Regierungsmehr­heit auch diesen Schlag gegen ein demokratisches Recht gefallen lassen. Man soll aber ja nicht versuchen, die Verantwortung dafür den Rechtsparteien zuzuschieben, die nur ihr gutes Recht ausüben, wenn sie die Re­gierung auf die Frageprobe stellen. Der wunde Punkt liegt an einer ganz anderen Stelle. Eine Regierung, die ein gutes Gewissen hat, wird nicht? dagegen haben, baß man sie anSfragt. Sie fühlt sich jeder Fragestel­lung gewachsen. Nur das böse Gewissen scheut sich, Rede und Antwort zu stehen, und nur wer da) Kerbholz voll hat, wird unwirrsch und ungebärdig, wenn man ihn nach dem Stand seines Kredits fragt. Unter diesen Umständen ist es allerdings nicht wun­derlich, wenn die Regierung das demokratische Frage­recht im Parlament lahmzulegen versucht. Es gibt offenbar genug dunkle Punkte, in denen sie das Licht einer aufhellenden Frage zu scheuen hat.

Man wird die kommende Parlamentstagung ab­warten müssen, um zu sehe», ob die Reichsregierunk diesen im Widerspnich zu beut parlamentarischer System stehenden Beschluß in der Tat durchführei' wird.

Ergebnisse der DiehMlung

Dk vorläusigen Ergebnisse der am 1. Sevlember 1919 im Reiche mH Ausnahme bet abziitretenden Gebiete, bet Pfalz unb von Birkenfeld vorgenommenen Viehzählung ergeben bei den Rindern einen Beßand von 16 123 832 Stück. Davon Kälber unter 3 Monate 1 675 334, Jung­vieh (von 3 Monaten bis 2 Jahren) 5150 143, Bullen, Stiere und Ochsen 993 184, Kühe, auch Färkn und Kal­binnen 8 650171, Milchkühe 7 717 969, Rinder über 3 Monate im ganzen 14 748 498 Stück.

Der Vergleich mit der Zählung am 2 Juni 1919 zeigt, daß die Zahl der Kälber unter 3 Monate in den gleichen Zotzlbezitken um 18,6 Prozent gesunken ist. Diese Ab- imbme ist dadurch erklärlich, daß die Hauviabkalbezeit zwi- chen dem 1. März unb 31. Mai liegt Dk über drei Monate alten Rinder haben eine Vermehrung um 2,6 Probat erfahren, und zwar das 3 Monate bis noch nicht 2 Jahre alte Jungvkh »m 6,8 Prozent, die Bul­le», Sttere unb Ochsen um 0,8 Prozent und die Sfibe, Färsen und Kalbinnen um 0,5 Prozent. Die Zunahm» des Über 3 Monate alten Jimgvcehs ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die Zahl der Kälber bei der Zählung am 2. Juni 1919 eine Vermehrung um 28,3 Prozent zeigte. Trotz deS erheblicheu und natürliche« Kälberrücksangs ist die Gesamt.ibnahnre des Rindvieh- bestaiches nur sehr gering, »ämlich 2537 Stück oder 0,01 Pro-cut gegenüber der vorangegangenen Zählung.

Dk Zählung der Schweine am 1.September hat einen Gesamtbestand von 11156 853 Stück ergebe» Dar­unter Ferkel unter 8 Wochen 2 611379, 8 Wochen bi# V» Jahre alte Schweine 4 610058, I/2 bis noch nichk I Jahr alte Schwer«« 2 596 731, 1 Jahr und stiere Schweine 1308 690 Stück.