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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung

1851. JV» 303.

Martin Tyrius.

Novelle von Adolph Görling.

(Fortsetzung.)

Ja, Madame! TyriuS, Martin TyriuS! sagte der Mann in kaltem, schleppendem Ton. Ist eS nicht natür- lit, daß ich heute daS Grab des Mannes aussuche, der durch eine unschuldig von mir gegebene Unglücksbotschaft, die theilweise auf einem Mißverstândniß beruhte, sein Le­ben zu endigen bewogen wurde?

Sie unschuldig, Mynheer! rief Frau van Halen »it Widerwillen.

Ja! Meine Nachricht gab ich, wie ich fie tm» dfing; daS Börsenjournal und der Hasencommiffâr haben eS bezeugt.

Eine Pause trat ein, während welcher Frau van > Halen und Câcilia sich zum Fortgehen anschickten.

Bleiben Sie Madame, sagte der Millionär. Ich bin auch gekommen, um meinenunschuldigen" Mißgriff nachträglich Ihnen zu vergüten.

Sie?

Ja, ich! Sie sind nicht eben reich mehr; ich weiß es.

Wenigstens essen wir uns satt, Mynheer! er­wiederte sie dem Geizigen bitter!

DaS ist immer etwas. Aber Sie möchten doch als Mutter Ihre einzige Tochter glücklich wissen, ihr Geld und Gut, Hülle und Fülle zuwenden, sie hoch in der »tnschlichen Gesellschaft stellen, damit ihr kein Unfall nahen kann . . .

Der Millionär sprach fast mit Herzlichkeit.

WaS soll das heißen, Mynheer TyriuS?

Einfach, daß ich gesonnen bin, daS, was ich N^r in Hinsicht auf Ihre Tochter zur Wahrheit zu

machen. Sie wird mehr Vermögen, zehnfach mehr Ver­mögen besitzen, als Sie in den Tagen des Glücks besaßen.

Die Frau van Halen sah den Mann staunend und sprachlos an.

ES ist von Fräulein van Halen nur eine einzige kleine Bedingung zu erfüllen; sagte er, diese mit glühen­dem Blick betrachtend. Ich habe eS satt, stets mit meiner alten, blinden Katze mich zu unterhalten; ich muß Gesell­schaft haben. Erlauben Sie, daß Fräulein Cäcilia mir ihre Hand reicht . . .

WaS? schrie die Mutter.

Daß sie mich heirathet . . . fuhr Martin Tyrius sehr kaltblütig fort.

Mynheer, ich bin Braut . . . zitterte Câcilia hervor.

Ich weiß wohl; daS thut nichts. Sie heirathen mich und sprechen mit mir und erzählen mir etwas daS werden Ihre ganzen Pflichten sein und pflegen mich, bis ich sterbe, waS nicht lange entfernt sein wird, da ich die Schwindsucht im höchsten Grade habe. . . Sodann find Sie die reichste Dame in Flandern und können den Generalstatthalter heirathen, wenn Mynheer Heinrich de RooS Ihnen nicht mehr gefallen sollte. Ist daS nicht sehr vernünftig gerechnet?

Die Frauen würdigten den Alten keiner Antwort, sondern gingen bebend vor Unwillen und geheimer Furcht rasch der Stadt zu.

Ueberlegen Sie diese Worte; rief Martin TyriuS. Meiner Treu, sie dürften eS werth sein.

Er zog den Mantel fester um sich und wandelte: Cäcilia! seufzend, mit düsterem Blicke zwischen den Gräbern. (Forts, folgt.)