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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851.

M 299.

Die Gefährlichen.

Erzählung von Louise von G.

, ganzen Tag RoSwithaS unabweiSlicher Begleiter, eS j schien, als wollte er alle Aufmerksamkeit, die Elsbeth : seinem Sohne gewidmet hatte, an ihrer Tochter vergelten.

ES war aber nicht möglich, das liebliche Geschöpf so viel zu sehen, ohne von ihrem harmonischen, echt weiblich demüthigen und selbstlosen Wesen gewonnen zu werden. UeberdieS faßte sie bald Zutrauen zu dem freund­lichen alten Herrn, und eS herrschte ein Verhältniß zwi­schen ihnen, als hätten sie sich jahrelang gekannt.

RoSwitha ging in den Blumengarten, um Rosen abzuschneiden, welche die Mittagstafel schmücken sollten; dahin begleitete sie ihr alter neuer Freund, mit dem Vor- - faße, sie jetztvorzunehmen".

Er begann mit Berechnung: Wenn heute Abend i Ihr Herr Vater nicht zurückkehrt, muß ich dennoch, ohne i ihn gesprochen zu haben, mit meinem Söhne Ihr gast- * licheS HauS verlassen; meine Zeit ist abgelaufen.

Wita wechselte die Farbe, aber sie sagte nichts.

Mein Sohn fürchtet, daß, nachdem er so lange in «dieser schönen Gegend verweilt, er nur schwer sich wie- ; der an den Stadtaufemhalt gewöhnen wird.

Da der Geheimerath schwieg und immer schwieg, so ! sagte endlich das arme gequälte Sind mit gepreßter Stimme: ! ES hängt doch wohl nur von Ihrem Herrn Sohne ab, ! auf das Land zurück zu kehren, wann er will es ist ja sein freier Wille, zu gehen.

So wissen Sie nicht, daß Ihr Herr Vater ihn nicht - mehr im Hause haben will?

Wita sah den Geheimenrath gespannt an, als ver- i stehe sie ihn nicht.

Ja, ja, er will ihn nicht behalten, er hat es mir i,geschrieben, und ich glaube Sie sind die Ursache!

Wita wurde nun dunkelroll), aber der Geheimerath sah ihr an, daß sie etwas plötzlich begriff; doch sagte sie nur leise: daö ist ein Mißverständniß, ein Irrthum!

(Fortsetzung).

Am andern Morgen nahm der Geheimerath seinen Sohn von Neuem vor, um ihm das Geständniß eines Liebesverhältnisses mit Roswitha auSzupressen, hatte aber eben so schlechte Erfolge wie am Tage vorher, als er sich entrüstet wandte, um zum Zimmer hinaus zu gehen, sagte aber Benno begütigend mit verlegenem Echerztone: Wenn Sie eS durchaus haben wollen, Daler, daß ich der Liebhaber deS Fräuleins sein soll, so kann ich Ihnen ja den Gefallen thun ich habe den testen Willen und will heute in Ihrer Gegenwart ver- suchen, sie einmal anzureden der erste Schritt soll ja der schwerste sein.

Tuckmäuser! Heuchler! brummte der Alte, der einen Augenblick stehen geblieben war, und schlug, hinaus gehend, die Thür« heftig inS Schloß. Ich muß nun mein Glück bei dem Mädchen probiren, auS dem Jun­gen ist nichts heraus zu kriegen wie so ein paar Jahre, auf der Universität zugebracht, aus einem ehr- kichen Jungen einen so falschen, versteckten, heimtückischen Menschen machen können ich kann ihn aber doch nicht iwingen was soll man mit einem zwanzigjährigen Menschen anfangen, wenn er nicht will?

4. Ein junges Mädchen im Verhör.

Zwei Tage waren verflossen, und Herr von Einegg war noch immer nicht zurückgekehrt. Wir müssen noch erwähnen, daß der Geheimerath auf ElSbelhS dringende Einladung seinen Wagen unten auS dem Dorfe hatte holen lassen und sammt seiner Dienerschaft das Schloß bewohnte, um die Ankunft seines Freundes, den er spre- ^n zu wünschen erklärte, abzuwarten. Er war den