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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgem. Zeitung.

1851

JV» S73

Die freundlichen Brüder.

Erzählung von K. Rudolf.*)

! dem alten Ritterschlosse mit seinen Thürmen , Verließen ; und Zugbrücken die glücklichsten Ferienlage verlebt, und In einer heitern Abendgesellschaft kam die Rede auf. lange Zeit verlegte ich unwillkührlich AlleS, waS ich von

bie Eifersucht. Einige junge Männer behaupteten un­

artiger Weise, ihr Geschlecht verdiene darin vor dem weiblichen den Vorzug, daß eS der Beispiele nicht wenige gebe, wo gemeinsame Liebe die Freundschaft zwischen Männern nicht aufgehoben habe, hingegen sei bei den Frauen ein solcher Fall unerhört. Die Frauen, die den Männern diesen Vorzug nicht gelten lassen wollten, nah-

men, als sie ihre Gründe erschöpft hatten, ihre Zuflucht .

zu einem alten Herrn, einem Gelehrten, der in diesem dem Wiesen, Aeckcr, Buschwald bunt mit einander wech- Kreise sehr geehrt wurde, und in Streitigkeiten der Art ; selten. Außer einer Mühle, die weiter unten im Thale

alS ein milder Vermittler galt. Er hatte bis dahin ge- ; lag, war von menschlichen Wohnungen Nichts zu sehen,

schwiegen und nur durch ein schelmisches Lächeln seine j Die benachbarten Dörfer und Höfe lagen rückwärts auf

Theilnahme an der Verhandlung bewiesen. Zum Reden der Ebene.

DaS freundliche Bild, das indessen großartigere Ge«

aufgefordert, sagte er:Es ist mir, wie gewöhnlich,

auch in diesem Falle nicht möglich, meine Meinung in gen den, die ich in den letzten Jahren gesehen, verdrängt kinige bestimmte Sätze, oder gar in ein Schlagwort zu- s hakten, trat jetzt wieder lebhaft vor, und der Wunsch der sammenzufassen. Ich wüßte auf die an mich gerichtete s guten Fran, mich nach so vielen Jahren wieder einmal Frage nur mit einem Geschichtchen zu antworten. Wenn I Ju fthen, kam mir um so gelegener, als ich zu Hause ich nicht fürchten muß, Langeweile zu machen, so will ! durch unsere geselligen Verhältnisse, mehr alS mir ange-

ich der Gesellschaft ein unschuldiges Erledniß auS meiner Jugendzeit mitlheilen, das, wie ich denke, die Sache, um die eS sich handelt, in ihr rechtes Licht stellen wird".

AlS man sich zu aufmerksamem Hören angeschickl ^âlte, erzählte er; Ich hatte eben die hohe Schule ver­lassen und wollte mich nun zu Hause auf eine Reise nach Italien vorbereiten, alS mir von einer alten vertrauten 8reundin meiner Eltern, einer reichen Wittwe, die auf einem entfernten Landsitze lebte, die Einladung zukam, ivieder einmal einige Wochen oder Monate der schönen

*) Stuttgart, Verlag von Adolph Krabbe.

Jahreszeit bei ihr zuzubringen. AlS Knabe hatte ich in

romantischen Geschichten laS, an diesen für mich geweih-

len und in der Thai sehr reizenden Ort. Das Schloß lag am Schluffe einer fruchtbaren Hochebene, über einem kleinen bebuschten Abhang, der jäh in daS anmutigste, von einem klaren Flüßchen durchrauschle Wiesenthal hinab- ' führte. Auf der andern Seite des Thales hoben sich die ; Hügel hoher hinan und boten dem Blicke aus den Wohn- ' zimmern deS Schlosses eine schöne Mannigfaltigkeit, in*

nehm war, in meinen Studien unterbrochen wurde. Dort

in der .ländlichen Einsamkeit hoffte ich in Wochen mehr zu Stande zu bringen, als in der Stadt in Monaten. Ich packte eine ganze Bibliothek zusammen und machte mich, in der Ueberzeugung, als Muster eines gut vorbe­reiteten Reisenden zurückzukehren, auf den Weg. Ich fand auch im Schlosse AlleS so traut und so freundlich wie sonst, wie ich eS hatte erwarten dürfen. ES wurden mir Zimmer angewiesen, in denen ich von dem Treiben der Wirthschaft nicht daS Mindeste hörte, und die alte mun­tere Frau, die den ganzen Tag über beschäftigt war, nahm mich kaum weiter in Anspruch, als daß ich ihr nach dem