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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. M 258.

Das Fest in Peterhof.

(Fortsetzung.)

Iwan zweifelte nicht, daß trüben Verführer Elisa­beths hier vor sich sâheeS war nicht anzunehmen, daß außer ihm noch Jemand in Moskau dieses eigenthümliche Kennzeichen an sich trüge er sprang daher auS seiner Kibitke und suchte seiner Empfindung hinreichend Meister zu werden, um den Reiter mit anscheinender Ruhe und der Höflichkeit anzureden, welche ein Fremder dem andern schuldig ist.

Sind Sie Graf Constantin A, Lieutenant im Garderegiment Sr. Majestät deö Kaisers"? fragte er.

Der bin ich", war die Antwort.

Und ich bin Iwan Michajlowitsch,Lieutenant in dem P 'schen Kofakenregiment"! fuhr der Jüngling in etwas heftigerem Tone fort, denn seine Entrüstung begann ihn jetzt zu überwältigen.

Nun, mein Herr"! fragte der Graf stolz.

Haben sie nicht einen Brief vom General P in dessen Hause Sie zwei Jahre in Wladikawkas zubrachten, in Bezug auf eine Familienangelegenheit, die ich hier nicht weiter auseinder zu setzen brauche, erhalten"?

Mein Herr", sagte der Graf in noch stolzerem Toneich weiß nicht, woher Sie daS Recht haben, diese Frage an mich zu thun".

Sie werden eS wissen, wenn ich Ihnen sage, daß ich der Bruder Elisabeths P bin, und daß ich weiß, wie sie an ihr gehandelt haben. Wollen Sie meine Schwe­ster heirathen" ?

Ich kann nichtFamilienrücksichten machen es mir unmöglich, eine solche Verbindung einzugehen".

Dann, mein Herr", entgegnete Iwan, indem er seine Stimme fast zu einem Flüstern herabsinken lies, um nicht etwa von einem Vorübergehenden verstanden.'zu

werdendann müssen Sie sich mit mir schlagen, und zwar auf der Stelle".

Sehr gern", entgegnete der Grafaber ich

; muß erst nach Hause, um meine Waffen zu holen".

Das ist nicht nöthig ich habe Pistolen und De« ; gen in meiner Kibitke ich überlasse Ihnen die Wahl, «aber ich werde sie nicht aus den Augen lassen, als M

! der Auftrag, mit welchem ich vom Kaukasus hierher ge« kommen bin, erfüllt ist. Wenn Sie einen Versuch ma­chen, diesen Platz ohne mich zu verlassen, so werde ich glauben, daß Sie sich vor meiner gerechten Rache dadurch schützen wollen, daß Sie die Polizei von meinen Absich­ten in Kenntniß setzen".

Mein Herr"! *- rief der Graf entrüstet (denn sein , Muth war niemals in Zweifel gezogen worden)wenn ; Sie mich besser kennten, so wüven Sie nicht wagen, mich

durch eine solche Voraussetzung zu beleidigen. Ich wünsche weiter nichts, als Ihnen die Genugthuung zu geben, die Sie von mir verlangen, aber wir müssen die Sache an einer Stelle besprechen, wo wir ungestörter find, als hier. Wollen Sie meiner Ehre vertrauen und mir folgen"?

Iwan gab seine Bereitwilligkeit zu erkennen, sprang in seine Kibitke und befahl dem Kutscher, zu folgen, wo­hin Graf A ihn führen würde. Nachdem sie zwanzig Minuten weiter durch die Stadt gefahren waren, kamen sie durch das Thor und auf die Petersburger Straße in

der Richtung nach PetrowSky; ehe sie aber noch an der Rennbahn ankamen, bog A von der Heerstraße ab und ritt feinem Gegner nach einer in einiger Entfernung gelegenen Anpflanzung von Birken voran, wo sie Beide abstiegen. Iwan nahm die Waffen auö der Kibitke, be­fahl dem Kutscher, mit dem Wagen dicht vor dem Wäld­chen zu bleiben, während A, die Zügel über dem Halse seines Rosses zusammenknüpfend, dasselbe in der Richtung nach Moskau heruwbrehte und ihm einen Hieb