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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. M 255.

Das Fest in Peterhof.

(Fortsetzung.)

Der alte General war ein achter Russe und ein rauher, biederer Soldat; er hatte sein ganzes Leben un« ter seinen wilden Kosaken zugebracht, und oft hatte man ihn sich rühmen hören, daß er nur einmal bei Hofe er­schienen sei, nämlich nach der Rückkehr von der Einnahme von Paris durch die verbündete Armee im Jahr 1814, bei welcher einzigen Gelegenheit er sogleich einen Beweis von seiner gänzlichen Unfähigkeit gegeben, an diesem Orte zu figuriren. Er erzählte nämlich sehr oft, daß er, als er der Kaiserin Mutter, der Wittwe des Kaisers Paul, in ihren Privatgemächern vorgestellt ward und ihr eine tiefe Verbeugung machte, mit seinem Säbel eine mit dem schönsten Meißner Porzelan angefüllte Etagere umstieß, so daß das ganze Zimmer in einem Augenblicke mit klir- i renden Scherben bedeckt war. Ohne große Befangenheit! über den angerichtrten Schaden blicken zu lassen, wendete i sich der General zu der Kaiserin und sagte lächelnd:! Matuschka (Mutter) *), ich benehme mich wie ein ächter ! Kosak, denn was wir nicht milnehmen können das ver-' Nichten wir".

Ganz im Gegensatz zu der Sitte in Petersburg, wo i Russisch die Sprache ist, welche man selbst in russischen! Häusern am Wenigsten hört, da von den ausländischen Dienern zu großen Haushaltungen fast nichts Anderes i gesprochen wird, als Französisch, Deutsch, Englisch und 1 Italienisch, verstand kein Mitglied der Familie des Ge« ! nerals P eine andere Sprache, als die ihres Vater«! landS. Graf A, der in dem babylonischen Sprachge-> wirre von Petersburg des Russischen ganz entwöhnt wor- ;

*) Die russischen Soldaten sind gewöhnt, den Kaiser als Batuseka

(Vater) und die Kaiserin als Matuschka (Mutter) anzureden. '

den war, kam es vor, als sei er in ein fremdes Land versetzt worden, als das ihm vertraute Französisch ihm nicht mehr als Medium der Mittheilung mit seiner Um gebung ausreicht und er sich von unbeholfenen Soldaten bedient sah, die geneigter schienen, auf die Schimpfworle zu hören, mit denen ihr rauher alter Herr sie überhäufte, als auf die Namen, die sie am Taufstein empfangen. Die übrigen antinationalen Geschmacksrichtungen des Gra­fen wurden ebenfalls schmerzlich berührt, denn der Haus­halt des Generals war so wie die Sprache, die hier ge­sprochen ward, echt Russisch; bei Tafel herrschte Ueber- fluß und Fülle, aber nur in jener rohen Form, die schon längst von den eleganten Tischen der Hauptstadt verbannt worden, und während der alte Kosak die zarten EntreeS eines französischen Kochs als seines Gaumens unwürdig mit Verachtung zurückgewiesen haben würde, war er stolz darauf, seinen Tisch mit Kulebak, Grütze und Suppen von Eisbier, rohen Gemüsen, geschnittenen Gurken und gepökeltem Lachs, sowie mit Krügen voll Bier, Brannt­wein, Quassia, Meth und Wein von den Ufern des Don besetzt zu sehen.

General P war Wittwer. Er hatte eine Einge« borne von ver anderen Seite des Kaukasus geheirathet, die in der Blüthe des Lebens verstorben war, und seine Familie bestand aus vier Söhnen, die alle in dem Ko- sakenregiment standen, daS er früher commandirt, und einer einzigen Tochter, die zu der Zeit, wo Graf A in sein HauS kam, kaum erst fünfzehn Jahre alt, ein noch ganz ungebildetes Mädchen, aber schon das leibhafte Ebenbild ihrer Georgischen Mutter war. Obschon fast zur Jungfrau herangereist, ward die junge Elisabeth doch immer noch von ihrer Familie alö ein schönes Kind be­trachtet und von ihrem Vater und ihren Brüdern mehr als ein Spielwerstbehandelt denn als eine Gesellschafterin. Ihre Erziehung war beklagenSwerth vernachlässigt wor-