Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — M 254.
Das Fest in Peterhof.
sF o r t s e tz u n g.)
Ich erkundigte mich angelegentlich nach dem tarnen der schönen Fremden, aber die Freunde, an die ich mich wendete, konnten meine Neugier nicht befriedigen. Bald nachher verlor ich sie auS dem Gesicht, denn als die Polonaise vorüber war, ging die kaiserliche Familie zum Souper in ein Gemach, von welchem Alle, die nicht unmittelbar dazu gehörten, ausgeschlossen waren, und wir benutzten diese Gelegenheit, in die Gärten hinabzugehen, wo sich unS ein magischer Anblick darbot, der fast die feenhafte Schilderung beS Palastes der Feuergeister verwirklichte.
Nie sah ich etwas, daS der Illumination von Peter- Hof gleichgekommen wäre; unter feurigen Säulen, Pyramiden , Arkaden und Mauern ^warfen die unzähligen i Springbrunnen dieser terrassenförmigen Gärten ihr Wasser j hoch in die Luft und spiegelten das Lichtmeer ringsumher wieder, so daß es auSsah, als wenn ein Regen von Diamanten und Smaragden herabströmte, während ihr murmelndes .Geräusch sich in die Musik mischte, die aus den geöffneten Fenstern des Palastes herauSlönte, so wie in das Summen der ungeheueren Menschenmasse, die in diesem Zaubergarten versammelt war. Ein helleres und stärkeres Licht als das des TageS goß eine Art übernatürlichen Glanzes über die Menge europäischer und asiatischer Costüme und Uniformen auS, welche in diesen Gängen und zwischen diesen feurigen Wänden Herumwogre und ich würde mich in daS Feenland versetzt geglaubt haben, wenn nicht auS den Myriaden Lampen ein Talggestank aufgestiegen wäre, der mich auf ziemlich unangenehme Weise daran erinnertez daß ich mich in dem Lande befand, dessen Hauptproduct dieser ziemlich unästhetische Artikel auSmacht.
Bon Zeit zu Zeit wurden auf den in der Bai von Peterhof vor Anker liegenden Fregatten Geschützsalven abgefeuert, und durch die Oeffnungen der Straßen sahen wir alle diese Schiffe mit aufgezogenen Wimpeln und Flaggen so schön illuminirt, daß sie in dem Helldunkel wie mit Phosphor auf einen dunkeln Hintergrund gezeichnete Schiffe aussahen. Auch die leiblichen Bedürfnisse deS Volkes waren nicht zu übersehen; in den Gärten waren Zelte aufgeschlagen, wo Thee (daS niemals fehlende Getränk in Rußland), Wein, Meth, Quassia, Branntwein, Obst und eine Menge noch nahrhafter Lebensmittel mit freigebiger Hand ausgetheilt wurden. Die größte Ordnung herrschte; alle schienen sich zu amüsiren, aber mit einer Ruhe und mit einem Anstande, der den Einwohnern anderer Länder, welche auf einen viel höheren Grad von Civilisation Anspruch machen, zum Muster hätte dienen können.
Als der Hof soupirt hatte, fuhren einige und dreißig offene Wagen vor dem großen EingangSthore des Palastes auf, und die kaiserliche Famile mit ihrem Gefolge, sowie die fremden Gesandten, stiegen ein und ließen sich durch den Park und die Gärten fahren, um die Illumination in Augenschein zu nehmen und sich Denen zu zeigen, die nicht Zutritt zu dem Palast erhalten hatten. DieS war der letzte Act deS Festes, und sobald er vorüber war, begaben, wir uns wieder in unser Dampfschiff, welches wir noch gedrängter voll fanden, als auf der Herfahrt. Obschon aber der Wind uns günstig und die See ruhiger war, als auf der Herreise, so fuhren wir doch ziemlich langsam ; die Dampfmaschine ruhte, weil der Eigenthümer deS Schiffes, der schottischen Sparsamkeit treu, Befehl gegeben hatte, das Feuer ausgehen zu lassen.
Die Zeit ward mir jedoch nicht lang, denn die Passagiere deS Dampsschiffeö bildeten ein ebenso merkwüdigeS Gemisch, als die Versammlung in Peterhof gewesen war.