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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. JV» S37

Jugendsünden.

Novelle nach C. Souvestre.

(Fortsetzung.)

In diesem Augenblick trat der Notar, durch daS Ge- j râusch der Stimmen angezogen, auö dem Pavillon.

Kommen Sie, kommen Sie, Meister Bouvard", rief der Seemann,hier bedarf man Ihres richterlichen^ Spruches" !

Wie so, waS gibt es denn, Admiral"? fragte der Notar und warf einen betroffenen Blick auf die verwirr- ! ten Gesichter GabrielenS und Rene'S.

Ich habe eine Neuigkeit, eine große Neuigkeit er- : fahren", erwiederte der Admiral,durch einen Brief, den! mir Georg überbracht hat". |

Der Notar zitterte, handelte sich unzweifelhaft um das Schreiben, welches er dem Majoritätsgesuch bei- ; gelegt hatte. Verwirrt und in Todesangst schlug er die Augen zu Boden.

Es scheint", fuhr der Baron fort und zeigte den Brief,besagtes LiedeSbriefchen ist aus einem Porte- i feuille gefallen, was Duret bei der Waldlichtung gefun- z den hat".

Nun kam die Reihe an Rene zu zittern. Bouvard hingegen hob den Kopf und sah den Admiral an, wie einer der nichts mehr versteht.

Ein Portefeuille"? wiederholte er donnernd,Ver­zeihung, Herr Baron, erhielten Sie nicht vor Kurzem die Papiere" ?

Das Majorat betreffend" ? fügte der Admiral hinzu, ich habe sie auf der Stelle fortgeschickt".

So wie sie da waren" ?

Ohne sie zu öffnen" !

Der Notar prallte zurück und stieß einen Klageruf aus. Sein Heirathögesuch war unter den Acten geblie­ben und an den Finanzrath geschickt!

Nun, waS giebt es denn"? fragte ihn Herr von Rostang.

Nichts, Nichts", stotterte Bouvard,ein vergessenes Blatl ein unglücklicher Zufall wem haben Sie das Paket übergeben, Herr Admiral"?

Teufel, dem Duret"!

Ist er fort" ?

Nach dem Postamt".,

Ich hole ihn ein"! rief der Notar und knöpfte fer­nen Rock zu,entschuldigen Sie, Herr Baron ich werde die Ehre haben, Sie nächste Woche wieder zu sehen aber wenn dieses Papier abgeschickt wäre! Ich empfehle mich dem Fräulein ganz gehorsamst".

Und ohne auf den Admiral zu hören, drr ihn zurück­halten wollte, lief er dem Schlosse zu.

Gott straf' mich, der ist toll"! rief der Seemann lachend.Im Grunde aber brauchen wir ihn nicht; was wir zu erwägen haben, ist kein gerichtlicher Act, eS ist ganz einfach ein Brief, und ich denke, Herr von Ramière kennt diese Handschrift schon".

Hierbei überreichte er daö Blatt dem jungen Mann, der daS an Gabriele gerichtete Schreiben darin erkannte und leicht erröthete, ohne 'jedoch die Augen nieder zu schlagen.

Ich habe weder meine Worte, noch meine Hand­schrift verleugnet, Herr Baron", sagte er mit bescheidener Sicherheit.Da ich gestern noch nicht wußte, ob ich Fräulein Gabriele sprechen konnte, schrieb ich diesen Brief, um zu fragen, ob ich hoffen dürfte. Seitdem aber hat sich alles anders gestaltet. Sie haben großmüthig Ihre alte Abneigung vergessen; ich habe Ihre Hand gedrückt, und da Sie der Zufall bereits von meiner Liebe unter­richtet hat, so habe ich nur noch eine Frage hinzuzu- fügen"