scheinung verbreitet, bewies uns die Richtigkeit dieser Ansicht durch folgendes Experiment. Er nahm zwei Uhr- gläfer, goß in beide gleichviel Meerwasser, entfernte dann daS Licht aus dem Zimmer, und brachte durch einen leisen Anstoß an die Gläser die PhoSphorescenz hervor.
Hierauf fischte er mittelst eines feinen Pinsels die Thierchen auS dem einen Glas und brachte sie in das andere. Als daS Licht hierauf von neuem entfernt wurde, zeigte daS der Infusorien beraubte GlaS nicht mehr die gringste Spur von PhoSphorescenz, während daS mit der doppelten Anzahl versehene noch einmal so feurige Pünktchen alS zuvor enthielt. Durch daS Rütteln am Glase treten die Nocticulä an die Oberstâche, wie auch die größere Erscheinung im Meere gewöhnlich nur dann sichtbar ist, wenn daS Meer eine Zeit lang stürmisch war und der Wind auS Südwest wehte. Un- 1er dem Mikroskop betrachtet, zeigen die Thierchen, deren Studium noch immer die niederländischen Zoologen beschäftigt, die Gestalt eines BlatteS, auf dem einzelne Fliegen fitzen. Schüttelt man die Thierchen in der Flasche sehr heftig, so hört ihr Leuchten auf, weil sie alsdann auS Ermüdung diese Lebensäußerung nicht mehr von sich geben können.
Bei schon vorgerückter Jahreszeit sind besonders die nördlrchen Meere sehr spröde mit dieser zauberhaften Erscheinung, welche zu den höchsten Schönheiten der See gehört. Wir selbst waren so glücklich, dieselbe einmal an einem der letzten dunkeln, etwas schwülen Abende, wenn ' auch nur schwach, zu erblicken. Ein Dampfer stach ge- : rade in daS Meer, und sowie der Kiel die Wogen durchfurchte, loderte eS an Reiben Seiten des Schiffes wie zuckende Blitze auf.
Interessant dürfte vielleicht auch die Notiz sein, daß man jetzt über Ebbe und Fluth, welche bekanntlich, als von der Anziehungskraft der Sonne und des Mondes abhängend, in ganz bestimmten regelmäßigen Intervallen wiederkehren, Karten hat — sie sind von einem Engländer erfunden — mit Hilfe derer man daS Eintreffen der Fluth zu jeder Stunde, an jeder Küste der beiden Hemisphären ebenso genau ersehen kann, wie man vermöge deS Compasses die Richtung bestimmt, welche daS Schiff zu nehmen hat. Dr. Verhaege ist im Augenblick mit einer wissenschaftlichen Abhandlung zur Feststellung deS Ursprungs deS interessanten Phänomens („de l'origine des marées ou de la progression du flux dans l’océan et la mer du nord“) beschäftigt. (Forts, folgt.)
Miscellen.
Californien hat, allem Anscheine nach, ein vielversprechendes Seitenstück im fünften Welttheil gefunden. Nach der „Bathurst Free Preß" (Bathurst liegt etwa 150 englische Meilen von Sydney) hat der Colonist Mr. Hargraves die Entdeckung gemacht, daß das ganze Bergland in jenem Theile Australiens eine unermeßliche und unerschöpfliche G o l d g r u b e ist. Im Mai kam der Sohn eines Brauers, Mr. Neale, aus diesem neu entdeckten Lande Ophir mit einem 11 Unzen schweren Klumpen gediegenen Goldes nach Bathurst. Bald darauf machten andere Abenteurer ähnliche Funde und verbreiteten eine Aufregung im Lande, welche nur die Feder eines Dickens beschreiben könnte. Das Goldfieber bringt dort dieselben moralischen und physischen Erscheinungen hervor, wie in Californien. Hunderte und Tausende von achtbaren Krämern, Handwerkern, Schullehrern, Advokaten , Chirurgen und Apothekern haben Haus, Hof und Gewerbe im Stich gelassen, und nur mit den nothwendigsten Werkzeugen und dem nothdürftigsten Lebensbedarf gerüstet, schaaren- weise in die Minen zu gehen, um dort entweder Crösuffe zu werden, oder elend zu verkommen. Eine der ersten materiellen Folgen der Entdeckung war ein Steigen aller Lebensmittelpreise.
i Mehl ist von 28 Sh. per Cenlner auf 45 Sh., Thee, Zucker, I Fleisch, Butter u. s. W. sind in demselben Verhältnisse gestiegen. . Mr. Stutchbury, Geolog int Dienste der Regierung, hat einen ausführlichen Bericht an die Regierung eingesandt, welche Wohl nicht verfehlen wird, bald einen Jnspector über das Goldland zu setzen und die regelmäßige Ausbeutung der Minen einzuleiten.
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Im Verlage von'Schlodtmann in Bremen erscheint demnächst eine Idyll-Erzählung „Pfarrröschen" von Robert G isek e, der sich mit diesem seinem zweiten Werke zugleich als Verfasser des anonym erschienenen großen Romans „Moderne Titanen" bekennt, der im vorigen Winter erschien. In demselben Verlag erscheint auch ein neuer Roman von dem bekannten Bernd von Guseck: „Salvator".
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Johann Strauß jun.', der Sohn des berühmten Walzerkönigs, hat bereits in Wieu einen so großen Ruhm erworben, daß die Verlagshandlung von Haslinger in Wien mit ihm einen Contract über seine sämmtlichen Compositionen mit Eigenthumsrecht für ganz Europa abgeschlossen hat.
Tageschronik.
8. October 1849. Eröffnung des ersten Schwurgerichts zu
W ie sbad en.
Mein ungeheuerster Wunsch ist befriedigt.
(Fiesco, 2r Auf;., 18r Auftr.)
Verantwortlicher Redacteur: Dr. A. Boczek.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.