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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. Jf 233.

Jugendsünden.

Novelle nach C. Souvestre.

(Fortsetzung.)

Sicher war eS die höchste Zeit, daß die Frau Ba­ronin kam", sagte Bouvard,Beide waren mit ihrer Kraft zu Ende".

Ja", sagte Ernestine,und doch, denken Sie, welche Entsagung! Die Mutter wollte selbst alle Entbehrungen tragen, sie hatte nur Mitleid für ihr Kind, und als sie Ihren Namen, Georg, nannte, geschah eS weder mit Vorwurf, noch mit Zorn, sondern nur mit Thränen".

Der Matrose schien bewegt.

Da, ich gestehe eS", fuhr die Baronin fort,flossen die meinigen auch. AIS ich das Elend dieser Verlassenen sah, konnte ich dem Wunsche, ihre Seele zu trösten, nicht widerstehen. Ich wollte daS Almosen durch eine Freude verschönern, und ließ sie glauben, daß ich von Ihnen ab­gesandt wäre. Herr Bouvarv selbst glaubte es. Wenn ich Unrecht gethan habe, Georg, so verzeihen Sie mir, aber diese Lüge gab zwei armen Geschöpfen, die jetzt seg­nend Ihrer gedenken, den LebenSmuth wieder"!

Mich segnen" ? wiederholte Duret.

O, Sie sind gerührt"! rief Ernestine.

Der Matrose machte eine Anstrengung, seine Bewe­gung zu bemeistern r es gelang ihm aber nicht.Ja, eS ist wahr", stotterte er halb verdrießlich, halb weich her­vor.Die Frau Baronin hat mir Dinge gesagt die wir an'S Herz griffen und doch wenn ich daran denke die Frau Baronin hat leicht gut sein ihr kann daS nicht schwer werden, sie ist nicht gekränkt wor­den aber ich ich kann es nicht vergessen nein, niemals"!

Und als er Ernestinens schmerzliche Bewegung sah, kügte er hinzu rDeswegen bin ich der Frau Baronin

und Herrn Bouva-d nicht weniger verpflichtet. Später vielleicht werde ich Ihnen bester danken können"! Nach einem kurzen Gruß ging er hinaus.

Frau von Rostang folgte ihm mit den Augen.Ich hoffe, daß Ihre Eröffnungen, Herr Bouvard, zum Gu, ten auSschlagen werden; Georg war gerührt. Vielleicht erweckt die -ruhige Betrachtung der Dinge versöhnliche Gedanken in ihm".

Der Notar erging sich nun in langen Entschuldi­gungen über seine unwillkürliche Redseligkeit; die Baro­nin, die mit ihren Gedanken wo anders zu sein schien, ließ ihm Zeit, sich in eine lange Erklärung zu verwickeln. Er kam von einem Nebenumstand auf den andern, und verlor sich immer mehr in ein Labyrinth, während Frau von Rostang, die sich auf einen Sessel niedergelassen hatte, ihm mit jenem Lächeln zuhörte, wie eS höflichen Leuten eigen ist, deren Gedanken ganz wo anders sind. Plötzlich hörte sie eine Uhr schlagen. Sie drehte sich rasch um, sah nach dem Zeiger und ließ sich einen sofort unterdrückten Seufzer entschlüpfen. Bouvard, der ganz glücklich über eine Unterbrechung war, die seiner Rede ein Punktum machte, schloß kurz.

Entschuldigen Sie, mein lieber Bouvard", sagte die Baronin mit viel Zuvorkommenheit,ich erinnere mich so eben erst, daß Sie bei unserm Nachbar dem Grafen von Roverge Geschäfte haben, und kann eS mir nicht vergeben, daß ich Sie so lange davon zurückge­halten".

Der Notar wollte antworten, daß sein Besuch beim Grafen aufgeschoben werden könne, Ernestine ließ ihm aber keine Zeit dazu, erinnerte ihn, daß der Admiral ihn zu Tisch zurückerwartete, und klingelte, daß man den Wagen anspanne.

Bei dieser liebenswürdigen Eile begriff Bouvard, daß die Baronin allein zu sein wünschte, und trotz seines