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Der Wan-erer.

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Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgem. Zeitung.

1851. M SS7.

Jugendsünden.

Novelle nach C. Souvesire.

(Fortsetzung.)

Meister Bouvard war ein Mann von ungefähr dreißig Jahren, groß, mager, mit verwischten Zügen. Auf der Nase, die wie die jenes frommen Brudersdem Grabe zustrebte", saß eine Brille mit blauen Glasern. Bis ihm die Hinterlassenschaft seines Onkels gestattete, die Kund- schaft eines älteren Practicanten zu Rouen zu kaufen, war er erster Schreiber in einer kleinen Stadt der Nor­mandie gewesen, kannte nur, wie er sich auszudrücken pflegte,den guten Ton von da herum", und fürchtete immer Anstoß zu erregen. Als er mit der Clientschaft der vornehmen Welt.beehrt wurde, schienen ihm seine Manieren in seiner Stellung eben so wichtig, als seine wirklichen Dienste, und er versäumte nicht-, sie sich an- zueignen. Zum Unglück geht es aber mit der Eleganz eben so, wie mit der Natürlichkeit; wer sie sucht, den flieht sie. Die steife und absichtliche Höflichkeit BouvardS glich seinen Acten, und diente nur dazu, ihn lächerlich zu machen. Er hoffte dieser Verlegenheit durch eine Hei, rath zu entgehen, weil er wußte, daß in den Augen der Welt die Reize einer Frau die Unbehülflichkeit des Man­nes vortheilhaft ausgleichen. Aber auch dies schlug ihm fehl. AlS er bei seiner ersten Anfrage abgewiesen wurde, beging er die Unvorsichtigkeit, die- merken zu lassen, und erhielt eine Schlappe auf die andere. Die zweite Erbin, der er seine Hand antrug, wollte nicht daS Ansehen ha­ben, EtwaS anzunehmen, was die Erste auSgeschlagen. Die Dritte, Vierte machte eS wegen der Uebrigen ebenso; tS wurde nicht mehr Sache der Wahl, sondern Sache der Eigenliebe. Bouvard behauptete, daß selbst Mütter, an deren Töchter er nie gedacht, damit groß thaten, daß " bei ihnen vergeblich angehalten. Ihm einen Korb ge­

geben zu haben, war eine Ehre, die so in der Mode war, daß sie einer wohlerzogenen jungen Person nicht fehlen durfte; sie war das Ehrenkreuz aller heiratsfähigen Da­men in der ganzen Landschaft.

Seit einigen Monaten indessen trug sich der Notar mit einer ernsten Hoffnung. Ein unerhörter Fall! Wäh­rend alle Mütter ihn zurückstießen , schien ihn die Baro­nin anzuziehen. Nachdem sie den wahren Werth dieser rechtschaffenen Natur, deren Verdiensten nur die Anmuth fehlte, gründlich erkannt hatte, zeigte sich Frau von Ro« stang so gütig gegen den Notar und so wenig eitel auf ihre Tochter, daß Bouvard auf den Gedanken kam, sie wolle ihn ermuthigen. Seitdem sie bei mehreren Gele­genheiten gesagt hatte, daß sie Gabrielen ganz frei wäh­len lassen wolle, daß Alles auf sie selbst ankommen solle, dachte der Notar ernstlich daran, sie von seiner Absicht zu unterrichten. Aber es blieb bei seinem Vorsatz. Schon einige Mal hatte er sein Gestândniß , daS bereits unter­wegs war, unterdrückt. Einer Frau gegenüber, der er liebenswürdig zu erscheinen wünschte, gelangte seine ge­stachelte Eitelkeit nur immer zu der Frage:waS soll ich sagen"? Und unfähig, sie zu beantworten, wiederholte er sie im Stillen so oft, bis er vor Angst schwindelig wurde. Durch die geübte Geschäftsführung mit der Feder, in der Hand weniger schüchtern, entschloß er sich nach langem Hin- und Hererwägen, zu schreiben. Nun blieb nur noch übrig, ein Mittel zu finden, seinen Brief geheimnißvoll und doch ^ohne Jnconvenienzen zu überreichen. Meister Bouvard rechnete hierbei auf den Zufall und ein wenig auf Marcell, der ihm wegen mehrerer Angelegenheiten, die er ihm in Ordnung gebracht hatte, sehr verpflichtet war.

Der Admiral und die Baronin kamen gerade dazu, als er aus dem Wagen stieg. Er entschuldigte sich erst lang und breit, daß er so früh am Morgen seinen Be­such mache; aber der,Baron ließ ihm keine Zeit dazu;