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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

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1851. JV» 883.

Jugendsünden.

Novelle nach C. Souvestre.

(Fortsetzung.)

Augenscheinlich hatte ein lockendes Begegniß Marcell sein Versprechen vergessen lassen. Vielleicht war die Jagd nur der Vorwand gewesen, und indem Georg in'S Ver­trauen gezogen zu sein schien, war dieser nun der Ge­foppte. Diese letzte Vermuthung, welche die einleuchtendste schien, verursachte dem Alten einen Aerger, der leicht auf seinem Gesicht zu lesen stand. Er erhob sich, ging an'S Fenster, stieß die Läden auf, kehrte zur Lampe zurück, löschte sie aus und fing an im Wartesaal hin und her zu laufen, indem er ein leises Selbstgespräch führte, das durch heimliche Flüche unterbrochen wurde.

Schon hoher Tag"! sagte er vor sich hin,und noch nicht zurück! Und die Frau Baronin band eS ihm doch auf die Seele, und mir gab er das Versprechen! Gleich wird der Admiral herunterkommen, und weiß Gott, welchen Sturm es setzen wird, wenn er gewahr wird, daß der junge Mann die Nacht außer dem Schlosse zu- gebracht hat! Der hat freilich jetzt gut den Moralisten spielen, seitdem ihn die Gicht verhindert, andere Dinge zu treiben! Und doch war er auch einmal jung, der Ad­miral. O ich weiß einige Geschichten, ich, der ich immer Posten stand an seiner Thüre 1 Ich erinnere mich noch, daß er zu Martinique, als er gewisse Besuche empfing, allen Officicren, die sich ihm vorstellen wollten, sagen ließ, er habe das Fieber. DaS war ein wunderliches Fieber; siebenmal in der Woche kam eS wieder" !

Hier unterbrach der Bootsmann feine Erinnerungen, um ein Fenster zu offnen und Marcell mit den Augen in der Landschaft zu suchen. Zu gleicher Zeit ertönte im Dorsaal der Schall unsicherer Tritte und daS Stampfen

eines Stockes, eine Stimme rief Georg zu wiederholten Malen, aber der alte Seemann, der den Kopf hinausge­streckt hielt, hörte Nichts. Plötzlich erschien der Baron an der Thüre, auf eine Gichtkrücke gestützt; er wiederholte seinen Ruf mit der ungeduldigen Heftigkeit, welche Leu­ten eigen ist, die nicht zu warten gewohnt sind. Jetzt drehte sich der Bootsmann um.

Der Admiral"! rief er erschrocken.

Alle Wetter! soll ich eine Flinte loSbrennen, damit Du hörst"? sagte der Baron mit Laune.Wonach schaust Du denn auö"?

Ich, nach Nichts", erwiederte Georg lebhaft.

Nun dann ist eS der Mühe auch werth, Dich anS Fenster zu stellen"! sagte Herr von Rostang und ergriff einen Lehnstuhl.Hast Du noch nicht die Baronin oder Gabriele gesehen"?

Nein, Admiral".

Der alte Officier setzte sich und zog eine Fußbank unter sein krankes Bein.

Es ist wahr", sagte er,ich bin heute früher als gewöhnlich aufgestanden; diese verwünschte Gicht läßt mir keine Ruhe. Aber jetzt müssen doch die Weiber kommen"!

Sie würden schon hier sein, wenn sie wüßten, daß der Admiral unpaß ist", erwiederte der Bootsmann.

Ja, ja", murmelte der Baron mit halber Stimme, als wenn er es zu sich selbst sagte,wenn ich ihrer bedarf, sind sie gleich da, sie sind zwei Engel! Zwei Engel, die ihre Zeit verlieren, sich mit mir altem Teufel abzugeben, während mein Herr Sohn herumstreicht, sich amüstrt und Schulden macht"!

Georg warf entschuldigend ein, daß er in letzter Zeit keine gemacht habe.

In letzter Zeit"! wiederholte der Admiral,daS glaub' ich wohl! Gestern hab ich die letzten bezahlt; er