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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. ^ 221

Frauen - Diplomatie.

(Schluß.)

Da gingen mir die Augen auf. Also lieber arbeiten wie ein Taglöhner, alö ohne Laura! Als er nach Wien zurückgekommen, fragte er mich noch einmal um meine Einwilligung zur Heirath, aber kurz und unhöflich remonstrire nicht, Georg! kurz und unhöflich ; als ich sie ihm eben so kurz abschlug, sagte er kein Wort, son­dern bat mich nur vor ungefähr acht Tagen um tausend Gulden Münze für einen Gig und ein Pferd zur Pra­terfahrt ! An demselben Tage war der Brief aus Liver­pool eingetroffen. Ich gab ihm das Geld, aber ich ließ auspassen. Er kaufte nichts als einen ganz beson­ders kleinen Koffer! DaS genügte von nun an wurde er nicht mehr aus den Augen gelassen. Als ich erfuhr, daß er heute Nachmittag einen Wagen jüt die Nacht ge, miethet, begab ich mich denn um zehn Uhr in Ihr HauS, um Sie wegen Ihres Fräulein Tochter zu warnen. Sie waren alle drei ausgefahren mir blieb nun nichts übrig, als zurückzukehren und die weiteren Schritte mei­nes vortrefflichen Sohnes zu beobachten; denn erst im letzten Augenblicke wollte ich ihn meine Entdeckung wissen lassen, da ich sonst sein Lâugnen fürchtete.

Deßwegen konnten Sie unbesorgt sein, Vater!

Schon gut! Denken Sie sich mein Erstaunen, als ich, nachdem ich hinter meinem Sohne hergefahren und in einiger Entfernung auSgestiegen, nach eilf Uhr eine Dame in einem Wagen ankommen sehe, den ich sogleich für den Ihrigen erkannte. Ich dachte, Laura hätte Ihren j Kutscher bestochen, Sie, anstatt nach Hause, dorthin zu; fahren; denn ich hielt Sie für Laura und schrieb der Mondbeleuchtung zu, daß Sie mir so groß erschienen. Mie freute ich mich, das Paar zu ertappen, zu beschä­men, Laura zu Ihnen zurück zu bringen! und nun

nun muß ich bedauern, meinem Sohne gefolgt zu sein; denn Sie wären wahrscheinlich viel besser mit ihm fertig geworden, als ich! Und stellen Sie sich vor, bei meinem Nachhausekommen fand ich auftmeinem Schreibtische einen Abschiedsbrief von ihm, den er bei seinem Wegfahren da­gelaffen. Da pocht er denn auf seine vor ein paar Mo­naten erlangte Großjährigkeit, weis't meine Erbschaft zurück, will keine Ansprüche auf seinen Grafentitel machen was nützt mir das? Ich kann mich nicht selbst beerben, und mit dem abgelegten Grafentitel kann ich gar nichts anfangen! Nehmen Sie ihn in die Kur, meine gnädige Freundin!

Georg hatte lächelnd der Erzählung seines Vaters zugehört. Er fühlte wohl, daß die heitere Färbung nur der Humor der Verzweiflung war aber eben deßhalb ergötzte er ihn um so mehr denn Mitleid hatte er keines mit seinem Vater, eben so wenig wie dieser mit ihm!

Zu Gerhardinen sich wendend, sagte er jetzt herzlich und heiter: DaS ist ein guter Vorschlag meines Vaters. Nehmen Sie mich in die Kur, liebe gnädige Frau!

Gerhardine aber schüttelte lachend den Kopf und sagte: Unverbesserlich wie Ihr Vater!

Sie wußte wohl, daß diese Bemerkung Beide ver­droß Keiner wollte ja dem Andern gleichen!

Graf Hugo saß da, ein Bild des Jammers, voll­kommen rathloS, zum ersten Male in seinem Leben, und das gerade einer Frau gegenüber, deren Achtung und Freundschaft ihm unentbehrlich dünkten!

Georg, alS sei sein Vater nicht da, fragte Gerhar­dinen, ob sie ihm erlaube, daß er ihr von Liverpool auS schreibe. Sie aber sagte: Nein! Graf Georg!

Da sie aber dabei nicht streng auSsah, fragte Georg ganz zuversichtlich: Weßhalb nicht?